Verschwörungstheorien

Jetzt kommt eigentlich ein heikles Thema, leben wir ja Zeiten, wo es mit den Widerspruch in Bezug der Corona-Maßnahmen ein wenig schwierig ist, bekommt man doch öfter, wenn man beispielsweise sagt, daß es mit diesem Virus vielleicht doch nicht so schlimm ist oder man sich nicht impfen lassen möchte, manchmal gleich gesagt: “Ja, die Erde ist eine Scheibe!” oder “Nimm den Aluhut ab, du Covidiot!”

Was ich eigentlich bedenklich finde, obwohl schon klar ist, daß man am Anfang der Krise, ab März 2020, die Angst geschürt wurde, um die Leute zum Mitmachen zu bewegen. Da gibt es den Saga von “Wir werden bald jemanden kennen, der an dem Virus gestorben ist!”

Zum Glück ist das nicht passiert. Ich habe nur davon gehört, daß das dem oder dem, den ich nicht persönlich kannte, passiert sein soll und kenne ein paar posiiv Getestete, die aber keine oder kaum Symptome hatten.

Im Sommer kamen die Lockerungen. Dann die zweite, dritte, vierte Welle mit den entsprechenden Lockdowns, die Mutationen und schließlich die Impfung und jetzt zu Beginn des Sommers, wo es endlich endlich ein bißchen wärmer wird, bis Ende Mai ist das ja nichts passiert, sind schon vierzig oder fünfzig Prozent, der, die es wollen geimpft und es kommen die Erleichterungen oder die große Freiheit mit den drei Gs und der grüne Impfpaß, den es digital noch nicht wirklich gibt. Aber man muß eines der Drei vorweisen, wenn man ins Cafe, zum Friseur oder zum Fußpfleger will und jetzt ist natürlich der große Druck vorhanden, daß sich möglichst alle impfen lassen, damit die sogenannte Herdenimmunität, obwohl das, glaube ich, noch nicht so klar ist, daß das passiert, erreicht wird, obwohl es, wie die Politiker immer betonen, es keine Impfpflicht gibt!

“Alle die es möchten!”, heißt es immer. Aber auch “Wir müßen aufklären und motivieren!” und “Bitte, bitte nehmen Sie den ersten Termin, den Sie bekommen, wahr!”

Und dann gibt es die indirekte Impfpflicht oder sogar die sogenannte Impfapartheit, wie das Herbert Kickl, beispielsweise nennt. Der wurde daraufhin sehr angeschoßen, auch wenn er sagte, daß alle, die sich impfen lassen, Versuchskaninchen sind!

“Wie kann er nur, denn die Impfung ist ja hundertprozentig sicher!”, hört man da manchmal auf OE24-TV.

Die Impfungen sind aber nur bedingt zugelassen, Studien werden nachgereicht müssen und da nimmt man natürlich die Daten der Geimpften und da sind Nebenwirklungen und sogar Todesfälle wegen Blutgerinnsel aufgetreten, die das Ganze vielleicht doch nicht so sicher macht.

Sehr unwahrscheinlich natürlich, daß es einem trifft. Aber wenn, hat man Pech gehabt und dann wird auf alle ein großer Druck ausgeübt, sich trotzdem impfen zu lassen, um endlich wieder die Freiheit zu genießen, auf Urlaub zu fahren, ins Cafe gehen zu können, etcetera.

Ein Grund, wie ich finde, weshalb man sich nicht impfen lassen soll. Man soll es tun, wenn man die Impfung für eine gute Möglichkeit hält, gesund zu bleiben und nicht, weil man sonst nicht arbeiten darf, weil der Arbeitsgeber einen Impfnachweis verlangt. Darf er eigentlich nicht, sagt doch der Bundeskanzler immer, die, die sich nicht impfen lassen wollen, lassen sich halt testen. Aber da war eine Schauspielerin, die keinen Vertrag mehr bekam, obwohl sie sich testen hätte lassen und in OE24 wird manchmal sehr laut gefordert, daß es diese indrekte Impfpflicht geben soll, damit sich alle testen lassen und der Reporter geschützt ist, etcetera.

Wie passt das zu den Verschwörungstheorien? Eigentlich gar nicht. Denn wenn es keine Impfpflicht gibt, ist es ja keine solche, wenn man sagt “Ich will mich nicht oder noch nicht impfen lassen, weil mir das zu heikel ist oder will das nicht für meine Kinder!”, wo das jetzt schon ab zwölf passieren kann und es da, zumindestens in Deutschland einen relativ großen Widerstand von Ärzten gibt, die das eigentlich für unnötig halten. Die werden dann vielleicht zu den Verschwörungstheoretikern gerechnet und bekommen vielleicht auch Schwierigkeiten mit ihren Job. Da gab es schon Suspendierungen und dann gibt es noch wilden Theorien, die wahrscheinlich wirklich in die Verschwörungskiste passen, ich aber noch nicht wirklich von einem Menschen gehört habe, den ich kenne, wie beispielsweise, daß man stirbt, wenn man den Impfeinstich einer Person berührt. Das wohl sicher nicht, merke ich an, obwohl schon Menschen an Impfungen gestorben sind und vielleicht auch schon Kinder umgefallen sind, weil sie das Maskentragen nicht vertrugen. Die sind dann wahrscheinlich nicht gestorben und wenn doch , dann wahrscheinlich durch eine Vorerkrankung und nicht primär durch die Maske. Aber das ist, habe ich vorige Woche bei einer Fortbildung und auch bei meinem Leipziger Messebloggen bei dem Ingrid Brodnig ihr neues Buch “Einspruch-Verschörungstheorien und Fake News kontern”, vorstellte, hörte, daß das falsch sei und die auch Ratschläge gab, was man Verschwörungstheoretikern antwortet?

“Ich mag dich als Mensch, bin in diesem Punkt aber nicht deiner Meinung!”

Selbstverständlich, denke ich, wenn mir jemand , wie mir das einmal im Literaturhaus beim “Fest für Heinz Lunzer” passierte, sagt, daß Jörg Haider keinen Unfall hatte, sondern ermordet wurde. Heikler wird es, wenn einer meint “Ich lasse mich nicht impfen, da laße ich mich eher kündigen!”

“Da soll man hellhörig werden!”, meint ingrid Brodnig. Natürlich werde ich dem raten, vorsichtig zu sein und nicht alles hinzuschmeißen, weil er, wenn er dann aufs Arbeitamt geht, auch einesde 3Gs braucht. Besser wäre es, auf sein Recht zu bestehen, weil es ja, wie oben angemerkt, keine Impfpflicht gibt, zuklagen oder sich an die Medien wenden.

Aber ist man schon ein Verschwörungstheoretiker, wenn man sich nicht impfen lassen will? Und ist man einer, wenn man beispielsweise auf eine Anti-CoronaDemo geht? Da ist man, habe ich gehört, ein Terrorist und ein Nazi, weil bei solchen Waffen gefunden wurden und ein Herr Küssel dorthin geht. Deshalb darf ein normaler Mensch das nicht tun, aber wo soll er seine kritischen Bedenken äußern, wenn er Widersprüche sieht?

Nicht ganz so einfach zu beantworten. Denn es gibt inzwischen genug Ärzte und Wissenschaftler, die das anders sehen, ein Dr. Sönnichsen, ein Martin Sprenger, ein Sucharid Bhakdi, ein Wolfgan Wodarg und und und….

Aber die werden sehr angegriffen , wie ich bezüglich Prof Bhakdi, dessen Buch ich gelesen habe und es eigentlich nicht sehr verschwörerisch finde, auf den schon zitierten Semiar erlebte und Andrea Kdolsky, die ehemaligen Gedundheitministerin, hat in der Tamara Fellner-Show sogar gesagt, er wäre kein Arzt, obwohl sie mit ihm schon öfter diskutiert hat. Er ist aber Facharzt für Mikrobiologie und Infektionsepidemologie. Zwar schon über siebzig, was da immer negativ angemerkt wird. Aber in diesem Alter bekommen andere Ärzte manchmal den Nobelpreis und da regt sich keiner auf.

Ein schwieriges Thema, wo ich meine, daß man mehr Widerspruch zulassen sollte, auch andere Meinungen anhören und darüber diskutieren oder streiten, so denke ich doch, daß man bei Disserationen seine Thesen in Streitgesprächen diskutieren soll. Bei diesem Thema scheint es aber keinen Widerspruch geben zu dürfen.

Wahrscheinlich steckt da auch die Angst dahinter, daß die Leute sonst nicht mitmachen würden. Aber sie haben mitgemacht und jetzt sind die Zahlen auch soweit unten, daß, wie ich höre, die Maskenpflicht im Freien, nächste Woche fällt und man nur noch einen Meter Abstand halten muß.

Also darf man vielleicht seine Meinung äußern und kann dem anderen, wenn er Bedenken äußert, vielleicht ausreden lassen, statt ihm gleich “Du bist ein Covidiot und möchte mit dir gar nicht mehr sprechen!”, wie mir das auch schon mal passierte, kontern. Das wär doch wirklich schön und, daß bei der Impfung, die Gefahr von Blutgerinnseln besteht, hat Prof Bhakdi, glaube ich, in seinem zweiten Buch beschrieben, noch bevor diese Krankenschwester in Zwettl daran gestorben ist. Und dann gibt es noch die Theorie, daß das Virus nicht von Fledermäusen, sondern aus einem Labor kommt!

Das hätte ich eigentlich für eine Verschwörungstheorie gehalten, ohne den, der mir das erklärt, gleich niederzumachen. Jetzt höre ich aber, das wäre offiziell bewiesen. So ganz, glaube ich, das zwar nicht, lasse mich aber gern belehren.

Der 42. Breitegrad

Jetzt kommt, etwas vespätet, denn der “Preis der Leipziger Buchmesse” ist ja schon vergeben, das dritte Buch aus der Übersetzerschiene, das eigentlich aus drei Büchern besteht. Nämlich die “USA-Trilogie” des von 1896-1970 gelebt habenden amerikanischen Autors John Dos Passos, die ich schon seit November auf meinen Badezimmerstapel liegen habe, habe ich mir das Buch, das aus1644 sehr dünnen Seiten besteht, von der Anna zum Geburtstag gewünscht und hätte den Wälzer wahrscheinlich liegen lassen oder Ende des Jahres in ein Regal geräumt, wäre es nicht auf die Übersetzer-Schiene gekommen. Da hat mich dann der Ehrgeiz gepackt und ich habe es lesen müßen.

Dirk van Gunsteren und Nikolaus Stingl haben den Wälzer übersetzt und ich habe von John dos Passos schon was gelesen oder durchgeblättert, habe ich doch als “Buch und Wein” in der Schäffergasse geschloßen wurde und abverkaufte wurde, mir “Manhattentransfer” gekauft und in den St. Pöltner Bücherschränken habe ich einmal “Jahrhundertmitte” gefunden” und dann noch die “Drei Soldaten” irgendwo in den Regalen stehen.

Jetzt also der amerikanische Montageroman, wo auf sehr lesbare Weise, wie im Klappentext steht, das politische und soziale Geschehen Amerikas verknüpft mit verschiedenen Charakteren zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts, verbunden mit dem ersten Weltkrieg, dem Aufstieg Hollywoods, etcetera, geschildert wird.

Der erste Teil heißt “Der “42 Breitegrad”, dann gibt es noch “1919”und “Das große Geld” und auf den vierhundertfünfzig Seiten des “42. Breitegrades” gibt es die verschiedensten Textsorten. Da findet man immer die “Wochenschauen”, dann Textpassagen die “Das Auge der Kamera” heißt und dann gibt es die Lebensläufe von fünf Personen, drei Männer und zwei Frauen, die auf den ganzen Band verteilt, beschrieben werden.

Da gibt es Fainly oder Fenian, der, als seine Mutter stirbt, von seinem Onkel, einem Gewerkschaftler, der eine Druckerei besitzt, zu sich geholt wird. Fainly, der dann nur noch Mac genannt wird, wird auch Drucker und als der Onkel seine Druckerei verliert, zieht er mit einem windigen Agenten durch die Lande, um Bücher dort an den Mann oder die Frau zu bringen. Er schlägt sich auf verschiedene Art und Weise durch das Leben, schließt sich der Gewerkschaft an, verläßt sie, sie wei er heiraten und ein Kind versorgen muß. Schließĺich zieht er nach Mexiko, um zu kämpfen, übernimmt eine Buchhandlung, erlebt die mexikanischen Freiheitskämpfe, etcetera.

Das Ganz wird von Amerkungen unterfüttert und dann lernen wir Janey kennen, die macht eine Sekretärinnenausbildung, Stenografie war damals noch angesagt und dann tippte man die diktierten Texte auf einer Remington ab, arbeitet bei verschiedenen Rechtsanwälten, teilt sich ein Zimmer bei einer Freundin, mit der sie Sonntags in einem Drugstore ein Soda trinkt oder mal ins Kino geht. Schließlich kommt sie nach New York und wird die persönliche Sekretärin eines J. Ward Moorhouse, dessen Lebenslauf auch geschildert wird.

Der arbeitet als Journalist, wird schließlich Geschäftsmann oder sowas, wie Kommunikationsberater, wenn es das 1916 schon gegeben hat. Er nimmt seine Sekretärin jedenfalls nach Mexiko mit, wo sie sich mit Mac kreuzen und eine Eleonaor Stoddard, die ist eine Art Architektin, die sich als Verkäuferin hochgearbeitet hat, gibt es auch. Man sieht John Dos Passos ist eigentlich sehr modern. Sie lebt in christlichen Boardinghouses, wird die platonische Freundin von J. Ward, der dadurch Schierigkeiten mit seiner zweiten Frau bekommt. Von der er sich nicht lösen kann, weil das Geld von seinen Betrieben von der Schwiergermutter kommt und am Schluß begegnen wir noch einem Charley Anderson, der als Mechaniker durch die Lande bummelt, Frauen begegnet, säuft und sich auch mal prügelt.

Das Ganze wird, was auch bei “Amazon” kritisiert wird, ziemlich zusammenhanglos geschildert und bei den “Wochenenschauen” oder “Auge- Passagen” werden bei den Absätzen oft die Sätze auseinandergerissen. Ich bin gespannt, wie es mit beiden anderen Teilen weitergeht und habe das Lesen, obwohl die dünnen Seiten in der Badewanne ziemlich gelitten haben, eigentlich sehr genoßen und einen interessanten Autor kennengelernt.

Wo man in Niederösterreich Kunst zeigt

Der “Holzbaum-Verlag”, der ja, glaube ich der erste war, der mir Rezensionsexemplare schickte, so daß ich ihn auch entsprechend gelesen habe und meinen unterentwickelten Hang zum Humor ein wenig erweitert hat, eine “..in leiwanden Grafiken-Serie”, wo der Humor in den Unterschriften zu den verschieden bunten Kugeln liegt. Die habe ich mir eher wenig bestellt, weil ja ein bißchen eintönig.

Bei “Niederösterreich in leiwanden Grafiken”, mußte ich eine Ausnahme machen, weil ja in St.Pölten einen Zeitwohnsitz und habe das schmale längliche Büchlein also am Wochenende sowohl am Klo als auch in der Harlander Badewanne durchgeblättert und muß sagen, es unterscheidet sich ein wenig von den anderen, weil man von Nebenschriften wohl wirklich ein bißchen Info über NÖ bekommt. Natürlich auch ein bissen bissig, wie beispielsweise, die Frage nach den berühmten Kellern. Da würde man ja an die Weinkeller denken, aber weit gefehlt, der von Josef Fritzl und der von Wolfgang Prikopil, das ist wohl der, der Natascha Kampusch entführte, der andere hat seine Tochter dort jahrelang festgehalten. Eigentlich schade, daß es das Erstens gibt und Zweitens, daß es soviel Aufmerksamkeit findet.

Das Frequency Festival ist mir bestens bekannt, nicht wegen der Bands, die dort auftreten, sondern weil es dann öfter Wirbel gab mit dem Rad an der Traisen entlangzufahren.

Die schönsten Friseursalons in NÖ heißen “Come Hair” in Gramatneusiedl, da muß ich bekennen, daß ich das immer noch in Burgenland lokalisierte, das “elemtHAAR” in Traun. Dann gibts “Fön X” in Traisen. Da fahr ich manchmal mit den Rad hin und die “Vier Haareszeiten” in Traiskirchen.

Einschlafhilfen in NÖ: Strommasten zählen, Kreisverkehre zählen, Kellergassen zähelen, etcetera, etcetera. Die Grundausstattung in den Kaffs finde ich auch interessant. Da gibt es die Kirche, den Nah&Frisch, die Raiffeisenbank, das Gasthaus zur Post oder den Kirchenwirt und dann natürlich den ÖVP-Bürgermeister. Die kulturellen Highlighst sind angeblich das Kürbisfest, das Erdäpfelfest, das Zwiebelfest, der Pfarrheurige und die Wahl zur Weinkönigin. Da war ich schon einmal auf einem Erdäpfelfest und bei einem Kellergassenfest glaube ich auch.

Das Landleben besteht laut “Holzbaum” aus “Wespen verjagen, Fliegen erschlagen und Gelsen begraben”. Da steige ich als gar nicht so Tierliebende aus. Die Alternativen zu Corona sind das “Schremser, das Schwechater, das Zwettler”, etcetera. Ich füge an, am Markt von St. Pölten gibt es noch verschiedene andere Bierkreationen aus Haus und Hof-Brauereien. Risiken sind die betrunkenen Traktorfahrer. Da muß man wahrscheinlich aufpassen. Die schönsten Gebäude sind das “Römertor in Traismauer, das Loisium Langenlois, das Stift Dürnstein. Melk wurde da, muß ich anfügen vergessen und beim Heurigen werden sowohl “Schweinsbraten, Liptauer, Soletti als auch Tutti Frutti” gegessen.

“Trifftige Gründe NÖ zu besuchen” ist angeblich das Wein trinken. Ich fahre dorthin, weil in Harland in St. Pölten einen Nebenwohnsitz habe und dort an der Traisen Radfahren kann. Den Wein habe ich zu Hause. Aber auf manchen Kirtagen und Kellerfesten, sowie natürlich bei der “Literatur und Wein” war ich auch schon.

“Wachau-Tourismus besteht also auch im Weintrinken, das Schiffahren und das Marillenknödel essen” kommt weitab. Ich bin ein paarmal mit dem Rad hingefahren und hab mir dann die Marillen vom Boden aufgeklaubt.

Den kratzigen Pullover zieht man angeblich nicht an, weil es kalt ist, sondern weil die Oma danach fragt. Das wird wohl auch in anderen Landstrichen so passieren. Der Bus fährt angeblich nie in NÖ. Ich würde sagen, eher selten, fahr aber eh mit dem Rad.

Die Chance Bürgermeister erhöht sich angeblich mit der OVP-Mitgliedschaft. Wir haben in St. Pölten aber einen Roten. Im Waldviertel gibt es Wackelsteine, menschenleere Landstriche und vor allem laut der Graffik Rauschmittel also “Whisky, Vodka, Bier und Mohn”

Als Vegetarisch gelten in den Gasthäusern sowohl die “Linsen mit Speck, Grammelknödel, Backhendlsalat, als auch die Gemüseleibchen und die gebachkenen Champignos”. Finde ich interessant und habe jetzt auch die Forelle Müllerin vergessen. Das Marchfeld ist wegen dem “Iglo-Gemüse und sonst wegen nichts bekannt.”

Am Schluß werden die weiteren leiwanden Bücher aus dem “Holzbaum-Verlag” also das “Autofahren”, die “Babys”, die “Katzen”, “Österreich” und “Wien” angeführt. Mal sehen, was ich davon gelesen habe und jetzt kann ich das Büchlein, das wieder ein Print-Exemplar ist, in Harland ins Regal stellen und bin am Sonntag auf der Rudolfshöhe gewesen, wo es auch Wein gegeben hat.

Buchpräsentation statt Fest

Am neunundzwanzigsten Mai ist Gerhard Ruiss, der Dichter, Schlagersängerund Geschäftsführer der IG Autoren siebzig geworden. Herbert J. Wimmer ist das schon am zweiten Mai und normalerweise hätte es da wahrscheinlich große Feste gegeben. Aber in Zeiten, wie diesen ist das nicht erlaubt, obwohl das Lteraturhaus, die “Gesellschaft”und die “Alte Schmiede” ab neunzehnten Mai, glaube ich, wieder Publikum zu lassen darf. Mit FFP2-Maske und den 3Gs plus Registrierung natürlich. Aber ein Fest mit Buffet ist, glaube ich, erst ab ersten Juli möglich, wenn die Zahlen,die ja jetzt unerklärlich sinken, Publikum zulassen.

Aber eine Buchpräsentation im Literaturhaus, dem Heimspiel, wie Robert Huez, der Literaturhausleiter in seiner Einleitung erklärte, ist möglich, hat doch die “Literaturedition Niederösterreich”, wahrscheinlich auch zum Siebziger, des in Ziersdorf Geborenen, einen Gedichtband “lieber, liebste, liebes, liebstes. Andichtungen” herausgegeben und den “H. C. Artmann-Preis” hat er schon 2020 bekommen, zumindestens wurde der ihm da zuerkannt. Die Preisverleihung mag wohl pandemiebedingt auch verschoben worden sein. Zumindestens erzählte Klaus Zeyringer, der Moderator etwas von einer restlos ausverkauften Veranstaltung am 14. Juni “Bei der Sie daher nicht teilnehmen können!”

Und ich dachte “Sind wir schon soweit, daß man sich bei Preisverleihungen zukaufen muß?”

Anmelden und registrieren wahrscheinlich. Aber mit Maske gehe ich ohnehin nicht hin und bestehe für mich auch frei und widerständig auf das vierte G. Also habe ich mir die Veranstaltung per Stream angeschaut und war, kann ich anmerken, da kurzzeitig die einzige Zuhörerin. Dann sind noch drei dazugekommen und im Literaturhaus waren brav mit Maske und im Schachbrettmuster auch ein paar Köpfe zu sehen und ich kenne den 1951 Geborenen schon lang.

Wahrscheinlich seit den Siebzigerjahren, seit dem ich ja versuche in den Literaturbetrieb hineinzukommen, Mitte achtzig wurde ich ja für die Generalversammlung der IG-Autoren nominiert und bin seither immer regelmäßig hingegangangen. Beim Volksstimmefest und auch bei der “Poet Night” hat er regelmäßig seine eher kurzen politischen Gedichte vorgelesen, Oswald von Wolkenstein neu übersetzt,vieleGedichtbände herausgebracht und ist natürlich das Gesicht der Literatur als Geschäftsführer der IG-Autoren, der ja glaube ich auch das Literaturhaus durchsetzte, da warich auch aufdem Eröffnungsfest, wo Hilde Havlicek mit Jack Unterweger tanzte.

Eine Zeitlang war er, glaube ich, auch bei den Grünen und bei den GVs hat er immer, was ich sehr lustig fand, reine Monologe gehalten, hat auch viel gearbeitet und einmal ein Burnhout bekommen.

Ein Tausendsassa und einer der mir sehr viel geholfen hat, weil ich ihn bei meinen Autorenproblemen öfter um Rat fragte. So hat er meine wenigen Verlagsvertrage durchgesehen, bei “Paul und Paula” interveniert und bei der letzten GV, die es gegeben hat, habe ich auch versucht auf meine selbstgemachten Bücher mit meinen Selfpublisherantrag aufmerksam zu machen. Die Pandemie hat verhindert, daß ich das weiter verfolgen konnte.

Gerhard Ruiss ist aber auch im Corona-Jahren sehr engagiert gewesen, hat auf verschieden Künstlerdemonstrationen Reden gehalten und seine Texte vorgetragen und jetzt eine Feier oder Buchpräsentation, die er mit Klaus Zeyringer fast choreofieartig durchführte. So wurden zweiunddreißig Gedichte, aus dem Band, der durchaus nicht nur Liebesgedichte enthält, vorgetragen. Gerhard Ruiss las vor. Dann kam eine Frage oder ein Gespräch. Eine launige Conferance sozusagen. Dann wurde das Gedicht wiederholt und zwischendurch erzählte Klaus Zeyringer auch von den “Kanzlergedichten”.

Und auch das Gedicht an das ich mich gut erinnern kann, daß ich ihn einmal auf dem Volksstimmefest lesen hörte, als ich dort noch nichtgelesen habe “Revolution Hast den aufmüpfigen Tonbei meinem Ja-Wohl gehört!”, wurde von Klaus Zeyringer zitiert. Gerhard Ruiss hat wohl wirklich eine eigene poetische Sprache.

Er betonte das Verdichten und Verkürzen. Seine Vorbilder sind Ernst Jandl, Erich Fried, H.C. Artmann, aber auch in Brecht und Erich Kästner und am Schluß überreichte Werner Richter, von der Übersetzer-IG einen Blumenstrauß und Robert Huez ein Schokoladesortiment und Gerhard Ruiss verkündete, was mich ein wenig wunderte, daß er vor einigen Tagendas zweite Mal geimpft wurde, damit er wieder beweglich ist.

Nun ja, nun ja, wenn man öffentlich auftreten will, bleibt einem wohl nicht viel anderes über! Ich wünsche also alles Gute zum Geburtstag, habe ihm das schon gemailt und Antwort bekommen und bin jetzt wieder gespannt, wann und wo ich Gerhard Ruiss wieder live erleben werde. Die GV 2021 hat ja noch nicht stattgefunden.

Aus der Schweiz

Wieder ein Anbend mit Unterstützung der Schweizer Kulturstiftung Helvetia in der “Alten Schmiede” und zwar stellten, der ebenfalls Schweizer Literaturwissenschaftler Fermin Suter, der an der Donau Universität lehrt und der “AS-Mitarbeiter” Johannes Tröndle drei Autoren vor. Zuerst war der mir unbekannte1987 in Zürich geborene Lukas Maisel, der in Olten lebt und in Biel studierte, seinen Debutroman “Buch der geträumten Inseln” vor und Fermin Suter oder war es Johanna Öttl, erzählten dazu, daß Lukas Maisel heuer beim “Klagenfurter Wettlesen” teilnehmen wird, also war er mir nicht ganz unbekannt, denn die Namensliste bin ich ja durchgegangen.

Das Buch aus dem der Autor drei Stellen las und dann viel darüber mit Fermin Suter sprach, scheint sehr originell zu sein oder einen originellen Protagonisten zu haben, der Robert Akeret heißt, ein Kryptozoologe ist und sonst vielleicht autistisch zu sein scheint. Der bereist jedenfalls mit zwei Kumpanen, die vielleicht auch ein wenig seltsam sind im Einundzwanzigstenjahrhundert, die Welt die ja schon entdeckt ist und machen seltsame Erfahrungen dabei.

Interesant, interesant, könnte man sagen und interessant sind wahrscheinlich auch die Verbindungen, die Johanna Öttl zur zweiten Lesenden, nälier1985 geborenenDorothee Elmiger und ihrem Journal “Aus der Zuckerfabrik” zog. Sie wurde von Johannes Tröndle moderiertundinteressant ist auch, daß Dorothee Elmiger mit einem Auszug aus “Einladung an die Waghalsigen” mit denen ich mir etwas schwer tat, auch beim “Bachmannpreis” gewonnen hat. Sie hat dann noch den “Fried-Preis” bekommen und “Aus der Zuckerfabrik” das beim letzten “Deutschen Buchpreis” glaube ich sogar auf der Shortlist gestanden ist, ist ein Buch ohne Gattungsbezeichnung, wie Johanna Öttl oder Johannes Tröndl erklärte. Es ist ein Journal der Recherche und beschäftigt sich mit den Produktionsbedingungen des Zuckers, aber auch mit einem Lottomillionär. Von dem war bei derLesung und dem Gespräch viel die Rede und der dritte, der nach einer Pause ebenfalls von Johannes Tröndl vorgestellt wurde, war mir ebenfalls schon bekannt. Hatte er er schon, wie er auch in seiner Einleitung erwähnte. öfterin Wien und in der “AS” gelesen. Er war auch Juror beim “Fried-Preis” und hat da Dorothee Elmiger vorgeschlagen.

Johannes Tröndle führte kurz und knapp durch das Werk, des 1947 in Graubünden geborenen. Dessen erstes Buch heißt “Ruch”. Das ist ein Anagram von Chur, wo der Autor, glaube ich lebte oder studierte und er hat auch in einem einzigen Satz in “Blums Schatten” den “Ullsses” nacherzählt und er übermalt oder überschreibt auch seine Bücher. So hat er das Buch “Flug” dreimal herausgeben. 1984 ,2014 und jetzt mit dem Titel “Sturz, Das dritte Buch vom Flug”, das sehr umfangreich ist und aus einigen Teilen besteht. Das jetzt in der “AS” vorgestellt wurde. Es geht um Flugpioniere, aber auch in einem biografischen Teil, um einen Ausbruch aus einem Schweizer Bergdorf und eine Entwicklungsgeschichte und lebt, wie Johannes Tröndle erklärte, man in der Lesung aber auch erleben konnte, von der Musikalität seiner Sprache und dann ist es in einem Schnellkurs, die Grassssche “Blechtrommel” um die Leseerfahrungen des Autors gegangen, der, das habe ich jetzt vergessen,1996 den “Bachmann-Preis” bekommen hat.

Was vielleicht ein eine Ermunterung für Lukas Maisel sein könnte, dem ich schon im Voraus alles Gute wünsche und der, das habe ich auch vergessen, derzeit Gastautor in Krems ist und für mich war es spannend in meinem Harlander Zweitwohnsitz einen Schweizer Abend zu erleben, weil es derzeit ja nicht so einfach ist, dorthin zukommen, wenn man etwas widerständig ist.

Ich war aber in den letzten Jahren einige Male dort und habe da auch ein wenig Literatur erlebt und die “Alte Schmiede” veranstaltet ja öfter Schweizer Abende und den Schweizer Literaturpreis gibt es ja auch, den ich einmal sogar im Literaturhaus und einmal live in Basel erleben konnte und Retro Hänny merkte wieder an, daß er obwohl ihm das Erzählen wichtig ist, eigentlich nicht an Plot und Handlung interessiert ist, sondern eigenlich immer dieselbe Geschichte vom “Hänschen”, das in die Welt hinaus geht, erzählt, was für einen “Alten Schmiede” Leser auch sehr typisch ist.

Leipzig im Mai liest extra

Die Leipziger Buchmesse findet immer im März statt und seit den späten Neunzehnneunzigerjahren sind wir immer mehr oder weniger regelmäßig dabei, hat der Alfred doch Freunde dort,die uns eingeladen haben, ihren Dachboden zu benützen. Ein paarmal war der Alfred verreist, so habe ich gestreamt und im März 2019 hatte ich schon meine Akkredierungsunterlagen und meine Termine denn seit 2015 habe ich das immer getan und mir dann beim Sonntagsausflug auf die Rudolfshöhe den Knöchel gebrochen und mit Gips wollte ich auf keine Messe.

Im Jahr darauf war es dasselbe. Termine ausgemacht, die Akkreditierung ist gekommen, aber auch die Nachrichten aus Wuhan und so wurde ich schon im Februar im Literaturhaus gefragt, bist du sicher, daß es stattfindet?

“Nein!”, habe ich geantwortet und beim “DichtFest” in der “Alten Schmiede” hat mich Monika Vasik gefragt, ob wir fahren? Wenn es stattfindet schon!”, habe ich geantwortet. Die Nachrichten häuften sich und Tobias Nazemi vom” Buchrevier” hat gepostet, daß man in Leipzig nur mit Mund- oder Ohrenschutz hingehen könnte.

” Achtung Satire!”, hat er darunter geschrieben.

“Mit so was soll man keinen Spaß machen!”, habe ich gedacht oder geantwortet. Am Dienstag oder Mittwoch wurde dann abgesagt. Die Buchmesse fand online statt und postete überall “Nächstes Jahr wieder, wir freuen uns, dieTermine stehen schon fest!”

rrrDie Termine waren im März natürlich, wie geplant. Wurde dann auf den Mai verschoben, denn dann kann man viel im Freien machen. Die Frankfurter Buchmesse hat zum größten Teil digital stattgefunden. Die “Buch Wien” überhaupt abgesagt und weil es ja bis vor kurzem die dritte oder vierte Welle gab, wurde das Ganze dann auch ins digitale Netz verschoben.

Julia Lücke, die Pressesprecherin der Messe hat mir immer eifrig die Pressemeldungen geschickt, so die über den “Preis der Leipziger Buchmesse”, wo die Nominierten ja Anfang April bekanntgegeben wurden und ich inzwischen sechs Bücher von den fünfzehn gelesen habe. Statt der Eröffnung oder zeitgleich mit ihr soll am Mittwoch der “Preis der Europäischen Verständigung” in der Nikolaikirchen an Johny Pitts als auch an Laszlo F. Földeny, der den Preis im letzten Jahre bekommen hätten sollen, vergeben werden und ein “Leipzig Extra Lesefest” teils digital teils vor Ort in verschiedenen Buchhandlungen natürlich nur mit den strengen Covidbestimmungen sollte es auch geben und die Antiquitätsmesse digital.

Das alles ein bißchen verwirrend. Was findet jetzt digital, was real statt und wo finde ich die Streams um hineinzukommen? Ein bißchen Klärung brachte dann die Pressekonferenz, um elf, zu der mich Julia Lücke auch eingeladen hat. Ditial ode rvor Ort mit Mundschutz etcetera. Ich habe natürlich das Netz gewählt. Mir dann die Statesments von Direktor Oliver Zille, einer Vertreterin der unabhänigen Verlage, die erklärte daß der “Kurt Wolff-Preis wieder vergeben würde und einigen anderen, die das Programm erklärten, angehört.

Ich habe mich inzwischen auch im Netz ein bißchen kundig gemacht. Das “Blaue Sofa” wird es wieder geben, wo überraschung, auch Daniel Wisser auftreten wird und so habe ich mir die Termine freigeschaufelt, um ab Abend digital dabei zu sein und wieder einmal eine Messe Online zu erleben, was wie ich aus Erfahung weiß, natürlich nicht dasselbe ist. Der Wein und die Gespräche fehlen, aber eigentlich ganz informativ ablaufen können.

Was dann gar nicht so einfach war den Stream zu finden,der mich in die Nikolaikirche, wo die Eröffnung stattfand, führt, sonst hätte die wohl im Gewandhaus stattgefunden. Da aber nur wenig Zuhörer,die sich auf den Kirchenbänken verteilten,war der Rahmen wohl angemessen und die Nikolaikirche sehr schön. Als ich mich dann verspätet einfand oder plötzlich, nach unzähligen Versuchen das Video hatte, kam ich in eine Gesprächsrunde,wo ein Reinhard Bärenz von MDR-Kultur mit der neuen Vorsteherin des Börsevereins Karin Schmidt-Friderichs, Burkhard Jung, dem Oberbürgermeister und dem Ministerpräsidenten des Freistadt Sachsens über Corona, abgesagte Buchmessen und die diesbezüglichen Verluste, sowie über den Wert des Lesen und natürlich über die europäische Verständigung unterhielt. Ein Preis, der jedes Jahr im Vorabend der Messe vergeben wird, wo ich früher bei den Hundertmarks im Wohnzimmer saß und diesmal, wie schon erwähnt doppelt, denn im Vorjahr hat der 1952 in Debrecen geborene Laszlo Födenyi mit seinem Buch “Lob der Melancholie” bekommen hat. Die Laudatio ist ausgefallen, kann aber im Programmheft nachgelesen werden. Der mir bisher unbekannte Autor, der auch Bücher über Kleist und Kafka geschrieben hat und gut Deutsch sprach, hielt die Dankesrede.

Dann gab es ein Musikstück, bevor es mit dem heurigen Preisträger, den in England lebenden Johny Pitts für sein Buch “Afropäisch” weiterging, der aber Corona bedingt, da gibt es ja die britische Variante, nicht aus England kommen konnte, sondern zugeschaltet war und in seiner Dankesrede, sein Buch vorstellte, wo es, glaube ich, um eine Reise des jungen Autors durch Europa ging, der auf diese Art und Weise, die afrikanische Diaspora erforschen wollte, denn er ist der Sohn eines afrikanischen Soulmusikers und einer weißen Mutter, also ein spannendes Stück europäische Vielfalt. Die Laudatio hat Elisabeth Ruge gehalten und in der Jury ist, glaube ich, auch Daniela Strigl gesessen und am Schluß gab es noch eine Bach Fuge zu hören, bevor es in Leipzig warhscheinlich doch zu einemt Buffet ging und ich hatte ein Glas Wein mit Orangensaft, wie ich es gerne habe, neben mir stehe

Am Donnerstag bin ich dann, weil von zehn bis zwanzig Uhr Stunden, nicht viel nach Leipzig gekommen, aber das “Blaue Sofa” streamte ohnehin erst ab fünfzehn Uhr und dann gab es in der Moritzbastei auf drei Bühnen eine Lesenacht, wo Raphaela Edelbauers “Dave”, Shida Bazyar aus ihrem neuen Roman “Drei Kameradinnen” Michael Decar aus der”Kobra von Kreuzberg”, Lisa Krusche, Tiljan Sila und Fabian Neidhardt aus “Immer noch wach” unter anderen gelesen haben.

Der “Seraph” ein Fantasypreis wurde auch vergeben und beim “Lesekompaß” die besten Kinder und Jugendbücher vorgestellt.

Am Freitag wurde dann in der Kongreßhalle beziehungsweise über das “Blaue Sofa” der Präsident des deutschen Bundestages Wolfgang Schäuble über sein neues Buch, die Grenzen Euopas oder auch über die Corona-Krise interviewt.

Dann habe ich mir Lisa Krusches gestrige Lesung aus ihrem Debutroman “Unsere anarchistischen Herzen” nachgehört, bevor ich wieder auf das “Blaue Sofa” ging, wo die 1946 geborene Journalistin und Schriftstellerin Gabriele von Armin ihr Buch “Das Leben ist ein vorübergehender Zusatand”, wo es um den Schlaganfall ihres Mannes geht, vorstellte.

Um vier wurde dann ebenfalls in der Kogreßhalle der“Preis der Leipziger Buchmesse” vergeben, wo ich ja vier Bücher der Sparte Belletristik und zwei der Übersetzung gelesen habe. Die “USA-Trilogie” liegt mit ihren fünfzehnhundert dünnen Seiten noch auf meinen Harlander Schreibtisch. Die Jurymitlieder saßen am Podium. Oliver Zille, der Direktor und der Jurysprecher Jens Bisky standen links und rechts am Pult. Die Nominierten waren zugeschaltet. Friederike Mayröcker nur mit Bild. Wahrscheinlich hat sie kein Internet und ich dachte, dann wird sie nicht gewinnen, denn dann müßte sie sich ja bedanken und da hätte sich vielleicht die “Alte Schmiede” eingeschaltet. Ich hätte sie mir in diesen Punkt patriotisch als Siegerin gewünscht, obwohl ich ihr Buch nicht gelesen habe, dachte aber, in Leipzig ist Helga Schubert näher dran und dann, als schon die Übersetzer vorgestellt wurden, aber wahrscheinlich wird es Iris Hanika, obwohl mir ihr Buch am wenigstens gefallen hat, obwohl ich es nicht glaubte.

Von der Sparte Übersetzung habe ich zwei Bücher gelesen. “Apropos Casanova” und “Die Vögel” von Tarjei Vesaas, das mir so gut gefallen hat, daß ich mir noch das “Eis-Schloss” bestellt habe.

Die Bücher wurden kurz vorgestellt und vorher gabs ein Filmchen mit den Gewinnern vom Vorjahr. Da wurde der “Preis”, glaube ich per Radio vergeben und dann kam ein Messemensch, öffnete das Kuvert und verkündete die 1978 in Leipzig geborene Timea Tanko mit dem “Casanova” ist es geworden, die sich sehr freute und ihre maskierten Verleger umarmte.

Bei der Sparte Sachbuch/Essayistik mußte ich aussteigen, weil nichts gelesen. Gewonnen hat die Afrikanistin Heike Behrend mit ihrem “Menschwerdung eines Affens”, was offenbar eine Biografie ihres Schaffens ist und dann wurde es spannend, denn ich fand die Belletristik-Auswahl ja für sehr interessant und dann traf das ein, was ich nicht wirklich geglaubt habe.

“Nun ja!”, habe ich vor mich hingemurmelt und die Achsel gezuckt. “Daheim” hat mir am besten gefallen. Iris Hanika hat sich aber sehr gefreut und Friederike Mayröcker die nicht zugeschaltet war, konnte ihre Enttäuschung nicht zeigen und ich denke, da sieht man vielleicht wieder wie fragwürdig es ist, aus fünf sehr verschiedenen Büchern eines auszuwählen, aber so funktioniert halt der Literaturbetrieb.

Oliver Zille beendete die Veranstaltung in dem er alle für das nächste Jahr in die Messehalle einlud, wo die BM ganz sicher stattfindet und da ist Österreich das Gastland, obwohl es sich das, glaube ich, noch mit einem anderen Land zu teilen scheint und ich bin aufs “Blaue Sofa”zurückgehüpft, wo es um die sozialen Plattformen ging und darüber diskutiert wurde, bevor der Leipziger Buchpreis vorgestellt wurde und zwei der Juroren über ihre Erfahrungen sprachen. Da hat es einen offenen Brief gegeben, die auch Persons of colours nominiert haben wollen, wo Jens Bisky betonte, daß es nur um die Qualität und nichts anderes gehe, aber wie schwierig das ist, die Geschmäcker verschieden und man Iris Hanika wahrscheinlich nicht mit Friederike Mayröcker vergleichbar ist, habe ich gerade festgestellt, so daß man nur wieder fordern kann, nichts auswählen, sondern alles lesen.

Der Man of Black und Preisträger für europäische Verständigung Johny Pitts trat dann als nächstes am Sofa auf oder wurde aus England zugeschaltet und ich konnte mich wieder auf die drei Bühnen der langen Nacht der Moritzbastei hinüberswitschen, wo Jovana Reisinger deren “Stillhalten” ich ja für den Debutpreis gelesen habe, ihrneues Buch “Spitzenreiterinnen” wo es, glaube ich, um die Gewalt an Frauen ging, vorstellte. Dann gings auf eine andere Bühne, weil ich den Stream zu Dana Grigorcea nicht fand und hörte dem Roman des1975 in Hagen geborenen mir bisher unbekannten Simon Urban “Wie alles begann und wer dabei umkam” zu, das sehr dick und eine etwas aggressive Familiengeschichte zu sein scheint, weil der Protagonist gegen seine Großeltern prozessiert.

Katharina Schaller stellte auf einer anderen Bühne ihr bei “Haymon” erschienenes”Unterwasserflimmern” vor”, das mir schon bei meinem Wiener livestreaming untergekommen ist.

Die mir ebenfalls unbekannte, 1969 in Hamburg geborene Tina Uebel las aus ihrem Buch “Dann sind wir Helden”

Die acht Uhr Moritzbastei-Runde habe ich ausgelassen und mir stattdessen eine Corona-Diskussion angehört, die mich zwar auch nicht wirklich weiterbrachte und um neun gab es auf der zweiten Bühne Daniel Wisser,den ich schon in der “Schreibart Online” und vorige Woche bei “Rund um die Burg” hörte und in Raum eins war der Stream ausgefallen. Dafür gab es aber auf der Bühne drei ein interessantes Buch und einen interessanen Autor, nämlich den Aktionskünstler und Journalisten Jean Peters, der im gelben Pullover und rosa Kappel aus seinem “Geschichten aus dem subversiven Widerstand – Wenn die Hoffnung stirbt, geht es trotzdem weiter”, las und einen interessanten Kontrast zu Daniel Wissers Familienroman, wo es statt um die Zwischenkriegszeit um die AfD und einen Tortenwurf ging, bildete undJean Peters anschließend den Unterschied zwischen journalistischer Arbeit und Aktivismus erklärte.

in der nächsten Stunden switschte ich dann “Von der K-Frage” – Kinder oder keinevon Johanna Dürrholz und dem Roadtrip von Frederic Zwicker zu Ester Beckers Debutroman “Wie die Gorillas”, der im “Verbrecher-Verlg” erschienen ist und von der Identitätssuche junger Frauen handelt.

Mit Amanda Lasker Berlins “Iva atmet” wurde die lange Lesenacht beendet.

Am Samstag bin ich wieder auf das “Blaue Sofa” gegangen, wo die 1991 in Ostberlin geborene Autorin Mirna Funk mit ihrem Roman “Zwischen du und ich” eröffnete, wo es um eine traumatsierte Frau geht, die nach Israel geht und dort auf einen ebenfalls Traumatisierten trifft.

Den ganzen Tag hat es, glaube ich, in Leipzig ein “Autorenforum” gegeben, für das man aber ein Ticket brauchte, so bin ich am Sofa geblieben, wo Christoph Hein seinen neuen Roman “Guldenberg” vorstellte, wo es um Flüchtlinge aus Syrien und Afghanistan und um Fremdenhaß geht.

Dann kam der dreißigjährige Dirigent Vitali Alekseenok, der seit fünf Jahren in Deutschland lebt auf die Bühne der sich mit seinem Buch “Die weißen Tag von Minsk” für ein freies Belarus einsetzt und etwas über die Zustände in Belarus erzählte.

Ein Sachbuch von einer schwarzen Deutschen hätte für den Leipziger Buchpreis nominiert werden können, nämlich “Mist, die versteht mich ja” von der 1967 in Hamburg geborenen Schulleiterin Florence Brikowsi-Shekte, die das Kind nigerianischer Eltern hatte, drei Jahre in Lagos lebte, mit zwölf wieder nach Deutschland zurückkam, Lehramt studierte eine Agentur für interkulturelle Kommunikation gründete, in der sie sich mit den klassischen Fragen “Wo kommen Sie her und warum sprechen Sie so gut Deutsch!”, auseinandersetzt, mit denen ich mich schwer tue, wenn sie gleich als rassistisch ausgelegt werden.

Mit Fragen ging es dann gleich weiter in der”Blauen Stunde”, wo es um den “Neustart Wirtschaft”ging und Fränzi Kühne Männern, die Fragen stellte, die sonst von ihnen gestellt bekommt “Welche Schuhe ziehen Sie für die Aufsichtskonferenz an und wer passt inzwischen auf Ihre Kinder auf”, beispielsweise und der Politiker Alexander Graf Lambsdorff erzählte, daß afrikanische Kinder, die aufgefordert wurden, einen Chef zu zeichnen, dicke weiße alte Männer darstellten.

Dann habe ich mich ein bißchen mit dem Gastland Portugal beschäftigt und bin in ein Gespräch mit der Übersetzerin von Antonio Lobo Antunes über sein neues Buch “Bis die Steine leichter sind als Wasser” hineingekommen und mir dann ein Video angehört, wo Ingrid Brodnig an Hand ihres Buches “Einspruch Verschwörungsmythen und Fake News kontern in der Familie und im Freundeskreis über die Corona Demos spracDann bin ich noch ein bißchen in die Lesung von Christoph Heins “Guldenberg” hineingekommen, ein Livesream von einer Lesung bei der relativ viel Publlikum zu sehen war

Auf diese Weise habe ich dann Daniel Wisser auf dem Blauen Sofa versäumt und bin erst wieder dahin gekommen, als der 1971 geborene Steffen Kopetzky von dem ich schon “Risko” gelesen habe, seinen neuen Roman “Monschau” vorstellte, in dem es um eine Liebesgeschichte, aber auch um eine Pockenepidemie im Jahr 1962 in der Stadt Monschau in der Eifel geht, die es wirklich gegeben hat.

Etwas über Ungarn gab es in Leipzig auch. So hat Naomi Kiss, die ich ja schon in der “Gesellschaft” hörte, ihr Buch über den Balaton vorgestellt.

Am “Blauen Sofa” trat am Sonntag um zehn AndreasPlatthaus auf, der nicht nur in der Jury des “Leipziger Buchpreises” ist, sondern auch ein Buch über den Maler und Bauhausmitglied Lyonel Feininger geschrieben hat.

Am “Blauen Sofa” wurde dann der geborene 1943 in Dresden Kabarettist Gunter Böhnke mit seinem Buch “Das mach ich doch im Schlaf” vorgestellt, während es auf der Ungarn-Schiene, die Poesie aus der Vojvodian bzw. den Gedichtband “Tote Frauen” der 1984 in der Vojvodina geborenen Anna Terek, die in Budapest Schulpschologin ist, gab.

Tha Dorn, die jetzt auch das “Literarische Quartett” moderiert, hat ein Buch namens “Trost” geschrieben, dassehr interessant scheint, da es um eine wütende Journalistin geht, deren Mutter an Corona gestorben ist und die dann in der Philosophie Trost findet

Das wars dann wohl, obwohl es auf dem “Blauen Sofa” noch bis Drei Programm gab und man sicher auch noch einiges nachhören kann. Jetzt endlich kanntee ich mich auf der Programmseite ein bißchen aus. Aber es ist Sonntag und da gehen oder radeln wir ja immer auf die Rudolfshöhe, was jetzt wohl auch besonders spannend ist, herauszufinden, wie das mit dem Takeaway in der drei G-Gastronomie ist und was dieBuchmesse betrifft, fand ich diese Digital Extraausgabe spannend, obwohl, wenn man es mit früher vergleicht, da bin ich immer wieder auf alte Videos gestoßen, wo man die Menschenmasseen sah, die sich beim Sofa oder auch woanders drängen, draufkommt, daß es natürlich ganz anders war, die Bloggerberichten, die Bloggertreffen und natürlich auch vieles anders, wie die Abende mit den Hundertmarks natürlich fehlen.

Am Rande der Glückseligkeit

Jetzt kommt ein Buch, für das es eigentlich zu kalt ist, denn die Geschichten “Über den Strand” sind wahrscheinlich die perfekte Sommerlektüre, die man herrlich am Strand von Scheveningen, Brigton oder auch am eigenen Balkon, wenn man mangels des grünen Impfpaßes dorthin nicht reisen will und die 1973 wahrscheinlich in Ostberlin geborene Bettina Baltschev, die eine Liebe zu Holland hat, bekennt in ihrem Prolog ihre Sehnsucht zu den Stränden, war sie doch siebzehn als sie “Bonjour Tristesse” gelesen hat und sich dachte, daß sie nie ans Mittelmeer kommen wirde, um solche Glückseligkeit zu erleben. Das ist jetzt vorbei, so ist sie acht Strände abgereist und hat dabei auch noch die Literatur bzw. Kunstgeschichte erforscht.

Beginnen tut es in Scheveningen, dem ehemaligen holländischen Fischerdorf oder berühmten Srand, den man von Den Haag leicht erreichen kann und da meine Eltern Freunde dort hatten und ich ja auch später einen holländischen Freund, habe ich in den Siebzigerjahren Holland relativ oft bereist und dabei auch die Spagaren in Den Haag besucht.

Bettina Baltschev läuft den Strand ab, besucht das Dorf und geht dabei weit in die Geschichte zurück, beginnt bei Jonas und dem Wal, kommt zu Martin Luther, dann zu van Gogh und endet bei dem Gedicht der holländischen Dichterin Ica Gerhardt, die ein Kind am Strand beschreibt.

Dann gehtsnach Brighton, dem größten Seebad Englands und ich war, füge ich hinzu, 1973 auch einen Tag dort und bin mit ein paar Patienten des Westpark Hospitals den Strand entlangmarschiert. Denn da gab es einen Ausflug und dort habe ich ja im Juli oder August, glaube ich, ein Monat lang ein Work Camp im Westpark Hospital in Epsom verbracht.

Bettina Baltschev beginnt mit Jane Austen und ihrem “Stolz und Vorurteil” das dort spielt. Da gibt es, glaube ich, auch ein Denkmalund eine berühmte Brücke, an die ich mich nicht erinnern kann.

Ein Dr. Richard Russel hat 1750 eine Dissertation darüber geschrieben, daß das Wasser eine große Heilkraft hat. Dann ist er an das Meer gekommen und das Seebad begründet. Damals nur dem Königshaus und dem Hochadel vorbehalten, die von ihren Badefrauen und Bademännern betreut wurden. Dann wurde der Strand für alle eröffnet. Die Gewerkschaft und auch die Pyschiatrischen Kliniken füge ich an, führen ihre Klienten dorthin, so daß sich die Schichten wieder trennten. Man in den Buden Fisch und Chips und Eiscreme essen konnte, Muscheln suchen und eine schöne Zeit verbringen, die dann viel kürzer ist, als wenn man sein Sommerpalais dort hat.

Dann gehts nach Ostende, dem berühmten Ort, wo man früher mit der Fähre nach Englad fahren konnte. Irmgard Keun war dort, als sie Deutschland verlassen mußte. Stefan Zweig hat dort schon früher vom Ausbruch des ersten Weltkrieges erfahren und James Ensor hat die Badenden von Ostende gemalt, weil er in dieser Stadt sein Leben verbracht hat. Max Beckmann hat nackte Männer am Strand gemalt und ist dadurch in Schwierigkeiten gekommen.

Dann gehts an den Utah Beach, wo am 6. 6. 1944 die Alliierten landeten und den sogenannten D-Day bildeten. Da war Jerome D. Salinger noch mit falschen Kriegsvorstellungen, wie Beate Balteschv meint beteiligt, der zurück gekehrt dann seinen “Fänger im Rogger” schrieb und Martha Gelhorn eine von Hemingways Frauen, Kriegsreporterin war, also wahrscheinlich nicht sehr viel Glückseligkeit, aber sicher interessanHiddensee war die Grenze der DDR, daher konnte man an diesem Strand, wo, glaube ich auch Gerhard Hauptmann lebte, in DDR- Zeiten nicht zelten und auch nicht am Strand schlafen, es wurde patrouilliert. Hiddensee ist aber auch der Schauplatz von Lutz Seilers Kruso und in den DDR- Zeiten haben sich Berühmtheiten, wie Christa Wolf, Franz Fühmann, etcetera dort getroffenDann gehts zum Mittelmeer nach Ischia, dort hat Elena Ferrante ihre Protagonisten Urlauben lassen. In den Fünfzigerjahren war der Strand hip auch der Treffpunkt der homosexuellen Intellektuellen. Hans Werner Henze hat 1953 Ingeborg Bachmann dorthin genommen, die dann bald nach Rom überdieselte und nicht mehr nach Österreich zurckgekommen ist.

Dann gehts nach Benidorm, das ist in Spanien, dort wo an den Stränden die Wohntürme stehen, die zum Spekululationsobjekt geworden sind und sich die Touristen um den besten Platz am Strand streiten. Rafael Chirbes, auf den ich durch mein Frankfurtsurfing stieß, hat das in “Krematorium” beschrieben und darüber kann man herrlich philosophieren, wie das mit den dem Shopenhauerschen Steachelschweinparadox ist? Denn alle wollen ja das Glück Strand und Sonne zu erleben. Kommen aber alle und nicht nur die Reichen, sind die Strände schnell verschmutzt und unbrauchbar geworden. Die Pandemie hat da wohl noch ein Schaufelchen dazugelegt und auch die Flüchtlinge aus Afghanistan, Syrien, etcetera, wollen in das Paradies, nicht in die Festung Europas, wo diese ja mit dem Stier hingetragen wurde. So ist Lesbos inzwischen nicht nur durch die Sapho sondern auch durch das Flüchtlingslager Moira bekannt, was die letzte Station von Bettina Baltschevs Traumreisen ist. Ein interessantes Buch, besser als erwartet, wo ich dachte, was soll ich da am Balkon mit einem Buch vom Strand? Noch dazu da ich Nichtschwimmerin bin. Wiedermal getäuscht und viel gelernt, denn der Utah Beach war mir bisher unbekannt.

Das Eis-Schloss

Als 2019 Norwegen das Gastland der Frankfurter Buchmesse war, habe ich, glaube ich, bei Ex Libris vielleicht oder auch auf Bücherblogs von Tarjei Vesaas “Eis-Schloss”gehört, hatte Angesichts meines Buchpreislesen, was da ja stattfand, wahrscheinlich keine Zeit mich weiter damit zu beschäftigen. Ein paar Knut Hamsuns hatte und habe ich in meinen Regalen, einen Jan Fosse, der mich, glaube ich, auch sehr beeindruckt hat,habe ich gelesen. Das war es dann und so hatte ich denNamen Tarjei Vesaas auch vergessen,als seine “Vögel” auf die Übersetzungsliste des “Preises der Leipziger Buchmesse” kam, habe die “Vögel”dann gelesen und “Wow!”, gedacht.

“Das ist eines der besten Bücher, das ich in der letzten Zeit gelesen habe!”

Nachgegooglet, bin dann auf das “Eis-Schloss” gekommen, mich zurückerinnert, es angefragt und jetzt, wie es der Zufall will, habe ich es nach”Therese und Isabelle” gelesen und kann meine Paralellen ziehen oder Vergleiche machen.

“Therese und Isabelle”, da schreibt eine wahrscheinlich erwachsene Frau über die Erlebnisse, die sie wahrscheinlich als Internatsschülerin hatte und löste im Frankreich der Fünfzigerjahre einen Skandal damit aus und ich, die prüde realistische Leserin,dachte mir dabei “Was soll das? Das ist doch privat und wahrscheinlich ein wenig langweilig mich in die verbotene Liebeslust einer Siebzehnjährigen in einem Kloster einzulesen und da ist da ein wahrscheinlich auch fünfzigjähriger Mann, der 1963, wie Doris Lessing in ihrem Nachwort schreibt, einen Literaturpreis dafür bekommen hat, sein Leben langin einem norwegischen Dorf lebte und in einem norwegischen Dialekt schrieb und er schreibt von der heimlichen, verbotenen oder was auch immer Liebe zweier elfjähriger Mädchen. Vom Schweigen,von Geheimnissen und nimmt als Metapher das Eis dafür. Denn das was mich an Tarjei Vesaas wahrscheinlich so phasziniert ist seine Symbolik, die Metaphern, die er für seine wortkargen Geschichten verwendeten, die 2021 natürlich viele Fragen auslösen.

Was ist da Geschehehn, war das ein Mißbrauch, den Unn erlebte und über den sie ihrer Freundin Siss nicht erzählen konnte?

Es geht also wieder in ein norwegisches Dorf mitten im Winter. Da sind zwei kleine Mädchen Unn und Siss, Uinn hat ihre Mutter verloren und ist zu ihrer Tante ins Dorf gekommen und steht jetzt eine zeitlang schweigend in der Schule abseits herum, bevor sie, sie ist eine gute Schülerin, Siss auffordert sie zu besuchen. Sie springen dann in der Kammer herum, nachdem sie der redseligen Tante entkommen ist. Unn fordert Siss auf, sich auzuziehen, man denkt “Aha!” und an Isabelle, wenn man das Buch zwei Tage vorher gelesen hat. Sie ziehen sich aber wieder an. Unn zeigt Siss ein Fotoalbum mit dem Foto von ihrem ihr unbekannten Vater, der ein Auto hatte. Dann muß Siss nach Hause, kommt dort aufgelöst an und kann nicht über das sprechen, was geschehen ist.

Am nächsten Tag kann Unn nicht in die Schule. Kann Siss nicht wiedersehen. So bricht sie zum Wasserfall und zu dem Eis-Schloß auf, was es dort gibt und kommt nie mehr zurück. Das Dorf sucht sie, Siss will unbedingt mitkommen. Sie wird krank, sondert sich in der Schule ab, bis die Tante die das Haus verkauft und wegzieht, ihr bei einem Spaziergang das Versprechen abnimmt, das Schweigen oder was auch immer zu brechen und Siss kann nach und nach wieder Beziehungen zu einem Jungen und einem Mädchen aufnehmen und mit ihnen im nächsten Frühling zum Eis-Schloss wandern und zusieht, wie es im Wasser versinkt.

Was hat man gelesen? Eine Kinderfreundschaft, eine lesbische Liebe, eine Mißbrauchsgeschiche und was auch immer? Beschrieben wird das alles ja nicht, sondern nur in einer starken Symbolik mit starken Naturbeschreibungen angedeutet und wieder ein sehr eindrucksvolles Buch gelesen. Schade, daß Tareij Vesaas trotz des Gastlandes Norwegen und der Neuübersetzung zumindestens im deutschen Sprachraum so vergessen ist, aber Hinrich Schmidt-Henkel ist ja mit seinen “Vögeln”, das auch sehr metaphenrreich, aber etwas weniger geheimnisvoller und wenn ich mich nicht irre, auch etwas realistischer ist, für den “Preis der Leipziger Buchmesse” nominiert und kann, wenn er den Preis gewinnt, den Autor wieder in Erinnerung rufen.

Therese und Isabelle

Der “Aufbau-Verlag” hat nicht nur Tove Ditlevson autobigorafische Trilogie herausgegeben, sondern hat jetzt auchdie von 1907 bis1972 gelebt habende Violette Leduc wiederentdeckt, die in den Fünfziger-und sechzigerjahren auch eine von Simone de Beauvoir ermuntert, skandalumwitterte Autobiografie geschrieben hat.

Therese und Isabelle ist der erste Teil eines Romans, den sie in den Fünfzigerjahren bei “Gallimard” herausgeben wollte, die Geschichte einer Liebe zweier siebzehn-und achtzehnjährige Klosterschülerinnen ,der Mittelteil ist der Liebe zu einer Lehrerin in einer aufregenden Taxifahrt gewidmet, wie ich dem Nachwort entnehme und im Teil geht es um eine Abrreibung, damals auch verboten, so daß das Ganze nur zensuriert oder gar nicht erscheinen konnte.

Inzwischen ist aber Violette Leducs Leben, die bevor sie zu schreiben angefangen hat, Verlagssekretärin war, verfilmt worden und jetzt hat, wie ich ebenfalls dem Nachwort der “Geschichte einer Zensur” entnehme, von “Aufbau”, das erste Mal unzensiert, auf Deutsch wahrscheinlich, herausgekommen und ich bin, wie meine Leser wahrscheinlich wissen, was die Sexualität betrifft, etwas verklemmt, obwohl ich schon sehr viel, auch erotische Romane gelesen habe und durchaus offen gegenüber jede Art von Lebe bin.

Hundertsechzig Seiten erotische Szenen zwischen zwei Schülerinnen zu lesen, habe ich als eher langweilig empfunden. Ein Anderer mag sich vielleicht daran begeilen, was wohl auch nicht sehr gut ist. Den Sex eher selber machen, denke ich da, statt in Skandalen zu ersticken oder sich zu begeilen und wenn man jung ist, muß man sich natürlich sexuell orientieren.

Muß man mit Siebzehn in ein Internat, weil die Mutter wieder heiratet und der Stiefvater eine vielleicht nicht will, führt das wahrscheinlich zu Einsamkeit und dann vielleicht auch zu der “verbotenen” Liebe, die von verklemmten Nonnen oder Aufseherinnen mißtrauisch überwacht wird.

Ja das Zölibat ist schuld, daß sich viele Prieser an Kinder vergriffen oder Kinder von ihren Köchinnen bekommen. Eine Siebzehnjährige braucht aber viel Liebe, um ihre ersten Erfahrungen, egal ob zu männlichen oder weiblichen Partnern zu machen oder sich in ihren Körpern wohl zu fühlen und dafür wahrscheinlich auch eine stabile Famile.

Wie sich der Lockdown auf die heutigen Siebzehnjährigen auswirkt und welche Störungen er auslöst, wird man erst später herausfinden und hier geht es darum, daß Therese offenbar in das Internat kommt, ihre Schuhe putzt und sich dabei über die selbstbewußteMusterschülerin Isabelle ärgert. Die zieht sie dann in ihre Koje, der Schlafsaal ist offenbar durch Vorhänge von einander getrennt und irgendwo schläft auch eine Aufseherin. Also muß man leise sein, damit einem nicht die anderen Schülerinnen hören.

Violette Leduc schildert das alles sehr offen und auch sehr erotisch. Vor Liebe bricht Therese dann auch einmal zusammen oder tut nur so und so muß Isabelle sie in die Stadt zum Arzt bringen. Sie gehen aber in ein Stundenhotel und mieten sich dort ein Zimmer. Schwören sich, ins Internat zurückgekommen, daß sie sich nie verlasen werden.

“Meine Mutter holte mich ab. Ich sah Isabelle nie wieder”, lauten dann die letzten Sätze, die gleich darunter stehen.

Nun ja, nun ja, könnte ich schreiben, ein interessantes Buch. Violett Leduc war auch in einem Internat, entnehme ich “Wikipedia” und hat wohl das oder etwas Ähnliches in den berühmten Zwanziger bis Dreißigerjahre erlebt, in den Fünfzigerjahren darüber geschrieben und ich füge, nachdem vielleicht alle über die starke Sprache und die literarische Neuentdeckung schwärmen,”Was für ein Temperemt, was für ein Stil”, hat Simone de Beauvoir darüber geschrieben, noch an, daß ich in den Siebzigerjahren oder so, Simone de Beauvoir aber auch viel Hedwig Courths-Mahler, die ich immer noch für sehr gut halte, gelesen und da gab es einen Roman, wo ein Mann seine Frau vor oder nach der Hochzeit verläßt und auf Weltreise geht. Denn er hat einen Brief zugesteckt bekommen, wo die Frau einem Fritz heiße Liebesschwüre schickte, wo wohl auch etwas von “Wir werden uns nie verlassen!”, steht.

Die Frau reist ihm nach Hongkong oder so nach und gerät dabei ahnungslos und naiv in verschiedene Gefahren. So lauern ihr beispielsweise Mädchenhändler auf, die das junge weiße Blutverkaufen wollen. Am Schluß klärt sich alles auf und es gibt ein Happyend, denn der Fritz war natürlich eine Friederike und das Ganze eine harmlose Internatsfreundschaft.

Damals habe ich das kommentarlos hingenommen. Heute würde ich wohl auch an etwas anderes denken, habe ich inzwischen ja einige Romane über die wilden Zwanzigerjahre, die in Berlin und auch woanders gelesen und in diesem Sinn würde ich auch meinen, daß es sich lohnen würde, kommentiert und vielleicht etwas ausgedünnt, Hedwig Courts-Mahler wieder zu entdecken.

Und muß ich wieder schreiben, ein Roman, wie drunter steht, ist das Buch natürlich nicht, sonder wohl eher ein Memoir, aber dieser Ausdruck war Violett Leduc wahrscheinlich nicht bekannt.

Das Liebesleben der Pinguine

Bevor es mit dem “Preis der Leipziger Buchmesse-lesen” weitergeht, warten noch ein paar Rezensionsexemplare auf mich und da gibts, glaube ich, auch wenns nirgends draufsteht, das Debut “Das Liebesleben der Pinguine”, des 1991 in München geborenen Bernhard Heckler, der für die “Süddeutsche”, die “Zeit” und andere Magazine schreibt und für seinen Roman einen gar nicht so originellen Titel gewählt hat.

“Gibt es das nicht schon?”, fragt man da wohl und liest dann Heinz Strunks Botschaft: “Bernhard Heckler hat ein sehr gutes Buch geschrieben. Ich wünsche ihm viel Erfolg” am Buchrücken.

Das klingt auch nicht sehr originell und nach langer Beschäftigung und dann steht noch etwas von “Smartphones und Laptops und Fitneßstudios”, die Welt, der in den Neunzigerjahren Geborenen, zu lesen, obwohl es in dem Buch bis in die Achtzigerjahre zurückgeht und die Handlung ist vielleicht auch ähnlich dem Muster, wie Peter Roseis “Märchen vom Glück” aufgebaut ist.

Vier Protagonisten, die einen Vierer oder Dreier bilden und beginnen tut es, als Niko und Sascha fünfzehn sind. Nura, deren Vater aus Ghana kam weshalb sie Afrolook trägt, ist zwei Jahre älter. Sascha und Nura sind ein Paar. Dann bricht der zum Austauschsemester nach Italen auf und überträgtNiko die Fürsorge für Nura, der ihn prompt betrügt.

Niko und Nura bleiben einige Jahre zusammen und im neuen Jahrtausend arbeitet Niko in einer Firma, die Proteinprodukte herstellt, kommt darauf, daß er auf Männer steht und fliegt zu seinem Freund, einen iranischen Straßenmusiker nach Istanbul. Nura ist Ghostwriterin. Das heißt, sie arrangiert die Dates für eine Datingplattform und kommt da in Kontakt mit einem Franco, der ist noch im vorigen Jahrtausend in Sizilien bei einem Mafia-Onkel aufgewachsen, der ihn zum Schutzgeld einsammeln schickt. Da verliebt er sich in die Bäckertochter Antolella, die zum Studium nach Deutschland will. Der Onkel verhindert das zuerst. Franco nimmt aber Sascha, ein Stück auf seinem Moped mit und jetzt ist er nach Deutschland gekommen. Über hundert Kilo schwer, trainiert für den “Strongest man-Wettbewerb”, arbeitet als Landschaftsgärtner und geht zu Nura, damit sie ein Date für ihn arrangiert. Die wittert in ihm den Stoff für einen Roman und wendet sich an eine Agentur. Franco trifft beim ersten Date auf die eßgestörte Jamila, die aus Beirut kommt und überraschenderweise geht alles gut, während Franco noch versucht mit seiner Tochter Gianna, die er von Antoella hat, Kontakt aufzunehmen.

Das gelingt vielleicht durch das Freilassen von zwei Schwalben, denn Franco beschäftigt sich auch mit dem Verkaufen von illegalen Tieren und da kommt es zu einer beeindruckenden Szenen, die zu den Pinguinen führt. Denn Nura will Frano ein paar Tage begleiten, um Stoff für ihren Roman zu bekommen.

“Ich denke mir die Gescichte selber aus, aber ich tue mir leichter, wenn ich ein reales Vorbild habe!”, steht irgendwo. Etwas, was auch für mich zutrifft, obwohl ich damit schon öfter Ärger hatte.

Die begleitet ihn also zu einem Herrn Oberländer, der Franco, die geschmuggelten Tiere verkauft. Der ist in aufregung, denn seine Mutter hatte einen Schlaganfall und liegt am Boden. Auf die Rettung wird gewartet. Aber im Nebenzimmer wartet ein Pinguin, der aus einem Tierpark gestohlen wurde. Den soll Nura in ihrem Bad verstecken. Sie bringt ihn aber in den Zoo zurück und hat noch ein anderes Problem. Denn sie hat Sascha wiedergetroffen und ist nun im dritten Monat schwanger. Hat ihm das aber noch nicht gesagt. Tut das erst und das halte ich auch für eine originell Szene, als das Baby tritt und sie ihm das mitteilt. Zur Aussprache zwischen ihr, Niko und Sascha kommt es auch.

Franco hat während dem “Strongest man-Wettbewerb” eine Gehirnblutung erlitten, Jamila einen Selbstmordversuch unternommen. Trotzdem geht das Leben zu Anfang des einnundzwanzigsten Jahrhunderts weiter und wenn ich mich nicht irre, nicht einmal so schlecht und zwischendurch gibt es immer wieder ein paar Einschübe, damit man sich mit den Pinguienen oder ihrem Liebesleben besser auskennen kann.