Der ehemalige Sohn

Mit Sasha Filipenkos “Roten Kreuzen” habe ich nicht soviel anfangen können, beziehungsweise es für nicht so ungewöhnlich gehalten. Bei dem 2014 erstmals erschienen “Ehemaligen Sohn” des1984 in Ninsk geborenen und in St. petersburg lebenden auf Russisch schreibenden Autors, ist das anders. Denn das ist ein wahrscheinlich sehr aktuelles Buch, das auch in einer sehr ungewöhnlichen frischen Sprache geschrieben ist. Es wird zu Anfang viel geschimpft und hat dann auch sehr originelle Szenen. Gleich am Anfang gibts ein Vorwort des Autors und ein Nachwort der Übersetzerin Ruth Altenhofer in der ein bißchen die belarussische Situation erklärt gibt es auch und, was in diesem Fall fast schade ist, einen Klappentext, aber der Autor hat die Handlung und das wie und das warum in seinem Vorwort auch schon erklört.

Ich bin ja eine, die zu Beginn eines Buches meistens zuerst das Beschreibung liest, aber hier nimmt es viel vorweg, was man anfangs gar nicht findet. Da wacht einer, ein Celloschüler, nach zehn Jahre Koma auf und erlebt, es hat sich nichts geändert.

Nun gut, nun ja, interessant und man hat von Weißrundland in der letzten Zeit auch sehr viel gehört. Dann findetman zunächst aber etwas ganz anderes. Eine Großmutter schimpft mit dem Enkel, weil der nicht Cello üben will. Dann gehts in die Schule in das Musikgymnasium, das Franzisk besucht, dort gibt es eine Notenkonferenz und da wird immer ein Veteran eingeladen, der ein bißchen was über die Geschichte erzählt. Diesmal ist es offenbar ein rebellerischer, das habe ich trotzdem ein wenig langweilig gefunden. Dann gehts in die Konferenhz, dort soll der faule Zisk hinausgeschmissen werden, obwohl die Großmutter, wie üblich die Lehrer bestochen hat und der geht dann zu einem Konzert, gerät in eine Massenpanik und fällt ins Koma.

Ab da wirds spannend, der Chefarzt gibt den Jungen auf, die Großmutter ist die Einhzige die für ihn kämpft. Sie besticht die Ärzte, erkämpft ein Einzelzimmer, räumt es mit Plakaten voll und quatscht den Enkelden ganzen Tag an, obwohl alle ihr erklären, daß das verrückt ist.

Das ist vielleicht auch nicht so ungewöhnlich, ob so was wirklich, wie oft passiert, weiß ich nicht. Man hört oder liest aber darüber und Sasha Filipenko erzählt das auch sehr genau. Die Freundin Nastja verläßt ihn. Die Mutter, die sich ohnehin nicht so sehr um den Sohn gekümmert hat, wird vom Chefarzt geheiratet, der dann und das ist für uns ein wenig ungewöhnlich, die Wohnung, der Großmutter verkauft, denn die ist durchaus eine selbstbewußte Frau und auch eine bekannte Übersetzerin. Es gibt auch eine deutsche Gastfamilie, die Zisk jeden Sommer besucht hat und die erscheint miteiner übersetzerinund will den Jungen nach Deutschland holen. Die Großümutter lehnt ab und stirbt nach zehn Jahren und ausgerecht einen Tag danach erwacht Zisk aus dem Koma und erholt sich rasch. Er zieht in die nunmehrige Einraumwohnung der Großmutter, besucht sie am Friedhof und die hat und das ist auch originell, einen Berief an den Enkel hinterlassen, in dem sie all das voraussieht, und ihn mahnt auf die Orden des Großvaters zu achten, aber die hat der Stiefvater längst verkauft und der tobt auch gehörig, überlegt sich aber schon seine Habilitation.

Zisk bekommt eine Stelle als Verkäufer in einem Sanitärgeschäft, erkennt die Mißstände desLandes, obwohl es doch immer heißt, wie toll es dort ist. Er geht auf eine Demonstration und erlebt, wie alle hunderttausend, die dort waren gejahgt und verhafte wurden. Es tut mir leid, das hat mich ein bißchen an meine letzten Demonstrationen erinnert und am Schluß sucht er um ein Visum an, geht nach Deutschland zu seiner Gastfamilieund spielt dort auf der Straße Cello.

Ein tolles Buch, ein sehr aktuelles, das viel über das mir doch sehr unbekannte Weißrussland erzählt, spannendundungewöhnlich geschrieben, ein Lesegewinn und füge ich noch an, bei “Diogenes” erschienen.

Be- und Entgrenzung im “Dichterloh”

Schon wieder Lyrlik-Festival in der “Alten Schmiede”, natürlich, denn das erste “Dichterloh-Festival”, das Anfang des Jahres stattfand, wurde ja lockdownbedingt vom letzten Jahr nachgeholt und wenn man so will, ist dieses zweite Corona-Jahr für mich ein sehr lyrisches, obwohl ich, wie immer schreibe, kein besonderer Lyrikfan bin, ich schreibe keine solche, nur hin und wieder ein Gedicht und habe jetzt auch ein zweites Corona-Gedicht an Erika Kronabitter geschickt, die einenText für den Feldkircher-Literaturbahnhof haben wollte.

Aber dieses Jahr hat es für sehr viel Lyrik gegeben, so habe ich drei Gedichtbände gelesen,das erste “Dichterloh-Festival” zum großen Teil gehört, ein “DichtFest” und wenn es in der “Gesellschaft” auch keinen richtigen Lyrikmonat gab und auch noch keine “Lyrik der März” , der GAV, jedoch die “Lange Nacht der Lyrik” des “Schöffling-Verlags”gegeben und Alfred Zoppelt hat mir auch ein paar Gedichte geschickt, nachdem er in der Hauptbücherei auf Anita Schaubs Buch und mein Portrait gestoßen ist und das finde ich besonders schön und heute abend wieder “Dichterloh-Festival” in der “Alten Schmiede”,der erste Abend der von Michael Hammerschmid kuratierten Veranstaltung unter dem Titel “Be-und Entgrenzung”, die mit den Abschiedsgedichten, der 1970 geborenen Italienerin Roberta Dapunt begann, die sie ihrer demenzerkrankten Uma gewidmet hat.

“Scheiße!”, habe ich gedacht, denn um sechs wieder eine Stunde, also konnte ich erst um sieben eingsteigen, wenn dann Mila Haugova und Margret Kreidl kommen und Mila Haugova die Slowakin kenne ich seit 2001, als sie sich für meine “Freiheit des Wortes” meldete, die Veranstaltung dann absagte,weil sie einen anderen Leseabend hatte und dann ein paar Jahre später noch einmal las und da, glaube ich, in meiner Erinnerung da Literaturhaus oder den Eingang auch nicht ganz fand und Margret Kreidl, die ich ganz gut kenne und auch schon bei einigen Lyrikabende ein in Leipzig oder wo auch immer hörte.

Kurz nach dreiviertel eingestiegen und gedacht, jetzt komme ich in die Pause, ich kam aber in ein Standbild, hörte mir ein bißchen das Gespräch zwischen Michael Hammerschmid an, wo sie die Würde und die Stille erklärte, die man beim Pflegen von demenzkranken Menschen erlebt und erklärte Michael Hammeschied auch den italienischen Ausdruck “altro” und, daß man einen demenzkranken Menschen nichte wirklich folgen kann und während ich all das noch überlegte, war das Band plötzlich weg und es war schon fünf und zehn nach sieben und hätte eigentlich schon Mila Haugova hören sollen, habe ich aber nicht, so habe ich das Video zurückgespult. Ganz an den Anfang bin ich nicht gekommen, nur zu der Stelle,wo Michael Hammerschied, die Übersetzer erwähnte und dann habe ich auf einmal am Seitenbord gesehen, daß die “Alte Schmiede” sich entschuldigte, weil sie einen Internetausfall hatten und die Lesungen von Mila Haugova und Margret Kreidl aufzeichnen würde, so daß man es sich später nachhören könne und ich habe wieder etwas gelernt, aber trotzdem einen literarischen Abend gehabt und kann, wenn ich will und mir “Zoom” auch noch den Ton hergibt, Jurenka Jurk von der “Romanschule” bei einem Probecouching überdie Schulter schauen und morgen dann vielleicht noch ein paar nachgereichte Gedichtimpressionen nachstellen.

Zwei Grundbücher der Geschichte

Wieder einmal ein interessantes Hin und Hergehoppel von der “Gesellschaft für Literatur” in die “Alte Schmiede”, was möglich ist, weil die “Gesellschaft” ihren Livestream um sechs beginnt und ich dann in die “Alte Schmiede”switsche und interessant, die Zusammenhänge, die man dabei ganz zufällig finden kann, denn in der “Gesellschaft für Lliteratur”wurde heute in Zusammenarbeit mit dem “Institut für die Wissenschaft vom Menschen”, die 1974 geborene ungarische Autorin Noemi Kiss und ihr Novellenband “Balaton” vorgestellt.

Eine mir bisher völlig unbekanne Autorin, die vom Moderator Ludger Hagedorn als eine der bekanntesten ungarischen Autorinnen vorgestellt wurde und das Buch beinhaltet, die Kindheitserinnerungen der Autorin, die ihre Sommer meistens mit ihrem Großvater am Balaton verbrachte, weil die Familie dort ein Ferienhaus besaß und Naomi Kiss ihre Kindheitserinnerungen schilderte. Die Familienerlebnisse, aber auch die Ost oder Westdeutschen, die ebenfalls im Sommer im Balaton schwammen.

Interessant, interessant habe ich gedacht und seltsam, daß ich noch nie von einer Noemi Kiss, die auchleistungsschwimmerin war, etwas hörte, obwohl ich mich ja schon ein bißchen mit der ungarischen Literatur beschäft habe und beschäftige und dann in die “Alte Schmiede” zum achtzigsten Grundbuch seit1945 und da überlebte ich auch eine Überraschung, hat doch Ilse Tielsch ihr Erinnerungsbuch schon in der “Alten Schmiede” gehört, denn dawurde ja “Das letzte Jahr”, in dem die die 1929 geborene Ilse Tielsch, das jahr 1938 in einem mährischen Kleinstädtschen aus der Sicht der neunjährigen Elfi Zimmermann schildert.

Kurt Neumann, der Erifnder, der Grundbuchreihe, der die “Alte Schmiede”, bis 2018 leitete, leitete ein, dann las Barbara Neuwirth in fünfundvierzig Minuten durch das Buch, Ilse Tielsch hörte dem Referat zu, das der1984 geborene Schweizer Fermin Suter, der in Krems den Vorlaß Ilse Tielsch barbeitet, über das Buch hielt und ich dachte, uje, sehr kompliziert,was wird die alte Dame dazu sagen, daß wieder einmal die Literaturwissenschaftler alles viel besser wissen?

Klaus Kastberger, der zweite Grundbucherfinder,deutete das auch, wieder schelmisch lächelnd an und die alte Dame, die mir einmal von Valerie Szabo vorgestellt wurde, sagte dann genau das, das muß ich erst alles lesen, denn ich habe mit etwa siebzig, 2006 wurden die Kindheitserinnerungen geschriebren, die, wie Ilse Tielsch betonte, sehr autobiografisch sind und die über Neunzigjährige sagte auch, daß sich im Alter,die Erinnerungen verdichten.

Ilse Tielsch ist ja 1945 nach Österreich gekommen und hat dann in einer Trilogie, “Die Ahnenpyramide” , “Heimatsuche” und ” Die Früchte der Tränen” schon früher darübergeschrieben. “Atelier” der “Das letzte Jahr”, zuerst 2006, dann 2017 wieder aufgelegt hat, hat jetzt auch die Trilogie wieder aufgelegte.

Ilse Tielsch sagte dann noch, daß sie sichdarüber wundere, daß das kleine Büchlein, in dem sie ihre Kindheit beschrieb, zum Grundbuch wurde und ich habe nachgesehen, ich habe sechs Bücher von Ilse tielsch, ein paar Gedichtbände, ein paar Erzählungen und den zweiten Band der Trilogie und habe die alte Dame ja auch ein paarmal bei Lesungen erlebt und bin auch gespannt, ob ichdieses Grundbuch einmal finden werde?

Elfriede Haslehner kann ich anfügen, hat eine ähnliche Biografie und hat, glaube ich, auch darüber geschrieben.

Wir sind allein unter den Bäumen

Jetzt kommt wieder ein Debut und wieder ein Roman der eigentlich keiner ist, sondern eine beeindruckende Skizzensammlung in einer sehr schönen künstlerischen Sprache des 1983 in Zwickau geborenen Jonathan Böhm, der in Leipzig lebt und auch am Literaturinstitut studierte, vor der Danksagung betauert er, daß alles in diesem Buch, die Handlungund die Personen frei erfunden wäre und wenn man trotzdem Ähnlichkeiten erkennte müßte man “die Wirklichkeit beschuldigen, weil sie Verhaltenswisen hervorbringt, die man wiedererkennt.”

Also auch sehr schön formuliert und es geht um eine Schulklasse in der ehemaligen DDR, die dort aufgewachsen und vielleicht sogardas Abi machten und danach in alle Winde verschwanden und einer von ihnen, Richard ist verstorben. Nun tragen sie ihn zu Graben und reflektieren dann über ihn und das Leben und tun das, wie am Klappentext steht “Richard ist tot. In seinem ersten Roman erzählt der Autor in eindringlicher sprache von einer Gruppe junger Menschen, die einst Freunde Richards waren und später in verschiedenen Berufen und auf denkbar unterchiedlichen Wegen ihr Lebensglück versuchen. Böhm schafft es aus verschiedenen Erzählperspektiven und Erzählzeiten ein Puzzle zu entwerfen, und wir Leser schauen wie durch ein Kaleidoskop auf die Biografien der Protagonisten, was uns bis zur letzten Zeile in Atem hält” und ich schreibe wieder, daß es hier ein wenig schwierig für mich wurde, weil ich mich nicht immer auskannte, da die handelnden Personen immer in der “Ich-Perspektive” sprachen, so daß ich oft nicht wußte, wer ist wer?

Richard ist tot und da gibtes einen Christoph, eine Dora, eine Damris, eine Kristina, eine Sophie und und, also die Klassenkollegen, die erzählen und auch die Erzählzeiten, was mir im Klappentext ein wenig weiterhalf, waren nicht immer klar. Wann ist Richard jetzt gestorben? Nach dem Abi oder erst später? Denn er ist nach Bremen gegangen und hat auch in verschiedenen Berufen gearbeitet.

Eine große Rolle spielt ein See, vor dem sich alle treffen, hingehen und ihre Erinnerungen an Richard davon. Einezieht ins alte Land und züchtet alte Äpfel und ein Plastwerk spielt auch eine große Rolle in dem Buch, das eigentlich könnte man sagen aus verschiedenen Szenen besteht, die lose meist mit schönen Metaphern und Überschriften verbunden, zusammenhängen.

So machen die Abiturenten in diesem Werk ein Praktikumund müßen den Wachmann fragen, wenn sie in den Pausen oder auch so an den See wollen. Der hat ein Bildchen mit einer Fee irgendwo hängen und das treffen wir späterin einem Hospitz wieder, wo eine der Abiturentinnen Krankenschwester ist und der Wachmann seiner Leukämie erlag. In dem Werk soll umgebaut werden, die Leiharbeiter entlassen. Nur einer setzt sich durch und ein anderer Klassenkamerad, ich glaube Jakob, wollte Schauspieler werden.Später wurde er Lehrer. Vorher spielte er aber in einem Becket Stück.

Sehr eindrucksvoll und schön erzählt. Für mich, die ich es ja gerne ganz genau auserzählt haben will, ein wenig unklar. So weiß man beispielsweise bis zum Ende nicht, wer Richard eigentlich war. Von einigen seiner Freunden erfährt man viel. So geht eine mit Sophie am Meer entlang, um nach Dänemark zu sehen und erzählt dabei, daß ihr Vater, der Pfarrer, die Mutter mit der Katechetin betüg tund die Eltern der anderen sind auch geschieden und die Mutter hat sich nach ihrem Krankenschwesterberuf doch noch entschloßen Medizin zu studieren. Schöne undauch sozialkritische Szenen von der Veränderung der DDR in die das vereinte Deutschland und der 1983 geborene Autor als Kind erlebte.

Schön erzählt und eindrucksvoll. Von Jonathan Böhn wird man wahrscheinlich noch einiges hören. Ein Roman ist es, denke ich, trotzdem nicht, es sollte aber auf Long- oder Shortlist des Bloggerdebuts und vielleicht auch noch auf andere Listen kommen.

Die Beichte einer Nacht

Jetzt kommt noch ein Buch das das Frauenleben in den Neunzehnhundertzwanzigerdreißigerjahre schildert, interessant wie viel sich das tut und das 1930 erstmals erschienen Buch der niederländischen Autorin Marinanne Philips, die von 1886 und 1940 in Amsterdam lebte, “Diogenes” hat es auf Deutsch herausgebracht, die Enkeltochter, die Leiteri des jüdischen Museums in Amsterdam Judith Belinfante hat das Nachwort geschrieben und das Leben ihrer Großmutter vorgestellt und das passt zur Trilogie der Dänin Dove Ditlevson, obwohl es in einem anderen Stil geschrieben ist.

“Die Beichte einer Nacht”, da erzählt die Patientin einer Nervenheilainstalt einer strickenden nachtschwester ihr Leben und tut das in einem Monolog. hin und wieder wird die Schwester angesprochen und ihr Desinteresse unterstellt, die letzten Sätze an sie lauten aber

“Schwester, was machen Sie? Weinen Sie? Wegen mir?” und eine Seite weiter “Schwester! Was machen Sie jetzt? Beten Sie? Für mich?”

Darin liegt die Tragik des Arbeiterkindes, das wohl Ende des Neunzehntenjahrhundert in eine Amsterdamer Arbeiterfamilie geboren wurde. Sie ist die älteste Tochter. Der Vater ist Handwerker.Dann gibt es noch eine Reihe Kinder bis die kleine Lintje kommt. Da liegt der Vater nach einem Unfall im Bett. Die Mutter hat er noch einmal geschwängert. Die Mutter ist nach den vielen Geburten erschöpft und so muß die siebzehnjährige Lentje, die aber Heelen, Liilian oderLeen gerufen wird, die kleine nachts zu sich nehmen und sie füttern. Sie ist sehr früh von der Schule abgegangen, um der Mutter ein Jahr lang im Haushalt zu helfen. Dann verunfallte der Vater und um die Unterstützung zu bekommen, mußte die Tochter aus dem Haus. Also zu einer Schneiderin in die Lehre. Da lernte die Juffrouw einen Handelsvertreter namen Groenmans, der sie auffordert in sein Hotel zu kommen. Sie tut es, um die kleine Lientje nicht zu erwürgen, wie sie erzählt. Folgt ihm dann in die hauptstadt, wo er ihr eine Stelle in einem Herrenmodengeschäft für fünfzig Gulden, wie er ihr erzählt, verschafft. Dann sind es nurzehn, Groenmans muß sie unterstüzen, damit sie die zwanzig versprochenen Gulden nach Hause schicken kann und kauft ihr auch die Kleider.

Die scheinen der jungen Frau sehr wichtig zu sein. Sie wird dann auch Leiterin einer Antiquitätenabteilung, wo es viele vergoldete Sachen gibt und heiratet dann einen Charles Gould, mit dem sie sehr unglücklich ist. Das warum und wieso wird nur diskret angedeutet.Dann stirbt die Mutter und sie nimmt die kleine schwester zu sich. Sie verläßt sie ihren Ehemann und verdient sich das Leben wieder durch Nähen und lernt dann im Schwimmbad ihren Hannes kennen. Da ist sie dreißig. Er, der Schwimm- oder Turnlehrer, fünfundzwanzig. Was damals offenbar ein Problem war. Lientje dreizehn. Er zieht bald zu ihr. Sie heiraten auch und Leentjes Schwermut scheint hier zu beginnen oder sich fortzusetzen. Denn sie kann ihm keine Kinder schenken. Er wünscht sich diese. Sie wird eifersüchtig. Die Ehe erkaltet und Hannes verunglückt dann in der Schweiz. Das reißt Leentje offenbar vollends den Boden unter den Füßen weg, obwohl es schon vorher einen Selbstmordversuch gegeben hat. Sie nimmt an einer Seance teil, um mit Hannes in Verbindung zu treten. Die inzwischen auch schon über zwanzigjährige Lientje verbietet ihr das. Sie tut es trotzdem und die Seanceleiterin beschreibt ihr dann, daß Hannes neben Lientje hinter ihr steht und er ihr den Auftrag gibt, daß sie beschützt werden muß. Leentje tappt nach Hause und findet die Schwester in Hannes Zimmer. Da packt sie einen Gegenstand und schlägt ohne recht zu wissen, was sie tut, zu.

Sehr eindrucksvoll, die Beichte einer Insaßin einer Nervenheilstanstalt. Damals sind ja viele intellektuelle junge Frauen dorthin gekommen, wenn sie aufsässig waren. Sehr eindrucksvoll erzählt, obwohl manches nicht mehr sehr realsitisch wirkt. Die vielen vergoldeten Zimmer etwa. Aber das waren wohl die Sehnsuchtsorte der jungen Frauen und das Drama zwischen den beiden Schwestern wird auch nur angedeutet. Heute wäre die Geschchite voll von Mißbrauchsbeschreibungen, wird nur angedeutet und die Enkeltochter schreibt auch über die Großmutter, daß sie eine Psychoanalseerfahrung hatte und sogar Freud dabei kennengelernt haben soll und nach der Geburt eines ihrer Kinder wegen einer postnatalen Depression in einer Nervenheilanstalt war, wo sie vielleicht einiges über die anderen Patienten beobachtet hat, was sie in ihrer Beichte beschrieb.

Flugschrift Präsentation

Die Flugschrift ist eine Literaturzeitschrift oder eigentlich ein Faltblatt, das von Dieter Sperl gemeinsam mit dem Graphiker Domik Hruza seit 2012 herausgegeben wird. Es gibt schon vierunddreißig Ausgaben und die letzten zwei , die von Alexandra Turek und Monika Rinck sowohl graphisch als auch sprachlich gestaltet wurden, heute im Literaturhaus vorgestellt und das Literaturhaus hat, wie Barbara Zwieifelhofer in ihrer Enleitung erwähnte, auch einige Connektions mit der Literaturzeitschrift, so hängen immer wieder Ausgabe im Liiteraturhausschausfenster, es gab zum Friedpreis– Sonderausgaben, Barbara Zwiefelhofer macht, glaube ich, auch das Lektorat und ich habe im Laufe einer Literaturhaus- Besuche auch einige dieser Zeitschriften mitgenommen und sie, wie auch, den Autor Dieter Sperl für eine sehr experimentelle Zeitschrift gehalten.

Der 1966 in Wolfsberg geborene Hauerausgeber erzählte, daß er sich für seine Zeitschriften immer einen Autor, eine Autorin aussucht, so hat Friederike Mayröcker mit Bodo Hell eine Zeitschrift gestaltete, Hannes Millesi, Ann Cotten, die Betautorin Ruth Weiss, Brigitta Falkner und noch viele andere.

Dieter Sperl erzählte im Gespräch auch, wie er zu der Zeitschrift gekommen ist. So hat er schon länger mit Dominik Hruza in der Wiener Zeitung, die Schaufensgerbeilage gestaltet, die dann aber eingestellt wurde und ist später auf die Idee gekommen, das Zeitschriftenprojekt, wo jede Zeitschrift eine eigene Faltung hat, weiter zu machen.

Domik Hruza hat auch eine Diashow mit den Zeitschriften gestaltet und dann stellte Dieter Sperl, wie offenbar auch auf seinen Veranstaltungsplan stand, die erste Autorin, die 1971 in Wien geboren Alexanda Turek vor, die die “Flugschrift Nr 32” gestaltet hat und ihre eigentlich gar nicht so experimentellen Gedichte vorgelesen hat.

Ja man erlebt im Literaturbetrieb immer wieder Überraschungen, aber Dieter Sperl erwähnte im Gespräch, daß er die Autoren nach ihrer sprachlichen Ausrichtung auswählt und die Connection passen muß. Die Autoren müßen auf ihn und sie auf ihn zukommen und die 1969 in Deutschland geborene Monika Rinck, die den “Ernst Jand-Preis” gewonnen hat, habe ich, glaube ich, schon im Literaturhaus, bei den “Fried-Tagen” gehört, ihr Text zum Thema “Planbarkeit” war experimenteller, handelte von einem Schafund der Sprache und bezog sich auch auf das Schreiben.

Am Schluß forderte Dieter Sperl die Zuhörer noch auf, die Zeitschrift zu abonnieren. Wenn man das tut, bekommt man, glaube ich, auch eine signierte Ausgabe hinzu und die anderen Zeitschriften kann man im Literaturhaus erwerben und ab Montag ist, glaube ich, auch die Bibliothek wieder offen, so daß man die Zeitschriften nach Anmeldung erwerben kann.

Helmut Neundlinger liest Karl Wiesinger

Ich habe über über den 1923 geborenen und 1991 verstorbenen oberösterreichischen Dichter Karl Wiesinger ein bestimmtes Erinerungsbild, habe ich mir ja in den Siebzigerjahren als ich in der Otte Bauergasse wohnte und studierte mir sehr viele Bücher gekauft und da gab es eine “Ullstein-Reihe” und da hat sich in meiner Erinnerung der Name Karl Wiesinger eingegprägt, was mit der Realität nicht so ganz übereinstimmen dürfte, denn das was ich das ich in einem der Regale im Harlander Wohnzimmer stehen habe der Roaman “Standrecht” ist aus dem Jahr 1983 und in der “Edition Spuren” erschienen. Trotzdem habe ich den Namen Wiesinger als eher unbekannten österreichischen Dichter eingeprägt und war recht erfreut, als ich im “AS-Programm” las, daß da der 1960 ebenfalls in OÖ geborene Schriftsteller und Literaturkritiker Helmut Neundlinger in der “Dichter lesen Dichter- Reihe” Karl Wiesinger annahm und war dann über das, was ich hörte recht erstaunt, denn Karl Wiesinger scheint eine recht schillernde Literaturpersönlichkeit zu sein und Helmuth Neundlinger, den ich schon öfter gehört habe und der, glaube ich, als eher experimenteller Dichter gilt, scheint sich sehr viel und auführlich mit dem 1991 Verstorbenen befaßt zu haben.

Johanna Öttl eröffnete und führte ein Gespräch mit Helmut Neundlinger. Nein, das stimmt nicht so ganz. Denn Helmut Neundlinger hat, was für die “AS” eigentlich recht ungewöhnlich ist, begonnen, in dem er einen Bauernroman vorstellte oder den Lebenslauf eines Max Maetz vorstellte, der diesen geschrieben hat. Das ist, stellte sich dann gleich heraus, eines der Pseudonyme von Karl Wiesinger, der eine Dentistenausbildung machte und sein politisches Engagement mit dem spanischen Bürgerkrieg begonnen hat. Dann kam die NS-Zeit und der Krieg, wo Karl Wiesinger eingezogen war, aber auch mehrmals verhaftet wurde. Dann kam er nach Linz zurück und hat sich dort in der KP engagiert. Da habe ich mir schon dieFrage nach Franz Kain gestellt, der das ebenfalls tat und Helmuth Neundlinger erklärte später, daß er diesen schon seit seiner Schulzeit kannte, mit ihm aber eher in einem Konkurrenzverhältnis stand. Franz Kain der ja in der DDR Korrespondent der Volksstimme war, hat ihm aber zum “Aufbau-Verlag” vermittelt, 2die einen seiner Romane genommen, ihn später aber nicht mehr veröffentlicht haben.

Das kam inder “AS-Veranstaltung aber erst später. Zuerst hat da Johanna Öttl die Einleitung übernommen und von den Tagebüchern oder dem Tagebuchprojekt erzählt, dem sich Helmut Neundlinger angenommen hat. Es gab, wie ich dem Netz entnahm, im Stifterhaus auch eine Wiesinger- Ausstellung, die er kuratierte und aus den Tagebüchern kann man den schriftstellerischen Werdegang, wie er erwähnte, ganz gut entnehmen. Denn der saß in den Siebzigerjahren oder so in Linz und war frustriert, weil er seine politischen Romane, “Standrecht” ist einer davon, dann gibt es den “Rosaroten Straßenterror,” den über “1938” hat der “Aufbau Verlag”, glaube ich, genommen und die Zeit war damals wohl nicht reif politische Romane. So hat sich Wiesinger, die von Otto Breicha herausgegeben “Protokolle”, wo ich in dieser Zeit auch meine nicht experimentellen Texte hinschickte, genommen und die Figur des experimentellen Bauerndichters Max Maetz entwickelt und Otto Breicha war begeistert. Ich kann mich erinnern, daß er mir immer sehr freundlich abgeschrieben hat. Aber ich schreibe ja nicht experimentell und so gab es dann die Kunstfigur für die Wiesinger einen Lebenslauf und, ich glaube, auch eine Todesanzeige entwickelt und später igendwann einen Bauernroman herausgegeben hat.

Die politischen Romane sind in westdeutschen Romane erschienen und wurden inzwischen bei “Promedia” wieder aufgelegt. Karl Wiesinger hat aber auch unter dem Pseudonym Frank I. Noel Spionageromane herausgegen, sowie Theaterstücke geschrieben. Ein sehr interessanter Autor also und vielleicht habe ich ihm mit einem Franz Rieger verwechselt dessen Roman “Der Kalfaktor” 1980 bei “Ullstein” erschienen ist.

Das passiert mir manchmal und dient dann für Überraschungen, denn ich habe mich während der Lesung im Netz bezüglich Karl Wiesinger umgesehen und bin auf interessante Details gerstoßén. Eine schillernde Persönlichkeit über dem man auch viel über den Literaturbetrieb lernen kann und ich kann mich erinnern, als ich als Studentin an meinen ersten sozialkriitschen, wie ich es nannte, Romanen schrieb, einmal der Monika, die ja auch eine kommunistische Affinität hatte, im Margaretenhof, wo sie damals lebte, davon erzählte und sie empfahl mir kommunistische Schundromane zu schreiben, was mich damals sehr empörte, denn das waren meine Romane doch nicht und ich kann jetzt im Harlander Regal nach dem “Standrecht” suchen, das ja inzwischen von “Promedia” aufgelegt wurde und in den Siebzigerjahren kann ich mich erinnern, bin ich öfter für einen Tag nach Linz gefahren und habe da die “Aufbau-Bücher” von Franz Kain in einigen Bücherkisten gefunden und gekauft und Franz Kain ist sicherlich der bekanntere, wenn auch inzwischen ebenfalls vergessene kommunistische Dichter, obwohl ich ihn schon deshalb besser kenne, weil ich mit ihm ja einige Male beim Volksstimmefest gelesen habe und einmal hat er sogar, kann ich mich erinnern, einen Schirm, weil es regnete, über mich gehalten.

Künstlerprotest und Arbeitsbericht

Was tut sich auf der Corona-Front könnte man so fragen? In Wen wird der verschärfte Lockdown ab Montag beendet werden und man darf dann wieder ohne Maske den Donaukanal entlanglaufen und dort wurde angeblich auch der ehemalige Gesundheitsminister Rudi Anschober, der vor zwei Wochen aus gesundheitlichen Gründen zurückgetreten ist, oben ohne gesehen. In Wien gehen die Inzidenzzahlen zurück, in Vorarlberg wo man seit einigen Wochen mit Test die Restaurants besuche darf, gehen sie hinauf und ab neunzehnten Mai soll man wieder mit Test und dem grünen Paß in Lolkale dürfen, in Wien wahrscheinlich in den Schaigärten, in den anderen Bundesländern auch hiein. Wir haben einen neuen Gesundheitsminister, einen grünen Arzt und TCM-Mediziner, derTurnschuhe trägt und damit vorige Woche das ganze Land erregte, haben wir keine andere Sorgen?, könnte man fragen.

Offenbar nicht. Denn ganz Österreich jubelt über die neue Freiheit,die wir ab Mitte Mai angeblich wieder haben, weil wir dann getestet geimpft und genesen mit strengen Auflagen wieder zum Friseur gehen dürfen.

Ich nicht, denn meine Haare sind sehr kurz. Habe ich sie mir vor ein paar Wochen doch selbst geschnitten und gar nicht so schlecht könnte ich stolz anfügenund halte den Ausnahmezustand, in dem wir da vor einem Jahr hineingeschlittert sind, mehr oder weniger locker aus und werde ab Mitte Mai auch nicht mit Maske in die “Alte Schmiede”gehen, sondern mir weiter die Livestreams, solange es sie gibt, ansehen und hoffentlich solange die Inzidenzen nicht zu hoch und ich wieder testlos zurück kann, in Harland radfahren.

In Österreich herrscht also Freude, da unter strengen Auflagen villeicht in drei Wochen geöffnet und dieImpfungen sollen auch schon angelaufen sein, so daß alle bis Sommer durcheimpft werden sollen, wird in Deutschland noch einmal die Notbremse gezogen und man soll dort nach acht oder neun ohne Jund nicht mehr auf die Straße dürfen.

Das gilt bei uns zwar schon seit November, aber man darf, wenn man es braucht, auch ohne Hund hinaus. Wo soll man aber hingehen, wenn alles geschloßen ist und, daß das Virus ab acht oder neun ansteckender, als vorher ist, ist auch irgendwie unlogisch und das dürften sich in Deutschland auch einige Künstler gedacht haben. Fünfzig dort und drei aus Österreich, Nina Pröll, Roland Düringer, Niki Ofczareck gehört, glaube ich, auch hinzu und haben ab Donnerstag unter dem Hashtag “Alles dicht machen”, Videos herausgegeben, die alle mit dem Satz “Ich heiße sowieso und bin Schauspieler/ in!”, beginnen und da setzt sich eine solche auf den Boden und erzählt von ihrer Tochter,der es jetzt angeblich viel besser geht. Die sitzt in ihrem Zimmer vor dem Computer, trägt aber plötzlich schwarz und geht nicht mehr hinaus. Die Mutter stellt ihr das Essen vor dieTür und kommt plötzlich darauf, sie hat es die letzten drei Tage nicht mehr hineingeholt.

” Ach ja, die Pubertät”, schließt sie, glaube ich, bevor sie den Schlußsatz “Bleiben Siegesund!”, hinzufügt. Ein anderer Schauspieler bläst in eine Tüte, die Luft hinein, in eine andere hinaus undschützt sich dadurch vor Ansteckung. Dann wird nicht mehr aufgemacht, wenn draußen der Pizzdienst läutet und der Presse wird auch gedankt, daß sie einem durch ihre Beichterstattung und Angstmache das Denken erspart und so weiter und so fort. Die Presse tobte am nächsten Tag. Den Schauspielern wurde Verhöhnung der Intensivpatienten vorgeworfen und Instrumentalisierung durch die Rechten. Was das damit zu tun hat, müßte man auch einmal erklären und wurde auch von den Künstlern auch thematisiert, die sich den Applaus nur von links wünschen und dasPublikum dazu aufforderte, auf diese Seite zum Klatschen zu gehenl.

Da sind wir also bei der Satire, dem Humor und der Ironie mit dem ich mir ja sehr schwer tue, aber trotzdem die Videos nur gut finde. Denn wer wird hier verarscht? Die Kranken nicht, sondern den überzogenen Maßnahmen den Spiegel vorgehalten. Denn wem verhöhnt, die Mutter, wenn sie den Ausnahmeszustand ihrer Tochter schildert? Da braucht man nur auf die Kinderpsychiatrien gehen, um nachzufragen, wieviel depressive, mager-und computersüchtige Kindern es dort gibt und Milena Michiko Flasar hat ja auch schon vor Jahren ein Buch darüber geschrieben.

Endlich thematisiert das jemand, habe ich mir gedacht und war erstaunt, daß es pötzlich hieß, die Schauspieler haben alle beleidigt, sind geschmacklos und werden nie mehr im öffentlichen Rundfunk eine Anstellung finden.

“Uje, uje!”, könnte man da sagen und noch schlimmer ist, daß dann einige kurz darauf ihre Videos wieder zuücknahmen und sich entschuldigten “Ich bin kein Rechter und lasse mich selbstverständlich impfen!”

Uje, uje, es scheint aber trotzdem ein paar konstruktiven Stimmen und vielleicht sogar eine Diskussion darüber zu geben und das wäre ja die Chance endlich einmal über die Kollerationalschäden, die der Lockdown auslösen kann und auslöst hat zu reden und ich bin ja auch für die Freiheit.

Für das freiwilliige Tragen der Maske, wenn man das will, das freiwillige testen und keine Verpflichtung, das mit einem Test vorzuweisen, weil man einem nicht traut und man sonst vielleich sein ganzes restliches Leben lang zu Haus bleiben muß.

Also keine zwei Klassengesellschaft, obwohl ich es aushalten werde, die nächsten Jahre nicht zu verreisen und meinetwegen auch in keinem Restaurant zu sitzen, aber gut ist das wahrscheilich auch für meine Psyche nicht und höchstwahrscheinlich auch nicht notwendig und während ich mir die Videos hineinzog und von den geplanten Öffnungsschritten hörte, ist es bei mir in der letzen Woche sehr rund gegangen. Ist doch mein Computer, der ohnehin schon ein Jahr vor sich hinkränkelt am Mittwoch nicht mehr hochgegangen. Der neue ist zwar schon bestellt, hat aber Lieferschwierigkeiten und ist nicht zu bekommen, was mich in Panik versetzte, wie mache ich das dann mit dem Bloggen?

Jetzt ist er wieder repariert und geht vorläufig ausgezeichnet. Allerdings ist dann der Drucker kaputt geworden und der Ausdruck meines Corona-Texte-Buchs so verschmiert, daß ich ihn fast nichtmehr lesen kann. Da korrigere ich jetzt ja Fehler um Fehler und hoffe langsam damit fertig zu werden und bevor der Drucker eingegangen ist, hat mir der Alfred auch das Cover der “Mathilde” ausgedruckt. Da gibt es dann ein recht marcialisches Demobild zu sehen und wenn der Drucker wieder funktioniert, könnte es auch bald eine Vorschau auf das neue Buch geben und wenn ich mit dem Korrigieren der Corona-Texte fertig bin, könnte man mich fragen, wie es mit meinen Schreiben weitergeht?

Da bin ich eigentlich nicht sehr hoffnungsvoll. Habe zwar vor ein paar Wochen ein paar Ideen aufnotiert, weiß aber nicht, ob ich damit wirklich weiterkomme? Also vielleicht doch ein paar Recherchetage, über den Donaukanal kann ich jetzt ja vielleicht wieder maskenlos laufen und die Bücherschränke inspiizieren und mit meinem Notiubuch herausfinden, ob ich da auf neue Ideen komme?

Irgendwie denke ich ja immer noch, ich bin ausgeschrieben und wer will mich lesen? Die Textvorstellungen in der “Alten Schmiede” scheint es auch nicht mehr zu geben, auch wenn man dort vielleicht wieder einmal test- undmaskenlos auftreten können kann. Mal sehen, wie es wird, schreibe ich wieder. Vorläufig muß ich ohnehin meine Monatsabrechnun gmachen und auf der Bank meine Kontoauszüge beheben und da könnte ich, denn es tut sich auch in Wien, o Wunder, ein bißchen was, nämlich eine Kundgebung am Platz der Menschenrechte und ein Aufruf zum Widerstand gegen den Ausnahmezustand, wo Roland Düringer auftreten soll, Gerhard Ruiss und Hannes Hofbauer, der auch den “Lockdown 2020” herausgegeben hat, unterschrieben haben, kurz kann ich da vielleicht hinschauen, dürfte aber nicht verhaftet werden, da um sechs und sieben eine telefonische Stunde. Also schön, daß sich auch in Wien etwas tut und ein ewiger Lockdown und eine ewige Entmündigung ist wohl keine Lösung, was tun wir also dagegen,wenn man nicht mehr demostriere darf?

Keines natürlichen Todes

jetzt bin ich gleich an den anderen Ende des Tellerrandes gehüpft, denn nach den “Wilden Theorien” kommt ein Krimi. Kein gewöhnlicher, sondern der dritte Band von der von 1893-1957 gelebt habenden Dorothy Sayers “Ein Fall für Lord Peter Wimsey- Reihe”, die “Wunderlich” jetzt neu übersetzt neu herausgibt. Den zweiten Band habe ich gelesen und spannend ist natürlich auch, daß ich jetzt viele Bücher lese, die vor hundert Jahren geschrieben wurden oder dort spielen und interessant ist auch, daß von der spanischen Grippe, die da ja gerade aktuell war, nicht die Rede ist, vielleicht ist das auch in hundert Jahren so, wenn da die Bücher gelesen werden, die Anfang des einundzwanzigsten Jahrhunderts geschrieben wurden, daß das Wort Corona nicht erwähnt wird?

Daß Dorothy Sayers Stil sehr interessant und ungewöhnlich ist, habe ich schon bei den “Diskreten Zeugen” beschrieben. Hier ist das wieder so und denkt man an die tausend Millionen Krimis, die seither geschrieben wurden und die man vielleicht gelesen hat, findet man einiges was sich vielleicht naiv liest, denn wir sind bei den Krimis ja schon anderes gewohnt.

Da sitzen also zwei Herren in einem Restaurant und unterhalten sich. Da mischt sich plötzlich der Herr vom Nebentisch ein, sagt er ist oder war Arzt und erzählt eine Geschichte, wo er sich in einem Fall zu viel eingeschmischt und jetztden Schaden hat. Denn da ist eine krebskranke alte Dame gestorben. Er schöpfte Verdacht und autopsierte sie. Es kam kein Ergebnis heraus und er hatte plötzlich keine Patienten mehr. Die Braut war auch weg und die war Krankenschwester bei besagter Miss Dawson. Die hatte eine Nichte, die alles erbte, wollte aber kein Testament machen, weil sie abgergläubisch ihren Tod nicht selbst herbeiführen wollte. Dann wurden noch die zwei Dienstmädchen entlassen, weil sie eine Teekanne zerbrochen hatten und Lord Wimsey hat Blut geleckt, obwohl ihm Inspektor Parker abrät, die Nase in den Fall, der keiner ist, zu stecken.

Er gibt aber ein Inserat auf, damit sich die Dienstmädchen melden und eines wird davon tod aufgefunden, an einem plötzlichen Herzschlag im Wald verstorben. Lord Wimey kommt in die Wohnung einer Mrs. Forrest, die ihm Schaudergeschichten erzählt und ihm dann verführen oder vetäuben will und eine alte Klatschbase wird von ihm in das Dorf geschickt, wo die Eregnisse stattfanden.

Ein Rechtsanwalt taucht auf, der auch fast ermordet wurde und alles deutet auf die Nichte hin. Aber die hat ein Alibi, ist sie doch von einer jungen Dame umgeben, die so verliebt in sie ist, daß sie sie nicht aus den Augen läßt.

Das ist auch interessant, obwohl das wort lesbisch nicht erwähnt wird und die wird tot im Wald aufgefunden. Diesmal wars ein Überfall, aber der scheint fingiert zu sein. Ein Reverend Hallelujah Dawson aus Westindien taucht auch noch auf und gerät in Mordverdacht und dann findet Mss Climpson in der Kirche den Beichtzettel jener Vera Findlater, wo sie die Lügen, die sie über Mary Whittacker erzählte, aufschrieb und gerät in Gewissennöte. soll sie ihn lesen oder nicht? Sie tut es und bricht dann in die wohnung jener Missis Forrest auf und wäre dort fast auch eines natürlichen todes verstorben, wäre nicht Lord Wimsey, der die Lösung des Rätsel inwischen herausgefunden hatund interessant ist vielleicht noch der letzte Satz des Nachwortes “Über Dorothy L. Sayers, der von einem Walther Kill geschrieben wurde.

“Ich bin ein Autor und kann mein Handwerk”, hat da Dorothy Sayers stolz über sich gesagt. Das Zweite stimmt, das Erste nicht, füge ich besserwisserisch an. Aber damals hat man noch nicht gegendert, obwohl Dorothy Sayers Miss Climpson schon bedauern ließ, daß sie nicht studieren durfte, sondern vom Schicksal zu einer neugierigen alten Jungfer verdammt wurde.

Jetzt bin ich nur gespannt wieviel der elf Bände ich noch lesen werde?

Von der Ukraine nach Kroatien

Während wir uns hier im tiefsten Lockdown befinden und und ich sicher nicht mit grünen Impfpaß auf Reisen gehen werde, kann man das per Stream relativ einfach tun, den der1960 in Iwano-Frankiewsk geboren Juri Andruchowytsch den ich schon öfter, beispielsweise im Rahmen der “Buch Wien” live erlebt habe, scheint ein Stipendium des Instituts der Wissenschaften oder des Literaturhauses Krems zu haben und wurde daher in der “Gesellschaft” von Cornelius Hell vor den gläseren Vorhang gebeten, was ich insofern gut trifft, da ich erst vor kurzem eine andere Ukraininer, nämlich Natalka Sniadanko dort gehört habe und wenn ich mich nicht sehr irre, habe ich aus dem präsetierten letzten Roman “Die Lieblinge der Justiz, parahistorischer Roman in achteinhalb Kapiteln” schon einmal gehört.

Cornelius Hell stellte Juri Andruchowytsch, der wie Natalka Sniadalko sehr gut Deutsch spricht vor und erzählte beispielsweise, daß er seinen Namen von Yuri Gagarin bekommen hätte, was der Autor dann ein bißchen in die Fktion verlegte und das Buch scheint berühmte Kriminalfälle der Geschichte mit der Fiktion zu verbinden und Juri Andruchwyitsch betonte, daß er noch nie für ein Buch soviel recherviert und dann doch sehr viel dazu erfunden hat.

Er las dann ein Kapitel von einem Kolnialwarenhändler, der in Kolomea sein Geschäft machte, sich aber auch von Magiern angezogen fühlte. Klingt interessant, ist aber wahrscheinlich kein Buch, das ich lesen würde. Die Historie liegt mir da ja nicht so sehr. Denn Juri Andruchowytsch war gerade beim Kaiser Franz Josef als Johanna Öttl in der “Alten Schmiede” ihre zwei kroatischen Gäste ankündigte, die nach Wien gekommen waren und von Mascha Dabic zum Teil übersetzt und ganz gedolmetscht wurde und das ist interessant, denn wenn ich jemals, was ich, da ich ja wahrscheinlich keinen grünen Paß haben werde, nicht mehr tun werde, nach Kroatien komme, hätte ich kein Problem zu entscheiden ,welche Bücher ich mir diesbezüglich mitnehmen werde, denn das habe ich 2016 ja getan und mir dann auch noch ein literarisches Sovenier von dort mitgenommen. Auf jeden Fall habe ich zwei interessanten Autoren kennengelernt von denen ich bisher keine oder nur sehr wenig Ahnung hatte. Jana Volkmann moderierte und leitete die zwei Romane oder zwei Autoren ein, die, wie sie erklärte sehr unterschiedlich wären es aber auch Gemeinsamkeiten gebe würde.

Der Erste war der 1969 in Rijeka geborene Ivica Pretenjaca mit seinem Roman “Der Berg”, der eine Aussteigergeschichte zusein scheint. Denn da zieht sich der namenlose Protagonist, ein Kulturschaffender in einem Sommer für drei Monate auf eine Insel zurück um dort einen in einem Leuchtturm aufzupassen, daß es kein Feuer gibt und dort mit der Natur Verbindung aufnimmt. Er baut eine Beziehung zu einem Esel auf, hat aber auch Kontakt zu esoterischen Touristen und ich denke, auch wenn dieses Aussteigerthema nichts wirklich Neues ist, finde ich es sehr interessant, und Ivica Prtenjaca erzählte, gedolmetscht von Mascha Dabic Jana Volkmann, das Buch in Kroatien 2014 herausgekommen ist. Inzwischen hat er noch zwei andere Romae und einen Erzählband geschrieben und einer der Romane handelt in der Stadt in einer Wohnung und der namenlose Protagon, ist in der Verfilmung die schon geplant ist, wird er Bäcker heißen, ist ein interessanter Typ, was er mit dem Protagonisten des 1978 geborenen Goran Fercec gemeinsam hat, der interessanterweise auch noch Bender heißt und nicht aussteigt, sondern zurückkommt, nämlich in das kroatische Dorf, daß er kriegsbedingt verlassen hat. Jetzt in einer deutschen Stadt lebt, dort auch Gewalterfahrungen macht, bis ihm sein Vater anruft und weil die Mutter verschwunden ist, in das Dorf zurückruft.

Da gibt es dann ein Kapitel, das aus einem Monolog besteht, wo der Vater dem Sohn die Kriegserlebnisse schildert. Denn das Dorf ist leer, in den Häusern wohnen Hunde und die Soldaten haben die Besitztümer der Vertriebenen dem Vater zur Verahrung übergeben. Aus dem Htoel wachsen Bäume, die Mutter brät dem Vater Eier und Mascha Dabic hat das Buch überrsetzt, das und das ist auch interessant, in Wien vor zehn Jahren entstanden ist, denn da hatte er ein Stipendium und hat die “Alte Schmiede” bersucht. Dann ist Jessica Beer aufdas Buch oder auf den Autor aufmerksam geworden und hat es offenbar von Mascha Dabic übersetzen lassen und ich habe zwei interessante kroatische Autoren kennengelernt. Jana Volkmann forderte das unsichtbare Publkum auch zum sich besorgen der Bücher auf. Da gibt es während des strengen Lockdown das Clik und Collektsystem und ich hätte mich eigentlich auch noch ins Literaturhaus streamen können, denn da gab es einen Überetzerabend mit der Kärntnerslowen Maja Haderlap mit der Katja Gasser ein Gespräch führte und da man den Stream, glaube ich, noch vier Wochen nachsehen kann, habe ich mich zu OE24- TV gestreamt, um mir die Diskussion zwischen Andreas Mölzer und Robert Misik über die gepalnten Lockerungsmaßnahmen, in drei Wochen alles öffnen mit Eintrittstest und grünen Paß beziehungsweise über die Impffortschritte, die heute voll angelaufgen sind, anzuhören.