Begabte Bäume

Buch vier der Öst die ich ja heuer größtenteils vor der dBp lese, ist wahrscheinlich das künstlerisch anspruchsvolle Außerseiterbuch. Auf der Öst gibt es ja zum Gegensatz zum deutschen Buchpreis nicht nur Romane, sondern auch Essays, Lyrik, etcetera und heuer pünktlich oder besser etwas verspätet zum achtzigsten Geburtstag Bodo Hells “Begabte Bäume” aus dem kleinen aber feinen “Droschl-Verlag” und der im März 1943 in Salzburg geborene und in Wien bzw. auf einer Alm in Dachsteinnäche lebende Bodo Hell ist sicher ein Doyen der österreichichen experimentellen Gegenwartsliteratur. Ein Weggefährte Friederike Mayröckers könnte man so sagen, aktiv in der “Schule für Dichtung und der “Hochschule für Sprachkunst”, wo es, glaube ich, eigene Dachstein-Klassen gab.

Gelesen habe ich noch nichts von ihm, habe ihn aber, der sogar beim “Bachmann-Preis” gewonnen hat, bei verschiedenen Veranstaltungen gesehen, der mit seinem Käppchen und seiner Maultrommel nicht zu übersehen ist und jetzt hinein in das “Baumalphabet” zu dem Linda Wolfsgruber schöne Illustrationen geliefert hat.

So beginnt es mit dem “Ahorn”, mit dessen Saft man sich ja sein Müsli süßen und es als Zuckerersatz nützen kann. In Dachsteinähe gibt es wahrscheinlich einen Ahornkar und einen Ahornsee und da sind wir während wir uns mit Bodo Hell auf eine Bergtour machen, auch schon bei den Sagen über die er uns Auskunft gibt.

Dann gehts zum “Baum der Erkenntnis” , der nach jüdischer Auffassung ein Weinstock war. Hier werden Adam und Eva und auch Noah zitiert, sowie aus der Bibel “Ich bin der Weinstock ihr seid die Reben” und Mystikerinnen, wie Mechthild von Magdeburg, Teresa von Avila und die berühmte Hildegard von Bingen werden auch zitiert. Aber auch der griechische Gott Dionysos und der Winzer Ikarios haben sich mit dem Weinstock und den Reben beschäftigt, so daß man nur “Prost, wohl bekomms!”, sagen kann, bevor es mit der “Berberitze” weitergeht, die sowohl für den usbekischen Pilaw als auch für iranische Reisgerichte verwendet wird.

Dann kommen wir schon zur “Birke”:, Hänge-Zwerg-Sumpf und niedrige schwarze vor allem aber weiße Birke” und ein “Bretterzeilengedicht” in der berühmten Hellschen Tonart gibt es auch:” (der Wald) sehr warm kühl kalt, Sumpfwald, Jungwald, Gemeindewald, Hegewald”, etcetera, wo sich Hell in verschiedenen graphischen Ausformungen mit diesem Thema beschäftigt und dann kommen wir über die “Rotbuche” für mich natürlich besonders interessant, zum “Von Bäumen zerissenen Corona”: “Donna Belladonna Madonna Primadonna Corona, die hl. Corona ist traditionell die fürs Geld und für den Lottogewinn zuständige Fürbittergestalt”, das haben wir in den Pandemiezeiten zwar anders serviert bekommen, es ist aber sicher heilsam mit der Hellschen Diktion in die Poesie abzugleiten.

Von der “Eibe” und der “Eiche” geht es dann zum Erzherzog Johann, der ja auch in der Dachsteinregion residierte und seine Nannerl heiratete, sicher auch ein wichtiger Punkt in der Naturbetrachtung und im historischen Geschehen.

Das (weibliche) “Hollerauge” gibt es auch und da kommen wir ins Pielachtal und an die Traisen, wo ich ja fast zu Hause bin, beziehungsweise radfahre und dann zum Holz, zum Holzfällen, aber nicht zu Thomas Bernhard, sondern zu den Unfällen vor denen mn sich schützen muß, um nicht verletzt zu werden und dann natürlich zur “Holzverarbeitung”.

Dann beschäftigt Hell sich mit der “Huderpfanne Badewanne” beziehungsweise mit der “Auerhahnbalz”, die Ende April in der Weststeiermark stattfindet und wir kommen schon zu einer anderen Weggefährtin, nämlich der 2016 verstorbenen Ilse Aichinger, die mit ihrem Mann Günther und Sohn Clemens und Tochter Miriam jahrelang in der Villa Cioppi-Puhr in Großmain lebte. Da gibt es den vier Seiten langen Text “In das Land Salzburg ziehen” und andere Veröffentlichungen, die Hell zitiert und sicher lesenswert sind und dann kann man sich mit den Wortschöpfungen, die von der Natur zu der Kultur hinüberziehen bechäftigen: PFERDENATUR, AUSNAHMENATUR, FROSCHNATUR, etcetera bis zur REPARATUR, ABITUR, GARNITUR und von der SPRECHKULTUR zur REINKUTUR und UNKULTUR. Man sieht wie auch in früheren Texten Bode Hell ist ein wahrer Wortsammler und Sprachaktrobat.

Dann gehts zur “Kaiserbuche” am “Haunsberg”, wo es den “Wilden Mann” gab und zu den “Kastienrezepten” von Hildegard von Bingen, die bis ins Tessins reichen.

Aber auch den “Waldkauz in Warteposition” gibt es: “Schutz,Schmutz, Nichtsnutz, Aufputz, Liegestütz” bis wir dann zur “Kiefer” kommen.

Aber auch den “Kümmernis-Kommentar” gibt es bei den K-Worten und das “Kümmernis-Lied”: “o hl. Frau Kümmernis wie schön gewandet stehtst du da/ samt deinen güldnen Schuhen/ die Hände flach ans Holz gespießt/ hast keine Zeit zum ruhen”, wird da gereimt.

Dann gehts über die “Lärche” aus deren Holz es in der evangelischen Gemeinde Ramsau, einen “lärchernen Brunnentrog” gibt, den schon Martin Luther gesehen hätte können, zur “Latsche” durch die ich mich ja immer kämpfe, wenn ich mit dem Alfred auf den Göller gehe, die auch als Brennholz in diversen Hütten genützt wird und da gibt es Schilder, die die Wanderer bitten, das Holz hinaufzutragen: “BITT KNÜTT HÜTT” steht da besipielsweise geschrieben, ob da vielleicht Ernst Jandl unterwegs war, will Bodo Hell wissen.

Die “Linde” gibt es auch. Sprich Gerlinde, Herlinde, Sieglinde, aber auch die Linde Waber eine Künstlerin aus Zwettl, die glaube ich auch GAV-Mitglied ist und natürlich auch die, unter der Franz Schubert vielleicht einmal “Am Brunnen vor dem Tore” komponierte. “Linde tröstet Schubert” schreibt dazu Bodo Hell.

“Mammutbäume” gibt es in Göttweig und im Innviertel den “Sauwald”. Da gibts die “Sauwald-Erdäpfel”, das “Inntönefestival” und die “Sauwald-Bilder”.

Dann gehts zum “Tannenbaum” wo sich Hell fragt, woher die “Blätter” stammen, der auch ein “Vierundzwanzig Gräben-Räsel” anzubieten hat.

Es gibt die “Ulme” und das “Walcholder-Zweiglein”, die Weide” und dann, bevor wir zum Zirbenschnaps und dessen Rezeptur kommen, natürlich den “Wienerwald” beziehungsweise aus den “Geschichten” daraus. Das Sozialdrama von Ödon von Horvath aus den Neunzehndreißigerjahren und sein Autor kann ich oder Bodo Hell noch anmerken, von einem Ast auf der Champ d`Elysse erschlagen wurde.

Und so sind wir durch durch das Alphabet der “Begabten Bäume”, ein interessantes Buch in dem man in der Hellschen schönen Sprache viel über die Natur und die wahrscheinlich ebenfalls begabten experimentellen Dichter und Dichterinnen dieses Landes erfährt.

Bin gespannt, ob es auf die Shortlist kommt. Wäre sicher zu empfehlen, den Doyen der experimentellen Gegenwartliteratur ein bißchen in den Mainstream zu bringen.

Wovon wir leben

Jetzt kommt schon Buch drei der österreichischen Longlist, wobei das schon etwas übertrieben ist, denn ich bin zu meinen neunten deutschen Buchpreislesen, da wir ja bis Ende August in Frankreich war, nicht gekommen. Auch da drei Bücher schon vorher gelesen und seither nur den Olah begonnen, denn es waren noch ein paar andere Bücher zu lesen und die österreichische Longlist wurde schon ein paar Tage später bekanntgegeben und diese Bücher früher als die deutschen auf der Netgalley, wo man ja die Bücher im PDF haben kann, zu bekommen.

Also diesmal etwas anderes, diesmal zuerst die Öst und dann erst die deutsche dBp lesen und da gleich, weil mir Susanne Rössler das PDF schickte mit Birgit Birnbachers “Wovon wir leben” begonnen und das ist ein Buch von dem ich schon gehört habe.

Nämlich bei “Buch und Wein” und bei den “O-Tönen” und die 1985 in Schwarzach im Pongau geborene Birigit Birnbacher habe ich durch ihr “Wir ohne Wal”,, ein Erzählband oder Roman der mich durch seine wechselnden Perspektiven überfordert hat, kennengelernt.

2019 hat sie mit der Erzählung “Der Schrank” gewonnen, da wurde dann auch darüber gesprochen, daß die Erzählerin Soziloogin und Sozialarbeiterin ist oder war und in der Corona -Zeit ist der zweite Roman “Ich an meiner Seite”, wo es um einen straffällig gewordenen Jugendlichen geht, erschienen, den habe ich auch bei den “O-Tönen ” hinten stehen oder sitzend gehört und auf der Longlist ist er auch gestanden.

Also von dem Buch und der etwas schnippischen Art , wie Birgit Birnbacher im MQ Klaus Kastberger konterte, voreingenommen und jetzt bin ich etwas ratlos, denn es passiert in dem eigentlich eher schmalen Buch sehr viel, aber da ist jetzt nicht die kunstvolle Sprache, wie meistens, wenn ich das schreibe, gemeint, sondern der Inhalt, der ein sehr sehr realistischer, wenn auch sehr widersprüchiger ist und dann auch wieder surrealistische Elemente hat.

Das Ganze spielt im Innergebirg, wo Thomas Bernhard, glaube ich, auch eine Anspielung seinen “Frost” geschrieben hat oder davon inspiriert wurde und die Heldin ist Julia Noch, eine Krankenschwester, achtunddreißig Jahre alt, die aus dem Innergebirg geflohen und, als Krankenschwester in die Stadt gegangen ist, ein Beruf, den sie vielleicht auch nicht ganz freiwillig wählte, weil das Pflegen ja die Profession der Frau ist und jetzt wurde sie entlassen und fährt wieder in das Heimatdorf, um sich von der Familie pflegen zu lassen, weil ihr ein Kunstfehler passierte und wieder widersprüchig oder zu dick aufgetragen, sie ist selbst krank.

Leidet an Asthma, hat Atmnot und in den Dorf ist auch nichts in Ordnung. Der Vater in Frühpension, ein Hypochonder, die Mutter hat ihn verlassen und ist nach Sizilien geflüchtet, der Bruder ist durch einen Kunstfehler des betrunkenen Betriebsartzes schon lang ein Pflegfall und die zwei Fabriken haben auch schon zugesperrt, so daß alle Männer entlassen worden und schon des Morgens im Wirtshaus sitzen. Der Wirt ist ein tyrannischer Typ und hat eine Ziege verspielt, die Elise heißt und nun bei einem Anitquar haust und ständig schreit, so daß sich Julia, die kranke Krankenschwester auch um sie kümmern soll?

Man sieht die Metaphernvielfalt, das ist vielleicht auch eine Kritik an dem Buch, daß es zu “perfekt konstruiert wurde” und dann lernt Julia noch den Städter kennen. Der ist auch krank, hatte einen Herzinfrakt und soll sich nun erholen. Er hat für ein Jahr ein Grundgehalt gewonnen, wofür ihn Julia neidisch ist, denn sie weiß nicht, was sie jetzt machen und wie sie weiterleben soll?

Die Freundin Bea, eine Architektin, rät ihr, sich als technische Zeichnerin ausbilden zu lassen und der tyrannische Wirt, der auch aussteigen will, zwingt den Städter um sein Wirtshaus zu spielen und läßt ihm offenbar bewußt gewinnen. Der revnoviert nun das baufällige Haus mit den arbeitslosen Männern. Sie finden dabei ein totes Pferd, der Grund des Schreien der Ziege und der Vater versucht zu verhindern, daß ihm Julia wieder verläßt, in dem er sich am Bein verletzt.

Ein offenes Ende? Wird sie bleiben, wird sie gehen? Die Mutter ist auch zurckgekommen und das Buch bietet auch wirklich Grund über den Sinn des Lebens oder “Wovon wir leben”, ein Titel, den ich anfangs als zu nichtssagend empfand, zu spekulieren oder eigentlich sollten wir es “wofür? nennen.

Denn man kann sich in der Stadt als Krankenschwester, wo man alles dokumentieren muß und zuwenig Zeit hat überfordern, selbst krank werden und Kunstfehler begehen. Man kann auch in das Heimatdorf zurückkehren und seine Erfüllung in der Carearbeit finden. Den Vater pflegen, der Bruder blüht dabei offenbar auch auf und mit dem Städter das Wirtshaus neu aufbauen und alles selbst bestimmen. Geht auch nicht, weil das heute ja als kitschig und als sozial nicht erwünscht gilt und da sind auch noch die Traumen der Kindheit, die eine daran hindern können?

Interessant, interessant, was man alles und dann auch noch in einer sehr realistischen Sprache, was mir ja sehr gefällt, ausdrücken und sich vielleicht auch noch darüber lustig machen kann?

Man kann natürlich auch fragen, wieviel Autobiografisches dabei zu finden ist? Birigit Birnbacher deutet in den Interviews, die ich mir während des Lesens angeschaut habe, einiges an. Sehr widerspüchig, sehr viel Inhalt und eigentlich ein beeindruckendes Buch. Mal sehen, ob es auf die Shortlist kommt? Nachdem was ich bei den Kritikern finde, würde ich es fast vermuten und wäre auch damit einverstanden, obwohl ich ja noch sieben andere Östlist Bücher zu lesen habe.

Die neue österreichische Longlist

Während die auf die ersten deutschen Longlistbücher” warte, wurde heute die Longlist des “Österreichischen Buchpreises,”, den es seit 2016 gibt, bekannt gegeben und da habe ich mir ausgerechnet, daß die Chance schon vieles gelesen habe, hoch ist, stehen doch schon sechs Österreicher auf der deutschen Liste. Also habe ich gedacht, daß

  1. Birgit Birnbacher “Wovon wir leben”, wo wir bei den O-Tönen waren
  2. Milena Michiko Flasars “Oben Erde, unten Himmel”
  3. Teresa Präauer “Kochen im falschen Jahrhundert”
  4. Clemens J. Setz “Monde vor der Landung”
  5. Raphaela Edelbauer “Die Inkommensurablen”
  6. Marlene Streeruwitz “Tage im Mai”
  7. Sabine Gruber “Die Dauer der Liebe”
  8. Thomas Olah “Doppler”
  9. Tonio Schachinger “Echtzeitalter”
  10. Luca Kieser “Weil da war etwas im Wasser”

stehen könnte und das hätte ich schon gelesen.

Die drei Debuts wären auch noch dabei. Aber da würde mir außer Olah und Kieser nichts einfallen und dann nach meiner ersten Stunde und dem Antrag, den ich geschrieben habe, nachgesehen, was wirklich daraufsteht.

Die Jury besteht heuer aus: Verena Brunner-Loss, Imogena Doderer, Joachim Leitner, Katrin Schumacher, Norbert Christian Wolf und die haben sich für

1.Birgit Birnbacher “Wovon wir leben”

2. Milena Michiko Flasar “Oben Erde,unten Himmel”

3. Susanne Gregor “Wir werden fliegen”

4. Wolf Haas “Eigentum”

5. Maja Haderlap “Nachtfrauen”

6. Bodo Hell “begabte Bäume”

7. Karin Peschka “Dschomba”

8. Teresa Präauer “Kochen im falschen Jahrhundert”

9. Clemens J. Setz “Monde vor der Landung”

10. Christina Walker “Kleine Schule des Fliegens”

Und bei den Debuts:

  1. Arad Dabiri “Drama”
  2. Rhomas Olah “Doppler”
  3. Eva Reisinger “Männer töten”

Sehr schön würde ich sagen und bin eigentlich, wie auch bei der deutschen Liste sehr zufrieden und jetzt auf das Lesen gespannt und neugierig und freue mich auf das Lesen, was, da noch einige andere Rezensionsexemplare auf mich warten, etwas dauern wird. Den Bodo Hell und die Birgit Birnbacher habe ich aber schon als PDFs bekommen und mir das deutsche Lesebüchlein hochgeladen.

Paradise Garden

Jetzt kommt, oh Überraschung, das dritte heurige Longlistbuch, das mir “Diogenes” als Leseexemplar schon vor einiger Zeit zuschickte, aber nicht vor dem dreiundzwanzigsten Achten besprochen werden sollte.

Es vor unserer Frankreichreise zu lesen, ist sich dann nicht ausgeangen. So habe ich es auf unsere Reise mitgenommen und als wir am Freitag, den elften, in Richtung Italien aufgebrochen sind, mitgenommen, was sehr praktisch war, denn in dem Debut, der 1987 geborenen Elena Fischer ist es auch um eine Frankreichreise der vierzehnjährigen Billie gegangen.

Die ist allerdings nie dorthin gekommen, sondern nur an die Nordsee und ich habe eigentlich nicht daran gedacht, daß es auf die Longlist kommen könnte. Auch am zwanzigsten August nicht, als ich gerade den “Frühling in den Bäumen” gelesen habe und überlegte, daß das vielleicht draufstehen konnte, war aber nicht so und “Paradise Garden” ist vielleicht auch diesbezüglich spannend, daß es eigentlich eher ein Jugendbuch ist.

Zumindest ist die Heldin Billie oder Erzsebeth, wie sie eigentlich heißt, vierzehn und noch etwas ist interessant, denn am Tag vor unserer Abreise, waren wir ja bei den “O-Tönen” und da hat Tonio Schachinger sein zweites Buch “Echtzeitalter” vorgestellt, das auch auf der LL steht und da geht es auch um Jugendliche und zwar um solche, die das elitäre Theresianum besuchen. Also Ober- oder Mittelschichtkinder sind. Billie und ihre Mutter gehören eher den sozial schwächeren Schichten an. Zumindest wohnen sie in einer Wohnbausiedlung in schlechten Zustand und schlechten Ruf.

Billie hat aber eine ungewöhnliche Mutter, die eigentlich aus Ungarn stammt. Nicht viel von ihrer Vergangenheit spricht und mit Billie bei einem Quizz im Rundfunk anruft, wo sie einen Geldbetrag gewinnen, worauf sie die Urlaubsreise beschließen.

Denn sie haben ein altes Auto, das eigentlich auch defekt ist, die Beifahrertür klemmt oder muß beim Fahren festgehalten werden. Die Reise wird aber geplant. Eigentlich wollen sie nach Florida. aber dazu reicht das Geld nicht. Velleicht die Nordsee rät der Nachbar Ahmed. Aber das will die Mutter nicht. Billie schon. also nach Frankreich. Es wird alles in das Auto gepackt. Vorher gehen sie noch den teuersten Eisbecher namens “Paradise Garden” essen und Billies Freundin Lea, die von ihrer priveligierten Schule geflogen ist, obwohl sie aus besseren Kreisen stammt, schenkt ihr eine Schwimmflosse.

Dann wird ab er alles anders. Die ungarische Großmutter mit der die Mutter denKontakt abgebrochen hat, taucht plötzlich auf. Behauptet krank zu sein, so daß sie sich untersuchen lassen muß.

Also wird die Reise abgebrochen und die Großmutter zieht in Billies Zimmer ein, die noch ein Problem hat. Sie hat nämich keine Ahnung, wer ihr Vater ist. Die Mutter erzählt auch davon nichts und bei den Untersuchungen kommt nicht sehr viel heraus. Dafür überwirft Billie sich mit Lea, deren <mutter sehr kariativ unterwegs ist. Lea beschwer sich aber über den Gestank in Billies Wohnung, als die Großmutter sie zum Essen eigeladen hat. Billie belauscht das Gespräch und ist empört und zwischen der Großmutter und der Mutter kommt es auch zu einem Streit, weil Billie gesehen hat, daß die Großmutter ihre Tabletten nicht schluckt, sondern weggeworfen hat.

Die greift daraufhin Billie an. Die Mutter verteidigt sie. Rutsch unglücklich aus und stirbt dabei. Das erfährt man gleich am Anfang. Billie kommt vorübergehend in eine Jugendwohngemeinschaft, weil sie nicht zu Lea ziehen will.

Die Großmutter wird aber aus der Untersuchungshaft entlassen, so daß sie sich um Billie weiter kümmert wird. Es kommt zu einer vorsichtigen Annäherung zwischen den Beiden. Als aber die Schule wieder beginnt und sie Billie nach Ungarn mitnehmen will, rückt die aus. Denn sie hat inzwischen ein Foto ihres Vaters in den Sachen der Mutter gefunden und einen Hinweis auf die Nordssee, worüber die Mutter nicht sprechen wollte, gibt es auch. So rückt sie aus und fährt mit dem kaputten Auto dorthin. Zwischendurch klaut sie einen Schlafsack, damit sie in der Nacht, wenn sie im Auto schläft, nicht so friert.

Das finde ich ein wenig unglaubwürdig und überzogen, daß die Polizei nicht auf die Vierzehnjähbrige mit dem kaputten Auto aufmerksam wird. Dagegen fand ich die Stellen mit dem Jugendamt sehr realistisch erzählt.

Billie findet dann einen Mann, der ihr Vater sein könnte oder mit dem die Mutter, als sie an der Nordsee Deutsch lernte, zwei Jahre zusammenlebte, bevor sie ihn verlassen hat.

Erist aber, um die Spannung noch einmal zu steigern nicht. Billie hat sich aber mit ihm an angefreundet und hilft ihm bei den Pferden und eine ate Lehrerin, wahrscheinlich damit das Jugendamt nicht auftaucht, freundet sich mit dem naturliebenden Nichtvater, bei dem Billie wahrscheinlich bleiben wird, an.

Interessant, spannend ud etwas ungewöhnlich. Auch, daß es gleich auf die Longlist gekommen ist und ich es auf unserer Reise vorwiegend in Österreich und Italien gelesen habe und jetzt können wir noch raten, ob es auch auf die Shortlist kommen wird. Leser wird es, da leicht zu lesen und spannend geschrieben, wahrscheinlich finden.

Die neuen deutschen Buchpreisbücher

Ich habe mich ja eigentlich immer für den deutschen Buchpreis interessiert. Das heißt, die ersten Jahren ist er irgendwie an mir vorbeigegangen und ich habe eigentlich nur das mitbekommen, was ich in den Medien davon gehört habe. Dann habe ich aber zu bloggen angefangen. 2009 versucht an das Buchpreisprobenbüchlein heranzukommen, was in Österreich unmöglich war.

Dann habe ich mit dem Blog von Buzzaldrin darüber diskutiert und 2015, als die zum Buchpreis bloggen begonnen habe, auch mit dem Buchpreislesen angefangen und tue das seither regelmäßig und sehr enthusiastisch und 2016 ist dann noch der österreichische Buchpreis dazubekommen und den Schweizer lese ich seit einigen Jahren auch.

2014 habe ich als wir vom Elsaß azurückgekommen in einer Buchhandlung in Ansbach nach der Liste gefragt und als wir 2018 in der Schweiz waren, bin ich in Bern auf die Liste gekommen und in der Weltbuchhandlung auch Arno Geigers Buchpreisbucho um ein paar Franken bekmmen und heuer waren wir in Frankreich als die Longlist veröffentlicht wurden, wo ich in Bordeaux daraufgekommen bin, daß ich schon drei Büchekr davon gelesen habe.

Raphaelas Edelbauers “Inkommensurablen”, Clemens J Setz “Monde vor der Landung”, weil das auch für den “Leipziger Buchpreis” nominiert war und als wir am elften August losgefahren sind, habe ich gerade Elena Fischers “Paradise Garden” zu lesen angefangen.

Hurrah, hurrah, daß ToniSchachinger “Echtzeitalter” den ich bei den O-Tönen daraus lesen gehört habe, hat mich gefreut und eigentlich hätte ich es auf der Öst erwartet. Dann habe ich noch Teresa Präauers “Kochen im falschen Jahrhundert” bei zwei Lesungen gehört und könnte mich da ein bißchen wundern, daß das als Roman gehandelt wird. Ich hätte es eher als erzählendes Sachbuch eingeschätzt.

Luca Kieser hat mit “Weil da war etwas im Wasser” auf den O-Tönen gelesen, als wir schon in Frankreich waren. Ein Buch, was mich sehr interessiert und dann stehen wieder bekannte Namen, wie Terezia Mora mit ihrem “Munna oder die Hälfte des Lebens” oder Angelika Küssendorf “Risse”, sowie Angelika Overath “Unschärfen der Liebe” darauf.

Sechs Österreicher auf der Liste. Außer den schon erwähnten, kommt noch Kathrin Rögglas “Laufendes Verfahren ” und Thomas Olah “Doppler” dazu, ob Sepp Mall ein Österreicher ist, weiß ich jetzt gar nicht, denn dann würde die Zahl nicht stimmen. Ein Türke ist mit “Vatermal” dabei. Tomer Dotan-Dreyfuß mit einem Buch das den schönen Namen “Birobidschan ” trägt und dann auch noch einiges unbekanntes.

Spannend, spannend, schreibe ich jetzt wieder. Habe die Bücher inzwischen angefragt und besonders spannend, daß ich in Frankreich, als ich mich über die Liste freute, mir wünschte, daß ich vielleicht eines der Bücher auf einen der Campingplätze oder Bücherschränke finden könnte, weill es vielleicht einer der Juruoren oder andererKritiker auf seiner Urlaubsreise dort hineinlegte.

War natürlich nicht so. Aber drei Bücher sind schon eine schöne Zahl und jetzt fängt wieder das große Lesen an und das ist eigentlich etwas was sehr schön ist und man durch Buchpreislesen einen guten Eindruck über das Geschehen im Literaturbetrieb bekommt.

Bettgeschichten und andere

Hurrah, hurrah, jetzt kommt schon das zehnte österreichsche Buchpreisbuch. Monika Helfers Erzählband in der “Bibliothek des Alltags” bei “bahoe books” erschienen, das mir der Verleger bei der Josef Schützenhofer-Ausstellung freundlich zu Verfügung stellte und ich kann mich nur wiederholen, die Öst ist diesmal sehr interessant, meine Shortlistwünsche würden ja aus Robert Menasse bestehen und mir den auch als Preisträger, die Preisträgerin Verena Rossbacher, Thomas Stangl, Anna Kim und Reinhard Kaiser-Mühlecker wünschen und das Interessante an der Öst ist ja, daß sie auch Personal Essays, Gedichte und Erzählungen und einiges eher Unbekanntes enthält. Zwei Erzählbände haben auch einmal den Preis gewonnen und jetzt stand die 1947 in Vorarlberg geborene Monika Helfer, die Frau von Michael Köhlmeier mit ihren “Bettgeschichten” auf der langen Liste, die ja schon mit “Vati”, der “Bagage” und auch mit “Schau mich an, wenn ich mit dir rede” auf den Listen gestanden hat und Monika Helfer bringt sicher einen eigenen unverwechselbaren Ton, der mich auch manchmal nervte, in die Literaturgechichte ein. Erzählt sie doch langsam und bedächtig von ihrer Familie und in dem schönen rosaroten Erzählband, geht es auch um Familiengeschichten.

So dreht sich die Erste um eine “Kitti”, das ist ein junges Mädchen, das ein Verhältnis zu einem verheirateten Mann mit zwei Kindern hat und da fährt nun die betrogene Ehefrau mit den Kindern zu den Eltern des Mädchens Das reißt inzwischen zu ihrem Liebhaber aus, in dessen Fitnessstudio sie auch arbeitet. Dort schläft sie auch, zeitweise dient sie der Famiie auch als Au Pair. Der Mann verspricht ihr immer wieder die Trennung und die Heirat und hält sein Versprechen nicht und die Ehefrau schwindelt ihr eine Schwangerschaft vor.

Interessant, interessant, wie man dieses altbekannte Thema auch erzählen kann.

Die zweite Geschichte heißt “Luca”, in der eine Frau der Erzählung auf der Reise nach Berlin ihre Geschichte erzählt und das Bett ist sicher ein wichtiger Gegenstand, in dem man sein Leben verbringt, liest, schläft aber auch seine Frau betrügt, wie am Buchrücken steht.

Es gibt das Mädchen, das sich zum Nachdenken in einen Brunnen zurückzieht und die kleine Paula, die von ihrer Mutter verlassen wurde, alleine vom Kindergarten nach Hause geht und schließlich eine neue Mutter bekommt.

Es geht um Zerbrechlichkeit, das heißt um einen Mann, der nicht aus dem Spital entlassen werden will, weil zu Hause niemand da ist, der sich um ihn kümmert und um das Lachen einer Nachbarin, das das Ehepaar sehr durcheinanderbringt.

Wahrscheinlich kommt das Bett in jeder der Geschichte in dem einen oder anderen Zusammenhang vor. Nur darum, obwohl der Beschreibungstext das vermuten läßt, geht es aber nicht, sondern mehr oder weniger hintergründig, um das gesamte Leben.

Da gibt es das Banale, wie den Mann, der von seiner Frau betrogen wird und am Ende das Leben “ähnlich wie früher, aber nicht ganz so” weitergeht oder wie es, vieeicht doch wieder , wie früher wird, obwohl nicht klar ist, wie das war oder sein könnte.

Ein “Schwarzes Schaf” gibt es auch und eine selbstbewußte Frau. Das ist die ehemalige Schulkollegin, der Schriftstellerin namens Monika, die das eigentlich nur theoretisch ist, aber einen toleranten Mann hat, der sich auf Lesereise befindet und als die Tochter Paula einen Bergunfall hat, ruft sie sie an.

Also die ganze Spannweite des Lebens, die von der Pakistanin, die mit ihren Kind auf die Polizeistation kommt, auf ihr Geschlecht zeigt und “Kaputt” sagt, dem Kind, das bei einem Hotelgast in Zimmer schläft und dafür schönen Glasschmuck bekommt und vom Zimmermäädchen, das einen Gast tot im Bett findet und sich dann ein paar Geldscheine aus der Brieftasche nimmt, das schlechte Gewissen ist natürlich dabei und die Geschichte von der Heilerin, die in den Montafoner Bergen lebt und die Erzählerin ordentlich durcheinanderbringt.

Manche Geschichte wirken märchenhafte, so daß sie in Zeiten, wie diesen als Weihnachtsgeschenk gut zu verwenden sind. Aber Vorsicht, sie sind ganz schön hintergründig und regen zum Nachdenken an. Ein schönes kleines Büchlein, das auch graphisch schön gestaltet ist. Klein aber fein und vielleicht nur vordergründig naiv, die Bettgeschichten der Monika Helfer aus Vorarlberg, deren Sprachstil ich vielleicht erst jetzt richtig verstanden habe.

Die Dringlichkeit der Dinge

Buch fünf der österreichischen Longlist stammt aus dem kleinen steirischen “keiper-Verlag”, die mir früher öfter Bücher zuschickte “Die Dringlichkeit der Dinge” des 1985 geborenen Juristen Markus Grundtner und das merkt man dem Buch auch an, ist es doch, glaube ich, ein Liebesroman in Juristendeutsch, bzw. spult da ein Rechtsanwaltwärter dauernd sein juristisches Wissen ab, während er sich mit seiner Freundin streitet oder nicht streitet oder mit ihr Zwillinge bekommt und da sind wir schon bei den Ähnlichkeiten, bei Norbert Krölls “Kuratorin” platzt doch dort zu Beginn des Buches ein Präservativ, hier verwendet der Anwärter ein abgelaufenes.

Es geht kann man sagen, um den Einstieg in das Leben. Der Kröll, der sich auch ein bißchen an Bernhards Schimpferei anlehnt, ist sprachlich sicher besser, dafür ist Markus Grundtner wahrscheinlich unterhaltsamer, obwohl das Juristendeutsch vielleicht auch ein bißchen langweilig wirken kann.

Und und das ist interessant und hat mich alarmiert, als ich das Buch im Literaturhaus zu lesen begonnen habe und mich da zuerst eher uninteressiert in das Einstiegskapitel einlas, wo der sich der Ich-Erzähler um eineKonzipientenstelle bei einem Anwalt bewirbt. Dann geht er aber über den Margaretenplatz, sieht beim “Wortschatz” eine schöne Frau stehen, das ist die Italienerin Klaudia, die ihre Bücher entsorgt, will sie ja nach Triest und der schnappt ihren Italo Svevo, den sie wieder haben will und ein Rechtsstreit beginnt oder eine Verfolgungsjagd, die mit einem Glücksvertrag endet. Denn Klaudia ist energischer, als der Ich-Erzähler und weiß, was sie will.

So schleppt sie ihn nach Triest, während er auf den Anruf des Anwalts wartet, um ihr bei einem Wohnungkauf beizustehen. Das geht schief, sie kehren nach Wien zurück. Der Held bekommt die Stelle und darf Akten aufarbeiten und Mails beantworten und Claudia bekommt Zwillinge.

Ein interessantes Buch, das bei dem ganzen Neuerscheinungswirbel ein wenig untergegangen sein dürfte, obwohl es und das ist auch interessant auf der Öst-Longlist steht, aber die bleibt, glaube ich, trotz des Leseprobenbüchleins, das überall aufliegt, wahrscheinlich doch im Hintergrund.

Ich habe mir den Namen Markus Grundtner jedenfalls gemerkt, bin gespannt. was ich noch von ihm hören und lesen werde und spannend auch, daß vor den vierzehn Kapiteln, die Namen, wie “Bewerbung”, “Hoffnung”, “Wohnung”, etcetera tragen, immer da Paragraphenzeichen steht.

153 formen des nichtseins

Buch acht des deutschen Buchpreises ist interessant vom Titel und vom Cover her, erschienen im “Homunculus-Verlag”, den ich vom Bloggerdebutlesen kenne und der auch eher unkonventionelle Bücher hat.

“153 formen des nichtseins” am Cover sieht man eine schwarzmaskierte Frau mit riesigen abstehenden großen Stachelhaaren der 1992 in Petersburg geborenen Slata Roschal, die seit 1997 in Deutschland lebt, Literaturwissenschaften studierte, schon viele Stipendien und einige Lliteraturpreise bekommen hat.

“153 formen des nichtseins” ist ihr Debutroman und ist wahrscheinlich wieder keiner, sonder eine Collage aus verschiedenen Textformen id hundertdreiundfünzig mehr oder weniger langen Abschnitten.

Mit Listen, Zeichnungen, E-Mails, etcetera wird da vom Aufwachsen einer Progagonistin erzählt, die Ksenia heißt und wahrscheinlich viele Ähnlichkeiten mit ihrer Autorin hat, nämlich aus einer aus Russland emigrierten jüdischen Familie in Deutschland mit einem Bruder aufgewachsen. Die Eltern Zeugen Jehovas, daher strenge Erziehungsmuster, der Großvater, die Großmutter kommen vor. Dann waird aber schon zu Literaturkongressen über russische Literatur geschwenkt, an dem die Erzählerin teilnimmt. Sie hat ein Kind namens Emil und ihre Eltern sind mit ihrer Erziehungsform nicht einverstanden, die Diagnose der Zweisprachigkeit oder des Migrantenschicksals wird zitert:

“Diagnose Zweisprachigkeit

Empfehlung

Psychotherapie

Logopädie

Psychiatrie

Lebenslanges Schweigen” und eine Studie, die nchweisen will, daß zweisprachig aufgewachsene Kinder schlechter lernen, die sie dann vor ihrem Sohn versteckt, damit der nicht auf diese Idee kommt.

Vereinbarungen werden zitiert und beschrieben, wie sie im Kindergarten auf ihren Sohn wartet, der nicht mitkommen will und von der Kindergärtnerin in Deutschland heißt der KITA gefragt wird warum sie kein Schweinefleisch ißt?

Ein interessantes Debut und eine interessante Art eine Autobiografie zu schreiben, sehr modern und ungewöhnlich. Deshalb ist Slata Roschal wohl auch auf die Longlist gekommen.

Freudenberg

Buch sieben der deutschen Buchpreisliste ist Carl -Christian Elzes “Freudenberg”, der 1974 in Berlin geboren wurde und bisher als Lyriker hervorgetreten ist. “Freudenberg” ist sein Romandebut und die lyrische Sprache, die sowohl realistisch als auch unrealistisch klingt, merkt man dem Buch, da schon von der Beschreibung sehr interessant war, durchaus an.

Da ist der siebzehnjährige Freudenberg, ein Autist, ein sich noch nicht Gefundener, der Mitten in der Pubertät und den Konflikten mit seinen Eltern steckt und der fährt bevor er in der Metallverarbeitung zu arbeiten beginnen soll, mit seinen Eltern auf Urlaub an die polnische Ostseeküste. Dort geht er ans Meer, findet da eine Leiche eines gleichaltrigen Jungen, zieht seine Kleider an und die Geschichte geht los.

Könnte sie und ich habe mich gefragt, als ich das gehört und gelesen habe, wie das wohl weitergehen wird? Der Phantasie ist da wohl keine Grenze gesetzt, wenn er mit den Kleidern und den Papieren ohne die polnische Sprache zu können, ein neues Leben beginnt.

Wenn ich das schreiben würde, würde ich wohl bald an der Realität scheitern und das ganze realistisch ausklingen, den Jungen also irgendwie wieder zurückkommen lassen, würde ich vermuten und interessant ist, daß Carl- Christian Elze genau das Gleiche, das aber absolut unchronologisch und mit vielen Traumsequenzen und einer sehr schönen lyrischen Sprache tut.

Er kommt also sofort in das Elternhaus zurück. Falsch vorher hat er noch Kontakt mit einer Maja aufgenommen, die er beim Heidelbeersammeln getroffen hat und ist mit ihr und ihrem Motorrad auch herumgerast. Mit diesem Motorrad ist er nach Hause gekommen, irrt in der Wohnung herum, die Eltern sind inzwischen bei seiner Beerdigung, versteckt sich dann im Keller, die Eltern bringen ihm Essen und sperren ihn dort ein. Dann geht es wieder nach Polen, in den Wald und zu Maja zurück. Freudenberg, der mit Vornamen Maik heißt, was man aber erst auf Seite 147 erfährt, hat kein Geld denn in Marek Strzeps Portemonnai waren nur zwei Knöpfe. Er klaut sich also die Rückreise zurecht, denkt immer an Maya und auf einmal ist er in der Metallverarbeitungsfabrik in die ihn sein Vater stecken wollte.

Dort denkt er auch Maya und Marek und die Strzeps kommen, um die Urne ihres Jungen abzuholen, vorher bleut der Vater Sohn und Mutter noch die Geschichte ein, die Freudenberg ihnen und wahrscheinlich auch der Polizei erzählen soll. Aber nein, der nicht wahrscheinlich, so realistisch ist die lyrische Geschichte von Carl-Christan Elze, die mir sehr gut gefallen hat nicht.

Sie ist, wie wir inzwischen wissen, nicht auf die Shortlist gekommen, was ich ein wenig schade finde, denn das Besondere an dem Buch, meine Lernerkenntnis ist, daß ein Lyriker einen Roman durchaus verständlich schreiben kann. Die meisten anderen diesbezüglichen Bücher, die ich gelesen haben, waren eher kompliziert und unverständlich.

Hier ist es realistisch oder nur fast oder eigentlich gar nicht, denn man kann über das Buch, das sowohl unrealistisch als auch realistisch ist, herrlich spekulieren. War Maik jetzt der Zwillingsbruder? Die Beiden hatten den gleichen Leberfleck oder nur die Phantasie des sprachlosen pubertären Jungen, der sich in seiner Haut unwohl fühlt und ist die ganze Geschichte nur in seinem Kopf passiert?

Alles ist möglich und das Interessante ist auch, daß Freudenberg ein weniger abgelutschter Roman ist, als viele andere Debuts, die vielleicht in Sprachschulen entstanden sind. Man merkt den Lyriker und ich bin froh durch das Buchpreislesen den mir bisher unbekannten Autor kennengelernt zu haben.

In Dschungeln. In Wüsten. Im Krieg

Buch sechs der neuen deutschen Longlist ist, wie am Cover steht eine “Art Abenteuerroman” und stammt von der 1958 in Stuttgart geborenen Reporterin und Autorin Gabriele Riedle, die Literaturwissenschaften studierte, für “GEO”, die “taz”, dem “Spiegel”, etcetera, gearbeitet hat. Sie ist die fünften Frau der inzwischen sechs von mir gelesenen Büchern und steht inzwischen vor “Dschinns” in meiner bisherigen Bewertung an erster Stelle, denn das Buch war eine Überraschung, auch wenn im “Schweizer Literaturclub” sehr über den Zynismus der Autorin gelästert wurde. Aber wenn man da jahrelang von den jeweiligen Chefredakteuren nach Afghanistan, Liberia, in die Mongolei, nach Lybien , Papa Neuguniea, etcetera geschickt wird und dazwschen in ihrer New Yorker Wohnung oder in Berlinin der Goethe Straße auf dem “westöstlichen Divan” sitzt und sich so die Lage der Welt betrachtet, ist das wahrscheinlich mehr als verständlich und kann ich nachvollziehen.

Und das Buch ist eigentlich ein Requiem auf den britischen Fotojournalisten Tim H., der in Lybien von einer Granate zerfetzt wurde und damit beginnt Gabriele Riedle ihren Streifzug durch ihr Leben und ihre, wie man vielleicht sagen könnte, Anklage auf die Welt und ihre Sinnlosigkeit. Sie macht dabei gewaltige Rundumschläge die das Lesen einer, die noch nie in ihrem Leben in Afghanistan, Liberia, etcetera, wie wahrscheinlich, die meisten anderen Durchschnittsleser, gewesen ist, nicht sehr einfach macht. Und sie begnügt sich auch nicht, wie in besagter Diskussion ebenfalls beanstandet wurde, nicht mit der Beschreibung ihrer Kriegsreportagen, sondern macht einen Roman daraus.

Darf man das?, wurde in der Sendung, glaube ich, wirklich gefragt und sie bezieht sich dabei auch auf ihr Wissen als Literaturwissenschaftlerin, kommt also sprungartig von der “Blauen Blume” von Novalis zu den napoleonischen Feldzügen. Springt von Afghanistan nach Liberia, in die Mongolei und landet dann wieder in West Berlin etceterta.

Ein rasanter Sprint durch die Welt, wie sie ist könnte man so sagen und von der Gabriele Riedle höchstwahscheinlich mehr gesehen hat, als die meisten anderen. Daß man dabei zynisch werden kann, kann ich verstehen. Denn mir ist nach zwei Jahren Lockdown eigentlich, wo ich nur auf die Bank und in mein Bett gegangen bin und jetzt in einer zweiten oder dritten Krise landete, wo der Strom abgeschaltet werden soll und der dritte Weltkrieg droht, auch nicht viel anders gegangen.

Das von der “Anderen Bibliothek” sehr ästhetisch gestaltete Buch ist in vier Teile gegliedert und es beginnt in Afghanistan, wohin der Chefredeakteur und die sind bei Gabriele Riedle durchaus austauschbar sein Reporterin schickte, die dorthin im Jahre 2002 wahrscheinlich noch ein bißchen blauäugig reiste. Dort im Mustafa-Hotel mit seinen vielen Gittern, in Kabul residierte, dort mit dem berühmten Kriegsreporter Peter Arnett diskutierte und sich auch in einem eigentlich verbotenen Fotostudio Fotos für ihren Paß machen ließ.

Im zweiten Teil wird im Dschungel Bier getrunken und dabei das Reinheitsgebot überdacht, da ist man dann gleich beim Faschismus und bei den Ausbeutern dieser Welt.

Es geht nach Liberia und Lybien, wo sie auch mit diesem Tim zusammen war und immer wieder an ihm denkt und sich an das gemeinsame Reisen erinnert und wenn man Gabriele Riegle persönlich kennen lernen will, kann ich an eine “taz- Diskussion” mit Wladimir Kaminer verweisen, in der man auch erfährt, daß Gabriele Riedle von der dortigen Redaktion einmal hinausgeschmissen wurde. Eine sympathische Frau, die sich nach der Kriegsberichterstattung wohl mit der Lteratur versuchen will, um das Leben besser aushuhalten.

Das Buch ist, wie geschrieben ästhetisch sehr liebevoll gestaltet. Schön, daß ich durch die Longlist auf es aufmerskam wurde. Sonst wäre es wohl an mir vorbei gegangen.Ich habe aber Sabine Gruber eglesen, die sich auch einmal mit einem Kriegsfotografen beschäftigte und würde es mir sehr auf die Shortlist wünschen und es ist auf jeden Fall ein starker Kontrast zu Dagmar Leupolds “Dagegen die Elefanten”, obwohl es ohne Zweifel auch sehr literarisch ist.