Das Herbstlesen

Vom Schweiz-Urlaub zurück gekommen, während die Sommerhitze allmählich abflaut, richte ich mich, noch in meinem Sommerfrische beziehungsweise Wochendendquartier und Zweitwohnsitz auf das Herbstlesen ein, das diesmal ein ganz besonders intensives sein wird, denn die Bücherstapeln im Wiener Badezimmer sind sehr hoch und, als wir nach der zehntägigen Abwesenheit nach Wien zurückgekommen sind, war das auch der Briefkasten und es wird diesmal nicht mehr, wie weiland 2015 als ich mit dem Buchpreislesen angefangen habe, ein mehr oder weniger darauf konzentriertes sein, ganz im Gegenteil und das ist auch gut so und das Interessante daran.

Denn meine Einstellung zum dBp, der meiner Meinung nach 2005 vom Börseverband des deutschen Buchhandels geschaffen wurde, um die Leser oder Käufer auf die interessantesten bzw. wie das so großspurig hieß “beste” Neuerscheinung des Jahres aufmerksam zu machen, hat sich inzwischen sehr geändert.

Zuerst ist der dBp, das habe ich schon geschrieben, ja ein paar Jahre an mir vorbeigegangen, bis ich zu bloggen anfing und mich Christiane Zintzen, die heute, glaube ich, Chris Bader heißt, darauf  aufmerksam machte und ich mich 2009 vergeblich auf die Jagd nach dem Buchpreisprobenbüchlein machte. Dann habe ich  immer ein bißchen darüber gelesen, meinen damals wohl noch nicht sehr kompetenten Senf dazu abgegeben und mir ein oder zwei Bücher daraus jeweils zu Weihnachten oder zum Geburtstag schenken lassen, wie es sich die initatoren wohl wünschen.

“Buzzaldrin” hat dann 2013 mit der Idee des Buchpreisbloggens angefangen.

“Wow!”, habe ich gedacht und wohl gerne mitmachen wollen, aber an meine lange Bücherliste gedacht und mich wohl auch noch nicht getraut, die Verlage anzuschreiben.

2014 kam von “Buzzaldrin” die Idee des “Longlistenlesen”, wo man sich beteiligen konnte und 2015 gründeten sich dann die “offiziellen Buchpreisblogger” wo ich nicht dabei und wohl darob auch ein bißchen beleidgt war und da habe ich mir dann einen Stoß gegegeben, geschrieben “Dann tue ich es inoffizell und die Verlage angefragt.

Zehn oder elf Bücher sind, glaube ich, gekommen, den Rest habe ich mir anderwertig besorgt und 2016 gedacht, jetzt lese ich nur mehr was kommt, es kamen neunzehn Bücher und ein Monat später der öst Bp, da kamen ein paar Bücher weniger und Sabine Grubers “Daldossi” und Peter Henischs “Suchbild mit Katze” liegen immer noch ungelsen auf meinen Stapeln und damit habe ich auch verstärkt Anfragen von den Verlagen und die ersten Vorschauen bekommen und da ich ja nicht “Nein!”, sagen kann und mir das Ganze immer noch, ich weiß auch nicht wieso, großen Spaß macht, ist es dann schon 2016 zwei oder dreigleisig gewesen, 2017 ebenso und 2018 lagen bevor wir in die Schweiz gekommen sind, schon zehn Bücher auf dem Stapel, die man erst im August oder September nach dem Erscheinen lesen sollte.

“Opoe” habe ich mir in die schwiz mitgenommen, den dritten Band der Tim Krohns “Haussaga” habe ich erst bei meiner Rückkehr im Garten vorgefunden und aus der Schweiz habe ich mir ja bekanntlich das im Abverkauf um fünf Franken gekaufte Arno Geiger Buch mitgenommen und als mein erstes Buch von der dBp 2018 Liste gelesen und jetzt sitze ich in Harland und kann mich auf das Herbstlesen vorbereiten.

Zwei PDf von denen eines inzwischen verschwunden ist und da weiß ich auch nicht wieso in dem Mail plötzlich ein ganz anderes war, sind schon gekommen, die “Sechs Koffer von Maxim Biller, auf die ich auch schon sehr neugierig war, habe ich bei meiner Rückkehr in Wien vorgefunden. Inger Maria Mahlkes “Archipel”, das schon auf dem Bücherstapel lag, habe ich zu lesen begonnen, die “Gewitterschwimmerin” und “Der Vogelgott” warten auch schon auf mich und bei zwei drei anderen Büchernder LL habe ich auch schon die Zusage, bekommen und kann mich darauf freuen.

Am fünften September wird die österreichische Liste bekannt gegeben. Da hoffe ich auch wieder und wahrscheinlich erneut vergeblich, daß ich davon schon was gelesen habe, obwohl es, da ich ja schon an die sechzig Neuerscheinungen gelesen habe, durchaus sein könnte und sonst habe ich auch noch ein paar Schmankerln auf den Stapeln liegen, auf die ich mich schon freue, da wäre erstens das neue Buch vom Wolf Wondratschek dabei, dann das neue von Tiljan Sila dessen Debut mir im Unterschied zu anderen ja sehr gut gefallen hat. Die neue Verena Roßbacher, deren Lesung bei den O- Tönen ich versäumt habe wartet, wie das neue Kumpfmüller-Sommerbuch, das ich hoffentlich noch bevor die Herbststürme kommen, lesen werden und dann hat mir “Literaturtest” auch noch zwei Krimis aus dem “Unionsverlag” geschickt und “Galiani” einen interessanten Erzählband von Frank Schulz.

“Streß, Streß!”, werden die einen sagen, ich eher, daß ich in die Hände spuken und die Augen ölen werde  und mir, wie ich das ohnehin schon länger tue, immer wenn ich zu einer Lesung in die “AS”, ins Literaturhaus oder in die “Gesellschaft” gehe, die ja auch bald beginnen , ein Buch einstecken werde, um die Wartezeit nützlich zu verbringen und mich daher nicht mehr, wie ich das ja bisher tat, auf das reine Badewannelesen beschränken und was meine veränderte Einstellung und die ist das ja auch nicht wirklich, betrifft, so meine ich damit, daß ich jetzt noch viel konkreter, als ich es bisher tat, verstehe, daß es eben mehr, als zwanzig sechs oder halt das eine hochgelobte Herbsthiglight gibt, das ich unbedingt lesen sollte, um auf den Paties und Gesellschaften im nächsten halben Jahr mitreden zu können.

Nun gut, dorthin gehe ich ohnehin nicht so viel und auch sonst fragt mich eigentlich kaum jemand, was ich lese oder ob ich das oder das schon gelesen habe?

Aber ich habe mir  schon vor ein paar Wochen eine zwanzig Bücherliste von den Neuerscheinungen erstellt, die ich diesem Jahr gelesen habe. Ein einziges davon und das wurde ja gerade erst angelesen, steht auf der LL, dafür drei vier oder sogar mehr andere, die ich gerne darauf gesehen hätte.

Nun gut, macht ja nichts, denn die 2018-Liste, das habe ich, glaube ich,  schon mitbekommen, ist sehr interessant und wenn es sie nicht geben würde, wäre wahrscheinlich so manches, wie besipielsweise Josef Oberhollenzers “Sülzrather”, das ich gerade, als PDF lese, an mir vorgeigegangen. De neue Helene Hegemann wäres es und wird es vielleicht auch, das neue Bch vom Adolf Muschg, das mich sehr interessiert und das der Gianna Molinari das ich vom Bachmannpreis-Surfen kenne und das ist für mich das Interessante, vielleicht noch ein wenig genauer hinzugucken, was da alles so in einem Jahr erscheint, obwohl ich das natürlich gar nicht kann, bei den zig tausenden jährlichen Neuerscheinungen, das weiß ich schon, daß, auch wenn ich hundertfünzig bis hundertsiebzig Bücher  lese, es nur ein Tropfen auf dem heißen Stein bleiben wird und dann bleiben, die anderen, früher erschienenen Buchpreisbücher, die ich irgendwo gefunden oder aus dem Abverkauf gezogen haben, liegen.

Ich weiß, finde es aber trotzdem spannend und auch das, was ich so auf den Blogs und bei den Nooktubern über den dBp lese, denn die sind ja, wie die Buchhändler der Meinung, das meistens, das darauf steht, was sie sowieso nicht interessiert.

Gut, die lesen meistens New Adult, Phantasy oder was es sonst so alles an Genres gibt, wo ich mich nicht auskenne, aber interessant ist ja auch, daß heuer ein Buchblogger in der Jury saß und vielleicht habe ich deshalb auf einigen Blogs oder Vlogs gelesen, daß die heurige LLl viel leichter lesbar, als die anderen wäre. Da habe ich mir schon, bevor ich “Sultzrather”, das mir übrigens sehr gut gefällt, zu lesen angefangen habe, gedacht, daß ich das eigentlich so nicht nachvollziehen kann.

Auf dieser Liste stehen für mich relativ viele mir bisherun bekannte Autoren, beziehungsweise Autorinnen, denn diesmal sind die Frauen eindeutig in der Überzahl und so weit ich es bis jetzt beurteilen kann, scheinen die vielen männlichen Midlifekrisis Bücher, wo es um den Sex des älteren Mannes geht und die mich im Vorjahr ein wenig nervten, zu fehlen.

Spannend spannend, aber wieder ein Beweis, daß es nicht reicht, beziehungsweise man sich nicht in der Gegenwartsliteratur auskennen wird, wenn man sich das eine Buch zu Weihnachten schenken läßt, die Shortlist oder auch die Longlist liest.

Es gibt viel viel mehr interessante Bücher, bei dem Wort gut, weiche ich sowieso wieder aus, weil ich bis jetzt eigentlich keine schlechten Bücher finde, außer die, die ideologisch zu hetzen versuchen und da sind mir bis dago nur Sachbücher bekannt, die ich nicht lese und auch die meisten Krimis, Phantasies oder sonstigen Genres, die  bei “Amazon” hochgeladen werden und die die Leute vielleicht mehr, als den neuen Josef Oberhollzener oder  Wolf Wondratschek interessieren, halte ich nicht dafür.

Es gibt zig tausend Neuerscheinungen jedes Jahr und die Leute lesen immer weniger. Ich wahrscheinlich auch, denn mein Jahreshighlight von 176 bücher aus dem Jahr 2013 habe ich seither nicht mehr erreicht und halte es auch für illusionorisch, daß ich zweihundert Bücher schaffe.

Aber die Durchschnittsdeuschten und Österreicher lesen acht bzw. neun Bücher im Jahr, wenn diese Zahl, die ich einmal wo gehört oder gelesen habe, noch stimmt. Ich lese zwischen hundertfünzig und hundertsiebzig, interessiere mich sehr dafür, würde gerne mehr lesen, habe aber noch anderes zu tun, was genauso wichtig ist, beispielsweise, das Schreiben meines neuen Romans, wenn ich den Beruf, die Familie, die Lesungen, den Literaturbetrieb, jetzt gar nicht erwähne und falls ein Mitglied der  öst-Bp-Jury das lesen sollte, bitte bitte, tut den Heinrich Steinfest, die Milena Michiko Flasar und vielleicht auch den Norbert Gstrein darauf, weil mich der sehr interessieren würde und mir die “Büglerin” sehr gut gefallen hat.

Unter der Drachenwand

Jetzt kommt das erste Buch von der heurigen dBp-langen Liste, eigentlich eim Abverkaufbuch, daß ich in Bern im Keller des “Weltbild-Ladens” um fünf Franken fand, denn es ist ja schon im Frühling erschienen und ich habe daraus schon im April bei der “Literatur und Wein” in Göttweig und im Juli bei den O-Tönen gehört.

Der 1968 in Vorarlberg geborene Arno Geiger und dBp Buchpreisträger von 2005 ist mir auch nicht unbekannt, habe ich ihm doch schon, als er das noch war, 1996 in Klagenfurt lesen hören und habe auch zwei seiner Bücher, nämlich “Alles über Sally” und “Es geht uns gut” gelesen, die mir eigentlich eher etwas zu ausschweifend waren.

Bei “Unter der Drachenwand” ein Buch das, das Jahr 1944 und die letzten Kriegstage schildert, war das anders, da erschien mir das bei den zwei Lesungen sehr dicht und es ist ja auch sehr interessant, daß in der letzten Zeit einige Bücher erschienen sind, die das letzte Kriegsjahr schildern.

Arno Geiger hat bei der Lesung im Museumsquartier Daniela Strigl erzählt, daß er sehr lange und sehr gründlich über den Krieg recherchiert hat und die Nachbemerkung macht auch den Eindruck, als ob es die darin beschriebenen Personen wirklich gegeben hätte.

Es geht um Veit Kolbe, der sozusagen von der Matura nicht auf die Uni sondern auf die Front nach Russland kommt, dort verwundet wird und Ende 1943 oder ist es schon 1944 auf Heimaturlaub geschickt wird.

Er fährt nach Wien zu seinen Eltern, die in der Possingergasse wohnen, es gibt einige Schwester, eine namens Hilde, die immer wieder erwähnt wird, ist schon an Tuberkolose gestorben. Der Vater ist ein vom Krieg und seinen Sinn überzeugter. So hält es der junge Mann bei den Eltern nicht lange aus und zieht sich  an den Mondsee unter die Drachenwand zurück, wo sein Onkel Kommandant der Polizeistation ist.

Der ist ein starker Raucher und verschafft ihm bei einer eher unangemeehmen Dame und ebenfalls überzeugte Parteigenossin, im Buch die “Quartiersfrau” geannt, ein Zimmer. Dort ist es kalt, die Matratze ist schlecht und anfangs friert Veit Kolbe entsetzlich.

Nebenan wohnt die “Darmstätterin”, eine junge Frau mit einem kleinen Kind. Mit ihr freundet Veit sich an und erlebt im Krieg und das war Gegenstand der Diskussion im MQ, seine erste große Liebe.

Es gibt in dem Ort, der Schwarzindien heißt, aber auch ein Heim mit aus Wien ausquartierten Mädchen, die von ihrer Lehrerin betreut werden.

Eine ist die frühreife Nanni Schaller, die an der Drachenwand verunglückt und erst Monate später schon als halbes Skelett gefunden wird. Es gibt auch den “Brasilianer”, das ist der Bruder der Quartiersfrau, der hält aufmüpfige Reden gegen den “F”. oder den “H”. und kommt daher ins Gefängnis. Und Veit versucht sich um den Krieg, der ihm immer sinnloser erscheint, herunmzudrücken.

Er hat auch Angstzustände und Panikattacken. Nervöse Anfälle hat das, glaube ich, damals geheißen. Das Wort Traumatisierung war wohl noch unbekannt und wurde erst von Paulus Hochgatter für seine Heldin aufgegriffen.

Veit muß regelmäßig nach Wien zur Kontrolle fahren und versucht sch solange, wie möglich für untauglich zu erklären. Dafür fälscht er auch Dokumente und erschießt auch seinen Onkel, als der den Brasilaner, ein zweites Mal verhaften will.

Was aber nichts nützt. Obwohl der Krieg zu Ende scheint und schon die Russen anrücken, muß er Ende des Jahres doch noch einrücken und wahrscheinlich als Kontrast hat Arno Geiger noch einen Juden der mit seiner Frau und einem seiner kinder nach Budapest flüchtet, eingeführt.

Das sind auch die Stellen, die er sowohl in Göttweig, als auch im MQ gelesen hat und etwas verwirrend fand ich beim Lesen, daß alle Nebenstränge in der Ich-Perspektive geschrieben wurden. Einige der Personen, wie beispielsweise die Mutter der Darmstätterin Margot, als auch die der Mutter der Nanni Schaller oder ihres Freundes Kurt in Briefform geschrieben sind, so daß ich mich nicht recht auskannte.

Ansonsten ein sehr genau und sorgfältig recherchiertes Buch, in dem der 1961 Geborene wohl versuchte, das Jahr 1944 lebendig zu machen und seinen Lesern vor Augen zu führen. Die jungen Leute, die über den dBp bloggen, finden das, habe ich schon gelesen, manchmal zu aufgesetzt.

Und ich, die ich ja 1953 geboren wurde und eine um elf Jahre ältere Schwester hatte, kann mich an manches noch aus den Erzählungen und Fotoalben meiner Eltern erinnern.

Besser als “Alles über Sally” und “Es geht uns gut” habe ich das Buch empfunden, da mich ja das Thema interessiert. Aber manchmal habe ich auch  gedacht, das habe ich doch schon hundertmal gelesen, ob es wirklich so war und, ob die jungen traumatisierten Soldaten damals so aufmüpfig dachten, wie Arno Geiger es seinem Veit in den Mund legt?

Zweimal Krankheit und Sterben bei den O Tönen

Daniela Strigl, David Fuchs

Daniela Strigl, David Fuchs

David Fuchs

David Fuchs

Wieder einmal  das O-Töne-Literaturfestival im Museumsquartier, vorige Woche, wo Verena Roßbacher und Tanja Paar aufgetreten sind, habe ich  versäumt, weil wir in Zürich waren und diesmal ist es bei beiden vorgestellten Texten, um das Thema Krankheit und Sterben gegangen, stellte doch Daniela Strigl, das Debut des 1981 in Linz geborenen Onkologen und Autor David Fuchs “Bevor wir verschwinden” vor, der damit 2016 den FMW-Wortlaut-Literaturwettbewerb gewonnen hat und auch die Leondinger Akademie absolvierte.

Deshalb war auch Gustav Ernst mit seiner Frau im Publikum und das Cover des bei “Haymon” erschienen Buches habe ich schon öfter in den Blogs gesehen, es ist auch für den “Blogger Debutpreis” nominiert und das Thema und seine Umsetzung erscheint äußerst spannend.

Ein Medizinstudent muß sein letztes Praktikum an einer onkologischen Station machen, vorher arbeitet er auch an Tierversuchen zusammen mit der Krankenschwester Ed, auf deren Station er am nächsten Morgen eintreffen soll, die empfängt ihn gleich mit der Aufgabe einem Patienten Blut abzunehmen, der das nur von einem Arzt machen lassen möchte und der ist sein Jugendfreund Ambros und hat überall Metastasen. Spannend spannend, sehr unteressant und auch sehr frech und aufmüpfig geschrieben. Vielleicht komme ich an das Buch, wenn es auf die Debutshortliste kommen sollte und mit dem Krankhaus beziehungsweise einem Pflegeheim und dem Sterben wollen eines MS-Patienten ist es bei Daniel Wisser, den ich schon seit er sein erstes “Ritter- Buch “Dopplergasse 8” im Amerlinghaus vorstellte, kenne.

Damals habe ich gedacht, wenn so etwas bei “Ritter” erscheint, habe ich vielleicht auch Chancen.

Sebastian Fasthuber, Daniel Wisser

Sebastian Fasthuber, Daniel Wisser

Daniel Wisser

Daniel Wisser

“Welche ein Irrttum!”, würde Ernst Jandl sagen und von dem 1971 in Klagenfurt geborenen habe ich erst wieder etwas gehört, als er beim “Bachmann-Preis” gelesen hat. Dann sind ein paar Bücher bei “Klever” erschienen, die letzten zwei, darunter das Vorgestellte “Konigin der Berge” erschienen schon bei “Jung und Jung” und weil der Autor auch Stipendiat der Stadt Wien war, habe ich ihm auch im MUSA gehört.

Sebastian Fasthuber machte die Moderation und Einleitung und betonte auch, daß Wisser, der auch als Musiker auftritt und seine Texte performiert, ein sehr realistischer Experimenteller ist oder ein experimenteller Realist, denn das Buch über den MSS kranken Herrn Turin, der in einem Pflegeheim lebt, dort in der Kantine, den ganzen Tag Wein trinkt und jemanden sucht, der ihn in die Schweiz zur Sterbehilfe begleitet, scheit eher experimentell formatiert zu sein, obwohl das Buch sehr realistisch klang, denn die Aus- und Unterstreichungen konnte man nicht sehen, nur hören, daß die Dialoge mit den Erzählerstimmen beginnen.

Der Herr Turin ist jedenfalls ein recht eigenwilliger Vierzigjähriger, der schon schlecht sieht und im Rollstuhl sitzt, trotzdem den Krankenschwestern auf den Busen schaut, dann eine Psychologin findet, die ihn in die Schweiz begleitet oder auch nicht. Das Ende wurde,  wie immer nicht verraten und außerdem auch einen Dialog mit einer toten Katze hält, die den Namen eines ehemaligen amerikanischen Präsidentschaftskanditaten trägt.

Vielleicht kommt das Buch auf die östBp, dann könnte ich es lesen. Denn ich habe, fällt mir ein,  noch nichts von Daniel Wisser gelesen, obwohl er sich, wenn er mich auf Lesungen sieht, sehr freundlich mit mir unterhält.

Über Humor und Ironie

Ich mache ja kein Hehl daraus, daß ich mir mit Humor, also wenn beispielsweise Leute über das Unglück und das Mißgeschick anderer  lachen, schwer tue und habe deshalb auch Schwierigkeiten in ein Kabarett zu gehen, denn da hatte Dolores Schmiedinger einmal einen Song über die Witwen, die ihre Männer vergiftet haben, gut, die hatten sie vorher unterdrückt. Aber das ist nicht lustig und dabei stört mich vielleicht weniger der Song der Kabarettistin, sondern das wiehernde Lachen der Leute.

Als ich noch ganz jung war, Studentin im ersten Semester beispielsweise, war ich einmal bei einem Vortrag in der Kirche von Pfarrer Nemeth, über den ich damals meine Workcamps machte und da las einer Versicherungsakten vor, wo im schlechten Amtsdeutsch die Mißgeschie der Versicherten, das über die Böschung fahren und das sich Überkugeln, beispielsweise beschreiben wurde, alle lachten darüber und ich ging hinaus.

Nun ist Humor ein Abwehrmechanismus, den schon Freud beschrieben hat und daher wichtig für die Bewältigung von Traumen, wenn ich Schlechtes erlebe, gegen das mich mich nicht wehren kann, hilft vielleicht das Dissozieren, also das Abspalten und sich in sich selber zurückziehen, das Distanzieren und das darüber lachen.

So kann es beispielsweise vorkommen, daß man einen Lachanfall bekommt, wenn man vom Tod eines geliebten Menschen, der Mutter oder des Freundes erfährt.

Ich war einmal Zeugin, wie mir eine Psychologiekollegin von einer erlebten sexuellen Belästigung erzählte und dabei nicht aufhören konnte, sich zu überkugeln. Ich habe gadacht, das ist jetzt ihre Bewältigungsstrategie, es war mir aber unangenehm. Denn ich möchte weder über mein eigenes Trauma, noch über das der anderen Menschen lachen.

Mit dem Sarkasmus ist das ein bißchen anders, denn ich habe ja auch ein Trauma, nämlich, daß es mir nicht und nicht, obwohl ich mich ja so sehr darum bemühe, gelingt in den Literaturbetrieb hinein und als schreibende Frau wahrgenommen zu werden, das “Literaturgeflüster” ist, denke ich, mein Versuch damit umzugehen und da haben mir schon einige Leute gesagt, daß ihnen meine Ironie damit umzugehen, gefällt.

Meinem “Freund” Uli, mit dem ich jetzt schon seit etwa zwei Jahre kommentiere   und der rechte Ansichten zu haben scheint, natürlich nicht und der ist wahrscheinlich auch weniger zart beseitigt als ich, so daß es ihm Spaß zu machen scheint, sich darüber lustig zu machen und er geht auch wenig sensibel damit um, daß ich einmal schrieb, daß es schon einmal passieren kann, daß ich alles zu ernst nehme.

Da kann ich mich erinnern, daß ich als ich von meinem ersten Workcamp im West Park Hospital in Epsom England, zurückkam, einen Witz erzählt bekam, wo einer etwas sagte und damit durchkam, den Witz habe ich vergessen, aber nicht, daß ich gerade von einem Einsatz in einer Psychiatrie zurückgekommen, die Geschichte glaubte und erst von dem, dem ich sie erzählte, darauf hingewiesen wurde, daß das ein Witz war.

Das habe ich einmal dem Uli geschrieben oder ihn gefragt, ob eine seiner sarkastischen Bemerkungen nicht ernst gemeint sein könnten und er hat gleich “Was glauben sie-?-“, geantwortet, schmeißt aber sehr mit der Übertreibungs- und Ironiekeule herum und da denke ich, muß man sehr aufpassen, was jetzt Witz und Ironie, Abwehr und Bewältigungsversuch oder ganz einfach bösartig oder abgefeimte Hetze ist.

Es gibt sehr boshafte Texte, die Unrecht aufzeigen und daher sehr wichtig sind, der Uli hat Jonathan Swift erwähnt und ich habe gerade eine Geschichte des kürzlich verstorbenen Urs Widmer gelesen, wo er sich auf einer für mich sehr treffenden Art über die Schweizer lustig machte. Ein Bauer betrügt seine Frau, sie tut es mit dem Briefträger und der zieht die Beiden damit auf. Sehr sehr bösartig, aber eigentlich und das ist das Wichtige daran, nicht unter der Gürtellinie und ich habe einmal bei einem Schnupperseminar des Writersstudio, dessen offene Tage ich ja gern besuche, Ana Znidar dagen hören, daß man das Schlimmste und Schrecklichste, was man erlebt hat, aufschreiben soll, denn dann wird gute Literatur daraus.

Deshalb schreiben vielleicht auch so viele Jungautorin von ihren Mißbrauchsund Gewalterfahrung. Mir ist dabei ein bißchen schlecht geworden und habe den Kopf geschüttelt, denn Wunden aufreißen ist nicht gut, obwohl es theoretisch sein kann, daß das schon stimmt, man muß es aber aushalten, wenn man über sich selber schreibt. Wenn man sich über andere auf diese Art und Weise aber lustig macht, ist das natürlich anders.

Ich habe zwei Bücher vom Uli gelesen, wo er das Prinzip der Übertreibung anwandte und das hat mir sehr gefallen. Vielleicht muß man übertreiben, um andere erst auf Mißstände aufmerksam zu machen oder die inzwischen sehr übersättigten Leser an der Stande zu halten.

Stimmt genau und ist wahrscheinlich richtig, obwohl ich davor warnen würde, zu sehr in die eigene Psyche zu gehen, denn das muß man Erstens aushalten, Zweites kann es von  weniger Wohlmeindenen mißtraucht werden.

Aber das tut der Uli ohnehin nicht, er schreibt nicht über sich selbst, sondern scheint mit den Übertreibungstechniken der Ironie ein Ventil gefunden zu haben, seine Ideen auszudrücken, über andere darüber zu fahren und dabei mehr als nötig zu übertreiben.

Die vielen Flüchtlinge, die den Deutschen und den Österreichern scheinbar die Arbeitsstellen und die Sozialleistungen wegnehmen, stören ihn.

Gut, würde ich antworten, da muß man aufpassen und vorsichtig sein und ich bin schon als Zwanzigjährige und tue das auch heute noch, nicht mit einem Mann allein in ein Zimmer gegangen, wenn ich nicht ganz ganz sicher war, daß mir  nichts passiert. Da habe ich dann lieber eine Freundin eingeladen und einen Selbstverteidigungskurs zu besuchen oder vielleicht auch einen Pefferspray mit sich zu führen, wenn man Nachts allein über die Straßen geht, ist sicher zu empfehlen.

Trotzdem stimmt es nicht, daß man als Frau allein nicht mehr über die Straße gehen darf, ohne gleich vergewaltigt zu werden. Vielleicht pfeifft einen ein junger Asylwerber nach und sagt “Gehen wir einen Kaffee trinken, schöne Frau?”

Aber das war früher auch so, daß einer die Bauarbeiter nachpfiffen und da muß man eben bestimmt und deutlich “Nein!”, sagen und vielleicht die Straßenseite wechseln, wenn man das nicht will, statt empört “Vergewaltigung!”, schreien und jeden Einzelfall zu generalisieren, denn das halte ich für sehr, sehr gefährlich.

Das hat mit Humor, Sarkasmus und Ironie aber zuerst einmal gar nichts zu tun. Der Uli hat diese Waffen aber eingesetzt, um eine Geschichte zu schreiben, die seiner Meinung nach Ironie ” Spuren von Ironie” enthielt, aber eine Aneinanderhäufung von negativen Elementen war und so wahrscheinlich weder den Zweck auf Mißstände aufmerksam zu machen, erfüllte, als auch literarisch gut war.

Da hätte er sich wahrsc heinlich viel von Urs Widmer und seinem Sarkasmus in seiner ebenfalls sehr bösartigen Geschichte abschauen können und ich  denke die “gute ironische Geschichte” erfüllt ihren Zweck und braucht nicht unter die Gürtellinie zu gehen und manchmal schießt man, glaube ich, auch, wenn man es zusehr mit der Ironie übertreiben will nach hinten und trifft sich selbst, so war es auch mit der rassistischen Diskriminierung, als ein Blutspendeverein einen schwarzafrikanischen Blutspender suchte, da fühlte sich der Uli diskriminiert und als ich es dann mit der Ironie versuchte und ihm antwortete, daß das vielleicht mit den verschiedenen Blutgruppen zu tun haben könnte und er sich bei einem Arzt oder bei “Wikipedia” darüber informieren könne, schoß er zurück mit “Sie verstehen keinen Humor!”, hatet ihn dabei selber aber, glaube ich, auch nicht und so war es auch, wenn ich mich jetzt wieder angreifbar mache, auch bei meinem Vater, mit dessen Humor, als er sich  über die damals Zwanzigjährige ebenfalls sehr lustig machte, ich auch meine Schwierigkeiten hatte.

“Du verstehst keinen Spaß!”, hat er gesagt und den Kopf geschüttelt.

“Gut!”, habe ich gedacht.

“Versuche ich es auch einmal!” und habe den Spieß umgedereht. Dann wars auf einmal nicht mehr lustig. Deshalb glaube ich, daß man mit der Ironie sehr aufpassen soll. Alles, was man unter der Gürtellinie beschimpft, ist nicht lustig und wenn ein Mann eine Frau vergewaltigt, egal, ob es ein Asylwerber oder der eigene Ehemann ist und die meisten Gewaltfälle passieren, glaube ich, immer noch in der Familie, ist das auch nicht lustig, sondern zu verurteilen.

Auf der einen und auf der einen Seite. Wenn man aber solche Fälle nimmt, sie aufbauscht und verallgemeinert, um seine Meinung damit den anderen aufzudrängen, wie das der Uli  bevorzugt tut, ist das in Zeiten, wie diesen, wo sich das Blatt und die Stimmung ja gewendet haben, sehr gefährlich und es stimmt auch nicht, daß man nicht mehr auf die Straße gehen kann, ohne gleich vergewaltigt und ausgeraubt zu werden und ich da vor zwei Tagen, als ich vom Rathausplatz nach Hause ging, auch ein schönes Erlebnis hatte.

Denn da hat mich ein junger Mann, ein Joseph aus Malta angesprochen, der schon zwei Jahre hier ist und am Naschmarkt arbeitet und mir erzählt, daß er heute schon schwimmen war und ob ich auch gern schwimmen gehe?

“Was will er von der Fünfundsechzigjährigen?”, habe ich gedacht und gewartet, ob er einen Zehner oder mit mir etwas trinken will.

Nichts davon ist passiert. Er hat wohl mein Alter oder auch meine distanzierte Höflichkeit bemerkt und an der nächsten Kreuzung “Tschüß!”, gesagt und ich habe wieder etwas von dem vielfältigen schönen Leben, das wir haben, bemerkt. Und da war ich ja erst vor einer Woche in der Schweiz auf Urlaub, wo das Zürcher Geschnetzelte vierzehn Franken kostet und der Hugo dreizeh oder vierzehn, man aber am Campingplatz am Abend das übergeliebene Gebäck geschenkt bekommt und mir eine junge Verkäuferin einer Buchhandlung auch sagte, daß man in einer Bäckerei in Zürich, das Gebäck von gestern fast umsonst bekommt.

Da können sich die Rentner mit der Mindestpension versorgen und brauchen vielleicht nicht nur Flaschensammeln und es ist vielleicht auch sehr interessant, wenn man vom Flaschensammeln seine Pension aufbessern kann, denn da scheint es eine Menge Leute zu geben, die sich für das Zurückgeben vom Flaschen nicht interessieren.

Also aufpassen mit der Ironie, denke ich, obwohl ich sie auch ganz gern gebrauche. Aufpassen und vorsichtig sein und seine Meinung lieber direkt, als durch die Hintertür und verschlüsselt sagen, weil sie dann vielleicht nicht verstanden wird.

Nicht mit Kanonen auf Spatzen schießen, den Teufel an die Wand malen und es vielleicht auch nichth, wie der Zauberlehrling versuchen, weil man das, was man angehetzt hat, dann nicht mehr los wird und man im eigenen Grießbrei erstickt und da gibt es  auch  Beispiele und Metaphern, die sehr schön zeigen, was mit denen passieren kann, die über das Ziel hinausgeschoßen sind und nicht jede Hetze ist als harmlose Ironie zu bezeichnen, die man doch verstehen muß , weil man sonst keinen Humor besitzt und offenbar auch keine andere Meinung habe  darf und was mich betrifft, will ich mich über niemanden lustig machen, nicht schimpfen und nicht hetzen, sondern es auch da mit der Schokoladenseite, die es immer noch gibt und die nach wie vor, nicht nur in der schönen Schweiz, um mich herum ist, probieren.

Schweizer Geschichten

Bücherschrank am Genfer See

Bücherschrank am Genfer See

Bern

Bern

So jetzt kommt der letzte Nachtrag von unserer Schweiz- Urlaubs- Zeltreise, nämlich drei Geschichten aus Urs Widmers “Schweizer Geschichten-Buch”, das ich einmal in einem der Wiener Schränke gefunden und mir also auf die Reise mitgenommen habe, denn das tue ich ja gern im Gastland Entsprechendes zu lesen und von dem 1938 in Basel geborenen und 2014 in Zürich verstorbenen Autor habe ich ja schon einiges gelesen und gehört.

Er war einmal zu Gast in der “Alten Schmiede”, da habe ich seinen Schreibstil sehr surreal und schwer zu verstehen gefunden, denn ich bin ja eine, die sich an den Texten immer festhalten und alles nachvollziehen will.

Ein paar Bücher habe ich von ihm gefunden und zwei auch schon gelesen.

2013 ist er mit seiner Biographie auf der Longlist gestanden und jetzt also ein kleines rotes “Diogenes- Büchlein” im Gepäck. Rot das Cover, da gibt es dann einen weißen Berg und davor steht ein Männchen mit einem Alpenhorn und schlägt Blasen in die Luft und der Autor schreibt in dem 1978 erschienenen Erzählband, daß er jetzt schon sieben Jahre in Frankfurt lebt und in den Schweizer Geschichten, die Schweiz so beschrieben hat, wie er sie sehen würde, so daß sie für ihn wahr wäre.

Camp Eichholz in Bern

Camp Eichholz in Bern

Camp Eichholz in Bern

Camp Eichholz in Bern

Er hätte eigentlich über jeden Kanton eine Geschichte schreiben wollen, aber in einigen Kantons ist er noch nie gewesen. So gibt es dreizehn Geschichten in dem Buch. Drei davon habe ich, das habe ich schon geschrieben gelesen, so bleiben also noch genügend über für den nächsten Schweizer Aufenthalt und ich kann das Lesen des kleines roten Büchleins sehr empfehlen. Denn besonders, die letzte Geschichte, die ich im Auto gelesen habe, als wir Zürich schon verlassen haben, habe ich sehr sehr gut und sehr sarkastisch gefunden, so daß ich schon Lust auf das Weiterlesen, beziehungsweise auf einen weiteren Schweiz- Aufenthalt hätte, weil ja jetzt zuerst das deutsche und dann gleich das österreichische Buchpreislesen dran ist, so daß für das Schweizer Lesen wieder keine Zeit sein wird, aber das war ja schon und ich denke ich habe meinen Schweiz-Aufenthalt eigentlich sehr gut literarisch genützt und wem es interessiert kann hier meine Eindrücke und Impressionen nachlesen.

Bern

Bern

Kino am Kocher in Bern

Kino am Kocher in Bern

Die Geschichten dürften auch irgendwie zusammenhängen, so gibt es zu den ersten zwei auf jedenfall Verbindungen und in der ersten “Flug nach Zürich”, das habe ich schon geschrieben, geht der Erzähler, der zufälligerweise Schriftsteller ist und in Franfurt wohnt, mit einer dicken Frau und einem Pilot mit einem Ballon auf Reise nach Zürich, wo es auch ziemlich skurill zugeht und die Schweizer Zöllner sich die Frage stellen, ob man mit einem Ballon überhaupt in die Schweiz einreisen darf und sie ihn sicherheitshalber vorerst einmal konfiszieren.

Die Einreise ist dann aber doch gelungen, denn in Geschichte zwei, die in “Solothurn” spielt, sitzen die drei in einer Wirtschaft, wo auch Karl und Otto hinkommen, zuerst über die vielen Ausländer schimpfen, dann eine Wirtshausrauferei beginnen und sich am Schluß wieder versöhnen und zusammen ihr Bierchen trinken.

Geschichte drei “Appenzell” ist dann besonders ausgefuchst. Denn da geht der Bauer, während die Bäuerin strickt, hin und beginnt einen Brief zu schreiben.

“Was schreibst du da?”, will die Bäuerin wissen und er antwortet “Ene Steuererklärung!”

Bern

Bern

Sie nickt und strickt. Er schreibt aber einen Lebesbrief, den er dann in den Briefkasten steckt, als er zurückommt, ist die Frau nicht mehr da. So zieht er seine Liebesbriefe aus der Unterhose und schaut sich in den Alben, die Bilder seiner Geliebten an. Von oben kommen Stöhngeräusche. Er wundert sich und denkt, die Frau hört sich das Hörspiel an. Es kommt aber der Briefträger und knöpft sich die Hose zu. Der erzählt etwas von einem Brief, den er vom Finazamt bringt. Die Frau kommt auch und der Briefträger erzählt dann dem Paar welche Schweinereien, die verheirateten Leute ihren Geliebten schreiben würden. Er weiß das,  denn er ist ja der Briefträger. Dann verabschiedet er sich, geht zumPostkasten und steckt den Brief, den der Bauer an seine Geliebte geschrieben hat, ein.

“Der Bauer nickt Er räuspert sich. Der Briefträger ist eine Sau!” ,sagt er “Immer redet er von so Sachen.”

So endet fast die Geschichte und ich habe das Buch im Auto weggelegt und nach Arno Geigers “Unter der Drachenwand” gegriffen. Zum Lesen von Elisabeths Junkers “Villa” und den anderen Schweizer- Bücher, die ich noch in meinen Regalen liegen habe, bin ich nicht mehr gekommen.

Aber mal sehen, vielleicht komme ich wieder in die Schweiz, wo ich mir die Schweizer Geschichten dann mitnehmen und zu Ende lesen kann. Literarisch interessant und anregend ist es immerhin und Urs Widmer offenbar viel viel ausgefuchster, als es Thomas Küng in seinen “Gebrauchsanweisungen” war.

Züricher Buchhandlungen

Camp in Zürich

Camp in Zürich

Zürich

Zürich

Ich habe mir von dem im Badezimmer und in den Regalen angesammelten Schweizer Bücher einen guten Vorrat für die zehn Tage Urlaub mitgenommen, Donat Blums “Opoe”, eine Herbstneuerscheinung, dann die “Gebrauchsanweisungen für die Schweiz”, die mir der Alfred kaufte, Markus Werners “Festland”, das ich kurz davor in Aspern gefunden habe, das “Gastland Schweiz-Auftrittslesebuch”, Urs Widmers “Schweiz-Geschichten” und Elisabeth Junkers “Die Villa”.

Sechs Bücher müßen eigentlich reichen, habe ich gedacht, weil ich derzeit nur so zwei bis drei, die Woche lese. Dann habe ich den Donat Blum schon auf der Fahrt ausgelesen, der Markus Werner war auch nur kurz und ich dachte schon “Uje, uje, hoffen wir, daß ich in den Bücherkästen etwas entsprechendes finde!”

Im ersten Bücherschrank, ein lustiges buntes Kasterl in dem zweisprachigen Fribourg gab es dann den  Karl Ove Knausgard “Alles hat seine Zeit” aus dem Jahr 2009, also nicht gerade passend.

Dann kamen wir nach Bern und in den Keller des “Weltbild-Buchladens” und das Problem hatte sich gelöst. Das Bern reichlich mit Bücherkästen und Tauschbibliotheken gesegnet ist, habe ich schon erwähnt, vom Wert des Lesens stand, glaube ich, auch etwas auf der Gebrauchsanweisung an der Kastentür und die Büchertasche war sehr voll und Schweizerisches war auch genug dabei.

Zürich

Zürich

Zürcher Limmatschwimmen

Zürcher Limmatschwimmen

Dann ging es nach Zürich, die letzte Station unserer drei oder vier Städtereise und als wir da am Donnerstag von der Seepromenade übern Bürkliplatz die berühmte Bahnhofstraße erreichten, war es sehr voll und heiß.

Lauter Banken, Juweliere, Modegeschichäfte, eine Sprüngli-Konditorei , aber keine Bücher auf der berühmten Straße.

“Auf der Kärntnerstraße findest du die auch nicht mehr und ich suche dir die Schweizer Buchgeschäfte heraus!”, sagte der Alfred und wir zogen am Freitag los.

Die erste Zürcher Buchhandlung war gleich, wie das Geschäft behauptete, die schönste oder sie befand sich auf dem schönsten Platz von Zürich, nämlich die Buchhandlung Beer, ein kleiner feiner Laden mit kleinen feinen Büchern, ein bißchen was zum Buchpreis, ein bißchen Poesie, ein Buch übers Lesen und auch schon das Herbst Winter Programm und ein paar schöne Lesezeichen gab es auch.

Dann gings zurück zur Bahnhofstraße beziehungsweise in eine ihrer Abbiegungen, wo sich “Orell Füsseli”, der Schweizer “Thalia”, würde ich meinen, befand. Da könnte man sein Geld lassen, denn die Schweizer Bücher sind sehr teuer. Das was in Deutschland und in Österreich mit zwanzig Euro, in Österreich kommen noch ein ppar Cent dazu, angeschrieben ist, kostet hier über dreißig und so zog ich den Alfred zu der Abverkaufskiste, als er mich fragte ob ich was haben will?

Zürcher Theaterfestival in der roten Fabrik

Zürcher Theaterfestival in der roten Fabrik

Reverend Billy and the Church of Stop Shopping am Zürcher Theaterfestival

Reverend Billy and the Church of Stop Shopping am Zürcher Theaterfestival

Ich hätte zwar schon etwas gefunden, die Gianna Molinari, den Adolf Muschg und vielleicht sogar Maxim Billers “Sechs Koffer”, aber in der Abverkaufskiste lag Stephan Lohse “Ein fauler Gott”, zum halben Preis, aber aufpassen und nicht so voreilig sein, denn wenn das mit 31 Franken etcetera angeschrieben ist, bleiben noch sechzehn Franken über und der Alfred kaufte sich auch ein Buch und einen Kalender für die Oma und zahlte so mit Karte siebzig Franken oder das umgerechnet in Euro und dann noch dreißig Rappen für die Tüte.

Die dritte Buchhandlung befand sich im Bahnhof im unteren Geschoß und war gar nicht so leicht zu finden aber gut, sehr gut sortiert. Das übliche von den Herbsterscheinungen, ein bißchen was vom Frühling und unter der Kassa gab es einen Stoß mit Christine Nöstlinger Bücher, der Wiener Kinderbuchautorin, die vor kurzem gestorben ist.

Die vierte Buchhandlung führte wieder in das alternative Viertel, am Bahnhof, einer Baustelle und einer Kaserne in das sogeannte Volkshaus, wo die Kellnerin ein schwarzes Kleidchen mit weißen Kragen und weißer Schürze trug und der gesellschaftskritische Buchladen nebenan, sehr viel Marx hatte und Antonio Fians “Das Polykrates-Syndrom”, das Longlistbuch von 2014 in der Abverkaufskiste ohne roten Punkt, aber auch im fünf Franken hatte. Sehr gut, fein. Österreichisches Lesen geht ja auch und Antonio Fian bin ich ja einmal sogar schon bis in den Bregenzer Wald gefolgt und er ist auch der heurige “Priessnitz-Preisträger”.

Dann gab es noch im Altstadtviertel eine Reisebuchbahndlung, die mich bekanntlich weniger interessiert, aber Josef <haslinger “Phi Phi Island” um drei Franken in derKiste, die ich fast übersehen hätte.

Eine Architekturbuchhandlung haben wir am nächsten Tag auch noch gefunden und beim Theater Spektakel  Festival gab es auch eine Buchhandlung mit gesellschaftskritischen Büchern, also auch ohne Bücherschrank sehr viel zu lesen in der Stadt Zürich und ein feiner kleiner Buchhandlungschnitt, den “Diogenes Verlag” gibt es in Zürich, glaube ich, auch. Den habe ich aber nicht gesehen und auch nicht besucht, wurde von ihm aber schon zu einem Bloggertreffen nach Frankfurt eingladen und von dort ist ja Urs Widmer mit einer dicken Frau und einem Piloten einmal mit einem Ballon in die Schweiz geflogen, aber davon später, denn das ist ja ein Fund aus einem Wiener offenen Bücherschrank.

Ja und richtig, fast hätte ich es vergessen in Zürich gibt es auch ein Literaturhaus, das am 30. 8 wieder seine Pforten öffnet, eine Lesung mit Michelle Steinbeck um etwa zwanzig Franken anbietet. Es gibt einen Lesekreis in einer Kirche, Alex Capus neues Buch “Königskinder” wird von “Orell  Füssli” vorgestellt und dort gibt es auch ein Regal mit dem Hinweis auf Bücher, die in Zürich spielen und das ist, fast hätte ich es übersehen, das ehemalige für den Schweizer Buchpreis nominierte, Thomas Meyers “Wolkenbruchs wundersame Reise in die Arme einer Schickse” dabei, das ich auch vor kurzem im Wiener Schrank gefunden habe und mir also mitnehmen hätte können.

Die deutsche Longlist, etwas verspätet

Für die, die sich vielleicht schon gewundert haben, warum ich diesmal nichts über die deutsche Longlist schreibe, obwohl ich doch so eifrig Buchpreis blogge und auch jetzt schon die Verlage angeschrieben habe, obwohl ich heuer ja eine Neuerscheinungsleserin bin, in meinen Badezimmerstapel in Wien an die zehn Herbstbücher warten von dem nur ein einziges auf der LL steht und wahrscheinlich während ich auf Urlaub war, noch eiige andere im Briefkasten oder im Postamt auf mich warten, ich war im Urlaub, in der Schweiz, während die für den deutschen Buchpreis nominierten, bekanntgegeben wurden und habe mich da zwar auch für die Liste interessiert, da ich aber auf einem Campingurlaub keinen Laptop mitgenommen habe, blogge ich erst jetzt darüber.

Erfahren habe ich die neue deutsche Longlist diesmal auch erst ein wenig später, weil der Alfred sich erst in Bern einloggen mußte und dann war ich enttäuscht, daß die Liste wieder einmal so ganz anders, als erwartet war, denn ich habe heuer ja, glaube ich, schon an die sechzig Neuerscheinungsbücher gelesen und hätte da eigentlich Heinrich Steinfest erwartet, Bernhard Schlick, Milena Michiko Flasar, Andre Kubitschek, Julia Schoch, Margit Schreiner, Helmut Krauser, Gunnar Kaiser, Wlada Kolosowa, Bücher, die mir sehr gefallen haben und eigentlich auch Norbert Gstrein, Robert Seethaler und dann habe ich wieder sehr viele von den Büchern, die auf der Lste standen nicht gekannt, von einigen schon etwas gehört, zwei habe ich bestellt und finde sie vielleicht schon vor, wenn ich demnächst nach Wien kommen werde und eines liegt schon über ein Monat in meinem Badezimmer, das Lesen ist sich aber urlaubsbedingt nicht ganz ausgegangen und ein anderes habe ich auf der Rückfahrt von der Schweiz schon zu lesen angefangen, damit ich ich trotz Urlaub nicht ganz in Verzug komme, aber davon sopäter.

Da ist sie also die Longlist 2018, die diesmal sogar von einem Blogger mitausgesucht wurde und wahrscheinlich, sofern die Bücher zu mir kommen, noch einige Überraschungen für mich enthalten werden:

  1. Carmen  Francesca Banciu “Lebt wohl ihr Genoßen und Geliebten”, noch nie etwas, glaube ich, von dem Buch, sowie von der Autorin gehört.
  2. Maria Cedilia Barbetta “Nachtleuchten”, ebenfalls.
  3. Maxim biller “Sechs Koffer”, hier ist es anders, den Autor kenne ich von seinen, meiner Meinung nach nicht sehr qualifizierten Äußerungen im literarischen Quartett, einen Erzählband habe ich auf der Leseliste, die “Sechs <koffer” könnten schon in der Krongasse oder auf dem Postamt auf mich warten und ich bin auf das Lesen sehr gespannt
  4. Susanne Fritz “Wie kommt der Krieg ins Kind”, das Buch habe ich glaube ich schon einmal auf einem Blog gesehen.
  5. Arno Geiger “Unter der Drachenwand”, das ist eines der Bücher, wo ich die Nominierung erwartet hätte, weil bei den O-Tönen vorgestellt und dann gehe ich am Mittwoch einen Tag nach der Verkündung, in Bern in die “Weltbild-Buchhandlung” in den Kellner mit den Abverkäufen, sehe es hat einen roten Punkt, kostet also nur fünf Euro, und weil “Hanser” ja nicht immer Bücher für  Blogger hat, habe ich es schon zu lesen angefangen.
  6. Nino Haratischwilli “Die Katze und der General” auch eines der Bücher, das ich bekommen sollte und von dem ersten Bestseller der Autorin habe ich natürlich gehört und sie hat auch schon in Göttweig gelesen.
  7. Franziska Hauser “Die Gewitterschwimmerin”, noch nie etwas gehört
  8. Helene Hegemann “Bunglow”, da gab es ja den “Plagiatsskandal”  wegen “Axolotl Roadkill”, das ich gelesen habe und von dem nominierten Buch habe ich, glaube ich,, noch nicht viel gehört.
  9. Anja Kampmann “Wie hoch die Wasser steigen” ist schon länger erschienen, zumindest hat mir Bozena Anna Badura sehr davon vorgeschwärmt, als ich sie im März in Essen besuchte.
  10. Andrea Klüssendorf “Jahre später”, davon habe ich schon gehört und das Buch auch bestellt, mal sehen ob es jetzt zu mir kommt?
  11. Gert Loschütz “Ein schönes Paar” mir auch ziemlich unbekannt.
  12. Inger Maria Mahlke “Archipel”, da hat die Autorin, glaube ich, 2012 beim “Bachmannpreis” gelesen, 2015 stand sie schon Mal auf der LL,  das Buch liegt schon länger in meinem Badezimmer. Der Ingrid K. habe ich es, als wir sie vor kurzem besuchten, auch geschenkt.
  13. Gianna Molinari “Hier ist noch alles möglich”, hat, glaube ich, auch beim “Bachmannpreis” gelesen und das Buch wurde, glaube ich, von den Bloggern auch auf die LL gewünscht und ich habe es, sowohl in Bern, als auch in Zürich in einigen Buchhandlungen liegen sehen, ist sie ja eine Schweizer Autorin.
  14. Adolf Muschg “Heimkehr nach Fukushima”, der Autor ist mir dem Namen nach bekannt, ich habe ihn glaube ich auch schon auf der “Buch-Wien” lesen gehört und das Buch, da der Autor auch ein Schweizer ist auch in den Schweizer Buchhandlungen gesehen.
  15. Eckhart Nickel “Hysteria”, hat auch 2017 beim Bachmannpreis gelesen.
  16. Josef Oberhollenzer “Sülzrather” den Namen des Autors habe ich, glaube ich, schon einmal gehört, sonst weiß ich über ihn und das Buch aber nicht sehr viel.
  17. Susanne Röckel “Der Vogelgott”, wurde, glaube ich, von Cornelius Hell bei der letzten Leseauslese in der “Gesellschaft für Literatur” sehr empfohlen.
  18. Mathias Senkel “Dunkle Zahlen” auch sehr unbekann.t
  19. Stephan Thome “Gott der Barbaren”, der Autor stand glaube ich schon auf den deutschen Listen und ich habe, glaube ich, ebenfalls ein paar ungelesene Bücher von ihm.
  20. Christina Viragh “Eine dieser Nächte”, ebenfalls nicht sehr bekannt.

Sehr viele Frauen, sehr viele kleinere unbekannte Verlage und wenig Österreicher könnte man auf dem ersten Blick so sagen. Nach dem Arno Geiger, werde ich wahrscheinlich die Mahlke und auch heuer wieder drei oder viergleisig lesen und kann wieder nur darauf hinweisen, es gibt sehr viele Bücher und auch wenn ich heuer soviele Neuerscheinungen, als nie zuvor gelesen habe, bürgt die Longlist für Überraschungen, da kann man nichts dagegen machen und es ist ja auch egal.

Der Schweiz-Urlaub

Sonnenuntergang am Bodensee

Sonnenuntergang am Bodensee

Zurück vom Urlaub melde ich mich wieder mit meinem mehr oder weniger literarischen Reisebericht aus der Schweiz, dem Land, das sehr schön und sehr teuer ist und in das es mich ähnlich, wie nach Holland und Skandinavien immer wieder hinzieht und mich auch sehr interessiert.

Es war mein sechster Schweiz-Aufenthalt, bin ich doch 1972 mit meinen Eltern, als die mich während meines drei monatlichen Pflichtpraktikum im Hospitz Hotel in St. Christoph besuchten, einen Tag dort gewesen und da kann ich mich erinnern, daß mein Vater Züricher Gschnetzeltes gegessen hat, weil das einer ja tun mußte, meine Mutter, meine Schwester und ich, aber Würstchen, Rösti oder Suppe, was mich offenbar so beeindruckt hat, daß ich es immer noch erwähne.

1984 haben wir die Ingrid aus der DDR am Plattensee mit der kleinen Anna besucht und da einen Schweizer, der wohl eher die DDRler, als uns eingeladen hat, besucht und waren da auch Zürich und als wir uns entschloßen, da das  Geschnetzelte zu essen, war es schon zwei vorbei und daher die Essenszeit vorüber.

Wir haben aber, kann ich mich erinnern, der Anna einen Kinderwagen dort gekauft. Dann waren wir einmal im Tessin, 2005 als mich die Erika Kronabitter zu der Text und <kritik Werkstatt auf die Silvretta-Höhe eingeladen hat, sind wir vorher in Grindlwald auf einem Campingplatz gewesen und sind auf den Spurren eines Courths-Mahler Romans nach Interlaken und sogar mit der Jungfraubahn gefahren und im vorigen Jahr mit der Ruth bei unserer Bodenseerundfahrt auch ein paar Mal dort, beziehungweise sind wir auch während der Schifffahrt lustig hinundhergehoppelt.

Über meine literarischen Schweizerlebnisse habe ich schon ein bißchen was geschrieben und mir auch einen Sack voll Schweizer Literatur eingepackt, als wir vor einer guten Woche losgefahren sind.

Zuerst nach Bregenz, wo wir auf einem Campingplatz am See übernachteten und einen Tag vorher hat mich ein Klient, als ich ihm sagte, daß ich nächste Woche auf Urlaub und in der Schweiz fahren werde gefragt, ob ich den an den Seen verbringe?

“Nein!”, habe ich geantwortet und die Städte Genf, Bern, Zürich aufgezählt, denn, die habe ich auch dem Alfred genannt, als er mich fragte, wohin ich in der Schweiz denn möchte?

Basel ist mir dabei, glaube ich, nicht eingefallen oder habe es mit Bern verwechselt, so daß wir noch eine Destinationsmöglichkeit für einen zukünftigen Urlaub hätten und an Seen, dem Zürcher- und den Genfer  haben wir unseren Urlaub sehr wohl verbracht, denn am nächsten Tag, den Samstag sind wir nach Genf gefahren, da haben wir in Bern schon mal Halt gemacht und dort Mittag gegessen und sind mit den Schweizer Preisen bei der geschnetztelten Leber, schon in Berührung gekommen, das Berner Geschnetzelte, habe ich, wie das Zürcher, das es im Mondseer-Rosenberger, der auch nicht gerade billig war, ausgelassen.

In Genf war es dann schwierig zum Camp hinzukommen, weil alles wegen dem Feuerwerk, das am Abend stattfand, abgesperrt war, so daß der Alfred sehr fluchte und sogar in eine Fußgängerzone hineingefahren ist.

Der Campingplatz lag ein paar Kilometer außerhalb der Stadt, am See, so daß man direkt hingehen und banden oder Bootfahren konnte, aber ich bin ja keine Schwimmerin. So haben wir uns zwei Tage lang, die Stadt angesehen und ich habe auch ein bißchen versucht, meine Französisch Kenntnisse aufzufrischen, denn Genf liegt ja in der Französischen Schweiz jenseits der Röstigrenze, wie mich die mitgenommenen Reiseführer belehrten und dann gang es am Dienstag über einen kurzen Trip nach Frankreich, um auf der anderen Seite des Sees entlangzufahren über Fribourg, wo wir ein sehr gutes und mit zwanzig Franken auch sehr billiges Menu auf einer Restaurantterrasse einnahmen, nach Bern fuhren, wo der Campingplatz diesmal  an keinem See aber direkt an der  Aare lag, so daß wir am nächsten Tag am Fluß entlang in die Stadt marschierten, obwohl wir ein Bern Ticket hatten, aber ich liebe Stadtspaziergänge und da sind wir auch an einigen offenen Bücherschränken vorbeigekommen, die es im Gegensatz zu Zürich in Bern sehr reichlich gab und es gibt auch einen “Weltbild-Laden” in der Hauptstraße, den ich eigentlich für sehr uninteressant gehalten habe, aber der Alfred blätterte in einen Reiseführer, so bin ich in den Keller zu den reduzierten Büchern und dann wieder hinauf und hoch einmal hinunter gegangen, weil da ein großer Abverkauf angekündigt war und da waren die Bücher mit Punkten markiert, die mit einem roten kosteten fünf Franken, es gab aber auch ein paar ein Franken Bücher und da war Franz Hohlers “Immer höher” und Peter von Matts “Das Kalb von der Gotthardpost” dabei, so daß ich meine Schweiz-Kenntnisse auch in Zukunft auffrischen kann, aber eigentlich war ich da schon im deutschen Buchpreisfieber, denn die deutsche Longlist wurde ja am vierzehnten August bekanntgegeben und da sind wir gerade in Bern eingetroffen.

Daß ich da wieder etwas erstaunt oder enttäuscht war, wie sehr sie von meiner eigenen Schätzung abwich, werde ich noch genauer beschreiben, aber Arno Geigers “Unter der Drachenwand” war dabei und das lag auch auf dem Abverkaufstoß mit dem roten Punkt.

Nun ja es ist eine Frühjahrsneuerscheinung und Bücher haben offenbar ein sehr schnelles Ablaufdatum und da Arno Geiger ein Vorarlberger und kein Schweizer ist, hatte ich auf der Rückfahrt gleich mein erstes Buchpreisbuch zu lesen.

Wir besuchten aber noch die Bücherkästen, wo sich auch noch einiges Schweizerisches  fand und am Abend gab es auch eine Freiluftkino-Aufführung mit einem Überraschungsfilm, so daß wir auch da noch ein bißchen das Schweizer Kunst- und Sommer Feeling genießen konnten, obwohl ein Quentin Tarantino-Film gezeigt wurde.

Am Donnerstag sind wir dann nach Zürch gefahren und da lag der Camp wieder am See und war im Gegensatz zu dem in Genf sehr voll, weil der Platz auch für Tagesgäste offenstand, so daß sich die Zelte dicht aneinander befanden und vor einem am See die Leute badeten und die Kinder spielten.

Idyllisch schön war es aber auch und wir sind  in der Altstadt herummarschiert, die berühmte Bahnhofstraße auf und abgegangen, bei Sprüngli und beim Coop Schokolade für die Anna eingekauft, die dann im Auto heute ein bißchen weich wurde.

Zweimal haben wir das Zürcher Geschnetzelte und einmal Fisch bei “Fischers Fritze” am Campingplatz gegessen. Die Buchhandlungen, ich glaube, fünf oder sechs Stück haben wir auch besucht und dabei auch wieder etwas Österreichisches eingekauft.

Ein paar Mal Hugo getrunken, um sich auszuruhen und ein internationales Theater Spektakel an der Landiwiese, zwischen bem Bürkliplatz und dem Camp gelegen, gab es auch, wo wir zwar ein paar Tage brauchten, um uns hinzutrauen, aber am Samstag ein paar schöne Tanz und Pantomineaufführungen verfolgten und auch für “Reverend Billy und seinem Chor” abstimmen konnten, der für den Publkumspreis nominiert war.

Heute sind wir dann mit einem Sack voller Bücher, ich kann es ja nicht lassen und einem erweiterten Schweizbild über den Arlberg zurückgefahren, wo wir in St. Christoph Mittaggesessen und Bergkäse gekauft haben. Hin sind wir über München  und also nicht ganz so schön gefahren und jetzt geht es los mit dem Buchpreislesen, obwohl die Schweizer  Literatur  auch sehr interessant ist, aber da ist ja auch ein Schweizer, nämlich Adolf Muschg nominiert und dessen Buch habe ich in einigen Buchhandlungen liegen gesehen.

Auftritt Schweiz

2014 war die Schweiz Gastland in Leipzig und da gab es neben vielen anderen, ein Gratisbuch zum Mitnehmen “Auftritt Schweiz Das Lesebuch” von Scheidegger & Spieß, das raffiniert gestaltet, ein Schweiz ABc von “Alemannisch” bis zur “Zuwanderung” auf zweihundert Seiten und dazwischen gibt es immer wieder eingestreute Texte.

Der Erste ist ein Gedicht von Eugen Gomriger dessen “Bewunderer-Gedicht” auf einer Kunsthochschule kürzlich großes Aufsehen erregte “schwiizer: luege aaluege zueluege nöd rede sicher sii nu luege nüd znäch nu vu  wittem ruig bliibe, schwiizer sii schwitzer bliibe nu luege”

 

Peter Bichsel, auch ein echter Schweizer, von dem ich in meinen Wiener Regalen noch einiges Ungeleses habe, erzählt  von “Des Schweizers Schweiz”.

Der  1950 in Zug geborene  Thomas Hürlimann hatte in “Himmelsöhi, hilf!”, auch seine einsichten “Über die Schweiz und andere Nester”

Urs Widmer von dem ich noch später etwas schreiben werde erklärt in seinem Text, daß es keine “schweizer Literatur” gibt.

Es gibt einen Ausschnitt aus Melinda Nadj Abonjis “Tauben fliegen auf”, beim deutschen Österreich- Verleger “Jung und Jung” erschienen und mit dem deutschen Buchpreis ausgezeichneten, als Beispiel für die Schweizer Migrantenliteratur.

Franz Hohler von dem ich mir ja ein Buch im “Berner Weltbild-Laden” um einen Franken kaufte, erzählt von seinem “Spaziergängen” in “Neu-Oerlikon”. Es gibt einen Ausschnitt aus Peter Webers “Wettermacher”, bei “Suhrkamp, 1993, erschienen.

Die 1948 in Schwyz geborene Gertrud Lutenegger behauptet munter “Gleich nach dem Gotthard kommt der  Mailänder Dom”. Giovanni  Orelli erzählt von einem “Langen Winter” und, wie schon geschrieben, gibt es auch ein paar Zeilen aus Angelika Overaths “Senter Tagebuch”, das ich in Bern in einem Schrank gefunden habe.

Von Max Frisch, dem großen Doyen gibt es Ausschnitte aus seinem Tagebuch , es gibt das Hugo Loetscher  Lesebuch oder natürlich nur einen kleinen Ausschnitt daraus.

Nora Gomringer, die Bachmannpreisträgerin und Jurorin behauptet “Wandern ist eine Lust” und richtig jetzt hätte ich es fast vergessen, von Tim Krohn gibt es auch ein Stückchen was zu lesen und von dem ist ja jetzt der Dritte teil der Herrn BrechbühlBücher herausgekommen, was wahrscheinlich schon in Wien auf mich wartet und sich also als Reiselektüre nicht ausgegangen ist.

Aber Bücher haben ja kein Ablaufdatum und Schweizerisches läßt sich immer lesen, soweit mich das deutsche, das österreichische und das Blogger-Debutpreislesen dazu kommen läßt und in dem Buch gibt es außer dem Schweizer ABC,  den Textausschnitten, sowie den dazugehörigen Biografien auch immer wieder schöne Illustrationen, so daß ich das auch optisch sehr schön gestaltete Buch jeden literarischesch interessierten Schweiz-Reisenden nur empfehlen kann. Aber jetzt wird es höchstwahrscheinlich, wie ich befürchte, schon vergriffen sein.

Berner Bücherkastentour

Bern

Bern

Bern

Bern

Die Stadt Bern, die heimiche oder offene Hauptstadt der Schweiz, scheint auch in Sachen Bücher ganz vorn zu liegen, wenigstens was die Bücherschränke betrifft, denn zwei hat der Alfred in “Wikipedia”gefunden und eine “Kornhaus Tauschkreis-Initiative” scheint es auch zu geben, denn da gibts zwei mit Anleitung ausgeschriebene Bücherkästen an der Aare und im ehemaligen Bürgerspital, wo man die Bücher mitnehmen, aber auch vor Ort lesen kann und ich dann relativ neue Bücher von Silvia Bovenschen, Julia Franck, Elisabeth Strout und natürlich auch etwas Schweizerisches, wie das Büchlein von Dragica Rajcic, die ich glaube ich, einmal in der “Alten Schmiede” hörte und das “Senter Tagebuch” von Angelika Overath einer in Deutschland geborenen aber in der Schweiz lebenden Autorin, die auch im “Auftritt-Gastland Leipzig-Lesebuch” von 2014 erwähnt wird, fand.

Bern

Bern

Bücherschrank in Fribourg

Bücherschrank in Fribourg

Aber Schweizerisches habe ich kurz danach auch im der Abverkaufsteilung der “Weltbild-Buchandlung” in der Getreide- oder Kramgasse gefunden, nämlich Peter von Matts “Das Kalb vor der Gotthardpost” und Franz Hohlers Kletterbuch “Immer höher”, um einen Franken.

Dafür hatte Arno Geigers “Unter der Drachenwand”, einen roten Punkt und kostete daher fünf Fränkli, aber das, habe ich gelernt, darf man nicht sagen. Fünf Franken also für das neue Longlistenbuch und, daß es auf der Buchpreisliste steht, habe ich dem Verkäufer erst gesagt, als es der Alfred schon bezahlt hatte “Wissen sie ohnehin-!”, aber der hat auch beim zweiten Mal mein österreichisches Deutsch wahrscheinlich nicht verstanden.

Der erste “offizielle Bücherschrank” befand sich dann im Universitätsviertel, da stand auch etwas darauf um welche Initiative es sich dabei handelt und außer mir gab es da auch andere Anwärter, die sich dafür interessierten. Sehr voll mit Bücher mit und ohne den “Kornland- Aufkleber” und mit der schon vollen Büchertasche habe ich mich dann zuerst vor das “Haupt Atelier 14 B” am Falkenplatz, der kleinen feinen Buchhandlung, gesetzt, später, als der Alfred von dort hinauskam, bin ich auch hinein, habe auf die Frage, ob ich “Luaga?”, möchte, “Nur schauen!”, geantwortet und sowohl die Elisabeth Wandeler-Deck also auch F. Ms “Pathos und Schwalbe” gefunden, “Bleib bei mir” lag da, das neue “Picus-Buch” vom Felix Kucher und was die Buchpreisliste betrifft, das Schweizerische von Adolf Muschg und Gianna Molinari.

Bücherschrank Falkenplatz Bern

Bücherschrank Falkenplatz Bern

Bücherschrank Lagerweg 12, Bern

Bücherschrank Lagerweg 12, Bern

Sehr schön, sehr fein und dann ging es nach dem Essen, wo wir in einer sehr hektischen Pizeria am Hauptplatz landeten, wo sie nach uns, dann alle Tische reservierten, offenbar, um in die Siesta zu gehen, zu dem zweiten angegeben Bücherschrank, der eigentlich aus den  ehemaligen Briefkästen aus einem offenbar besetzten Haus bestand. Wir waren also im Alternativviertel Berns gelandet. Brot lag in einer Schachtel und in den Kästen nichts für mich Interessantes An Nicolas Sparks und Ludmilla Ujutzkaya auf Ungarisch kann ich mich aber noch erinnern. Nebenan gab es ein Loklal, den “Wartsaal”, wo sich die jüngern und älteren Alternitiven trafen, ich meinen Hugo trank und einem älteren Herrn beim Telefonieren zusah.

Bern ist eine Bücherstadt, denke ich und werde mich über das Arno Geiger Schnäppchen wohl immer freuen und die Anektdote munter weitererzählen. Leider haben wir  in Zürich keinen “Weltbild-Laden”, wo sie sie im Keller die anderen Frühjahrsnomierungen abverkauften, mehr gefunden.

Lokal "Wartesaal" in Bern

Lokal “Wartesaal” in Bern

Bücherschrank im Generationenhaus in Bern

Bücherschrank im Generationenhaus in Bern