Saison der Wirbelstürme

Jetzt kommt noch ein Debut, allerdings eines der 1982 in Mexiko geborenen Fernanda Melchor, die sich in ihrem Buch mit der Gewalt an Frauen beschäftigt, in Zeiten wie diesen ein sehr wichtiges Thema, wo die Unterdrückung an Frauen sowohl von den muslimischen Kulturen als auch von den Rechten kommt und Mexiko macht mit seinen Frauenmorden auch immer wieder Schlagzeilen.

Im Vorwort steht, daß Teile der Geschichte auf wahren Tatsachen beruht, am Schluß wird einigen Journalisten gedankt und dazwischen zieht es sich in sieben Kapitel hin zwischen dem bekannten lateinamerikanischen magischen Realismus und einer sehr auffälligen brutalen schonungslosen Sprache der Autorin, wo vor sich hin geflucht und geschimpft wird, wie man es literarisch vielleicht noch nicht so gehört hat.

“Die Vergessenen oder Die Medusa von La Matosa” titelt der “Falter” seine Kurzrezension und es beginnt am Mord einer “Hexe”, einer alten Frau, die umgeben von Schmutz und Müll in einem heruntergekommenen Haus eine Art esoterische Heilerpraxis betrieb, in der sie sicher auch Abtreibungen vornahm und von deren unsagbaren Reichtum man munkelt.

Das beschreibt das erste Kapitel in der schon erwähnten deftigen Sprache. Dann geht es zu den verdächtigten Jugendlichen. Jungs um die vierzehn, die die Gewalt, die sie erlebten an ihre Schwestern und Cousinen weitergeben, die sie von ihren Müttern habe, die von ihren Männern längst verlassen wurden oder sich das Leben durch Prostitution erkauften.

die Gegend in der das Ganze spielt ist arm und heruntergekommen. Die Jungs träumen von billigen oder auch teueren Addias-Schuhen oder billigen vermischten Koks. Die Frauen wahrscheinlich von der Liebe, die sie nie bekommen haben und höchstwahrscheinlich auch nicht annehmen können und das Ganze spielt in dem Haus der Hexe, einem heruntergekommenen Krankenhaus, wo man nach der Vergewaltigung oder Abtreibung von der Sozialarbeiterin noch angebunden wird, in der Kirche, der Katholizismus mit seinem Reichtum und den billigen Madonnen die in den Häusern der Armen stehen, spielt in Mexiko ja  eine große Rolle und natürlich auch im Gefängnis.

Dazwischen wird es immer mal ein bisschen magisch durchtränkt und wir bleiben mit offenen Mund vor der Gewalt, der Armut und den Terror, den es auf der Welt noch gibt und  den man hierzulande längst überwunden glaube, nach dem Lesen zurück.

So ist das bei “Wagenbach” erschienene Buches sehr zu empfehlen und wer die Autorin kennenlernen möchte. Sie kommt am ersten April nach Wien und liest um neunzehn Uhr in der Hauptbücherei am Urban Loritz Platz.

Ein Glas Wein gibt es, glaube ich, nachher auch.

Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß

Jetzt geht es regulär weiter auf meiner Leseliste, obwohl ich das Buch eigentlich mit nach Leipzig nehmen wollte und daher im Normalfall ein anderes vorgezogen hätte.

Ein Buch mit einen sehr neugierig machenden Titel, Elias Hirschl hat 2016 ein ziemlich ähnlich lautendes, nämlich “Meine Freunde haben Adolf Hitler getötet und alles, was sie mir mitgebracht haben, ist  dieses lausiges T-Shirt”, geschrieben.

Um was es hier geht, habe ich keine Ahnung, bei dem Debut der 1974 in Mark geborenen Manja Präkels schon, wurde das Buch doch im Jänner in der “AS” vorgestellt, so daß ich meine Neugier stillen konnte.

Es geht um die DDR, nicht um das dritte Reich, wie man ja auch denken könnte und der Hitler, heißt eigentlich Oliver und ist der Nachbarjunge der jungen Mimi, die wahrscheinlich auch so um 1974 in einem kleinen Havelstädtchen aufwächst.

Die Mutter ist Lehrerin an der Schule, die sie besucht und Pionierleiterin, eine überzeugte DDR-Funktionärin also, der Vater war Verkaufsstellenleiter, ist aber sehr krank, hat Diabetes und eine kaputte Niere und im ersten Teil des Buches geht es darum, wie die kleine Mimi in den Sommerferien mit ihren Freunden von einem Elitepionierlager in das nächste geschickt wird.

Dazwischen wird sie von ihrer Mutter unterrichtet, geht mit ihrem Freund Oliver Angeln und berauscht sich mit ihm bei Familielenfest an den besagten Schnapskirschen.

Dann zerbricht zuerst die Freundschaft und danach die DDR und Manja Präkels erzählt ziemlich lapidar, wie sich plötzlich alles in der Schule ändert. Einige Lehrer verschwinden, weil sie Stasi-Mitglieder waren. Der Mutter, die schon Direktorin war, wird nahegelegt, sie soll nochmal studieren oder den Beruf wechseln und Oliver, nun Hitler genannt, wird Anführer einer Nazubande und beginnt mit seinen Freunden die “Neger” zu klatschen”, etwas, was mein “Freund Uli” ja immer behauptet, nie gegeben hat.

Lukas Rietzschel hat in seinem Debut etwas später auch darüber geschrieben und Manja Präkels “sucht in ihrem Romandebut nicht nach allgemeine gültigen Erklärungen für die Gewalt, sondern beobachtet und beschreibt aus der Perspektive ihrer heranwachsenden Protagonistin”, steht am Buchrücken, was etwas war, was mir beim Lesen  einige Schwierigkeiten machte, ist das Buch, Mimi wird später auch Redakteurin,  nicht sehr geplottet, sondern zählt im dritten Kapitel die Ereignisse, wie Hitler-Oliver den und den zusammenschlägt, eher journalistisch auf, so daß es mir nicht sehr leicht fiel, der Handlung  zu folgen, während mir der Wechsel von dem einen zum anderen System, zuerst im Sommer die Pionierlager und dann braucht man plötzlich keine Russischlehrer mehr und die Leute fallen bei den Pyramidenspielen herein, verlieren ihr Geld und ihre Posten, viel pointierter schien und dazwischen wird immer wieder von der Krankheit des Vaters, sein Warten auf seine Organtransplantationen und auch von Mimis Freunden und den Tieren, die es in dem Haushalt gibt erzählt.

“Er verschwand und ich stand noch auf der Veranda, als alle übrigen Gäste längst gegangen waren. Starrte den Himmel an. Kippte Schnäpse in mich hinein und betäubte meine Ahnung, der Junge, den sie Hitler nannten, habe mir damals das Leben gerettet”, lautet der letzte Satz, der mich ebenfalls  etwas ratlos zurückließ, hätte ich es doch gern ein wenig mehr erzählender und auskomponierter gehabt.

Der lapidare, knappe Ton ist aber wahrscheinlich genau das, wofür das Buch Preise und auszeichnungen bekam und wofür die Autorin hochgelobt wurde.

Schellenmann

Jetzt kommt ein Debut des 1988 in Ludwighafen geborenen  Phillipp Böhm, der 2016 beim Open Mike unter den Finalisten war, aus dem “Verbrecher Verlag”, der offenbar immer wieder viele schöne Debuts bringt, die dann auf den “dBp-Buchpreislisten”, auf der des “Leipziger-Buchpreises” stehen oder den “Blogger-Debutpreis” gewinnen.

So war 2015 Anke Stellings “Bodentiefe Fenster”, das erste Buch, das ich aus dem Verlag gelesen habe, von dem ich, glaube ich, durch Kathrin Passig, die Bachmannpreisträgerin von 2006, das erste Mal etwas gehört habe, Joanna Reisingers “Still halten” ist, glaube ich, auch dort erschienen und im letzten Jahr hat Bettina Wilpert nicht nur den “Aspekte” sondern auch den “Blogger-Debutpreis” gewonnen.

Da habe ich dann eine Verlagsvorschau erhalten und bin in Kontakt mit dem Verlag gekommen, von dem ich inzwischen einige Bücher in meinem Badezimmer liegen habe und demnächst lesen werden und “Schellenmann” hat mich, kann ich schreiben, ein wenig verwirrt, weil ich nicht so recht wußte, wo ich das Buch einordnen soll? Vergleichsrezensionen gibt es noch nicht sehr viele, ist es doch, glaube ich, erst im Jänner erschienen.

Ist es jetzt der übliche “Coming of Age Roman”, die Geschichte des Erwachsenwerdens, eines jungen Dichters oder ist es eine Dystopie und Schilderung eines trostlosen Endzeitszenarios, wie diese Welt nun einmal ist oder erlebt werden kann, wenn man in der philosophischen Krise steckt und die noch literarisch verarbeiten muß, damit man nach Klagenfurt zum Wettlesen geschickt wird oder den “Aspekte-Preis” bekommt?

Ich glaube, es ist eine Mischung von Beiden und in der Buchbeschreibung wird die ungewöhnliche Sprache des jungen Autors gelobt und dann ist etwas von zwei jungen Männern geschrieben, die in einer Fabrik arbeiten und das Aufwachsen an den Rändern erleben.

“Nun ja!”, habe ich da wahrscheinlich gedacht und am Beginn des Buches an Gianna Molinaris “Hier ist noch alles möglich” gedacht, das ja auch in einer Fabrik spielt und von einer trostlose Welt handelt.

Man weiß nicht so genau, ob und was in der Fabrik hergestellt wird? Jakob, der Held und Erzähler muß jedenfalls Stoffstücke in einen Häckser füllen und sonst ist auch noch so einiges merkwürdig. Die Geschichte spielt in einem Sommer, der nicht enden will, wo die Eichhörchen tot von den Bäumen fallen und die Menschen immer aggressiver werden und Jakob nach seinem Freund Hartmann sucht und dabei von einem merkwürdigen Schellenmann verfolgt wird.

Das steht so ungefähr im Beschreibungstext und dann liest man sich in fünfundsechzig Kapitel durch die zweihundertzwanzig Seiten und ist ein wenig ratlos, denn die Vermischung  der oben genannten Themen macht es der Leserin nicht leicht.

Jakob ist von draußen in die kleine Stadt gekommen, Hartmann sein Freund, der ihn offenbar nach Beendigung der Schule in die Fabrik brachte, war schon immer da und im Text wird auch noch etwas von einem Geheimnis geschrieben, dasJakob nicht weiß und das ich, muß ich gestehen, bis zum Ende des Buches auch nicht so ganz herausgefunden habe.

Am Anfang des Buchs stolpert man öfter über Stellen, da war Jakob zehn, zwölf, vierzehn, etcetera und man hat auch das Gefühl, daß nicht chronologisch, sondern durcheinander erzählt wird.

Die Geschichte spielt jedensfall in dem heißen Sommer, wo die Eichhörchen sterben, Müllsäcke im Bach abgelagert, Kühe geschlachtet und die Menschen immer aggressiver werden, so daß schon propehzeit wird, daß sie alsbald mit Küchengeräten aufeinander losgehen werden.

In der Fabrik bleibt man offenbar auch nicht lang oder doch, nur die Looser bleiben und die anderen verschwinden und so ist das mit Hartmann passiert, der jetzt von Jakob gesucht wird.

In der Fabrik gibt es einen Vorarbeiter namens Warzenmüller und dann einen Schlosser, einen Serge, einen Philliph etcetera,, die alle auch mit Jakob in Verbindung stehen. Bei Phillipp horcht die geprüfte Leserin auf und denkt sich, ist das vielleicht der Autor, der auch in der Geschichte mitmischt?

Jakob klaut ihm oder steckt sein Handy ein und ruft dann eine stumme Schülerin  an, die aber schnell gesprächig wird, Serge führt ihn in eine Bar ein, wo es zu einer Schlägerei kommt und man denkt an die üblichen Erwachsenwerdenrituale und dann gibt es noch einen Wald vor dem sich Jakob fürchtet und in dem schreckliche Geheimnisse geschehen ist. Da denkt man an eine Vergewaltigung und einen Mißbrauch, was der Autor aber selbst gekonnt relativiert.

Die Fastnacht gibt es auch, da hat offenbar die Geschichte zwischen Hartmann und Jakob angefangen und da begibt offenbar die Geschichte von dem Schellenmann, von dem Jakob verfolgt wird, der aber auch nicht näher erklärt wird.

Jakob fährt also mit dem Bus, auch so eine geheimnisvolle Metapher, weil der nie kommt und man auch nicht so genau weiß, was dann geschieht, in Hartmanns Haus, um ihn zu suchen, wird aber immer nur von der Großmutter empfangen und hört auch die Stimme, der Mutter, die die Großmutter nach Hartmann fragt.

Viel später ruft Hartmann Jakob an, fragt ihn, warum er sich nicht gemeldet hat? Fordert Jakob auch auf ihn zu besuchen, als der das aber nach einigen Zögern tut, ist der nicht mehr da.

Aus der Fabrik wurde Jakob inzwischen auch entlassen, so daß ihm nicht anderes über bleibt, als “Okay”, sagt Jakob zu sich selbst und steigt endlich aus.”

So endet das Buch und die Leserin bleibt, auch wenn sie schon einige Debuts gelesen hat, etwas ratlos zurück, fragt sich wieder, was sie noch von dem Autor hören und lesen wird?

Denkt, ein gekonnt geschriebener Roman mit einem nicht wirklich neuen Thema. Aber natürlich, das wahrscheinlich, was einem Dreißigjährigen bewegt und es da natürlich klar ist, daß das die doppelt so alte Leserin, die schon viele solche Romane gelesen hat, nicht aus den Socken reißt. Noch dazu, wo der gesellschaftliche Anteil, der für die ja sehr wichtig ist, sehr verhalten und verschlüsselt daher kommt.

Ein junger Sprachkünstler, der von seinen Schwierigkeiten mit der Welt erzählt, dessen Lebenslauf ich weiterverfolgen werde und gespannt wird, ob er es auf die Bloggerdebutshortlist schaffen wird und wie es ihm und den Roman so gehen wird?

Barbara Zeman mit Gespräch und Musik

Heute hätte ich die Auswahl zwischen “Alte Schmiede” und Literaturhaus gehabt. In der “Alten Schmiede” ging es um die Krankheit und das Sterben, also um Daniel Wisser und Reinhard Wegerth und letzterer, der schon im Sommer bei den “Podium-Lesungen” aus seinem Buch um den Tod seiner Frau gelesen hat, hat mich auch extra zu der Lesung eingeladen. Da ich aber immer meinen Horizont erweitern und meinen Lesern die literarische Abwechslung bieten will, habe ich mir das Literaturhausprogramm durchgesehen und da hat die schlampige Leghasthenerseele in mir Dorothea Zeemann gelesen.  Dorothea Zemann, die letzte Lebensgefährtin des Heimito, fein, dann habe ich noch einmal in Programm nach geschaut und habe gesehen, die Dorothea ist eine Barbara und war ein bißchen enttäuscht, Barbara wie oder wer?

Vielleicht sollte ich mich doch in die “AS” begeben, dann habe ich aber nachgegooglet und bin daraufgekommen, daß ich die 1981 in Eisenstadt geborene Autorin, die 2010 in “Wartholz” gewonnen hat, schon einmal in der “Alten Schmiede” bei den berühmten “Textvorstellungen” der Angelika Reitzer hörte und als ich das Literaturhaus um dreiviertel sieben mit einer Büchertasche erreichte, war es schon sehr voll. Es waren im Vorraum Sessel aufgestellt und vor dem Eingang thronte eine weißgekleidetete große blonde Frau mit einer Bierflasche, um die Gäste zu begrüßen und ich hatte die Autorin gar nicht so groß in Erinnerung.

Barbara Zwiefelhofer betonte in ihrer Einleitung, daß sie einmal in derJury für den “Burgendländischen Literaturpreis” gewesen und von dem Text der jungen Autorin begeistert gewesen sei. Jetzt ist bei “Hoffmann und Campe” ihr Debut “Immerjahn” erschienen.

Das Literaturhaus war bummvoll, neben mir ist Ljuba Arnautovic gesessen und “Hoffmann und Campe” hat auch seine zwei Lektorinnen geschickt oder vielleicht auch nur eine, denn Barbara Zeman hat Angelika Klammer, die, wenn ich mich irre, früher bei “Residenz” gewesen ist, als ihre “Privatlektorin” bezeichnet und eine Musikbeilage, nämlich zwei junge Männer, die sich “Sweet sweet moon” nennen, gab es auch.

Das Literaturhaus bürgt immer für Überraschungen und ich kann die Größe der Veranstaltungen nie einschätzen, es war aber auch der Josef und Christl Greller da und Barbara Zwiefelhofer erwähnte in ihrer Einleitung etwas von Kapitalismus- und Kunstkritik in dem es in dem Buch gehen würde.

Die Autorin erwähnte, sie wäre aufgeregt und hätte das Lesen nicht genug geprobt, hat aber auch ein bißchen kokett gewirkt und so ist wahrscheinlich das ganze Buch, das mich ein wenig an Irene Diwiak Liebwies” erinnert hat.

Moderiert wurde die Veranstaltung von der Ö1-Moderatorin Christine Scheuchert und es geht darin um einen sehr reichen Mann, der in Eisenstadt auf einem Hetscherl genannten Berg lebt, eine riesige Privatsammlung an Gemälden hat, die er zu einem Museum machen will.

Um “schwitzende Brüste”, wo ich mir gedacht habe, “Uj, uj, ein bißcherl schwülstig!”, ging es auch. Das Publikum aber lachte. Die Coverversionen, die in dem  Buch auch vorkommen, wurden gespielt und gesungen und dazwschen Schnaps getrunken.

Dann gabs noch ein Gespräch mit den beiden Lektorinnen, die die tolle Sprache und die Zeitunanbhängigkeit des Buches lobten und nachher ein von der Familie gestiftetes Buffet mit AuFstrichbroten, wo ich während ich mich mit dem Josef unterhalten habe, sowohl Fritz Ostermayer, als auch Zitha Beyreuther und Gabriele Matelka gesehen habe und ich habe mir wieder gedacht “Uj uj, man erlebt im Literaturbetrieb immer seine Überraschungen, so gut man sich auch auszukennen glaubt.

Ein Stammbesucher wagte die Lektorin nach der Auflagenhöhe zu fragen.

“Das ist ein Geheimnis!”, sagte sie etwas herablassend. Die Bücher wurden aber gut verkauft. Die Autogrammschlange lang und ich kann jetzt spekulieren, ob ich die Autorin bei den O-Tönen hören und ihr Buch vielleicht bei den Bloggerdebuts zu beurteilen habe.

Alle Guten waren tot

Jetzt kommt wieder ein Debut, im November erschienen, das dann vielleicht für 2019 auf der Blogger Debutpreis-Liste stehen könnte, nämlich der erste Roman des 1987 geborenen und in Griechenland und in Franken aufgewachsenen Gerasimos Bekas, der auch einen deutsch-griechischen Helden für sein Buch gewählt hat.

Aris wurde in Griechenland geboren, von deutschen Eltern Helmut und Gitte adoptiert und jobbt jetzt in einem Krankenhaus oder Seniorenheim als Altenhelfer.

Dort wird er einer alten griechischen Dame, nämlich Frau Xenaki zugeteilt, die ihm mit einem delikaten Auftrag nach Griechenland schickt.

So weit so gut und sehr interessant, erinnert vielleicht ein bißchen an Hilmar Klute, obwohl jener Aris nicht schreibt, dafür hat er einen sehr rotzigen Ton und tut vielleicht auch recht seltsame Sachen und der Einstieg in das Buch war etwas schwierig, denn da liest man zuerst den Klappentext und bekommt dann im ersten Kapitel etwas ganz anderes, nämlich etwas von “Penetelinischen Marmor” vorgesetzt.

Es gibt auch immer wieder Rückblendungen, die im Jahr 1943  beginnen und bis, glaube ich, 1995 gehen, da sind wir in Griechenland und erfahren, die Geschichte des griechischen Mönchs Stylianos, während Aris  in Würzburg lebt, von seiner Arbeit auf den Pflegestationen, wo die Patienten fixiert und zugedröhnt werden, offensichtlich überfordert ist, so daß er öfter abhaut, um sich ein Bierchen zu vergönnen.

Einmal bestellt er drei zum Preis von fünf, ist davon dann betrunken und schlägt in weiterer Folge einen Polizisten zusammen, so daß er über Frau Xenakis Auftrag nach Griechenland zu fliegen um ihrer Enkelin Aphrodite einen Koffer zu überbringen erleichtert annimmt.

Das führt zu einigen skurrilen Szenen, was auch Gerasimos Bekas Spezialität zu sein scheint.

So geht auf den angegebenen Platz zu dem Kioskbesitzer, der den Schlüßel zu Frau Xenaiks Wohnung hat. Der läßt sich aber verleugnen und von einem jüngernen Taxler herumfahren und es dauert einige Zeit, bis er die Enkelin trifft. Die führt ihn auch ein bißchen an der Nase herum, läßt ihn mit ihren an Läusen leidenden Kind allein und das führt ihn dann ans Meer, obwohl die Mutter nur ein paar Häuser weiter ist, bis sich alles aufklärt und zu einem Happy end führt.

Ein spannendes leichter und locker und etwas bizzar oder skurril dahingeschriebenes Buch würde ich sagen. Ein spannendes Thema und das, was die heutige Jugend mit und ohne Migrationshintergrund in dem Deutschland von heute wohl erlebt und damit zurechtzukommen versucht.

So bin ich wieder gespannt, ob und was ich von dem jungen Autor noch hören oder lesen werde und wünsche ihm alles Gute.

Adrian oder die unzählbaren Dinge

Jetzt kommt noch ein Buch von der Longlist des Bloggerdebuts und eines der vier “Kremayr&Scheriau- Herbstbücher”, von denen mir Tanja Raich schon im März in Leipzig den Katalog in die Hand gedrückt hat, dann sind zwei der vier Bücher erst verspätet gekommen.

Ich habe die 1983 in Villach geborene Angelika Stallhofer, die Marlen Schachingers “Schreibakademie” eine Ausbildung machte, schon im November bei Richard Weihs “Wilden Worten” aus ihrem Debut lesen gehört und als dann kurz darauf die Nachricht mit der Shortlist kam, habe ich sie mit Verena Stauffers “Orchis” verwechselt und gedacht, fein, da kann ich das Buch vorziehen, war aber nicht so und so habe ich wieder ein poetisches Debut aus der “Kremayr & Scheriau-Literaturschiene” und ein Stückchen neuerer österreichischer Frauenliteratur gelesen.

Was mir mißfällt an dem Buch, ich schreibe es gleich und da werden mir wahrscheinlich einige widersprechen, ist das Cover, ein Ausschnitt aus einem “Botticelli-Bild”, das in dem Roman, glaube ich, auch vorkommt.

Aber ich mag keine barocken Gemäde auf Buchumschläge und “Kremayr&Scheriau” hat eigentlich sehr sehr schöne Cover mit grafischen und geometischen Muster, die mir viel besser gefallen.

Nun bin ich eben eine Puristin und da kommen wir schon zu den Stärken, denn eigentlich habe ich gedacht, wieder ein poetischer Sprachrausch, wie man das jetzt eben in den literarischeren Schreibschulen so lernt und kann  sagen, poetisch ist es schon aber mit einem sehr sachlichen modernen Einschlag und ein sachliches Cover hätte wahrscheinlich auch besser zu dem eigentlich sehr modernen Thema gepaßt.

Adrian, der Held und Protogoniost, “Adrian in Adreanalin”, wie es seine Freundin, Anna die Schriftstellerin, vielleicht Angelika Stallhofers Vorbild, ist Werbecover, hat für seine Spots eine Kunstfigur namens Max Beier entwickelt, deren Sinn und Aufgabe für mich eigentlich nicht ganz klar herauskam.

Er arbeitet jedenfalls für eine Werbefirma. Seine Chefin Beate hat dottergelbe Schuhe, dann gibt es noch einen Christof, mit denen geht er zu einem Geschäftsessen. Dazu kommt noch der “Häusermann” der eine smarte Wohnanlage für die Reichen und die Schönen, die mehr Sicherheit wollen, baut.

Man sieht das Buch ist brandaktuelle, sogar die Slogans der Donnerstagsdemos  kommen darin vor, obwohl das Buch ja im Frühling zumindest schon angekündigt war.

Es ist auch sehr poetisch so kommen immer wieder Redewendungen vor und da schreit Beate, bevor der “Häusermann” erscheint, immer wieder lautstark “Wir arbeiten nicht für den Hugo” durch den Raum. Das ist wahrscheinlich das originelle an Angelika Stallhofers Sprachkunst.

Im zweiten Teil zieht dann Adrian mit einer Smartwatsch versehen am Handgelenk für eine Woche probewohnen in so ein Smarthaus ein und was dann geschildert wird, ist eigentlich gar nicht so originell sondern im Großteil schon das, was ich in einem “Miele-Katalog” gefunden habe, als ich mich noch für den “Siemens-Literaturpreis” beworben habe.

Das Haus hat also dreiunddreißig Kameras, die Adrian überwachen oder ihm im Gegenteil ein Gefühl der Sicherheit und ihm von den Gefahren, die beispielsweise die bösen Asylwerber auf ihn ausüben können, bewahren sollen. Der Smartspiegel begrüßt ihn freundlich mit “Guten Morgen Adrian!” und zählt seine Falten, der Kühlschrank verweigert ihm das Essen, denn er ist zu seiner Sicherheit auf Diätgesetz und die Schritte, die er täglich machen soll, werden ihm auch vorgezählt.

Aber eigentlich und das habe ich nicht so ganz verstanden, ist es ja die Werbefigur Max Beier, die in den Haus leben soll und die sitzt auch Adrian im Nacken und hat ihr Eigenleben und Adrian ist außerdem auf Anna eifersüchtig, weil die, während er ja das Smarthouse testen soll, mit einem Peer auf einem Literaturfestival ist.

Dann gibt es noch einen Gabriel und ein Kind und Adrians Vater, der in einem teueren Pflegeheim sitzt, so daß die Arbeit eigentlich nicht für den “Hugo” sein sollte und eine Tante Grete gibt es auch.

Eigentlich ein interessantes Thema für einen poetischen Roman, obwohl das mit den Kühlschränken, die einem das Essen verweigern, schon beschrieben wurden, während ich anderes sehr wohl sehr aktuell fand. Es gibt auch immer wieder Anspielungen auf das Schreiben,  Bücher kommen vor und ich habe wieder Mal ein interessantes Buch einer interessanten jungen Autorin gelesen und bin gespannt, was ich noch von ihr hören werde.

Wie hoch die Wasser steigen

Jetzt kommt  Buch sechzehn des dBp und eines von dem ich vorher schon sehr viel hörte, ist Anja Kampmanns “Wie hoch die Wasser steigen” doch auch für den “Preis der Leipziger Buchmesse” nominiert worden und Anna Bozena Badura hat mir das Buch, als wir in Essen bei ihr wohnten gezeigt und die 1983 in Hamburg geborene, in Leipzig wohnende Autorin auch auf der Buchmesse interviewt und in den Blogs war das Buch auch sehr oft zu sehen.

Es ist das Debut der Autorin, die sich offenbar schon als Lyrikerin einen Namen machte und das habe ich öfter gelesen, merkt man dem  Buch, an dem die Autorin offenbar sehr lang gearbeitet hat auch an, die Sprache nämlich sehr verdichtet, obwohl das Buch ja einen eher unlyrischen Inhalt hat, was es wahrscheinlich so außergewöhnlich macht.

Geht es doch um die rauhe Arbeitswelt, um die Welt der harten Männer, die auf Bohrinseln leben und oft schon jahrelang ihre Familien nicht gesehen haben und daher, obwohl sie dabei viel Geld verdienen, entwurzelt und vielleicht auch verloren sind.

Das Buch ist ein Debut, daher wundert es mich ein wenig, daß es nicht auf der heurigen und auch nicht, wie ich ursprünglich annahm auf der vorigen Bloggerdebutpreisliste steht.

Jetzt ist es zu spät es zu nominieren und ich habe mir mit dem Lesen auch nicht sehr leicht getan, war für mich der Inhalt des Roadmovies wahrscheinlich ähnlich oder anders verwirrend, als das des Denis Pfabe, das ja auch sehr lyrisch und verdichtet und auch noch viel kürzer ist.

Es geht um Wazlaw oder Wenzel, einen im Ruhrgebiet aufgewachsenen, dessen Familie aus Polen stammt und der schon seit zwölf Jahren auf den Bohrinseln lebt und arbeitet. Sechs Jahre machte er das mit seinem Freund Matyas, hatte zu ihm offenbar auch eine sehr  vertraute Beziehung, eine Wohnung in Tanger und einen Meldesitz in Malta aus Steuergründen. Man sieht die Globalisierung und Matyas kehrt eines Tages nicht mehr auf die Plattform zurück. Ist offenbar im Meer verschwunden, verunfallt. Man weiß das nicht so genau. Die Gesellschaft sucht auch nicht nach ihn, sondern schickt Wazlaw nur mit seinen Sachen nach Ungarn, um sie seiner Schwester zu bringen.

Der üernachtet bevor er das tut, ein paar Nächte im “Gellert” in Budapest und läßt sich von einem Schneider einen Anzug schneidern. Dann übergibt er die Sachen, kehrt aber nicht mehr auf die Insel zurück, sondern irrt durch die Welt und durch sein Leben.

Denn da gab es ja eine Beziehung zu Milena, mit der er ein Leben in Polen aufbauen wollte, was aber nicht glückte. So fährt Waczlaw gegen Norden, übernachtet in <hotels, besucht in Italien seinen Onkel Alois, der ihm eine Brieftaube übergibt, die er ins Ruhrgebiet, wo er aufgewachsen ist, bringen soll.

Milena erfährt er, liegt im Koma. So reist er nach Polen, spricht mit ihrer Schwester und dann immer weiter bis das Buch in einem Epilog endet.

Ein interessantes Roadmovie fasse ich zusammen, interessant wegen des eher unlyrischen  Inhalts, der von der rauhen Welt der Männer, die auf Bohrinseln leben, spielen, saufen, lieben und die Wurzeln zu ihrer Heimat schon lang verloren haben.

Interessant ist auch, daß Anja Kampmann sehr lang an dem Buch gearbeitet hat, viel dafür recherchierte, wie auch im Anhang steht.

Der Tag endet mit dem Licht

Jetzt kommt wieder ein Buch von der Herbstleseliste, eines das nicht auf der dBp oder der öst, wohl aber auf der Bloggerdebutliste, wo ja bald die Shortlist bekanntgegeben wird, steht und eines das mich sehr verwirrte und etwas ratlos zurückließ.

Wird das dünne hundertneunzig Seiten Büchlein des1986 in Bonn geborenen Denis Pfabe, der die “Bayrische Akademie der Sprachkunst” besuchte, doch bei “Amazon” hoch gelobt und auch Katja Lange- Müller hat “konzentriert, bildstark und kein Wort zu viel. Die enorme Spannung, die sich in diesem Roman von der ersten Seite an aufbaut, verdankt sich Denis Pfabes stilistischen Minimalismus”, auf den Buchrücken geschrieben.

Etwas was sich auch bei den “Amazon Rezensenten” wiederfindet, daß sie die sowohl die Konzentration und die Spannung loben, aber mir war es wohl zuviel an Konzentration, so daß ich von der Spannung wahrscheinlich nicht viel mitbekommen hatte, hatte ich ja große Mühe, die ineinanderverschlungenen und meiner Meinung nach sich  auch widersprechenden Handlungsebenen zu verstehen.

Es geht, um eine Texilkünstlerin, die nur ein Auge und keinen Vater hat und die in den Achtzigerjahren, glaube ich, einem exentrischen Künstler, als Assistentin durch die USA folgte, weil der dort für ein Kunstprojekt Häuser zersegen und die Fenster nach Europa bringen lassen wollte.

Dazu brauchte er ein Team von ungehobelten Arbeitern mit denen die junge Frau, die vom Meister einen Packen Geld bekam, verhandeln sollte. Es gibt auch einen nicht anwesenden Galeristen und der Meister verschwindet immer wieder irgendwohin. Ansonsten schmeißt er mit dem Geld herum, verlangt von den Arbeiter unverständliche Dinge und die junge Frau bekommt von ihnen gesagt, daß sie ihnen, als Frau nichts anzuschaffen habe.

Ein legendärer Entführungsfall aus den Dreißigerjahren spielt auch eine Rolle und das konzentrierte Buch wird immer wieder durch Zeitungsnotizen oder Katalogeinträge, die auf das Werk des Meisters   hinweisen, unterbrochen.

Sein Lebenslauf wird auch erwähnt. Er, Adrian Ballon, wurde in den USA geboren, kam dann mit seinem Vater nach Deutschland. Jetzt kehrt er wieder in die USA und an den Ort Paradise zurück, wo er sich schließlich in seinem Ferrari erschießt, nicht ohne Frieda Beier vorher mitzuteilen, daß sein Vater eigentlich auch der ihre war und sein Vater ist auch am Tod seiner kleinen Schwester schuld.

Man sieht, da geht es weg von der Konzeptschuld. Es geht um Schuld und Sühne und hat vielleicht nicht mehr soviel mit Konzeptkunst zu tun. Es geht aber auch um Zerstörung, denn das ist  wohl auch das große Thema des Debutroman und am Ende führt die Texilkünstlerin das Werk des Meisters weiter und ich muß gestehen, daß ich das Buch nicht wirklich verstanden habe.

Wahrscheinlich hat es mir auch nur nicht gefallen, während in den Rezensionen, die ich gelesen habe, die dichte Zeichnung des Roadmovies, man könne sich das “staubige heiße Texas” bildlich vorstellen, erwähnt wird und da fällt mir ein, daß ich vor kurzem ein anderes Roadmovie gelesen habe, wo es auch durch Amerika gegangen ist.

Hier ist noch alles möglich

Jetzt bin ich schon bei Buch dreizehn des dBps und es ist eines, das ich Anfang August noch in Wien in den Blogs oder auch in den Buchhandlungen gesehen habe. In Bern und in Zürich habe ich es dann auch gesehen, was kein Kunststück ist, ist die italienischstömmmige 1988 in Basel geborene Autorin eine Schweizerin, die mit ihren Debutroman, aus dem sie im Vorjahr ein Kapitel in Klagenfurt gelesen hat, auch auf der Schweizer-Buchpreisliste und die inoffizellen Buchpreis-Youtuber haben das Buch auch meist besprochen.

Dem offiziellen “Büchernerd” hat es nicht sehr gefallen, anderen schon und da scheiden sich die Geister, denn es ist kein Mainstreambuch, keines wahrscheinlich, worüber sich die Schwiegermütter am Heiligenabend freuen würden, da sind sie mit der Mahlke sicher besser beraten, aber eines das sehr künstlerisch ist, mit den vielen Zeichnungen einen experimentellen Ansatz hat. Eines, das von der Machart stark an Simone Hirths “Notunterkunft” erinnert und auch eines das mit sehr gut gefallen hat, das ich mir auf die Blogger-Debutshortlist wünschen würde, denn da hätte ich erstens weniger zu lesen und auf meiner Shortlist steht es schon.

Einige you Tuber bemängeln die einfache Sprache, aber die ist anders, als das, was ich mir unter einer einfachen Sprache vorstellen würde, sondern eher so, wie es Sasa Stanisic am Buchrücken beschreibt “Manche Bücher sind wie Inseln. Leser betreten sie nur kurz, aber lang genug, dass sie ihre rätselhafte Schönheit, ihren sprachlichen Bewuchs, ihre Bewohner nicht mehr missen mögen.” und Ruth Schweikert, auch eine Schweizer Autorin, schrieb “Gianna Molinari nimmt uns an Bord einer literarischen Forschungsreise zu den Terrae Incognitae der Gegenwart, nimmt uns vom vermeintliche sicheren Ufer mit ins offene Meer”.

Das finde ich ein wenig übertrieben ausgedrückt und so würde ich das Buch, in dem Inseln tatsächlich eine große Rolle spielen und auch oft gezeichnet werden, nicht verstehen.

Ich denke eher Gianna Molinari entfernt sich mit ihrem Debutroman von der Hektik dieser Welt und den unzähligen Spannungsbögen und Actionmustern, die ein guter Roman angeblich haben muß, sondern macht es, um an Adolf Muschg oder an Adalbert Stifter zu erinnern, wie bei den “Bunten Steinen”, nicht “das Große, sondern das Einfache ist schön!”

Und da ist sie, die namenlose Ich-Erzählerin, die sich in einer bald aufgelöst werdenden Verpackungsfabrik als Nachtwächerin einstellen läßt. Mit dem Koffer in der Hand sozusagen aus dem Nichts dorthinkommt, wo es außer ihr noch den Chef, einen anderen Nachtwächer einen Koch und ein oder zwei Arbeiter gibt, die sie in der Kantine trifft. Sie war früher Bibliothekarin, das weiß man und sie hat, wie bei Simone Hirth, ein Lexikon und wahrscheinlich auch ein Notizbuch bei sich.

Einen alten Kopierer läßt sie sich dann vom Chef schenken und der erste Spannungsbogen taucht auf, als der Koch einen Wolf im Abfall wühlen sieht. Der wird jetzt gejagt. Denn das gibt es doch nicht, daß ein Wolf das Gelände einer fast leeren Fabrik unsicher macht. Aber in der gibt es Überwachungskameras, in die die beiden Nachtwächter starren sollen. Eine Wolfsfalle sollen sie auch bauen und provisorisch die Löcher im Zaun reparieren. Für mehr ist kein Geld da oder es lohnt sich nicht, darin zu investieren. Die Frage warum dann in zwei Nachtwächter investiert wird, wird vom Chef nicht beantwortet und ich schließe mich der Deutung, die ich bei “Caros Bücher” gehört habe, daß der Wolf das Symbol für das Fremde, das man abhalten, für die Flüchtlingsinvasion beispielsweise, nur bedingt an, weil man das zwar so interpretieren könnte, ich das Buch aber eigentlich für sich sprechen lassen will und da gibt es drei Teile, drei Geschichten sozusagen, die eine ist die von dem Wolf, der dann auch in der Halle, wo die Nachtwächterin wohnt auftaucht, neben ihrem Bett sitzt, sie sozusagen behütet, während er von Clemens, dem anderen Nachtwächter nicht gesehen wird.

Dann gibt es die Wahre, von dem aus einem Flugzeug gefallenen Afrikaner, die GiannaMolinari auch in Klagenfurt gelesen hat und im dritten Teil wird die Nachtwächterin noch für eine Bankräuberin gehalten und das alles wird mit ganz banalen Ereignissen vermischt. Listen tauchen wie bei Simone Hirth in dem Buch auf. Betrachtungen über Inseln und gefundenen Legomännchen, etecerta, was ich für “das Kleine” halten würde, was zwar nicht das wirkliche “Große” ist, aber ein spannungsreicher Actionroman, wo der Held eigentlich siebenhundert Leben haben müßte, um bei der Geschichte durchzukommen, ist es auch nicht.

Es ist ein experimentelles, wahrscheinlich Sprachschulenbuch, das Gianna Molinari geschrieben oder konstruiert hat, in dem, was mehrmals drinnen steht  “noch alles möglich ist” oder sein soll. In diesem Sinn wünsche ich ihr viel Glück für den “Schweizer Buch- und oder den Blogger-Debutpreis”, aber den ersten wird vielleicht  Peter Stamm gewinnen, beim zweiten habe ich noch keinen Wunschvorstellung.

Überraschung in der Alten Schmiede

Das habe ich noch nie erlebt, daß ich um dreiviertel Sieben in die “Alte Schmiede” komme und es sind Leute im Schmiedesaal, der Eingang ist aber zu und beim “Literarischen Quartier” steht ein Schild, “Leider ist es schon überfüllt, aber nützen Sie die Gelegenheit der Videoübertragung!”, also bin ich, was sollte ich auch anders machen, in den Keller hinabgestiegen.  Der war noch ziemlich leer. Später änderte sich das. Ein Assistent stand am Regler uned wies die Plätze ab und ich dachte “Shit, shit  soll ich gehen?”, dennn, als die F. M., ihr letztes Bucdh präsentierte, ich aber eine sechs Uhr Stude hatte, bin ich in die Wien Bibliothek gefahren, denn ich dachte, ich setzte mich nicht in den Schmiede-Raum und schaue die Leinwand an, aber jetzt hätte ich das nicht erwartet, denn Philip Weiß ist ja ein Autor von vielen. 1982 ist er in Wien geboren, 2099 hat er beim Bachmannpreis gelesen und seinen Text gegessen, was ihm auch nicht viel nützte. Er hat viel fürs Schauspielhaus geschrieben und jetzt den Jahrhundert- oder tausend Seiten Roman mit dem Titel “Am Weltenrand sitzen die Menschen und lachen”.

Nun ja, könnte man sagen, es ist aber ein tausend Seiten Roman in einem Schuber, bei “Suhrkamp” erschienenen, fünf Bücher darin und steht auf der Bloggerdebutliste und Robert Huez hat mir vorige Woche im Literaturhaus davon erzählt.

Nud gut,  nun gut, der Kellersaal füllte sich und man sah Johannes Tröndle, den Moderator und den jungen Autor und der hatte seine fünf Bücher vor sich liegen und las aus jedem ein Stück daraus.

Der Aufhänger ist Fukushima und das Atomuglück dort, 2011. Da steht ja auch eines aus der Buchpreisliste, das davon handelt und Philipp Weiss erzählte Johannes Tröndl, daß ihn Japan schon immer interessier hat, mich auch füge ich an, so bin bich ich einmal zehn Thage dorthin gefahren.

Philipp Weiss hat hat ein tausend Seitenprojekt daraus gemacht, das mit der Weltausstellung in Wien Ende des vorvorigen Jahrhunderts beginnt. Dorthin reist eine Frau, die ein Trauma von der Pariser Kommune hat. Sie reist auch nach Japan und stirbt dann in den Alpen. Ihr Skelett wird erst hundertdreißig Jahre später oder so gefunden und ein anderes der fünf Bücher, die immer von einem der Protagonisten in einem anderen Stil geschrieben sind und in einem Schuber stecken,  handelt von ihrer Urenkelin. Die hat auch einen Freund, der beschreibt Buch drei und wandelt durch die Gechlechter, denn Transgender ist ja jetzt modern und dann kommen wir zu der 2011- Katastrophe, das hat ein kleiner Junge knapp überlebt und der spricht seine Erfahrungen in ein Tonband  und ein Manga, von  Raffalela Schöbitz gezeichnet  gibt es auch.

Die hatte auch eine Ausstellung im Zeitschriftensaal und nach der Lesung konnte ich auch hinaufgehen und mir die Zeichnungen ansehen. Es gab Wein und Knabbereien. Ich habe mich lange mit einem Peter unterhalten. Ansonsten die meisten der  vielen Besucher nicht gekannt und ein sehr interessantes Jahrhundertbuch kennengelernt, mal sehen, ob es auf die Blogger-Debutpreisliste kommt, dann hätte ich sehr viel zu lesen, aber wahrscheinlich würden die anderen Mitjuroren da nicht mitmachen.