“Da bin ich wieder, werde mir jetzt viereinhalb Tage lang einen literarischen Urlaub in der Welt der Bücher geben und dabei auch meinen siebzigsten Geburtstag feiern! Was gibt es besseres für das Jubiläumsjahr mit fünfzig Jahre schreiben, fünfzehn Jahre bloggen und fünfzig Jahre GAV?”, dachte Eja Augustin und atmete tief durch.
Es gibt wahrscheinlich nichts, denn sie hatte ja ein Superplus Festival Ticket und konnte sich daher in Ruhe umsehen und alles ansehen, bei der “Buch-Wien”, die es jetzt ja auch schon fünfzehn Jahre gibt. Da konnte Eja Augustin sich erinnern, daß damals vom Hauptverband sehr viel Werbung gemacht wurde, so daß sie sich etwas ähnliches wie Frankfurt oder Leipzig erwartete und dann ein paar Schritte in die eine Rchtung, ein paar in die andere machte und als sie das viermal getan hatte, enttäuscht dachte, war es das jetzt?
“Was soll ich da vier Tage?”
Dann wurde doch etwas daraus, auch die nächsten fünfzehn Jahre lang. Das heißt, nicht ganz, denn 2020 im Corona-Jahr gab es ja keine Messe. 2021 hätte sie sich zwar akkreditieren können, hätte aber 2G und höchstwahrscheinlich auch eine Maske gebraucht und einmal ist sie nach dem ersten Tag mit den Nachtzug nach Basel zur “Buch-Basel” gefahren. Aber jetzt das Ticket in der Tasche und als Eja Augustin kurz vor halb fünf die Halle D betrat, sah sie schon eine lange Schlange vor den Eingangsschalter, denn Einlaß war erst um halb. Also anstellen, uje uje, dann war es nicht so arg. Zwei Drittel der Plätze der ORF-Bühne, wo die Eröffnung stattfand, aber reserviert und sie wußte nicht recht, ob da auch einer für sie dabei war?
Sich also wieder ein wenig isoliert und einsam fühlen, während die Autoren, denen es besser als ihr ging, die Verlagsmenschen etcetera an ihr vorbeimarschierten.
Die Eröffnungrede wurde von der schottischen Autorin E. J. Kennedy gehalten und dann ging es los mit der langen Nacht der Bücher, die diesmal nur bis neun dauerte und die Eröffnungsrede auch für alle möglich war, was ja sehr fein war.
Also zum Wein in die VIP-Lounge strömen, die sich langsam füllten. Junge Mädchen mit den “Buch-Wien-Shirts” kontrollierten die Berechtigung. Dann gab es Wein und später auch einen Korb mit Semmeln und Brezeln und viele Küßchen, Umarmungen, Begrüßungsschreie und sie stand wieder mal daneben. Grüßte aber tapfer nach allen Seiten, denn das hatte sie sich vorgenommen und wurde von Gustav Ernst prompt darauf angesprochen, daß sie immer und überall die Erste wäre”
Diesmal schon, aber sonst nicht. Denn was nützte es, eine halbe Stunde vorher zu kommen, wenn die guten Plätze schon ausreserviert waren und nur die zwei vorletzten überblieben und was nützte es, wenn sie, weil sich ja selbst verlegend, nie auf einer Buchpreisliste stehen würde?
Sich davon aber doch nicht entmutigen lassen, nahm sie sich tapfer durch und atmete durch. Sprach Anton Thuswaldner auf seinen “Gegenkanon” an, begrüßte die Frau M. die ihr sogar ihr Rotweinglas anbot und natürlich auch die Literaturreferentin, die ja immer sehr freundlich war und zum siebzigsten Geburtstag gratulierte und bei der “Donau Lounge” gab es sogar einen Goodiebag, obwohl sie die heilige Gisela mit der Kaiserin Ssi verwechselt hatte. Die Hertha Müller ,zwar gewußt, aber da nicht die erste war. Dann den Büchergutschein der Tochter eingelöst um sich ein bißchen mit dem Frankfurt Gastland Slowenien zu beschäftigen und dann nach Hause fahren, weil ja die lange Nach um neun endete.
Da gab es weil drei Jahre lang Straßenbahnabstinenz auch Probleme mit der U-Bahn, die lötzlich nur bis zum Schottenring und dann wieder zurückfuhr und das jetzt vier Tage?
Vier Tage lang in die Bücherwelten eintauchen.
“Da werden Sie Bücher finden, von denen Sie gar nicht wußten, daß Sie sie gesucht haben?”, hatte die Staatssekretärin in ihrer Eröffnungsrede behauptet und am Donnerstag, Freitag, etcetera, dann weniger VIPS, nur das gewöhnliche Publikum, das sich dann die Bücher kaufen und sie lesen durfte. Aber sie würde tapfer dabei bleiben und ihren Geburtstagsurlaub genießen, auch wenn sie nur im Publikum und nicht auf den Bühnen sitzen würde. Was aber nicht ganz stimmte, weil sie den lieben Conny, als der sie am Donnerstag fragte, ob sie auch auftreten würde”Ja!”, sagen konnte.
Sie selbst zwar natürlich nicht, aber das Buch, das sie lektorieren durfte, wurde um fünf auf der “Standard-Bühne” vorgestellt und außerdem hatte sie sich auch vorgenommen, ein ganz kleines bißchen unbotmäßig sein und ihre Bücher einfach bei den IG-Autoren oder sonstwo zur freien Entnahme aufzulegen. Denn das müßte eigentlich gehen. Dürfte nicht verboten sein und vielleicht würde sich jemand sogar darüber freuen….