Übersetzertag mit Lana Bastasic

Und jetzt weg von den Hundertjährigen ins Literaturhaus zum Erzählband einer bosnischen Schriftstellerin und deren Buch “Der Mann im Mond” merke ich an, liegt seit einiger Zeit auf meinem Badezimmerbücherstapel.

“S. Fischer” hat ihn mir geschickt nach dem ich die Marlene Streeruwitz angefragt habe und spannend, daß der Erzählband heute im Literaturhaus vorgestellt wurde.

Hinter Annemarie Türk bin ich die Stiegen ins Literaturhaus hinuntergegangen und habe da erst mitbekommen, daß es eine Übersetzerveranstaltung von “Traduki” war, wo Annemarie Türk, ja bevor sie in Pensiono gegangen ist, tätig war.

“Haben Sie das Buch geelesen?”,” habe ich sie gefragt.

“Welches?”, war die Rückfrage.

“Das der Lana Basasic?”

“Nein noch nicht!”

Ich auch nicht, kommt aber bald daran und es ist sicher interessant, außer der 1986 in Zagreb geborenen und in Banja Luka aufgewachsenen Autorin, die jetzt gerade auf einen Writer in Residence Aufenthalt in Berlin ist, die Übersetzerin, die 1992 geborene Germanistik Rebecca Zeinzinger vorgestellt wurde. Beziehungsweise moderierte sie die Veranstaltung und Mascha Dabic hat übersetzt, obwohl die Autorin Deutsch verstanden aber nicht gespochen hat.

Und “Der Mann im Mond” der Erzählband mit zwölf Kindergeschichten, die eigentlich “Milchzähne” heißen hätten sollen, aber das gabs auf Deutsch schon, weil die Autorin aus einer Zahnarztafamilie stammt, ist sicher interessnt oder das isj es, daß eine junge Frau zwölf Geschichte geschrieben hat, die von Kinder handeln, das aber kein Kinderbuch ist und in diesen Geschichten, wo die Protagonisten keine Namen haben, sind ihre Erinnerungen oder die Gewalt enthalten, die Kindern in dieser Welt passieren können.

Die Autorin hat ein Stückchen aus der ersten Geschichte, die “Wald” heißt, in der Originalsprache gelesen. Dann kam die Geschichte “Gott aus Honig” von der Übersetzerin gelesen, die von Ameisen, einem schlafwandelnden Kind und dessen Beziehung zum lieben Gott handelt.

Dann kam das Gespräch, das heißt Fragen an die Autorin, von Mascha Dabic meisterhaft übersetzt, wie sie sich das alles merken und dann so flüssig wiedergeben kann und dann ein Gespräch über die Kunst des Übersetzen und da hat Rebekka Zeinziger nicht das studiert, sondern ist, glaube ich, Sarajevo, wo sie Deutsch als Fremdsprache unterrichtete, zu dem Debutroman der Autorin “Fang den Hasen”, der damals noch anders geheißen hat, hat ihn gelesen und dann zu übersetzen angefangen.

“S Fischer” angefragt, ob sie ein Probeakapitel schicken kann? Referenzen hatte sie keine. Dann hat sie übersetzt und jetzt auch den Erzählband und die Autorin hat ihr Debut selber auf Englisch übersetzt.

So geht das mit den jungen Frauen in der Literatur, die Erfolg haben und die Erzählung, die noch folgte “Brot” hat einen autofiktionalen Background. Den Einzigen, wie die Autorin betonte und dann geht es, um eine Vergewaltigung eines vierzehnjährigen Mädchen, das am Samstag Brot holen soll, das die Mutter dann in der Küche aufschneidet.

“Wenn die Hausfrau wenig spricht, dann verdirbt das Essen nicht”, hat die Übersetzerin gereimt und ich hätte sie gern gefragt, wie das im Original gewesen ist?

Bin aber nicht dazu gekommen und die Autorin betonte, daß es ihr nicht, um die Wort für Wort Übersetzung geht, sondern der Übersetzer ein Gefühl für den Text haben sollte und meinte, daß die Männer weniger, als die Frauen fragen. Aber mit ihrer Übersetzerin hat sie sich öfter in einem Cafe in Sarajevo getroffen und war dann auch im letzten Sommer auf einer kroatischen Insel auf einem Übersetzerseminar.

Viele junge Leute im Literaturhaus, dann die Frau Schmidt-Dengler und ich. Ein spannender Abend und jetzt muß ich das Buch noch lesen und meinen Eindruck dazu sagen.

Noch ein hundertster Geburtstag

Das Jahr 2023 ist offenbar eines, wo viele schriftstellerische Geburtstage gefeiert werden.

Der der Erika Danneberg ist zwar schon der hunderterste und am vorigen Sonntag bin ich erst am Abend daraufgekommen, hui heute ist doch der zwölfte Februar

und da war doch was und das ist offenbar den ganzen Tag an mir vorbeigegangen.

Nicht nur der Todestag von Thomas Bernhard, sondern der des Februaraufstandes und da ist offenbar heuer gar kein Gedenken, dann hat mich am Montag Christian Teissl mit seinem Gedenken an Vera Ferra Mikura, meine Kinderbuchautorin, deren Bücher meist Geschenke der “Kinderfreunde” ich mit Begeisterung gelesen habe, bin ich doch die Tochter eines Sozialisten, der 1912 in Ottakring geboren wurde, wo der am zwölften Februar 1934, wo er schon fast zweiundzwanzig war, gewesen ist, weiß ich nicht.

Ich habe ihn nie danach gefragt, denn damals hat man ja über solche Dinge nicht gesprochen, obwohl ich mich ja eigentlich schon sehr früh für die Politik und die Geschichte interessiert habe und ich kann mich auch erinnern, daß ich einmal, das wird wohl in den Siebzigerjahren oder etwas später gewesen sein, im Bellaria-Kino war und dort eine alte Wochenschau gesehen habe, wo die Panzer über die Schutzbündler gefahren sind und ich habe mich über die Berichterstattung gewundert. Hatte ich doch eine andere Darstellungsweise im Kopf und war damals auch noch naiv.

Heute sehe ich auch Dank der Corona-Krise, die Dinge wahrscheinlich anders und als ich meinen Wochenveranstaltungsplan erstellte, habe ich gesehen, in der “Gesellschaft” wird die Neuauflage von Reinhard Federmanns “Himmelreich der Lügner” vorgestellt und diesen Namen kenne ich, hat mir doch mein Vater neben seinen Bücherkasten auch eine Mappe mit Ausschnitten aus alten “BüchergildeGutenberg-Ausgaben” hinterlassen oder ich habe mir sie schon früher mitgenommen und da ist der Name des am zwölften Februar 1923 geborenen und am neunundzwanzigsten Jänner 1976 verstorbenen Reinhard Federmann öfter vorgekommen.

Im Jänner 1976 habe ich schon Psychologie studiert und noch in der Wattgasse, bei eben diesen berühmten Bücherkasten, der mich geprägt hat, gelebt und wann ich auf den Namen Reinhard Federmann gestoßen bin, der von 1972 bis 1975 die Zeitschrift “Die Pestsäule” herausgegeben hat.

Da habe ich sicher einige Ausgaben in den Harlander Regalen, die jetzt auch die Bibliothek meiner Eltern birgt, habe ich doch schon 1973 literarisch zu schreiben begonnen,. aber damals habe ich noch nichts herumgeschickt, sondern sehr einsam an meinen ersten Texten geschrieben.

Der “Picus Verlag” hat seine Bücher in den Neunzigerjahren von denen er einige mit dem ebenfalls 1923 geborenen und 2005 verstorbenen Milo Dor herausgegeben und den habe ich besser gekannt bin ich da ja schon regeläßig zu Literaturveranstaltungen gegangen. Kann mich an ein Fest zu wahrscheinlich einem runden Gebrutstag erinnern und habe ihn als ich ebenfalls in den Neunzigerjahren das erste Mal in Leipzig war, auch den Weg zum Österreich Cafe gezeigt.

Von den “Picus-Büchern” den Kriminalromanen, aber auch das jetzt aufgelegte, das 1959 in München erschienen ist, 1993 von “Picus “wiederaufgelegt worden, hat doch seine Tochter Dorothea Löcker 1984 mit Alexander Potyka den “Picus-Verlag” gegründet und ich habe mir das Buch, wie auch die mit Milo Dor geschriebenen Krimis “Internationale Zone”, “Und einer folgt den anderen” ,”Und wenn sie nicht gestorben sind”, wahrscheinlich von meinen Vater zu Weihnachten schenken lassen, ob ich sie gelesen habe, kann ich mich nicht mehr daran erinnern, glaube es aber schon, obwohl nicht viel hängen geblieben ist.

Dann habe ich in meinen Bibliothekskatalog noch einige andere der Federmann Bücher gefunden, nämlich das 1963 erschienene Stiansy Buch “Der schielende Engel”, ja diese Ausgaben habe ich auch aufgekauft, “Die Chronik einer Nacht” ist auch eine “Picus-Neuauflage” von 1988 und eines seiner Solobücher, “Die Abenteuer des Herrn Rafaeljan” auch mit Milo Dor geschrieben, habe ich wohl im Bücherschrank gefunden, also acht Treffer und jetzt zum hundersten Geburtstag hat “Picus”, das “Himmelreich der Lügner” neu herausgegeben und als ich das gesehen habe, habe ich das “DichtFest” zum dem ich sonst wahrscheinlich in die “Alte Schmiede” gegangen wäre und zu dem ich auch eingeladen wurde, fallengelassen, bin in die “Gesellschaft” gegangen und habe mir gedacht, daß ich jetzt schon lange nichts mehr von Reinhard Federmann gehört habe.

Daß er vor zwei Tagen seinen hundersten Geburtstag hatte, habe ich da noch gar nicht gewusst und auch nicht, daß Milo Dor im März den seinen feiern würde und interessanter Weise war die “Gesellschaft” im Gegensatz zu den letzten drei Veranstaltungen, wo ich dort war, sehr voll, so daß ich schon fast befürchtete keinen Platz bekommen.

Dann habe ich mich, weil ich seit Corona ja auf Abstand halte, in die erste Reihe gesetzt. Es waren aber so viele Leute da, daß die sehr gefüllt wurde, so bin ich dann neben Alexander Potyka“, gesessen und habe ein bisschen seinem Gespräch mit wahrscheinlich auch einem Federmann- Experten belauschen können. So habe ich erfahren, daß es auch einen französisch amerikanischen Schriftsteller namens Raymond Ferman gibt und die 1948 geborene Dorothea Löcker ist am Podium neben dem Germanisten und Federmann-Experten Günther Stocker gesessen und hat ein Gespräch mit ihr über die Herausgabe und ihren Vater geführt.

Bettina Roßbacher hat zwei Textstellen gelesen und die waren wirklich sehr interessant und sehr beeindruckend. Vorher hat Günther Stocker etwas über Buch und Inhalt erzählt und auch ein sehr bekanntes Bild von der “Gruppe 47” gezeigt, wo man Milo Dor, Ingeborg Bachmann, Paul Celan und dann noch eine Hand mit einer Zigarette sehen kann. Die stammt, erraten, von Reinhard Federmann, der oauch dort eingeladen war und gelesen hat, sich aber eher im Hintergrund gehalten hat oder gehalten wurde, denn er hat mit Milo Dor sehr politische Romane geschrieben, während die jungen Dichter um Hans Weigel oder auch die “Wiener Gruppe” ganz anders geschrieben haben.

Ob das die Kriegsverleugner waren, wie der Germanist andeutete, weiß ich gar nicht so genau und würde es nicht behaupten, denn ich habe in der Bibliothek meiner Eltern auch sehr früh geschriebene Kriegsromane gefunden, so zum Beispiel das von Paula Wallisch, die über ihren Mann der nach dem Februaraufstand hingerichtet wurde “Ein Held stirbt” geschrieben hat und dann habe ich auch die “Büchergilde Gutenberg-Bücher” meines Vaters gelesen.

Reinhard Federmann wurde, obwohl der jüdischer Abstammung war, 1942 zur Wehrmacht eingezogen und an die Ostfront geschickt.Von da kam er mit einem Leberleiden, an dem er wahrscheinlich auch sehr jung gestorben ist, nach Wien zurck. Er war mit Milo Dor befreundet und seine Tochter hat die Beiden, wie sie im Gespräch erklärte, beim Schreiben ihrer Bücher beobachten können. Reinhard Federmann war Mitglied des PENs und schließlich auch dessen Generalsekretär, hat die bewusste Literaturzeitschrift gegründet und viele Bücher, darunter auch Unterhaltungsromane und Witzbcher geschrieben, darunter auch den “Grotsken Witz”, das ich offenbar auch einmal gefunden habe, denn er mußte eine vierköpfige Familie ernähren und Dorothea Löcker meinte, daß ihr Vater gar nicht so konservativ gewesen wäre, wie man vielleicht unterstellt.

Milo Dor ist aber auch, glaube ich, beim PEN gewesen und 1972 mit Gerhard Ruiss die IG-Autoren dessen Präsident er lange war, gegründet, 1973 hat sich die GAV gegründet. Da ist Reinhard Federmann nicht mitgegangen, hat aber geschrieben und geschrieben, den PEN verwaltet und seine Literaturzeitschrift herausgebracht und die zwei Stellen aus dem Roman, der mit dem 12. Februar 1934 beginnt, mit beim Ungarnaufstand von 1956 endet und von fünf sozialistischen Jugendlichen und ihren Weg durch den Krieg handelt, die Bettina Rossbacher gelesen hat, begannen am eben jenen 12. Februar. Da hat sich der Protagonist bei einem Rechtsanwalt versteckt und bedauert, daß der Aufstand an ihm vorbeigegangen ist. Später ist er nach Moskau geflüchtet und dann 1945 als Soldat der roten Armee in das zerbombte Wien zurückgekommen und die Wohnung besucht, wo er drei Jahre als Untermieter gelebt hat und sich nach seinen Jugendfreunden und ihren Schicksal erkundigt.

Ein sehr interessantes Buch, das ich mir diesmal nicht zu kaufen brauchte. Ich müßte es vielleicht wieder lesen. Aber angesichts meiner überlangen Leseliste werde ich das nicht ganz schaffen und lese derzeit auch ein sehr interessantes Buch, das von einem inzwischen Hundertsechzehnjährigen handelt, der in Wien geboren wurde und den es nach oder vor dem Krieg nach Istanbul verschlagen hat.

Zum hundersten Geburtstag von Vera Ferra Mikura

Ich bin ja, wie ich immer schreibe, in einem der alten Zwischenkriegsgemeindebauten aufgewachsen, der Vater ein aktiver Sozialist, Krankenkassenangestellter, der in seiner Freizeit in der Tanzschule Hernals, die der SPÖ gehörte arbeitete, die Bücher der “Büchergilde Gutenberg” vertrieb, etcetera, was zur Folge hatte, daß ich von den “Kinderfreunden” jedes Jahr ein Buch zu Weihnachten bekam.

So bin ich zu der am vierzehnten Februar 1923 geborenen Vera Ferra Mikura beziehungsweise ihren Büchern gekommen, die damals in den Neunzehnsechzigerjahren zumindestens in den sozialistschen Kreisen en vogue war.

Die “Drei Stanisläuse”, “Zwölf Leute sind kein Dutzend”, “Peppi und die doppelte Welt”, “Meine Freundin Rosine”, Titel, die heute noch bekannt sind, obwohl die Autorin, die zu meinen Erstaunen erst 1997 gestorben ist, inzwischen ziemlich vergessen ist oder vielleicht richtiger, wird sie inzwischen wieder entdeckt.

So ist vor kurzem ihr Nachkriegsroman für Erwachsene, “Die Sackgasse”, 1947, erschienen, wieder auferlegt worden und jetzt zu meinen Überraschen in den “Gedanken für den Tag”, Christian Teissl, den 1979 geborenen Lyriker, mit dem ich am Skriptorium in Seitenstetten teilnehmen sollte und der inzwischen auch Präsident oder Vorstand des Schriftstellerverbandes ist “Schreiben als literarische Luftnummer”, eine Gedenksendung zu der Autorin, die als Gertrud Mikura in Wien geboren wurde, 1948 den Statsoperntänzer Ludwig Mikura geheiratet hat und seit dieser auch Zeit als freie Schriftstellerin tätig wir.

Ihr Gedichtband “Melodie am Morgen”, den Christian Teissl zitierte, ist schon 1946 erschienen, dann kam der bisher wahrscheinlich unbekannte Roman und dann die Kinderbücher.

“Der seltsame Herr Sauerampfer”, ein Titel, der mir bekannt erscheint, ist 1957 erschienen. Ich habe aber, wie ich zu meinen Erstaunen feststellte, als ich in meinen Biblothekskatalog nachsah, nur drei ihrer Büchher, nämlich “Lustig singt die Regentonne”, die schon erwähnte “Freundin Rosine”, die mich sehr beeindruckt hat, eher ein Jugendbuch und dann noch die 1959 bei “Bergland” erschienene Erzählung “Die Lektion”.

Also nicht einmal “Die drei Stanisläuse”, an die ich mich lebhaft erinnern kann. Aber vielleicht habe ich die Bücher verschenkt. Als ich in der Otto Bauer Gasse wohnte, habe ich öfter meine Kinderbücher den jugoslawischen Nachbarkinder gegeben oder sie in der Hauptschule gelesen.

An den “Peppi und die doppelte Welt”, 1963 erschienen, wahrscheinlich aus der Hauptschulbücherlande, kann ich mich lebhaft erinnern, geht es da doch, um ein Scheidungskind, das die eine Wochenhälte bei der Mama, die andere bei dem Papa lebt. Am Sonntag Mittag ist die Übergabe und da ist da das Problem, glaube ich, daß der Peppi da Schwieigkeiten mit dem Mittagessen hat, weil er das dann zweimal bekommt und niemanden kränken will.

“Die Freundin Rosine” schildert ein Außenseiterkind mit Komplexen. Also auch sehr sozialkritisch und so hätte ich Vera Ferra Mikura, die ich für eine Vorgängerin der berühmten Christine Nöstlinger halten würde, auch eingeschätzt und lese jetzt mit Erstaunen bei “Wikipedia” daß ihre Bücher auch phantastische Elemente, also, die des magischen Realismus enthalten. Ja für Kinder ist die <phantasie sehr wichtig, da liest es sich wahrscheinlich leichter und da kann man die Realität auch sehr gut hinüberbringen.

Vera Verra Mikura also meine Kinderbucherinnerungsautorin, deren Bücher ich, wie, die von Friedrich Feld, die auch unter dem Christbaum lagen, gern gelesen habe.

In der Hauptschulbücherlade, wo man sich die Bücher ausborgen konnte, lag, glaube ich, auch ein Buch der Erika Mitterer “Kleine Damengröße”, die ja eher dem bürgerlichen Lager zuzurechnen ist. Das habe ich, glaube ich, einmal versucht abzuschreiben, bin aber wahrscheinlich über das erste Kapitel nicht hinausgekommen und jetzt eine Woche in das Werk der Vera Ferra Mikura, die mir trotz des Erzählbandes, als Kinderbuchautorin in Erinnerung ist, eintauchen.

Als das “Wiener Lesetheater” seinen Osterspaziergang, den es nicht mehr gibt, glaube ich, durch die Landstraße machte, sind wir in irgendeinen Gasthaus gesessen, wo wahrscheinlich eine Tochter der Autorin, die Werke ihrer Mutter las, die sich wahrscheinlich nicht nur als Kinderbuchautorin verstand, was man jetzt vielleicht jetzt erst oder wieder entdecken kann.

Tage im Mai

Ich bin wahrscheinlich keine Streeruwitz-Fanin, dazu ist sie mir wahrscheinlich zu theoretisch, obwohl ich sehr viel, fast alles von ihr gelesen habe.

Im Bücherschrank habe ich einiges Ältere von ihr gefunden und mir die neueren Bücher zum Geburtstag gewünscht, angefragt und die “Schmerzmachern”, glaube ich, auch bei einer literarischen Soiree gewonnen. Bei einigen ihrer Lesungen war ich, die Wahlkampfromane habe ich von ihr gelesen und sie war ja auch eine ersten die sich mit dem Corona-Thema beschäftigt hat und da habe ich sie so im Mai 2020 wahrscheinlich auch für sehr kritisch gehalten und habe nicht daran gewzweifelt, daß es da einiges zu kritisieren oder dagegen zu demonstrieren gibt.

Dann hat sich das Blatt gewendet, die Künstler wurden unterstützt, wahrscheinlich damit sie nicht demonstrieren und die das taten waren dann Covidioten, Nazis, Schwurbler, etcetera und über Covid- Romane wurde auch die Nase gerümpft.

Ich habe solche aber geschrieben und geschrieben, schon um alles zu dokumentieren, wie es war und wie ich es empfunden habe und die Marlene Streeruwitz, die ja auch ein Handbuch gegen den Krieg geschrieben hat, was man ja auch nicht sein darf, für den Frieden und gegen Waffenlieferungen, tut es aber weiter.

So ist auch der neue Romn “Die Tage im Mai” von den Covid-Maßnahmen begleitet, was ich ja nur sagen kann, daß ich mir nicht vorstellen kann, einen Roman, der in der Jetztzeit spielt, zu schreiben, wo nicht das Maskentragen, etcetera, beschrieben wird.

Marlene Streeruwitz tut es also in ihrem neuen Werk, das ich weniger surreal und vielleicht auch weniger literarisch als die “Flammenwand” empfinde, also auch, obwohl sie während ihre Konstanze mit Maske auf durch den Prater marschiert oder nach Zürich fliegt, das Ganze sehr neutral zu sehen scheint.

So steht irgendwo, daß Konstanze zwar geimpft aber gegen die Impfpflicht ist und wenn die “Tage im Mai”, was, ich glaube, im Mai 2022 spielen, wo ich mein “Soziales Kreditsystem” begonnen habe und recht verzweifelt damit war, nicht schon wieder Corona, aber was sonst, wird da noch sehr viel Maske getragen.

Es kommt aber auch viel anderes vor. Der Krieg natürlich, gegen den Marlene Streeruwitz ja sehr eindeutig ist oder die Klimademonstrationen und ich wundere mich ein bißchen, daß eine so kritische Autorin, wie es die Streeruwitz eindeutig ist, mit einer sehr starken Stimme, die alles kritisiert, die katholische Kirche, den Kanzler Kurz, die Lockdowns und die Zwangsmaßnahmen so neutral und selbstverständlich hinnimmt, eine besondere Angstneurose würde ich ihr aber auch nicht unterstellen.

Also ein interessanter Roman, obwohl ich ihn, ich wiederhole mich, ihn nicht viel literarischer als mein Schreiben beurteilen würde, die ich ja auch sehr realisitsch bine und es geht um zwei Frauen oder drei vielleicht, wenn man die Großmutter Christl noch mitrechnet und die italinische Nonna ist an Covid gestorben.

Da ist also Konstanze, eine Frau um die Fünfzig und Übersetzerin. Sie hat eine Tochter namens Veronica, die zwanzig ist und ihr Studium abgebochen hat. Von Salzburg, wo sie bei den Großeltern wohnte, ist sie nach Wien gekommen und nun in einem katholischen Studetenheim lebt und in einer obskuren Briefkastenfirma mit Maske an der Rezeption sitzt. eine Doderische-Hausmeisterin die Frau Wallin gibt es auch und Veronica muß mit Maske den Briefkasten bewachen und Damen, die eintreffen zum Herrn Dr. Küchenreither hinaufbitten.

Da wären wir wieder bei den Namen, die bei Marlene Streeruwitz wieder sehr sprechend sind, da gibt es einen Onkel Stieglitz, der Veronica, die er bei einer Demo erwischt, Rechtsradikalität unterstellt und den Siebenstein, das ist ein ehemaliger Liebhaber Konstanzes, die ihn auf ihren Spaziergang durch den Prater trifft, sie wohnt nämlich in der Ausstellungsstraße, wo sie immer zum Prater sehen kann, sich von ihm zehn Euro für eine Käsekrainer ausborgt und ihm dann zwanzig zurück gibt und obwohl es Spannungen zwischen Mutter und Tochter gibt, treffen sie sich immer in Konstanzes Wohnung und schauen sich dann Telenovelas an, die Marlene Streeruwitz, die ja auch Groschenromane schreibt, gleich mitgeschrieben hat.

“Roman dialogue” steht unter dem Titel, was ist das könnte man fragen? Die Antworte sind zwei Textpassagen, wo sich Mutter und Tochter im Dialog unterhalten.

Veronica übernachtet bei der Mutter, die früh morgens, weil es billig ist, nach Zürich fliegt, um dort mit ihren Verlegern über ihre Übersetzung zu sprechen und als sie zurückkommt, findet sie Veronica wieder in ihrem Bett. Denn die ist zwar nicht zu dem Vortrag über Wunderheilungen ins Studentenheim gegangen, obwohl ihr bei Verweigern mit dem Rauswurf gedroht wurde. Sie fand dann aber den Kaplan Chrobath, betrunken oder nicht in ihrem Zimmer und vor ihm geflüchtet.

Und das Mutter und Tochter und auch die Großmutter in Folge unehliche Kinder sind, ist auch etwas, was ich von meinen Schreiben kenne.

“Eine literarisch avancierte Autorin von Format!.. . Wer ihrem Sog nicht erliegt, ist für die Literatur wohl verloren”, steht am Buchrücken. Dem kann dem zustimmen, kenne aber viele, denen die Streeruwitz, zu politisch, zu aufmüpfig und vielleicht auch zu unliterarisch ist. Die FPÖ auch zählt wahrscheinlich auch nicht zu ihren Verehrern und ich kann nur wieder hoffen, daß es auf eine Buchpreislisten kommt. da war sie auch schon ein paar mal und hat auch darüber geschrieben, denn da hätte ich weniger zu lesen.

Und typisch auch das Cover des “S.Fischer-Buchs”, krabbeln da ja die Käfer über die roten Rosenblätter.

Heute ist mitten in der Nacht

Die Pandemie, hatte auf das Schreiben der Autoren offenbar eine größere Auswirkung als ich bisher glaubte, wo ich ja nach dem ersten Buch der Marlene Streeruwitz immer hörte, “Covid interessiert uns nicht! Und nicht schon wieder ein Covidroman!”

Aber jetzt tauchen plötzlich Bücher auf, die sich mit dem Sterben beschäftigen, wo eine Bestatterin mit ihren Toten spricht oder die Reinigungsfirmen dann die Wohnungen aufräumen, wo die Leute einsam gestorben sind.

“Mit Sprache unterwegs” hat sich mit der Armut im Alter beschäftigt ,und dann diskutiert ob die Insprachnahme der mobilen Pflegedienste oder die Pflegeheime besser wären?

Die Pflegeheime nicht, denke ich, habe das schon früher gedacht, nach Covid, wo man seine Angehörigen aber noch immer nicht ohne Test oder Maske besuchen darf und die Leute dort monatelang keine Besuche empfangen durften und einsam gestorben sind und Covidist schon sowieso schwer zu erklären. Ein Dementer wird sich vielleicht vor den pflegenden Zoombies, die da auf einmal auftauchten gefürchtet haben.

So weit so gut, und eigentlich eine Themenverfehlung, denn es geht ja um das neue Buch, der 1980 geborenen Kerstin Preiwuß, die in Leipzig lebt, beim “Bachmann-Preis” gelesen hat auf der Buchpreisliste stand und jetzt auch noch Professorin am Leipziger Literaturinstitut ist, das den klingenden Namen “Heute ist mitten in der Nacht” hat, wo man natürlich einen Roman vermuten würde.

Aber nichts davon, es sind eher lyrische persönliche kleine Stücke, die sich mit der Angst und dem Tod beschäftigen, in Zeiten, wie diesen, wo wir von der Pandemie in den Ukrainekrieg und die Weltkriegangst stolperten, absolut verstänlich und vielleicht ganz schön, während einer Panikattacke oder nach dem Verlust eines Lieben, dieses Buch zu lesen.

Die kleinen Stückchen beginnen mit einem Autorstoperlebnis der Autorin in Frankfurt, wo sie wahrscheinlich einer Vergewaltigung entkam und dreht sich dann, um die Angst. Wo sie anfängt und wo sie kommt, beim Autofahren wahrscheinlich. Aber auch nach einer Fehlgeburt, die Kerstin Preiwuß einmal erlebte. Dann kommt sie zu dem Unfalltod ihres Vaters, der auf dem Fahrrad von einem Ajuto meterweit geschleudert wurde und sich dann die Angehörigen mit der Frage beschäftigen mußten, ob sie den noch brauchbaren Körper, als Ersatzteillager zu Verfügung stellen, was in Deutschland anders als in Österreich geregelt ist.

Dann geht es schon zu Covid und der Frage, ob man jetzt seine Kinder “Corona” oder “Covid “nennen soll und “Bleiben Sie gesund!”, ist der neue Gruß der Zeit, wie Kerstin Preiwuß erwähnt.

Gedichte gibt es in dem persönlichen Essay immer wieder auch:

“Jetzt ziehen wir ins Schneckenhaus./Die Zeit weiß schon Bescheid.”

Und fiktive Briefe, einen an die Kinder und eines an Emily Dickinson, die sich offenbar auch von der Welt zurückgezogen hat und die nur mehr aus ihrem Fenster hinaus betrachtete. Rose Ausländer hat das, glaube ich, auch gemacht, aber die war ja kriegstraumatisiert und da darf man keine Vergleiche ziehen.

Es gibt das Gedicht von Christine Lavant “Wieder brach er bei den Nachbarn ein…”, das analysiert wird und die Winter, Sommer, etcetera, der Zurückgezogenheit. War die Pandemie offenbar etwas, das Kerstin Preiwuß sehr ernst nahm und in Angst versetzte.

Außerdem was macht man als schreibende Frau, Kerstin Preiwuß nennt sich Schriftsteller, wenn man nebenbei noch Kinder im Homeoffice zu versorgen hat, weil die Schulen und die Kitas ja geschlossen sind?

“Es gibt mich kaum noch./Ich nehme mir nichts vor./Ich arbeitete ab./ Ich denke nicht mehr nach…”

Dann werden die Phasen des Schocks erklärt. Das habe ich auch den Pflegehelfern unterrichtet, als ich in Lainz noch die Fortbildungen machte und verschiedene Worte und Begriffe werden analysiert.

“Was deutet sich als beschaffbar an, Masken, Impfungen, Tests, sofort stellt sich die Bereitschaft ein,vorzusorgen.” Die “Hoffnung schwindet” und das “Früher wird zu einem Sehnsuchtsort.”

“Früher als wir alle noch schwelgten in Erinnerungen, die man nun als verloren betrachtet, darum mit Sehnsucht verbindet.”

Dann geht es zu den “Petitionen der Kunst”. Da gab es bei uns am Anfang einige Demonstrationen, bis diese aufhörten, wahrscheinlich weil die Förderungen kamen und die Demos dann den rechten zugeordnet wurden.

“Wir gaben alles aus der Hand, wir ließen unser gesellschaftliches Dasein ruhen, wir gaben die Kultur auf und ermahnten uns sogar dazu. Wir handelten vorsorglich.” – “Aus Gewöhnung wird also Gewohnheit.” und dann gibt es noch die “Katastrophen”, die man mit den “W-Fragen”, die man im Erste Hilfekurs oder Journalistenseminar lernt, analyasieren kann.

Dann kommt sie zu den “Kindern, die weinen, weil sie als Einzige in der Klasse positiv getestet sind.”, bis es “Plötzlich alle haben, hat man es auch und der Abstand verliert sich.” und “Nach der Krankheit kommt der Krieg”, schreibt Kerstin Preiwuß immer wieder, was sie wieder zur Angst zurückkommen läßt und dann listenartig die Situationen aufzählt, die sie in der Schule erlebt hat.

Der Ukrainie-Krieg wird erwähnt und sogar die Gedichte der Kaiserin Sissi, Zusammenhänge und, die ein bißchen schwer zu verstehen sind, wenn man nicht aufmerksam genug liest, um die Gedankensprünge der Autorin zu verstehen, die mit diesen Buch sich in einer sehr schönen Sprache, mit der Sprache, wohl auch selber Klarheit gewinnen will.

“Kerstin Preiwuß, vielfach ausgezeichnete Autorin von Romanen, Gedichten und Essays legt mit “Heute ist mitten in der Nacht” einen Text vor, der Angst und Schreiben auf eindrucksvolle Weise zusammenführt und ein Zeitempfinden in den Blick nimmt, das unsere Gegenwart bestimmt.”, steht am Buchrücken.

Ein interessantes Buch in dem man über die Ängste und die Gefühle der Autorin erfahren kann.

Oben Erde, unten Himmel

Die erste Neuerscheinung in diesem Jahr. Bisher habe ich ja nur die Reste vom Vorjahr, bezieungsweise, die Bloggerdebuts gelesen.

Jetzt also Milena Michiko Flasars dritter bei “Wagenbach” erschienener Roman. Die zwei Ersten kamen bei “Residenz” heraus, woran man wieder sieht, wie das mit der österreichflucht der Autoren ist. Katja Gasser will ja durch den Leipziger Österreich Schwerpunkt die österreichischen Verlage nach <österreich holen, mal sehen, wie das gelingt.

Ich habe von “Ich nannte ihn Krawatte”, auch in Leipzig prominent erfahren, später hat sie den “Alpha” damit gewonnen. Da haben sie mich ja hinausgeschmissen. Deshalb habe ich das Buch noch nicht gelesen.

“Herr Kato spielt Familie” habe ich schon und “Okasaan”,, den Fund aus dem Bücherschrank, den ich glaube ich einmal während einer GV der IG Autoren besuchte und jetzt das neue Buch, das von “Wagenbach” prominent beworben wurde.

Milena Michika Flasar stand noch nie so im Mittelpunkt, hat mir Robert Huez am Donnerstag in der “Gesellschaft” gesagt. Da wurde das Buch ja im Literaturhaus wieder mit japanischen Spezialitäten, wie mir Robert Huez verriet, vorgestellt, aber das haben wir beide versäumt und sind mit der “Sprache unterwegs” gewesen.

Wobei so anders war es dann nicht, wenn es auch um die “Armut im Alter” und nicht um Japan ging. Aber sonst war die Einsamkeit und sogar die Bestattung das Thema. Die Wassergläser mit den Schlieren, die der mobile Pflegedienst hinterlässt, die dann die Bestatter, die die Leichen abholen, finden und Milena Michiko Flasar hat sich wieder einem Thema mit einem speziellen japanischen Namen nämlich dem “Kodokushi”, dem einsamen Tod, wie im Anhang steht und das ist auch, glaube ich, das besondere am Schreiben der 1980 in St. Pölten geborenen Milena Michiko Flasar, die eine japanische Mutter hat, dadurch wahrscheinlich Japanisch spricht und vielleicht auch öfter dort gewesen ist.

Sie hat sich, kann man sagen, der japanischen Kultur angenommen und nach Österreich gebracht. Deshalb fließen immer wieder japanische Wörter durch das Buch. Deshalb hat “Wagenbach” zum Japanisch essen eingeladen und während es im ersten Buch um die, die, weil vielleicht Schul- und Leistungsangst ihre Wohnung nicht mehr verlassen, den “Hikimori” ging und beim zweiten Buch, um einen Pensionisten, der sich als Familienmitglied vermieten läßt, geht es jetzt um die, die monatelang in ihren Wohnung liegen, bis dann die Briefträger oder die Hausmeister die Polizei verständigen und der Reinigungstrupp trifft ein, um die Wohnung zu putzen.

Als ich das Cordula Simon, die ja als Bestatterin tätig ist oder war, am Donnerstag erzählte, sagte sie, das kommt in Österreich nicht so oft vor. Wahrscheinlich ist das in Japan häufiger, das Menschen einsam und ohne Angehörige sterben und eigentlich geht es auch um etwas anderes.

Es geht um Suzu, fünfundzwanzig und auch alleine mit einem Hamster lebend. Sie hat zwar Eltern, mit denen sie telefoniert und die sie zu den Festtagen besucht. Hat aber sonst wenig Kontakt zu ihren Nachbarn, keine Freunde und jobbt als Kellnerin in Familienrestaurants. Sie hat auch das eine oder andere Date, aber sonst wahrscheinlich keinen wirklichen Sinn im Leben und ist vielleicht auch etwas schüchtern. Aber sonst ziemlich schlagfertig und die verliert ihren Job als Kellnerin und sucht nun, weil das Geld ausgeht, etwas anderes. Da landet sie bei der Reinigungsfirma des Herrn Sakai und da ist sie beim Vorstellungsgespräch nicht allein. Ein Takada, der denselben Nachnamen wie sie hat, bewirbt sich mit ihr. Der hat lange Haare, die ihm ins Gesicht fallen und schreibt sich ständig Wörter in ein Notizbuch auf, um später vielleicht einen Roman zu schreiben und wahrscheinlich auch sehr einsam und hat seine Traumen. Er wohnt, auch das ist wahrscheinlich typisch japanisch in einer Kabine in einem Internetcafe und so beginnt Suzu mit dem Reinigungsdienst.

Da wird zuerst ein Gebet gesprochen und dann der Tote, der gar nicht mehr anwesend ist, begrüßt. Das erinnert an die “Bestatterin von Killcross” und nach der Arebei, an die man sich erst gewöhnen muß, deshalb liegen auch Speibetüten bereit, geht es ins Sento, das japanische Badehaus, wo Suzu einer Mrs Langfinger genannten Alten begegnet, die Drops stiehlt, damit sie ins Gefängnis kommt, um nicht mehr einsam zu sein, obwohl sie eine Tochter hat und dann zum Absacken in ein chinesisches Restaurant.

Man sieht Herr Sakai kümmert sich sehr fürsorglich um sein Team und veranstaltet zum Kirschblütenfest auch ein Picknick, wo er alle seine Bekannten einlädt. Also die Kassiererin im Badehaus, Frau Langfinger und ihre Tochter und da ist dann zu erwähnen, daß das Buch im Winter beginnt und bis zum nächsten Winter geht.

Takada wird im Sommer, glaube ich, krank. Da wird Suzu von Herrn Sakai in seine Kabine geschickt, um nach ihm zu fragen. Ihr fällt das schwer. Sie kauft eine riesige Melone, die sie dann zu diesem Cafe schleppt und findet einen hochfiebrigen Takada, den sie dann in ihre Wohnung bringt und da ist interessant, daß der Hamster, der sich bisher immer vor ihr versteckte, plötzlich aus seinem Untergrund kommt und interessiert das Geschehen beobachtet.

Suzu freudet sich auch mit ihren Nachbarn, auch zwei alte Menschen, an und besteigt mit dem gesund gewordenen Takada dann das Plateau ihres Hauses von dem man eine wunderbare Aussicht auf die Stadt hat und im nächsten Winter kommt es, wie es kommen muß.

Herr Sakai entschuldigt sich für drei Tage und kommt dann zurück, um seinen Team zu erklären, daß er nur mehr drei Monate zu leben hat. Er stirbt zuerst von seinen Freunden umgeben und letztlich doch allein im Spital und die vier Übergebliebenen räumen seine Wohnung auf.

Das heißt, sie glauben zu einer Messiewohnung zu kommen, aber die ist leer und blitzblank und so gehen sie wieder zu ihrer Arbeit.

“Wir schlüpften in unsere Schuhe, die nebeneinander aufgereiht im Eingang standen. Dann – mit einem letzten Blick auf das, was hinter uns lag – machten wir uns auf den Weg.”

“Leben probiert man nicht aus. Man lebt es einfach. Es gibt keine Generalprobe. Keine Wiederholungen” – “Ein umwerfender Roman über Nachsicht, Umsicht und gegenseitige Achtung”, steht am Buchrücken.

“Wagenbach” hat mir auch eine Liste von Michiko Milenas Flasars Lesetour geschickt. In Leipzig, das diesmal im April stattfindet, tritt sie sicher auf und dann auch bei “Literatur und Wein”, sowie an anderen Orten.

Dämonische Dame und magisches Matt

Jetzt ist sich das Streamen ins Literaturhaus doch noch ausgegangen, sind wir doch am Donnerstag nach meiner letzten Stunde nach Harland gefahren.

In der “Alten Schmiede” sind Eva Menasse und Milica Tomic aufgetreten, aber die streamen nicht mehr. Also statt zum “Krieg in der Kunst” zu den magischen Mädchen des Trios Anatol Vitouch, Ondrej Cikan und Alexander J Eberhard ins Literaturhaus und das war ein ungewöhnlicher Abend mit zwei mir unbekannten Autoren, die von den freischaffenden Komponisten und Bratschisten Alexander J. Eberhard musikalisch begleitet wurden.

Daniel Terkl, der neue Programmleiter hat eingeleitet. Der 1984 geborene Anatol Vitouch präsentierte seinen, glaube ich noch unveröffentlichen Schach-Science-Fiction Roman, in dem ein Schachcomputer von einem Schachreporter namens Anatol Vitouch gesucht wurde, um künstliche Intelligenz und ein untergeschobenes Manuskript ging es dabei auch.

“Mußte ich mir Gott als einen unveröffentlichten Science Ficton Roman vorstellen”, las der Autor.

Einen Schachreporter namens David Blau gab es dann im zweiten Teil der Lesung auch, wo der Euro schon abgeschafft ist und Währungen keine Rolle mehr spielen und dem Reporter von einer Mona Moliere eine Million in jeder Währung angeboten wurde.

Während der 1985 geborene Ondrej Cikan aus seinem Mikroroman “Blühende Dämone”, wo es ebenfalls wild herging und eher traditonell klingende epische Gedichte gelesen hat.

“Schön wie die Mutter die dich liebt und dich geboren hat”, schön wie der Knoblauch, das Vergißmeinicht”

Die Geschichte “Große Schwester”, die vom Literaturhaus schon zu Corona-Zeiten bestellt wurde, ein Krimi, haben dann die Autoren, der offenbar über eine große Stilbreite verfügen zum Abschluß gelesen.

Beide Autoren, von denen ich im Netz nicht viel finden konnte und die als “Die Gruppe” auftraten, sind mit weißen Stirnbändern vor Bierdosen am Lesepult gesessen und das Literaturhaus war, soweit man das im Stream sehen konnte, ziemlich voll.

Ein interessanter ungewöhnlicher Abend, der auch die Autoren gelegentlich zum Lachen brachte und ein kleiner Einblick, wie Literatur auch ausschauen und wie man sie produzieren kann.

Diogenes Talk mit Esther Schüttpelz

Und wieder eine “Diogenes” online Buchpräsentation, wieder eine Neuerscheinung, wieder ein Debut, der 1993 geborenen Esther Schüttepelz, die in Münster Jura studierte, wie sie erzählte schon immer geschrieben hat und jetzt mit ihrem Debut, dem am zweiundzwanzigsten Februar erscheinenden “Ohne mich”, ihren Anwaltjob aufgab, um sich ganz dem Schreiben zu widmen.

An die fünfzig Buchhändler und Blogger haben an dem Talk teilgenommen. Die Lektorin Margaux de Weck moderierte und schwärmte von dem großartigen Gefühl, ein Buch von einer unbekannten Autorin in der Hand zu halten und es dann zu entdecken.

Es geht, wie schon der Titel sagt, um eine Trennung und, um eine Jurastudentin, die sie gerade erlebt oder hinter sich hat und die Lektorin sagte zu der Autorin, die dann ein Stück aus dem Buch gelesen hat, daß ihr jurastudium schon wichtig gewesen wäre, denn sonst hätte das Buch anders ausgesehen und andere Protagonisten gehabt.

Die schöne Sprache wurde gelob, die, wie die Lektorin betonte, sehr ausgefeilt ist, obwohl sie sehr frisch und hinausgeflossen wirkt.

Die Autorin schreibt auch Liedtexte und interessant ist auch die Geschichte, wie Esther Schüttpelz zu “Diogenes” gekommen ist. Das heißt zuerst kam sie nach Berlin, um als Anwältin zu arbeiten und war dann mit dem Job nicht zufrieden. Deshalb ist der Text nebenbei und ohne Absicht einen Verlag zu suchen entstanden. Dann saß sie einmal in einer Bar neben einen Schriftsteller, der dann den Text oder ein paar Proben davon an eine Agentin schickte und die dann an “Diogenes”.

Lieblingsautoren scheint es nicht zu geben. Esther Schüttpelz mag auch keine langen Erzählungen und Beschreibungen und hat auch keinen Lieblingsstil. Den ihren hat sie durch Abgrenzung gefunden. Sie wurde dann nach ihrer Art zu schreiben gefragt, sie braucht sie die richtige Stimmung dazu, um in einen Sprachrausch und zum intuitiven Schreiben zu kommen, hat aber trotzdem keine Schwierigkeiten mit dem Abgabeterminen.

Im Chat wurde dann diskutiert, ob das Buch ein Generationenroman ist und wie das mit der Familie ist? Und einige Teilnehmer erklärten auch, daß sie das Buch auf Empfehlungen gelesen haben, der Klappentext allein hätte sie nicht begeistert, aber dann waren sie durch die Sprach fasziniert. Spannend, spannend und macht auch mich neugierig, das Buch und die Autorin zu entdecken, das aber erst zu mir kommen muß.

Günstige Intelligenzen und lucide Konsolen

Das Gegenteil vom “Populären Realismus” ist wohl das experimentelle Schreiben und das wird ja der österreichischen Literatur zugeschrieben und da konnte man heute, wenn man von den leicht verständlichen Unterhaltungsromane genug hat, seine blaue Wunder erleben und da waren heute unter dem Titel “Poesie der Netzwerke” Jörg Piringer und Natale Deewan zu Gast und der 1974 geborene Jörg Piringer war schon vor einer Woche zu Gast in der “AS” und hat da erkärt, was Allgorithmen sind.

Er schreibt aber auch Bücher, eines “Datenpoesie” ist 2018 erschienen und jetzt gibt es ein neues “Günstige Intelligenz” bei “Ritter” erschienen.

Das heißt, Piringer ist, glaube ich, nicht der Autor, sondern ein künstliches Intelligenzprogramm, das man um ein paar Dollar kaufen kann, deshalb der Titel.

Das ist auch nicht ganz neu, hat das doch Daniel Kehlmann in New York schon vor ein paar Jahren probiert und es begann mit Wortsammlungen die Jörg Piringer einmal machte, die dann von seiner KI weiterdichten ließ und dann daraus Gedichte machte.

Am Schluß ging es noch, um die Frage, wie es mit der Literatur weitergehen wird? Wird das Handgeschriebene nur mehr im elitären teuren Raum erhältlich sein, während sich die Massen mit dem von KIs produzierten, begnügen müssen. Das gibts, glaube ich, schon ein bisschen bei der Groschenromanproduktion und Moritz Baßler thematisiert, das in seinem Buch auch.

Die “Alte Schmiede” kann ich aber schreiben, war sehr voll. Die ganze experimentelle Szene, Ilse Kilic, Fritz Widhalm, Angelika Kaufmann, Günter Vallaster ,und und und die 1979 in Wien geborene Natalie Deewan hat in ihren “Lucida Console” bei “Klever” den zweiten experimentellen Verlag. War ja Ralph Klever bevor er seinen Verlag gründete, Lektor bei “Ritter”, eine Textmontage von Abraham a Santa Clara bishin zu Jörg Piringer betrieben, dabei auch vier Sprachen verwendet und bei Lesung ein Kapitel auf Rollen geschrieben “Braucht ein Gedicht eine Seele?” hat Piringer, glaube ich, schon vorher gereimt und das Publikum aufgefordert, sich je eine zu holen, dann im Kreis aufzustellen und rundumvorzulesen.

Als Belohnung gabs, dann was Süßes und so ganz habe ich das Projekt nicht verstanden, beziehungweise nicht genau mitbekommen, wieviel KI das jetzt ist?

Vernetzte Intelligenz wahrscheinlich allemal, also eine sehr interessante Lesung. Wien ist sicher noch sehr experimentell. Mal sehen was wir in Leipzig daraus hören werden und richtig, wenn man sich das Piringer Buch kaufte, hat, glaube ich, die KI das Autogramm geschrieben, aber das habe ich nicht mehr beobachtet, wie so etwas geht?

Deutsch österreichisches Sprachgefühl

Kam habe ich die dritte “Mit Sprache Veranstaltung” des Jahres 2022, die vorige Woche in der “Gesellschaft” stattfand, begann in der “Alten Schmiede”, die schon für das nächste Jahr. War da doch das Grazer Literaturhaus mit seinem Leiter Klaus Kastberger zu Gast und der brachte seine “Bachmann-Jurorkollegin” Insa Wilken, den in Graz geborenen Clemens J. Setzt und die in München geborene Schriftstellerin Ulrike Draesner mit. Das Thema der heurien “Mit Sprach-Veranstaltung” lautet “Wir inklusiv excklusiv” und da haben wir ja heuer weil Österreich heuer Gastland in Leipzig, ist schon ein aktuelles Thema, nämlich was ist deutsche und was ist jetzt österreichische Literatur und worin unterscheiden sie sich?

Durch den Dialekt, die Landesgrenze, oder die Natonalität? Und das ist ja eine interessente Frage, die man beliebig nach Lust und Laune und je nach Temperament deuten kann.

Das Einfachste wäre ja zu sagen, es gibt keine österreichische Literatur, denn wir alle schreiben Deutsch und es gibt kein Österreichisch. Nicht alle, würde jetzt wahrscheinlich Katja Gasser sagen und in der “AS” hat es Clemens J. Setz gesagt und hat zu der slowenischen Literatur noch die kroatische mitgenommen.

Aber da würden wir ja die anderen ausgrenzen und interessant ist ja der deutsche Buchpreis, der ja ein deutschsprachiger ist. Das heißt da können schweizer, deutsche und österreichische Autoren gewinnen und da bleiben die deutschen über. Denn die Österreicher und die Schweizer, haben jetzt ja auch einen eigenen Buchpreis, können also zweimal gewinnen und dann gibt es die “Tage der deutschsprachigen Literatur” und die finden seit 1977, glaube ich, in Klagenfurt statt und von dort kennen sich ja auch Klaus Kastberger und Insa Wilke und sowohl Clemens J. Setz, als auch Ulrike Draesner haben dort, glaube ich, auch gelesen.

Das ist jetzt meine Zusammenfassung, Klaus Kastberger und Insa Wilke machten es natürlich komplizierte. Das heißt, die Literaturkritikerin, denn Klaus Kastberger ist ja ein lockerer Typ und so gab es sehr viel Gelächter im Publikum und Ulrike Draesner erwähnte auch, daß sie die österreichische Literatur durch ihr Abitur und da durch Heimito von Doderer kennenlernte und sich dachte, was ist denn das für ein Name?

Dann kam noch ein österreicherischer Ministerialbeamter zu ihr und sprach immer von der “Tranche” und sie dachte das ist Österreichisch. Ist aber wahrscheinlich die Hofratwienerische Verballhornung des französischen Wortes.

Interessant was ist österreichische Literatur? Heimito von Doderer, sagte Ulrike Draesner.

Thomas Bernhard, Ingeborg Bachmann, Elfriede Jelinek. dann kommt noch Josef Winkler hinzu und da hätten wir noch eine Trennung nämlich Deutsch ist proestantisch, Österreich katholisch und interessant, daß die Diskutanten immer von Bundesdeutsch sprachen. Wahrscheinlich um die österreichischen Literatur von der deutschen abzugrenzen und ich dachte, wui, da fehlt doch die DDR und die BRD gibt es nicht mehr, bis das Ulrike Draesner aufgriff und sagte, daß sie als Deutsche auch das unterschieden hat und die “DDR Literatur kenne ich nicht so gut!”, fügte sie, glaube ich, noch hinzu und ich dachte, Uje, Brigitte Reimann, Christa Wolf und dann noch vielleicht ein paar Parteigenossen, wie den Alfred Kurella und da habe ich viele ausgelassen, die Irmtraud Morgner, die Sarah Kirsch und dann noch den Hermann Kant, um noch einen Parteigneossen zu nennen, etcetera, während die Österreicher wieder, die sanften Weicheier mit der schönen Sprache oder die großen Schimpfer, wie der Thomas Bernhard sind und dann habe ich bei Moritz Baßler,glaube ich, noch gelesen, daß die Österreicher sich durch die Sprache auszuzeichnen und da habe ich an die Experimentellen, wie Jandl, Mayröcker,, etcetera gedacht.

Interessant, interessant und die Diskussion ging noch lustig hin und her. Bisher habe ich ja eher meine Meinung zu diesem Thema beschrieben und mir gedacht, den Unterschied siehst du gleich, beziehungsweise die Prominenz der Autoren, wenn dann die Österreicher zu “Suhrkamp”, “Rowohlt” oder “Fischer” gehen, die zuerst bei “Droschl” und “Jung und Jung”, der ja glaube ich auch ein Deutscher ist, waren und die Bundes- oder ex DDR-Autoren bleiben dann, wenn sie das nicht können bei den deutschen Kleinverlagen.

“Lesen Sie viele österreichische Autoren!”, riet oder forderte Klaus Kastberger noch auf. Dazwischen haben die beiden anwesenden Autoren je ein Stück aus ihren schon erschienenen oder demnächst erscheinenden Bücher gelesen und ich tue das auch. Hatte ich ja die Marlene Streeruwitz, die ich vor zwei Wochen in der “AS” hörte, im Rucksack, die jetzt glaube ich bei “S. Fischer” verlegt, würde mir aber wenn ich könnte und nicht zuviele Rezensionsexemplare auf mich warten, nach Lepzig den neuen Uwe Tellkamp “Den Schlaf der Uhren” mitnehmen, auf jeden Fall aber ein deutsches Buch nach Leipzig und die Österreicher lese ich dann in Österreich.