Leipzig liest trotzdem

Das ist jetzt die vierte Leipziger Buchmesse , die nicht vor Ort sondern irgendwie digital stattfindet. 2019 hatte ich einen Gips und habe vom Schlafzimmer aus gestreamt, 2020 hatten wir schon Corona, obwohl ich da wie im Vorjahr schon akkreditiert war und mir einige Termine ausgemacht habe.

Im Vorjahr sollte die Messe im Mai stattfinden, weil es da wärmer war und mehr im Freien stattfinden hätte können, dann fand es aber doch nur digital statt und heuer haben uns die Hundertmarks gefragt, ob wir kommen?

“Mit Maske und Gs nicht, habe ich geantwortet und dann kam schon die Mitteilung, weil soviele Verlage absagten, keine Messe. Dann scheint es aber doch etwas zu geben und eine Portugal Veranstaltun habe ich mir auch schon vor ein paar Wochen angehört.

Da ist das versprochene Überraschungspaket nicht gekommen, aber ich bin ja nur Bloggerin und keine Buchhändlerin und Literaturtest hat mich noch einmal zu einem Portugal Nachmittag eingeladen, wo die Autoren Isabela Figueiredo, Michael Kegler, der portugiesischer Übersetzer ist, Yara Nakahanda Monteiro und Alfonso Reis Cabral und ihre Bücher auf Englisch vorgestellt wurden, weil Portugal ist ja das Gastland oder sollte es schon im Vorjahr oder im Vorvorjahr sein, denn ich dachte, irgendwann ist auch Österreich dran. Da wird es morgen eine Pressekonferenz geben und damit geht es jetzt schon los, während wir ja sonst erst Mittwoch früh losgefahren sind.

Michael Kegler erzählte dann etwas über die portugiesische Literatur, daß es eine Minderheitssprache ist, aber in Brasilien und Angola spricht man es, glaube ich, auch, daß die Portugiesen große Leser wären und die portugiesischen Autoren auf diese Art und Weise ihr Publikum finden.

Die 1963 geeborene Isabela Figueiredo, die als eine der bekanntesten Gegenwartsstimme Portugal gilt, stellte dann ihren Roman “Die Dicke” vor, wo es um ein dickes Mädchen und ihre Probleme geht.

Michael Kegler, der in Wien lebt oder lebte und schon in der “Alten Schmiede” seine Übersetzungsarbeiten mit Ilija Trojanov vorstellte, sprach dann glaube ich ,von dem 1970 in Angola geborenen Goncalo M. Tavares, seinen Roman “Matteo hat keine Arbeit mehr” und andere Bücher, die in der “Edition Korrespondenzen” erschienen ist.

Dann kam die ebenfalls in Angola geborenen Yara Nakahanda Monteiro mit ihrem bei “Haymon” erschienen Roman “Schwerkraft der Tränen”.

Als Letzter kam dann der 1990 in Lissabon geborene Alfonso Reis Cabral und sein bei “Hanser” erschienes Buch “Aber wir lieben dich

Dann blieb noch etwas Zeit mich in den “Diogenes Talk” zu streamen, wo Joachim B. Schmidt seinen Roman “Tell” vorstellen wird, denn ich kann mich erinnern, daß ich 2019 und 2020 mit Susanne Bühler, je ein Treffen ausgemacht habe, das ist dann ins Wasser gefallen. Jetzt gibt es die “Diogenes Talks” und das Herbstprogramm wurde am Donnerstag auch schon vorgestellt. Das begann um acht, also sich nach dem österreichischen Alternativprogramm umsehen, da gab es im Literaturhaus Anna Bahr und Magdalena Schrefel und in der “Gesellschaft” überhaupt was Tolles, denn die feiern ihr sechzigjähriges Jubiläum, da war ich vor zehn Jahren wahrscheinlich schon im Radio Kulturhaus, wo die Größen, der österreichischen Literatur auftraten und sich dann im Hintergrund zum Buffet zurückzogen, während das allgemeine Publikum sich ein Glas Wein kaufen durfte, aber ich bin ja auch Autorin, für die “Gesellschaft” aber offenbar nicht gut genug oder nur für die Faschingsfeste geeignet, wo man einmal verkleidet lesen durfte und im Anschluß Krapfen bekam.

Jetzt ging es durch die “Gesellschaftsgeschichte”, die ja von Wolfgang Kraus gegründet wurde, Hans Haider erzählte, als ich in den Stream kam, gerade die sechzigjährige Gesellschaftsgeschichte, da gab es ja vor sechzig Jahren die Ostblockautoren, die von der “Gesellschaft” sehr gefördert wurden.

Marianne Gruber mit der ich ja in der “Buben dürfen weinen”- Anthologie einen Text hatte, war da lange die Präsidentin und sie trat bei den Faschingsfesten auch mit einer roten Dompteurjacke auf, während die anderen, wie ich ohne Verkleidung lesen wollten.

Dann kam Helmuth J. Niederle, der jetzige Pen-Präsident mit dem ich einmal in einer Jury war. Jetzt ist Manfred Müller der Leiter und Ursula Ebel die Interviewerin und die Geschichte der “Gesellschaft für Literatur” halte ich, obwohl sie mich ja nicht wirklich oder nur als Zuschauerin betrifft, für sehr interessant, obwohl sie nichts mit Leipzig und wahrscheinlich auch nicht mit dem Österreichschwerpunkt dort zu tun hat.

Der 1981in Island lebende Schweizer Autor Joachim B. Schmidt hat sich in seinem “Tell” an den Schweizer Nationalhelden mit den Apfel vergriffen, der auch am Cover zu sehen ist und dann wirds weiter mit Preisverleihungen und Pressekonferenzen gehen.

Dann kam Raul Blahacek der früher der Literaturreferent der Stadt Wien war, wo ich in den Achtzigerjahren tapfer meine Texte hinschickte, um ein Stipe,ndium zu bekommen war und berichtete über seine Erfahrungen beispielsweise über einen Dankesbrief, den er an Friederike Mayröcker oder sie an ihn geschrieben hat. Der schon erwähnte Helmuth Niederle war dann der nächste,der seine “Gesellschaftserlebnisse” berichtete.

Am Mittwoch wurde dann in der Nikolaikirche, wo ja einmal die berühmten Montagsdemonstrationen stattfanden, der “Preis zur europäischen Verständigung” an Karl Markus Gauß vergeben, den ich vor kurzem in der “Alten Schmiede” hörte, was wieder sehr feierlich von sich ging.

Zuerst kamen die Festreden der Börsevorstände und Politiker, die sich alle über den Krieg in der Ukraine empörten und bedauerten, daß sie die russischen Autoren bestimmt nicht boykottieren würden. Es wurde auch die Absage der Messe bedauert, die ja eigentlich stattfinden hätte können, aber von den Großverlagen boykottiert wurde und alle freuten sich auf die LBM 2023, die dann hoffentlich mit dem Auftritt Österreich in gewohnter Normalität und mit mir vor Ort stattfinden wird.

Daniela Strigl ,hielt die Laudatio, die sie mit die “Sieben Sachen des Wanderers” betitelte, denn das Buch für das KMG wie sie ihn nannte, den Preis bekam heißt “Die unaufhörliche Wanderung” und betonte dabei, daß Karl Markus Gauß eigentlich gar nicht so ein Wanderer ist. Aber die sieben Zwetschken, wie man in Österreich so sagt, bestehen aus “Neugier”, “Trittsicherheit”, “leichtes Gepäck”, “festes Schuhwerk”, “Kompaß” und “Kondition” bestehen. Eines davon habe ich jetzt vergessen oder nicht mitbekommen, weil der Stream kurz unterbrochen war.

Ansonsten konnte ich und das kann ich mir nicht verkneifen aufzuschreiben, beobachten wie KMG an seiner Maske rückte. Sie am Schluß überhaupt nicht mehr aufsetzte und zwischendurch auch Daniela Strigl nach ihrer Laudatio umarmte und seine Rede erklärte er dann, hat er in Zeiten, wie diesen dreimal geschrieben. Zuerst wollte er über seine Reisen schreiben. Dann kam die Meldung, die Buchmesse findet nicht statt und er erwähnte, die drei Großkonzernisten, die er im Fernsehen beobachtete, die das mit säuerlicher Miene eines Synchronschwimmers dem Publikum beibringen wollten und am Schluß kam der Krieg und den betonte er, kann er nicht erklären.

Wies aber ebenfalls darauf hin, daß er die russischen Autoren nicht boykottieren, sondern im nächsten Jahr mit ihnen, den verlorenen Krieg ihres Despoten feiern will und erwähnte auch die ukrainischen Literaturverbände, die forderten alle Russen zu boykottieren. Was wäre passiert, fragte er, wenn man das vor achtzig Jahren pauschal mit allen deutschsprachigen Autoren gemacht hätte? Wo wären da Irmgard Keun, Stefan Zweig, Thomas Mann, Anna Seghers und ihre Sicht auf die Welt geblieben? Es gab eine Gesangseinlage und dann ein Orgelstück und Mittwoch, um zwölf ein Presseauftritt zum Gastland Österreich im nächsten Jahr.

Am Donnerstag ging es dann am blauen Sofa, das von irgendeiner Halle gestreamt wurde mit einer potugiesischen Stunde weiter und um zwölf gab es den Presseauftritt zum Gastland Österreich in der Schaubühne Lindenfels mit Oliver Zille, dem Messedirektor, Andrea Mayer der Kunststaatssekretärin, Katja Gasser, die das inhaltliche Konzept erstellte und Benedikt Föger vom Hauptverband. Oliver Zille lobte das Österreich Cafe auf der Messe, wo es den besten Cafe gab, jetzt natürlich nicht und Andrea Mayer setzte fort, daß sie die Neugier des Lesepublikums auf die österreichische Literatur wecken will.

Benedikt Föger stellte dann die mittelständige österreichische Verlagsstuktur, es gibt ja keine Großkonzerne, vor.

Dann kam Katja Gasser mit der Programmpräsentation, stellte eine Plakataktion vor und zitierte Jury Andruchowiystch, den ukrainische Autor, der “Mut und Entschloßenheit statt Tränen” forderte. Auf den Plakaten “Mea ois wia mia”, werden Elfriede Jelinek, Tanja Malajartschuk, Thomas Stangl, etcetera zu sehen sein und am Abend geht es in der “Schaubühne” schon mit einer “Wilden Nacht der österreichischen Literatur” los, aber da werde ich mir die “Wien-Reihe” in der “Alten Schmiede” geben.

Im März 2023 gibt es dann ein Leuchtturmprojekt des Literaturmuseums mit einer Sonderschau der österreichischen Publikationen der letzten fünfzig Jahre geben, das Burgtheater wird sich präsentieren und eine Sonderschau von Maria Lassnigs Werke wird es auch gehen, sowie österreichische Literaturverfilmungen, da sich Österreich, wie Andrea Mayer ergänzte, als modernes Kunstland präsentieren will.

Auf dem Sofa präsentierte inzwischen der Schauspieler Rainald Grebe sein Buch über seine Krankheit und sein Leben “Rheinland Grapefruit”, während Thorsten Jantschek mit Wolfgang Ullrich über “Die Kunst nach dem Ende ihrer Autonomie” diskutierte und der 1959 in Berlin geborene Torsten Schulz präsentierte seinen bei “Klett -Cotta” erschienen Roman “Öl und Bienen”.

“Best of Sofa” gab es auch, da wurde 2013 Sven Regner präsentiert, Herta Müller, Martin zum Nobelpreis, der glaube ich 2009 erfolgte, gratuliert, Martin Walser stritt mit der Moderatorin über die Düsternis bei “Messners Momente”, Carolin Ehmke etc.,so daß man gleich sein literarischen Wissen aufpolieren konnte.

Dann kam Katja Gasser live auf das Sofa und stellte Daniel Wisser Katja vor, der in “Der erfundenen Frau” von einer Frau Ilse las, die mit einem Hund bei Louis Vuitton eine Tasche kaufen wollte.Katja Gasser fragte dann nach dem österreichischen Humor und Daniel Wisser antwortete, daß er Schwierigkeiten mit dem österreichischen Quotenlabel hätte.

Wiebke Porombka stellte dann Gregor Sanders Buch “Lenin auf Schalke” vor.

Dann ging ich in die Glashalle, wo der Messedriektor am Podium stand und eine Brandrede gegen den Krieg hielt und dann die heurige Jury zur Verleihung des heurigen Preises der Buchmesse vorstellte.

Insa Wilke ist da die Vorsitzende und stellte die restliche Jury vor und dann ging es durch die fünfzehn Bücher, beginnend mit der Kategorie Übersetzung, von der ich ja noch nichts gelesen habe, nur das dicke Finnische “Im Saal von Alastalo” übersetzt von Stefan Moster und dann Cecile Wajsbrot “Nevermore” übersetzt von Anne Weber, eine Übersetzerin übersetzt eine Übersetzerin, die Virginia Woolf übersetzt und Überraschung das Buch hat gewonnen. Ich freue mich auf das Lesen, was noch etwas dauern wird und dann kam die Sachbuchreihe, da habe ich die “Fußreise des Fluchtwegs” von Christiane Hoffmanns Vater und dann noch die Essays und Reden von Uljana Wolf, die ein Sachbuch über das Übersetzen von Lyrik geschrieben hat, was auch zu mir gekommen ist und sich offenbar auch mit dem Thema Übersetzen beschäftigt und noch einmal Überraschung auch dieses Buch, das sehr ästhetisch aussieht ,hat gewonnen, da kann man nur auf die Belletristik gespannt sein.

Da habe ich ja den Darth gelesen, weil er auf der deutschen Longlist stand, den Tomer Gardi muß ich noch lesen, das Buch der Heike Geißler täte ich gern, wie ich ja auch gerne das Buch über Hannah Ahrendt lesen würde. Dann stehen noch Katarina Poladjan und Emine Sevgi Özdamar auf der Liste.

Da habe ich mir gestern einen Podcast über die fünf Bücher angehört, interessant, daß vier der Autoren in Kagenfurt gelesen haben und spannend jetzt welches Buch passt zu den Übersetzungsbüchern, natürlich das, wo ein israelischer Autor die deutsche Sprache neu erfindet und auch das halbe Buch übersetzen ließ und von der Verteilung zwei Frauen und ein Mann passt es auch. Man sieht alles geht, um die Übersetzung, in Zeiten, wie diesen wahrscheinlich besonders wichtig und spannend auch, daß ich alle drei Bücher lesen kann.

Dann gings zurück aufs blauen Sofa, wo Jan Weiler aus seinem “Markisenmann” las, wo eine wohlstandsverwahrloste Tochter einen Sommer lang zu ihrem ihr unbekannten Vater muß, der davon lebt alte DDR-Markisen zu verkaufen.

Guy Helmingers neues Buch heißt “Lärm” und das von Hilmar Klute, den ich ja schon zweifach gelesen habe “Die schweigsamen Affen der Dinge”, das glaube ich zu mir kommen sollte und wo es auch um einen schwierigen beziehungsweise abwesenden Vater geht.

Das wars dann eine Stunde machen und dann zur Wien-Reihe in die “Alte Schmiede”, während es am Freitag am Sofa mit Katja Gasser weiterging, die die 1992 in Graz geborene und in Berlin lebende Marie Gamillscheg, deren Debut ich gelesen habe, interviewte. Ihr neuer Roman heißt “Aufruhr von Meerestieres” und scheint von einer Meereswalnuß und einer Biologin namens Louise, die eine unverläßliche Erzählerin ist, zu handeln.

Dann kam der Sozialsenator von Neukölln Falko Liecke auf die Bühne, der ein Buch über den “Brennpunkt Deutschland” geschrieben hat, das die sozialen Probleme von Neukölln aufzeigt und der dabei sehr radikale Ansichten, wie Wegnahmen von Kindern, etcetera, hatte dann kam der 1981 geborene Philosoph Daniel Pascal Zorn, der ein Buch über “Die Krise des Absoluten” geschrieben hat.

Die türkischstämmige 1986 in Karlsruhe geborene Fatma Aydemir präsentierte anschließend ihren zweiten Roman “Dschinns”, wo sie mit dem Moderator diskutierte ob es sich dabei um einen Familien oder einen Migrationsroman handeln würde, der um die Familiengeheimnisse einer kurdischen Familie handelt.

Dann kam die 1974 in Hamburg geborene Lucy Fricke, die mit ihren Roman “Töchter” einen großen Erfolg hatte und sich jetzt mit “Der Diplomatin” nach Montevideo begibt.

Dann kam die 1980 geborene Schauspielerin und Künsterin, die sich sehr mit katholischen Motiven, wie einer “Päpstinnengalerie” oder einen “Katholikenbus” beschäftigt und die einen Roman über ein dreizehnjähriges eßgestörtes Mädchen geschrieben hat, das über ihre Probleme nicht sprechen kann. Interessant, interessant und dann kam wieder Katja Gasser mit Karl Markus Gauß, um ihn zu seinem letzten Buch aber auch über die Ukraine zu befragen.

Den Nobelpreisträger Abdulrazak Gurnah und seinen “Fremden Gestaden”, habe ich dann versäumt, weil ich mir eingebildet habe, im Garten aufzuräumen, um mich demnächst hinauszusetzen.So bin ich erst wieder zu dem 1962 geborenen Spiegel-Autor Dirk Kurbjuweit, von dem ich wahrscheinlich, das Afghanistan-Buch habe und wenn ich mich nicht irre, auch schon in Klagenfurt gelesen hat, gekommen, als dessen “Ausflug” besprochen wurde. Das macht eine Klassengemeinschaft jedes Jahr. Sie mieten sich ein Boot und fahren dann ein paar Tage lang in der Gegend herum. Nur einer davon ist ein Schwarzer und sie fahren durch eine sehr abgelegene Gegend. Eine No go area, wie die Politjournaisten sagen würden. So werden sie gejagt, haben keinen Handyempfang und tun dann wahrscheinlich das, was auch in dem Dorf geschehen ist, das einmal von einer alten Dame besucht wurde.

“Wow!”, habe ich gedacht.

Ich würde mich nicht trauen, das zu schreiben, weil da alle “So darf man nicht schreiben!”, schreien könnten. Dirk Kurbjuweit aber schon und die Luxemburgerin Julia Holbe hat ein Buch über eine Paartherapeutin geschrieben, die darauf kommt, daß sie von ihrem Mann betrogen wird und ein neues Leben beginnt. Das Problem ist, daß sie ja Spezialistin für Paarbeziehungen ist. Alles davon versteht. Nur bei sich selbst hat sie es nicht bemerkt und das ist etwas, was ich manchmal bei mir befürchte, daß ich den Balken im eigenen Auge nicht sehe, obwohl ich ja über die Problemen der anderen so gut Bescheid weiß und der Kulturwissenschaftler Philipp Felsch hat in einem Buch beschrieben “Wie Nietzsche aus der Kälte kam.”

Dann kamen noch einige politische Bücher, der Historiker Michael Wildt erklärte in der “Zerborstenen Zeit”, die Geschichte um den zweiten Weltkrieg und die Sachbuchpreisnominierte Christine Hoffmann, deren “Alles was wir nicht erinnern- zu Fuß auf dem Fluchtweg meines Vaters”, auf meiner Leseliste steht. Von da wurde ich dann abrupt zu OE24 zurückgerufen, denn um sechs gab es da eine Pressekonferenz, wo der Gesundheitsminister, der gerade vierzehn Tage im Amt ist, wieder die Maskenpflicht einführen mußte. Ab Mittwoch, um die Verordnung verfassungsmäßig richtig hinzubekommen. Wozu denke ich wieder? Wenn jemand Angst hat, setzt er sich eine Maske auf und wenn nicht riskiert er, daß er eine Grippe bekommt und das Gesundheitssystem aufzurüsten, wär sicher viel viel besser, als die vielen Massentests, aber die werden bestimmt wieder eingeführt, da bin ich sicher. Da machen die Medien schon genügend Druck, daß wir aber so nie zur Normalität zurückkommen, wurde leider wieder mal bestätigt und um dann zurück zum Krimispeeddating, wo Andreas Brandhorst sein “Bitcoin-Komplott”, Romy Fölck ihr “Nelbelopfer” und Ralph Langroth sein “Ein Präsident verschwindet”, ein Buch das ich demnächst lesen werde und wo es um eine wahre Geschichte, nämlich den nach Reupublickgrünung in den Osten entführten Politiker Otto John geht, vorstellten. Das wars dann, glaube ich, obwohl es in Leipzig ja noch eine “Popup-Messe” und viele Veranstaltungen gibt. Da muß man aber, glaube ich, vor Ort sein. Also mal sehen, was ich noch von der nicht stattfindenden Messe mitbekomme und bis dahin war es wieder interessant.

Lesestoff habe ich, wie man sieht genug, die Buchpreisbücher, den “Rowohlt-Krimi” und dann noch einen Haufen anderer Bücher und literarische Programme gibts in Wien auch und so werde ich mich demnächst ins Literaturhaus streamen.

Langeweile

Kremayr&Scheriau, wo ich mich seit ein paar Jahren durch die Literaturschiene lese, hat eine neue Essayreihe und zwar werden da die Themen “Hoffnung”, “Offenheit”, “Angst,” etcetera abgehandelt und die 1976 geborene Isabella Feimer von der ich schon einige Bücher gelesen Langeweile” ausgesucht.

Langeweile was ist das? Die Psychologin würde das als eine negatives Gefühl und als Zeichen, das etwas nicht stimmt, bezeichnen, als Möglichkeit dann etwas zu verändern. Also nachzuschauen warum ist mir langweilig und wie kann ich das verändern? Isabella führt die Beispiel an, daß sie früher als Fließbandarbeiterin oder als Verläuferin arbeitete, Arbeiten die ihr langweilig waren, so daß sie am Abend dann gelesen und geschrieben hat. Da ist es wahrscheinlich etwas schwierig sich einen spannenderen Job zu suchen, aber das Lesen und das Schreiben oder ein anderes Hobby, als Kompensation ist sicher eine gute Idee.

Isabeller Feimer hat sich für den Essay durch sämtliche Philosphen gelesen und führt deren diesbezglichen Ztate an. Haidegger, Benjamin, Nietzsche, etcetera haben sich damit beschäftigt, dann kommt sie zu ihrer Freundin Eva, einer Wissenschaftlerin, die ihr einen Tag voller Langeweile verspricht. Auf den ersten Blick habe ich mich da gefragt, was soll das? Aber wenn man etwas hinter die Kulissen schaut, kommt man bald zur Depression oder zum Herrn von Lips aus dem “Zerrissenen”, der ist reich und dem ist fad , weil er alles hat und der gewiefte Nestroy hat ihn da in eine Krise gebracht, so daß er seine Langeweile überwinden konnte und das nächste ist die Achtsamkeit, die ja jetzt sehr modern ist, also alles langsam und mit voller Aufmerksamkeit zu betrachten. Eine Zwiebel zehn Minuten anschauen oder bewußt das Kochen beobachten.

Das ist für mich auch ein psychologische Phänomen und daher gut und wichtig alles langsamer zu machen und nicht von einem Termin zum nächsten zu hetzen und dann ein Burnout zu bekommen. Die Freundin schüttet also einen Sack Linsen und Reis vor Isabella Feimer auf und sagt ihr, sie soll sich jetzt zehn Stunden lang damit beschäftigten. Was passiert? Ich denke so lange es Sinn macht, soll man sich damit beschäftigen, wenn ich zum Beispiel ein Problem habe, was ich überdenken will, kann mir das Erbsen zählen dazu helfen, wenn mir dann aber langweilig wird, würde ich es Aufgeben und ich denke man soll mehr beachten wann und wo einem langweilig ist und sich dann fragen, wie kann ich diesen Zustand abstellen?

Dann kommt Isabella zur Pandemie und fragt sich, wie das dort mit der Langeweile war? Da denke ich, wenn ich immer sehr aktiv und hektisch war und plötzlich sitze ich zu Hause und weiß mich nicht zu beschäftigen, kann das ein Problem sein. Während die Mutter im Homeoffice, die noch Homeschooling für ihre drei Kinder machen mußte, damit wahrscheinlich kein Problem hatte.

Rilkes Panther”, der hinter seinen Stäben hin- und herläuft, ist wahrscheinlich langweil,ig schreibt Isabella Feimer, der ist wohl gestört, füge ich an und die Pandemie wird auch noch öfter besprochen.

Was mich an dem gut recherchierten Buch stört, sind die langen Passagen, die auf Englisch erfolgen und dann geht es zur Kunst.

Da wird das Motiv mit der “Frau am Fenster” thematisiert. Isabella Feimer erwähnte, daß das aus dem Fenster schauen vor den Fernsehzeiten, als beliebte Freizeitbeschäftigung angegeben wurde.

Da frage ich mich auch, ob das ein Motiv der Langeweile ist, denn das Geschehen, um sich herum zu beobachten, kann interessant sein. Kommt wahrscheinlich darauf an, wo sich das Fenster befindet und regt auch zu Klatsch und Tratsch und vielleicht auch zum Intrigenspinnen an.

Der Tag der Langeweile, den die Freundin Eva Isabella Feimer verordnete, bestand außer dem Reis zählen auch im Ansehen des langweiligsten Films und Videos, beispielsweise, wie sich Schnecken fortbewegen. Das führt dann dazu, daß man Langeweile auch als lange Weile interpretieren kann und das ist dann etwas ganz anderes, führt zur Langsamkeit und Geduld, etwas was in Zeiten wie diesen, wo alles scnel lschnell sein muß, nicht besonders hoch angesehen ist.

Das Gegenteil von Burnout ist ja das Boreout und das, das habe ich schon festgestellt, ist oft ein Signal das etwas nicht stimmt und das man etwas verändern sollte.

So meint auch Isablla Feimer, daß aus der Langweile oft die größten Kunstwerke entstanden sind und in der Schlußbemerkung reflektiert sie darüber, was ihr die Beschäftigung mit diesem Thema gebracht hat und dankt ihrer Freundin Eva Waibl und den Künstlerinnen Claudia Bitter, Anna Rottensteiner sowei ihren Ehemann für die Unterstützung sie bei diesem Thema zu begleiten und ich merke an, daß mich das Lesen dieses Büchleins, das ich eigentlich für sehr abstrakt, fand zu Gedanken über die Langeweile inspiriert hat, die ich bisher eigentlich nicht für so interessant empfunden habe.

Also vielen Dank für diesen Essay und es ist wahrscheinlich gut, sich Gedanken über Themen wie “Sorge” “Offenheit” etcetera zu machen.

Wieder Slam B

Das müßte jetzt der hunderterste Slam B sein, zu dem ich frisch von Leipzig zurückgekommen bin. Diana Köhle im schwarzen Glitzerkleid erklärte die Regeln, neun Teilnehmer und auf Wunsch des Publikum wurde diemal immer nur drei Kanditaten ausgelost.Diana Köhle ließ das Publikum dann auch den per Stream Zusehenden zuwinken und Opferlamm gab es diesmal keines, weil eine Kathararina an Covid getestet wurde und die erste Kanditatatin, die eigentlich das Opferlamm wäre, also die Siegerin vom letzten Mal war Sandy Gomez. Warum das so war, habe ich nicht ganz verstanden, aber Diana Köhle hat manchmal eigenwillig und Sandy Gomez begann gleich vom Klo und vom Gacken zu sprechen und ihr Slam handelte auch davon, was höchstwahrscheinlich ein heikles auf jeden Fall wahrscheinlich geruchintensives Thema ist.

Karl Kaisermühlen war dann der zweite Kanditat, neu beim Slam und schon ein älterer Herr und wieder eigenwillig von der lieben Diana, spricht sie jetzt alle gegendert an, was ich eigentlich ein bißchen komisch finde und der Text begann mit “Mutter Erde kommt zu Vater Mond”, erwähnte Wladimir Putin und das, was jeder einzelne tun kann, um die Welt zu verbessern. Dann zum Herrn, der Manna regnen ließ und dem “Felber, der alles selber macht” und die Lösung hieß “Die Welt kann gesunden, läßt du dir altes Brot munden”, wurde eher konventionell im Wiener Dialekt gereimt.

Kanditatin drei, Melanie, war offenbar auch das erste Mal dabei, wäre gern lustig und würde das Publikum gern zum Lachen bringen, kann aber nur gut schreiben, wenn es ihr schlecht geht. Das war die Einleitung, dann gings zu ihren Datingerfahrungen und endete dann doch ganz gut und so hat die Melanie die Runde eins dann auch gewonnen, obwohl mir der Karl origineller erschien.

Die zweite Runde begann auch mit einer Newcomering, offenbar ist das der zweiten Hunderterrunde geschuldet, Bisera, auch eine eher ältere Frau, mit, wie sie sagte, vier eher melancholischen Texten, kurzen Gedichten, die von Herz und Schmerz in Wien, der Strudlhofstiege, einem Hotdog aber auch von einer Japanerin handelte.

Die nächste Kanditatin Liesi oder Elisabeth Swoboa war auch schon mittelalt und Newcomerin, also ein ungewöhnlicher Slamabend, die erwähnte, daß sie keine Politikerin wäre, aber viele Ideen für die hätte und die trug sie dann auch vor.

Leonie May, diesmal jünger, aber auch zum ersten Mal auf der Bühne, hatte, wie sie sagte, einen ihren Gefühlen geschuldeten Text, der “Tagen wie diese” hieß und eher in der typischen Slammanier, die mir bisher fehlte, performiert wurde, weshalb sie die Runde vielleicht auch gewonnen hat.

Runde drei begann, glaube ich mit einem Bekannten, nämlich Chris Soukop, der mit starker Stimme, die Frage klärte, “Warum die Kirche Angst vor Frauen hat?” , etwas, was ich schon immer wissen wollte und interessant auch, daß er Chris mit grüner Maske agierte, was man jetzt, glaube ich, auch darf, wenn man positiv ist, wenn man das Slamen als Arbeit betrachtet, nur Zuhören wäre nicht erlaubt.

Elena Sarto war wieder eine Newcomerin, eine junge Frau mit Kappel und gewohnten Slamersound, die im Gegensatz zu ihren Vorperformern, immer wieder “Ich bin ich, aber nicht dein Unterhaltungsprogramm!”, betonte und die neunte in der Runde, schon lange nicht mehr auf der Bühne, wie sie von Diana Köhle begrüßt wurde, also keine Newcomerin, Katharina Wenty hatte es auch biblisch und ein Gebet, nämlich dem “Plastik unser, wie du schwimmst im Ozean, wie im Himmel und auf Erden!”, denn es ist ja schon fünf nach zwölf”

Elena Sarto kam dann ins Fiale, das von Melanie begonnen wurde, die sich in den Bereichen Wohnen, Fortgehen, Essen, Datingapps, Freundschaften, Social Media, Verpflichtungen, etcetera mit dem Älterwerden beschäftigte.

Leonie May slamte von einem Baby mit dem sie gleichberechtigt sein wollte. Passend also zum Frauentag “Baby laß uns die Welt so gestalten, daß sie uns allen gefällt”.

Elena Sarto slamte dann von der “Emma und dem Subwayparadoxon”, die nach der Matura zum Subway geht und die völlige Freiheit hat, sich zu entscheiden, zu werden, was sie will, also ebenfalls ganz schön feministisch, aber wahrscheinlich nicht ganz der Realität entsprechend.

Spannend also die Themen des heutigen Abend, Gefühlte, Feminismus, Kirche. Corona und diesmal auch die Politik, beziehungsweise der Krieg in der Ukraine wurde diesmal kaum thematisiert, was vielleicht an den vielen Newcomerinnen lag.

Obwohl ichs wieder anders hörte, hat Melanie gewonnen. Ich hätte mich zwischen den beiden feministischenen Texten entschieden oder beide gewählt. Elena Sarto war dann die zweite Siegerin und Platz bekam Leonie May.

Applaus, Diademe, die man wieder zurückgeben mußte und Bücher für die Siegerinnen und die nächsten Slam-Termine werden am 22. April und am 3. Juni sein.

Mal sehen, ob sichs ausgeht und, ob man dann schon live zuhören kann, obwohl die Maskenpflicht in Innenräumen wegen der hohen Fallzahlen, ab Mittwoch wieder in ganz Österreich gelten wird.

Und am Abend in die Wien-Reihe

Während in Leipzig in der Schaubühne Lindenfels das “Wilde Österreich”, der Auftaktabend zum Gastland Österreich startet, bin ich brav in die “Alte Schmiede” gestreamt, weil dort ja wieder ein “Wienreihe-Abend” angesagt war und das passt irgendwie ganz gut, sich da in die Lteratur von Marianne Strauhs und Elena Messner, zwei mir eher unbekannte Autorinnen, obwohl ich mit einer von ihnen schon einmal am Volksstimmefest gelesen habe einzuhören, dann wurde es aber aus den bekannten Gründen, wie Johanna Öttl geheimnisvoll sagte.

Aha, Corona ja, zwei von den sechzigtausend Fällen die derzeit grassieren und da hat Julia Danielcyck umdisponiert und stattdessen Theresa Eckstein und Bettina Balaka eingeladen.

Und Theresa Eckstein, die Film und Medienwissenschaft studierte, am jüdischen Museum arbeitete, hat ein Dramatikerstudium bekommen und stellte ihr Projekt “Ida” vor. Eine alte Jüdin, 1921 geboren, die mit ihren polnischen Betreuern im zweiten Bezirk spazieren geht und dabei ihre Geschichte von der jüdischen Verfolgung, da 1921 geboren durchgeht und nicht loslassen will.

Dann kommt ein zweiter Strang, da sind Malci und Ida Mädchen, Krankenschwester, die sich im Nazi- Wien bei jüdischen Familien und einer Hausmeisterin versteckten, beziehungsweise ohne Stern spazieren und ins Kino gehen.

Julia Danielczyk fragte dann, wie das mit dem Erzählen über die traumatischen Erlebnisse ist? Theresa Eckstein hat schon einen Film mit Gesprächen mit Zeitzeuge über dieses Thema gedreht “Überweiterleben” und berichtete über ihre Erfahrungen mit den Gesprächen mit den Zeitzeugen, die es bald nicht mehr geben wird und meinte, daß es für sie wichtig ist in ihren Projekten auch vorzukommen. Die zweite Frage betraf das Thema Angst, die Ida in den Knochen steckte und die daher keine <kinder bekommen hat. Julia Danielczyk kam dann auf Elfriede Gerstl zu sprechen, die sich als Kind mit ihrer Mutter auch sehr lang verstecken mußte und die, wie sie meinte ihr Leben lang von Angst geprägt war, aber keine Anne Frank sein wollte. Interessant, daß der nächste “Autorinnen feiernn Autorinnen Abend” Elfriede Gerstl gewidmet sein wird und da wird Sabine Scholl die Festrede halten.

Die 1966 in Salzburg geborene Bettina Balaka hat eine solche Rede schon gehalten oder hätte sie halten sollen, weil durch Corona bzw. dem Terroranschlag im November 2020 dreimal verschoben. Die bei Mandelbaum herausgekommene Broschüre über Eugenie Schwarzwald , die da geehrt wurde, gibt es aber schon und die 1872 geborene Eugenie Schwarzwald ist eine berühmte Schulgründerin und Sozialreformerin und hatte in der Herrengasse eine Schule, wo Hilde Spiel, Anna Freud und Vicki Baum ,ihre Schülerinnen waren. Bettina Balaka kam zuerst zur Aussprache ihres Vornamens, französisch oder nicht und kam dann auf die Schriftstellerin zu sprechen, die sie dem Publikum gern nahebringen wollte.

Da gibt es eine Geschichte von den “Zwei Ochsen von Topolschitz”, die Eugenie Schwarzwald für ein Sommerlager brauchte, die aber nie eingetroffen sind, obwohl immer diesbezügliche Telegramme kamen.

Die zweite Geschichte betrifft das Dienstmädchen Marynja mit dem heißen herzen, für die die neunjährige Eugenia einen Liebesbrief schreibt, weil sie von ihrem Freund versetzt wurde, wobei ich stark an die Novelle “Die Gouvernante” vom Stefan Zweig denken mußte, obwohl die Schwarzwald Geschichte gut ausgeht, weil Marynja schließlich geheiratet wird, woran sich Bettina Balakas Frage nach dem Kitsch stellte.

Daniela Danielczyk fragte dann warum Eugenie Schwarzwald zwar als Sozialreformerin aber nicht als Schriftstellerin bekannt wurde und meinte, daß es die kleine Form ist, Eugenie Schwarzwald hat nur Feulletons aber keine Romane geschrieben hat, aber sehr hilfsbereit und sehr durchsetzungsfähig war.

Nach der Diskussion über die Mädchenbildung, stellte Julia Danielczyk noch die Frage nach der Fiktion, wie macht man es, wenn man einen Roman über den ersten oder zweiten Weltkrieg schreibt, muß man die wie Erich Hackl nur dokumentieren oder kann man auch etwas erfinden, also über Juden schreiben, wenn man beispielsweise keine Jüdin ist, Bettina Balaka meinte, daß man Rechtschreibregel ,brechen kann, wenn man sie beherrscht und meinte daß sie je weiter sie in die Geschichte zurückgeht sich mehr zu erfinden traut, etwas was beispielsweise auch meine “Wiener Verhältnisse” oder “Paul oder Paula” betraf, wo man mir mehr oder weniger deutlich sagte, daß ich das nicht dürfe.

Am Schluß wies Julia Danielczyk noch auf die “Frau mit dem Zauberstab” hin, wie Bettina Balakas Festrede auf Eugenie Schwarzwald heißt.

In Quarantäne

Am fünften März gabs bei uns den “Freedomday” mit Ausnahme Wiens alles geöffnet und auch kein 3 oder 2G mehr und Maske nur mehr im Lebensmittelhandel. Da waren die Zahlen, glaube ich, bei dreißigtausend, was mich auch zu meinem Schizophrenie-Artikel veranlaßt hat und der Titel “Freedomday” hat auch ziemlichen Widerstand erregt, weil man das in Süfafrika so nannte, als dort die Apartheit vorüber war und Apartheit nein, davon kann man ja bei einem Lockdown für Ungeimpfte und der Tatsache, daß man eine Zeitlang seinen Impfausweis und seinen Paß herzeigen mußte, wenn man sich Schuhe oder einen Bleistift kaufen wollte, auf keinen Fall sprechen und ich finde den Begriff eigentlich auch nicht gut, denn meine Freiheit habe ich bei diesen Maßnahmen ja nicht verloren und lasse sie mir daher auch nicht mit Dankbarkeit und Hurrahgeschrei nicht wiedergeben und da gab es am fünften März ja die Ukrainekrise, den Angriff Putins auf diesen Land und keiner sprach mehr vor Corona. Das war bei dem Anschlag in November 2020 und beim Rücktritt Sebastian Kurz ebenso.

Trotzdem wurden die Diskotheken in der Nacht auf den fünften März gestürmt und es gab auch immer das Geschrei, daß das Ende der Maskenpflicht in den Schule am Platz zu gefährlich ist, andererseits habe ich eher wegen den psychischen Schäden, mangelnde Konzentration, Erhöhung des ADHD, etc, die das anrichten kann, Bedenken und ich war ja, weil ich keine Masken und Tests mag ohnehin sehr vorsichtig und habe vermieden.

Mache meine Stunden telefonisch, gehe zu Fuß und da in Wien nur auf die Bank oder auf Demos und da war ich die letzte Zeit nicht, weil die Impfpflicht ja bis Juni ausgesetzt wurde und da dachte ich, warte ich mal ab, wie es weiter geht und in Harland Radfahren und da merkte ich schon zu Weihnachten meine Kondition läßt nach, was ja auch nicht gut ist, war ich ja eine, die sich immer Viren aussetzte, da weil ich dachte, das trainiert mein Immunsystem, wenn das aber künstlich verhindert wird, weil die Immunisierung nur auf die Impfung verschoben wird, die aber ohnehin nicht so wirkt, weil man immer noch ansteckend ist und sich auch infizieren kann und ich hatte auch Bedenken ob ich mich im April bei der “Literatur und Wein” wirklich in den Brunnensaal setzen soll, wenn die Infektionszahlen so hoch sind und da schrie ja die Wirtschaft und die FPÖ alles öffnen. Die Experten schrieen, das ist viel zu früh und Gesundheitsminister Mückstein schmiß das Handtuch und trat zurück und ich bin mit dem Alfred am sechsten März mit Erika Parovskys WUK- Seniorengruppe und der Ruth durch den Schloßpark Lxenburg gewandert und haben dann in einem Restaurant endlich wieder mal gut gegessen und einen “Hugo” getrunken. Es haben sich zwar meine Schuhsohlen abgelöst, aber das war kein Problem, weil ich ja auf den Alfred und das Auto warten konnte, statt eine halbe Stunde lang zurückzugehen.

Am Freitag hatte der Alfred starke Gliederschmerzen und fühlte sich schlapp. Dann rief der Karl an und erzählte ihm, daß zwei Leute von der Kuba-Gruppe positv wären. Die Gliederschmerzen waren dann bald weg, bei mir stellte sich ab Montag eine Verkühlung und heute eine Kreislaufschwäche ein und der Alfred, der unbedingt zu den Grünen wollte, um ihnen zu sagen, daß sie aus der Regierung treten sollen, was die zwar bestimmt nicht tun werden, ging gestern zum Test und sagte, du hast nur eine Verkühlung und das hatte die Enkeltochter, die von ihrem Kindergarten ständig in Quarantäne geschickt wird, wenn dort ein Kind oder eine Betreuerin positiv getestet wird, auch und als er mit dem Testergebnis nach Hause kam, war es, wie ich schon sicher war, positiv. Zwar an der Grenze und eigentlich nicht wirklich, aber trotzdem Freitesten nach fünf Tagen, was für mich etwas schwierig ist, weil mein Telefon spinnt und bricht während den Stunden immer wieder ab und am nächsten Montag sollte eigentlich der Techniker kommen, weil wir am Freitag, wo er schon kommen wollte in Harland waren und während dem steigen die Zahlen weiter und weiter, sind jetzt schon bei fast sechzigtausend und OE24 und wahrscheinlich auch viele anderen drehen durch und schreien “Neue Maßnahmen müßen her!” und ich kann jetzt beobachten, wie negativ sich das Omikron-Virus bei Ungeimpften auswirken. Die kriegen ja schlimme Verläufe hört man immer, während es sich bei den Geimpften, die ja auch davon betroffen sind, in leichten Krankheitsverläufen auswirken soll.

Das kann ich jetzt selber testen und ich bin auch der Ansicht, daß wenn das Virus durchgerauscht ist, das Problem vorbei sein könnte, wenn man es nur ließe und das mit den Massentests beenden würde. Das hat der neue Gesundheitsminister, der mir eigentlich ganz vernünftig erscheint, auch vor und damit sich die Leute, die vielleicht ängstlich sind und dafür habe ich großes Verständnis, nicht aufregen, bekommen die zweimal fünf Gratistests im Monat.

Mal sehen, wie sich das weiterentwickelt, eigentlich könnte man davon ausgehen, daß die Pandemie, wenn das Virus erst durchgerauscht ist vorüber ist und als Epidemie weiterbehandelt wird, wie ich ganz am Anfang hörte. Aber weil alle so durcheinander sind, hört man jetzt wieder, neue Maßnahmen müßen her und im Herbst kommt der nächste viel gefährlichere Virus und da muß dann wieder eine Impfpflicht her und vorläufig wieder eine allgemeine Maskenpflicht im Innenraum, die ja angeblich zu fünfundneunzig Prozent schützen, wenn sie richtig aufgesetzt wurden und zu neunzig, wenn schlampig.

Da frage ich mich schon, wo steigen die Zahlen dann an, wenn man im Lebensmittelhandel ohnehin Masken tragen muß? In der Disko richtig und da breiten sich die Infektionen aus und ich bin gespannt und beobachte, wie es weiter geht, wie krank ich werde oder ob Omikron, wie man immer hört, ein sehr harmloses Virus ist, das man eben bekommt, wenn man auf die Straße oder in einen Innenraum geht und dann einen Schnupfen bekommt, wenn man es überhaupt merkt.

Raphael Bonelli, der kritische Psychiater hat ein interessantes Video über die Zwangsneurose gemacht und, daß der Neurotiker nicht loslassen kann, sondern immer dasselbe wiederholen muß, damit sein System nicht zerbricht. Das stimmt wahrscheinlich. Nur soweit es die Politiker betrifft, sind die in einer Zwickmühle. Die einen schreien “Alles öffnen, sonst gehen wir kaputt!”

Die anderen “Das ist gefährlich und unverantwortlich und nur keine Herdenimmunität, denn das wollen wir nicht!”

Das muß schon, denke ich der Einzelne mit seiner Eigenverantwortlichkeit überdenken. Wenn der sich fürchtet, geht er halt nicht in die Disko oder ins Restaurant und setzt im Innenraum Maske auf. Aber die Grippenwellen früher waren auch nicht so harmlos. Man hat sie aber Jahr für Jahr durchgemacht ohne hysterisch zu reagieren. Dahin müßten wir zurück. Da die Zwangsneurose loslassen und wieder zur Normalität zurück, was aber bei der Angsthysterie, der letzten zwei Jahre eher schwer ist und dann sind wir durch den Ukrainekrieg in einer anderen Krise. Die Energiepreise steigen an, alles wird teuer, die Inflation explodiert und in den Supermärkten gibt es schon Lebensmittelknappheit, zumindest sind da die Zahnbürsten ausverkauft, die man für die ukrainischen Flüchtlingen braucht und natürlich muß wer all die Tests, die Impfdosen und die Masken bezahlen. Daß da auch viel Abfall erzeugt wird, ist ein anderes Thema, das Ministerin Gewessler eigentlich interessieren sollte, obwohl ich darüber noch nichts hörte.

Ballade vom Tag, der nicht vorüber ist

Den 1946 geborenen Gert Loschütz, der 1957 mit seiner Familie von der DDR in den Westen geflüchtet ist, habe ich durch das Buchpreislesen kennengelernt, stand er da doch 2018 und 2021 auf der Longlist und da war immer die DDR das Thema und, weil er mit dem “Besichtigung eines Unglücks”, das mir gar nicht so gut gefallen hat, bekannt geworden ist, hat er oder sein Verlag sich entschlossen, habe ich bei “Amazon” gelesen, seinen 1990 erschienenen Roman “Flucht” unter dem Titel “Ballade vom Tag, der nicht vorüber ist” nochmals herauszugeben und schreibt auf der letzten Seite, daß sich 1990 der Titel” Flucht” eindeutig von Ost nach West bezog, jetzt ist das anders, so hat er den Titel gewählt, “Den die Geschichte immer für mich hatte.”

Er passt auch besser, füge ich an, ist es doch ein sehr künstlerischer Roman, kompliziert und vielschichtig, mit dem er das Trauma bewältigt, daß der kleine Karste Leiser erlebte, als ihn seine Mutter zehnjährig, einmal aufweckte und “Wir gehen spazieren sagte!”

Dabei haben sie das nie getan und schon gar nicht in der Nacht.

“Sieh dir alles genau an, denn du wirst es nie wiedersehen!”, sagt die Mutter und am nächsten Tag verlasst sie mit ihm den Ort Plothow, sein Fahrrad hat sie an eine Christine verschenkt und reist nach Wildenburg. Den Vater gibt es irgendwie auch, der versucht eine Kamera zu verkaufen, weil die Familie für den Neustart Geld benötigt und ein Jahr später ruft ihn ein Lehrer im Gymnasium zu, er soll nach Hause gehen. Der Sitznachbar Burckhardt, der Antogonist mit dem Geigenkasten würde ich sagen, glaubt, er wurde hinausgeschmissen, er weiß aber die Mutter ist gestorben.

Jetzt ist er erwachsen und Reiseschriftsteller und erzählt in einer schlaflosen Nacht seiner Freundin Vera, die Geschichte, daß er jedes Jahr an diesem Tag offenbar eine Retraumatisierung erlebt. Ganz egal, wo er ist und er ist in Irland oder in Italien, wo er auch eine Zeitlang lebte. in Sardinien verläßt ihn eine Frau, weil er mit Mariam, die aus Pakistan gekommen ist, um in England Medizin zu studieren, spricht.

In Irland hat er ein deja vue mit diesem Burckhardt, der mit Frau und Kind dort abgestiegen ist und er ist auch ein unzuverläßiger Erzähler. So erzählt er Vera, er wäre in Plothow aus dem Zugfenster gesprungen und in Italien hat ihn dieser Burckhardt in einem Labyrinth mit einem Stein den Fuß zertrümmert, denn in Wildenburg, hat er ihn einmal den Geigenkasten zerdepscht.

Den Koffer mit dem er damals in den Westen ging, hat er immer noch, er versucht ihn auch loszuwerden, er kommt aber immer wieder zurück.

Interessant die Traumatisierung, die Gert Loschütz, der wie ich “Wiikipedia” entnommen habe, auch eine Zeitlang mit Elfriede Jelinek zusammenlebte, nicht loszulassen scheint und wenn ich das Buch auch als sehr konstruiert empfunden habe, denn es springt wild in den Zeiten hin und her, von der Chronologie keine Spur, weil das offenbar zu wenig literarisch ist, hat es mir, glaube ich, besser als die beiden anderen gefallen. Jedenfalls hat es die Psychologin, die sich mit Traumen beschäftigt, sehr beeindruckt. Obwohl man sich natürlich fragen kann, ob ein Verlassen der DDR in den goldenen Westen wirklich so traumatisch ist, daß man sein ganzes Leben lang daran denkt oder sich nicht vielleicht freut, die Diktatur losgeworden zu sein und jetzt kann man ja auch wieder dorthin zurückkehren.

Autorenmusik und Sprachkompositionen

In der “Alten Schmiede” scheint es Anfang März ja immer ein spezialles Hörspielprogramm zu geben. Da war ich vor zwei Jahren an einem Sonntagnnachmittag ja dort und dann nie mehr in der “Alten Schmiede”, und die Hörspielproduktionen, die es vorige Wochen gegeben hat, wurden aus rechtlichen Grünen nicht gestreamt, der zweiteilige “Sprechbohrer-Abend” mit Soundpoetry und einem Konzert mit Stimmen von Helmut Heißenbüttel, Elfriede Czurda, Elisabeth Wandeler-Deck, Florian Neuer, Karin Spielhofer und Barbara Köhler, also alle so weit ich sie kenne, experimentelle Autoren und Florian Neuner leitete auch ein und erklärte, was man bei “Sprachbohrer-Sprchkomposition”, die von Harald Muenz, Georg Sache und Sigrid Sachse zusammengestellt und performt wurden, beziehungsweise wird es mit den genannten Autoren auch an anderen Orte, wie in Linz wiedergegeben und einen kleinen Hörleitfaden gab es von Florian Neuner auch, wo er etwas über die performierten Autoren erzählte und in der “Schmiede” scheinen Programmblätter aufgelegen sein, wo man die Performance nachvollziehen und die verwendeten Texte nachlesen konnte.

“Auf ins Zwischenreich!”, beendete Florian neuner dann seine Einleitung, dann traten die drei Performer vor Lesepulten auf und rezitierten, die mir, da kein Programm, nicht so nachvolliehbaren Texte, so daß ich mich nur in das Sprachhörspiel und den Sound einlassen konnte.

“Der Mond und das Herz und die Liebe!”, konnte”, man aber öfter hören und dann folgten auch noch Texte von Gerhard Rühm den experimentellen Atmeister mit ein Wortsätzen auf Italienisch.

Nach einer Pause kamen dann Florian Neuner, Harald Muenz und Karin Spielhofer auf die Bühne und die wurde von Florian Neuner befragt, wie sie die Performance ihrer Texte erlebt hat und erkundigte sich, dann beim 1965 geborenen Harald Muenz, der Komposition studerte, wie er zu seinen Performances kommt.

Operation Kasper

Jetzt kommt ein hundertzwanzig Seiten Roman des 1932 in Zagreb geborenen Bora Cosic, der sowohl in Berlin, als auch in Rovinj, lebt den ich in Montenegro gelesen habe, als ich mich dort mit kroatischer Literatur beschäftigen wollte. In der “Alten Schmiede” habe ich ihn auch einmal gehört und seine Frau hat sich sehr nett mit mir unterhalten, als ich allein beim Wein und den Nüssen gestanden bin und “Der “große, alte, listig-heitere Mann der serbischen Avantgarde”, wie die neue Zürcher Zeitung Bora Cosic nannte, hat mit “Operation Kaspar” einen pointierten, hintersinnigen Roman geschrieben, der den alten Migrantentraum von Bildung und einem besseren Leben gnadenlos zerplatzen lässt”, steht am Buchrücken und wurde von Brigitte Döbert übersetzt.

In drei Kapitel wird diese Parabel, wie ich es nennen würde, erzählt, “Der Stall”, “die Straße,” der “Garten” und der Traum der Migranten wird in einer großen aber vertotal vermüllten Wohnung, die sich wie ich mir vorstellen könnte, in Belgrad befindet, begonnen. Da lebt ein mittelaltes Paar. Die Frau trägt Unterkleidung, wie das dort offenbar so üblich war und räumt und putzt oder versucht das wenigstens. Der Mann trägt Hut in der Wohnung, denn sie gehen nicht hinaus, fährt Fahrrad um den Küchentisch, was ein bißchen an Lockdown eins, als das Buch wahrscheinlich geschrieben wurde, erinnern könnte, spielt Geige und liest Zeitung. Sie sprechen nicht viel miteinander und eines Tages nehmen sie einen großen leeren Koffer und gehen damit auf die Straße. Den Verbindungsmann, der ihnen Papiere und Geld bringen soll, treffen sie nicht, so stehen sie vor einer Filmwand am Hauptplatz und werden von der Polizei angesprochen, die sie aber nicht versteht und auch die Dolmetscherinnen zucken nur die Achseln. So werden sie zu einem Professor Daumer gebracht, der seine Russen für die Spargelernte verloren hat und sollen die ersetzen. Der will ihnen, wie der Professor in “My fair lady”, das westliche Leben oder die Sprache und die Bildung beibringen. Scheiter aber daran und am Ende kommen die Russen erschießen die Beiden und murmeln dann enttäuscht “Teufe auch, das sind gar nicht Nikita und seine Frau!” und man bleibt vielleicht nachdenklich zurück, hat man doch gar nicht das Klischee gelesen, das man sich vielleicht von den serbischen Emigranten erwartet hätte.

“Kaspar Hauser” fällt einem ein, darauf spielt der Titel auch an, wurde meiner Meinung nach aber nicht wirklich getroffen. Aber natürlich hat der alte serbisch-kroatische Intellektuelle, der glaube ich, auch fließend Deutsch spricht, einen anderen Blick auf die Sache als ich und hat einen, wie schon geschrieben, satirischen Kurzroman über die europäische Situation und ihre zerplatzen Migrationsbewegungen geschrieben, die jetzt durch den Angriffskrieg auf die Ukraine vielleicht wieder eine neue Sichtweise bekommen.

Die Malavoglia

Wieder ein Wagenbach-Quartbuch und diesmal ist es ein Roman des italienischen Naturalismus des 1840 in Catania geborenen und 1922 gestorbenen Giovanni Verga der das Leben, den Aufstieg und Fall der Familie Malavoglia in einem sizilalischen Fischerdörfchen schildert. Wieder ein Roman und ein Autor der mir bisher unbekannt war und das Lesen war wegen der vielen Namen der Dorfbewohner nicht ganz einfach.

Dann kommt man doch in das italienische Dörfchen hinen, in das der Kapitalismus, der Strom und die eisenbahn einziehen soll, die Mädchen zu Gott beten und von den Burschen des Dorfes verfolgt werden oder ihnen auch schöne Augen machen. Der Apotheker mit dem Pfarrer vor seiner Apotheke steht, über Gott und die Welt philosophiert und dabei aufpassen muß, daß er von seiner Frau nicht weggeholt wird. Es geht um ein Haus mit einem Mispelbaum, das verkauft und wieder zurückgeholt wird, um den Vater Bastianazzo, der im Meer verunglückt, die Mutter stirbt an der Cholera, der eine Enkelsohn gerät auf die schiefe Bahn und schleicht sich nur abends in das Haus um einen Teller Suppe zu essen, die Enkeltochter Lia wird von einem Don Michele verführt und verschwindet und ein anderes Mädchen verweigert den Ehestand, weil sie schon sechsundzwanzig ist und daher nicht mehr heiraten kann und nur der Großvater Padron Ntoni zu überleben scheint.

Im Gegensatz zu Emile Zola, dem Meisters des französischen Naturalismus scheint der Roman sehr einfach geschrieben zu sein und lebt auch von seinen vielen Sprichwörtern von denen manche sehr gebräuchlich klingen, wie “Wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um”, aber auch “Das schlechte Eisen frißt der Wetzstein” und das Buch wurde, als es 1881 erschienen ist, kein Erfolg.

Es hat aber später verschedene Auflagen, darunter auch in der DDR erfahren erhalten und wurde jetzt von Anna Leube neu übersetzt. Roberta Salvano, der auch ein Buch über die Camorra geschrieben hat, hat das Nachwort verfaßt und ich habe wieder einmal mein literarisches Wissen aufgefrischt, beziehungsweise meine diesbezügliche Lücken gefüllt und kann mich auch an eine Osterreise nach Sizilien erinnern, die ich in den Neunzigerjahren und dann noch eine, die ich, 2009 mit dem Alfred machte, wo ich hautnah die Dörfer des Geschehen studieren konnte, da aber den “Leoparden” gelesen habe und von einem Giovanni Verga, der sein Jusstudium abgebrochen hat, keine Ahnung hatte.

Lyrik-Übersetzung

Vom Frauentag geht es jetzt wieder zur Lyrik zurück, haben wir ja noch immer die “Lyrik im März”, damit es aber spannender wird, wurde in der Gesellschaft eine “Antalogia de poesia austriaca actual”, vorgestelltdenn da gibt es in Spanien eine Reihe, die ausländische Übersetzungen herausgebit und da ist 2018 ein Gemeinschaftsprojekt von Augusta Laar und Jose Luis Reina Palazon herausgekommen, nämlich eine Anthologie mit dreißig aktuellen österreichischen Dichter und Dichterinnen, die von Augusta Laar ausgesucht und von Jose Luis Reina Palazon auf Spanisch übersetzt wurde.

Der Band ist, wie erwähnt 2018 herausgekommen und sollte schon 2020 in der “Gesellschaft “vorgestellt werden, was aber Pandemie bedingt wie ines Scholz die Moderatorin erwähnte, mehrmals verschoben werden mußte.

Jetzt kam es aber zur Präsentation, leider war der Übersetzer verhindert, bzw. krank und Robert Schindel der auch lesen sollte mußte wegen einer Benefizveranstaltung zugunsten der Ukraine absagen.

Zuerst begann es mit einem Gespräch mit Augusta Laar, die ich vom Schamrockfestival und von der GAV kenne, die erzählte, daß von den Dichtern sieben Gedichte angefragt waren, drei wurden dann pro Autor veröffentlich. Der Übersetzer hatte schon den Kontakt zu Friederike Mayröcker, die ja im letzten Jahr gestorben ist, hergestellt, die restliche Auswahl hat Augusta Laar getroffen und die Autoren angeschrieben, die gleich mit der Übersetzung einverstanden waren.

Es begann dann Augusta Laar mit der Lesung ihrer drei Gedichte nur auf Deutsch “Cafe Prückl in Wien” hieß das erste, wo Liebesbriefe von der Decke taumelten. “Der Tod, der Teufel und Harry Potter” das zweite. Das dritte “<unser Grab in Riga” und da erzählte Augusta Laar lang, daß sie am Hauptbahnhof, wie sie von München gekommen ist, die ukrainischen Flüchtlinge, die dort offenbar betreut werden, gesehen hat und da an ihren Mann erinnert wurde, der mit seinen Eltern aus Estland vor den Sowets nach München geflüchtet ist.

Dann kam der gut spanisch sprechende Christoph Janacs, der auch als Übersetzer tätig ist und der bei meinen “Freiheit des Wortes-Veranstaltungen” sehr oft gelesen hat, der seine Gedichte auch auf Spanisch las, so daß man, wie Ines Scholz erwähnte, den Klang der Sprache sehr gut vergleichen oder kennenlernten kann und Ines Scholz sprach mit ihm auch über das spanische Übersetzen, der erklärte, daß er ein großes Faible für Lyrik hat und täglich welche lesen und schreiben würde und hat seine Texte auch zwei Dichtern gewidmet.

Dann kam Margret Kreidl, bei der ich schon bei einigen Lesungen ewar und die einige Texte aus ihren “Einfacher Erklärung-Alphabet der Träume”, die Gedicht “Distelblüte”, “Lüfungsschacht” ,”Imkerbunker” und “Leichenschmaus” las und dazu sagte, daß sie gern ein anderes Gedicht gelesen hätte, um die “Putin-Versteher” darauf aufmerksam zu machen, daß er ein Diktator ist, aber das wurde nicht ausgewählt.

Dann kam die mir gleichfalls gut bekannte Ilse Kilic, bin ich mit ihr ja ein Stück von Wien nach Bamberg auf Ruths Radtour mitgefahren und sie war auch in der Schreibgruppe und ist ja auch in der GAV aktiv und ich war auch auf vielen ihrer Lesungen oder sie bei mir.

“Einfach Ilse sein und einfach nicht ilse sein einfach zweimal zum Trotz Ilse sein”, hat sie gelesen und dann davon, wie sie zum ersten Mal Bier getrunken hat.

“Ob ich Frau bin oder keine entscheide ich alleine” , hat sie dann passend zum Frauentag auch noch gelesen.

Dann kam der mit ebenfalls gut bekannte Herbert J. Wimmer und langjähriger Lebensmensch von Elfriede Gerstl, der meine frühen “Textvorstellungen” in der “AS” moderierte und den ich erst vor kurzen in der “Schmiede” beim “Elfriede Gerstl aufgefrischt-Abend” gehört habe. Er hat seine jetzige Lebensmenschin Marion Steinfellner mitgenommen, die dann ihre und auch seine Texte auch auf Spanisch las.

“Der Autor klebt an seiner Biografie, die Autorin klebt an ihrer Biografie, wie die Fliege am Fliegenpapier”, hat er gelesen, also gar nicht so experimentell, obwohl ich ihn ja eigentlich für einen sehr konstruktiven Autor einschätze.

Marion Steinfellner, die wie erwähnt auch spanisch spricht, habe ich als Buthotänzerin bei einem Gerhard Jaschke-Abend kennengelernt und dann auch einige ihrer Tanzperformances mit Herbert j. Wimmer Literaturhaus gesehen und die noch erwähnte, daß sie ihr Spanisch auf Mexikos Straßen gelernt hat und interessant war, daß Marion Steinfellner erklärte, daß ihre Gedichte aus ihrem ersten Gedichtband stammen, den sie, weil sie einmal Geld von einem Bausparvertrag bekam, dachte, “Was mach ich damit? Ich gebe einen Gedichtband heraus”, weil man das in Mexiko sehr oft tut und in jeder Buchhandlung solche Bücher finden kann, während das bei uns bis vor kurzem, bevor das Selfpublishing modern wurde, sehr verpönt war. So kann sich alles ändern und so brauche ich mich für meine Bücher vielleicht auch nicht mehr genieren.

Ein interessanter Abend mit lauter bekannten Gestalten, sehr interessant und wieder viel gelernt.