Zwölfter Ohrenschmaus

Ehrenliste

Ehrenliste

Den “Ohrenschmaus- “Literaturpreis für Menschen mit Lernschwierigkeiten”, von Franz Joseph Huainigg ins Leben gerufen, gibt es seit 2007,  ich bin seither in derJury dabei, die inzwischen aus Felix Mitterer, der den Ehrenschutz hat, Franzobel, Heinz Janisch, Ludwig Laher und Barbara Rett besteht, seit 2008 findet die Preisverleihung im Museumsquartier statt und heuer wurde der Preis das erste Mal von Gerlinde Hofer organisiert und es gab wieder ein tolles Programm.

Die Moderation hatten diesmal wieder Dani Linzer und der Vorjahrpreisträger David Trischer, mit dem ich auch auf der “Buch-Wien” gelesen habe und nach der Begrüßung folgte wieder die Lesung  und die Vorstellung der Ehrenlistetexte, worunter wieder sehr viele Bekannte waren.

Begonnen hat es mit einem sehr interessanten Text von Cornelia Pfeifer, die sehr eindringlich erklärte, warum das “Leichter lesen und leichter sprechen” für sie so wichtig ist.

Hans Martin Hiltner

Hans Martin Hiltner

Der 1980 in Graz geborene Christian Zsivkovic beschrieben seinen “Freitag Aabend in Stinaz”, wo er viel auszugehen pflegt.

Dann kam der “Europa-Text, der “Forum Logus Gruppe”, die aus einigen vorigen Preisträger wie Paul Text und Christan Kargl besteht.

Sehr beeindruckend der Text “Stimmen im Kopf”, der in Salzburg lebenden Jaqueline Moser, sowie”Johannas Lebensgeschichte”, der 1965 in Deutschlandsberg geborenen Denise Luttenberger.

Bei Christoph Dietrich handelt es sich auch um einen Vorjahrssieger, für den ich für seinen “Schmierfetten,” die Laudatio geschrieben habe. Diesmal hat er sein außergewöhnliches Sprachtalent in dem Text “Super Deutz Traktor” bewiesen, in dem das schöne Wort “Luftdrillmasche” vorkommt, das Gregor Seberg, der die Texte wieder abwechselnd mit Chris Pichler gelesen hat, besonder gut gefallen hat.

Silvia Hochmüller, die glaube ich, auch schon öfter auf der Ehrenliste stand, beschäftigte sich in ihrem Text mit dem Widerspruch zwischen “Herz – Denken” und der Dauerpreisträger Peter Gstöttmeier für den ich zweimal die Laudatio gehalten habe und dessen Buch “Söbständi” ich auch hier besprochen habe, hatte diesmal mit “Ih sog zum Abschied leise Servus”  einen melancholischen Text, mußte er doch aus Gesundheitsgründen seine geliebte Außengruppe  aufgeben und sich wieder der Korbflechterei zuwenden und hat dies wieder in seiner Mundartart treffend beschrieben.

Markus Baumgartner

Markus Baumgartner

Ruth Oberhuber war 2011 Preisträgerin, ich habe vor zwei Jahren mit ihr auf der “ORF-Bühne” der “Buch-Wien” diskutiert und ihren Text “Regierung” kann man wirklich treffend nennen:

“Darf ich mich vorstellen? Ich bin die neue Bundeskanzlerin. Ich rede nicht, ich tue mehr. Bitte denkt mehr nach, mit dem Geld mehr haushalten und eure Hosentaschen entleeren. Ist zwar nicht leicht, aber ihr könnt es schaffen. Mein Name ist <marie Sabine Grubauer”, dem kann man nicht viel hinzufügen, es gab aber noch einen ehrentliste Text von Stefan Mann, für den ich, glaube ich auch schon einmal eine Laudatio gehalten habe.

Den ersten Hauptpreis bekam  der 2015 Preisträger Hans Martin Hiltner der 1960 in Leipzig geboren wurde für seinen Text “Verletzt”, der von seiner Schwester Beate Henneberg aufgeschrieben wurde. Heinz Janisch hat die Laudatio  gehalten, ihm folgte der 1991 geborenen Markus Baumgartner, der seit 2008 Rainbows Home besucht, sich sehr für Zahlen interessiert und jeden, glaube ich, den Wochentag seines Geburtstags sagen kann.

Stipendiaten

Stipendiaten Viktor Noworski und David Silvester Marek

Ich habe für “Mir geht es gut”: “Der Buchstabe M riecht nach dem, auf dem draufsteht WAFER und in dem die Schnitten drinnen sind und die Zahl 13 riecht nach Frisör”, die Laudatio mit dem Titel “Das Gutgehen ist eine spezielle Welteinsicht” gehalten.

Der dritte Preisträger war der 1989 geborene Mustafa Akmaz, der in Mmst wohnt und deshalb nicht zur Preisverleihung kommen konnte, er schickte aber eine Videogrußbotschaft und sein Text “mut” ist auch sehr kurz, da er nur aus sieben Zeilen besteht.

“hasen-mut schaf-mut esel mut affen-mut  giraffen-mut elefanten-mut LÖWEN-MUT”, darüber läßt sich natürlich herrlich philosophieren. Felix Mitterer versuchte es in seiner Laudatio. Vorher gab es eine Musikeinlage der Inklusionband “Ohrenklang” in der auch Ronnie  Pfennigbauer, der frühere Moderator Mitglied ist und die zwei Texte früherer Preisträger vertonten und musikalisch interpretierten, was mir sehr gut gefallen hat.

Dann folgte noch der sogenannte Schokoladepreis, das Gedicht auf der “Zotter Schokolade”, das diesmal von dem in Dresden lebenden Sebastian Zipser stammt, der Autor der Zeitschrift “Kaffepause” ist, was sehr gut zur Schokolade passt, die von Franz Joseph Huainigg gleich angebissen wurde.

Alle

Alle

Ein “Ohrenschmaus-Stipendium” gibt es seit einigen Jahren auch. Der erste Stipendiat ist der ebenfalls sehr häufig einreichende David Silvester Marek, dessen “Gehiemnisgeschichtenlexikon” von Franzobel herausgegeben wurde und im Herbst bei “Klever” erschien. Das Buch muß von mir noch gelesen werden und der nächste Preisträger wird auch ein Vorjahresieger nämlich Viktor  Noworski sein, der sein Buch mit Felix Mitterer erarbeiten wird.

Die Staatssekretärin Caroline  Edtstadler hat die Urkunde vergeben und den Preisträger vorgestellt, der gleich eine Probe seines Schaffens gab, dann gab es das Schlußfoto, das Buffet, die Schokoladen und den “Wohn und Werkstättenexpress” in dem die Siegertexte wieder abgedruckt sind, was ich ich für eine sehr gute Idee finde.

Anschließend haben wir noch bei der “Augustin-Glühhmost-Hütte”, in der Rahlgasse einen Stop gemacht und einen Glühwein getrunken, was gut passte, denn der Coverboy des “Augustin 470”  ist David Sylvester Marek und ein Portrait von ihm gibt es in der Zeitschrift auch.

Julia Sommer sät aus

Zwischen dem Bloggerdebut-Shortlistlesen geht es weiter mit der Herbstleseliste und einem Buch, das ich mir, wenn ich es im August schon gehabt hätte, in die Schweiz mitnehmen  und es beispielsweise in Zürich am See lesen hätte können, ist es doch der dritte Tel der “Menschlichen Regungen” von Tim Kröhn, dieses Crowdfounding-Projekt, wo ich schon die ersten zwei Teile “Herr Brechbühl sucht eine Katze” und “Erich Wyss übt den freien Fall” gelesen habe, wo es wieder um das Miets- oder Genossenschaftshaus in der Züricher Röntgenstraße und seine Bewohner, beziehungsweise und vierundsechzig weitere Gefühle von “Adrettheit” bis “Zuverläßigkeit” geht, die man sich mit ein paar dazu passenden Wörter wünschen konnte und der 1965 geborene Tim Krohn schreibt dazu eine Geschichte über diese Hausbewohner und bettet sie in den Roman ein.

“Lesegenuß pur- aufhören kommt nicht in Frage”, hat “SFR Kultur” auch unter die Ankündigung der zwei vorangegangenen Bücher geschrieben.

Ich denke, daß die Geschichten der elf Hausbewohner die aus den Studenten Pit und Petzi, sowie Moritz Schneuwig bestehen, der Schauspielerin Selina May, der Lektorin Julia Sommer mit ihrer ziemlich verzogenen Tochter Mona, Hubert Brechbühl dem ehemaligen Tramfahrer, dem alten Herrn Wyss und dem griechischen Hausmeisterpaar Costa inzwishen vielleicht ein wenig beliegbig wirken und sich schon wiederholen, beziehungsweise hat man das vorige vielleicht schon vergessen oder Band eins und zwei nicht gelesen und hat deshalb Schwierigkeiten einiges zu verstehen, finde das Ganze aber trotzdem interessant, weil es ja ein ähnliches Projekt, wie mein “Besser spät als nie” ist”, wo ich ja auch aus Schreibimpulsen einen Erzählung zusammengestellt habe und Tilmann Rammstedts  “Morgen mehr” , ist auch irgendwie so ähnlich ungewöhnlich entstanden.

Tim Kröhn sammelt  weiter Gefühle und Menschen, die sich eines aussuchen und von ihm etwas schreiben lassen und das Buch beginnt trotz des Titels zu Neujahr, ich glaube es ist 2002, nine elefen spielte schon im vorigen Band eine Rolle. Da feiern alle Silvester, der griechische Hausmeister verbringt diesen bei einer seinen Gartenkundinnen, seine Frau bleibt eifersüchtig zurück und dann wird es allmählich Frühling und das Gartenprojekt, das auch schon im Vorband gestartet wurde, soll angegangen werden.

Die Hausmeisterin übergibt Julia Sommer die Aufgabe, weil deren kleine Tochter begeistert davon ist, also wird geplant und gewünscht, wie man den Hof gestalten könnte, die Genossenschaft, beziehungsweise der alte Erich Wyss, der im zweiten Band seine Frau Gerda verloren hat, jetzt immer ihre Kleider trägt und ihre Urne im Gärtchen nicht bestatten darf, macht das aber zu nichte.

Das projekt wird also aufgegeben, die Hausbewohner legen sich ihre Pflanzen also selber am Balkon an, Adamo Costa, der seinen Job als Rettungsfahrer im Vorband verloren hat, geht, wie schon geschrieben, auf den Züricherberg gärtnern und macht Efegenia eifersüchtig und der alte Erich Wyss hält, wie mein Jonathan in der “Unsichtbaren Frau” auch Zwiegespräche mit seiner Gerda, die ihm rät, sie endlich loszulassen, so läßt er ihre kleider vom Balkon flattern, beziehungsweise stellt er sie mit ihrem Gebiß vor die Tür zur freien Entnahme, bandelt mit einer Friseurin an und fährt schließlich mit einem Schiff aufs Meer um die Asche dort zu verstreuen.

Ein Musikproekt gibt es auch, wo Herr Brechbühl, Pit und Petzi und eine Studentin namens Bettina verwickelt sind. Vorher fährt Pit noch mit Petzis Mutter auf Kreuzfahrt, Selina bekommt und das finde ich eine sehr rührende Stelle Besuch von einem Wiener Burgschauspieler, mit dem sie eigentlich ein Projekt durchziehen wollte, aber mit ihm stattdessen ins Schwimmbad geht. Julia Sommer fährt mit Mona auf eine Insel mit Schloß und so weiter und so fort mit den verschiedensten Gefühlen, die mir manchmal zu aufgesetzt waren, vielleicht aber auch leicht und locker zu lesen sind.

Adventaktionen

Ich bin ja, wie ich immer schreibe nicht besonders religiös, halte mich aber gerne an Rituale und so gibt es im “Literaturgeflüster” im Monat Dezember immer Adventliches.

“Leselustfrust”  der ich vor acht oder neun Jahren ja gerne kommentierte, hat mich auf die Idee gebracht, also habe in dieser Zeit Weihnachtsbücher gelesen, habe vom Punschtrinken , von der xxxx-small und anderen Weihnachtsaktionen, wie den literarischen Spazierguang durch den siebenten, Veranstaltungen, die es in dieser Form nicht mehr gibt, berichtet.

Ich habe auch die Weihnachtsbücher, die ich im Schrank gefunden habe gesammelt und auf meine Leseliste gesetzt, aber dann hatte ich so viele andere Bücher zu lesen, daß ich sie wieder hinuntergestrichen habe, habe heuer aber ein Buch das ich mir von meinem Geburtstagsgutschein gekauft habe und werde vielleicht noch Weihnachtsgedichte dazubekommen.

Ich habe auch selber einiges Weihnachtliches aus meiner Werkstatt anzubieten. Da gibt es das “Weihnachten 2000” Gedicht, das ich damals im Rahmen der Schreibwerkstatt der Gewerkschaft geschrieben habe und den “Adventkalender”, die Geschichte von dem der vom Himmel fällt, um die Welt zu retten, die glaube ich im “Best of I oder II enthalten ist und dann war da die Idee von der “Nika Weihnachtsfrau”, die ich einige Zeit mit mir herumgetragen habe, bevor ich sie im November 2015 im Rahmen des “Nanowrimos” zu schreiben angefangen. Vorher gab es schon den “Bücheradventkalender” und einige Schreibversuche zu diesem Thema in der Schreibgruppe.

2015 habe ich schon angefangen einzelne Tage aus der “Nika” zu bloggen, so daß nach und nach das ganze Buch im Blog zu finden sein wird, dachte ich mir und habe Jahr für Jahr wenn nichts anderes zu erwähnen war, einen Tag hinzugefügt.

Heuer habe ich aber noch eine Leseliste von etwa dreißig Neuerscheinungsbüchern die abzulesen sind, je eines von der öst und zwei von der dBp sind noch dabei, das wäre dann das dortige achtezehnte, weil mir zwei der deutschen Liste ja fehlen und das Buch der Bettina Wilpert für den Bloggerdebutpreis muß ich auch noch lesen.

Da werde ich die veranstaltungsfreien Tage höchstwahrscheinlich mit den Rezensionen füllen und es wird vielleicht nichts bezüglich der “Nika” weitergehen, habe ich gedacht, mir da aber schon eine besondere Aktion für den heurigen Advent ausgedacht.

Eine wäre ja mir jeden Tag ein Buch aus den Schrank zu ziehen und es zu lesen. Unmöglich, geht nicht bei dreißig noch ungelesen Büchern. Ich könnte aber, habe ich gedacht, abgesehen von den kleinen Adventfreuden, die ich mir jeden Tag machen will, also für mich ein höchstpersönliches Fenster der Freude öffnen, ein Buch aus dem Schrank ziehen, mir eine Süßigkeit oder etwas anderes, beim Yves Rocher vielleicht, kaufen, etcetera, eine besondere Aktion für meine Leser, wenn man so will auch Werbung für mich selber machen und jeden Tag, wenn ich am Schrank vorüber gehe, eines meiner Bücher mit einer schönen Widmung hineinlegen.

Das muß nicht unbedingt die “Nika” sein von der ich wahrscheinlich auch nicht mehr so viele Exemplare haben, so daß es mir wie ihr bald, wie heuer mit dem “Haus”, als es Manfred Lager Regall zu meiner Geburtstagsaktion haben wollte und der “Mimi” ging, die ich zu der Lesung auf die “Buch Wien” mitnehmen wollte, ich werde aber schauen, was noch da ist und sonst je ein anderes meiner inzwischen fast vierzig selbstgemachten bücher, wenn ich an einem Tag zwischen eins und vierundzwanzig an einem Schrank vorübergehen sollte, hineinlegen. Komme ich an mehr vorbei, kann ich auch die aus meiner Tasche nehmen, da habe ich meisten zwei Stücke darin. Ein paar der Volksstimmeanthologien, wo meistens ein Kapitel aus einem meiner Bücher drinnen ist, habe ich auch noch.

Also aufgepasst, wem es von meinen Wiener Lesern interessiert, da gibts vielleicht was zu finden, ansonsten habe ich zu vermelden, daß ich jetzt die vom Alfred lektorierten Seiten der “Unsichtbaren Frau” zum Endkorrektat habe. Das Cover ein Bild von einer Demo vielleicht muß noch kommen, dann wird wahrscheinlich als zusätzliches Adventschmankerl noch die Vorschau mit Gewinnspiel und Aufruf zur Leserunde geben, das Buch selber wird höchstwahrscheinlich nicht mehr fertig werden und dann gibts auch noch die “Magdalena” zu korrigeren, die ich auch nach Harland zu einem ausführlicheren Weihnachtswirtierretreat mitnehmen kann.

Ein paar Einladungen und Weihnachtsfeiern wirds vielleicht auch noch geben, vielleicht mach das Doml wieder was, da könnte ich dann die Stelle mit der Praktikantin in New York, wo sie aufpassen muß Jonathan Franzen und Daniel Kehlmann nicht Rotwein auf die Hose zu schütten vorlesen, denn die Urform der Slavenka Jagoda ist mir ja dort begegnet.

Die Ruth die inzwischen umgezogen ist, veranstaltet am achten Dezember einen Flohmarkt, wo man ihre alten Bücher und anderes Inventar kaufen kann, ein “Buchquartier” im Museumsquartier gibt es an diesem Tag auch und schon am Montag vorher wieder den “Ohrenschmaus”, das ist der zwölfte, wenn ich mich nicht irre, also einen schönen Advent liebe Leser und weil ich nicht genau weiß, ob sich das Verlinken immer ausgehen wird, verweise ich hier auf die Tage, wo man etwas von meinem Adventkalender für die, die sich durch die Lüken wühlen möchten, finden kann und wenn ich im nächsten Jahr vielleicht eine kürzere Leseliste habe, kann es  weitere Fenster geben.

1, 5, 7, 9, 19, 20, 24, 25, 29 und 30

Öffnen muß man sie selbst, um keinen Spoileralarm zu bekommen.

Poet Night im Siebenstern

Wieder eine Lesung aus der “Unsichtbaren Frau”, wieder einmal “Poet Night”, die Veranstaltung wo die Mitglieder des Lesetheater, die selber schreiben, in einem Marathon im sieben bis acht Minuten Rhythmus ihre eigenen Texte vortragen.

Zu Zeiten von Rolf Schwendter hat das um vier Uhr Nachmittag angefangen und ist bis zwei Uhr in der Früh gegangen, jetzt geht von sechs bis Mitternacht, trotzdem standen etwa fünfzig Autoren am Programm und als ich ein paar Minuten nach sechs den Veranstaltungsraum im Kulturcafe Siebenstern betreten habe, hat gerade Werner Krotz Gedichte gelesen, Ottwald John ist, wie immer bei der Tür gestanden und hat mich eher unfreundlich empfangen, als ich Herrn Blaha begrüßt habe, der mir, wie versprochen seine weihnachtlichen Dialektgedichgte übergeben hat.

Die Poet Night des ersten Wiener Lesetheaters eine bunte Veranstaltung der Vielfalt des dichterischen Schaffens, wie es Andrea Pauli, die jetzt gemeinsam mit Hahnrei Wolf Käfer den Lesemarathon organisiert, nennt und es stimmt, daß alle Formen der Kunst von den Gebrauchstexte, zu Sketches aber auch Gedichten etcetera von bekannten bis unbekannten Dichtern vertreten sind.

Meine erste Kritikerin Maria Haidegger hat sich einfam darüber mokiert, daß hier eher die unbekannten Dichter vertreten sind, stimmt es sind vorwiegend oder ausschließlich Mitglieder des Lesetheater, einen Prominentenblock der diesmal aus Lydia Mischkulnig, Antonio Fian, Gerhard Ruiss etcetera bestand, ist aber auch immer dabei und heute ist es, um nur ein paar der cirka fünzig Auftretenden zu erwähnen von Werner  Krotz Aphorismen  zu Angelika Mairose Pavrosky gegangen, die  ein Stück aus ihrem noch nicht veröffentlichten roman gelesen hat, in dem es über drei Frauen die in den Sechzigerjahren glaube ich Paris eroberten gegangen ist.

Ariane Lang und Gynther Riebl machten sich über die Datenschutzverordnung lustig während die Ruth wie sie betonte einen eigenen Text für die Veranstaltung geschrieben hat, in dem es um die Sätze geht, die man sich im Schlaf erträumt und sofort aufschreiben muß, damit sie nicht verloren gehebn.

Renate Woltron und Manuel, die Schauspieler brachten auch wieder Stücke aus ihrem Hersbstprogramm, während Werner Grüner Gedankensplitter las, die er sich aus den Nachrichten oder Alltagsbeobachtungen aufgeschrieben hat.

Anita Schaub las aus ihrem letzten Buch, wo ich, glaube ich, schon eine Stelle einmal gehört habe und Ottwald John brillierte glaube ich mit der Parodie dieJoe Berger im Jahre 1989 über Thomas Bernhard geschrieben hat und die ich glaube ich auch im Lesetheater hörte.

Christl Greller gab Kostproben aus ihrem neuen Lyrikband, den ich noch lesen werde, dann kam Hansjörg Libscher, ddn wie  es Andrea Pauli nannte “Urgestein” des Lesetheaters.

Bettina Balaka gehört, glaube ich, auch zu demProminentenblick und las aus einem am Montag erscheinenden Gedichtband, Eva Holzmayr um einen Krimi der imJahr 1945 spielt und, wo es um die Vergewaltigung von Frauen durch russische Soldaten ging.

Christa Meissner war, wie gewohnt humoristisch mit ihren Wiener Struwwelpeter und anderen Texten, Mechthild Podzeit Lütjen gewohnt lyrisch, Judith Gruber Rizy las wieder den Beginn aus “Eines Tages verschwand Karola”  und Helmuth Rizy aus seinem letzten Buch, wo es glaube ich, um eine Begegnung zweier Männer ging, die sich in einem Museum kennenlernen.

Hahnrei Wolf Käfer verlas wieder seine Kyoka eine japanische Versform ähnlich den Haikus, Manfred Chobot Gedichte wo es gegen Rassismus und Ausländerfeindlichkeit ging, Gerhard Ruiss seine Präsidentengedichte, Richard Weihs gab Proben aus seiner Wunschgedichtfolge und ganz am Schluß kam noch eine junge mir unbekannte Frau, die gleichfalls sehr schöne Gedichte vortrug.

Eine interessante Mischung, die wie schon erwähnt die Vielfalt der österreischen Lyrik, Prosa und Dramatik abseits der Buchpreisszene zeigt und wieder einmal gut gelungen ist.

Eva Jancak


Eva Jancak

Mechthild Podzeit Lütjen


Mechthild Podzeit Lütjen

Karin Gayer


Karin Gayer

Judith Gruber Rizy


Judith Gruber Rizy

Helmut Rizy


Helmut Rizy

Hahnrei Wolf Käfer


Hahnrei Wolf Käfer

Manfred Chobot


Manfred Chobot

Gerhard Ruiss


Gerhard Ruiss

Gerald Jatzek


Gerald Jatzek

Richard Weihs


Richard Weihs

Ania Gleich


Ania Gleich

Der letzte Huelsenbeck

Buch vier der Bloggerdebutshortlist und wieder kann ich mich über die Zusammenstellung der ausgewählten Bücher nur wundern, ein paar höchstpoetische, wie sie die Literaturwissenschaftler wahrscheinlich lieben, sind dabei und dann immer wieder das realistisch phantastisch oder was auch immer, Gegenstück, das war 2016 der  Uli Wittstock, mit seinen Rechtschreibfehlern, im Vorjahr wahrscheinlich “Oder Florida” und jetzt ist mit dem “Letzten Huelsenbeck”, ein solch irrwitziges und wahrscheinlich nicht poetisches Buch dabei, von dem ich mir aber lange nicht sicher war, auf welchen Platz in meiner Reihenfolge ich es stellen soll, wie ich überhaupt die heurige Shortlistauswahl, das Buch der Bettina Wilpert habe ich noch nicht gelesen, für sehr gut halte und ich liebe ja die realistischen Romanen, die vom Wahnsinn und vom Leben handeln, von den ICD Diagnosen und den Drogencocktails, bei den letzteren kenne ich mich nicht so aus und kann daher auch nicht unterscheiden, ob es sich in dem Buch, um eine reine Psychose oder um eine durch Drogen induzierte handelt.

Gut, das Daniel S. Drogen nimmt ist kein Geheimnis, das gibt er selber zu un schreibt darüber. Er ist auch in einer Anstalt, wie Joachim Meyerhoff aufgewachsen und er geht schon zu Beginn des Buches zu einem allerdings auch durchgeknallten Psychiater und läßt sich ohm einen Pharmacocktail verschreiben.

Das alles deutet auf ein enormes Fachwissen oder eine hervorragende Recherche des 1956 geborenen Christian Y Schmidt hin, der in verschiedenen Satire- und anderen magazinen arbeitete und sowohl in Berlin, als auch in Peking lebt.

Für einen Debutanten nicht  sehr jung, aber Ljuba Arnautovic ist noch älter und Daniel S., der Protagonist lebte auch mehrere Jahre in Asien und kommt zu Beginn des Buches von dort zurück, um an einem Begräbnis teilzunehmen.

Auffallend ist, daß er gleich zu Anfang an von seinem Tod spricht und später in seinen Tagebuchnotizen immer wieder davon schreibt, wieviele Tage er noch zu leben hätte. Später schreibt der ihm behandelte Psychiater dann von einem “Cotard-Syndrom”, keine Ahnung, ob es das wirklich gibt, da müßte ich erst googlen. Das sind aber die, die sich einbilden gestorben zu sein, aber  noch leben und bis man dahin kommt, geht es auf fast vierhundert Seiten auf eine irrwitzige Reise durch Berlin, durch eine Psychose,  einen permanenten Drogenrausch oder, wie man das auch nennen will.

Richard Huelsenbeck, auch da müßte ich erst googlen, war ein deutscher Dadaist und der letzte Huelsenbeck heißt das Buch, weil Daniel S. sich in den Siebzigerjahren, es ist auch ein Buch über dieseZeit, in der ich Psychologie studierte, mit der Elfi zwar einmal nach Amsterdam fuhr, aber nicht einmal einen Joint versucht habe, mit ein vier Freunden “Die Huelsenbecks” eine Dadagruppe gründete, in der er, wie die “Wiener Gruppe” Aktionen machte, wie beispielsweise einen Weihnachtsmann vom Dach zu schmeißen, der dann fast einen Kinderwagen getroffen hätte.

Der Höherpunkt der Aktionen war eine Amerikareise im Jahr 1978 der fünf. Dann trennte sich die Gruppe, Daniel S. ging als Reisejournalist nach Hongkong. Jetzt ist er zurückgekommen, steht am Grab seines Freundes Viktor und fängt sich zu erinnern an.

Das heißt, so einfach ist das nicht, denn zuerst schmeißt Ronny einen Lachsack in das offene Grab, es kommt zu einer Schlägerei, Daniel wird von einem Stein getroffen, daraufhin wird er wieder in der Anstalt, wo er aufgewachsen ist und später auch Pflegehelfer war, ob seine Eltern dort arbeiteten oder er nur nebenan wohnte, wurde nicht so klar, behandelt.

Er beginnt ein Tagebuch zu schreiben, nach Berlin, wo er eine Wohnung hat, zu reisen und seiner Vergangenheit auf die Spur zu kommen und die ist mehr als turbulent und wechselt auch mehrmals, die Perspektiven, so daß man sich sehr konzentrieren muß, um bei all den Wendungen auch mitzukommen und den Faden nicht zu verlieren.

Denn Daniel sauft und kifft gewaltig, sieht sich auch überall verfolgt, es tauchen irgendwie lädierte Kinder auf, er beginnt mit Vögel zu sprechen, sieht eine Claire, die die fünf eine Zeitlang auf ihrer Amerikareise begleitete, dann verschwunden ist und jetzt überall, wie der tote Viktor auftaucht und Daniel geheimnisvolle Botschaften zuruft.

Er versucht, weil er sich an das alles nicht erinnern kann, aber überzeugt ist, Claire damals in Amerika ermordet zu haben und jetzt von ihr oder ihrer Familie gerächt zu werden, auch die drei anderen noch lebenden Huelsenbecks, Ben, Ronny und Michi auf, wird da aber nicht fündig, denn sie entziehen sich und beginnen ihm nur Botschaften aus dem Netz zu senden oder ihn zu erpressen.

Es gibt auch Briefe, die er seiner früheren Freundin aus Amerika schickte, die er jetzt erforschen will und  fast am Ende, stopft er sich mit allem voll, was am Markt zu kriegen ist, er hat einen Superdealer, stellt sich auf die Straße, beginnt dort einen Armoklauf, so daß er in eine andere Anstalt eingewiesen wird und ein Professor Dr. Hans Pryzgodda schließlich einen Fallbericht über ihn schreiben kann.

Ein äußerst spannend geschriebenes Buch, wo ich die Psychose, die mir meine Freundin Elfi auch in den Siebzigerjahren, einmal erzählte, gut nachvollziehen konnte, wie das mit dem Beziehungswahn sein kann und wie ein solcher erlebt wird. Eine Satira auf den P.sychiatriebetrieb ist es sicher auch. Ein rassant geschriebenes Buch, das mir authentisch scheint. Literarisch ist es wahrscheinlich nicht zu nennen und jetzt bin ich auf die Bewertung der anderen Mitjuroren gespannt.

Digitale Poesie

Nach dem ich heute im Revolutionsworkshop mit Stephan Teichgräber wieder “Die Schwestern” von Alexei Tolstoi analysierte und wir hier die Frage klärten, wie “Saschka Sakelman” wirklich hieß und welche “moderne Dichterin” in der Künstlerkneipe “Rote Schellen” verkehrte, ging es in die “Alte Schmiede” zu einer speziellen Art von Literatur, haben da doch Hannes Bahor und  Jörg Pieringer ihre Art der Textverarbeitung vorgestellt und zwar wurden da höre und staune zwei ganz normale gedruckten Bücher, eines sogar im “Suhrkamp-Verlag”, nämlich “Halbzeug” und “Datenpoesie” vorgestellt und Annalena Stabauer hielt, wie sie betonte eine längere Einleitung, um die Kunst aus den Netz und die Literatur die aus den digiatalen Medien entstehen kann, zu erklären.

“Schon jetzt interagieren wir über digitale Medien alltäglich mit Programmen, die Sprache automatisch verarbeiten. Für medienreflexive Formen der Literatur tut sich hier ein weites und zugleich hochspezialisiertes Forschungsfeld auf. Der Begriff  Digitale Poesie beschreibt diesen künstlerischen Umgang mit sprachbezogener Computertechnologie und betont, in Anlehnung an die Konkrete Poesie, das Interesse an der Materalität und Medialität des Zeichenprozesses.”, steht im Programm.

Der Schmiedesaal war voll mit der Wiener experimentellen Szene, so habe ich Jörg Zemmler, Ilse Kilic, Michaela Hinterleitner, Dieter Sperl, Thomas Havlik, Fritz Widhalm und andere gesehen und der 1984 in Berlin geborene Hannes Bahor, der deutsche Literatur und Geschichte studierte, begann dann auf der Videowand durch sein Buch “Halbzeit” zu führen, in dem Gedichte enthalten sind, die nach bestimmten Methoden entstanden, die auch erklärt wurden, so hat er die Gedichte Heines analysiert, aus Märchen bestimmte Anagramme entnommen oder betimmte Wörter aus Ratgeberbücher und daraus neue Texte geformt.

Er hat auch neue Bücher aus Marcel Reich Ranickis Kanon zusammengestellt und hat das Textkollektiv OxOa gegründet, in dem es, glaube ich, auch Automatenliteratur gibt.

Den 1974 geborenen Jörg Piringer, der Informatik studierte, habe ich schon bei verschiedenen Performances gehört und er stellte sein “Ritter Buch”  “Datenpoesie” vor, das er perfomierte in dem er sich vom Computer beschreiben ließ, daß hier ein “Mann ein Sefie macht oder in einen Spiegel blickt.”

Auf der Videowand flatterten inzwischen Bilder, die sich aus Worten bildeten und ein Claudius Gedicht wurde in achtzig Computersprachen über- und wieder zurückübersetzt, was dann überhaupt nicht mehr erkennbar war und wenn man den Satz “Sie ist Ärztin” aus Türkisch vom Computer übersetzten läßt, kommt in der Rückübersetzung “Er ist Arzt” heraus, weil die Programme von meist von “weißen” Männnern geschrieben werden.

In der regen Diskussion wurde nach Urheberfragen gefragt und das würde mich auch interessieren, wem man Fragen muß, wenn man ein Bachmann-Gedicht neu zusammensetzt, obwohl das die Autoren für nicht so relevant einschätzten und wenn man sich das Buch von Jörg Pieringer kaufte, hat man, glaube ich, ein programmiertes Autogramm zurückbekommen und ich habe wieder einmal  gefragt, wie man das alles lesen kann und mich auch ein bißchen durch die Printbücher der Digitalutoren geblättert.

Kolik liest

Als ich am Sonntag im Literaturhaus Gustav Ernst um die “Kolik 77” mit dem Sonderteil zu Erich Frieds dreißigsten Todestag gebeten habe, habe ich noch nicht gewußt, daß ich am Dienstag einen Teil daraus in der “Gesellschaft für Literatur” hören wurde, denn da wurde das Heft, beziehungsweise zwei der darin enthaltenden Autoren nämlich Barbi Markovic und Elias Hirschl im Rahmen von “Kolik liest” vorgestellt und das ist eine Reihe, wie Ursula Ebel in ihrer Einleitung erklärte, die es seit 2005 gibt, damals hieß sie noch “Kolik Slam” bis sich einige und, ich glaube, auch Christiane Zintzen empörte, daß das kein Slam sei, was da geboten wird, während das heute vielleicht sogar ein bißchen anders war, denn der 1994 in Wien geborene, also noch sehr junge Elias Hirschl ist mehrfacher Slammeister und hat auch schon drei Romane, darunter den letzten “Hundert schwarze Nähmaschinen” bei “Jung und Jung” herausgebracht.

Gustav Ernst erklärte das alles in seiner Einleitung, aber zuerst kam die 1980 in Belgrad geborene Barbi Markovic dran, deren Profil sogar das Heft ziert “Das erste Mal, das ich Covergirl!”, bin, sagte sie, glaube ich, bevor sie ihren im Heft abgedruckten Text “Die verschissene Zeit – aus dem Regelbuch zu einem in Arbeit befindenden Roman” las, vorher erklärte die “Alpha Preisträgerin” von 2016 die 2017 beim “Bachmann-Preis” gelesen hat und deren “Superheldinnen” ich gelesen habe, daß das Buch nach einem phantastischen Rollenspiel entstehen wird und da schlüpfen Personen in verschiedene Charaktere und spielen das Belgrad der Neunzehnneunzigerjahre nach.

Sehr spannend und sehr originell oder phantastisch realistisch wahrscheinlich in einem anderen Sinn, als es die phantastischen Realisten meinen, das schwierge Leben der Jugendlichen dort, die den Krieg erlebten, schlechte Drogen nahmen und sich wahrscheinlich nach dem goldenen Ausland sehnten, kommt dort vor und ich war ja zweimal mit dem Alfred und der Anna in Belgrad bei der inzwischen verstorbenen Tante Dora, das erste Mal, glaube ich, 1986 als wir in der Türkei waren, das zweite Mal 1997 oder 1998 und haben daher von der Stimmung, die in Barbi Markovics Kindheit herschte, höchstwahrscheinlich etwas mitbekommen.

Dann kam JochenJungs “Quotenmann oder literarischen Wunderkind”, wie ich es einmal bezeichnet habe, als ich bei der Lesung aus den “Nähmaschinen” im Literaturhaus war.

Jetzt hat der sehr vielseitige und sehr junge Autor aus zwei realistischen Geschichten, beispielsweise einer wo Leute auf einer Verkehrsinsel leben, weil sie eine Straße überqueren wollten und das aber nicht schafften und eine andere, wo ein Professor Affen auf einer Schreibmaschine verschollene Shakespeare Texte schreiben läßt, was aber nicht gelingt, die erfunden sind, obwohl sie mit Fußnoten belegt werden und dann noch den Beginn eines neuen Romanes, der von der jungen ÖVP handelt, also meiner “Unsichtbaren Frau”, vielleicht sehr ähnlich ist, obwohl <minister Basti hier einen anderen <namen trägt.

Danach gabs ein Gespräch beziehungsweise eine Diskussion, in der ich mich wunderte oder lobend erwähnte, wie realistisch die “Kolik” inzwischen geworden ist, aber wahrscheinlich sind die Texte realistisch übertrieben, der Übertreibungskünstler Thomas Bernhard wurde dabei erwähnt und in dem Heft, das ich inzwischen durchgeblättert habe, gibt es auch experimentellen, wie Texte von Friederike Mayröcker und eine Buchbesprechung von “Sülzrather” von Herbert J. Wimmer und eigentlich brauche ich mich über den phantastischen Realismus in den “Koliken” nicht wundern, denn das “Wespennest”, in dessen Redaktion Gustav Ernst vorher tätig war und in dem ich auch einmal einen Text hatte, hieß ja im Unteritel “Zeitschrift für brauchbare Texte” und Gustav Ernst, den ich ja sehr mag und gerne lese, ist auch ein realistischer Autor.

Anderswelten

“Über Dystopien und Utopien”, heißt das heurige Thema der “Literatur im Herbst”, die Walter Famler schon seit einigen Jahren im “Odeon”, dieser ehemaligen Getreidebörse in der Taborstraße veranstaltet.

Zuerst waren die osteuropäischen Länder das Thema, dann ist es zu den Frauen und bis nach Japan gegangen und heuer sind die “Utopien” daran, ein Thema mit dem ich mich mit Stephan Teichgräber ja auch im vorigen Semester beschäftigt habe.

Da hat er George Orwell vorgeschlagen und ich bin daraufgekommen, daß die Gegenwartsliteratur dieses Thema derzeit häufig zum Gegenstand hat, so habe ich im Frühjahr Helmut Krausser gelesen und Andre Kubicek.

Der “Report der Magd” von Margaret Atwood ist auch ein utopischer Roman und der Gegenspieler ist die Dystopie, in der Jugendliteratur häufig anzutreffen und einige solche Bücher habe ich ja auch erst vor kurzem gelesen und wenn man sich so durch das Programm schaut ist auch einiges, wie Jonathan Cohen oder “Sungs Laden” anzutreffen, das ich irgendwo auf meinen Bücherstapeln haben muß, was ich eigentlich gar nicht für so utopisch gehalten habe.

Utopisch ist also wahrscheinlich alles und überall und die Literatur wimmelt von Dystopien und obwohl der utopische Roman etwas phantastisches hat, ist die politische Dimension auch nicht zu übersehen und wahrscheinlich besonders interessant und natürlich auch hauptsächlich in dem von Walter Famler, Ilia Trojanow und Jana Folkman kuratierten Festival anzutreffen.

Die neue Stadträtin, die eröffnete, hat deshalb auch von den wilden Räumen gesprochen, die in diesen drei Tagen in Wien anzutreffen sind und der Eröffnungsreder der 1970 geborene Dietmaar Darth der mit “Die Abschaffung der Arten” 2008 auf der Shortlist des dBp gestanden ist, entpuppte sich  in seinem Text “Besser Kunst als Hoffnung besser Kunst als Angst”, als wahrer Science Fiction Spezialist, auf jeden Fall zog er einen Bogen über die gesamte Bandbreite der phantastischen Literatur und teilte die Utopien in das Postive, die Dystopien in das Negative ein, eine Unterscheidung, die ihm nicht zu gefallen schien, aber offenbar in der Literatur, als so gegeben gilt.

Danach gab es ein Gespräch zwischen ihm und dem 1952 geborenen Philosophen und Kulturwissenschaftler Thomas Macho das Ilia Trojanow moderierte und das von einem Herrn im Publikum auch kritisert wurde.

Interessant war dabei für mich, um wieder den Bogen von all den Weltuntergangsphantasien, die in der Jugendliteratur derzeit Gang und Gebe sind, zu den Utpien zu ziehen mit denen, die Schreckenregime des zwanzigsten Jahrhunderts und wahrscheinlich auch den früheren begonnen haben, ansonsten sind die meisten Romane, weil ja nur das Schrecklichste zählt, wohl eher dystopisch, als utopisch, weil das ja oft als kitschig angesehen wird und die heutige Zeit lockt wohl auch zu Weltuntergangstimmungen und so wird der utopische  wilde Raum in der Taborstraße wohl  interessant werden, der am Samstag mit einem Debattenforum über das Bankenwesen und der Utopie von einer Sozialversicherung für alle begann.

Sehr utopisch denke ich der Wunsch des Schweizer Wirtschaftsjournalisten Jürg Müller, die Banken abzuschaffen. Es wurde ihm von Ulrike Hermann, die ein Buch mit dem Namen “Kein Kapitalismus ist auch keine Lösung” geschrieben hat, auch widersprochen.

Dann wurde es, wenn auch noch nicht unbedingt utopisch, so doch literarisch, kam doch der Schwede Peter Fröberg Idling mit seinem Kambodscha-Buch “Pol  Pots Lächeln”.

Dann folgte die die 1965 geborene Karin Kalisa von der ich mich schon gewundert habe, daß ihr “Sungs Laden” zur utopischen Literatur zählt. Gut zu wissen, sie wunderte sich auch und die Utopie bei dem Buch, das ich noch lesen muß, ist wohl, daß es eine Gesellschaft in Ostberlin schildert, wo sich die deutsche Bevölkerung mit den vietnamnesichen ehemaligen Gastarbeitern verbindet und mit ihnen Brücken baut, Puppenfeste und noch anderes veranstaltet.

Wenn man so, wie ich mit dem Uli diskutiert, der übrigens auch phantastische Romane schreibt, aber gegen das Fremde ist oder nach “Chemnitz” schaut, kann man das wahrlich nur utopisch nennen und ich würde mich wahrscheinlich auch nicht trauen, eine so positive Utopie zu schreiben, aber warum eigentlich nicht, warum muß man alles schwarz malen, nur weil das die Leser angeblich so haben wollen, das ist es was ich mir dem Festival mitnehme.

Nach der Pause wurde es  phantastischer, kam da nämlich die Amerikanerin Annalee Newitz mit ihrem Science Fi Roman “Autonom” wo es von Humans und Robots nur so wimmelte und Drogengebrauch auch eine Rolle zu spielen schien, gefolgt von Georg Klein, der 2000 den Bachmannpreis gewonnen hat und heuer in Leipzig mit seinen Roman “Miakro” nominiert war, in dem es auch sehr phantastisch mit einer Innenwelt und einer Außenwelt zuzugehen scheint.

Am Sonntag wäre es mit einer Matinee in der “Alten Schmiede” weitergegangen, da war aber im Literaturhaus die “Fried-Preisverleihung” und da die Veranstalter das obwohl sie ja miteinander verbunden sind und immer wieder gemeinsame Veranstaltungen machen, nicht besser koordinieren können, bin ich erst  am Nachmittag ins “Odeon” gekommen, wo es das Debattenforum II im utopischen Raum, also eine Diskussion zwischen Luise Meier, die ein Buch “MRX Maschine” geschrieben hat und Georg Sesslen, der eines mit dem Titel “Freiheitstraum und Kontrollmaschine” hat, das war wieder sehr philosophisch theoretisch und daher für mich auch nicht sehr verständlich.

Es ist aber gleich literarischer geworden und zwar mit einem Debut, das auch auf der Bloggerdebutlonglist steht, nämlich Josefine Riecks “Serverland”, die es zwar nicht auf die Shortlist schaffte, ich aber sehr interessant fand, wird hier ja eine Welt in der es keinInternet gibt, geschildert und jetzt von Jugendlichen wieder erobert wird.

Dann hätte Jan Koneffke den Rumänen Stefan Agopian und dessen “Handbuch der Zeiten” vorstellen sollen, der ist aber erkrankt, so hat es Jan Koneffke allein gemacht und das war sehr spannend, ist das Buch des 1947 geborenen Autors schon 1984 in Rumänien erschienen, aber jetzt erst auf Deutsch herausgekommen und dort geht es sehr phantastisch zu, obwohl es auch politisch zu interpretieren ist und ganz am Schluß kam, glaube ich, der Höhepunkt und etwas mir Bekanntes, nämlich eine szenische Lesung aus Joshua Cohens “Buch der Zahlen”, Ilija Trojanow, der am Vormittag den “Toleranzpreis des Buchhandels”  bekommen hat und Walter Famler haben gelesen, der Autor hat das musikalisch begleitet am Schluß eine englische Leseprobe gegeben und danach mit Ilija Trojanow über das Buch, das ich schon gelesen habe, gesprochen und dann war das dreitägige Literaturfestival schon beendet.

Walter Famler hat nochmals darauf hingewiesen, daß der utopische Raum und die Diskussion darüber weitergehen wird und wenn ich ein Resume ziehen soll, es war diesmal eine sehr spannende und interessante Veranstaltung, die meinen Begriff über Utopien und Dystopien sehr erweitert hat und zum Schluß wiederhole ich am Besten noch einmal das Motto des Einführungsvortrags “Besser Kunst als Hoffnung besser Kunst als Angst” und das war es wohl und vermutlich werde ich in Zukunft sowohl Dystopisches als auch Utopisches weiterlesen.

Erich Fried Preis 2018

Den Erich Fried Preis, der immer um den Todestag von Erich Fried im November 1988 von der “Erich Fried Gesellschaft” im Literaturhaus vergeben wird, gibt es seit 1990 und das besondere an der Veranstaltung ist, daß da ein Juror immer allein den Preisträger aussucht und diesmal war das die Schweizerin Beatrice von Matt, die auch einen Schweizer, der vierte, wie der Schweizer Botschafter bei seinen Begrüßungsworten erwähnte, denn 1994 war das Jörg Steiner, 1996 Paul Nizon und 2015 Dorothee Elmiger, war das der 1954 in Schaffhausen geborene Ralph Dutli, der glaube ich in Heidelberg lebt und von dem ich schon zwei Bücher gelesen habe, weil er ja 2013 mit “Soutines letzte Fahrt” und 2015 mit den “Liebenden von Mantua” auf den dBp Listen stand.

Robert Huez hat wieder eröffnet und wies auf das “Kolik Heft” mit einem Sonderteil zum dreißigsten Todestag des Dichters hin, musikalische Einladungen gab es von der “Capella con Durezza”, die aus Ronald Deppe, Michael Bruckner und Matija Schellander besteht, dann kam Robert Schindel der jetzige Präsident der “Fried Gesellschaft” mit seiner Begrüßung und die Laudatio der 1936 in Basel geborene Publizistin und Literaturkritikerin, die auf die Vielseitigkeit des Dichters, der sich sowohl, als Lyriker als auch als Essayist einen Namen machte, Osip Mandelstam übersetzte und die schon bewußten Romane schrieb, hinwies.

Jürgen Meindl der Leiter der Sektion “Kunst und Kultur” im Bundeskanzleramt übergab den Preis und der Autor wies in seiner Rede auf die von ihm übersetzten Autoren, wie Osip Mandelstam oder Joseph Brodsky hin, zitierte die Gedichte sowohl auf Russisch als Deutsch und gab Beispiele über seine Lieblinglaute, das wäre der Buchstabe l und verriet, daß ihm das Wort “Flüchtling” besser als das Wort “Geflüchtete”, wie es das offenbar jetzt in der Schweiz oder auch in Deutschland so heißt, besser gefällt.

Danach gab es wieder Sekt und Knabbereien, ich habe mir von Gustav Ernst das erwähnte “Kolik-Heft” geholt, um mein Fried Wissen, dessen “Vietnam Gedichte” ich ja kürzlich gelesen habe, zu erweitern, ein paar Gespräche geführt. Den Nachmittag habe ich dann wieder literarisch, nämlich im “Odeon” bei der “Literatur im Herbst” verbracht, wo ich ja leider die Vormittagsmatinee versäumte.

Viel Österreichisches auf der Bloggerdebutshortlist

Den Bloggerdebutpreis gibt es, glaube ich, seit drei Jahren. Jedenfalls bin ich seit 2016 in der Jury desselben der vom “Debut” vergeben wird. Drei Frauen, Anna Bozena Badura, Janine Hasse und Sarah Jäger sind das Team und sammeln alle Debuts des Jahres, aus denen sie dann zu Ende eine Shortlist aus fünf Kanditaten ermitteln, die an die Bloggerjury gehen, die dieses Jahr aus vierzehn Literaturbloggern besteht. Die lesen dann und vergeben Punkte und der Winner und der Zweitplazierte werden dann nach Essen in das Cafe Livres eingeladen, wo der Preis vergeben wird.

Eine spannende Sache, wie ich finde und ich bin, glaube ich, zufällig vor zwei Jahren, als ich wahrscheinlich Nele Pollatschek gelesen habe und die Bewerbungsfrist der Blogger eigentlich schon vorrüber war, auf das “Debut” gestoßen, habe geschrieben “Kann ich noch mitjurieren?”, was klappte und dann suchte ich aus der Shortlist von 2016 “Nachts ist es leise in Teheran”, das dann auch gewonnen hat aus und in Vorjahr war, wo “Das Genie” von Klaus Cäsar Zehrer die meisten >Punkte hatten, waren wir sogar in Essen bei der Preisverleihung.

Heuer ging es weiter und ich habe, da ich in diesem Jahr sehr viele Neuerscheinungen gelesen habe, auch sehr viele Vorschkläge für die lange Liste machen können, die dann aus neunundsechzig Romanen bestand.

Sechszehn davon habe ich gelesen, nämlich:

Gunnar Kaiser “Unter der Haut”

Florian Wacker “Stromland”

Gianna Molinari “Hier ist noch alles möglich”

Lukas Rietzschel “Mit der Faust in die Welt schlagen”

Kai Wieland “Amerika”

Denis Pfabe “Der Tag endet mit dem Licht”

Claudia Tieschky “Engele”

Donat Blum “Opoe”

Michel Decar “Tausend deutsche Diskotheken”

Wlada Kolosowa “Fliegende Hunde”

David Fuchs “Bevor wir verschwinden”

Barbara Rieger “Bis an Ende Marie”

Verena Stauffer “Orchis”

Hilmar Klute “Was nachher so schön fliegt”

Ljuba Arnautovic “Im Verborgenen”

Mareike Schneider “Alte Engel”

 

Mario Wurmitzer “Im Inneren des Klaviers”

Anne Reinecke “Leinsee”

Livia Klingl “Der Lügenpresser” und

Angelika Stallhofer “Adrian und Die  unzähbaren Dinge”

liegen noch ungelesen in meinen Regalen oder auf Alfreds Schreibpult und ich habe mir aus den von mir gelesenen Bücher natürlich meine persönliche Shortlist gemacht, die aus Wlada Koloswa, Gunnar Kaiser, Hilmar Klute, Gianna Molinari und David Fuchs bestehen würde.

“Amerika”, “Mit der Faust in die Welt schlagen” und das Buch der Ljuba Arnautovic waren aber auch sehr interessant.

Anna Bozena Badura, Janine Hasse und Sarah Jäger haben anders entschieden und

Christian Y Schmidt “Der letzte Huelsenbeck”

Marie Gamilschegg “Alles was glänzt”, die öst Debutpreisträgerin

David Fuchs “Bevor wir verschwinden”

Verena Stauffer “Orchis” und

Bettina Wilpert “Nichts, was uns passiert”, die glaube ich, den “Aspekte-Debutpreis” bekommen hat, auf die Shortlist gesetzt.

Sehr viel Österreichisches, wie ich mit Erstaunen feststellte und bis auf Christian Y Schmidt auch Bekanntes. Denn Bettina Wilpert habe ich auf dem “Blauen Sofa” bei meinem “Frankfurtsurfen” gehört.

Marie Gamilschegg bei den “O-Tönen” und bei der öst-Preisverleihung, ihr Buch auch im September angefragt und nicht bekommen.

jetzt kann ich es lesen, die Bücher von David Fuchs, der ja auch für den öst Debutpreis nominiert war und Verena Stuaffers “Orchis”, die ich auf dem ersten Blick mit Angelika Stallhofers “Adrian”, die ich ja bei den letzten “Wilden Worte” hörte, verwechelte, habe ich schon gelesen und jetzt geht es trotz meiner noch so langen Leseliste an das Shortlistlesen und  bin gespannt, wie die Bücher mir, sowie den anderen dreizehn Mitjuroren gefallen werden.