Von der Forschungswerkstatt zur Literaturkritik

In der Wien-Bibliothek im Rathaus gibt es gerade zum Gedenkjahr 1938 eine Ausstellung. Da war ich bei der Eröffnung und da ist auf den Plätzen ein Folder gelegen, denn es gibt dazu ein umfgangreiches Begleitprogramm und da war ich heute bei der ersten diesbezüglichen Veranstaltung.

“Ja oder nein, Plakate zur Volksabstimmung am 10. Apruil 1938. Da hätte es vorher zwar eine Volksberfragung geben sollen, wo man sich zu Schuschnigg und zu Österreich bekennen hätte sollen. Das wäre im März gewesen, da sind aber vorher schon die Nazis in Österreich einmarschiert und haben dann das Volk pro forma dazu befragt.

Der Kreis in dem man mit “Ja” ankreuzen sollte, war ungefähr dreimal größer als der mit “nein”. So sollten wohl damals schon die Werbepsychologie wirken und es hat, glaube ich, auch keine richtigen Wahlzellen gegeben, so daß das Ergebnis dann 99 oder so Prozent lautete.

Meine Mutter hat trotzdem mit “nein” gestimmt. Das hat sie mir erzählt und ich glaube es ihr auch. Von meinem Vater weiß ich es nicht, aber der war ein aufrechter und aktiver Sozialist und wird sich wahrscheinlich auch dementsprechend geäußert haben.

Julia König hat die Veranstaltung “Aus der Forschungswerkstatt” im Seminarraum der Wien-Bibliothek, es gibt auch noch Ausstellungsrundgänge und Ausstellungsgespräche im Programm, geleitet. Das heißt, sie hat die Plakate projeziert, die es diesbezüglich gegeben hat.

Ich interessiere mich ja für die Geschichte Wiens der Zwischenkriegsjahre, während des Nationalsozialismus, etcetera. So habe ich mir einige besonders interessante Veranstaltungen aus dem Programm in meinem Kalender eingetragen und hätte trotzdem fast nicht hingehen können. Denn die Veranstaltung war um fünf. Da hatte ich mir keine vier Uhr Stunde eingeteilt, hatte dann aber eine um sechs und da wäre ich, nachdem die Veranstaltung eine dreiviertel Stunde dauerte, nicht rechtzeitig in meiner Praxis gewesen und um sieben wollte ich schon in die “Gesellschaft für Literatur”.

Ich konnte aber die Stunde auf vier verschieben. Die Klientin ist auch ein wenig früher gekommen, so daß es sich sehr schön ausgegangen ist und ich nachher ganz bequem und langsam mit einem Umweg über die Buchhandlung Kuppitsch und, nein, das Klaus Modik-Buch “Konzert ohne Dichter”, um 5. 95 habe ich mir nicht gekauft, obwohl das eigentlich ein Versehen war und es mir nachher fast leid tat, in die Herrengasse spazieren konnte und da gab es auch ein besonderes Programm. Stellte da doch die wahrscheilichlich nicht nur in Österreich sehr bekannte Literaturkritikerin Daniela Strigl ihr bei “Droschl” erschinenen Erssayband “Alles muß man selber machen” vor und das hat mich sehr interessiert, obwohl mir Henirke Blum das PDF schon geschickt hat und ich das Buch demnächst lesen werde.

Wenn ich es schon gelesen hätte, wäre ich wahrscheilich eher ins Literaturhaus zu der Lesung von Cordula Simon neuem Buch “Der Neuauber” gegangen, obwohl ich das Buch auch auf meinem Badezimmerstapel liegen habe, weil ich ja eher nicht zu Veranstaltungen gehe, wenn ich das Buch schon gelesen habe, aber das habe ich noch nicht und ein wenig Hintergrundinformation dachte, ich wäre auch sehr gut.da

Der Veranstaltungssaal sehr voll, obwohl ich schon sehr früh eingetroffen bin, kein Wunder, wenn Österreichs bekannteste Literaturkritikerin liest, die außerdem noch sehr charmant und schlagfertig ist, kommen die Leute und für mich gab es auch eine Überraschung, lagen doch auf dem Tischchen mit der freien entnahme die “Hammer 95” und wahrscheinlich 96 auf und da habe ich ohnehin schon fast alle verteilt, die mir Kurt Neumann zuschickte. So nahm ich mir einen Stoß und verteilte sie dann munter an das Publikum. Dine Petrik war da, Frau Schmidt-Dengler, Helga Köcher, und und und…

Manfrend Müller leitete ein und erklärte, es gäbe Biografie, Essays und Kritiken in dem Buch und die 1964 in Wien geborene, die glaube ich über Theodor Kramer dissertierte, ein Buch über Marlen Haushofer und eines über Marie von Ebener Eschenbach geschrieben hat, bekannte in ihrem ersten lesen Block, das ihr das Schreiben über ihre Persönlichkeit eher schwer fiele. Esg ibt eine Menge Ebner Eschenbach-Aphorismen in dem Buch, die sie zitierte. Dann las sie über die Rolle der Kritik und dann noch etwas Persönliches. Dazwischen gab es Gespräche mit Manfred Müller, die sie zu den Biografien befragte. Die wräen  jetzt modern und ich habe in der letzten Zeit auch eine ganze Reihe gelesen und die Leute lesen sie offenbar lieber als Romane. So erzählte Daniela Strigl von einer Frau, die sie angesprochen hat, als die Haushofer Biobgrafie vorgestellt wurde und sie von ihr wissen wolle, ob sie nun Haushofer lesen würde.

“Nein!”, sagte die Damie.

“Ich lese nur Biografien!”

Das ist wohl eine Enttäuschung für die Bigorafin. Dann ging es weiter zur Literaturkritik und zu den Verrissen. Das ist ja recht schwer, wenn man mit dem Autor befreundet ist und in Österreich kennt ja jeder jeden, meinte Manfred Müller. Das trifft zumindestens auf das literarische Publikum in Wien zu und eine Konkorrenz der Literaturkritik ist ja bekanntlich auch die Kritik im Netz. Daniela Strigl nannte sie leicht belustigt, Befindlichkeitskritik und meinte, da würden die jungen Mädchen ihr Buch in die Höhe halten und stolz sagen “Das habe ich am Strand gelesen!” und das ist natürlich etwas anderes, als die Feuilletons und auch das was Ḿarcel Reich Ranicki vor einiger Zeit betrieben hat. Daniela Strigl zitierte sich auch durch die Geschichte und brachte Außerungen von Kurt Tucholsky, der schon vor achtzig oder so Jahren, beklagte, daß die Leute keine Kritiken+ mehr lesen würden.

Nun muß ich gestehen, ich lese sie eigentlich auch nicht sehr viel, weil ich ja keine Verrisse mag und auch nicht, wenn der Kritiker glaubt, allles sehr viel besser zu wissen, werde mich aber wenn ich meinen “Koran-Krimi”, den mir “Literturtest” geschickt hat und auch die Amerikareportagen von Martin Amanshauser, die er übrigens heute beim “Thalia” vorstellte und bei denen der Alfred war, der ja im Kuni wieder nach Amerika fährt, ausgelesen habe, auch an eine Befindlichkeitskritik machen, wie ich Henrike Blum und Manfred Müller schon andeutete. Bei Daniela Strigl habe ich mich das nicht ganz getraut zu sagen, habe sie aber beim Weggehen nicht mehr gesehen.

Alte Engel

Noch ein Debut, diesmal eines, das schon auf der “Blogger-Debutlonglist” steht und das ich mir aus Leipzig mitgebracht habe. Simon Grimm vom “Rowohlt-Verlag” hat es mir mit freundlichen Grüßen mitgegeben und mir auch ein bißchen was zu der Autorin und dem Buch erzählt, von der ich noch nie etwas gehört habe.

Mareike Schneider wurde 1881 geboren, lebt in Leipzig, studierte in Hildesheim und hat 2014 beim “Open Mike” einen Preis gewonnen und dann würde ich noch vermuten, daß ihr erster Roman ziemlich autobiografisch ist.

Denn da geht es um Franka Raben, eine abgebrochene Kunststudentin, die mit ihrer Katze Käthe in das Haus ihrer Großmutter Marie fährt, um ihren Vater, der Maries Schwiegersohn ist, bei der Betreuung der alten Frau zu helfen.

Franka hat, wird angedeutet keine andere Wahl, weil keine Wohnung, die prekären Verhältnisse der Generation Dreißig wird wieder einmal thematisiert. Sie sucht sich auch einen Job und verkauft dann Brötchen in einer Billigbäckerei oder steht in der Kantine des Kulturhauses und das alles wird sehr skurril bizarr erzählt.

Mehr frech und rotzig, als poetisch, würde ich sagen und das Buch ist in drei Kapitel: Sommer, Herbst, Winter eingeteilt, die sich dann in jeweils mit einem bis drei Kreuzen markierten Abschnitten untergliedern. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob Mareike Schneider, das wirklich komplett durchgehalten hat, daß ein Stern, die Vergangenheit der Großmutter, zwei Kreuze das Leben mit ihr und  drei die, prekäre Arbeitssituation und die Zukungsperspektiven der jungen Frau thematisieren. Es könnte aber so sein, vielleicht auch in anderer Reihenfolge.

Denn es geht in den über fünfhundert Seiten, in denen auch ein kurzer Anhang über die vogtlädische Sprache angefügt ist, denn die Oma kommt aus dem Vogtland und spricht noch diesen Dialekt, ein wenig ungeordnet zu.

Hier meine ich, hätte eine Kürzung und Straffung des Inhaltes und vielleicht eine Reduktion von hundert oder so Seiten genützt, denn es kann einem beim Lesen so vorkommen, als würde hier ungeordnet dahin erzählt.

Die Sprache ist frech und rotzig, hat durchaus originelle Wendungen, wie, wenn Franka ihrem Vater von der Herfahrt im Bus erzählt. Da saß sie mit dem Katzenkorb auf den Knien vor einer Frau, die sich darüber aufregte, daß man sowas ihrer Katzenallergie antuen könne.

Die Großmutter wird auch ein wenig rotzig frech geschildert. Sie ist Diabetikerin, ist blind oder stellt sich vielleicht nur so, jedenfalls hat sie die Augen ständig geschlossen, so daß ihr ein Zivi zugeteilt wurde, der sich um sie kümmern soll, den sie aber nur mit Keksen fütterte, so daß alles andere liegenblieb. So beschloß die Verwandtschaft, Hagen, der Schwiegersohn muß her. Die Mutter, die Wohnungsausräumerin ist, wollte oder konnte das offenbar nicht schaffen und Hagen, der auch ein origineller Mann ist und davon lebt, alte Sachen zu reparieren und seltene Plfanzen zu züchten, hat auch unkonventonelle Betreuungsmehthoden. Er baut im Winter aus dem Schnee auch einen Iglu und setzt die Oma dann auch einmal hinein.traße

Die Oma ist eine, die in der vogtländischen Sprache ständig schimpft und Hagetraßen immer noch detraßen “Moa” nennt und Franka das “Madl”. Sie versteckt ihre Süßigkeiten an allen Ecken und Enden und schmatzt sie dann auf, während die Familie sich bemüht, ihr Diabetikeressen zu servieren.

Es geht aber auch in die Vergangenheit, der jungen Marie, die im World War II zwangsverpflichtet war. Ihr Haushaltsjahr bei verschiedenen Familien absolvierte. Sich dann mit dem Sohn der einen verlobte, der aber gefallen ist. So kam sie zu dem Opa in die DDR, der war Alkoholiker und meldete Oma vom Kindergarten, ihren Traumberuf, gleich ungefragt ab.

Mit der Katze gibt es natürlich auch Probleme , was wieder zu bizarren Szenen führt, wenn Franka versucht die schwarzgefärbte Katze in der Badewanne abzuduschen.

Ganz schwierig wird es zu Weihnachten. Da wird die Oma vorher, damit der Vater sich erholen kann, in ein Spital gebracht, das natürlich unterbesetzt ist und wo es ihr auch nicht gefällt. dann holen sie sie zu Weihnachten wieder ab, der Arzt ist trotz der Unterbesetzung dagegen und die Familie ist mit ihren selbstgebastelten Geshenken, die man früher “Aus der Not eine Tugend machen” jetzt “recyclet” nett, angekommen und auch mit den neunerlei Schnittchen, mit den man im Vogtland schon zu Weihnachten, das neue Jahr begrüßte.

Brot mit neun verschiedenen Aufschnitten, von denen man immer nur von jedes eines essen durfte. Das war früher ein arme Leute essen. Ein Brot mit Butter, eines mit Salz, eines mit Pfeffer, dann mit Pfeffer und Salz und so weiter und so fort, bis man satt gegessen war.

Jetzt gibt es natürlich viel bessere Aufstriche und als die Mutter mit den Platten kommt, muß sie sich über die Neffen und Cousins ärgern, die sich einfach gleich zwei der selben Sorte ergreifen und auf den Brauch pfeifen.

Weihnachten wird trotz des echten Weihnachtsbaumes, den Franka ihrer Oma schenkte, damit sie nicht immer im Plastikmüll leben muß, schrecklich, denn die Dilalyseschwester gibt ihr nur noch ein paar Tage und die Mutter steht schon am Dachboden und räumt sie Sachen aus, denn das ist ja ihr Beruf, während Franka das streng unterbindet.

Schließlich ist man eingeschneit, die Dialyseschwester kann nicht kommen und man diskutiert, ob man die Oma mit dem Hubschrauber ins Krankenhaus bringen oder selber “Sterbehilfe” leisten soll. Das sind die Stellen, wo die junge Frau vielleicht ein wenig übertreibt oder die Emotionen überschwappen. Aber ansererseits auch wahrscheinlich das, was man empfindet, wenn man mit zwanzig oder fünfundzwanzig  seine Großmutter beim Sterben begleiten soll.

Am Schluß gibt es das Begräbnis und die Pastorin lobt den Vater und Franka geht in ihren Erinnerungen in ihre Jugend zurück, wo sich alle manchmal mit Schneebällen auf einen Jungen stürzten, bis dieser am Boden lag und erzählt auch von den Aprilscherzen, die die Oma mit ihren beiden Töchtern machte, die ihr immer darauf hineinfielen und einmal, ein einziges Mal war es umgekehrt.

Zum zwanzigsten Mal Literatur und Wein

Trio Lepschi

Trio Lepschi

Franzobel

Franzobel

Das Literaturfestival in Göttweig und Krems von Sylvia Treudl und ihrem Team vom NÖ Literaturhaus veranstaltet, feiert sein Jubiläum und wir sind zum sechsten Mal dabei.  Alfred ist auf die Idee gekommen jährlich dort hinzufahren, mir wäre es ganz ehrlich zu teuer, aber interessant ist es allemal, obwohl ich die meisten Autoren kenne und einige der präsentierten Bücher auch schon gelesen habe.

Das Motto heuer lautete “Vorwärts – die Zukunft nicht vergessen” und deshalb war der Auftakt im niederösterreichischen Literaturhaus Krems auch gleich politisch oder eigentlich nicht, denn angefangen hat es auch mit etwas schon bekannten, nämlich dem Trio Lepschi, um den Krimiautor Stefan Slupetzky und die blödeln ja mehr oder weniger auf Deutsch und nachgemachten Französisch, was mir manchmal gefällt, manchesmal auch nicht, beziehungsweise mir dann zu lustig ist.

Josef Haslinger

Josef Haslinger

Dann kam Franzobel und der ließ ins Programmheft drucken, daß er nach dem “Floß der Medusa” wieder in die Gegenwartt will und so schreibt er gerade einen Roman, der noch keinen Titel hat und in einer Diktatur spielt.

Kathy Zarnegin

Kathy Zarnegin

In Österreich haben die Rechten oder so gewonnen, der Regierungschef heißt Meister und es geht um einen Mann, der unschuldig ins Gefängnis kommt und um den Opernball geht es auch.

So hätte der Roman auch heißen können, verlautete Franzobel launig, wenn es nicht schon einen anderen dieses Namens gäbe und dessen Autor saß in der erste Reihe und kam nach Franzobel dran, las auch einen unveröffentlichten Text und sagte ebenfalls  dazu, daß das für ihn ungewöhnlich sei, offenbar war das, die Forderung an die Auftaktautoren Unveröffentlichtes zu lesen und politisch ist es auch.

Franzobels Werk, das habe ich noch vergessen zu erwähnen, scheint ein Krimi zu werden. Jedenfalls kommt wieder der Kommissar Groschen vor und Josef Haslinger, der wie Syliva Treudl einleitete mit dem “Opernball” und dem “Vatermord” berühmt geworden ist. Beide Romane habe ich gelesen, aber noch lange nicht darüber gebloggt. Dass habe ich nur mit “Jachymov” getan, schreibt gerade ein Theaterstück mit dem Namen “Die Rennerprobe”, denn da probt gerade eine aufgelöste Theatergruppe ein Stück über Karl Renner in einem Parteilokal  und drei Stellen daraus hat Josef Haslinger vorgelesen.

Bachtyar Ali

Bachtyar Ali

Zu dem Festivalpass hat es wieder einen Goodie-Beutel “Lesen ist dem Menschen zumutbar” mit dem Programmheft,  zwei Weinbons, den fünf sonderpublikationen “Versopolis – Wo Lyrik zuhause ist 16- 19, die diesmal am Samstag in der Galerie Göttlinger vorgestellt werden, der anderen Sonderpublikation, wo  ein Text von Ilija Trojanow “Wein und Wort und “Acht Glas Gedichten” von Sandra Hubinger enthalten sind, sowie dem Buch “Wein.Wandern – ein literairscher Verführer durch die Wachau und das Kamptal”, der 2013 am Eröffnungsabend vorgestellt wurde, gegeben.

Paulus Hochgatterer

Paulus Hochgatterer

Und das Weinwandern hat mich damals ja so beeindruckt, daß ich es mit “Kerstins Achterln” in der Hand bei  der nächsten Weinverkostung in Nussdorf an der Traisen wiederholte und dort im Weingut Herzinger waren wir am Freitag auch kurz bevor wir auf den Göttweiger Berg hinaufgefahren sind, weil der Alfred für sein Fest, das er demnächst für seine Betriebsratkollegen gibt, Wein kaufen wollte.

Wein gab es dann auch im Stift Göttweig und da wurde diesmal zum zwanzig Jahre Jubiläum der Weinbegleiter ausgetauscht. Das war diesmal ein Herr Müller und es gab keine Doppelmoderationen mehr und auch keinen Winzer, der seinen Patenwein, nachedem er ihn kurz besprochen hat, dem jeweiligen Autor auf den Tisch stellte, der dann meistens ohnehin nicht daraus getrunken hat.

Es gab auch diese Weine  nicht mehr oben im Verkostungssaal mit den entsprechenden Winzern. Dort lag nur mehr eine durchnummerierte Liste mit den jeweiligen Weinen auf und der ehrenamtliche Weinbegleiter empfahl dem p. t. Publkum, sich am besten im Laufe der Veranstaltung durch die Weine durchzukosten.

Ilija Trojanow

Ilija Trojanow

Etwas was für einen Autofahrer, der ja irgendwie vom Kremser Berg wieder hinunter muß, falls er nicht im Stiftshotel schläft, leicht fahrläßig wäre,  für mich aber da unter den dreiundzwanzig Weinen, nur drei Rote, ein Zweigelt und zweimal Pinot Noir waren, sehr leicht und durch diese habe ich mich auch durchgekostet und begonnen hat die Lesung mit zwei mir bisher unbekannten Autoren, nämlich mit der in Teheran geborenen und in der Schweiz lebenden Kathy  Zarnegin, deren Roman über eine junge Frau, die beschließt Schriftstellerin zu werden, namens “Chaya” ich mir vom Alfred schenken ließ.

Arno Geiger

Arno Geiger

Jetzt muß ich ihn nur noch lesen, habe das aber mit Peter Henischs “Suchbild mit Katze”, das ich mir vor zwei Jahren vom Autor in Göttweig signieren ließ, auch noch nicht getan, aber gut man soll die Hoffnung nie aufgeben und auch der zweite Autor, der im Nordirak geborene Bachtyar Ali, der in den Neunzigerjahren nach Deutschland kam, war mir bisher unbekannt, obwohl sein erster Roman”Der letzte Granatapfel” einen eher berkannten Namen trägt, da habe ich aber ein anderes Buch gelesen und jetzt hat der Autor, beziehungsweise Christoph Mauz, die deutsche Fassung aus dem zweiten Roman “Die Stadt der weißen Musiker” gelesen, wo einer von Amsterdam in den Irak zurückfliegt und dort einer schönen Frau Noten überbringen soll und Sylvia Treudl betonte in ihrer Einleitung die märchenhaften Elemente mit denen der Autor die Grausamkeiten des Krieges zu erzählen weiß.

Interessant ist auch, daß der Autor vor uns in der Warteschlage am Büchertisch gestanden ist und sich  drei Bücher kaufte, etwas was ich noch nicht beobachtet habe und sehr toll finde.

Diknu Schneeberger Trio

Diknu Schneeberger Trio

Der nächste Autor war mir dagegen  wohl bekannt und ich habe auch sein Buch, wenn auch als PDF gelesen, nämlich Paulus Hochgatterers  “Der Tag an dem mein Großvater ein Held war”.

Dann kam die erste Musikeinlage des “Diknu Schneeberger-Trios” und dann kam wieder etwas “Weinbegleitung”, nämlich Iliya Trojanow mit einer Winzerin und einer Weinflasche auf dem Tisch

Milena Michiko Flašar

Milena Michiko Flašar

Denn Iliya Trojanow, der Weltensammler, der in der “Alten Schmiede” auch Weltbefragungdiskussionsrunden verastaltete und im Augartenspitz zum öffentlichen Diskurs aufrief, hat sich im letzten Jahr offenbar auf das Weingut Salomon Undhof begeben, dort ein Weintagebuch geführt, das er im nächsten Jahr vorstellen will und sogar einen eigenen Wein kreieirt. Er hat auch einen Text über “Wein und Wort” geschrieben, den er vorgelesen hat und dann kam nach einer Pause Arno Geiger, der sich in seinem letzten Buch  “Unter der Drachenwand”,  ähnlich wie Paulus Hochgatterer mit den letzten Kriegstagen beschäftigt hat und von einem jungen Mann erzählt, der nach der Matura gleich an die Front geschickt wurde und jetzt offenbar unter der “Drachenwand” seine erste Liebe erlebt.

Christoph W. Bauer

Christoph W. Bauer

Ich habe Arno Geiger ja als ganz jungen Mann 1996 in Klagenfurt lesen gehört und war von seinem Text sehr beeindruckt, während mir sein Buchpreisroman und auch “Alles über Sally” nicht so sehr gefallen hat.

Dann gabs noch einmal Gitarrenmusik und Sylvia Treudl rief zum Besuch der noch folgenden Veranstaltungen auf und am Samstag wurde es wieder dicht.

Ich bin wieder zu “Transflair”, dieser Diskussionsreihe mit Klaus Zeyringer gegangen. Im letzten Jahr habe ich das ja ausgelassen und bin stattdessen zu “Versopolis” ins “Salzstadl” gegangen.

Marion Poschmann

Marion Poschmann

Diesmal wären die Lyrikveranstaltungen in einer Galerie gewesen und  die Transflairveranstaltung mit dem Thema “Wir sind zu gut für diese Welt -Über Helfersyndrom und gesteuerte Verblödung”, war auch besonders interessant, stellten doch Norbert Gstrein von dem ich schon einiges gelesen und gehört habe, seinen neuen Roman “Die kommenden Jahre” und der Philosoph Robert Pfaller sein Buch über die “Erwachsenenensprache” vor  und da geht es, obwohl mir diese Definition eigentlich unlogisch erscheint, weil man ja eigentlich “erwachsen” sprechen und nicht davor gewarnt werden sollte, um die Debatte mit der politischen Korrektheit, beziehungsweise über die Triggerwarnungen, die die Amerkaner geben, wenn in einem Film beispielsweise Sex etcetera vorkommt.

Doron Rabinovici

Doron Rabinovici

“Beide Bücher beginnen mit einer Reise nach Amerika, am Vorabend der Wahl von Donald Trump”, leitete Klaus Zeyringer ein und bei Robert Pfaller war die Ausgangslange eine Warnung, daß ein Film, den er sich im Flugzeug ansehen ansehen wollte, seine Gefühle verletzten könnte, während es in Norbert Gstreins Roman um einen Gletscherforscher und seine Frau geht, die eine syrische Familie bei sich aufgenommen hat und sich beim Helfen zusehen und filmen läßt, also höchst aktuell und politisch.

Zu Mittag bin ich  auch wieder bei der Wanderung mitgegangen, die eigentlich ein Spaziergang durch die Altstadt von Stein und sehr kurz war.

Antonio Fian

Antonio Fian

Anschließend haben Bodo Hell und der Schweizer  Leo Tour, der auf Rätroromanisch schreibt und, wie Bodo Hell Hirte war oder ist, aus ihren neuen Büchern gelesen.

Der Abend in Göttweig brachte wieder sehr viel Bekanntes. Eigentlich habe ich das meiste außer dem Work of Progress von Christoph W. Bauer, der aber auch schon öfter bei “Literatur und Wein” gelesen hat, gekannt.

So gab es die beiden in Japan spielenden Romane von Marion Poschmann und Milena Michiko Flasar, die sehr direkt von dem Spannungsbögen sprach, den sie auf Seite zwanzig eingebaut hat und dann noch sagte, “Eigentlich hätte ich Ihnen auch gern die Stelle vorgelesen, wo Herr Kato das erste mal Familie spielt, aber leider ist dafür keine Zeit mehr, also müssen sie das Buch selber…..”

Wiener Tschuschenkapelle

Wiener Tschuschenkapelle

Auch Doron Rabinovicis “Außerirdische” habe ich schon gelesen weil es im Vorjahr auf der Longlist des östBp stand und Antonios Fians Wunschdramolette, die sich Sylvia Treudl und Michael Stiller zum Geburtstag wünschten, habe ich  schon einige gekannnt und auch die Musikbegleitung, die “Wiener Tschuschnkapelle” habe ich bei “Literatur und Wein” schon gehört.

Dazwischen ist noch einmal der neue Weinbegleiter aufgetreten und hat zum eifrigen Verkostung, der ausgesuchten Weine aufgerufen, als ich das dann in der zweiten Pause tun wollte, waren zwei der drei Rotweine schon weg, so daß sich Sylvia Treudl beim p. t. Publikum  entschuldigte und Slavco Ninic von der “Tschuschnkapelle” launig meinte, daß er das nächste Mal den griechischen Wein, den er vorher besungen hatte, zur Veranstaltung mitbringen würde.

Heinz Janisch

Heinz Janisch

Vielleicht sollte man auch wieder zur vorigen Weinbegleitung zurückkehren, denn, wie heißt das doch so schön “Never chance a winning team” und bisher hat es, soviel ich weiß, sehr gut geklappt.

Christoph Mauz

Christoph Mauz

Am Sonntag ging es wieder weiter mit einer Sektmatinee, wo diesmal das Duo Matthias Bartolomey mit dem Cello und Klemens Bittmann, Violine und Mandola, den Auftakt gab und dann noch eine Schlußrunde spielte, dazwischen war außer, wie, glaube ich, in jedem Jahr vorher, der, wie im Programmheft steht “begnadete und mitreissende Vorleser Christoph Mauz, der unter dem Titel “Das erste Vierte(r)l” Texte von Karl Kraus, Anton Kuh, Fritz Herzmanovsky-Orlando, Peter Hammerschlag und Roda Roda, vortrug, Heinz Janisch, den den von der “Ohrenschmaus-Jury” kenne, aber zum ersten Mal Texte von ihm hörte, am Programm.

Er hat eine Menge Kinder- und allgemeine Betrachtungsbücher geschrieben. So hat er sich zum Beispiel nach dem Tod seines Großvaters in dessen Haus gesetzt und Anekdoten über die Gegenstände und Gerüche die es dort gab aufgeschrieben und ein Kinderbuch über ein Wettrennen, das statt von Pferden von Kamelen gestaltet wurde, gibt es auch.

Spannend, spannend, das zwanzigste internationale Literaturfestival “Literatur und Wein” von denen ich die letzten sechs hautnah und sehr intensiv miterlebte.

BartolomeyBittmann

BartolomeyBittmann

Meine Chance dort einmal zu lesen, ist zwar nicht so groß, weil ja nicht berühmt, inzwischen bin ich aber, glaube ich, dort schon ziemlich bekannt und werde von den Leuten immer wieder angesprochen und auch Alfreds Fotos sind sehr begehrt, so daß ich ständig meine Visitenkarten verteile und auf das “Literaturgeflüster” hinweise und es ist wahrscheinlich auch sehr interessant, wenn man immer wieder nachlesen kann, was in den letzten Jahren dort passierte und wenn ich eine kleine Kritik an Sylvia Treudls Moderationen anbringen darf:

Meiner Meinung nach verwendet sie zu oft das Wort “großartig” und “wunderbar” bei ihren Vorstellungen. Aber natürlich  werden immer nur ganz besondere, das Haus füllen könnende Autoren eingeladen und  Enthusiasmus ist bei einer Moderatorin wahrscheinlich auch sehr wichtig.

Und am Ende stehlen wir Zitronen

Noch ein Debut, von einer mir bisher unbekannten Autorin, der 1985 in NÖ geborenen Eva Lugbauer, deren “Und am Ende stehlen wir Zitronen” bei “Wortreich”, dem kleinen feinen Verlag erschienen ist, den ich seit vorigen Jahr in Leipzig während des Österreich-Empfangs immer besuche und es ist eines, wo ich nach dem Lesen des Klappentextes beziehungsweise der “Amazon-Rezension” auch dachte, “Uje, uje, was habe ich mir da geben lassen, das interessiert mich nicht!”

Das soviel zu dem das man den Wert eines Buches auf der ersten Seite oder nach dreißig Sekunden Probelesen erkennen kann.

“Nein, liebe Leute vom Literaturcafe oder sonstwo, so geht das wirklich nicht, jedenfalls nicht bei mir und, ich glaube, das ist auch verallgemeinbar.

Denn noch auf der ersten Seite, dem Kapitel “Im Wasser”, mit sehr poetischen, für mich inhaltslosen Sätzen, hätte ich gedacht “Nun ja, schon wieder ein sprachrauschiges Debut, dann war ich aber gleich im Wasser und fing zu schwimmen an, obwohl ich das in der Realität gar nicht kann und das Kapitel dann auch “Stehen” hieß.

Denn dann wird es gleich konkret: “Gänsehaufen!”, dachte ich und wir sind im Land in einem Dörfchen namens Unterfichten, sind bei Isa Erlinger, der fünfundzwanzigjährigen Kindergärtnerin, die noch nichts aus ihrem Leben gemacht hat, obwohl sie schon einen Freund namens Martin hat und die sich jetzt auf dem Polterabend einer Freundin befindet, mit ihr “Peniskekse” verkaufen, ein Sexshop besuchen und sich auch von einem Mann anquatschen lassen soll.

Das ist nichts für sie. So geht sie an den See, will auf ihre Lieblingsbank, aber dort sitzt schon eine Frau, die sie anspricht und am nächsten Tag erfährt sie von ihrer Nachbarin, daß die mit einem Rucksack voller Steine ins Wasser gegangen ist. Die Frau hieß Hilda Haller oder Haller Hilda, wie man die Namen in Isas Provinz ausspricht.

Isa geht zu ihrem Haus “Krippenhaus” genannt, weil dort zu Weihnachten immer ein Krippe steht, denn Hilda Haller war einmal Bühnenbildnerin und sie hatte auch eine Tochter namens Lou, die vor zehn Jahren verunglückte.

Vielleicht hat sich Hilda Haller deshalb umgebracht. Isa weiß es nicht, geht aber in einen Supermarkt, kauft sich dann Zigaretten und geht damit, weil eine Frau in dem Dörfchen ja nicht rauchen darf, weil das stinkt und unbweiblich ist, auf den Friedhof, wo der Totengräber vielleicht schon Hilde Hallers Grab ausgräbt.

Isa hat dann bald Geburtstag und das wird von ihrem “stinknormalen” Freund, der bald heiraten und möglichst viele Kinder will, immer in einen Ritual gefeiert. Er bringt ihr den Kaffee ans Bett, bäckt Palatschinken in Herzform, nachher geht es an den See und zum Eisessen und ein Geschenk gibt es auch.

“Hoffentlich kein Ring!”, denkt Isa den ganzen Tag in Panik. Es ist aber, wer hätte das gedacht, daß der Normalo so sensibel sein kann, ein Fallschirmsprung und den hat Isa sich vielleicht auch gewünscht.

Sie lernt etwas später Hilda Hallers Nichte Zora kennen, die das Haus geerbt hat und es ausräumt. Sie freundet sich mit ihr an und die Journalistin aus Wien, erzählt ihr von Lou, die Isa seltsamerweise sehr ähnlich sieht, aber sehr ungewöhnlich war, immer frei sein und reisen wollte, also eigentlich das Gegenteil von Iisa, die ihre schönen Kleider bewundert. Zora schenkt sie ihr, lädt sie auch nach Wien ein und die Beiden gehen mit einen Schal von Lou auch auch auf ein Feuerwehrfest zum Tanzen.

Dort wird viel Schnaps getrunken und vielleicht verschwindet Isa mit ihrem Exfreund Jonas auch hinter ein Gebüsch. Sie kann sich nicht mehr ganz daran erinnern, hat auch ein schlechtes Gewissen wegen Martin und auch Angst vor Aids, will mit ihm Schluß machen, fährt für ein paar Tage zu Zora nach Wien, wo sie einen Ben, der Krankenpflege ist, kennenlernt und sich ihm als Lou, auf seine Frage, wie sie heißt, ausgibt.

“Isa. Ich meine Lou-Isa. Ich meine Louisa-Bella. Louisabealla” – “Was?”- Du kannst Lou sagen!”

Zu Weihnachten macht Isa  mit Martin Schluß, als der ihr gerade sein Geschenk, einen Gutschein für ein gemeinsames Fotoshooting überreicht hat. Packt ihre Koffer und fährt überstürzt nach Wien und zieht in Zoras Arbeitszimmer. Als die ihr nach einen Besuch in Unterfichten erzählt, daß sie Martin schon mit einem blonden Mädchen gesehen hat, ist sie enttäuscht und auch mit Ben, dem sie erzählt hat, daß sie Schriftstellerin wäre und in Rom leben würde, klappt es nicht so ganz, denn der hat schon eine Freundin.

Zora hat auch einen Freund namens Reinhard und mit dem betrügt Isa sie, die dann so von sich entsetzt von sich ist, daß sie überstürzt nach Rom aufbricht. Der Zug kommt aber nicht einmal bis Klagenfurt, denn dann bleibt er, man weiß nicht so ganz wegen eines Selbstmörders oder eines Herzinfarkts des Zugführers auf einem Feld stehen und Isa fährt mit Lorenz, den sie im Zug kennenlernte, in seine Wohnung nach Klagenfurt.

Dazwischen gibt es immer wieder Selbstgesprche Isas, die sich da “Frau Isa” nennt und nach Orientierungs sucht. Sehr viel Weinspritz mit Zitrone wird getrunken, der Buchtitel stammt aus Lous Notizbuch und ist eine Metapher auf das freie Leben, der erste Joint geraucht, was die brave Isa sehr entsetzt. Zora ist aber über ihren Betrug gar nicht so böse, als sie wieder zurückkommt.

Später zieht Isa in eine WG, fängt zu studieren an und schenkt sich selbst zum nächsten Geburtstag, eine Reise nach Rom.

Ein spannendes, leises, aber sehr dicht geschriebenes Buch über eine Selbstfindung, das immer wieder an die Bachmann erinnert, beziehungsweise sehr deutliche Anspielungen an sie hat. So liest Isa einen Bachmann-Text, als sie sich am Anfang mit Martin an den See begibt.

“Udine geht”, ist eine nicht zu übersehendes Motiv. Dann die Fahrt nach Rom und vielleicht auch Wunsch seine Verruchtheit durch das Rauchen auszudrücken, etwas, das man inzwischen ja nicht mehr darf und von den politisch korrekten Bloggerinnen, vielleicht angeprangert wird.

Mir hat das Buch, das am blauen Cover eine kräftig gelbe Zitrone hat, sehr gut gefallen. Eine Überraschung, den ich habe von Eva Lugbauer, glaube ich, nocht nichts gehört oder gelesen, also wieder etwas für den Debutpreis  und vielleicht begegne ich der Autorin über die am Buchrücken noch steht “Eva Lugbauer schafft einen poetischen und (aus)druckvollen, musikalisch anmutenden Debutroman, der sich großen Themen nicht verschließt und keine Angst vor lauten Antworten hat”, einmal in der “Alten Schmiede” oder einem anderen literarischen Ort.

Paris, Mai 68

Wir leben ja in einem Jubiläumsjahr, vor hundert Jahren wurde die Republik gegründet, vor achtzig sind die Nazis in Österreich einmarschiert und 1968 gab es vor fünfzig Jahren auch und da erscheinen bei “Wagenbach” eine Reihe von Jubiläumsbücher und das erste “Paris, Mai 68” von der  1947 geborenen Schauspielerin Anne Wiazemsky, von der ich schon “Mein Berliner Kind” gelesen habe und die vorigen Oktober in Paris gestorben ist.

1968 war sie gerade über zwanzig, hatte wohl ihre ersten Filme gedreht, war mit Jean Godard verheiratet und ist mit ihm in die Rue Saint Jacques 17 gezogen, von wo aus sie das politische Geschehen auf den Pariser Straßen verfolgt und beschreibt.

Die Kämpfe finden im Quartier Latin, zwischen der Sorbonne und dem Lokal, wo sich Anne Wiazemsky und Jean-Luc Godard mit ihren Freunden Rosier und Bambam treffen. Anne Wiazemsky hat gerade den Film “Die Chinesin” gedreht und ein Treffen mit Mitgliedern der Beatles, wo John Lennon Anne Wiazemsky unter den Tisch lockte, was Godiers Eifersucht erregte, gab es auch.

Darüber drehen sich die Gespräche. Die Freunde müssen der Kämpfe wegen aber ausweichen und ein anderes Lokal besuchen, das Godard zu luxeriös erscheint, weshalb er die Gäste beschimpft. Am Heimweg verliert er seine Brille. Das Paar wird von der Polizei kontrolliert und gerät wegen seiner Schweizer Pässe in Schwierigkeiten.

Im Radio ruft Dany Cohn-Bendit dazu auf, sich an den Kämpfen zu beteiligen. Es kommt zu einem Generalstreik, die Filmfestspiele von Canne werden abgesagt. Da sind die Beiden aber schon dort und haben Schwierigkeiten mit der Rückfahrt, denn es gibt kein Benzin. Die Lebensmittel werden knapp und General de Gaulle erkundigt sich bei seinem Volk, ob es ihn noch als Präsident haben will, worauf dieses im Chor “Adieu, de Gaulle!”, schreit.

Die Pariser Wohnung der Beiden wurde inzwischen von einem Freund verwüstet, der ständig Kampfeslieder toniert, den Anne  Wiazemsky bei ihrer Rückkehr hinauswirft, trotzdem geht sie mit ihm später Rollschuhlaufen und sie leeren auch gemeinsam eine Flasche Whisky.

Die Kämpfe gehen weiter, es gibt Gegendemonstrationen, wo auch Anne Wiazemskys Großvater, der Nobelpreisträger Francois  Mauriac mitmarschiert, ein junger Mann namens Gilles tautin kommt um, bei der Trauerfeierlichkeit kommt es zu Ausschreitungen und dann ist der Mai vorbei, worüber ja auch Peter Henisch geschrieben hat.

Der Juni beginnt, die Beiden fliegen nach London, um mit den Rollingstones zu drehen. Anne Wiazemsky nach Rom um in Alberto Moravias “Der Konformist” mitzuspielen, nach Amerika geht es auch und als Anne Wiazemsky ein Angebot bekommt, wo sie sich ausziehen soll, kommt es zu Auseinandersetzungen mit Godard, der ja sehr eifersüchtig ist.

Er unternimmt einen Selbstmordversuch, wird gerettet, aber die Beziehung der beiden bricht auseinander, was wahrscheinlich auch ein Motiv für Anne Wiazemsky Erinnerungsbuch ist und das Jahr 1968 ist  auch noch in anderer Sicht weitergegangen.

Im April wurde schon Martin Luther King ermordet, worüber vor kurzem in den “Gedanken für den Tag” zu hören war. Im August marschierten die Russen in Prag ein.

Luis Stabauer hat in seinen “Weißen”, ein anderes Erinnerungsbuch darüber geschrieben und ich habe “Paris, Mai 68”, im April gelesen, weil ich Rezensionsexemplare  immer möglichst sofort lese und nicht den Monat abwarten wollte.

Da “Wagenbach” aber, wie schon erwähnt zu diesem Anlaß eine ganze Reihe von Erinnerungbüchern herausgab, liegt inzwischen noch ein Gedichtband von Erich Fried in meinen Badezimmer und da werde ich wohl nicht vor Mai zum Lesen kommen.

Die Weißen

Jetzt kommt ein Stück österreichische Zeitgeschichte, eigentlich ein Rundgang durch das letzte Jahrhundert, denn der 1950 geborene Luis Stabauer behandelt in seinen Büchern, obwohl er Schreibseminare der Schule für Dichtung oder der Leondinger Akademie, beispielsweise bei Lydia Mischkulnig oder Bettina Balaka besucht, für sehr politische Themen.

Vor einigen Jahren habe ich ihn kurz nach der GV der GAV bei einer Kleinstverlagmesse in Hietzing kennengelernt, da hat er mir zwei seiner Bücher, eine Anthologie der Leondinger Akademie und die Romanbigografie “Der Kopf meines Vaters”, die von einer Dreizehnjährigen berichtet, deren Vater von den Nazis hingerichtet wurde, gegeben.Später ist sein Buch ” Wann reißt der Himmel auf” über Südamerika erschienen und über seine Mutter hat er in “Atterwellen” auch geschrieben.

Die Politik scheint ihn aber nicht auszulassen und so hat er in Zeiten der Rechtswende, wo der Sozialismus, als gescheitert erklärt wird, höchstwahrscheinlich gerade richtig, den Versuch unternommen, zwei Zeitzeugen, nämlich diese Dreizehnjährige und das Spiegelgrundopfer Friedrich Zawrel, der durch das Buch “In den Fängen des Dr. Gross”, das ich, glaube ich, auch gelesen habe, bekannt wurde, zusammenzubringen und einen Roman darüber zu schreiben.

Franzi und Ernst, auch  Tschuri, heißen die beiden Hauptpersonen, die in abwechselnden Kapiteln, sie in Ich-Form, er in der Er-Perspektive, die Geschichte ihres Lebens beziehungsweise, das letzte Jahrhundert erzöhlen.

Die “Weißen” ist der Name einer Widerstandsgruppe, die sich im Austrofaschismus gründete, keine Ahnung, ob nachempfunden oder wirklich existent.

Ernsts Eltern haben sich jedenfalls darin engagiert und sind dabei ums Leben gekommen, so ist Ernstl, der seine Jugend auch im Schrebergarten seiner katholischen Großmutter verbrachte, bei Franzis Eltern, Toni und Hedi, die sozusagen seine Zieheltern wurden untergekommen. Die betrieben zuerst eine kleine Wäscherei in Ottakring, die sie später aufgegeben haben. Ernstl, ein wenig älter als Franzi war dann selbst im “Negerdörfl”, in einer Widerstandsgruppe, wo er sich Erciht Mühsam nannte und die Jüdin Rosa Luxemburg, sozosagen seine Jugendliebe war.

Tscherl war sein Deckname bei den Weißen und Toni wurde von den Nazis 1943 hingerichtet. Die Mutter blieb im Widerstand, wurde später Polizistin. Ernst, der sie verdächtigte, mit einem Pfarrer zu kollaborieren, brach den Kontakt zu ihr ab, aber da war er selbst schon in Schwierigkeiten.

War er doch wegen eines Lebensmitteldiebstahl auf den Spiegelgrund und so in die Fänge des Dr. Gross gekommen. Später nach dem Krieg, brachte er sich durch kleine Gaunereien, weil ihm der Führerschein durch eine Vorstrafe verweigert wurde, wie Friedrich Zawrel, durchs Leben. Wurde verhaftet, kam wieder in die Fänge des Dr. Gross, der jetzt  anerkannter Gerichtsgutachter war, der ihn nach Stein brachte. Dort gelang es ihm mit Hilfe des “Kuriers” und eines kritischen Arztes, hier Wolfgang genannt, Gross Machenschaften aufzudecken. Er wurde befreit und berühmt, ein uneheliches Kind zu dem ihm der Kontakt verwehrt wurde, hat er auch bekommen und zu seiner Jugendfreundin Franzi, ist er erst sehr viel später wieder in Kontakt gekommen.

Die beginnt ihre Kapitel aber, als alte Frau und daran kann man Luis Stabauers Arbeitsweise sehr gut erkennen, in dem sie das Haus, in dem sie aufgewachsen ist, wieder besuchen will. Dort lebt jetzt eine freundliche Tschetschenin, die sie herumführt und Franzi beschließt daraufhin ihr Leben aufzuschreiben.

Beschreibt den Widerstand der Eltern und die Schwierigkeiten, die sie im Kindergarten erlebte, als sie der Tante dort erzählte, daß sie plötzlich einen Bruder namens Tscherl bekommen hat.

Hier könnte ich einen Kritikpunkt anbringen, denn, ich glaube eigentlich nicht, daß eine Vierjährige schon soviel und ausführlich erzählen kann, wie es Stabauer beschreibt.

Der Krieg geht aber einmal zu Ende, Franzi heiratet, bekommt zwei Kinder und die Geschichte geht auch weiter, 1956 mit dem Ungarnaufstand und 1968 marschierten ja die Russen in Prag ein und hier macht Stabauer wieder Geschichte, in dem die kleine Emma an jenen 21. August in Prag bei ihrer tschechischen Oma ist und die Eltern haben Schwierigkeiten, die Kleine wieder nach Österreich zu bringen. Es gelingt aber, Hedi stirbt und 1989 kommt es noch einmal zu einer Wende.

Dazwischen gibt es  die Geschichte mit dem Pfarrer, denn Toni wurde ja an die Gestapo verraten, wer war das ist die Frage und da gibt es eine kleine Krimihandlung, nämlich jenen Pfarrer, der schwört, daß er unschuldig war und sogar das Beichtgeheimnis preisgibt und von einem, der von der Gestapo in die Gruppe eingeschleust wurde.

Erst spät kommt es zu einer Widerbegegnung mit Ernstl und Franzi. Dr. Gross wird endlich angezeigt und konnte, glaube ich, weil nicht mehr haftfähig, nicht verurteilt werden und Norbert Hofer und ein paar andere aktuelle Politiker tauchen auch noch auf, bis es zu Ernstls Begräbnis kommt, das die achtzigjährige Franzi besucht und da gibt es noch ein aktuelles Detail, nämlich, das, daß die Achtzigjährige, aus dem Pensionistenwohnhaus wieder aus und in eine kleine Wohnung zieht, als ihr dort die Reformbewegungen der Stadt Wien nicht gefallen. Ob das eine biografische Erfahrung ist?

Ich weiß es nicht und könnte Luis Stabauer danach fragen und ihn auch noch auf einige andere Details aufmerksam machen, die ich aus dem Buch herauslektoriert hätte.

So wird man glaube ich, nicht “Meine Herzfrequenz steigt an!”, sondern “Mein Herz schlägt schneller!”, sagen und bei einer Szene mit dem Pfarrer gibt es einen Perspektivenwechsel, der mir auch unlogisch erscheint.

Sonst aber ein interessantes Buch. Ein sehr interessantes Stück Zeitgeschichte, das ich wirklich nur empfehlen kann und ansonsten kann ich nur hinzufügen, daß ich es sehr schade finde, daß Luis Stabauer kein GAV-Mitglied ist.

 

Zwei Dramatikerstipendien im MUSA

Wieder einmal “Literatur im MUSA”, die Veranstaltungsreiche des Kulturamts der Stadt Wien, wo monatlich die Stipendiaten und Preisträger vorgestellt werden und wo ich ja seit es diese Reihe gibt, immer sehr gerne hingehe, denn ich finde es ja interessant, zu sehen, wer da einen Preis bekommt und wer nicht.

Ich werde immer sehr freundlich eingeladen und stehe dann meistens mit dem Manfred und der Angela isoliert herum, während sich die anderen, die Insider des Literaturbetriebs nach außen, küssen und herzen und nach innen wahrscheinlich sich verdammen und zum Teufel wünschen.

Das letztere ist natürlich nur Spekulation und weiß ich nicht so genau, daß die Konkurrenz aber groß ist, ist wahrscheinlich kein Geheimnis.

Zehn,  elf bekommen das Stipendium und der Rest kann durch die Finger schauen und ich gehöre  zu der letzteren Gruppe, obwohl ich mich schon sehr sehr lange, um kein Stipendium der Stadt Wien mehr bewerbe und heuer durch meine Lesung in der “Alten Schmiede” letzte Woche, den “Hammer 95” und unseren Literaturspaziergang nächsten Mittwoch ohnehin einen literarischen Auftrieb habe und denke, eigentlich könnte ich ja jetzt den nächsten ” Veza Canetti- Preis” gewinnen, aber wieder halt, bevor mich jetzt  jemand fragt, ob ich betrunken bin?

Ich beziehie mich natürlich nur auf meinen Aprilscherz vom Ostersonntag und natürlich, ja,  ich habe Rotwein getrunken, denn den gibt es ja im MUSA immer, Brot und Wein nach der Veranstaltung von Ines Varga, die, glaube ich, Julia Sanilcycks Assistetntin ist und höchstahrscheinlich Literaturwissenschaft studiert hat, immer freundlich ausgeschenkt.

Zuerst gab es aber die Lesungen und da trat Michaela Falkner, wie ich sie einmal bei einem Fried Symposium kennenlernte, wahrscheinlich schon zum dritten Mal auf, denn offenbar kann man das Dramatikerstipendium so oft beziehen und die junge Frau mit den   schwarzen Haaren, die inzwischen schon bei “Manifest 53” angelangt ist, hat sich glaube ich, seit ich sie kenne auch sehr verändert und literarisch weiterentwickelt.

Jetzt liegt sie, glaube ich, nicht mehr auf den Boden und macht literarische oder bildnerische Performanmances, sondern kurartiert Hörspielsreihen und das “Manifest 53″ aus dem sie gelesen hat, ist auch eine Hörpsielprdouktion, die sie gerade im Funkhaus aufnimmt und das im Mai in Ö1 gesendet wird.

Es ging und das fand ich ganz interessant, um eine Drachentötergeschichte. Eine Parabel oder Sage könnte man jetzt respektlos unken und wahrscheinlich auch,”Das habe ich schon hundertmal gehört!”

Jedenfalls habe ich mir das ganz frech gedacht, als mich die neben mir sitzende Dame fragte, wie hoch denn das Stipendium wäre und sich dann auch empört an die vor ihr sitzenden Damen wandte.

Nun ihr hat es vielleicht nicht so gefallen. Ich habe den Wert, der experimentellen Manifesten villeicht nicht ganz verstanden, aber Kunststück, ich bin ja eine erfolgfrei schreibende realistische Autorin und werde von manchen für unverständlich gehalten, was wieder das Verbindungsglied wäre.

Ich habe Michaela Falkner, als ich ihr davon erzählte, aber wie ich merken mußte, sehr getroffen, obwohl das eigentlich, wie ich dachte, eine sehr alltägliche Frage ist.

Nun gut, das Hörspiel wird gesendet werden und ich werde es vielleicht hören und der zweite Stipendiat  Bernhard Studlar war mir vom namen her bekannt und er brachte, gemeisam mit einer Schauspielerin, drei Szenen und einen Epilog aus einem Stück namens “Nacht ohne Sterne”, ein Titel, wie er erklärte, der ihm sehr gefällt und ein Reigen.

So beginnt es mit einer Szene zwischen einer Kindergärtnerin und einer Mutter. Die holt ihr Kind zu spät ab, weil sie von einer Demonstration abgehalten wurde. Die Kndergärtnerin, gelesen von Bernhard Studlar, rügte sie deswegen und drohte ihr, daß sie ihren Betreuungsplatz verlieren würde. Sie versucht sie mit fünfzig Euro zu bestechen. Die zerreißt ihn aber und in der nächsten Szene zwischen der Mutter und dem Vater, klebt sie sie wiederz zusammen. Der Vater steckt sie ein und trifft sich mit einem Kredithai, der von ihm die geliehenen zwanzigtausend Duro wieder haben will, die er nicht hat, so daß er ihn erschießt und so weiter und so fort.

Der Tod tritt noch auf, verriet Julia Danilcyck im Gespräch und die Freiheitsstatue und ich finde ein sehr interessantees Stück, das mich sehr heugierig machte und das schon in Bratilsava aufgeführt wurde, da ich aber kein Slowakisch verstehe und wahrscheinlich auch nicht so bald dorthin komme, kann ich höchstens demnächst ins Schauspielhaus gehen, aber da gibt es ja keine “Kolik-Lounge” mehr und die Aufführung eines anderen Studlar-Stückes.

Susanne Gregor und Mareicke Fallwickl im Literaturhaus

Zwei Neuerscheinungen, präsentiert von Sebastian Fastuber im Literaturhaus und zu beiden Autorinnen habe ich meine besonderen Beziehungen.

Ist das erste Buch, der 1981  geborenen Susanne Gregor doch auf einer Buch Wien zu mir gekommen, als ich eigentlich ein anderes Buch von der “Edition Exil” haben wollte und die in der Slowakei geborene hatte damals gerade den “Exil Literaturpreis” gewonnen und, wie das dort so ist, ihr erstes Buch “kein eigener ort” herausgegeben, das dann auf der Buch Wien präsentiert wurde.

Dann gab es eine Präsentation auf der Literaturhausschiene, bei dieser Gelegenheit habe ich, glaube ich, auch Cordula simon kennengelernt, deren neuen Buch zu mir gekommen ist, nachdem ich mich in Leipzig bei einer “Residenz-Vertreterin” beschwert habe, daß die mir keine Bücher und Vorschauen mehr schicken.

Susanne Gregors zweites Buch “Terretorien ist dann schon bei “Droschl” erschienen und wenn ich mich nicht sehr irre, habe ich es mir einmal bei einem der Literaturhaus-Flohmärkte gekauft, aber dann ist in meinen Bücherbergen verschwunden und noch nicht von mir gelesen.

Jetzt hat die junge Frau mit den sehr blonden Haaren bei “Droschl” einen Erzählband “Unter Wasser” herausgebracht, bei dem es, wie Sebastina Fastbuber einleitetete, um gescheiterte Beziehungen geht.

Einen Teil der letzten Geschichte, wo eine Frau ihren Mann verläßt, hat die Autorin gelesen. Dann gab es ein Gespräch in dem Susanne Gregor betonte, daß ihr die Sprache  wichtiger, als der Plot sei, daß sie viel reduziere und wegstreiche und zwischen ihren Büchern auch gern einmal Kurzgeschichten einschiebe, das ist wahrscheinlich, so wie bei mir bei “Besser spät als nie” und der vorliegendene Erzähband ist auch aus diesen Kurzgeschichten entstanden, beziehungsweise wurde er aus diesen erweitert.

Dann kam die 1983 in Hallein bei Salzburg geborene Mareike Fallwickl, die ich als Bloggerin kenne.

Eine sehr kritische Vielleserin und zweifache Mutter, die dadurch auffällt, daß sie sich weigert, ein zweites Buch von jemanden zu lesen, denn man hat ja nur begrenzte Lesezeit. Dann hat man aber auch Pech mit Mareike Fallwickls neuen Roman, der in den Blogs fast, wie ein Komet aufgestiegen und euphorisch beschrieben wurde “Dunkelgrün fast schwarz”, denn es ist, obwohl Sebastian Fasthuber das Gegenteil behauptete und ich das Buch schon als Debutroman gehandelt sah, nicht der erste Roman der Autorin, die glaube ich, als Texterin oder Lektorin in einer Agentur arbeitet, hat sie doch schon bei “Schwarzkopf und Schwarzkopf”, den Roman “Auf Touren” herausgegeben.

Mareike Fallwickl die Vielleserin, über hundert Büchert im Jahr, die sie auf ihren Blog “Bücherwurmloch”, den sie seit 2009 betreibt, beschreibt, ist auch sehr kritisch und hat eine Kolumne “Mariki” mottzt. Sie war auch Buchpreisbloggerin und ist Juroin beim “Blogbuster” und da hat sie heuer nichts vorgeschlagen, weil sie leider leider nichts wirklich überzeugte. Sie ist da also sehr streng, mit ihrem bei “FVA” erscheienenen Buch aber. wie schon beschrieben, fast komentenhaft aufgestiegen.

Ein Buch das ich leider noch nicht bekommen kann, also eigentlich nicht sehr viel mehr darüber sagen kann, als daß mir einige originelle Wortfindungen und Formulierungen aufgefallen sind, da ich ja keine bin, die ein Buch nach zehn Seiten Lesebprobe, dreißig Sekunden Lektoratsarbeit oder auch nach einer Lesung berteilen kann. Obwohl ich ja sehr gern und sehr viel zu Lesungen gehe und die auch sehr mag, Mareike Fallwickl weniger, sie antwortete auf Sebastian Fasthubers Frage fast ein wenig motzig, daß ihr die zu langweilig wären.

Mir nicht und in dem Buch geht es, um eine Dreiecks oder Vierecksegeschichte. Da gibt es eine Marie mit einem Sohn namens Moritz “Motz” genannt. Der hat einen Kindergartenfreund manens Raffaelund der ist ein sogenanntes “Arschlochkind”, eine, wie Mareike Fallwickl im anschließenden Gespräch sagte, wirklich auf dem Spielpülatz gemachte Erfahrung und der taucht sechzehn Jah re später bei Moritz und seiner Freundin auf und quartiert sich bei ihr ein.

Diese Stelle hat Mareike Fallwickl eine junge  Frau mit schwarzen Haaren, einem grünen Kleid und hohen Stöcklschuhen gelesen. Dann gibt es noch eine Johanna von ihr wurde auch ein Stückchen präsentiert. Das Buch ist ziemlich dick und  Mareike Fallwickl hat, wie sie  sagte, eine fünfzig Seite Leseprobe bei einer Agentur eingreicht, dann wollte bei der letzten Buchmesse, die Agentin mehr von ihr und das ganze im Februar herausbringen. Da hatte sie noch nicht mehr, das Schreiben aber trotzdem geschafft und ich bin jetzt gespannt, ob ich  das noch zu lesen bekommen werde oder nicht? Interessant wäre es allemal und auch zu hören, wie sich Mareike  Fallwickls literarische Entwicklung noch weiter gestalten wird.

Nicht besonders viele Leute im Literaturhaus, aber Annette Droschl, Henrike Blum unde eine Frau, die einmal bei Richard Weihs gelesen hat, die sich angeregt mit ihr unterhielt. Ich habe Rotwein Wein getrunken, mich umgehört und umgeschaut und bin jetzt, wie gesagt, sehr gespannt, lese mich aber gerade durch ein Debut von einer Mareike Schneider, das ich mir aus Leipzig mitgenommen habe.

Literaturhausflohmarkt und noch einmal Amerlinghaus

Daß es im Literaturhaus einen Flohmarkt gibt, wo regelmäßig einmal im Jahr die Neuerscheinungen, um ein paar Euro abverkauft werden, bin ich erst vor zwei Jahren draufgekommen. Das heißt, so richtig, denn, als ich noch meine “Freiheit des Wortes” dort machte, hat mir Silvia Bartl einmal davon erzählt, ich dachte aber, da gibts ein paar alte übergebliebene Bücher um zehn Euro oder mehr und bin nie hingegangen.

Vor zwei Jahren war ich in Zuge meiner Weihnachtsrecherche dort, habe  Daniel Zippls “Eine Hand voll Rosinen” in die Hand genommen und wieder hingelegt, weil ich es mir als Rezensionsexemplar schicken lassen hätte können,  das aber verabsäumt hatte.

Als ich es dann am nächsten Tag, vor meiner Lesung im “Readingroom” kaufen wollte, war es natürlich nicht mehr da und im Jahr darauf bin ich schon mit zwei vollen Säcken davon gegangen, denn da habe ich den letzten Tag erwischt und alles hat nur einen Euro oder so gekostet.

Jetzt habe ich den ersten Tag erwischt, da waren die Preise natürlich höher, ich habe aber worauf ich spekulierte, einige Neuerscheinungen bekommen, darunter Hans Pleschinkys “Wiesenstein” das ich zwar angefragt habe, es mir C. H. Beck aber nicht geschickt hat.

Jetzt habe ich fünf Euro für das Leseexemplar  investiert und frage mich, wann ich es lesen werde, denn die beiden Andrea Winkler Bücher von vor zwei Jahren liegen ja noch immer ungelesen in meinen Stapel.

Anneke Reinekes “Leinsee”, die ja beim “Diogenes-Bloggertreffen” in Leipzig kurz vorgelesen hat, hat dagegen nur drei Euro gekostet, bei Serhij Zhadans war das ebenso und noch bei zwei anderen schon etwas älteren Bücher. Mareike Fallwickls “Dunkelgrün fast schwarz”, die morgen im Literaturhaus lesen wird, auf das ich fast gehofft hätte, war leider nicht dabei und auch nicht das Buch der Ljuba Arnautovic, das “Picus” mir leider nicht geschickt hat.

Vielleicht frage ich bezüglich Mareike Fallwickl noch mal an, wird doch das Buch in den Blogs sehr hochgelobt und dann ist es am Abend noch einmal ins Amerlinghaus gegangen, von den göttlichen Frauen der Anita C. Schaub ist es diesmal zu den “Wilden Wortes” des Richard Weihs gegangen und da war ein Stefan Reiser heute Gast.

Stefan Reiser

Stefan Reiser

Stefan Reiser, Richard Weihs

Stefan Reiser, Richard Weihs

Stefan Reiser, kenne ich nicht, habe ich beim Hingehen gedacht und dann in der Galerie einen großen jungen Mann getroffen, der am Büchertisch einige “Kolik-Hefte” und einige “Rampen” fein säuberlich mit einem Preisschild versehen, ausgestellt hatte.

Des schönen Wetters wegen wahrscheinlich nur sehr wenige Leute, aber Thomas Northoff war da und Susanne Toth, die mit dem, wie ich inztwischen weiß 1981 in OÖ geborenen Dichter befreundet scheint und der brachte eine Reihe von Minitatiren und Prosaskizzen, die er alle theatralisch langsam mit ausdruckvollen Blicken vortrug, in dem es, mir sehr ähnlich und nicht unbekannt, um das Schreiben oder die Verkennung des Künstlers geht.

“Kann man die vom Schreiben leben?”, lautete doch die Frage, der Mutter eines Kindergartenfreundes, den der Erzähler am Ostermarkt von Eggerding traf, dann ging es nach Wien und Rom.

In Rom war er vielleicht einmal in dieser Stipendiumswohnung. In Wien hat er einige Freunde getroffen, die ihm von Projekten vorschwärmten, die dann nie stattgefunden haben oder nein, das war schon im Zug von Linz nach wien in St. Pölten.

Eine audiovisuelle Performance mit einer “Vernissage in zwanzig Bildern” gab es auch und am Schluß wurde es, wie Stefan Reisner sagte, noch experimentell. Denn da kam das Mantra “Ab sofort bin ich unendlich erfolgreich….

“Etwas was man im “Literaturgeflüster” wohl auch öfter finden kann und ich damit wahrscheinlich schon manche meiner Leser nervte und jetzt habe ich noch seinen Text für die “Funkhausanthologie”: “Warum mein  Freund Alexander das Funkhaus verkauft” vergessen, auf den ich ihm am Schluß ansprach und dabei die Erfahrung machte, daß ich den Autor schon einmal in der “Kolik-Lounge”, die es ja nicht mehr gibt gehört habe und GAV-Mitglied ist er seit 2015 auch , also ein deja vue Erlebnis, eine interessante Wiedergebgegnung und jetzt bin ich wieder gespannt, was ich von dem  Autor vielleicht noch alles lesen und hören werde.

Und einen uralten Martin Walser, eine “Rororo-Taschenbuchausgabe” aus dem Jahr 1963, von der sich schon das Cover gelöst hat, habe ich im “Wortschatz” auch noch gefunden.

Orchis

Jetzt kommt der phantastisch skurrile Debutroman, der 1978 bei Kirchdorf an der Krems geborenen Verena Stauffer, der von einem Orchideenforscher im neunzehnten Jahrhundert erzählt.

“Die Geschichte eines getriebenen Orchideenforschers zwischen Leidenschaft und Wahn, im Wettlauf gegen dieZeit”, steht am Buchrücken und Alfred Kolleritsch und Andreas Unterweger von den “Manuskripten” schreiben “Penible Recherche und Emotionalität verqucken sich zu einem bellestristischen Erlebnis von selten gewordener Expressivität”.

Und, füge ich hinzu, es ist ein Roman mit starken Bildern, die besuchten Recherschearchive werden am Schluß des Buches angegeben, trotzdem ist es nicht, wie beispielsweise bei Christine Wunnike eine phantastische Nacherzählung eines tatsächlichen Geschehenens.

Der Anselm, Held und Protagonist, der Erzählung wurde, denke ich, schon von der Autorin erflunkert und es ist ein spannendes Buch, das schon im ersten Kapitel neugierig macht, als der Orchideenforscher in Madagaskar mit seinen Koffern ankommt, einem Schiff entsteigt und da von einer Schar von Kindern umringt wird, die seine Koffer ergreifen, mit ihnen davonlaufen und ihm zu einem seltsamen Ritual und Begräbnis führen.

Dazwischen und auch später im Buch kommen immer wieder Andeutungen, von der strengen Herrscherin des Landes hier, die ihre Untertanen versklavt, so kann Isaac, den Anselm etwas später kennenlernt, ihn und einen anderen Orchideenforscher auch nur kurz zu den Feldern führen, dann muß er wieder zurück und die beiden müßen alleine weiterforschen.

Anselm hat einen Kompaß und will einen “Wardischen Kasten” aufbauen, um die Orchideen darin aufzubewahren, der englische Forscher drängt aber zum Aufbruch, dann stechen ihn die Mücken, er bekommt die Malaria oder einen anderen Schwächeanfall, so bricht Anselm alleine zu den Feldern auf, wo die Sternorchideen blüchen und ist entzückt.

Er muß aber schnell wieder zurück, hat nur ein paar der Blüten in seinem Gepäck und auf dem Schiff, wo er die Heimfahrt antritt, bekommt er dann einen Wahnsinnsanfall und sieht Orchideen auf seinen Schultern wachsen, so daß seine Eltern, als er die deutsche Heimat erreicht, sich veranlaßt sehen, ihn in eine Irrenanstalt zu überweisen.

Der Wahnsinnsanfall kann zwar auch von einer Qucksilbervergiftung kommen, da er schon als Kind seinem Vater, ebenfalls Botaniker, bei seinen Arbeiten half, klärt uns Verena Stauffer auf und kann es dann nicht lassen über die Psychatrie und ihre Methoden des neunzehnhten Jahrhunderts herzufallen. Da gibt es einen Dr. Müller und einen Professor Leitner in dessen Fänge Anselm für eine Zeitlang gerät.

Er wird aber schnell wieder gesund und durch Vermittlung seines Vaters Assistenzprofessors. Das ist zwar nicht so gut für die wissenschaftliche Reputation. Er zieht aber mit seinen Studenein in die Feldforschung und fährt dann nach London, um einen Vortrag über Orchideen zu halten. Da trifft er auch Lendy wieder mit dem er in Madagaska war. Läßt den Vortrag aber sausen, weil ihn ein anderer Forscher von dem chinesischen Frauenschuh erzählt, den er erforschen will.

So beschließt er Hals über Kopf nach China zu reisen, um ihn zuvorzukommen. Das war aber nur eine Finte, denn der Forscher hat ihn auf ein Schiff, das nach Italien fährt geschickt. Dort macht Anselm, der schon Chinesisch lernt, die Begegnung einer Dame, die ihn verführen will, mit ihr nach Bologna zu reisen. Da bleibt er aber standhaft und macht die Fahrt nach China, gerät dort in die Fänge eines anderen Mädchens, eines mit blauen Händen, weil sie Körbe oder Stoffe mit der Farbe von blauen Orchideen behandelt und Anselm, der es auch als seine Aufgabe sah, Darwin zu widerlegen, sieht sich in seiner Erüllung, als ihn “die Schmetterilinge umkreisen, bis sie schließlich landeten und auf ihm und mit ihm dem Gehäuse der Stunden entschliefen.”

Ein köstliches Buch, das eine in eine andere Welt mitnimmt, in der es nach Vanille,  Zimt und Zitrone duftet und dessen Tonfall und Skurrilität mich manchmal an E. T. A. Hoffmann, den ich in meiner Studentenzeit gern gelesen habe, erinnert und das zeigt, daß jüngere Frauen auch etwas anderes, als von den drogengeschwängerten Wirklichkeiten der prekären  Dreißigjährigen, schreiben können, was ich sehr spannend finde und mir gut gefallen hat.