Eine kurze Chronik des allmählichen Verschwindens

Jetzt kommt wieder eine Neuerscheinung auf die mich “Wagenbach” aufmerksam machte, das jetzt im sogenannten “Eidechsenmonat” steht und mir kurz darauf das Debut der 1988 geborenen Juliana Kalnay, die in Hamburg  geboren wurde, in Hildesheim studierte und auch in Malaga lebte, schickte und das seltsamerweise eine Fortführung des Oldies “Das Hochhaus” sein könnte, das ich vor kurzem gelesen habe oder auch nicht.

Ingeborg Drewitz hat in ihrem in den Siebzigerjahren geschriebenen, sozialkritischen Roman, auf die Isolation und Einsamkeit in Hochhäuser hinweisen wollen, Juliana Kalnay tut das, glaube ich, auch, allerdings auf eine surrealistische Art. Irgendwo steht, glaube ich, etwas von magischen Realismus oder man könnte daran denken und ich bin jetzt gespannt, ob ich das Buch vielleicht auf der Nominiertenliste des nächsten dBp oder Debutpreises finde.

Originell finde ich es allemal, vielleicht ähnlich, wie das Buch der Nele Pollatschek vom Vorjahr, das allerdings auf den letzten Seiten durch seine gehäuften Todesfälle, die dann plötzlich auftraten, entglitt.

Hier bleibt, glaube ich, der neue originelle, frische Ton, obwohl, das schreibe ich jetzt auch gleich dazu, das Buch wahrscheinlich nicht leicht zu lesen ist und es ist auch optisch kreativ gestaltet, besteht es doch aus Dialogen, fast leeren Seiten oder solchen, wo im unteren Drittel ein paar Zeilen stehen.

Es gibt immer wieder Überschriften wie “Die Kinder im Haus”, “3. Stock, links: Blütezeit”, beispielsweise und dann gibt es eine Ich-Erzählerin, die ebenfalls durch die Wände sehen kann und alles, was im “Haus Nummer 29”, passiert, dokumentiert, aufzählt und beschreibt und in dem Haus Nummer 29 passieren viele sehr Ungewöhnlichkeiten.

Da gibt es zum Beispiel Rita, die älteste, die immer schon in diesem Haus lebte, alles weiß, weil sie am Balkon mit einem Spiegel sitzt, dabei strickt und trotzdem alles sehen kann.

Es gibt Maia, die sich immer in Löchern versteckt und  eines Tags verschwindet. Es gibt das Ehepaar Lina und Don und Don verwandelt sich eines Tages in einen Baum, der fortan auf Linas Balkon steht, sie streichelt ihn, schmiegt sich an ihn und kocht Marmelade aus den seinen Früchten. Es gibt auch Besucher, die in das Haus, in diese Wohnung pilgern, um sich den Baum anzusehen.

Es gibt Kinder, die barfuß durch das Haus schleichen, mit dem Feuer spielen, beziehungsweise Schnecken und auch anderes, in Grillpfannen verbrennen und stolz auf die Blasen an ihren Fingern sind.

Es gibt einen Mann, der im Lift wohnt und oben im vierten Stock seine Spiegeleier brät, zum Baden geht er zu einem Hausbewohner. Einmal versucht er es in einer anderen Wohnung und sieht dort im Bidet ein seltsamens Lebewesen.

Es gibt eine Schwester, die ihren Bruder im Kasten versteckt und mit Keksen, die in Manteltaschen stecken ernährt. Es gibt eine geheimnisvolle Wohnung, dessen Bewohner immer verschwinden und Kinder, die im Bett liegen und durch Löcher in der Wand das Geschehen beobachten und eines Tages, als sie ausziehen sollen, aus dem Fenster stürzen.

Es gibt Ronda, die mit einem Aqarium im Bett schläft und morgens mit toten Fischen auf ihrem Körper aufwacht, die sie dann in Blumentöpfen vergräbt, in denen sie Katzenminze anpflanzt.

Es gibt und und und.., eine ganze Reihenfolge sonderbarer Vorfälle, die nicht sein können und die es auch nicht geben kann, werden in einer poetisch schönen Sprache erzählt. Zusammenhänge und Handlung gibt es, glaube ich, keine, also sehr schwer nachzuerzählen oder zu spoilern.

Es gibt aber schon Dinge, die man erzählen kann. So stirbt Rita beispielsweise und kurz danach bricht in dem Haus, in dem schon vorher immer wieder Bewohner verschwunden sind, deshalb auch der Titel, ein Feuer aus und die Ich- Erzählerin erinnert sich viel später, als sie schon längst woanders wohn an diese Ereignisse, beziehungsweise schaut sie sich Fotos zur Erinnerung an.

Ein interessantes Debut einer jungen Autorin, von der ich schon sehr gespannt bin, was ich von ihr noch hören werde, vielleicht wird sie zum Bachmannlesen eingeladen, gewinnt den “Aspektepreis”, etcetera und weil ich immer gerne auf vergleichbares verweise, mit dem ähnlich lautetend Buch von Richard Schuberth ist das Buch nicht zu vergleichen, eher schon mit Simone Hirths Debut obwohl die “”Kurze Chronik des allmählichen Verschwindens”, poetischer ist und gut, als Metapher für die Einsamkeit in den Hochhaussilos, wo man seine Nachbarn nicht kennt und nicht weiß, was in den Neben- Unter- oder Oberwohnungen passiert, zu gebrauchen.

Und da, denke ich, vergraben sich die Leute nicht in Löchern, braten wahrscheinlich auch keine Schnecken, verwandeln sich nicht in Bäume oder schauen durch geheimnisvolle Löcher, mißbrauchen vielleicht aber ihre Kinder, schlagen ihre Frauen, ritzen oder schneiden sich und hängen sich auf und wir haben keine Ahnung, bekommen es nicht mit und wollen es vielleicht auch gar nicht wissen.

Mein schlimmster schönster Sommer

Im “Aufbau-Verlag” ist gerade als Spitzentitel ein Roman der 1970 geborenen Unternehmensberaterin Stefanie Gregg erschienen, die jetzt nur noch fürs Schreiben in der Nähe von Münschen lebt und die Inhaltsangabe war eine, die mich sofort faszinierte.

Geht es da ja auch um eine Unternehmensberaterin namens Isabell, die vom Krankenhaus mit einer Krebsdiagnose, eine Männerfaust im Bauch, kommt, sich einen gelben Campingbus kauft und damit für vierzehn Tage  in die Provence fahren wird.

Das erscheint mir doch bekannt, habe ich doch in “Und Trotzdem” etwas ähnliches mit dem Rad ans schwarze Meer beschrieben und in “Im Namen des Vaters” geht es um die Behandlungsverweigerin und Campingbusse mit denen pensionierte oder auch betrogene Frauen um die Welt oder nach Kroatien fahren, gibt es bei mir auch.

Meine Romane interessieren aber niemanden, sind angeblich schlecht geschrieben, also der Meisterin mit der Startauflage von zwanzigtausend Exemplaren über die Schulter gucken und das Themas ist ja auch sehr interessant, werden Krebsdiagnosen ja täglich gestellt und was macht man dann, Chemo, Strahlentherapie, Operationen oder fährt man ihm davon und verschwindet der dann auch wirklich, wenn man das tut?

Das Buch ist rassant und flott geschrieben, verblüfft aber immer wieder durch Zickzackwendungen, die vielleicht auch die Ratlosigkeit in einer solchen Extremsituation ausdrücken.

Zuerst spielt Isabell, die jetzt vierzehn Tage Urlaub hat, wie ihr der freundliche Arzt emfiehlt, bevor es unter das Messer geht, mit  der Kirsche, dem Tennisball, dem Taubenei in ihrem Körper, dann fährt sie im Taxi davon und sieht auf einmal einen gelben Campingbus auf der Straße stehen, zu verkaufen steht darauf, sie steigt aus, ruft an, ein Typ mit Rasterlocken meldet sich und will 2800 Euro haben, sie gibt ihm zweitausend für vierzehn Tage und will gleich einsteigen.

Er muß aber zuerst nach Freilassing, die Urne seiner Mutter abholen, also fährt er bis dahin mit. Isaell hinterläßt ihrem Freund Georg ebenfalls ein Unternehmenberater, das sind die die Leute entlassen und dabei viel Geld verdienen, so daß sie immer in schwarzen Kostümen oder Hosenanzügen herumlaufen, eine Nachricht auf dem Handy und dieses auf den Tisch und sie fahren los.

Daß sie in die Provence will, weil sie dort einmal eine Seiltänzerin gesehen hat, fällt ihr noch ein und daß “Der Himmel über Berlin” ihr Lieblingsfilm ist, also das was man vielleicht klischeehaft nach einer solchen Diagnose macht.

Es kommt aber anders, denn Rasso, das ist der Rastertyp will zuerst die zweitausend Mark bei einer Bank einlegen, richtig einen Hund namens Streuner haben sie inzwischen auch gefunden und aus der Bank kommt plötzlich ein Bankräuber gesprungen und flieht über die Dächer davon.

Die pflichtbewußte Isabell will eine Zeugenaussage machen, aber Rasso, der verhinderte Musiker, hat zufällig fünf Kilo Haschisch im Auto liegen und rast damit und mit ihr davon.

Sie besteht darauf das Zeug im Wald zu verbrennen und als sie danach zum Auto zurückkommen, liegt plötzlich die Tasche mit den erbeuteten Geldscheinen darin und ein seltsamer Guru taucht auch noch auf und nimmt im Bus Platz, weil er die beiden für seine Götter hält.

In diesem Moment habe ich gewußt, was in dem Buch anders, als bei meinen depressiven Frauen, wo angeblich nichts passiert, ist und, daß Stefanie Gregg ihr spannendes Handwerk erlernte oder kann, war einen Moment versucht es wegzulegen oder habe jedenfalls “Uje!”, gedacht.

Es geht aber rassant und genauso unlogisch weiter und das kann ich gleich verraten, in die Provence zu den Lavendelfeldern kommt Isabell nie und es kommen auch immer wieder Zwischenkapitel vor, die von dem eigentlich sympathischen Georg, den Isabell sofort vergessen hat, erzählen, wie er dasteht mit dem Handy und der Angst, daß er nichts von seiner Freundin weiß, denn es ruft noch der diensttuende Arzt an und erzählt und das ist vielleicht die Wendung und das Unerwartete daran, denn meine Helga Schwarz wird ja vielleicht am schwarzen Meer gesund, die Veronika stirbt und Isabell hat nicht nur eine Männerfaust im Bauch sondern auch einen Tumor im Kopf und sollte sofort operiert werden.

Und während Isabell ihren schlimmsten schönsten Sommer erlebt, sich dabei in ihren Traummann verliebt, es ist nicht Rasso, der Hippie, plagen sie immer wieder Schmerzen und die Polizei ist ihnen, beziehungsweise dem verschwundenen Geld, auch auf der Spur.

Im Epilog ist es dann noch einmal unlogisch, denn jetzt ist es ein Jahr später und Rasso, der inzwischen zu seiner Caro zurückgefunden hat und im Begriff ist, als Musier Karriere zu machen, wird zu einem Notar nach München bestellt, um dort noch einmal sehr viel Geld zu bekommen.

Wie die Geschichte mit dem Bankraub ausgegangen ist und woher Isabell auf einmal soviel Geld zum Vererben hatte und was sie nach ihrer Verhaftung machte, erfährt man aber nicht.

Trotzdem spannend und rasant zu lesen, obwohl ich anmerken möchte, daß wenn man seinem Krebs davonfährt mit Sicherheit nicht soviel auf einmal passiert und, daß die Taschen mit den Millionen auch nicht so herumfliegen und sich der Bankräuber in echt wahrscheinlich auch, um sein Geld gekümmert und die beiden verfolgt hätte, aber der kommt ja dann nie wieder vor.

Interessant vielleicht auch zu überlegen, wie das Buch auf Menschen, die wirklich von dieserDiagnose betroffen sind und es zwischen ihrer Chemotherapie, Operationen und Strahlenbehandlungen lesen, wirkt.

Vielleicht kann da die Absurdität und die rasante Handlung helfen mit dem eigenen  Alltag und dessen Schwierigkeiten besser fertig zu werden und ich nehme mir für mein Schreiben mit, zwar bei der Realistik zu bleiben, aber meine Szenen vielleicht auch etwas bunter auszuarbeiten, zuviel Slapstick wird es bei höchstwahrscheinlich aber trotzdem nicht geben.

Und zwei Hinweise auf andere Bücher mit Krebsgeschichten gibt es hier.

Unter der Sonne

Jetzt kommt wieder etwas ganz Altes, nämlich Daniel Kehlmanns, 1998 bei “Deuticke” erschienener Erzählband “Unter der Sonne”, da war der 1975 in München geborene und in Wien aufgewachsene Sohn des berühmten Regisseurs Michael Kehlmann, gerade dreiundzwanzig.

“Beerholms Vorstellungen”, das ich mir einmal in einem Antiquariat in der Kirchengasse, um dreißig Cent kaufte, war da schon erschienen und das Buch stammt aus einem der Bücher-Türme der “Literatur im März”, wo ich mir ja damals viel mitnahm und langsam aufzulesen versuchte, als ich mir vor ein paar Jahren alle meine ungelesene Bücher auf meine Leseliste schrieb. Die habe ich im vorigen Herbst mitten meines Buchpreislesens, als sich die Rezensionsexemplare türmten und ich sah, daß ich sie nicht, schaffte, wieder umgeändert.

“Unter der Sonne” ist daraufgeblieben und das Buch passt jetzt auch ganz gut, wurde gerade ein Theaterstück von Daniel Kehlmann, der ja inzwischen aufgestiegen und berühmt geworden ist, in der Josefstadt aufgeführt, deshalb war er auch in der Sendereihe im Gespräch und eine Frage beim Ö1-Quiz und ich habe von den noch nicht so berühmten Kehlmann “Der fernste Ort”, 2001, bei “Rund um die Burg” sowie in der “Alten Schmiede” gehört und die dabei gemachten Erfahrungen in meiner “Viertagebuchfrau” verarbeitet.

Dann kam 2003 “Ich und Kaminsky”, alles schon bei “Suhrkamp” erchienen und der kleine österreichische “Deuticke” und inzwischen “Hanser-Ableger” leidet ja noch immer, daß der große Khelmann ihn verlassen hat, obwohl schon ein Vertrag, für dann bei einem anderen Verlag erschienenes Buch, geplant oder vorhanden war.

Nun ja, die “Vermessung der Welt” erschien 2005 bei “Rowohlt” und machte den Autor schlagartig mit einem historischen Roman berühmt, interessant, bei dem Radiointerwiew sagte er, daß er in seinem Literaturstudium gelernt hat, daß man ja nicht, unter gar keinen Umständen mehr einen historischen Roman schreiben dürfe und dann kam vielleicht auch ein Knick, denn die späteren Werke sind möglicherweise nicht mehr so erfolgreich oder bekannt geworden.

“Ruhm” habe ich jedenfalls gelesen und den Roman “F” 2013, als ich noch nicht so buchpreisbloggte auf der LL des dBps und jetzt ein Griff zu den Anfängen und die sind, ich schreibe es gleich, sehr interessant.

Richtig, etwas habe ich noch vergessen. In einer der aus Leseproben zusammengeknipsten Gratisbücher zum Welttag des Buches des Hauptverbands, war einmal eine Kehlmann-Geschichte, die mich sehr beeindruckt hat, sonst würde ich den inzwischen auch nicht mehr so ganzen jungen Mann ja eher für einen sehr eifrigen und ehrgeizigen Schreiber halten, der vielleicht auch gut gefördert wurde und jetzt sind diese Kurzgeschichten, die ich ja gar nicht so gerne lese, auch höchst eindrucksvoll.

“Bankraub” heißt die erste und da wacht ein höchst mittelmäßiger junger Mann mit einem ganz gewöhnlichen Leben, der eine kleine Wohnung hat, gerne Bücher liest, aber sonst keine Interessen, auf und hat, als er seinen Bankauszug ansieht, plötzlich durch einen Irrtum ein paar Millionen auf dem Konto. Er hebt sie ab, bekommt sie sonderbarer Weise auch gleich in einem Koffer, nimmt ein Taxi, fährt zum Flughafen und dann an einemfernen Ort, um dort ein neues Leben zu beginnen.

Geht wahrscheinlich und passiert auch in Echtzeit nicht, ist aber sicher der Traum des kleinen Mannes und sehr gut und sehr präzis erzählt, das ist wahrscheinlich auch Daniel Kehlmanns Stärke.

“Töten” heißt die zweite und erzählt von genausoviel Mittelmäßigkeit, vielleicht auch ein Kehlmann Thema.

Sommerferien, irgendwo in einer Gartensiedlung, ein gelangweilter Vierzehnjährigerärgert sich über den Hund des Nachbarn, schnappt im rennenden Fernseher ein paar Sätze über das Böse im Menschen auf, geht auf die Straße findet einen Ziegelstein, schmeißt ihn auf ein Auot, geht zurück, klaut der Mutter Wurst aus dem Kühlschrank, vermischt sie mit Rattengift, füttert den Hund damit und die Mutter fragt beim Essen “Wunderbares Wetter, nicht. Genau richtig für die Ferien. War das nicht ein schöner Vormittag?”

“Doch!”, sagte er dann, “doch ja. Er war ziemlich gut!”.

Für mich noch beeindruckender die Titelgeschichte, in der ich  Vorstudien für “Ich und Kaminski” vermute, denn da geht ein, wahrscheinlich, wie Kehlmann sagen will, wieder mittelmäßiger Literaturdozent auf die Suche nach seinem Idol, der heißt Bonvard und ist ein schon verstorbener Dichter, der einen Roman oder eine Trologie unter dem Titel “Unter der Sonne” geschrieben hat und Kramer, so heißt der erfolgllose Dozent hat sein ganzes Leben ihm gewidmet. Seine Bücher gelesen, vielleicht wegen ihm Literaturwissenschaft studiert, Diplomarbeit, Dissertation, jetzt die Habilitation, die in einem mittelmäßigen Verlag erscheinen soll, allles ihm gewidmet. Er hat ihm auch öfter Briefe geschrieben und ihm seine Verehrung ausgedrückt, keine Antwort, der Sekretär des Berühmtes hat die Briefe wohl alle weggeschmissen. Jetzt soll das Buch “Bonvards Grab” heißen. Ein Foto von desselben ist aber nicht aufzufinden. So reist der Wissenschaftler in der Sommerhitze, an den kleinen französischen Ort, wo der Dichter lebte, hetzt einen Berg hinauf auf den Friedhof, um vom Gärtner dort zu erfahren, das Grab liegt in einem anderen Ort. Er fährt dorthin, aber der Zug ist ein schneller, der nicht stehen bleibt, sondern direkt nach Paris fährt, wo der Wissenschafter auch am Abend einen Vortrag halten muß. Jetzt erkennt er seine Mittelmäßigkeit und fängt im Zug zu weinen an und der Schaffner geht betreten hinaus.

Nun, das ist vielleicht ein wenig übertrieben und was soll eine seit über vierzig Jahren erfolglos Schreibende, der öfter von ihren Kriikern geraten wird, doch endlich damit aufzuhören, zu dem Text eines Zwanzigjährigen sagen, der inzwischen viel höher aufgestiegen ist?

Den Nobelpreis, den Bonvard übermütig ablehnte “Solche Ehrungen der Mittelmäßigkeit benötige ich weder künstlerisch noch finanziell”, hat er aber noch nicht und wird ihn vielleicht auch nicht bekommen, denn wir haben ja schon eine Nobelpreisträgerin und Deutschland, wo Kehlmann jetzt wieder zu leben scheint, hat die auch schon und so füge ich nur hinzu, daß ich auch einmal an einem sehr heißen Sommertag auf den Grinziger Friedhof hinausgegangen bin und während die anderen in wahrscheinlich fröhlicher Runde beim Leichenschmaus saßen, vergeblich das Grab unseres Idols Thomas Bernhard suchte und es auch nicht gefunden habe, aber ich bin ja eigentlich kein Fan der großen Meister und also auch von diesem nicht.

Mit der genauen Beschreibung der Sinnlosigkeit des durchschnittlichen Lebens beziehungsweise dessen Extremsituationen geht es weiter.

In “Auflösung” verschwindet einer in die Psychiatrie, weil er die Zeit verliert. in “Pyr” legt ein Pyromane seinem Autor die Liebe zum Feuer in die Feder und in “Schnee” verschwindet der Direktor einer Firma in den weißen Massen und erlebt ein nie geahntes Glücksgefühl dabei.

Wie schon gewußt, sehr präzise und genau erzählt “Ein Fall von früher Meisterschaft”, schrieb die “Abendzeitung am Buchrücken.

Wir wissen  nun inzwischen, wie es mit Daniel Kehlmanns Begabung weitergegangen ist.

 

Wienzeile

Mit der Literaturzeitschriftenpräsentation ging es heute weiter in der “Alten Schmiede” und zwar wurde da die “Wienzeile” vorgestellt, die von Thomas Frechberger und Günther Geiger gegründet wurde und einmal ein ziemlich subversives Magazin war.

Heute heißt sie “Supranationales Magazin für Kunst, Kultur und Politik” und es gibt schon siebzig Nummern.

Heft 69 und 709 die beid von  Lydia Haider redigiert wurden und die auch, was sehr erfreulich war, zur freien Entnahme auflagen, wurden heute vorgestellt und ich kann anmerken, daß ich einmal, lang lang ist her, glaube ich, meinen “Ziwebelschneiden-Text” drinnen hatte.

Früher habe ich ja regelmäßig oft auch mit Auszügen aus meinem jeweiligen Werk in Arbeit, die Literaturzeitschriften beschickt und einige, ganz wenige, haben hin und wieder auch einen Text von mir genommen.

Heute ist mein Blog meine Art mich literarisch zu präsentieren und ich schicke nur vereinzelt, hauptsächlich wenn ich angeschrieben oder angesprochen werde, etwas zu einer Zeitschrift hin

Gerhard Jaschke hat meinen Eisendle-Text im “Freibord” gebracht, für den “Sterz” habe ich ein Stück aus der “Brüderschaft”, das “Gruftie-Mädel” geschickt, nicht genommen, der Herr der “Lichtungen” hat mich mal angeswprochen, nicht genommen und dann am “Volksstimmefest”gelesen und jetzt habe ich es mit den “Köpfen” wieder für das “Etcetera” probiert. Der Text ist losgeschickt, sehr viel Hoffnung habe ich nicht und die 1985 in Steyr geborene Lydia Haider, war glaube ich 2016 bei den “Alpha Finalisten” und ist eine sehr freundliche junge Frau, die sich bei Daniel Terkl für die Einladung, das Heft vorstellen zu können, bedankte.

Sie erzählte dann etwas zu ihrer “Wienzeile- Geschichte” und stellte die vier Autoren vor, die sowohl im “Hehe-Heft”, als auch in den “Linien” Texte drinnen haben, die sie dann lasen.

Die erste war die 1987 in Wien geborene und in Berlin lebende Lea Zsivkovits, die Gedichte las.

Dann kam der 1960 in Graz geborene Musiker und Autor Adi Traar, ein Stamm-Wienzeile-Beschickter, wie Lydia Haiderbetonte, der hatte in den zwei Heften zwei sehr unterschiedliche Texte “Raueis” ist eine Dystopie, die an die “Wand” erinnern kann. Ums Universitätssterben geht es dabei aber auch und in “Garry auf und davon” geht es um einen Musiker, der bei seinem Auftritt gar nicht gut ankommt, obwohl er das offerbar nicht mitbekommt.

Excellent gelesen vom Autor und dann kam ein mir Bekannter, den ich erst vor kurzem hörte, nämlich der 1992 in Düsseldorf geborenen Timo Brandt, der an der Angewandten Sprachkunst studiert und er hatte im ersten Heft, einen Text, den er geschrieben hat, als er nach Wien kam.

So heißt er auch oder ist ein “Wiengedicht” und im zweiten Heft, ist der Text im Inhaltsverzeichnis verloren gegangen, heißt aber “Ausschneidbares” und ist auch so grafisch angedordnet, daß man ihn ausschneiden oder zerrreißen kann, was der Autor sagte, er einmal so performen wollte, aber diesmal nicht so tat.

Die vierte Lesende war die 1987 in Wien geborene und jetzt in OÖ lebende Magdalena Stammler, die jetzt ihren vielleicht autobiografischen Text “Schwesternschaft” las in dem es um zwei Freundinnen oder an die Erinnerungen der einen an die anderen geht, die gemeinsam studierten, sich im Cafe Hummel trafen und sich über die Frauen lustig machten, die heirateten Kinder kriegten und dann ins Frauengefängnis Einfamilienhaus übersiedelten, was bei beiden Kopfschütteln auslöste.

Dann wurde die Erste zuerst schwanger und zog dann in das schöne Haus der Oma aufs Land mit ihrer Familie, während sich die andere ins Frauengefängnis “Kinderwunschklinik” zurückzog.

Sehr eindrucksvoll in Zeiten, wo eine Ronja von Rönne gegen den Feminismus wetterte, aber Gertraud Klemm hat ja auch über das “Aberland” geschrieben und in den beiden Heften sind auch Texte von Bekannten zu finden.

Matthias Vieida beispielsweise, den ich glaube ich, auch aus den Studentenlesungen kenne. Daniela Emminger, die auf der LL des öst Bp stand und von der ich zwei Bücher auf meiner Leseliste habe.

Stefan Alfare den ich kennenlernte, als ich 1996 in der Jury des Nachwuchsstipendiums waren und dessen Gedichte mich damals sehr beeindruckten, obwohl ich mich ihn nicht vorzuschlagen traute.

Stefan Sonntagbauer, der bei “Holzbaum” publizierte, als die noch literarische Texte brachten. Laura Freudenthaler kenne ich glaube ich aus Schreibwerkstatt der “Österreichischen Gesellschaft für Literatur” und habe auch ein Buch von ihr in meinen Bergen. Isabella Breiers Gedichte habe ich, glaube ich, schon einmal gehört.

Peter Paul Wiplinger, der Doyen, mit dem ich 1996 in derselben Jury war und den ich meistens bei den GVs- der IG Autoren treffe. Nicole  Makarewicz, die ich von den “Texthobelspänen” kenne und Claudia  Sykora Bitter, die im “Linien-Heft” zwei Graphiken hat, die ich aber schon bei der “Rampe-Vorstellung” hörte.

Lydia Haider, die noch erklärte, daß die Literaturzeitschriften für die Autoren soetwas, wie der Motor seien, der eine literarische Karriere anstarten könnte, rief  noch zum Senden guter Texte auf, die immer willkommen wären und erkundigte sich bei den Autoren, welche Themen sie sich für die nächsten Hefte wünschen würden?

Eine erfrischende Präsentation eines erfrischenden und sehr lesbaren, wie Lydia Haider auch betonte,. daß das wichtig sei, Hefres und für mich eine Überraschung, denn diese Präsentation hob sich sehr erfreulich von den anderen Zeitschriftenvorstellungen ab, die mir aber auch gefallen haben.

Natalka Sniadanko vor dem gläsernen Vorhang

“Der gläserne Vorhang” ist eine Reihe in der “Gesellschaft für Literatur”, wo CorneliusHell vorwiegend osteuropäische Literatur präsentiert. Denn der Eiserne ist ja gefallen, aber was bitte, weiß man schon von der ukrainischen Literatur, der litauischen, tschechischen, ungarischen etcetera?

Ich schon ein bißchen, denn ich habe Andre Kurkow gelsesen und Tanja Maljartschuk und in der Donaulounge der “Buch-Wien” wird sie ja auch sehr prominent von Cornelius Hell und anderen vorgestellt. In Litauen habe ich schon einmal einen Literaturstreifzug gemacht oder den eigentlich eher am Campingplatz von Wigry mit Leseproben von der Frankfurter Buchmesse 2002 und heuer wird auch Litauen Gastland in Leipzig sein und in der “Gesellschaft” habe ich heute auch eine mir bisher unbekannte Autorin kennengelernt, die bei “Haymon” verlegt und deren Buch. “Sammlung der Leidenschaften” mich zuerst einmal auch nicht so besonders angesprochen hat.

Ich gebe es zu, ich bin hingegangen, weil es kein Konkurrenzprogramm gab und ich verbringe den Abend ja gern bei einer literarischen Veranstaltung und hätte, ich schreibe es gleich, sehr viel versäumt, wenn ich nicht hingegangen wäre.

Die “Gesellschaft” war auch gut gefüllt, aber außer Christl Greller und dem Herrn von den logischen Denkern, alles Leute die ich eher nicht kannte.

Stimmt nicht, Wladimir Fried war da, fotografierte, saß in der ersten Reihe und stellte seine Fragen sogar auf Russisch oder Ukrainisch, dabei ist die 1973 in Lwiw geborene Autorin schon weit vor dem Vorhang, hat sie doch in Freiburg studiert und sprach ein akzentfreies Deutsch. Sie trug ein elegantes Kleid, hatte eine schicke Frisur und auf der einen Hand rote auf der anderen grüne Fingernägel.

Und ihr Buch, das jetzt schon zum zweiten Mal auf Deutsch übersetzt wurde, erschien vor zwanzig Jahre in der Ukraine und wurde da gleich ein Kultbuch, denn es erzählt die Geschichte eines noch in der SU geborenen Mädchens, das eigentlich Programmerin werden soll, dann das Philologie Studium durchsetzt und später mit einem Baron zurück nach Lemberg kommt, wo die Großmutter gleich begeistert ist, weil er sie “Dobre Dan!” begrüßt und ihm ständig Grieß0koch vorsetzt und, als er sich eine Hose kauft, weil seine schmutzig geworden ist, erwischt er ausgerechnet die Jeans, die er einmal zur Altkleidung gegeben hat.

Man sieht die junge Frau ist sehr witzig und ich war in den Neunzigerjahren, wo das Buch spielt, ja auch einen Tag in Lemberg, beziehungsweise bin ich mit dem akademischen Reisebüro vier Tage dort und in Krakau gewesen, die Hin- und Rückfahrt eingerechnet und kann mich an das, was in dem Buch bespöttelt wird, eigentlich sehr gut erinnern.

Es gibt kein Warmwasser, man muß mit einem Kübel durschen. Nun ich war in einem Luxushotel, da gab es rote Rüben zum Frühstück und die akademischen Damen stöhnten  und auch darüber, daß es auf der Fahrt dorthin keine Gastronomie gegeben hat und man auf einer Wiese austreten mußte.

Das hat mich sehr beeindruckt, von der Geschichte, habe ich damals noch nicht sehr gewußt und auch in meiner “Reise nach Odessa” verarbeitet, die Schulkinder auf dem Cover sahen damals genauso aus und Nadelka Sniadanko hat einen frischen frechen Ton, der mich sehr beeindruckt hat.

Ein zweites Buch “Frau Müller hat nicht die Absicht mehr zu bezahlen”, 2016 bei “Haymon” erschienen, gibt es auch, was mich vom Titel noch mehr ansprechen würde.

Mal sehen, ob ich es mal finde, vielleicht beim Literaturhausflohmarkt zur nächsten Weihnachtszeit, wenn ich da früher hingehe und jetzt lese ich mich mich sowieso schon durch die Neuerscheinungen und habe da auch schon sehr viel Interessantes entdeckt.

Aber ein Blick hinter den gläsernen Vorhang lohnt sich allemal und jetzt bin ich nur noch auf den Litauschwerpunkt in Leipzig gespannt, was ich da Neues kennenlernen werde.

Frauenlesungen in der Alten Schmiede

Ria Endres und Elisabeth Wäger-Häusle, zwei Autorinnennamen, die sich bei mir noch aus Neunzehnhundertsiebziger oder Achtzigerjahren, wahrscheinlich auch in Verbindung mit der “Alten Schmiede” beziehungsweise der GAV eingeprägt haben und von der 1946 in Bayerisch- Schwaben geborenenen Schriftstellerin und Essayistin Ria Endres habe ich im Schrank “Milena antwortet” eine fiktive Antwort auf Franz Kafka gefunden und habe vor, es demnächst zu lesen und jetzt wurde ein in der “Bibliothek der Provinz” erschienener Roman “Fresko ohne Blau”, präsentiert.

Johannes Tröndle, der moderierte, sprach in der Einleitung von nur wenigen Erzähl-oder Prosawerken, vieles sind Hörspiele und Essays und in “Fresko ohne Blau” geht es in ein Kloster und Internatschule, beziehungsweise zu den letzten Tagen der ehemaligen Direktorin Schwester Assunta, die sich während ihre Kräfte sie verlassen, sowohl in die Vergangenheit zurückbegibt an die Bücher denkt, die sie, um sie  vor den Nazis zu retten, eingraben ließ und die nun einen sogenannten Bücherfriedhof bilden, über den man gehen muß, wenn man in das Kloster will.

Sie verliert auch ihren Glauben oder setzt sich mit dem Tod und dem Sterben auseinander und freundet sich mit der namenlosen sogenannten Bienenschwester an, während zwei Schülerinnen, nachts durch die Fenster klettern, im Keller miteinander kuscheln, Geheimnisse miteinander teilen und sozusagen, wie Ria Endreserläuterte, das Fenster zum Außen bilden.

Im anschließenden Gespräch erzählte die Autorin, daß sie selber einmal in einem Kloster abiturierte und dieses sowohl, als Gefängnis als auch sehr bereichernd empfunden hat. So hat sie sich damals in die Kunst geflüchtet und mit ihrer Deutschlehrerin auch “Warten auf Godot” gelesen.

Dann gabs diesmal nur eine sehr kurze Pause, Richard Pils, Maria Gornikiewicz, die auch in der “Bibliothek der Provinz” verlegt und ein mir unbekannter Dichter der vor mir gesessen ist, verschwanden, dafür tauchten die GAV Mitglieder Erika Kronabitter, Waltraud Haas, Lisa Fritsch, Elisabeth Reichart, Kritsta Kempinger, Karin Jahn , Thomas Northoff und und und, die ich zum Teil schön länger nicht mehr gesehen habe, um der  1942 in Rankweil geborenenen Elisabeth Wäger, wie sie sich jetzt, glaube ich, nur noch nennt, die sehr frauenbewegte Texte, wie “Annas Häuser” geschrieben hat und lange Zeit als Dramaturgin gearbeitet hat, deren Prosastücke “Töchter & andere Bewohner” seltsamerweise in der “Pen-Edition” des “Löcker Verlags” erschienenen ist.

Es sind kurze lyrische prosa Episoden, die von einer schreibenden Tochter, einem Turmzimmer, einem Familienroman und vielen anderen, der Untertitel ist auch “Der Rundgang durch ein privates Office” handeln, wie Annalena Stabauer, die diesmal moderierte, in ihrer Einleitung erwähnte.

Sehr kurze Sätze, Szenem, Bilderreigen, die von der Mutter und der Tochter handeln, die einen surrealen Roman schreiben möchte, weil sie sich an keinen Familienroman traut, Bild um Bild, Wortwiederholung an Wortwiederholung gereiht: “Die Faust aufs Auge, die Freiheit des Wortes, die kleine Tochter schrumpft ein wenig, ich habe noch nie eine Fledermaus gesehen, ich werde im Dezember alles geregelt haben, ich werde mit dem Korrigieren beginnen und nun bin ich sprachlos”, beendet Elisabeth Wäger ihre Lesung und las dann noch von Annalena Stabauer aufgefordert, ein Gedicht in vorarlbergischen Dialekt, denn einen solchen Gedichtband hat sie auch einmal herausgegeben und ich habe wieder einmal ein schönes Stück Frauenliteratur aus einer frauenbewegten Zeit gehört.

Das Hochhaus

Jetzt kommt wieder etwas ganze Altes von der Leseliste, ein Buch, das ich in einem der offenen Bücherschränke gefunden habe. Und da reagiere ich vorwiegend nach Namen, die schönen Cover tuens mir auch manchmal an.

Aber den Namen Drewitz kannte ich, glaube ich, aus der Zeit als es noch, die sozialistische Zeitschrift “Die Frau” gegeben hat, die meine Mutter abonniert hatte, vielleicht auch aus der “Emma” oder der “Stimme der Frau”, die ich eine Zeittlang gelesen habe, beziehungsweise der Alfred sie in den Achtziger- und Neunzigerjahren oder so lange es sie gab, für die Anna abonniert hatte.

Keine Ahnung, der Name hat sich mir eingeprägt und jetzt habe ich natürlich nachgegooglet, daß Ingeborg Drewitz, die 1923 in Berlin geboren wurde und  1986 dort gestorben ist, eine gesellschaftpolitische, sozialkritische Autorin war, die einige Romane und Sachbücher geschrieben hat und bis vor ihrem Tod, auch Jurorin beim “Bachmannpreis” war.

Es gibt auch einen nach ihr benannten Preis oder Preise.

Heute scheint sie aber ziemlich vergessen und ihre Bücher höchstwahrscheinlich nur mehr antiquarisch erhältlich.

Am Buchrücken steht fettgedruckt “Menschen und Gefühle in Beton….” und unter der Inhaltsangabe “Ein Roman aus der Unwirtlichkeit unserer Städte.”

Das Buch ist 1975 erschienen und spielt 1974 in einem Hochhaus in Berlin. Die Handlung zieht sich eine Woche von Freitag bis Donnerstag hin und da wird jeden Tag eine Beschreibung voranggestellt.

“Freitag” beispielsweise “Freitagnacht ist die erste Nacht der Woche. Freitagnacht werden Kinder gemacht. Freitagnacht wird viel Alkohol getrunken. Denn Freitagnacht fühlt sich der Mensch als Mensch.”

Dann gehen wir hinein in das Haus und lernen seine Bewohner kennen, die recht unterschiedlicher sozialer Herkunft sind, was ich beispielsweise nicht so realistisch finde.

Da zieht jedenfallls in den sechzehnten Stock aus Kassel, ein Direktor mit seiner Frau und seiner Tochter Susanne ein und rüstet sich zur Willkommensparty, wo er die anderen Direktoren samt Gattinen seiner Firma einlädt.

Die zwölfjährige Susanne hat mittlerweile die Bekanntschaft des gleichaltrigen oder vielleicht dreizehnjährigen Peters gemacht, sie beobachtet aus dem Fenster, wie er von zwei Jungen, Jockel und Kalli am Bein verletzt wird.

Die wohnen auch in dem Haus, Jockel ist schon fünfzehn und hat seine Mutter verloren, jetzt lebt er mit dem Vater, einem Fernsehautor, beziehungsweise reißt er, nachdem er Peter ein Bein gestellt hat, aus, kommt eine Nacht nicht heim, raucht einen Joint, bevor er vom Hausmeister, der stark berlinert nach Hause gebracht wird.

Kalli ist der Sohn eines Omnibusfahrers, Schofför steht in dem Buch, aber das ist der, der im Mercedes den Herrn Direktor Montag früh abholt und in die Firma bringt, während Jockels Vater einen BMW fährt.

Kalle hat einige Geschwister und wenn, die Eltern ein bißchen Sex haben wollen, schicken sie die Kinder nach draußen zum Spielen. Viele Kinder und eine schon wieder schwangere Frau hat auch der Herr Pastor, der ebenfalls in dem Haus wohnt.

Dann gibt es noch zwei ältere Damen und, um wieder zu Peter zurückzukommen, sein Vater, ein Maler, hat sich politisch betätigt und sitzt jetzt im Gefängnis. Darüber wird getruschelt, die Mutter Mitte Dreißig ist Verlkäuferin in einer Stoffabteilung und besucht den Vater jeden Sonntag in Tegel.

Bis Montag zieht sich die Handlung dahin und wir lernen die einzelnen Charakäre kennen, die Kinder freunden sich untereinander an, Susanne und Peter tun das, Jockels Vater macht ein großes Essen für den wiederheimgekommenen Sohn und verschafft ihm eine kleine Rolle im Fernsehen.

Susannes Mutter nimmt  Reitstunden und kleidet sich und die Tochter auch in standesgemäße Breeches ein und Peters Mutter geht Montagabend plötzlich aus dem Haus und alleine in ein Tanzlokal.

Sie fährt dann im Taxi heim, wird von einem, mit dem sie einige Male tanzte, im Auto verfolgt und am Dienstag steht der dann im Flur und fragt bei den Postkästen, eine der alten Damen nach einer Frau Aussehens.

Die antwortet aus Angst nicht, in einem wirklichen Hochhaus werden sich auch nicht alle Mieter kennen und mir würde nicht auffallen, wenn ein Fremder plötzlich am Montag bei den Postkästen steht.

Der findet jedenfalls die Mutter, als sie von der Arbeit nach Hause kommt und fährt mit ihr weg und nun nimmt die Handlung einen rassanten Schwung und es passiert wohl das, was Ingeborg Drewitz damit thematisieren wollte.

Die Mutter kommt jedenfalls nicht mehr zurück und der Sohn ruft am Dienstag aus der Schule in dem Kaufhaus an, die Kollegin meinte zwar, die Mutter wäre krank, meldet sich, was mir auch ein wenig unrealistisch erscheint, gleich bei der Fürsorge und, die erscheint dann auch und klopft oder läutet.

Es macht ihr aber niemand auf, denn Peter hat sich vor Schreck in der Wohnung verbarrikatiert. Ob das realistisch ist weiß ich nicht so genau. Er hat jedenfalls Angst, daß die Möbel geklaut werden würden, wenn ihn die Fürsorgerinnen in ein Heim bringen.

Die Fürsorgerin fragt beim Hausmeister nach und der geht auch hinauf und klingelt, überlegt, ob er den Kleinen nicht nach untern oder von dort was zum Essen hinaufbringen soll?

Diese Überlegungen haben auch der Pastor, die alte Dame, inzwischen steht das Verschwinden der Mutter schon in der Zeitung, ruft bei der Pfarre an, wo die Sekretärin zur selbständigen Nächstenliebe rät und Kallis Vater.

Sie kommen aber nicht dazu, den Kleinen in ihre Wohnungen mitzunehmen und ihren überlasteten schwangeren Frauen einen Tischgast zuzumuten, denn der macht nicht auf und der Pastor weiß auch schon weiter, daß das die Fürsorge nicht zulassen wird, weil sie mit ihm ja nicht verwandt sind.

Am Donnerstag oder so hat die Fürsorge, dann die Wohnung aufgebrochen und Peter mit einer Rotenkreuzschwester ab- beziehungsweise in ein Heim geführt und das Leben geht in dem Hochhaus weiter, beziehungsweise macht Susanne ihren Eltern Schwierigkeiten, als sie sich zu Essen weigert, wird aber von ihnen gleich belehrt, daß es eben soziale Unterschiede geben muß und am Schluß des Buches gibt es noch zwei kurze Zeitungsnotizen, die eine daß eine etwas Dreißighährige Frau erwürgt am Ufergebüsch aufgefunden wurde und dann noch eine von einem Autounfall und einen ausgebrannten Wagen, wo man rätseln kann, ob das der des Mörders der Mutter ist: “Bisher fehlt die Bestätigung des Unfalls der DDR-Behörden” steht noch darunter, was uns daran erinnert, in welcher Zeit das Buch geschrieben wurde. Die Väter, die darin vorkommen, sowie der Hausmeister müssen sich ja auch noch die Frage gefallen lassen, was sie vor 1945 gemacht haben und der Hausmeister ist, wie man liest, auch Blockwart gewesen.

Und mir hat sich beim Lesen die Frage gestellt, was man in einem solchen Fall wohl wirklich richtig macht?

Was macht ein Zwölfjähriger, dessen Mutter am Abend nicht nach Hause kommt? Geht er zur Polizei, zu den Nachbarn, am nächsten Tag zur Lehrerin oder in die Direktion?

Und die Nachbarn, Kallis Eltern, vielleicht auch, die von Susanne, obwohl sie den Jungen noch gar nicht kannte, der Pfarrer, der Hausmeister sollen sich vorläufig, um ihn natürlich kümmern, wenn er anläutet und sagt “Die Mama ist nicht da?”

Aber dann wird sich vermutlich tatsächlich das Jugendamt einschaltetn und nach Verwandten fragen und wenn, die Mutter unauffindbar ist, ihn wahrscheinlich auch in ein Heim bringen.

Ein spannendes Buch, wo sich das meiste, abgesehen von den politischen Geschehen, das inzwischen anders ist, vielleicht auch heute noch so abspielen könnte.

Ich würde nur bezweifeln, daß sich Hartz IV Empfänger oder Alleinerzieherinnen wirklich unter einem Dach mit einem Pastor und einem Betriebsdirektor, der vom Chauffeur abgeholt wird, befindet, auch wenn es natürlich Dachetagen gibt, die viel teurer und viel größer sind und Ingeborg Drewitz dürfte es wohl auch vorwiegend, um die soziologischen Aspekten bei ihrem Roman gegangen sein, wie man an der “benützen Literatur”, die auf den letzten Seiten angegeben ist, sehen kann, besteht die  hauptsächlich aus Büchern über “Die wohnliche Stadt”, “Städtbauliche Utopien” und andere “Wohnbaubücher. Literatur von Konfrad Lorenz und Alexander Mitscherlich ist aber auch angegeben.

9. Wiener Katzenfasching

Deborah und Janina Schedy

Deborah und Janina Schedy

Erwin Weilguny

Erwin Weilguny

Susanne Schneider hat, glaube ich, gemeinsam mit Rolf Schwendter, weil ja beide Katzenfans 2009 den ersten Wiener Katzenfasching ausgerufen, wo sich die Katzenliebhaber des ersten Wiener Lesetheaters ins Gartenstüberl des Weinhaus Sittls setzten, Rolf Schwndter, als Kater Rolf mit seinem Hofstaat, alle als Katzen verkleidet vorne am langen Tisch und dann wurde von ständigen “Miaus” begleitet, einen ganzen Abend lang, Kätzlisches von sich gegeben.

Irgendwann und irgendwie habe ich ja meine Kätzin Murana, die Abwandlung vom Kater Murr, die ich glaube ich schon lange schreiben wollte, im Herbst 2009, da gab es auch die Studentenrevolte auf der Uni, geschrieben und so hat mich Susanne Schneider zum zweiten Wiener Katzenfasching eingeladen.

Ich bin ja überhaupt kein Katzenfan, so kann ich die besondere Katzenliebe von Menschen, die sich wie Katzen schminken, miauen und murren und dann bevorzugt Texte lesen, die zeigen, wie sich die Katzen zu Tyrannen  der Menschen machen, nicht besonders nachvollziehen und habe da auch manchmal den Kopf geschüttelt.

Erwin Leder

Erwin Leder

Erik Hardenberg

Erik Hardenberg

Aber 2013 ist Rolf Schwendter gestorben und als mich Susanne Schwendter 2014 wieder zum Katzenfasching einlud, habe ich einen Text geschrieben, der sich auf Rolf Schwendters Katzenliebe bezog und sozusagen noch einen Nachruf auf ihn gemacht, einen solchen Text habe ich ja schon für das Volksstimmefest 2013 geschrieben und ihn auch bei der damaligen Poet Night gelesen.

Danach habe ich weder beim Katzenfasching gelesen noch bin ich dorthin ins Gasthaus Sittl gegangen, dienn ich bin ja  keine besondere Katzenfreundin, aber als ich unlängst im Literaturhaus war, habe ich auch Susanne Schneider dort getroffen, die die Einladungen dafür verteilte und weil wir dieses Wochenende wegen Ruth Aspöcks Geburtstagsfest in Wien geblieben sind, hat es sich eigentlich angeboten den neunten Wiener Katzenfasching zu feiern, der diesmal, glaube ich, auch nicht so lang war und auch nicht sovoll.

Manfred Loydolt, der als Prinz Manfred mit Christa Kern, glaube ich, auch immer am “Katzenhonoratorentisch” thronte fehlte, da gab es diesmal nur ein kleines Tischchen von Susanne Schneider und Susanna C Aschner-Schwarz mit Katzenohren besetzt, die den Abend moderierten und im Publikum gab es, wie es so schön heißt, die üblichen Verdächtigen oder alte Bekannte.

So haben Renate Woltron und Manuel Girisch mit Zitaten berühmter Männer über Katzen und Erich Kästners Erlebnisse mit einer Katze, die dem Dichter beim Dichten dreinredete, begonnen und dann machte Felizitas Girisch, die, glaube ich, die Märchen für das Marketing untersucht hat, mit einem Märchen weiter, wo eine alte Katze eine junge belehrt, daß man keine Vögel fangen soll.

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Das wäre, glaube ich, wurde ich einmal belehrt, ein Eingriff in die Natur und wird wahrscheinlich auch nicht ganz klappen, im Märchen ist aber alles möglich und dann traten auch gleich Heidi Hagl, Gabriella Schmoll und, ich glaube, Rosemarie Wolfik auf und lasen einen Text von Eva Rossmann “Gismos Nacht”, wo der Kater Gismo, der mit seiner Mira aufs Land gezogen ist, eine alte Katze vorm Erschossenwerden rettet.

Das habe ich sehr interessant gefunden, bin ich ja eine eifrige Eva Rossmann Leserin und Christa Kern ist diesmal zwar nicht als Prinzessin am Podium gesessen, hatte aber auch eine Katzenmaske und las als letzte vor der ersten Pause drei Texte.

Andrea Pauli hat auch noch einen Text von Elke Heidenreich, einen Brief an ihre Katze Klara, die sie nach ihrer Mutter nannte und über die sie sich, weil dieser sehr ähnlich, beschwerte, am Ende aber doch vermisste.

Hansjörg Liebscher

Hansjörg Liebscher

Susanne Schneider

Susanne Schneider

Dann folgte der zweite Teil und da gab es einige musikalische Einlagen und Erwin Weilguny sang ein Lied von einer “Gürtelkatze”, das wahrscheinlich nicht wirklich was mit Katzen zu tun hat.

Dafür holte  Susanna C. Schwarz wieder ihren Erich Kästner hervor und Ingeborg Reisner, die den Wiener Dialekt untersuchte und ein Buch darüber herausgibt, brachte spezielle Katzenwendungen, wie “Es ist alles für die Katz”, aber auch  Unbekannteres.

Sehr gut haben mir wieder Susanne Schneiders Texte gefallen, da wurde zuerst einer von Erwin Leder gelesen, wo es eine Katze von Prag nach Shanghai verschlagen hat, der Holocaust machte es notwendig, dort noch verloren wurde und sich alleine durchschlagen und dabei aufpassen muß nicht von Kindern erschlagen oder zu Katze süßsauer verarbeitet zu werden.

Es kam dann noch ein von Susanne Schneider selbstgelesener von den Katzen im Gemeindebau, dazwischen hatte aber noch Hahnrei Wolf Käfer, der wieder für die guten Katzenkekse sorgte, eine neue Art der “Verwandlung”, da wacht die Katze Kafka plötzlich eines Morgens auf und stellt verwundert fest, sie ist ein Mensch geworden und fängt nach einigen Irritationen und einkleidungen auch prompt zu schreiben an.

Susanna C.Schwarz-Aschner

Susanna C.Schwarz-Aschner

Richard Matula

Richard Matula

Es gab  auch die üblichen Gebrauchsanweisungen, wie sich die Katzen, um ihre Menschen zu ärgern und zu tyrannisieren verhalten sollen, Susanna  C  Schwarz Aschner, die solches schon von ihrer Katze zu kennen scheint, lächelte dazu.

Helga Graziella Schwaiger hatte eine solche selbstverfasste Geschichte, Ottwald John hatte einen sehr kurzen Text in drei Wiederholungen, Hans Jörg Liebscher, auch ein Mitgestalter, beschäftigte sich mit “Schrödingers Katze” und den Schlußpunkt setzten wieder Ingrid Jantzen und Richard Matula im dritten Teil mit einer Art Katzenmusical, wo auch  dem Kater Rolf in seinem Katzenhimmel gedacht wurde.

Geburtstag feiern mit Ruth

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Ruth Aspöck, von der ich gar nicht mehr so genau weiß, wann ich sie kennenlernte, beim “Arbeitskreis schreibender Frauen ist es nicht gewesen und in der “AUF”, die sie mitgründete, war ich nicht wirklich aktiv,  ist am siebenten Februar siebzig geworden und feierte das mit einem großen Fest in der Vinothek des Augustinerkellers zu dem sie hundert Leute eingeladen. Siebzig  werden dann schon gekommen sein und überreichten Ruth, die  auffällig gekleidet war, ihre Geschenke.

Vor dem Eingang ist ihre Schwester gestanden und verteilte an die Ainkommenden Situplatznummern. Zu mir hat sie nur den Namen Peter Czak gesagt, so habe ich mich neben ihm gesetzt und mir überlegt, wen ich von den schon Anwesenden kannte.  Es waren ziemlich viele, denn die Ruth hat einen großen Bekanntenkreis und macht auch gerne Feste.

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Als sie noch ihren Verlag “Die Donau hinunter” hatte, gab es  eine Lesung im Amerlinghaus, an die ich mich noch gut erinnern kann. Irene Wondratsch habe ich, glaube ich, dort kennengelernt und auch, daß es nachher Wein und Salzstangerl gab.

Denn ich habe damals gerade den “Tod eines Jurymitglieds” geschrieben. Die Geschichte über den Wiener Literaturbetrieb, wo ein Jurymitglied eines Literaturpreises tot am Donaukanalsaufgefunden wird (es war der Ast, der auch Ödon von Horvath ermordete und keine Schriftstellerin) der Kommissar, Allan Wilton nachempfunden, sucht  dabei auch Romana Reichel auf, die gerade “Eine Einladung für Freundinnen und Freunde” mit einer “Lesung aus “Texten von zwanzig Jahren” zu ihrem siebenundvierzigsten Geburtstag machte.

Dann hats ein paar Feste in Ruths Wohnung gegeben und den fünfundsechzigsten hat sie wieder groß in der Konditorei an der Ecke Burggasse gefeiert, vor zwei Jahren waren ein paar Frauen im Augustinerkeller eingeladen, der Alfred war da gerade unterwegs, so ists ein Frauenfest geworden, aber die Ruth ist ja auch als Feministin bekannt,  mit sechzig mit ihrem Verlag in Pension gegangen und damals im April drei Wochen lang von Wien mit dem Rad nach Bamberg gefahren und es gab jeden Abend eine Lesung.

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Wir sind von Ybbs bis Regensburg mitgefahren und ich hab eein Vielshofen meine Geschichte “Nachsplitter oder Simona ist betrunken”, die ich ursprünglich für den “Siemens Literaturpreis” geschrieben habe und die in Ruths erster “Donauanthologie” enthalten ist, gelesen und die beiden Anthologien dort im Rathaus vorgestellt.

Und weil das Radfahren ein gute Idee ist und die Ruth oder auch wir einmal um den Bodensee fahren wollten, werden wir das, als Geburtstagsgeschenk an sie im Mai machen, dabei auch Erika Kronabitter in Bregenz treffen, die auch versuchen wird, eine Lesung dort zu organiseren, so daß wir vielleicht ein bißchen das Flair von damals haben und jetzt hat es in dichtes Programm gegeben, denn die Ruth ist eine sehr strukturierte Frau, die auch ein umfangreiches Werkverzeichnis, als Geschenk oder Information an ihre Besucher aufgelegt hat und es gab auch irgendwelche exotische Pflanzen, die als Tischschmuck auflagen und die man sich mitnehmen und zu Hauseeinpflanzen konnte, mal sehen, ob sie gedeihen werden.

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So hat “18 Uhr Eintreffen der Gäste”, “18. 30  Begrüßungsworte” auf dem Programm gestanden.Um neunzehn Uhr gab es dann den “Imbiß mit drum und dram”, der aus verschiednen Würsten, Sauerkraut und Kartoffeln bestand und dann kam die”Musikalische Einlage von Richard Weihs”, der mir ja mit seinem Wunschgedicht von den letzten wilden Worten, sozusagen den Klappentext für mein derzeitges Werk, beziehungsweise auch die Erklärung geliefert hat, wieso die Dorothea Wewerka ein Bibliotheksgespenst ist, das nur als Detail am Rande und eigentlich nicht dazupassend, denn Richard Weihs hat sein berühmtes Lied von “Friß die Krot” gesungen und dann gabs “Die süße Überraschung, den Kaiserschmarrn” und um 21. 30, bevor die Gäste verabschiedet wurden, die “Vergangenheitszertrümmerungsperformance”, bei der sich die Ruth ihr buntes Kleid vom Leib reißen” ließ, wie sie sagte.

Ob das ein Hinweis auf das Alter ist, wo man sich nur mehr in Sack und Asche kleiden soll?

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Nun Hilde Schmölzer, die vor kurzem achtzig wurde, wo ich ja auch mitgefeiert habe, ist noch sehr aktiv und Elfriede Haslehner schon darüber, hat mir zwei fotos mitgebracht, die sie auf der Silvesterfeier bei Hilde Schmölzer machte, sonst habe ich einige Leute von der GAV oder vom “Wohnzimmerkreis”, wie Ilse Kilic, Fritz Widhalm, Christa Nebenführ, Jopa Joakin, Magdalena Knapp Menzel, Peter Bosch, gesehen. Irene Wondratsch war auch da und ich bin eine Zeitlang neben Nora Aschacher, die beim ORF gearbeitet hat, gesessen, die ich einmal bei einem einem runden Festvon Christa Kern getroffen habe.

Ruth Aspöcks Verleger, die ja seit es ihrem Verlag nicht mehr gibt, bei Löcker schon fünf Bücher hat, war da und ich bin sicher, auch wenn sie darüber vielleicht noch nichts erzählt, sie schreibt schon an einem Neuen.

Das letzte wurde erst vor kurzem bei den “Textvorstellungen” von Renata Zuniga vorgestellt, die auch im Publikum war. Erika Brunngraber war da, die Familie und auch einige andere, die ich nicht kannte, denn die Ruth ist ja sehr aktiv und hat, wie schon geschrieben, einen großen Freundeskreis.

Jetzt können wir uns auf die Radtour freuen, die Hotels hat der Alfred schon bestellt. Ich werde darüber berichten, aber vorher wird noch die “Klara” fertig werden, die jetzt an die Druckerei gehen kann und die das “Frühstück” ist zu korrigieren und am achten März gibt es im Amerilinghaus, wieder einmal eine Solidaritätslesung, und da fand ja vor wahrscheinlich dreiundzwanzig Jahren, der Alfred war zu dieser Zeit gerade mit der Alfred beim jährlichen Schifahren im Lesachtal, was er eine Zeitlang machte, das Fest für die ” Freundinnen und Freunde” statt und jetzt kann ich mich auch erinnern, daß die Ruth da eine literarische Rückschau aus ihrem Leben gab, was ich bei meinen runden Geburtstagen inzwischen auch mache und zu meinem siebzigsten Geburtstag, was noch eine Weile dauern wird, ich kann es schon verraten n, siebzig Minuten aus meinen dann wahrscheinlich schon über fünfzig selbstgemachten Büchern lesen werde. Jetzt habe ich einmal der Ruth die “Berührungen” als kleines Vorgeschenk mitgebracht.

Parallelwelten bei den Textvorstellungen und Richard Schuberth im Schwarzenberg

Heute gab es wieder einmal Parallelveranstaltungen, nämlich, um sieben “Textvorstellungen” in der “Alten Schmiede” wo Friedrich Hahn unter dem Titel “Anderswelten”, Texte von Christian Locker, Anett Krenlesberger und Alfred Paul Schmidt vorstellte.

Der 1963 in Wien geborene Maler und Autor Christian Locker begann mit seinem Parallelroman “Den Galgenvogel abgeschossen”, in der “Edition Roesner” erschienen, ein buntes dickes Buch, ich wußte gar nicht, daß es bei “Roesner” statt Gedichte und kurzen Texte auch Romane gibt, das Bild am Rücken, daß den Autor als Skizze für den Plotaufbau diente, hat er selbt gemalt und es geht dabei, um einen Ministeriualbeamten, einen Juristen, Burschenschaftler, also ziemlich unsampathisch, der zum Zahnarzt geht, zuviel Äther während der Betäubung bekommt und dann in einer anderen Welt aufwacht.

So bringt ihm die Kellnerin in dem Wirtshaus wo er zu Mittag ist, das “Wiener Tagblatt” in gotischer Schrift, statt dem “Standard” und obwohl die Zeitung das heutige Datum hat, ist er trotzdem in die Monarchie versetzt. Dann geht er nach Hause, das Stubenmädchen macht dem Hern von Prunnhübner auf und sagt knickesend “Die Frau Mutter wartet schon mit dem Tee!”, dabei ist seine Mutter schon längst in einem Altersheim gestorben.

Ein interessanter Text von einem interessanten Autor, der betonte, daß er seine Texte gut recherchiert hat und das mit den Parallelwelten auch von einem Wissenschaftler überprüfen ließ, der ihm erklärte, daß es Parallelwelten und nicht Zeitreisen heißt und in eine “Empathiewelt”, wie Friedrich Hahn so schön formulierte, ging es dann gleich mit dem dritten Erzählband der 1967 in Wien geborenen Anett Krendlelsberger, bei “Kitab” erschienen.

“Gute Literatur in kleinen Verlagen, also nicht nur immer “Suhrkamp” “Fischer” und “Hanser” lesen!”, empfahl Friedrich Hahn noch und AnettKrendelsberger las eine Geschichte, die aus einer Szenenfolge zusammengesetzt war.

“Beziehungslose Beziehung”, nannte es Friedrich Hahn.

Zuerst kamen eine Reihe Sätze, wie “die Zähne putzen, ein Butterbrot essen, in die Knie gehen”, etcetera, also so, wie ich in meiner Frühphase auch geschrieben habe, es aber aufgab, weil es keine Anerkennung fand.

Man kann aber offenbar mit dieser Indirektform auch Literaturpreise und Stipendien bekommen, aber einige kleine Preiserln habe ich ja auch und der Text von Anett Krendlessberger, die ich glaube ich schon mal bei einer Veranstaltung hörte, ging dann weiter, wo sich zwei in einem Kaffeehaus gegenübersitzen und aneinander vorbeireden und im dritten Teil gaben sie sich dann noch Anweisungen oder waren mit einander unzufrieden.

Den dritten Autor, den 1944 geborenen Grazer, Urgestein der Grazer Literaturszene, kann man so sagen, Alfred Paul Schmidt kenne ich schon von einer “Schmiede-Veranstaltung”, habe auch eines seiner frühen Bücher gelesen und ein anderes, ebenfalls bei dem eher kleinen Verlag “Keiper” erschienen, wie das, das er heute vorstellte, habe ich mir. glaube ich, einmal beim “Morawa-Abverkauf” gekauft und der Autor hat schon wie er sagte, zweiundzwanzig Bücher und dreißig Drehbücher geschrieben, weil er schon seit seinem dreißigsten LA schreibt und in dem Roman “Aus dem Grenzenlosen komm ich dir entgegen”, geht es um den Literaturbetrieb und, um einen Autor, Schmidts Alterego, der auch in ein Kaffeehaus geht, dort einen Roman über einen Graf und eine Gräfin schreibt, Schmidt philosophiert dabei über Gott und die Welt und läßt den Autor seinen Text dann auch noch ins Internet stellen, damit die Leser ihm sagen, wie es damit weitergehen soll. Also eigentlich sehr fortschrittlich für einen Fünfundsiebzijährigen.

Die Lesung dauerte eine gute Stunde, jeder Leser hatte zwanzig Minuten und dann gab es noch ein kurzes Gespräch dazu und um acht stellte es im “Schwarzenberg” im ehemaligen “Ostclub” Richard Schuberth, der mir ja immer die Einladungen zu seinen Veranstaltungen schickt, seinen bei “Klever” auch ein kleiner österreichischer Verlag wiederaufgelgetes Karl Kraus Buch “30 und drei Anstiftungen vor und es gab wieder ein Konzert dazu.

Bei einem solchen bin ich ja schon bei der Präsentation seiner “Chronik einer fröhlichen Verschwörung” gewesen, da bin ich früher weggeangen, weil der Alfred noch ins Kino wollte, diesmal bin ich später hingegangen, weil ich den Zyniker und ebenfalls scharfen Sprachanalytiker, obwohl er mir  ein wenig zu derb männlich ist, gerne mag und ich eigentlich gar nicht wußte, daß er ein Karl Kraus Experte ist.

Draruaf hat mich erst Hilde Schmölzer, die ja ebenfalls ein Buch über Karl Kraus, beziehungsweise über seine Frauen geschrieben hat, beim letzten “Volksstimmefest” hin.

Seine Aphorismen kenne ich aber, war auch bei einigen Lesungen und jetzt bin ich gerade zurecht gekommen, als Richard Schuberth gerade seine “Kleine Einführung in die Sprachkritik der elektronischen Sprachmüllhalden” las, die sehr scharf und sehr analystisch war.

Als er damit fertig war sang Jelena Poprzan eine Lied aus der “Herzogin von Geroldstein”, war Karl Kraus ja Offenbachhfan.

Dann las Richard Schubert noch zwei Buchstaben aus seinem Personenregister vor und wies auf den Büchertisch hin und im Anschluß einige Kraus Aphorsmen, bevor er sich bezüglich seiner Kraus-Liebe outete. Die stammt schon von seinem Vater und seinem Großvater her, so daß er die “Letzten Tage der Menscheit”, die ich nur als “Cartoon” kenne,  noch in der Original-Fackel gelesen hat.

Dann sang wieder Jelena Poprzan begleitet von Lena Neuner einige Lieder, Apohorismen von Nestroy und von Richard Schuberth und ich habe eine sehr interessante literarische Parallelveranstaltung erlebt,  obwohl ich den Konzertteil ausgelassen habe und schon in der Pause gegangen bin, um nicht zum Bloggen zu spät zu kommen.