Von Potsdam in die Gesellschaft für Literatur

Das ist heutzutage , in Zeiten wie diesen, gar nicht so einfach von Berlin nach Wien zu einer Lesung zu kommen, auch wenn die “Gesellschaft fürLiteratur” wieder eine Tacheles-Reihe” veranstaltete,die ja von Daniela Strigl organisiert und moderiert wird.

Das ist jetzt die elfte Veranstaltung ,moderierte Manfred Müller und die erste ohne Publkim. Die letzte war im Jänner 2020 mit Sasa Stanisic, da waren hundertfünfzig Personen und hundert mußten weggewiesen werden, Zustände,die man sich gar nicht mehr vorstellen kann, erklärte er dazu und ich war glaube ich nur bei einer “Tacheles-Veranstaltung”,als Daniela Strigl Katrin Passing vorstellte.

Weggeschickt haben sie mich, glaube ich, am zehnten März, als schon verkündet wurde, nur mehr hundert Personen und da haben sie das auch nicht getan, sondern nur verlangt, daß ich meinen Namen in eine Liste eintrage. Nun ab April muß man dann wahrscheinlich seinen grünen impfpaß vorweisen, wenn man zu “Tacheles zwölf” will und heute war Antje Ravik Strubel in der “Tacheles- Veranstaltung” und die war wieder sehr interessant, weil ich ja von der1974 geborenen Antje Ravik Strubel, die eigentlich nur Strubel heißt und das Ravic als Künstlernamen verwendet und jetzt auch auf “k” umgewandelt hat, schon einiges gelesen, beziehungsweise mir einige ihrer Bücher in dieser Buchlandungshandlung auf der Mariahilferstraße einmal um zehn Schilling oder einen Euro gekauft.

2001 hat sie in Klagenfurt gelesen und auch gewonnen und das war, glaube ich, der Beginn ihrer literarischen Karriere. 2016, als ich “Paul und Paula” geschrieben habe, habe ich sie in Leipzig auf dem blauen Sofa “In den Wäldern des menschlichen Herzen” gehört und mir das Buch dann bestellt und 2019, wo ich wegen meines Knöchelbruchs und Gips nicht in Leipzig war, hat sie den “Preis der Literaturhäuser” gewonnen und da noch ihre Lesereise gemacht, da war ich aber, glaube ich, nicht im Literaturhaus, als sie dorthingekommen ist.

Vorgestern habe ich mich ins Literaturhaus gestreamt, da hat Marlene Streeruwitz ihren Preis für das Jahr 2020 bekommen. Daniela Strigl hat die Laudatio gehalten, aber keine Lesereise mehr gemacht.

Antje Ravik Strubel hat es in die “Gesellschaft” geschaft und wurde von Daniela Strigl erst einmal ausführlich vorgestellt. Sie hat Buchhandel gelernt, dann Anglizistik oder Amerikanistik studiert, über Friederike Mayröcker dissertiert, übersetzt jetzt Joan Didion und Virgina Woolf und hat eine Liebe zu Skandinavien. Außerdem erscheint im Herbst ihr neuer Roman “Die blaue Frau”. Aus dem hat Antje Ravik Strubel dann ein Stück gelesen und dazu erzählt ,daß eine Figur, die zwölfjährige Adina, in “Unter Schnee” der in derTschechei spielt auch schon vorkommt. Jetzt ist sie erwachsen, nach Berlin gegangen, wurde dort mißbraucht und flüchtet in den Norden, nach Finnland. Dort lernt sie den Esten Leonides kennen und eine Aktivistin namens Christina

Daraus hat Antje Ravik Strubel eine Stelle gelesen und sich anschließend mit Daniela Strigl über ihre Übersetzertätigkeit unterhalten. Daniela Strigl wollte von ihr wissen,wie das mit der Übersetzterdebatte ist? Wer was oder wen übersetzen kann? Ein weißer Mann, eine schwarze Frau? Das ist ja etwas,was jetzt heiß diskutiert wird. Als ich “Paul und Paula” geschrieben habe, wurde mir ja auch gesagt, daß ich das nicht dürfe. Ich denke da eher, daß es da auf das wie ankommt und,daß man übersetzen und nicht neudichten und umdeuten darf, was, ich glaube, jetzt eher passiert, daß da am Schluß ganz was anderes herauskommt.

Das war es, eine interessanteVeranstaltung trotz Lockdownund Reiseverbot. Ich wünsche Antje Ravik Strubel eine gute Heimreise nach Potsdam und habe heute Nachmittag auch einige Stunden mit der” Gesellschaft für Literatur” verbracht, beziehungsweise, diesechsundzwanzig Fragen des Schreibart Online-Gewinnspiels aufgelöst

Alle Antworten habe ich nicht gefundenund eine Zeitlang den Michael Stavaric mit dem Christoph Ransmayr verwechswelt, der ja auch ein großer Reisender ist und wahrscheinlich auch schon in der Gesellschaft für Literatur gelesen hat und Michael Stavaric, der ja ein Schreibart Online-Portrait, habe ich ja auch einmal in der “Gesellschaft” gehört, wobei sich der Kreis wieder schließt.

Von der “Gesellschaft” in die “Alte Schmiede”

Der Vorteil der Livestream-Veranstaltungen ist ja, daß man sich den Hin und Rückweg erspart, meisten die Veranstaltungen auch nachsehen oder zurückdrehen kann und so kann ich mir am Abend, wenn ich die letzte Stunde um fünf Uhr mache, von einer Veranstaltung zur anderen switschen oder, was ich ja gerne tue, mir auch mehrere Sachen ansehen, was auch heute der Fall war und da gab es in der”Gesellschaft” sowie in der “Alten Schmiede” ein ganz unterschiedliches Programm.

Wir haben ja März und da gibt es in der “Gesellschaft für Literatur” ja immer die Lyrik im März, eine Veranstaltungsreihe, die, glaube ich, Wolfgang Kraus eingeführt hatte, um die Lyrik, die ja ein Stiefkind der Literatur ist, besser zu etablieren und das letzte Mal, als ich in der “Gesellschaft” war, war ich auch in einer solchen Veranstaltung, wollte dann noch zu einer anderen gehen, habe mich aber im Foyer umgedreht, weil ich mich schon damals nicht, für den Fall, daß ich krank werden sollte, registrien lassen wollte und heute erklärte Manfred Müller, der sich da sehr streng an die Covid-Regeln hält und immer die Maske aufsetzt, wenn er das Vortragspult für den nächsten Lesenden desinfiziert, sind Großveranstaltungen zu diesem Thema nicht möglich. Da meinte er wahrscheinlich solche, wo mehrere Lesende auftreten, weil Publikum gibt es ja ohnehin nicht mehr und so hat er für den Lyrik-Schwerpunkt und das ist interessant, zwei Lesende eingeladen, die eigentlich keine Lyrik geschrieben habe, das heißt eigentlich schon, aber die Bücher die sie präsentierten, waren Prosawerke.

Der Erste, das ist auch sehr interessant, war eigentlich ein Literaturwissenschaftler nämlich der 1952 geborene Wolfgang Müller-Funk, der sich offenbar seit er sich in Pension befindet, als Lyriker betätigt, jedenfalls hat er schon zwei Gedichtbände und, ich glaube, ich habe ihn auch schon mal bei einer Podium-Bände-Präsentation erlebt, jetzt hatte er aber und das ist nochmals interessant, eine meiner Meinung nach Essaysammlung, nämich, die Texte und Notizen in dem er ein Jahr beschreibt oder sie innerhalb eines Jahres geschrieben hat “365 Tage sind kein Jahr- Roman in lyrischer Prosa” heißt der etwas widersprüchige Titel und Wolfgang Müller-Funk hat aus den zwölf Abtelungen, die auch jeweilsdigitalen Abbildungen von seiner Frau hatten, jeweils zwei Textstellen gelesen. Manfred Müller betonte in der Einleitung, das Lyrische an den Texten. Wolfgang Müller-Funk erklärte noch, daß es eigentlich Lyrik werden hätte sollen, dann aber von ihm Roman genannt wurde, weil das eine Form ist, wo man ja alles hineingeben kann. Eine Definition, der ich widersprechen würde, ich bin aber keine keine Literaturwissenschaftlerin und interessant ist auch, daß Wolfgang Müller-Funk sich über den Essay habilitierte.

Also tagebuchartige Jahresbetrachtungen und er erzählte auch noch, daß er dabei nur wenig geschummelt hätte, sondern meistens seine Notizen wirklich Tag für Tag geschrieben hätte. Interessant also die intellektuellen Betrachtungen, wie er es, glaube ich, auch noch nannte, eines Intellektuellen und dann kam der 1960 in Feldkirch geborene Christian Futscher, den ich schon bei mehreren Veranstaltungen hörte, auch mit einem Prosaband, der sich “Mein Vater, der Vogel” betitelte und von einem Vater handelte, der ein komischer Vogel war oder einen solchen spielte, also während der Geburtstagsfeier seines Sohnes auf einen Baum kletterte und dort die Hände ausstreckte und “Ich kann fliegen!” rief, während sich der Sohn genierte und “Wenn du noch einmal so lustig bist, bringe ich mich oder dich um!”

Christian Futscher ließ seinen Erzähler später nicht mehr so genau wissen, ob er die erste oderzweite Form verwendet hat, ich denke die erste drückt wahrscheinlich, die größere Verzweiflung aus und leitete auch zu der anderen Veranstaltung in die “Alte Schmiede” über, die “Aus der Werkstatt” hieß und überraschenderweise von Raphaela Edelbauer moderiert wurde und da weiß ich nicht genau, ob das jetzt die neue Form der “Textvorstellungen” ist oder eine Sonderveranstaltung in der die 1990 geborene Raphaela Edelbauer, die ich ja einmal auf der “Buch Wien”, als sie, glaube ich, noch Studentin der Sprachkunst war, mit einem sehr experimentellen Werk hörte, daß ich mir fast von Ralph Klever abeschnorrt habe, vier Studenten der Sprachkunst und ihre jeweiligen Works in Progress vorgstellte. Denn inzwischen ist viel geschehen. Raphaela Edelbauer hat in Klagenfurt gelesen und ist mit im “Flüßigen Land”, das mir sehr gut gefallen hat, sowohl auf der deutschen also auch auf österreichen Shortlist 2019 des Bp gestanden. Jetzt ist sie offenbar auch Vortragende im Institut für Sprachkunst und unterrichtet dort das Romanschreiben und so stellte sie vier der Studenten vor, die Auszüge aus ihren noch nicht veröffentlichten und auch nicht fertigen Romanen lasen. Interessant, interessant und ein Kontrast zum falschen Lyrikabend der “Gesellschaft” und die erste Lesende war, die 1984 in der Schweiz geborenen Bettina Scheifflinger, deren Romanmanuskript “Erbgut” hieß und von der Geburt mehreren Generationen handelte. Raphaela Edelbauer erzählte im Gespräch etwas von einem Familienroman und, daß mehre Studenten solche schreiben würden und interessant an diesem ist, daß da die Geburten beschrieben werden. Die nächste Lesende hieß Lena Biertimpel und wurde 1991 in Hamburg geboren. Ihr Roman heißt glaube ich “Heimwehvogel” und handelt von einer Frau, die sich in die Psychiatrie einweisen läßt, was sehr genau beschrieben wurde. Das passte gut zum nächsten Text, dem des 1994 in Dresden geborenen Johann Voigt der trotz seiner Jugend schon eine beachtliche journalistische Laufbahn hinter sich hat in seinem Text einen Roboter artigen Erzähler beschreibt, der die Polizei haßt und das Ganze dissoziative Amnesnie nennt und sagte, als Rapheala Edelbauer fragte, was das sei, daß man das Nachgooglen solle, weil er kein Psychologe wäre. Nun Dissioziation ist die Abspaltung, wenn man Dinge wegschiebt, weil sie einem zuviel sind und man sie nicht verdrängen kann. Vergewaltungsopfer tun das oft und auch ich denke, daß ich, um die Pandemie auszuhalten, vieles dissoziere.

“Dann geht es mir besser!”, habe ich Doris Kloimstein, glaube ich, als Motto für ihre “Noahs Fest-Anthologie” geschrieben.

Der vierte Text der, der 1986 in Wien geborenen Maria Muhar ist auch sehr interessant und handelt von drei Personen, die in einer WG zusammen wohnen. Eine Alex, einen Daniel und einer Martha. Die Martha hat, glaube ich, eine Zwangsstörung, der Daniel ist ein Nachtschwärmer und die Alex eine Schriftstellerin und eine Szene, die Maria Muhar las, handelte und das ist ebenfalls sehr interessant von einem verregneten Volksstimmefest beziehungweise einer linken Wortlesung, die dort stattfand.

Interessant, interessant, Raphaela Edelbauer wiederholte noch die Titel der unvollendeten Werke, damit man sie sich merken und wenn sie erschienen sind kaufen können und ich fand sowohl den Einblick in die Romanwerkstatt in das was die Studenten dort schreiben, als auch die in die Lyrik die keine war, sehr interesssant.

Preis der Literaturhäuser 2020

Ziemlich genau zum Jahrestag ein Jahr Corona geht es um ein Jahr zurück, meine Corona-Eindrücke sind ja ziemlich genau in diesen Blog zu finden, so daß man dieses Jahr, seine Entwicklung und Veränderung gut nachvollziehen kann, geht es ein Jahr zurück, denn da wären wir ja in Leipzig gewesen und wären da auch auf das blaue Sofa zur Verleihung des “Preises der Literaturhäuser” gewesen, den damals Marlene Streeruwitz bekommen hatte.

Der “Preis der Literaturhäuser” wird ja seit 2012 von vierzehn Literaturhäusern, inzwischen ist auch Wien dabei, immer an einen Autor, eine Autorin vergeben wird, der oder die dann in diese vierzehn Literaturhäuser Deutschlands, Österreichs und der Schweiz jeweils zu einer Lesung eingeladen werden. Da gibt es dann immer einen Folder, wo man die Termine ablesen kann, der dann in Leipzig auch verteilt wird. Der vom letzten Jahr ist irgendwie anders zu mir gekommen, weil wir ja nicht mehr nach Leipzig kamen und ist, glaube ich, lange auf meiner Pinwand in meinem Praxiszimmer gehangen und Marlene Streeruwitz ist, glaube ich, lockdownbedingt nicht zu ihrer Lesereise gekommen.

Sie hat sich anderswertig beschäftigt, nämlich einen Covid-Roman oder vierten Wahlkampfroman geschrieben, der mich irgendwie auch zu meinen ersten Covid-Text angeregt oder diesbezüglich unterstützt hat, sie dann mit ihrem Internetroman, der inzwischen auch bei “Bahoe-Books”erschienen ist, sowohl in der “Alten Schmiede” zu einer Lesung als auch bei der Literatur im Herbst, die Corona mäßig auch der “Alten Schmiede”statt fand, aufgetreten und ich bin ja, wie ich immer schreibe, nicht unbedingt,eine Marlene Streeruwitz Spezialistin, habe Dank der Bücherschränke und anderen Spendern, sehr viel fastalles von ihr gelesen, habe sie auch bei verschiedenen Lesungen gehört, verstehe nicht alles ihrer Radikalität, bin aber wahrscheinlich trotzdem sehr fasziniert von ihr.

Also heute in das Literaturhaus streamen, fast hätte ich das versäumt, weil die Veranstaltung nicht im Programm angekündet ist und es ist auch, soviel ich es verstanden habe, die heutige Veranstaltung der Ersatz für die vierzehn Lesungen und sogar die Preisverleihung, die ja, weil Leipzig im Vorjahr ausgefallen ist auch nicht stattgefunden hat und ob es schon einen Preisträger für 2021 gibt, weiß ich nicht, weil die Messe ja wieder ausfällt oder im Mai, glaube ich, halb digital oder wie auch immer stattfindet.

Also die Preisverleihung in Wien und da hat Hauke Hückstädt im Literaturhaus Frankfurt zuerst eine Grußbotschaft geschickt, dann kam Daniela Strigl als Laudatorin, also war es eine verspätete Preisverleihung und zählte MarleneStreeruwitzs Werk und ihre literarische Bedeutung in sieben Punkte auf und die Autorin erklärte,dann, daß sie der Preis, den sie ja offenbar nicht,wie geplant abgelesen hat, über das Jahr 2020 hinübergerettet hat,dennvomStaat hatsie nur siebenhundert Euro Entschädigung oder Umsatzersatz bekommen. Sie wird für ihre Romane wahrscheinlich schon Tantiemen und für ihre Lesungen auch Honora rbekommen haben und sie ist, glaube ich, auch eine die sichbezüglich Coronaengagiert. Ob sie auf Demos mitgeht, weiß ich nicht, sie hat aber einen Covi-d Roman geschrieben und offenbar auch einen Standard-Artikel, in dem sie sich kritisch äußerte und auch die Sprache in Corona-Zeiten thematisierte und da auch gleich in das Rechtsradikalen Eck gelandet ist.

Das passiert, wie ich gerade bei OE24- TV und von Marika Lichter hörte, jetzt ja sehr schnell, wenn man nur keine Maske, aus welchen Gründen auch immer.tragen, will ist man offenbar schon ein oder eine solche und Marlene Streeruwitz hat ja auch ihre eigene Meinung über die Testungen, bezog sich aber eher auf ihren Roman “Flammenwand”, der ja, glaube ich, 2019 erschienen ist und da ja auch auf der dBp-Liste stand,da war ich, wie das heute genannt wurde, bei der Lektoratslesung in der “Alten Schmiede”, habe das Buch gelesen und das interessante daran ist ja, daß Marlene Streeuwitz die politischen Geschehenvon schwarz-blau von 2018 in ihren Roman aufgenommen hat. Da hat sie einige Stellen daraus vorgelesen und nachher mit Stefan Gmünder, dem Standard- Literaturkritiker darüber diskutiert. Da war für mich wieder nicht alles zu verstehen, denn Marlene Streeruwitz zieht ja ihre Kreise sehr weit, ging gleich zu Franz dem ersten oder zweiten zurück und dann zu der Hausgewalt, die erst 1975 abgeschafft wurde und jetzt hat Covid, die Emanzipation, der Frau wieder um einige Stufen zurückgeworfen. Eine sehr interessante Diskussion also, ich kann das Nachsehen und Nachören des Videos, das vier Wochen auf der Literaturhausseite möglich ist, wirklich nur empfehlen und weil es ja eine Preisverleihung war, richtig Urkunde hat es keines gegeben, nur einen Blumenstrauß, der am Tischchen zwischen den zwei Lesepulten gestanden ist, gab es nachher ein Konzert oder ein Muskstück von Nina Simone, das sich Marlene Streruwitz offenbar ausgesucht hat. Eine interessante Veranstaltung also und jetzt bin ich gespannt, wer der Preisträger oder die Preisträgerin von 2021 ist und ob der oder die im Nai bekannt gegeben wird und 2022 ist ja Österreich überhaupt das Gastland in Leipzig und dann wird es sicher interessant, obwohl ich mit Test, Maske und was auch immer sicherlich nicht dorthin gehen werde.

Die Mutter von Nicolien

Jetzt kommt ein “Wagenbach Quartbuch”, da bekomme ich ja immer die E-pubs geschickt. Ein Roman des 2008 verstorbenen niederländischen Autors J. J. Voskuil, der mit dem Mehrteiler “Das Büro” bekannt geworden ist und der sich in dem Buch, das aus kleinen Skizzen besteht, die von den Fünzigerjahren bis ins Jahr 1985, dem Tod der Mutter, hinüberführt, sich mit der Demenz beschäftigt.

Der Erzähler ist ein Maarten und der trifft sich mit seiner Frau Nicolien und deren Mutter, die in Deen Haag wohnt, das Ehepaar wohnt in Amsterdam, immer wieder zum Kaffeetrinken. Hier ist interessant, daß die Mutter mit Sie angesprochen wird, aber vielleicht liegt das an der Übersetzung und am Anfang ist die Mutter noch recht fit und mir ist es wieder etwas schwer gefallen, in das Buch hineinzukommen, wußte ich doch länger nicht, daß Nicolien eine Frau und die Tochter der Titelheldein ist und die Demenz, das zunehmende Vergessen, wird auch erst später greifbar.

Anfangs erscheint die Mutter fit. Erst später, die Szenen sind immer mit dem genauen Datum überschrieben, merkt man, daß sie viel vergißt. Sie soll irgedwo hinfahren, findet den Weg nicht mehr, findet dann auch nicht aufs Klo und entschuldigt sich dann immer mit dem Alter.

“Sie sind nicht alt!”, kommt dann immer als Antwort und liest man das Buch 2021, fällt einer auf, wie schwer sich das Ehepaar mit der zunehmenden Vergeßlichkeit der Mutter tut und, wie unverständlich sie für es ist.

Heute ist man da schon weiter, weiß damit umzugehen, macht Gedächtnistests, kennt zunehmend Therapien.

Nicolien und ihr Mann stehen dem verfall der Mutter erstaunlich hilflos gegenüber, fangen darüber auch zu streiten an und die Mutter wird zunehmend vergeßlicher, verschwindet aus der Straßenbahn, wird dann von einem Mann nach Hause bgeleitet, ruft immer wieder an und weiß dann nicht warum. Nicolien versucht ihr, als die Nummern geändert werden, auch das Telefonieren anzugewöhnen und berührend ist der Satz “Meine Tochter meint, daßich hier bin!”

Die Mutter wird dann nach Amsterdam genommen, wo das Paar wohnt. Aber da hat die Mutter Angst, verschwindet aus der Kammer in der sie wohnt, erzählt den Passanten, daß sie ihre Tochter sucht die in Amsterdam wohnt, landet dann in einem Krankenwage und erst in den Siebzigerjahren rät ein Arzt, die Mutter ist dann schon über achtzig und wundert sich bei ihren Geburtstag darüber, sie in einem Pflegeheim unterzubringen.

Nicolien fällt das schwer, aber bei ihnen in Amsterdam geht das nicht, die Mutter zu sich zu nehmen und um nach Den Haag zu ihr zu ziehen ist Marten der Weg in sein Büro zu lang. In dem Altersheim scheint es auch viel strenger als heute, also vor Corona-Zeiten zuzugehen, die ersten drei Wochen keine Besuchszeit, denn sonst bleibt sie nicht bei uns, sagt die Pflegeschwester und zu den Besuchzeiten stauen sich die Angehörigen im Foyer, dann sitzen alle im Cafe und schauen zu, wie die Frauen ihre dementen Männer mit Eierlikör und Törtchen füttern. Die Mutter will nach Hause, verfällt immer mehr und stirbt, wie schon geschrieben 1985. Das Buch oder die sehr berührenden Skizzen über die Demenz, den Tod und das Sterben enden beim Begräbnis und die Demenz ist ein Thema, das mich sehr berührt, das mich in meiner Familie, ich habe ja meinen Vater betreut und auch meine Schwiegereltern waren und sind davon betroffen, hautnahm miterlebte, habe auch in der “Anna” und in anderen meiner Texte darüber geschrieben und mich auch in meinen Pflegehelferkursen, die ich im Geratriezentrum am Wienerwald, als es noch gab gehalten habe und in meiner Diagnostik, damit beschäftigt. Sehr beeindruckend also über ein wahrscheinlich in den Achztigerjahren geschriebenes Buch darüber zu lesen und was hier geschildert wird mit dem zu vergleichen, was man inzwischen wahrscheinlich in unzähligen Ratgebern nachlesen kann, weil ja wahrscheinlich jeder jeden kennt, der davon betroffen ist, damit lebt oder jemanden betreut.

Was ist eine Veranstaltung?

Wir befinden uns noch mitten der Fastenzeit, Ostern naht aber mit schnellen Schritten, die Dekorationen sind herausgeräumt, es gibt schon Pinzen, Schneeglöckchen am Fensterbrettt, die Osterhasen und die Eier sind in den Geschäften wahrscheinlich auch zu kaufen und da brauchen wir in Zeiten wie diesen, der Pandemie und der neuen Mutationen natürlich einen Ostererlaß damit wir wissen, wie viele Leutewir wann und wo wir besuchen dürfen.

Im vorigen Jahr erinnern wir uns, gab es ja eine Ausgangssperre und man durfte nur aus den vier oder fünf genannten Gründen einkaufen, arbeiten, anderen helfen, spazierengehen, viellleicht noch einen Arzt besuchen, wenn dieser ordinierte, ais dem Haus.

Glaubte man, denn da trat dann pötzlich der Impkoordinator Clemens Martin Auer auf oder es war vorher ein Erlaß aufgetaucht, daß man nur bis zu fünf Personen treffen dürfe. Aber wenn man ohnenicht aus dem Haus gehen darf, wem soll man da noch treffen?

” Sie werden alles sehen!”, beruhigte der Koordinator. Der Gesundheitsminister, der sich derzeit in Krankenstand befindet, entschuldigte sich. Ostern ging vorüber, die Sommererleichterungen kamen und der zweite Lockdown, der sich langsam aber unausweichlich in einen dritten verwandeln soll oder muß.

Denn die neuen Mutationen, die britische, die südafrikanische, die brasiliansische oder welche auch immer. Die Zahlen sind jetzt auch bis an die dreitausend hinaufgewandert, was die Experten schon lange phrophezeien und die Impfstoffe, die ersehnte Rettung sind noch nicht so da ,wie sie sollen oder lösen Blutgerinnsel aus und was machen wir bis dahin, bis das Licht hinter dem Tunnel, wie uns unser Kanzler versprach endlich auftaucht oder der Katschup aus der Dose spritzt.

Richtig, Freitesten hieß es ja im Dezember, Jänner oder Februar, als man dann nur noch mit Test zum Friseur oder zur Fußpflege durfte und die Gastronomen schrieen laut “Bitte auch zu uns, denn dasFreitesten ist ja kein Problem! Das wollen ja unsere Kunden und so schlug der Wiener Bürgermeister, die Schanigarteneröffnung vor.

“Das ist aber nicht genug!”,schrieen die Gastronomen.

“Da verdienen wir nicht genug oder haben auch keinen solchen!”

Vielleicht fragten sie auch “Wer soll sich da zu uns mit einem Freitest setzen, wenn man das im Park nebenan auch ohne kann und holt man sich das Take away und setzt sich damit in den Stadtpark uje uje! Dann haben wir keine Kontrolle und kein Geschäft und die Prohibition ist ausgeborchen, wenn sich die Leute im Hinterzimmer tereffen und dort essen oder trinken! Das kann es doch nicht sein und darf es nicht geben!”

Noch dazu, wo ja offensichtlich erwiesen ist, daß man sich im Freien weniger anstecken kann und in die Wohnung darf die Polizei, glaube ich, noch immer nicht hinein, außer der Nachbar drückt die Vernaderertaste oder die Musik ist zu laut! Was macht man da, um aus all diesen Dilemmen herauszukommen?

Richtig, wir brauchen eine neue Covid-Novelle die gebietet, daß man den Lockdown nicht nur, wenn das Spitalssystem im Gefahr ist, das ist es, glaube ich nicht, sondern wenn der Verdacht besteht, daß die Zahlen explodieren könnten! Das tun sie zwar nur sehr langsam, bei all den Massentests! Aber man weiß ja nie! Also Lockdown auch bei Verdacht und Treffen ab vier Personen gelten als Veranstaltung und müßen gemeldet werden! Können daher auch nach Belieben, wenn beispielsweise Gefahr in Verzug, verboten werden, lautete die Novelle, die man bis Diensta, glaube ich, beeinspruchen konnte.

Denn was heißt denn das? Da lädt ein Ehepaar ein anderes zu sich in seien Wohnung oder Garten ein, muß es bei der Vereinsbehörde um Genehigung ansuchen?

Nun ja, nun gut! Aber wie soll dieser bürokratische Aufwand, der dann natürlich entsteht, bewältigt werden? Das kann ich mir nicht vorstellen, daß das passiert und wenn ich auf die Straße gehe, was ich momentan ehe rnur um zu demonstrieren, was aber ohnehin verboten ist, tue, sehe ich, daß die Leute versuchen, sich so normal, wie möglich zu verhalten. Was sollen sie denn sonst tun? Sie stellen sich beim “Demel”, um den berühmten Kaiserschnarrn an, lassen sich vielleicht vorher noch von OE24 interviewen, warum sie die FFP2-Maske erst bei Eintritt in den Laden und nicht schon wenn sie in der Schlange stehen, aufsetzen, holen sich den weißen Spritzer natürlich nur im Fläschchen, aus dem Gastroladen und setzen sich damit mindestens fünfzig Meter entfernt auf eine Parkbank und das natürlich nur bis dreiviertel acht. Denn nachher muß man ja zu Hause bleiben. Denn das Virus kommt ja in der Nacht und beißt einem da in die Schulter und es gibt ein paar böse Jugendliche, die tun das nicht. Die nehmen ihr Bier und ihren Kassettenrecorder und setzen sich mit dem entsprechenden Sicherheitsabstand auf ein Feld und dann kommt die Polizei, die sie zuerst ermahmt und ihnen dann, weil sie nicht darauf hören, ein Example setzen und jeden, weil sie eine verbotene Corona-Party feierten, jeden fünfhundert Euro Strafen aufbrummen!

Uje uje, in welchen Land leben wir? Das Virus ist natürlich trotzt der vielen Test vorhanden. Vielleicht würde es, wenn die Impfung schneller erfolgte, schneller verschwinden? Geht aber nicht, obwohl unser Kanzler schon mit seinem Presseteam nach Isarel geflogen ist, um sich dort nach dem grünen Impfpaß zu erkundigen, der uns allen im Sommer die großen Freiheit bringen wird.

Was der soll, ist mir auch noch nicht so klar, denn ich dachte ja, wenn alle durchgeimpft ist, hat sich die Lage verändert! Das Lcht ist da und wir können wieder in unsere Normalität! Geht aber nicht, wegen der Mutanten. Also trotzdem testen, trotzdem Maske tragen und die Geimpften, die das nachweisen können, können dann ins Kino, während die anderen offenbar immer noch zu Hause bleiben müßen und das vielleicht bis in alle Ewigkeit. Denn das Virus läßt sich ja wahrscheinlich immer spalten und tut es wahrscheinlich auch! Tut das wahrscheinlich schon seit jahren und niemanden hat es gestört! Aber jetzt wird darauf geschaut, getest und geschützt und wenn man in Hinkunft mit seinem Kind auf den Spielplatz will und dort die Nachbarin mit ihrem Kleinen trifft, muß man dem Parksheriff nicht nur einen Impfpaß, sondern auch seine Veranstaltungsgenehigung zeigen!

Uf, das wird wahrscheinlich kompliziert, daß vielleicht auch Gesundheitsminister darüber zusammenbrechen können. Dem unseren, weil ich ihm immer noch sehr sympathisch finde, alle Gute wünsche und die Veranstaltungen, die das wirklich wären, die Literaturprogramme in der “Alten Schmiede”, im Literaturhaus, die Konzerte und Theaterstücke finden vielleicht weiter nur online statt?

Ameisenmonarchie

Jetzt kommt wieder ein Debut aus der “K&S-Literaturschiene”, die mir ja so getreulich ihre Neuerscheinung schicken,nämlich der Roman der 1983 in geborenen Romina Pleschko, die eine Schauspielausbildung machte und die “Leondinger Akademie” von Gustav Ernst absolvierte und in dem Buch über das am Buchrücken steht “Was passiert hinter den Fassaden der Großstadt? Ein Wohnhaus wird zur Schnittstelle für allerhand Kurioses. Witzig, schräg und klug: ein tabuloser Genuß”, hat einen erstaunlich frischen frechen Ton und erzählt eigentlich das, was ich schon in den Achtzigerjahren in meiner “Die Gasse oder Marthas Wohnungen” zu schreiben versucht hat und, glaube ich, der Inhalt des Siegerkurzghörspiels von “Track5” war.

Ein Haus beziehungsweise seine Bewohner werden in kurzen Szenen geschildert. Da gibt es den Frauenarzt Herb senior, seinen Sohn Herb Junior und desssen Gattin Magdalena. Der, einer ehemaligen Architekturstudentin, die dann zu malen anfing und jetzt, ähnlich, wie die oda in “Der Erfindung der Sprache”, im Laufe ihrer Ehe verstummte und mit einem abgeschabten Hausmantel, der seine Federn am Kragen verliert herumläuft, mischt er Beruhigungsmittel in die Salami, von der sie sich hauptsächlich ernährt. Dashabe ich schon von Hausärzten gehört, daß die ihre Frauen mit den “little helpern” süchtig machte und ich habe es auch in “Kerstins Achterln” thematisiert.

Der Sohn ist schwul und soll trotzdem die Praxis übernehmen und Herb Senior beschäftigt sich mit seinen drei blonden Assistenteninnen, die den Junior nicht ernst nehmen, mit den neuesten Fertilisationsmethoden, die man im Osten viel billiger als in Wien bekommt.

Der Sohn verfällt einen Abgeordneten einer “Nicht wählbaren Partei”, der später Minister wird und bekocht ihn hingebungsvoll, bevor der ihn verläßt und ich fragte mich, wieso geht er nicht in die Praxis? Aber da herscht ja noch der Vater und eine Kosmetikverkäuferin namens Karin gibt es in dem Haus auch. Die ist alleinerziehende Mutter, bloggt viel in einem Familienforum und wird vom Nachbarn namens Klaus gestalkt. Dann wird sie seltsamerweise vom Abgeordneten schwanger und kann den Beruf aufgeben, dem Kaufhaus, einer japanischen Firma kündigen, das seine Angehörigen unterdrückt und am Schluß wird dieser Klaus Lottomillionär, gibt das Geld in teuren Hotels aus, wo er Berühmtheiten nachfährt und ihre Haare sammelt. Herb Senior erleidet einen Schlaganfall und der Junior bandelt mit einem Junkie an, wird von ihm aber ermordet oder niedergstochen.

Also eigentlich viel Handlung in dem Buch, dessen einzelne Szenen manchmal etwas zusammenhanglos wirken, als wären es kurze Skizzen, die zu einem Ganzen zusammengeführt wird. Der Ton ist frisch und modern und es werden Themen angeschnitten, die man vielleicht sonst noch nicht gelesen hat.

Ein interessantes Buch, das ich auf die Longlist des Bloggerdebuts empfehlen kann und dann wird es spannend sein ob es auf sie Shortlist kommt

“Kremayr und Scheriau” ist da sehr prominent unterwegs und hat schon einige ShortlistBücher hervorgebracht. Das Cover ist wieder sehr ästhetisch. Es zeigt eine Hausfassade mit verschiedenen Fenstern hinter denen man die Silhouetten der Bewohner studieren kann. Eine Feder von Magdalenas Morgenmantel gibt es zwischen den Kapitel auch immer wieder zu finden und ein ähnliches Projekt in dem Hausbewohnter beschrieben wurde, hat ja auch einmal Tim Krohn mit seinen Crownfounding-Romanen gestartet, das, glaube ich, nach dem dritten Band vom Verlag gestoppt wurde.

Dieses Haus ist sicher sprachlich anspruchsvoller beschrieben und daher eine Leseempfehlung, auch wenn ich den Titel wieder nicht ganz verstanden habe. Aber vielleicht sind die Ameisen ein Synonym für die Hausbewohner, die sich durch ihr Leben wurschteln.

Der vierte Hörspielfestivalabend

Während man hierzulande diskutiert, ab wann eine Veranstaltung eine Veranstaltung ist und ob ich jetzt eine Genehmigung brauche,wenn ich mich mit einem Freund zu seiner Freundin und seiner Schwester in den Stadtpark setze oder ob ich mich stattdessen testen lassen soll, um vor Ostern in den Schanigarten zu gehen, was aber wahrscheinlich ohnehin nicht passiert, weil die Zahlen zu hoch, sich die Mutanten mehren und die vielleicht doch nicht so Rechten demonstrieren, findet in der “Alten Schmiede” unter Ausschluß des Publkikums natürlich, das Hörspielfestival statt.

Zwei Abende habe ich davon schon gehört, einen ganz und einen nur zur Hälfte, den dritten habe ich wegen Frauentag und diesbezüglicher Literaturhausveranstaltung ausgelassen.

Aber heute wieder zu Annalena Stabauer in die “Alte Schmide”während wir vorher real nach Harland gefahren sind und da habe ich, wirklich und wahrhaftig, die Telefonnummern meiner Klienten mitgenommen, damit ich sie anrufen kann, wenn wir ab Montag, weil die Zahlen zu hoch, vielleicht nicht mehr testlos ausreisen können, nun ja, nun ja, und in der “Alten Schmiede” stellte die Hörspielautorin und Hörspielregisseurin Elisabeth Weilenmann, die, glaube ich, auch bei der “Hörspielgala” prominent aufgetreten ist, ein Hörspiel von Eberhard Petschinka aus dem Jahr 2000 nämlich “Casanova-Matador”, das sie in seiner Sinnlichkeit, als es ausgestrahlt wurde, sehr berührte.

Die Musik ist von Händel und es beginnt mit einem Film, wo der Casanova offenbar von einer Dame oder der Infantin Isabella verführtwird und führt dann nach Sevilla in die Neunzehnneunzigerjahre, glaube ich, wo ein Erbe zwischen einem Zwillingspaar aufgeteilt wird. Einer bekommt, die Stiere, der andere soll nach Amerika fliegen und dort den Casanova in einem Film darstellen. Die Stiere kommen dann, glaube ich, auch noch dazu. Elisabeth Weilenmann erzählte sehr engagiert den Inhalt und sagte dann immer, sie wolle nicht zu viel verraten.

Ja richtig, spoilern ist ja sehr verpönt, aber kann man sich das Hörspiel noch anhören ohne eine Genehmigung dazu zu haben?

Dann kam Helmut Peschina, den ich ja als Hörspielautor und Bearbeiter von den Hörspielnächten kenne und wieder haben mich die Namensähnlichkeit mit Eberhard Petschinka und Wilhelm Pevny, der auch noch dazu kommen könnte, verwirrt, aber Petschinka und Peschina sind zwei verschiedene Hörspielregisseure und Helmut Peschina hat sich ein vierzehnminütiges Hörspiel von Ernst Jandl und Friederike Mayröcker ausgesucht mit dem, die beiden, glaube ich, 1969 den “Hörspielpreis der Kriegsblinden” gewonnen haben oder für diesen Hörspielpreis viele Hörspiele produzierten. Das Hörspiel dauert vierzehn Minuten hat vierzehn Szenen, beginnt im Kreißsaal bei der Geburt und endet mit der Erschießung und dazuwischen gibt es sehr viele Jandl oder auch Mayröcker Sätze, wie zum Beispiel “Solange es Kinder gibt, wird es Kinder geben”oder “Der Junge wird zum Mann der Film regt ihn dazu an”, eine Kinoszene ist auch dabei.

Nach der Pause gab es ein Gespräch zwischen Peschina und Weilenmann, die ja vor kurzen in “Antigone a poem” ein hörspiel zusammen gemacht haben, denn Helmut Peschina ist ja ein begnadeter Hörspielbearbeiter, hat Roths, Doderers, etcetera Romane bearbeitet, aber auch eigene geschrieben, wo es zwei Textbeispiele gab, zum Beispiel “Ich doch nicht”, ein Stück über zwei Männer einen Schwulen und einen Hetero, die sich am Klo treffen und dann “Verschütt” das auch imTheater aufgeführt wurde, da gehen ein Mann und eine Frau von einer Bar in seine Wohnung, hören dort Musik und bauen sich auch eine Bar auf.

Über die Geräusche und die Pausen wurden diskutiert und die 1982 geborene Elisabeth Weilenmann hat sehr starke Themen in ihren Stücke beispielsweise in “Mein Körper ist ein Schlachtfeld” wo es um die Selbstverletzungen wie das Schneiden und das Ritzen geht.

Dann gab es noch ein Stück über Models “La vie enVogues” und eine Bearbeitung von Gabriele Kögls Text “Höllenkinder”.

Dann gab es ein Gespräch über Bearbeiten, Dialoge und wie man zu den Stücken kommt. Da berichtete Elisabeth Weilenmann von einem Buch “Das Geräusch einer Schnecke beim Essen”, das sie einmal fand, ein Hörspiel daraus machte und es dem passenden Sender anbot und hielt am Schluß nochein feueriges Plädoyer für das Hörspiel das bedroht ist eingestellt oder eingespart zu werden und forderte junge Stücke für junge Leute von jungen Autoren und Regiseuren und Helmut Peschina, der 1943 geborenen wurde und noch andere Hörspielverhältnisse kennt, stimmte ihr eifrig zu.

Gegenstimme mit Musik

Bei der diesjährigen “Hörspielgala” ist das Hörspiel des1983 in Schlierbach OÖ geborenen Thomas Arzt “Laue Nächte” auf Platz zwei der Publikumsauswahl gekommen, gleichzeigtig wurde auf seinen bei “Residenz” gerade erschienenen Debutroman “Die Gegenstimme” hingewiesen, der heute im Literaturhaus präsentiert wurde und Daniela Strigl, die moderierte, wies in ihrer Einleitung darauf hin, daß Thomas Arzt zu den bedeutensten jüngeren Autoren Österreichs gehört dessen Stück “Grillenparz” das nicht mit Grillparzer zu tun hat, sondern der Name eines oberösterreichischen Berges darstellt, 2011 im Schauspielhaus uraufgeführt und vorher in der dortigen Theaterwerkstatdt erarbeitet wurde.

Dann gibt es noch ein von Daniela Strigl erwähnte Stück namens “Alpenvorland” sowie eine “Else (ohne Fräulein)” und noch ein paar andere Sücke. Und jetzt der Debutroman und richtig Musik gab es auch, die von den 1994 geborenen Paul Schuberth, der zwischendurch improvisierte und auch ein Stück zu dem Buch geschrieben hat und dann noch einen Walzer spielte.

In dem Buch geht es u, den 10. April 1938 in dem es die Abstimmung zum Anschluß Österreichs an Deutschland gab und da ist ein Karl Bleimfeldner, der , in Innsbruck studierte in seinen Heimatdorf Schlierbach zurückgekommen, um mitzustimmen und das war. wie Daniela Strigl schon verraten hatte, der Großonkel des Autors und offenbar der einzige von den Dorfbewohnern, der gegen den Anschluß gestimmt hat und diesen Tag beschreibt Thomas Arzt in seinem Roman mit einer, wie Daniela Strigl auch erwähnte, besonderen, nämlich gehetzten hastigen Sprache. Ich denke, sie war ein wenig Dialekt gefärbt und die Dorftyen, die zur Wahl schritten, beziehungsweise davon zurückkamen und ergründen wollten, wer denn der eine Abtrünnige war, der Bürgermeister, seine Gattin, seine Tochter, das deutsche Mädel, der besoffene Schuster, Karls Vater, glaube ich, den Dorftrottel, der auch dagegen stimmen will, sich das dann aber nicht traute, beziehungsweise “Grüß Gott!”, stotterte, als er zum Hitlergruß aufgefordert wurde und das Besondere an der Lesung, Thomas Arzt hat sehr gut gelesen, füge ich hinzu, waren auch Bildauffnahmen, die einen Waldweg offenbar von dem Dorf Schlierenbach zeigte, denn es gab dort schon eine szenische Lesung. Der Roman war damals, wie Thomas Arzt später im Gespräch mit Daniela Strigl erwähnte, noch nicht fertig, sondern nur drei Kapitel stark und er war sich auch nicht sicher, ob er je fertig werden würde und Daniela Strigl wolllte dann noch wissen, ob Thomas Arzt nie daran gedacht hatte, ein Stück daraus zu machen? Was er vermeinte. Er hätte angst davor gehabt, daß es verheitzt wurde und es sich auch in den Vertrag schreiben lassen, daß das ein anderes tun würde.

“Ist Thomas Bernhards “Heldenplatz” verheitzt worden?”, hat Daniela Strigl dann noch promt gefragt, was wohl insofern zu verneinen ist, weil Thomas Bernhard so berühmt war, daß er sich wahrscheinlich alles leisten konnte.

Interessant und spannend wieder ein historischer Roman über die NS-Zeit und ein Stück Zeitgeschehen und die Diskussion führte dann auch in die Gegenwart zurück oder endete mit ihr und ich werde mir das Buch, ob meiner langen Leseliste wohl nicht anfragen, bin aber sehr gespannt, ob ich es einmal finden werde und was ich noch von dem jüngeren Dramatiker höre, weil ich ja nicht so oft ins Theater gehe und das ja derzeit gar nicht möglich ist.

Mutmacherinnen zum Frauentag

Gestern war wieder der internationaler Frauentag, den es glaube ich seit 1910 gibt und im Zuge diesen veranstaltet die 1977 geborene Helga Pregesbauer, inzwischen GAV-Mitglied, die ich einmal bei einer Lesung von Günther Vallaster im “Read!!ing!!room!!” kennenlernte, schon seit 2014 im Literaturhaus immer eine diesbezügliche Lesung, die ich, obwohl, sowohl an der Literatur also auch an den Frauen sehr interessiert, bisher versäumte.

Das heißt das letzte Jahr, am Montag den 8 März war ich dort, da hat mich die Ruth eingeladen und da war ja schon alles anderes. Corona als Pandemie definiert, die ersten Toten vor allem in Italien schreckten das ganze Land und ich habe einer meiner Klientinnen, die mich am Nachmittag fragte, ob sie mir die Hand geben darf? “Wie Sie wollen!”, geantwortet. War aber schon am Dienstag im Literaturhaus bei der Präsentation von Xaver Bayers späteren Buchpreis-Buch sehr irritiert, als der in die Gegend hustete und sich alle später beim tollen Käsebuffet drängten und am Freitag davor war es bei der arabischen Frauenlesung im Amerlinghaus sehrvoll.

Im Literaturhaus zum vorigen Frauengag gab es aber eine gute Stimmung, Erika Parovsky, die gerade aus Israel zurückgekommen war, erklärte, daß sie, weil am Flughafen fiebergemessen ganz gesund sei, Elfriede Haslehner gab mir die Hand und wir diskutierten wann die Geschäftsschließungen, die es schon in Italien gab, auch zu uns kommen würde?

“In zwei drei Wochen!”, habe ich vermutet. Es war aber schon am nächsten Tag so weit, daß Kanzler Kurz “Bleiben sie zu Hause!”, verkündete und inzwischen müßen wir FFP2-Masken tragen und die Veranstaltung im Literaturhaus, die von Helga Pregesbauer in verkleinerter Form wieder veranstaltet wurde, kann man nur über den livestream genießen.

Anne Zauner sprach Grußworte, desinfizierte für Helga Pregesbauer dann das Lesepult, die sich, wie sie sagte an ihre FFP2-Maske inzwischen schon so gewohnt hat, daß sie sie zum Herunternehmen vergessen hatte und begann in ihrer Einleitung mit Frieda Kahlo, die für sie ein feministischen Vorbild darstellt. Dann stellte sie die 1979 geborene Michaela Hinterleitner vor, die, glaube ich, dem fröhlichen Wohnzimmerkreis zuzurechnen ist, immer freundlich lächelt und die ich einmal in St. Pölten bei einem Sonnenpark-Lesefest hörte. Sie hatte einen sehr feminstischen Text oder Textteile, die mit dem Superwoman begannen, zu Adam und Eva oder eher zu der letzteren, die dem Adam einen Apfelstrudel backen hätte wollen, aber durch die Vertreibung aus dem Paradies daran gehindert wurde, überschwenkte und Helga Pregebauer erzählte dann in ihrer Überleitung zu der 1960 geborenen Gerda Sengstbratl etwas von der Hündin Laika, die der erste Mensch am Mond oder im Weltall war.

Gerda Sengstbratl hatte zwei Texte einen für die Corona-Anthologie und einen für den Frauentag. Da ging es sowohl sehr erotisch, als auch sehr feministisch zu und am Schluß kam wieder Gertraud Klemm, die 1971 geboren, glaube ich mit Gerda Sengstbratl aus den Schreibwerkstätten der Petra Ganglbauer kommt, aber inzwischen mit ihren Büchern wie “Aberland”, “Erbsenzählen” oder “Hippocampus” Karriere machte, auf den Buchpreislisten stand, bei den Ö-Tönen las und jetzt auf Wunsch von Helga Pregesbauer aus ihrem neuen noch nicht veröffentlichen Buch zwei Stellen las, wo es um eine Frauen-WG zu gehen scheint, in dem es sich Simone, eine Maren, eine Flora und eine Lilli gemütlich machten, die letzte kauft bei einem Gemüseverkäufer Kartotten und ärgert sich über seine sexistischen Anspielungen und Helga Pregesbauer freute sich, wie ich schon darauf, das ganze Buch zu lesen. Aber ich habe ja noch “Erbsenzählen” ungelesen auf meinen Lesestapel und habe unlängst erst ein “Standard- Video” gesehen in denen, die sehr engagierte Gertraud Klemm erzählte, wie man sich ohne auf die Demos zu gehen, gegen die Corona-Maßnahmen wehren könne und Helga Pregesbauer schloß die Lesung mit einem Rosa Luxemburg Zitat.

Wein und Gespräche gab es zumindestens für die etwa dreißig Online Zuhörer und innen nicht, im Literaturhaus aber erstaunlich lauten Applaus und für alle, die Hoffnung auf einen vielleicht wieder normaleren Frauentag im nächsten Jahr, aber bis dahin muß man wohl, nachdem ja erst vor kurzem, eine neue Verordnung erlassen wurde, daß ab nun auch Treffen von vier Personen, als Veranstaltungen gelten würde, einige Widerstände überwinden.

Vielleicht können mutige Frauen, wie Frieda Kahlo, Gertraud Klemm oder die berühmteste Prostiutierte der Welt, die Helga Pregesbauer auch noch erwähnte, dazu helfen, daß das etwas schneller geht. Ein frommer Wunsch ich weiß, aber da die Hoffnung ja als letztes stirbt, schreibe ich ihn auf.

Im Stuttgarter Schriftstellerhaus

Die 1966 in der SU geborene Olga Martynova, die seit 1990 in Deutschland lebt und 2012 den Bachmannpreis gewonnen hat, habe ich schon lange nicht mehr gesehen.

Kennengelernt habe ich sie, glaube ich, durch die Bachmannlesung, ihren 2010 auf der deutschen Buchpreisliste gestandenen ersten Roman “Sogar Pagageien überleben uns” habe ich bei diesem Augustin-Flohmarkt gekauft und inzwischen gelesen, den Lyrik-Band “Von Tschwirik und Tschwirka” habeich mir einmal um zwei Euro, glaube ich, aus der “Morawa-Bücherabverkaufskiste” gekauft, aber noch nicht gelesen und die Autorin selber mehrmals in Wien in der “Alten Schmiede” bei Lesungen erlebt. Aber jetzt gibt es ja keine Liveveranstaltungen und auch kaum Reisetätigkeit über die Grenze, also derzeit keine Olga Martynova in der “Schmiede”, die ich sogar einmal im Publikum bei einem “GedichtFest” gesehen habe.

Also hatte ich fast auf sie vergessen, wenn es nicht Wolfgang Tischer und das Literaturcafe gäbe, denn der hat mich auf einen Livestream aus dem Stuttgarter Schriftstellerhaus aufmerksam gemacht, denn Olga Martynova, die, glaube ich, auch einmal beim Schamrock-Festival gelesen hat und ihren Mann Oleg Jurek betrauerte, ist derzeit Stipendiatin des Stuttgarter Schriftstellerhauses und arbeitet dort an einem neuen Gedichtband und das Schöne an Zeiten, wie diesen, die ich, wie meine Leser wissen, ja nicht so schön finde, daß man zwar am Abend ab acht zu Hause bleiben soll und muß damit man sich nicht infiziert, aber auch gleichzeitig statt in die “AS” oder ins Literaturhaus auch ins Salzburger Literaturhaus, ins Stifterhaus oder wie jetzt ins Stuttgarter Schriftstellerhaus streamen kann, um sich das Gespräch mit der Autorin und der Geschäftsführerin des Schriftstellerhauses Astrid Braun anzuhören, was ich mit ein paar Ausfällen auch begierig getan habe, denn ich hatte eine sieben Uhr Stunde und bin daher erst nach dreiviertel zu dem Gespräch gekommen, das schon um halb acht begonnen hat.

Olga Martynova, die ihren Gatten Oleg Jurek ja 2018 verloren hat, ist eine lebhafte Diskutantin und erzählte gleich, daß ihr die Sprache in der sie schreibt egal sei, wichtig ist die Literatur. Sie schreibt oder hat ihre Gedichte aber in Russisch geschrieben, sie werden dann meist von Elke Erb, der letzten “Büchner-Preisträgerin” auf Deutsch übersetzt, ihre Romane “Sogar Papgeien überleben uns” und “Mörikes Schlüßelbein” sowie “Der Engelherd”, die ich noch nicht gelesen habe, auf Deutsch und dann gibt es auch einen Essayband “Über die Dummheit der Stunde” von dem ich, glaube ich, auch schon in Wien gehört habe.

Dann stellte Astrid Braun das Programm vor zuerst drei Gedichte auf Russisch, die dann von Wolfgang Tischer auf Deutsch gelesen wurden und da stürzte mir mein Computer wieder ein paarmal ab, so daß ich von dem ersten nicht viel mehr als den Namen Jelena Schwarz, die eine 2018 in Leningrad verstorbene Dichterin mitbekommen. Im zweiten Gedicht ging es dann um”Nachtigallen” dieses Wort kommt auch in der russischen Version vor, wie Olga Martynova meinte, daß sie bei ihren Schülerlesungen immer danach fragte.

Leider war die Tischer-Übersetzung schwer zu verstehen und dann ging es im dritten Gedicht um europäische Städte und auch um die Hygiene. Davon habe ich, weil ein neuerlicher Absturz auch nicht viel mitbenommen und dann ging es, glaube ich, um ein Gedicht, das ich vielleicht auch schon gehört habe, nämlich um die Wiener Kaffeehaäuser, die Olga Martynova, da sie ja öfter in Wien war, zu kennen schien. Sie erwähnte in ihrer sympathischen Art, daß das ihre Rache an die Leute sei, die ihr bei Lesungen immer erzählen würden, welche Sehenswürigkeiten sie bei ihren St. Petersburger Reisen gesehen hätte. So hat sie ein Gedicht über Wiener Kaffeehäuser geschrieben, die den Stuttgarter Literurhausbesucher wahrscheinlich nicht viel sagen.

Aber jetzt ist Olga Martynova Stuttgarter Stadtschreiberin und kann dort auch sowenig ins Kaffeehaus gehen, wie ich in Wien, aber das tue ich ohnehin nicht sehr.

Nur als Studentin war ich regelmäßig im Cafe Sperl und Cafe Jelinek, um dort zu schreiben und Olga Martynova bedauerte sehr, daß sie in keine Stuttgarter Kaffeehäuser gehen könne und fragte Astrid Braun, wie lange diese noch geschloßen wären und hoffte sehr, daß sie noch bis Ende April in ein solches gehen könne und im dritten Teil ging es, um den Gedichtband in deutscher Sprache an dem Olga Martynova offenbar im Stuttgarter Schriftstellerhaus arbeitet und eines aus dem “La Speranza-Zyklus”, der eine Auseinandersetzung mit der Trauer ist, das ein Motto von Eugenio Montale hat, der, glaube ich, seine Frau verloren hat, hat sie gelesen.

“Mich hat die Hoffnung verlassen, dass ich dich je wieder sehe”, beginnt das beeindruckende Gedicht und ich habe einen sehr interessanten Abend im Stattgarter Schriftstellerhaus erlebt, in das ich sonst nicht gekommen wäre, der mich wieder an Olga Martynova erinnerte, die ich ja eher mit der “Alten Schmiede”, als mit dem Literaturcafe verbinde,dem ich ja gelegentlich mehr oder weniger empört kommentiere.