Drama

Jetzt Buch drei der Öst Debut-Shortlist, da kann ich diesmal zur Ak-Debutlesung gehen, habe schon alles gelesen und kann mein Urteil geben, was ich für das beste Buch halten oder welches mir am besten gefällt?

Was zugegeben nicht ganz so leicht ist, eigentlich hätte ich jeden etwas auszusetzen. Aber die Bandbreite ist interessant. Da wieder einmal eine Provinzaufrischung, ein starkes Frauenbuch“, das mir vielleicht etwas zu brutal ist und dann das “Drama” des mir bisher unbekannten Arad Daribi. Das heißt, stimmt nicht so ganz, ich hätte den 1997 in Wien geborenen, Sohn iranischer Eltern kennen können. Hat er sein Debut doch im März in Literaturhaus vorgestellt, in Leipzig haben ihn die IG-Autoren in ihrem Lit-Radio vorgestellt und das er als Dramaitiker bei den “Wortstaettten” auftritt, hat er wahrscheinlich auch etwas mit dem “Exil-Preis” zu tun.

Und das Debut ist eine Wucht, das heißt stimmt vielleicht auch nicht so ganz, vielleicht ist das “Drama”, welch ein Titel, ein bisschen zu gewollt, klischeehaft aufgeladen. Steht ja schon im Beschreibungstext des im “Septime-Verlag” erschienen Buch, etwas von Wien und dem Glanz, der im ersten Bezirk herrscht, die überteuerten Cafes, die Museen, wohin die Touristen geschleust wären und ich dachte “Aha, ein frischer Ton, eine Wucht und dann ist das Buch des Dramatikers, der auch Lyrik schreibt, ganz nach den dramatischen Gesichtspunkten aufgegiedert, genau in der Aktstruktur.

Und da beginnt es es beim I mit einem Flug von Berin nach Wien. Das heißt ganz am Anang fliegt er dort schon wieder zurück, der Ich-Erzähler, Sohn iranischer Eltern, der in Wien aufgewachsen ist, aber jetzt schon ein paar Jahre in Berlin lebt und auf den ein Stundenflug betrinkt er sich mit seinem Nachbarn in solcher Rassanz, die in einer Stunde wahrscheinlich gar nicht möglich ist, denn er muß nach Wien zurück. Hat ihn dort doch Hubert, ein reicher Franzose, dessen Eltern in Hietzing eine Villa haben, eingeladen. Seine Exfreundin Bona, die aus Sizilien stammt, soll auch dorthin kommen, ein Krcimiautor namens Dijon und eine Flora und das ist offenbar shon das Drama, wenn wir auch noch nicht so genau wissen, wie das ausschauen wird?

Denn das II, wo er in Wien herumirrt und seine Freunde trifft, habe ich eher überflogen. Bei III und danach wird es aber wirklich spannend, wenn auch das Drama höchstwahrscheinlich seinen Regeln folgt und ein bisschen unwahrscheinlich skurril ist auch.

Denn es sind ja nur die vier Freunde eingeladen. Der Erzähler nimmt aber zur Sicherheit eine Marie mit. Was schon beim Entre Schwierigkeiten macht. Hubert will ihn zuerst nicht hineinlassen. Drängt dann dem wahrscheinlich schon Betrunkenen einen teuren französischen Rotwein auf, den er verweigert. Es gibt Bedienstete und Securities, wie bei den FPÖ-Wahlauftritten, in der Villa. Dann wird das Menü serviert oder angekündet. Es beginnt mit einer Zuchhinisuppe mit Ziegenkäse. Danach wird die Reihenfolge von Hubert unterbrochen. Denn er hat etwas mitzuteilen, wurde bei ihm doch ein Gehirntumor diagnostiziert und so lädt er seine Freunde, auch Dijon hat Krebs, zum erweiterten Selbstmord ein. Ein sterbehelfendsollender Arzt ist auch dabei. Marie will sich den Beiden, obwohl sie nur depressiv ist, abschließen.

Am Schluß verlassen die Damen und wahrscheinlich auch Dijon mit dem Erzähler die Villa. Der leblose Hubert bleibt, wenn ich richtig verstanden habe, zurück und derErzähler bemerkt, bevor er wieder zurückfliegt, lakonisch, daß er keine Zigaretten mehr hat.

Genial oder doch nur mit den Wienklischee gespielt? Ein ungewöhnliches Debut des jungen Mannes mit dem “ausländischen Namen und solchen Aussehen” und ich schwanke, ob ich ihm den Preis oder der jungen Feministin wünschen soll?

Die neuerliche Bernhard Wiederholung lasse ich aus und da ich mich zwischen den beiden anderen nicht entscheiden kann, bleibe ich gespannt.

Dschomba

Buch acht des Öst “Dschomba” stammt von keiner Unbekannten, habe ich von der 1967 in Linz geborenen und in Eveding aufgewachsenen Wirtstochter Karin Peschka, glaube ich, das erste Mal gehört, als die den “Wartholzer Literaturpreis” gewonnen hat.

Dann habe ich den “Watschenmann” gelesen, in dem der Dragan Dschomba schon auftaucht und Karin Peschka, die Spezialistin der Fünfzigerjahre mit ihrem eigenen unverwechselbaren Ton, auch in ihrem neuen auf der Öst stehenden Buch treubleibt.

Ich habe dann sehr viel, fast alles von ihr gelesen und war auch auf verschiedenen Lesungen, beispielsweise im “Musa” und auch beim “Alpha”, den siegewonnen hat. Dann kam “FanniPold”, das, glaube ich, in einem Wirtshaus aber in der Gegenwart spielt.

Mit einem Text aus der “Autolyse Wien”, das auch auf der Longlist “stand, hat sie glaube ich beim “Bachmannpreis” gewonnen.

Mit “Putzt euch tanzt lacht” stand sie 2020 der auf Öst-Shortlist und jetzt der neue Roman über Dragan Dschomba oder eigentlich über den Serbenfriedhof bei Everding, wo ihre Eltern ein Wirtshaus haben oder hatten und Karin Peschka dort ausgeholfen hat und auch lange mit ihrem Sohn da lebte.

Den Serbenfriedhof und das Zwangsarbeiter- oder Kriegsgefangenenlager, von dem niemand in der Stadt sprach und man auch nicht in der Everdinger Hauptschule hörte.

Das hat Karin Peschkas Neugier geweckt und so hat sie sich mit dem in zwei Strängen handelden Roman, die Vergangenheit zurückerobert oder erschrieben, wie sie, glaube ich bei Lesung im März im Literaturhaus erzählte.

Zwei Handlungsstränge, der eine spielt in den Fünfzigerjahren. Im November 1954 beginnt es, glaube ich, wo ich meinen ersten Geburtstag hatte und da tanzt der halbnackte Dragan Dschoba plötzlich am Serbenfriedhof und versetzt den Dechanten und noch einige andere in Unruhe.

In sehr kurzen Kapitel mit einer eher künstlichen Sprache wird all das geschrieben. In den Fünfzigerjahren von dem Serben erzählt, der am Friedhof offenbar seinen Bruder Pavle suchte. Dann vom herzkranken Dechanten aufgenommen wird und als dem von einem Denunizanten verraten, ein Praktikant geschickt wird, zieht er in ein Häuschen beim Friedhof und zwanzig Jahre später, als die kleine Wirtstochter zehn <jahre alt ist, kommt der Herr Dschoba in das Wirtshaus, bestellt sich am Stammplatz ein kleines Bier und so nähern wir uns den Geschehnissen allmählich an.

Ein wenig lang würde ich kritisieren und meine, daß man das Ganze kürzen hätte können. Aber sicher spannend wieder ein Stück der Kriegs- und Nachkriegsgeschichte zu erfahren, so daß man sich auf dieser Öst ein weiteres Stück der österreichischen Provinz erlesen kann.

Die österreichische Shortlist

Ich habe ja diesmal, weil erst eineinhalb Wochen nach der Veröffentlichung der deutschen Longlist und ein paar Tage vor der Veröffentlichung der österreichischen, von Frankreich zurückgekommen, mich zuerst durch die Österreichische gelesen, weil da die Bücher früher, als die deutschen bei der Negalley zu beziehen waren und habe daher am Tag der öst. Shortlistverkündung schon acht der Bücher gelesen und konnte raten, wer darauf kommt, bezeihungsweise welche Bücher ich darauf täte?

Eine schwere, fast unmögliche Frage, denn ich hätte mehr als fünf Kanditaten. Welche Bücher lasse ich also weg?

Den Bodo Herbst vielleicht mit seinen experimentellen Baumpassagen? Ich bin keine experimentelle Autorin und würde bei einem Buchpreis vielleicht auch an Romane denken, aber Bodo Hell ,ist ein sehr bekannter Autor, jetzt achtzig und gehört gewürdigt. Obwohl, um vielleicht Petra Hartlieb zu zitieren sein “Droschl-Buch” nicht so viele Käufer findet.

Also versuchen wir es mit etwas Leichteren. Die Christina Walker mit ihrem Krähenroman ist vielleicht nicht so bekannt, als die anderen Autoren und hat vielleicht auch ein leises und nicht unbedingt so neues Thema.

Susanne Gregor, deren “Wir werden fliegen” ich noch nicht gelesen habe, fällt vielleicht auch in diese Kategorie und ganz ehrlich Maja Haderlaps “Nachtfrauen” haben mir nicht so gefallen, hätte ich von der “Bachmann-Preisträgerin” und Experten bei den Kärntner Slowenen, vielleicht etwas mehr Nachhaltigeres erwartet.

Also hätte ich mit etwas Bauchweh vier Ausscheidungen, bleibt aber immer noch ein Buch zuviel übrig. Also welches, nehme ich, nehmen die Juroren. Da bleiben ja lauter bekannte Namen, lauter bekannte Autoren über.

Über Wolf Haas “Eigentum” kann ich auch noch nichts sagen, fange ich das ja gerade erst zu lesen an. Er ist aber ein bekannter Autor mit einer sehr starken Sprache, also würde ich tippen, es steht darauf.

Da wären dann noch Birgit Birnbacher mit “Wovon wir leben” ein sehr realistischer österreichischer Provinzroman mit dem ich wahrscheinlich mehr als mit Thomas Olahs “Doppler” anfangen kann. Aber der steht ohnehin auf der Sbortlist Debutliste und ist daher keine Konkurrenz. Wäre also mit Karin Peschkas “Dschomba” zu vergleichen, ein Provinzroman aus den Fünfziger- und Siebzigerjahren und Karin Peschka hat auch eine eigene starke Sprache, gehört also auch darauf?

Was haben wir noch? Die “Monde vor der Landung” des sehr jungen “Büchner-Preisträgers” Clemens J. Setz, der auch auf der deutschen Liste und auf der der “Leipziger Buchmesse” stand.

Das wäre vielleicht auch ein würdiger Gewinner, obwohl der Roman ja weniger surreal als erwartet ist, Also gerade deshalb, würde ich ihn auf der Shortlist sehen. Dann hätten wir noch Teresa Präauer mit ihrem “Kochen im falschen Jahrhundert”, ein Buch das einerseits sehr gelobt, andererseits auch kritisiert wurde und eigentlich kein wirklicher Roman ist, aber das ist auch kein Kriterium für den Öst. Bei der Deutschen, wo es auch draufsteht, ist das anders und Milena Michiko Flasars “Oben Erde unten Himmel”, die mit ihren Japanmotiven eine literarische Außenseiterin ist.

Wer kommt also auf die kurze Liste und welche Bücher fehlen?

Eine spannende Frage, die die Jury zu beantworten hat und ich würde auf jeden Fall wieder empfehlen, alles zu lesen und sich ein eigenes Urteil zum machen und dann gibt es ja auch noch andere Neuerscheinungen, die zum Teil auf der dBp standen, bei den O-Tönen oder bei anderen Veranstaltungen zu hören waren und meine Bücher, kann ich nicht lassen, hinzuzufügen, gibt es auch noch und da sind in diesem Jahr auch schon vier erschienen.

Und hier die Überraschung:

  1. Milena Michiko Flasar “Oben Himmel unten Erde”
  2. Wolf Haas “Eigentum”
  3. Maja Haderlap “Nachtfrauen”
  4. Teresa Präauer “Kochen im falschen Jahrhundert” und
  5. Clemens J. Setz “Monde vor der Landung”

Spannend, spannend und ein bißchen schade für Bod Hell und die experimentelle Lyrik.

Ich hätte ihn gegen Maja Haderlap ausgetauscht und jetzt können wir raten, ob Wolf Haas, Clemens J. Setz oder doch eine der drei Autorinnen den Preis gewinnt. Am sechsten November ist es dann soweit. Da bleibt und also noch Zeit alles zu lesen.

Kleine Schule des Fliegens

Buch sieben des österreichischenen Buchpreises der 1971 in Bregenz geborenen Christina Walker die ich mit ihrem Debut “Auto” bei den O-Tönen -hörte, in dem kleinen feinen “Braumüller-Verag” erschienen, ist sehr interessant und man kann spekulieren, ob es eine literarische leicht surreale Antwort auf die Krisen unserer Zeit ist?

Da sitzt ein Mann, Alexander Höch, nach einer Chemotherapie wahrscheinlich sehr geschwächt in der Wohnung seines Bruder. Seine Frau Eva, offensichtlich eine Psychotherapeutin hat ihn dorthin “verbannt” weil seine Wohnung renoviert wird. Eine seltsame Frau, namens Melitta Miller taucht auf, die sich um ihn kümmern und für ihn einkaufen soll. Das klappt nicht so ganz, denn er kommt zu seinen Kaffee erst, als er ihn selber im Supermarkt holen geht und in der Wohnung passieren auch seltsame Dinge. Federn und Gummistücke tauchen auf und dann liegt auf einmal auch eine Waffe auf dem Tisch. Die ist zur Krähenabwehr gedacht, denn diese Vögeln bevölkern plötzlich die Plantane gegenüber und Melitta Miller, die vorsorglich maskierte Heimhelferin entpuppt sich, als eine Vertreterin der Krähenabwehr und fordert Alexander Höch auf, der offenbar auch ein Schrriftsteller ist und alles aufnotiert, zu diesem Zweck Schreckschüße abzugeben, denn “Die Krähenabwehr ist ein sozialer Akt.” Es gibt auch eine Gegenseite, die die Krähen mit Nüssen füttern und zur Beobachtung in ihren Autos sitzen und nebenan befindet sich ein Seniorenheim und da werden die Alten durch die Schreckschüße irritert, beziehungsweise an ihre Kriegserlebnisse erinnert.

So geht es dahin, ein Hund, den Alexander Höch von einem verstorbenen Klinikkollegen geerbt hat, taucht auch noch auf und am Schluß liegt Melitta Miller tot am Boden, weil sie offenbar auf einen Baum klettern wollte und Alexander Höch sitzt am Gang auf einen Koffer und wartet, daß die Polizei ihn befragen oder verhören kommt. Es kommen aber nur sein Bruder Georg, seine Frau Eva und seine Tochter Lilly, die ihn überraschen und nicht erschrecken wollen und die letzten Sätze lauten “Als ich mich von dem Koffer am Gang erhob, schwebte eine kleine schwarze Feder am Boden. Ich schaute in den Garderobenspiegel. Nicht jeder hat einen Charakterkopf. Eigentlich hätte ich meinen Kopf für völlig kahl gehalten. Da war auch sonst niemand in der Wohnung, von dem die Feder am Boden sein hätte können. Meine Feder also. Die letzte. Ich hob sie auf und steckte sie zurück hinters Ohr, bevor ich nach Hause ging.”

Ein kleines feines und ein wenig geheimnisvolles oder surrealistisch aufgeladenes Buch über die Einsamkeit unseres Lebens, wo sich die Menschen in Vögel verwandeln können und dann gejagt oder geschützt werden, von dem ich sehr froh bin, daß es auf die öst. Liste kam, denn sonst hätte ich es höchstwahrscheinlich übersehen, was neben den lauten Stimmen und x-maligen Bernhard und Winkler Provinz Wiederholungen doch etwas schade wäre.

Nachtfrauen

Jetzt kommt Buch sechs der österreichischen Longlist, “Nachtfrauen”, der 1961 in Eisenkappel geborenen Kärtner Slowenin Maja Haderlap, die 2011 mit einem Auszug aus “Engel des Vergessens” den “Bachmann-Preis” gewonnen und dadurch bekannt geworden ist.

Jetzt ein neuer Roman, der auch dieses Thema behandelt, aber manchmal an einen Frauenroman erinnert und wieder einmal das Älterwerden der Eltern behandelt und da auch einiges beschreibt, was mir nicht so gefällt.

Das ist Mira, das Alter Ego der Autorin, eine in Wien lebende Sozilogin, die in der Arbeiterkammerbibliothek tätig ist, mit einem Lehrer verheiratet ist und jetzt nach Kärnten fahren muß, um ihre Mutter zu überreden, in ein Pflegeheim zu ziehen, weil das Haus das sie bewohnt, ihrem Cousin gehört, der esabreißen will. Nicht gerade edel, denke ich. Am Schluß zieht dann die Mutter wahrscheinlich in eine kleine Wohnung und der Neffe hilft sogar die Wohnung zu renovieren.

Miras ehe ist nicht so gut. So beginnt sie einen Seitensprung mit einem Jugendfreund und als sie nach Wien zurückfahren will, hat sie einen Autounfall.

So endet der erste Teil des Buches. Der Zweite hat dann die Mutter Anni, die etwas gehbehindert ist, zur Heldin. Die Mutter-Tochter Beziehung ist schwierig. Mira ist die erste, der Familie, die studieren konnte. Die Mutter war Näherin und die reflektiert nun ihre Kindheit und beschließt zu zeichnen, um ihrer Familie etwas von ihr zu hinterlassen.

Die Kärntner Slowenen Geschichte wird thematisiert, wie das auch im “Engel des Vergessen” geschah und da ist interessant, daß hier Eisenkappel offenbar Eisenmarkt genannt wird.

Der Ton leichter, lockerer, eher in Rchtung eines Unterhaltungsroman, was mich etwas erstaunt, so daß ich schon gespannt bin, ob das Buch auf die Shortlist kommen wird?

Männer töten

Von Buch zwei der ÖstDebut Eva Reisingers “Männer töten” habe ich als ich von den feministischen Seminaren des “Writersstudio” kommend über eine “Standard Rezension” über den brisanten Inhalt erfahren, denn als die 1992 in der oberösterreichischen Provinz Geborene, bei den O-Tönen gelesen hat, sind wir gerade von unserer Frankreichreise nach Harland zurückgekommen, um dort den Campingtrailer abzustellen. Dann habe ich noch in einem Interview über das brisante Thema des Romans gelesen, das aufhorchen läßt, was Eva Reisinger, die sich mit den vielen Frauenmorden und der Gewalt an Frauen beschäftigen wollte, wohl auch beachtsichtigt hat.

“Gewalt an Frauen” ein wahrlich bekanntes Thema. Haben wir uns doch in unserer nie erschienenen Anthologie die wir im “Arbeitskreis schreibender Frauen” herausgeben wollen schon damit beschäftigt. Damals in den Siebzigerjahren sind einige meist skandinavische Bücher, wie “Wie vergewaltige ich einen Mann” erschienen, die sich mit diesen Thema beschäftigen. Dann kam Gertraud Klemm, mit ihrer starken feministischen Stimme und jetzt Eva Reisinger die den Spieß wiedereinmal umdrehen will und das lässt zumindest einmal aufhorchen. Auch wenn man über das Buch, das nicht ganz chronologisch geschrieben ist, auf mehrere Seiten diskutieren kann.

Die Heldin ist eine in Berlin lebende Anna Maria. Sie stammt aus Österreich, hat ihr Studium vor einigen Jahren abgebrochen und ist nach Berlin gegangen, wo sie schon drei Jahre lang Praktikantin ist. Sie hat zwei Freundinnen Yama und Evin und als sie sich den Arm bricht, wird sie von ihrer Firma entlassen. Da hat sie schon Hannes getroffen, der sie aus dem Spital herausholt und dann landet sie, das ist der Beginn des Buches mit ihm in dem schönen oberösterreichischen Dörfchen Engelhartskirchen, welch ein klingender Name, wo alles anders ist.

Hannes ist dort Bauer. Er hat einen Bruder namens Jacob, der in Linz Jus studiert. Der Vater ist gestorben. Die Mutter heißt Traudi und ist eine starke Frau und auch interessant, was auf dem Bechreibungstext und im Buch erst weit hinten steht, in Engelhartskirchen gibt es keine Sexualdelikte und keine häusliche Gewalt. Dafür sind dort auffällig viele Männer verschwunden oder auf seltsame Weise gestorben.

Da denkt man zuerst wahrscheinlich an die “Frauen von Stepford” auch in den Siebzigerjahren erschwienen, wo die feministischen Frauen in dem Örtchen verschwinden und durch Puppen ersetzt werden, damit es die Männer bequemer haben.

In Engelhartskirchen gibt es dagegen eine rothaarige fahhradfahrende Pfarrerin. Der Pfarrer ist auch verschwunden und sie hat sein Amt übernommen und traut ziemlich zu Beginn des Buches Josepha und Sabine, die Frauen schleppen Bierkisten herum und trinken ex.

Hannes ist ein fleißiger Bauer und die Beziehung zwschen ihm und Anna Maria verläuft erstaunlich gut. Die mit Friedrich erfahren wir etwas später,tat das nicht. Er hat sie vergewaltigt und will sie jetzt zurück haben und als Anna Maria wegen ihrer Hand zum Hausarzt Dr. Huber geht, wird sie von ihm als “Städterin!”, begrüßt und abfällig behandelt, was bei ihr zu Panikattacken und Tinnitus führt, den er auch nicht anerkennen will.

Von Sabine erfährt Anna Maria dann, wie ihr Mann gestorben ist und, um nicht zu vorschnell zu spoilern, kehre ich zu dem Interview in der “Vogue Germany” und ich glaube auch vom “Standard” zurück, daß man den Titel des Buches zweischneidig verstehen kann. Werden da die Männer getötet oder töten die die Frauen?

In Engelhartskirchen erfahren wir, passiert das Erste, denn auch Friedrich verschwindet bald, nachdem er dorthin gekommen ist, aber auch die Berliner Freundinnen kommen hin und Evin freundet sich mit Jacobs Hannes Bruder an, was den Freundinnen nicht so gefällt. Anna Maria wird von Hannes schwanger und beginnt mit ihm ein neues Glück, was vielleicht nicht ganz realistisch ist und die Handlung widersprüchig macht.

Dafür verschwindet auch Dr. Huber und als auch ein bekannter Journalist nach Engelhartskirchen kommt und Anna Maria auf die verschwundenen Männer und ihren Alibi fragt, wird auch er ermordet. Dann greift Jacob nach der Flinte und schießt auf die rächende Frauenrunde.

Ein starkes Buch mit einer starkes jugendlichen Sprache, nicht ganz literarisch habe ich irgendwo gelesen und das Thema und die radikale Angehensweise “Da muß man doch endlich was dagegen tun und nicht immer nur reden!”, läßt aufhorchen und ich dachte gleich einmal “Endlich mal was anderes als der hundertste Antiheimatroman im Stile Josef Winkler oder Thomas Bernhard. Dann kamen doch einige Fragen auf. Zum Beispiel der Widerspruch, daß mit Hannes alles zu klappen scheint und sich Anna Maria so bereitwillig in die Idylle in die Provinz begibt, sie wird auch von einer Frau in ihrer Praktikumsfirma entlassen. Die Frauen sind also auch nicht ganz ideal, wie es auch der Realität entspricht. Aber muß man gleich nach der Waffe greifen und alle männlichen Arschlöcher beseitigen? Ist das ein Aufruf zur Gewalt? Das Rächen ist es wohl auch nicht, aber, daß etwas passieren muß und geändert werden sollte, ist auch ganz klar.

Also das Buch lesen und darüber diskutieren und vielleicht positivere Alternativen entwickeln und noch etwas ist interessant, da ich ja von dem Seminar der Ba Ossege gekommen ist, die nach den Ahninnen forscht und da habe ich ja an Maria Theresia gedacht und die mir eigentlich als keine besonders feministische Frau vorgestellt. Eva Reisinger erwähnt eine ihrer Töchter, als Vorbild für die feministischen Frauen und einen neuen Feminismus können wir in Zeiten, wie diesen, wo es vierhundert Geschlechter geben soll und die Frauen wieder High Heels tragen, Barbie-Filme gedreht werden und sich in Beauty Academys zu Stylistinnen ausbilden lassen, besonders brauchen.

Kochen im falschen Jahrhundert

Buch fünf der deutschen sowie der österreichischen Longlist. Auf die deutsche Shortlist ist Teresa Präauers “Kochbuch” nicht gekommen. Bei der Österreichischen wissen wir es noch nicht. Die 1979 in Wien geborene, die Germanistik und bildende Kunst studierte und den “Fried-Preis” bekommen hat, ist schon zweimal auf der Öst gestanden, ist also eine sehr emsige Autorin, die auch im Literaturhaus und in der “Alten Schmiede” öfter aufgetreten ist und bei der Präsentation des “Kochens” bin ich auch schon im Literaturhaus gewesen, wo der Lesetisch sehr schön gedeckt war und es nachher Wein und Brötchen gab und bei den O-Tönen, wo Teresa Präauer und Daniela Strigl Cremant serviert wurde. Teresa Präauer besitzt offenbar Stil. Roman steht in dem “Wallstein-Buch” und ich schüttle wieder den Kopf, denn Roman ist das fast zweihundert Seiten Buch keiner. Dazu hat es keinen Plot und keine Handlung oder zuminderstens nur eine sehr alltägliche.

Da gibt es ein Gasteherpaar um die vierzig, aus der Mittelschicht stammend, gebildet, kulturinteressiert und bereist und die laden sich am Abend Gäste ein. Ein Ehepaar und einen Schweizer, der irgendwo einen Lehrauftrag hat und über seine Studenten oder Studierende, wie man jetzt sagt, klagt.

So weit, so what und das wird in den verschiedensten Varianten durchgespielt. Zuerst kommen alle pünktlich, dann die Gäste zu spät. Es wir Cremant getrunken, Nüße und Kracker geknabbert. Dann wird der Salat und die Quiche vorbereitet und nach jedem Kapitel werden ein paar Zutanten aufgezählt, wie “250 g Mehl, 125 g Butter 1 Ei” oder ganz profan “1 Schwamm, 1 Geschirrtuch,1 Handspülmittel” und es gibt auch immer wieder Erinnerungen der Autorin, wie das bei ihr war, als sie ihre erste Wohnung hatte und nicht einmal einen Salzstreuer besaß oder die Speisen werden aufgezählt, die sie in den verschiedensten Ländern, die sie bereiste, gegessen hat.

In der Geschichte kommen dann einmal alle Gäste zu spät und als die Gastgeber schon zu vögeln anfangen wollen, kommen sie doch, entschuldigen sich, daß sie mit Amerikanern abgehangen sind. Der Schweizer geht auf den Balkon rauchen. Dann kommt die Nachbarin von unten und beschwert sich über die Asche, die auf ihre Katze gefallen ist. Zum Nachtisch gibt es dann Twinni-Eis, eine Erinnerung an die achtziger Jahre, wo die Protagonisten aufgewachsen sind. Dann erscheinen auch die Amerikaner, bringen Wein und trinken Schnaps. Einen Wasserrohrbruch gibt es auch und dann erscheint noch die Polizei, die dem Haus gegenüber ihre Sttion hat und warnt vor den Wasserrohrbruch und nicht über die Störung über die sich die Nachbarin beschwerte, wie man vielleicht glauben könnte.

Das war dann schon die ganze Handlung und das Essen im falschen Jahrhundert ist der Jahrhundersprung, sind ja die Protagonisten in den Achtzigerjahren aufgewachsen und haben im vorigen Jahrhundert ihre ersten Gäste eingeladen.Jetzt haben sie studiert und sind etabliert.

Der “Papiertstaupodcast”, der ja auch heuer die deutschen Bücherpreisbücher besprechen, beschwert sich über die Mittelschichtarroganz der <protagonisten und betont, daß er nicht so werden will. Aber keine Angst, in Zeiten, wie diesen, wird der Mittelstand ohnehin abgebaut und studieren kann auch nicht mehr jeder.

Also freuen wir uns über die Intellektuellen, die Cremant trinken und Quiche zubereiten, während Österreich und Deutschland von Flüchtingen übetschwemmt werden, worüber sich die FPÖ und die AfD aufregen und richtig, noch eine besondere Schelmerei Teresia Präauers deren buch ja in einen deutschen Verlag erschienen ist und vielleicht von mehr Deutschen als Österreichern gelesen werden, gibt es auch. Da werden immer die österreichischen den deutschen Ausdrücken gegenübergestellt. Also “Rote Rüben” statt “Roter Beete”, etcetera und ich habe mich natürlich an meine Einladungen erinnert, die ich auch in den Achtigerjahren oft gemacht habe. Da habe ich die Eltern von Annas Kindergruppen und meine Psychologen- oder Autorenkollegen eingeladen und habe Linsensuppen, Polenta mit Tomatensauce, Melonensalat, etcetera gekocht. Jetzt mache ich das weniger und der Alfred, der gerade ein großes Essen für seine Kuba-Freunde vorbereitet, braucht jetzt einige Tage für die Vorbereitung, tischt dann auf, ladet aber auch weniger ein.

Das Buch wurde einerseits hoch gelobt, andererseits kritisiert, den Mittelschichtleuten geht es vielleicht auf die Nerven und ich fand es am Anfang spannend, später etwas langweilig. Ein Roman ist es nicht und Teresia Präauer, die Künstlerin von der wahrscheinlich auch das bunte Cover stammt, hat einen eigenwilligen Stil, der sicherlich zu loben ist. Also “Prost, wohls bekomms und Sante!”

Doppler

Jetzt kommt (schon?) Buch vier der deutschen Longlist und das erste auf der Öst Debut Thomas Olah “Doppler” und das Debut des1966 in Wien geborenen Kostümdesigners mit der charakteristischen runden Brille wurde, glaube ich, hochgelobt.

Eine Enladung zu einer Präsentation lag lange auf meinen Schreibtisch, hat mich doch “Müry Salzmann”, nachdem ich den “Gegenkannon” angefragt habe, dazu eingeladen und jetzt die Longlist, die Shortlist ist es nicht geworden. Der Debutpreis kann noch kommen und als ich das erste Mal über das Buch gehört habe, habe ich mir gedacht, das ist ein neuer Frankenstein Roman und an Raphaela Edelbauers Debut gedacht. Josef Winkler, Thomas Bernhard, könnte einer dazu einfallen und auf eine andere Art und Weise aber äußerst interessant Birgit Birnbachers “Wovon wir leben”, denn da gibt es Ähnlichkeiten, wenn auch auf eine andere Art und Weise geschrieben.

Der Kostümbildner der sich auch historisch gut auszukennen scheint, versucht sich, glaube ich, in alter Tradition mit dem österreichischen Anti-Heimatroman und es beginnt wirklich sehr beeindruckend mit dem Autounfall, den der namenloser Erzähler, ein Kind, der junge Olah vielleicht, erlebt.

Die Eltern schreien, die Polizei kommt, der Bruder stellt sich tot und der Kleine kommt in ein Spital und später zu den Großeltern, Vater und Mutter genannt in ein Provinzdorf namens Frankenhayn, wo man in Sarkophagähnlichen Betten schläft und der Kleine immer Angst hat in die Ritze zu fallen. Es gibt zwei Cousins, und eine Cousine. Am Sonntag geht man in die Kirche, es wird geschlachtet, dem Pfarrer unter den Rock geschaut und natürlich immer und ewig Dopler getrunken. Erinnern wir uns, das war der billige Wein in zwei Liter Flaschen, den es glaube ich, nicht mehr gibt und so wird ein Dorf ein den Siebzigerjahren beschrieben, wo es im Wirtshaus nur Braten und Kartoffel oder Erdäpfelsalat gibt und natürlich gesoffen bis zum Unfallen wird.

Die Buben versuchen auszubrechen. Da gibt es außer die, wo sie dem Pfarrer unterm Rock schauen wollen, einige skurrille Szenen mit dem Traktor. In die Nazi-Vergangenheit geht es auch und am Schluß kehrt die Mutti zurück und alles wird gut oder höchstwahrscheinlich natürlich nicht.

Ein bißchen verwirrt haben mich die drei Einschübe, wo von drei Forschern darunter Christian Doppler berichtet wird, da gibt es dann auch die Brille zu sehen. Den Zusammenhang, was das eine mit dem anderen zu tun hat, habe ich nicht verstanden und spannend ist, daß ich knapp vorher ja Birgit Birnbacher gelesen habe, die ja offenbar auch in den Siebziger Jahren in einem österreichischen Dorf aufgewachsen ist und deren Krankenschwester auch dorthin zurückfährt und da gibt es auch einen Wirten und die Arbeitslosen, die ständig dort sitzen und es gibt nur Braten und Salat aus der Dose. Die Frauen werden wahrscheinlich hier und dort “Weiberleut” genannt und unterdrückt. Sie tragen Kopftücher und gehen in die Kirche, aber Birgit Birnbacher, die ja auch sehr experimentell angefangen hat, erzählt das Ganze viel realistischer, was mir ganz ehrlich besser gefällt, als Thomas Olah, der es mit dem österreichischenen Antiheimatroman a la Bernhard, Josef Winkler, etcetera probiert.

Begabte Bäume

Buch vier der Öst die ich ja heuer größtenteils vor der dBp lese, ist wahrscheinlich das künstlerisch anspruchsvolle Außerseiterbuch. Auf der Öst gibt es ja zum Gegensatz zum deutschen Buchpreis nicht nur Romane, sondern auch Essays, Lyrik, etcetera und heuer pünktlich oder besser etwas verspätet zum achtzigsten Geburtstag Bodo Hells “Begabte Bäume” aus dem kleinen aber feinen “Droschl-Verlag” und der im März 1943 in Salzburg geborene und in Wien bzw. auf einer Alm in Dachsteinnäche lebende Bodo Hell ist sicher ein Doyen der österreichichen experimentellen Gegenwartsliteratur. Ein Weggefährte Friederike Mayröckers könnte man so sagen, aktiv in der “Schule für Dichtung und der “Hochschule für Sprachkunst”, wo es, glaube ich, eigene Dachstein-Klassen gab.

Gelesen habe ich noch nichts von ihm, habe ihn aber, der sogar beim “Bachmann-Preis” gewonnen hat, bei verschiedenen Veranstaltungen gesehen, der mit seinem Käppchen und seiner Maultrommel nicht zu übersehen ist und jetzt hinein in das “Baumalphabet” zu dem Linda Wolfsgruber schöne Illustrationen geliefert hat.

So beginnt es mit dem “Ahorn”, mit dessen Saft man sich ja sein Müsli süßen und es als Zuckerersatz nützen kann. In Dachsteinähe gibt es wahrscheinlich einen Ahornkar und einen Ahornsee und da sind wir während wir uns mit Bodo Hell auf eine Bergtour machen, auch schon bei den Sagen über die er uns Auskunft gibt.

Dann gehts zum “Baum der Erkenntnis” , der nach jüdischer Auffassung ein Weinstock war. Hier werden Adam und Eva und auch Noah zitiert, sowie aus der Bibel “Ich bin der Weinstock ihr seid die Reben” und Mystikerinnen, wie Mechthild von Magdeburg, Teresa von Avila und die berühmte Hildegard von Bingen werden auch zitiert. Aber auch der griechische Gott Dionysos und der Winzer Ikarios haben sich mit dem Weinstock und den Reben beschäftigt, so daß man nur “Prost, wohl bekomms!”, sagen kann, bevor es mit der “Berberitze” weitergeht, die sowohl für den usbekischen Pilaw als auch für iranische Reisgerichte verwendet wird.

Dann kommen wir schon zur “Birke”:, Hänge-Zwerg-Sumpf und niedrige schwarze vor allem aber weiße Birke” und ein “Bretterzeilengedicht” in der berühmten Hellschen Tonart gibt es auch:” (der Wald) sehr warm kühl kalt, Sumpfwald, Jungwald, Gemeindewald, Hegewald”, etcetera, wo sich Hell in verschiedenen graphischen Ausformungen mit diesem Thema beschäftigt und dann kommen wir über die “Rotbuche” für mich natürlich besonders interessant, zum “Von Bäumen zerissenen Corona”: “Donna Belladonna Madonna Primadonna Corona, die hl. Corona ist traditionell die fürs Geld und für den Lottogewinn zuständige Fürbittergestalt”, das haben wir in den Pandemiezeiten zwar anders serviert bekommen, es ist aber sicher heilsam mit der Hellschen Diktion in die Poesie abzugleiten.

Von der “Eibe” und der “Eiche” geht es dann zum Erzherzog Johann, der ja auch in der Dachsteinregion residierte und seine Nannerl heiratete, sicher auch ein wichtiger Punkt in der Naturbetrachtung und im historischen Geschehen.

Das (weibliche) “Hollerauge” gibt es auch und da kommen wir ins Pielachtal und an die Traisen, wo ich ja fast zu Hause bin, beziehungsweise radfahre und dann zum Holz, zum Holzfällen, aber nicht zu Thomas Bernhard, sondern zu den Unfällen vor denen mn sich schützen muß, um nicht verletzt zu werden und dann natürlich zur “Holzverarbeitung”.

Dann beschäftigt Hell sich mit der “Huderpfanne Badewanne” beziehungsweise mit der “Auerhahnbalz”, die Ende April in der Weststeiermark stattfindet und wir kommen schon zu einer anderen Weggefährtin, nämlich der 2016 verstorbenen Ilse Aichinger, die mit ihrem Mann Günther und Sohn Clemens und Tochter Miriam jahrelang in der Villa Cioppi-Puhr in Großmain lebte. Da gibt es den vier Seiten langen Text “In das Land Salzburg ziehen” und andere Veröffentlichungen, die Hell zitiert und sicher lesenswert sind und dann kann man sich mit den Wortschöpfungen, die von der Natur zu der Kultur hinüberziehen bechäftigen: PFERDENATUR, AUSNAHMENATUR, FROSCHNATUR, etcetera bis zur REPARATUR, ABITUR, GARNITUR und von der SPRECHKULTUR zur REINKUTUR und UNKULTUR. Man sieht wie auch in früheren Texten Bode Hell ist ein wahrer Wortsammler und Sprachaktrobat.

Dann gehts zur “Kaiserbuche” am “Haunsberg”, wo es den “Wilden Mann” gab und zu den “Kastienrezepten” von Hildegard von Bingen, die bis ins Tessins reichen.

Aber auch den “Waldkauz in Warteposition” gibt es: “Schutz,Schmutz, Nichtsnutz, Aufputz, Liegestütz” bis wir dann zur “Kiefer” kommen.

Aber auch den “Kümmernis-Kommentar” gibt es bei den K-Worten und das “Kümmernis-Lied”: “o hl. Frau Kümmernis wie schön gewandet stehtst du da/ samt deinen güldnen Schuhen/ die Hände flach ans Holz gespießt/ hast keine Zeit zum ruhen”, wird da gereimt.

Dann gehts über die “Lärche” aus deren Holz es in der evangelischen Gemeinde Ramsau, einen “lärchernen Brunnentrog” gibt, den schon Martin Luther gesehen hätte können, zur “Latsche” durch die ich mich ja immer kämpfe, wenn ich mit dem Alfred auf den Göller gehe, die auch als Brennholz in diversen Hütten genützt wird und da gibt es Schilder, die die Wanderer bitten, das Holz hinaufzutragen: “BITT KNÜTT HÜTT” steht da besipielsweise geschrieben, ob da vielleicht Ernst Jandl unterwegs war, will Bodo Hell wissen.

Die “Linde” gibt es auch. Sprich Gerlinde, Herlinde, Sieglinde, aber auch die Linde Waber eine Künstlerin aus Zwettl, die glaube ich auch GAV-Mitglied ist und natürlich auch die, unter der Franz Schubert vielleicht einmal “Am Brunnen vor dem Tore” komponierte. “Linde tröstet Schubert” schreibt dazu Bodo Hell.

“Mammutbäume” gibt es in Göttweig und im Innviertel den “Sauwald”. Da gibts die “Sauwald-Erdäpfel”, das “Inntönefestival” und die “Sauwald-Bilder”.

Dann gehts zum “Tannenbaum” wo sich Hell fragt, woher die “Blätter” stammen, der auch ein “Vierundzwanzig Gräben-Räsel” anzubieten hat.

Es gibt die “Ulme” und das “Walcholder-Zweiglein”, die Weide” und dann, bevor wir zum Zirbenschnaps und dessen Rezeptur kommen, natürlich den “Wienerwald” beziehungsweise aus den “Geschichten” daraus. Das Sozialdrama von Ödon von Horvath aus den Neunzehndreißigerjahren und sein Autor kann ich oder Bodo Hell noch anmerken, von einem Ast auf der Champ d`Elysse erschlagen wurde.

Und so sind wir durch durch das Alphabet der “Begabten Bäume”, ein interessantes Buch in dem man in der Hellschen schönen Sprache viel über die Natur und die wahrscheinlich ebenfalls begabten experimentellen Dichter und Dichterinnen dieses Landes erfährt.

Bin gespannt, ob es auf die Shortlist kommt. Wäre sicher zu empfehlen, den Doyen der experimentellen Gegenwartliteratur ein bißchen in den Mainstream zu bringen.

Wovon wir leben

Jetzt kommt schon Buch drei der österreichischen Longlist, wobei das schon etwas übertrieben ist, denn ich bin zu meinen neunten deutschen Buchpreislesen, da wir ja bis Ende August in Frankreich war, nicht gekommen. Auch da drei Bücher schon vorher gelesen und seither nur den Olah begonnen, denn es waren noch ein paar andere Bücher zu lesen und die österreichische Longlist wurde schon ein paar Tage später bekanntgegeben und diese Bücher früher als die deutschen auf der Netgalley, wo man ja die Bücher im PDF haben kann, zu bekommen.

Also diesmal etwas anderes, diesmal zuerst die Öst und dann erst die deutsche dBp lesen und da gleich, weil mir Susanne Rössler das PDF schickte mit Birgit Birnbachers “Wovon wir leben” begonnen und das ist ein Buch von dem ich schon gehört habe.

Nämlich bei “Buch und Wein” und bei den “O-Tönen” und die 1985 in Schwarzach im Pongau geborene Birigit Birnbacher habe ich durch ihr “Wir ohne Wal”,, ein Erzählband oder Roman der mich durch seine wechselnden Perspektiven überfordert hat, kennengelernt.

2019 hat sie mit der Erzählung “Der Schrank” gewonnen, da wurde dann auch darüber gesprochen, daß die Erzählerin Soziloogin und Sozialarbeiterin ist oder war und in der Corona -Zeit ist der zweite Roman “Ich an meiner Seite”, wo es um einen straffällig gewordenen Jugendlichen geht, erschienen, den habe ich auch bei den “O-Tönen ” hinten stehen oder sitzend gehört und auf der Longlist ist er auch gestanden.

Also von dem Buch und der etwas schnippischen Art , wie Birgit Birnbacher im MQ Klaus Kastberger konterte, voreingenommen und jetzt bin ich etwas ratlos, denn es passiert in dem eigentlich eher schmalen Buch sehr viel, aber da ist jetzt nicht die kunstvolle Sprache, wie meistens, wenn ich das schreibe, gemeint, sondern der Inhalt, der ein sehr sehr realistischer, wenn auch sehr widersprüchiger ist und dann auch wieder surrealistische Elemente hat.

Das Ganze spielt im Innergebirg, wo Thomas Bernhard, glaube ich, auch eine Anspielung seinen “Frost” geschrieben hat oder davon inspiriert wurde und die Heldin ist Julia Noch, eine Krankenschwester, achtunddreißig Jahre alt, die aus dem Innergebirg geflohen und, als Krankenschwester in die Stadt gegangen ist, ein Beruf, den sie vielleicht auch nicht ganz freiwillig wählte, weil das Pflegen ja die Profession der Frau ist und jetzt wurde sie entlassen und fährt wieder in das Heimatdorf, um sich von der Familie pflegen zu lassen, weil ihr ein Kunstfehler passierte und wieder widersprüchig oder zu dick aufgetragen, sie ist selbst krank.

Leidet an Asthma, hat Atmnot und in den Dorf ist auch nichts in Ordnung. Der Vater in Frühpension, ein Hypochonder, die Mutter hat ihn verlassen und ist nach Sizilien geflüchtet, der Bruder ist durch einen Kunstfehler des betrunkenen Betriebsartzes schon lang ein Pflegfall und die zwei Fabriken haben auch schon zugesperrt, so daß alle Männer entlassen worden und schon des Morgens im Wirtshaus sitzen. Der Wirt ist ein tyrannischer Typ und hat eine Ziege verspielt, die Elise heißt und nun bei einem Anitquar haust und ständig schreit, so daß sich Julia, die kranke Krankenschwester auch um sie kümmern soll?

Man sieht die Metaphernvielfalt, das ist vielleicht auch eine Kritik an dem Buch, daß es zu “perfekt konstruiert wurde” und dann lernt Julia noch den Städter kennen. Der ist auch krank, hatte einen Herzinfrakt und soll sich nun erholen. Er hat für ein Jahr ein Grundgehalt gewonnen, wofür ihn Julia neidisch ist, denn sie weiß nicht, was sie jetzt machen und wie sie weiterleben soll?

Die Freundin Bea, eine Architektin, rät ihr, sich als technische Zeichnerin ausbilden zu lassen und der tyrannische Wirt, der auch aussteigen will, zwingt den Städter um sein Wirtshaus zu spielen und läßt ihm offenbar bewußt gewinnen. Der revnoviert nun das baufällige Haus mit den arbeitslosen Männern. Sie finden dabei ein totes Pferd, der Grund des Schreien der Ziege und der Vater versucht zu verhindern, daß ihm Julia wieder verläßt, in dem er sich am Bein verletzt.

Ein offenes Ende? Wird sie bleiben, wird sie gehen? Die Mutter ist auch zurckgekommen und das Buch bietet auch wirklich Grund über den Sinn des Lebens oder “Wovon wir leben”, ein Titel, den ich anfangs als zu nichtssagend empfand, zu spekulieren oder eigentlich sollten wir es “wofür? nennen.

Denn man kann sich in der Stadt als Krankenschwester, wo man alles dokumentieren muß und zuwenig Zeit hat überfordern, selbst krank werden und Kunstfehler begehen. Man kann auch in das Heimatdorf zurückkehren und seine Erfüllung in der Carearbeit finden. Den Vater pflegen, der Bruder blüht dabei offenbar auch auf und mit dem Städter das Wirtshaus neu aufbauen und alles selbst bestimmen. Geht auch nicht, weil das heute ja als kitschig und als sozial nicht erwünscht gilt und da sind auch noch die Traumen der Kindheit, die eine daran hindern können?

Interessant, interessant, was man alles und dann auch noch in einer sehr realistischen Sprache, was mir ja sehr gefällt, ausdrücken und sich vielleicht auch noch darüber lustig machen kann?

Man kann natürlich auch fragen, wieviel Autobiografisches dabei zu finden ist? Birigit Birnbacher deutet in den Interviews, die ich mir während des Lesens angeschaut habe, einiges an. Sehr widerspüchig, sehr viel Inhalt und eigentlich ein beeindruckendes Buch. Mal sehen, ob es auf die Shortlist kommt? Nachdem was ich bei den Kritikern finde, würde ich es fast vermuten und wäre auch damit einverstanden, obwohl ich ja noch sieben andere Östlist Bücher zu lesen habe.