Karl Nehammers Versöhnungspressekonferenz

Der ÖVP laufen ja die Wähler davon, sind die Leute ja angefressen wegen der Corona-Maßnahmen, den Rußland-Sanktionen,, der Teuerungswelle etcetera, laufen zur FPÖ die ja eine totale Corona-Maßnahmenaufarbeitung verspricht, wenn sie an die Macht kommt und das in NÖ zum Teil auch schon tut und so hat der Kanzler im Februar, glaube ich, versprochen, die Gräben zu schließen und die Maßnahmen aufzuarbeiten.

Da hat er zuerst gesagt, daß er vielleicht zu Expertenhörig gewesen wäre, was großen Widerstand erregte, so hat der die Akademie der Wissenschaften damit beauftragte und irgendwann im Frühling versprochen, die Ergebnisse noch in diesem Jahr bekanntzugeben.

Das ist ja nicht mehr lang und man hörte nicht und nichts von den Ergebnissen und ich dachte schon, da wird wiedermal was vergessen. Aber da meldete sich der ORF, der ja seine Höhrer wegen der kommenden Zwangssteuer versöhnlich stimmen muß und hat ein bißchen was dazu gesagt und im “Standard” konnte man vor einer Woche lesen, die Präsentation kommt und dann wurde am Donnerstagmittag überraschend eine Pressekonferenz bekanntgegeben.

Der Kanzler betrat das Podium, Minister Rauch ließ sich durch seine Generaldirektorin vetreten, der Unterrichtsminister war da und Alexander Bogner, der die Studie herausgegeben hat. Der hat schon bei der vorigen Pressekonferenz angedeutet, daß es nicht um die Frage, ob die Impfung gut oder falsch sei, gehe, sondern um Strategien, wie man es besser machen könne und weniger Wissenschaftsskepsis muß natürlich her. Da habe ich “Uje!”, gedacht.

“Da werden, die Maßnahmenkritiker in verschiedene Gruppen eingeteilt und das wars dann!”

Es gibt aber eine Broschüre “Nach Corona-Reflexionen für zukünftige Krisen”, die der Kanzler in der Hand schwenkte und die man sich auch downloaden konnte und in dieser wurden, die Rolle der Medien, die Polarisierung der Impfpflicht, die Schulschließungen, die Wissenschaftsfeindlichkeit und dann wurde noch einige Bürger eingeladen, die ihre Meinung sagen konnten.

Die in der Hand haltend, erwähnte Kanzler Nehammer, daß man immer Fehler machen wird, nur wenn man nichts macht, passieren keine! Das ist dann aber der Fehler! Und daß es sein höchstes Ziel immer war, Menschenleben zu retten!

Da denke ich, daß man das auf verschiedene Art und Weise machen kann. Man kann mit dem Hammer und der Flex drüberfahren. Die Polizei aufmarschieren lassen und alle bestrafen, die sich auf eine Parkbank setzen. Man könnte aber auch sagen “Passt auf Leute, seid vorsichtig, da ist vielleicht etwas im Busch!”

Und das ist meine Frage, die ich an den Kanzler und die Aufarbeitunskommission hätte. Wie gefährlich war das im März 2020 wirklich und wieso sind alle so panisch geworden, daß sie alles hinunterfuhren, obwohl es auch da immer hieß, nur die Vulnerablen werden erkranken, alle anderen es vielleicht gar nicht merken! Aber trotzdem Lockdowns, Schulschließungen und schließlich Masken-und Testpflicht. Das kann man, wenn Gefahr in Verzug ist, und die Leute reihum auf der Straße umfallen, ein paar Wochen machen und inzwischen die Spitalskapazitäten aufstocken. Aber das wurde nicht getan, sondern die Spitäler nie aufgestockt und das Ganze mehr oder minder zwei Jahre lang aufrechterhalten, obwohl bald klar war, so schlimm ist dieser Virus offenbar doch nicht. Die Kritiker wußten das und haben dazu auch Belege und Beweise bekommen, die anderen hören noch immer nicht zu und sagen, wir haben alles richtig gemacht und viele, viele Menschenleben gerettet.

Daß man am Anfang zu früh beatmet hat und überfordert war, hat sich inzwischen herausgestellt und dann kam nach Delta, das viel weniger gefährlichere Omikron und die Hausärzte sagten ja immer immer, die Viren schwächen sich ab und sind irgendwann verschwunden, aber man hörte “So ist es nicht!”

Was steckte dahinter? Nur die Panik, die sich weltweit ausweitete oder dachte man am Anfang, da ist in China vielleicht das Virus absichtlich ausgesetzt worden und da man die Digitalisierung einführen wollte, hatten die chinesischen Zwangsmaßnahmen vielleicht auch Vorbildfunktion?

“Das machen wir auch und sehen, wie es wirkt? Und dafür wurde ordentlich Angst geschürt. Höchstwahrscheinlich hatte man da auch schon so viel Impfstoff bestellt, der verbraucht werden mußte.

Also kam es vor zwei Jahren zur Einführung der Impfpflicht und vorher schon zu 2G und den Lockdown für Ungeimpfte, den man wahrscheinlich wirklich nur als Zwangsmaßnahme betrachten kann, um die Leute zur Impfung zu treiben und da wundere ich mich noch heute, daß die so eifrig mitmachten und sagten “Laß ich mich halt impfen, damit ich wieder ins Kino und zum Friseur gehen kann und damals war offenbar schon klar, daß die Impfung nicht vor Ansteckung schützt.

Omikron erwies sich doch als harmloser. So wurde die Impfpflicht wieder ausgesetzt und die Maßnahmen nach und nach aufgehoben. In Wien mußte man bis Februar noch eine Maske aufsetzen, wenn man in eine Apotheke gehen oder mit den Öffis fahren wollte. An der Stadtgrenze die Maske auf oder hinunter und dann ohne bis Salzburg oder Bregenz weiterfahren.

Inzwischen haben wir, höre ich, die stärkste Coronawelle seit ever, ohne Masken und Testpflicht. Dann war es vorher vielleicht auch nicht so nötig?

“Bitte wieder Maske tragen, denn das Gesundheitssystem ist ziemlich hinuntergefahren und haltet die vielen Grippewlllen nicht aus!”, hört man allethalben.

So war es gestern, als der Kanzler die Studie präsentierte, von Fehlern sprach, die gemacht wurden. Nachher ist man immer klüger und mit der Studie, will er es das nächste Mal besser machen! Da gibt es auch schon das neue Krisengesetz und der WHo-Pandemievertrag soll auch im Mai kommen.

Um welche Fehler es sich handelte, hat er nicht gesagt. Also wieder meine Fragen, wieso wurden die Spitäler nicht aufgestockt? Wieso haben der ORf, der “Falter” und der “Standard” die Seiten gewechselt und wieso wurden die Demonstrationen als rechtsextrem dargestellt, auf die man, auch wenn man vielleicht ein bißchen kritisch ist, auf gar keinen Fall gehen durfte?

Und das Ärgste ist, wenn die, die alles gut und richtig machten, wie es vor zwei Jahren der Kurzzeitkanzler Schallenberg, der die Zügel anziehen und Weihnachten für Ungeimpfte ungemütlich machten wolle, sich also impfen ließen und jetzt im Rollstuhl sitzen und von den Ärzten in die Psychoecke und die Psychiatrie geschickt werden und ihre Behandlungskosten selbst bezahlen müssen. Also allein gelassen werden, obwohl von ihnen vorher Solidarität verlangt wurde.

“Nie wieder!”, müßte man also ausrufen. Aber die nächsten Bedrohungswellen sind schon da und irgendwie ist nach Kanzler Nehammer ja herausgekommen, daß eigentlich ohnehin alles richtig war und man nur in Zukunft besser kommunizieren müßte, um die Zweifler mitzunehmen.

Es bleibt also dabei, es gab keine wirklichen Fehler und es wird überhaupt nicht geschaut, wie gefährlich das Virus wirklich war? Ich denke, es war nach der ersten Welle eher schwach und die Impfung ist es auch und was die Wissenschaftsskepsis betrifft, die dringend verändert werden muß, denke ich, daß sich herausgestellt hat, daß es mit der Zero-Strategie nichts wurde, daß die nicht funktionieren kann und ob eine Impfung gegen Rhinoviren wirkt, ist auch noch immer fraglich? Heißt es jetzt ja, sie schützt nur vor schweren Verläufen und betrifft nur die Älteren und vulnerablen Gruppen und da waren wir vor vier Jahren schon.

Als die Maßnahmen im März 2020 eingeführt wurden, habe ich gerade mein “Zweites Literaturgeflüster-Buch”, korrigiert und da gab es während meines ersten Nanowrimo, das H1N1 Virus und da wurde, glaube ich, auch schon versucht, ähnliche Strategien einzuführen, was aber nicht klappte.

Diesmal hat es geklappt und man sollte sich auch mit den Kollateralschädchen beschäftigen. Mit den schulischen Defiziten und den Angststörungen der Kinder und den Alten, die ohne besucht zu werden, gestorben sind. Man weiß aber jetzt, daß das Virus im Freien offenbar harmloser ist. Man also ruhig spazieren gehen kann, denn drei Jahre das nicht zu machen, kostet Kondition, wie ich derzeit an mir selbst erfahre und wieso das Virus in der Demo gefährlicher, als zwei Meter davon entfernt ist, muß mir auch erst einer erklären.

Vielleicht sind das die Kommunikationsfeheler, die der Kanzler meinte und, die er durch bessere Kommunikation das nächste Mal besser machen kann und den Maßnahmenkritiker will er auch die Hand reichen.

Sie bleiben aber das, denn selbstverständlich waren die Maßnahmen richtig und was ich mir für die Zukunft wünsche, ist mehr Eigenverantwortlichkeit und weniger Zwangsmaßnahmen, denn die hätte man, siehe Schweden höchstwahrscheinlich doch nicht so gebraucht und wenn man die nächste Wahl, die, 2024 kommt, nicht verlieren will, sollte man sich vielleicht, um die dreißig Prozent kümmern, die angeben die FPÖ wählen und nicht gleich “Lauter Nazis!”, schreien, sondern überlegen, ob das nicht vielleicht die Menschen sind, die mit den Corona-Maßnahmen unzufrieden waren, mit den Sanktionen gegen Russland, wo man auch gleich ein Staatsfeind war, wenn man für Friedensverhandlungen war und die auch vor der Zuwanderung und der Teuerung Angst haben, daß sie überbleiben und verlieren werden.

Die FPÖ verspricht da zwar eine Änderung, wenn sie den Volkskanzler stellt. Aber da bin ich skeptisch, ob das stimmt? Also vielleicht doch eine Entschuldigung und “Es tut uns leid!”, obwohl ich die, wie schon geschrieben, nicht brauche.

Das zwölfte Nika-Fenster

Es geht rasant weiter mit den geöffneten Adventerkalenderfenstern aus der “Nika-Weihnachtsfrau”, die ich im Jahr 2015 nach einigen Anläufen geschrieben habe, so daß bald das ganze Buch, das den ganzen Dezember umfasst hier enthalten sein wird:

1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11

“Samstag zwölfter Dezember

Am Samstag war eine kleine bunte Kindertrompete hinter dem Adventkalenderfenster verborgen und Nika dachte, daß sie zu “Pippi Langstrumpf-Jessica” passen würde, die sie heute sicher sehen würde, als sie in die Küche hetzte, schnell eine Portion Fertigmüsli in eine Glasschale schüttelte, Milch dazu gab und Kaffee trank. Sie mußte sich beeilen, auf die Mariahilferstraße zu kommen, denn heute war der dritte Einkaufssamstag und sicherlich viel los, so daß sie ihren Sack besonders gut füllen würde müssen. Mit “Naps” und “Stollwercks” höchstwahrscheinich. Der Krampus war schon vorbei. Nur in der Lade lagen noch zwei der übergebliebenen Figuren, eine davon steckte sie in den Mund, als würde sie sich damit auf den Arbeitstag vorbereiten.

“Pfui, Frau Magister, wie können Sie nur?”, würde Herr Widerling bestimmt unken.

“Die Krampusse waren für die Kinder unserer Kunden und nicht für Sie bestimmt! Jetzt verstehe ich, warum die sich beschwert haben, daß sie letzte Woche keine bekommen haben, wenn Sie sie nach Hause nehmen!”, würde Mister Widerling schimpfen, wenn er sie sehen könnte. Konnte er aber nicht, denn sie ließ ihn nicht in ihre Wohnung und selbst wenn, war bald nichts mehr zu entdecken, dachte Nka schelmisch und steckte das ausgewickelte Schokoladestück in den Mund. Das dazugehörige Staniolpapier warf sie in den Abfalleimer. Der letzte Krampus kam in die Dose mit den übergebliebenen Weihnachtskeksen. Aus den Augen aus dem Sinn. Aber wahrscheinlich war ihre Angst unbegründet und Herr Widerling hatte Besseres zu tun, als sich um die Krampusse der vergangenen Woche zu kümmern und heute wahrscheinlich ohnehin nicht anwesend. Aber sie mußte pünktlich sein und hatte sich zu beeilen, da er sicher seine Spione aufgestellt hatte, die es ihm berichten würden, wenn sie zwei Minuten zu spät auf der Mariahilferstraße erschien.

“Wie können Sie nur Frau Magister? Habe ich Ihnen nicht eingeprägt, daß Pünktlichkeit zu den höchsten Tugenden einer Weihnachtsfrau zählt, noch dazu, wo ich Sie aus vierundneunzig hochqualifizierten Bewerberinnen ausgewählt habe?”

Das wußte sie schon! War sie doch nicht von gestern! Also hastig die leere Schale in den Geschirrspüler räumen, in die Jeans und den Pullovet schlüpfen, die Tasche nehmen, die Tür versperren und zur U-Bahn hetzen. Laura Augustin ihre pensionierte Nachbarin kam gerade die Stufen hochgestiegen. Sie war schon einkaufen gewesen, steckte doch ein Milchpaket und ein Baguette in ihren Korb und wie bei ihr nicht anders zu erwarten, waren auch Bücher dabei.

“Waren Sie beim Bücherschrank?”, fragte Nika fröhlich und winkte ihr zu. Die Nachbarin nickte ein wenig schuldbewußt.

“Ich kann es nicht lassen, obwohl ich schon einen ganzen Stapel ungelesener Bücher in meinem Schlafzimmer habe! Aber man findet so interessante Sachen in den Schränken, schauen Sie nur!”, sagte sie und nahm die Bücher hinaus.

“Michael Köhlmeiers “Zwei Herren am Strand”. Das hat letztes Jahr auf der “Deutschen Buchpreisliste” gestanden und Mirko Bonnes “Nie mehr Nacht”, stand dort vor zwei Jahren. Da muß ein Buchhändler seine Leseexemplare hineingelegt haben und ich freue mich darüber!”

Dann hatte sie gefragt, ob sie wieder auf die Mariahilferstraße fahre?

“So ist es, Frau Augustin, ich muß mich auch beeilen, damit nich nicht zu spät komme und mein Chef nicht schimpft! Bis später also, lesen Sie schön und einen guten Tag!”, hatte sie hastig ausgerufen und war die Stufen hinuntergehetzt. In der U-Bahn gab es dagegen nicht so viel zu lesen. Gab es am Samstag keine Gratiszeitung und sie wußte auch nicht, ob Harald Schwabeneder immer noch über den Toten in Veras Klo schrieb. Seit der Enthüllung von Andrea Herbst war es um den Fall still geworden. Schien doch bewiesen, daß Klaus Kronauer an einem Schlaganfall gestorben war und es hatte sich auch noch Andrea Herbst Therapeutin gemeldet, die betonte, daß es für ihre Klientin sehr wichtig gewesen war, den Leuchter zu entsorgen, beziehungsweise den Toten damit zu konfrontieren, damit sie ihr Trauma überwinden könne! So weit, so klar! Vera hatte das auch gemeint, versuchte zu neuen Klienten zu kommen und Ruth hatte sich mit der Jugendamtstante unterhalten und wiederholt, daß sie weder Alimente von Joe Prohaska, noch ein Besuchsrecht für ihr ungeborenes Kind wünsche und ihr hatte sie mitgeteilt, daß sie sich dafür bedanke, in seine “Faiust- Vorstellung” zu gehen. Von ihr aus könne er auch den “Mephistopheles” spielen!

“Das ist ohnehin die bessere Rolle für ihn und er soll mich in Ruhe lassen!”, hatte sie empört gerufen und Nika verließ den U-Bahnzug. Lief den Ausgang in Richtung Stiftgasse hinauf und in die Personalgarderobe, wo sie in ihr Kostüm schlüpfte, die Mütze aufsetzte, den Sack im Magazineursbüro, wo kein Rade Jovanovic zu sehen war, füllte und zum Ausgang hetzte. Da kam sie an der Handschuhabteilung vorbei und noch ehe sie nach Jessicas Mutter Auschhau halten konnte, kam eine aschblonde Frau auf sie zu, sah sie unsicher an und fragte, ob sie fünf Minuten stören dürfe? Dabei sah sie sich ängstlich um, wie um sich zu vergewissern, daß ihr Chef sie nicht bei Privatgesprächen ertappte und flüsterte ihr zu, daß sie Dragana Nikolic sei.

“Jessi hat mir erzählt, daß sie sich mit Ihnen angefreundet hat! Ich hoffe sie stört Sie nicht! Aber wissen Sie, sie ist soviel allein, da ich geschieden bin, mein Ex-Mann sich nicht um sie kümmert, ihre Oma in Zagreb lebt und sie auch keine Geschwister hat! Sie sollte nicht so oft herkommen! Die Vorgesetzten sehen das nicht gern und ich predige ihr das auch jeden Tag! Aber was soll ich machen? ich kann sie nicht zu Hause einsperren und wenn sie sagt, daß sie sich alleine fürchtet, habe ich ein schlechtes Gewissen!”

Sie stört nicht, keine Sorge!”, antwortete Nika fröhlich und schüttelte den Kopf, als Dragana Nikolic nach Max Schröder fragte und wissen wollte, ob sie den alten Mann, von dem Jessica so viel erzähle, kenne und glaube, daß er gefährlich für sie sei?

“Sie sagt sie sei sein Weihnachtswichtel und müsse ihm beim Einkaufen helfen, damit die Religionslehrerin zufrieden ist! Aber glauben Sie nicht, daß es gefährlich ist, wenn sie zu dem Mann in seine Wohnung geht?”, fragte sie besorgt. Nika schüttelte wieder den Kopf und meinte, daß ihr der alte Mann vertrauenswürdig vorkomme.

“Überzeugen Sie sich selbst!”, schlug sie vor.

“Ich muß jetzt auf die Straße, Sie wissen schon, der Chef und die Pünktlichkeit, aber wenn sie kommt, schicke ich sie zu Ihnen und vielleicht können Sie in der Mittagspause mit ihr zu Herrn Schröder gehen! Ich glaube, er wohnt im Haus gegenüber, um sich zu überzeugen, daß er harmlos ist! Er ist ein pensionierter Lehrer! Verwitwet, hat “Parkinson” und kommt mit dem Einkaufen und dem Haushalt nicht mehr so zurecht!”, sagte sie. Jessicas Mutter nickte zuerst erleichtert, dann zuckte sie zusammen, als eine ältere Verkäuferin scharf “Frau Nikolic, Kundschaft!”, rief.

“Ich komme gleich, Frau Meisel!”, rief sie ängstlich und flüsterte Nika “Vielen Dank!”, zu, die wieder fröhlich nickte und “Keine Ursache, ich muß auch auf die Straße, denn ich bin schon viel zu spät daran!” antwortete.

So und das nächste geöffnete Fenster wird es am vierzehnten Dezember geben.

Noch ein Nika-Adventkalenderfenster

“Sonntag, 6. Dezember

Am Sonntag hatte sie frei, das Kaufhaus, wie die anderen Geschäfte auf der Mariahilferstraße, waren geschlossen. Nika konnte ausschlafen. Der Wecker hatte sie nicht um sieben aus ihren schönen Trammannträumen gerissen. Sie konnten ihnen stattdessen ungestört nachhängen und sie ausleben. Das Adventkalenderfester, hinter dem sich wahrscheinlich ein kleiner weiß-lila Nikolo mit der großen Bishofsmütze verbarg, blieb verschlossen und auf dem Sessel neben dem Bett lag, flüchtig hingeworfen, die rot-weiße Weihnachtsfraumütze. Denn die hatte sie aufbehalten, als sie gestern zehn Minuten nach sieben in Jeans und ihrer grünen Parka, die Kaufhausgarderobe verlassen hatte, um sich mit Harald Schwabeneder zu treffen, der prompt und pünktlich, an der Stelle, wo sonst der junge Bursche kauerte, auf sie gewartet hatte. Die Mütze aufbehalten und damit zur Krampusparty ins “Jazzland” gegangen, wenn sie schon nicht mit einem stilechten roten Pullover oder Röckchen als Krampus-Outfit aufwarten hatte können. Herr Widerling würde schon nichts dagegen haben, beziehungsweise konnte er das nicht, schien sich sein Dienst doch auf Montag bis Freitag zu beschränken, denn sie konnte ihn nicht sehen. So war sie mit der rot-weißen Weihnachtsfraumütze auf Harald Schwabeneder zugegangen, der ihr ein weißes Seidenpapier gewickeltes Päckchen entgegenstreckte.

“Eine kleine Krampusgabe für das morgendliche Frühstück, schöne Frau! Nur für den Fall, daß der strenge Weihnachtsfraudienst Sie gehindert haben sollte, für den Sonntag einzukaufen!”, hatte er gesagt und damit ins Schwarze getroffen. Wenn seine detektivischen Fähigkeiten auch so perfekt ausgeprägt waren, brauchten Vera und die Schwester sich vor der Polizei und den rasenden Zeitungsreportern mit ihren spitzen Federn nicht mehr fürchten.

“Stimmt!”, hatte sie deshalb geantwortet und ihn angestrahlt.

“Stimmt haargenau! Wie haben Sie das nur herausgefunden?”

“Berufsgeheimnis, Recherche und Kombination!”, hatte er zurückgegrinst und verraten, daß sich in dem kleinen Päckchen ein Briochekrampus mit einer Minirute und Rosinenaugen befinden würde.

“Oder hätten Sie lieber einen Nikolo bekommen?”

Eine Frage, die sie den gesamten Samstag begleitet hatte, wenn sie in ihren Sack griff und weil die Meisten, die Mikoläuse präferierten, waren diese ausgegangen und es lagen nur noch eine Hand voll übergebliebenen Krampusse auf dem kleinen Tischchen, die Nika unkorrekt in die Tasche gesteckt hatte, statt sie in das Magazineursbüro zu tragen, in dem auch von Herrn Jovanovic nichts zu sehen war. Die sollten ihr als Notration für den Sonntag dienen oder auch nicht. Gab es doch Haralds Krampus und Kekse backen, Vanillekipferln, Zimtsterne, Linzer und Rumkugeln, hatte sie sich als Tagesprogramm auch vorgenommen. Mehl, Butter und Eier, die sie dazu benötigte, ließen sich wahrscheinlich am West- oder dem neuen Hauptbahnhof besorgen, wo es rund um die Uhr geöffnete Supermärkte gab. So lag also die rot-weiße Weihnachtsmütze auf dem Sessel und am Tischchen, die stibitzten Krampusstücke und kein Adventkranz. Einen solchen gab es bei Nika Horvarth nicht und sie würde ihn auch nicht am Hauptbahnhof besorgen. Denn sie war nicht religiös. Das schien nur Max Schröder zu sein, der mit seinen Hauspantoffeln und der falsch zusmmengeknüpften Jacke losgezogen war, um sich einen solchen zu besorgen. Er hatte auch einen bekommen. Davon hatte sie sich überzeugt, als der alte Mnn eine knappe Stunde später, nachdem sie ihn und Jessica mit Krampussen und Nikoläusen versorgt hatten, an der Seite der munteren Kleinen mit den roten “Pippi Langsgtrumpf-Zöpfen” und der grauen Strickmütze auf den Kopf, mit einem solchen zurückgekommen war. Den Adventkranz hatte Jessica in der einen Hand getragen, die andere hatte sie in den alten Mann gehängt, um ihn zu stützen und ein “Merkur-Einkaufssackerl” in dem sich wahrscheinlich das benötigte Brot, die Milch und das Kartoffelpprree befanden, baumelte auch an ihren Arm.

“Alles bestens, Weihnachtsfrau!”, hatte sie munter ausgerufen.

“Brot, Milch und Tiefkühlspinat ist gekauft, damit Onkel Max nicht hungert! Ich trage ihm die Sachen hinauf! Er wohnt schräg gegenüber im zweiten Stock! Er hat mir seine Fenster schon gezeigt! Dann komme ich zurück und gehe in die Handschuhabteilung, um für die Oma welche zu besorgen! Da kann der Chef nichts dagegen haben und die Mama bekommt eine Bonbonniere! So weit reicht mein Geld! Der Papa geht leer aus! Selber schuld, wenn er sich mehr um den Dominik, der ihm noch nichts kaufen kann, als sich um mich zu kümmern! Das heißt, wenn Ihnen noch ein Krampus überbleiben sollte, könnte ich ihm den geben, damit sich seine neue Flamme und er ärgern, weil sie denken, daß ich ihn für einen solchen halte!”, hatte sie weitergeplaudert und war mit dem alten Mann über die Straße verschwunden. Nika war jetzt aufgewacht und rieb sich verschlafen die Augen.

“Sehr schön !”, murmelte sie solcherart vor sich hin. Der Abend mit Harald Schwabeneder im “Jazzland” war das gewesen. Obwohl er, wie sie zugeben mußte, nichts mit detektivischer Kleinarbeit zu tun hatte! Davon war nicht die Rede gewesen! Absolut nicht, ganz das Gegenteil und sie nannten sich auch nicht mehr “Sie”, sondern hatten mit einem Glas Holunder-Prosecco Bruderschft getrunken. Das heißt sie hatte sich einen solchen süßen Schlatz bestellt. Er war bei einem eher männlichen Bier geblieben und sie war nun sicher, daß er sich genauso in sie verliebt hatte, wie es bei ihr der Fall war. Denn das würde ihre Eltern freuen, die sich über Ruths Partnerschaft und die aus einen “One night stand” entstandene Zoe-Philipa ohnehin die größten Sorgen madchten. Un wenn sie, was anzunehmen war, die “Kronenzeitung” und “Heute-Österreich” lasen, hatten sich diese mit Sicherheit in den letzten Tagen verstärkt. Also würden sie aufatmen und sich freuen, wenn sie zur Weihnachtsfeier ihren Traummann mitnahm und mit ihrer jüngeren Tochter zufrieden sein!

“Halt!”, rief sie sich an dieser Stelle erschrocken zur Ordnung zurück und zog die imaginären Zügeln an. Nur nicht so vorschnell galoppieren! Noch war es nicht so weit und Harald Schwabeneder noch lange nicht zur Weihnachtsfeier eingeladen, die auch noch zwei Wochen entfernt war. Noch war es nichts mit einem Besuch bei ihren Eltern. Hatte sie dazu keine Zeit. Denn sie mußte, wenn sie schon den ganzen Samstag Zettel verteilend auf der Straße gestanden hatte, am Sonntag ausschlafen, sowie Kekse backen, denn am achten Dezember, dem Feiertag zu Maria Empfängnis, konnte sie das nicht. Denn da hatten die Kaufhäuser auf der Mariahilferstraße sebstverständlich geöffnet. Hatte sich die Kaufmannschaft gegenüber der Erzdiözese doch durchgesetzt und sie würde mit Sack und einer Mütze auf der Straße stehen und könnte ihren lieben Harald, um vielleicht doch die Sache mit dem Mord auf Veras Klo weiteraufzukären, nur anschließend treffen. Heute aber nicht! So schnell ging das nicht! Heute würde er nicht zu ihr kommen und sie ihn nicht treffen! Obwohl sie Besuch erwartete, so daß es gut war, das Adventkalenderfenster zu öffnen, Santa Claus zuzuwinken und dann in der Kche Kaffee aufzusetzen und im Eisschrank nachsehen, was für den Backvorgang zu besorgen war? Denn am Nachmittag würde Sandra Winter kommen, die dann schon die ersten Kekse verkosten sollte. Sie würde ihre Freundin Fatma Challaki mitbringen, die seit Anfang September in ihren Wohngemeinschaftszimmer wohnte und seit Oktober im ersten Semester vergleichende Literaturwissenschaften studierte, während Sandras Sponsion demnächst stattfinden würde und sich anschließend auf die Suche nach einem Praktikumsplatz oder einer Volontärstelle machen würde. Heute würden aber die Beiden zu ihr kommen, Kaffee trinken, Kekse essen und sie würde der jungen Syrierin, die um Asyl in Österreich angesucht hatte, weil die IS in Damaskus ihren jüngeren Bruder erschossen hatte, von dem jungen Burschen am Kaufhauseingang erzählen, beziehungsweise hatte sie das bei Sandra schon getan, als die sie gestern in der Mittagspause angerufen hatte, um sie zu ihrer Sponsion einzuladen. Da hatte sie das schon getan, denn Sandra hatte gemeint, daß Fatma sich sicher mit ihm auf Arabisch unterhalten, beziehungsweise das versuchen würde.

“Sie ist zwar etwas schüchtern, meine muslimische Freundin, die im Mai an der deutschen Schule in Damaskus maturiert hat und im Juli über Lampedusa nach Österreich gekommen ist. Trägt ein Kopftuch und gibt Männern nicht die Hand! Aber einen traumatiserten Flüchtling wird sie schon fragen können, wie es ihm geht und ob er Hilfe braucht? Noch dazu, da sie vor kurzem ihren Bruder verloren hat! Weißt du was, ich bringe sie einfach zu dir mit und du kannst ihr alles erzählen!”

Soweit, so gut und wunderbar und jetzt, obwohl Sonntag war, sich anziehen und zum Westbahnbhof fahren, um Mehl, Butter, eine Packung Eier und ein paar Päckchen Vanillezuckder, sowie ein Gläschen Rum für die gleichnanmigen Kugeln zu besorgen, damit sie ihre Gäste bewirten und sich selbst ein bißchen weihnachtliche Stimmung bereiten konnte, dachte Nika. Nahm einen Schluck Kaffee, biß in den Briochekrampus, der süß war und gut schmeckte.”

So das ist jetzt das sechste Türhen meiner “Nika, Weihnachtsfrau”, die ich im Rahmen des “Nanowrimos” 2015 geschrieben habe. Damals war die Einstellung zu den Flüchtlingen die größtenteils aus Syrien kamen, noch anders. Da hat sich leider seither viel geändert. Also ein kleiner Rückblick in bessere Zeiten, wo wir auch noch kein Corona hatten.

Den Anfang findet man hier: 1 2 3 4 5 und dann aufmerksam sein. Denn es gibt derzeit noch mindestens dreizehn andere Türchen, die ich in den letzten Jahren eingestellt habe und werde gelegentlich darauf verlinken

Jahrestag der Initiative Urheberkonferenz

Da habe ich vor einiger Zeit eine Einladung, ich glaube von Gerhard Ruiss, bekommen, an einer Konferenz über das Urheberrecht und die Entwicklungen der KIs eingeladen, zu der ich mich angemeldet habe, obwohl ich nicht ganz sicher war, ob ich da wirklich richtig bin?

Bin ich ja eine, die außerhalb oder neben dem Literaturbetrieb steht und ihre Bücher selber macht, etcetera. Aber Gerhard Ruiss hat mich ja vor Jahrzehnten aufgefordert, als Delegierte bei den IG- ,Autoren die Generalversammlungen zu besuchen und der interessiert sich ja sehr für das Urheberrecht und die Veränderungen, die es in der Literatur durch die Digitalisierung, etcetera, gibt.

Er ist auch der Präsident der “Initiative Urheberrecht” und der Sinn dieser Vereinigung war, glaube ich, die verschiedenen Kunstsparten, wie Literatur, bildende Kunst, Musik und Film zusammenzubringen. Es waren bei der Konferenz auch einige Rechtsanwälte eingeladen, die über die diesbezügliche Situation berichten. Deutschland wurde da als großes Vorbild gepriesen, während Österreich noch ein ziemlicher Fleckerlteppich mit vielen Lücken im Urheberrecht ist, wie RA Michael Walter in seinem Referat darstellte.

Das war am Vormittag im Dachgeschoß des ÖGV- Hauses in der Löwelstraße. Dann gab es ein Buffet mit Schnitzel- und Fleischlaberlsemmeln, Wraps, Tramezzinis und Pulundergepäck. Dann gings, um die KI und das ist ja ein interessantes Thema, wie die in den nächsten Jahren, die Literatur oder überhaupt den Kunstbetrieb verändern wird.

KI und Recht war auch ein großes Thema am Mittwoch. Im Anschluß gab es noch ein Glas Wein und die Reste des Buffets und am Donnerstag geht es noch einmal weiter und ich denke, es war auch für mich sehr interessant, obwohl ich gar nicht soviele Bekannte getroffen bin, da ich ja eine bin, die ihre Texte gerne ins Netz stellt und ja auch eine begeisterte Bloggerin bin.

Am Donnerstag referierten dann Leute aus Deutschland, Frankreich, Schweiz und Slowenien, wie in ihren Ländern mit den sozialen Plattformen, wie Google, Twitter, etcetera umgegangen wird.

Nach der Mittagspause gab Gernot Schrödl, der Geschäftsführer ein Tagungsresumee und dann gabs eine Diskussion mit Politikern, einem Herrn von der ÖVP, der gern Schnitzl ißt, der streitbaren Eva Blimlinger von den Grünen, Gerhard Ruiss, Michael Walter und noch einigen anderen über den Roformbefarf.

Das war dann eher ernüchternd, denn die Kunstschaffenden unzufrieden und der Geschäftsführer lud im nächsten Jahr zu der Zweijahrestagung ein.

Mal sehen, was bis dahin passiert? Aber die Literatur, der Literaturbetrieb, mein Schreiben und mein Lesen wird weitergehen.

Birobidschan

Buch vierzehn des dBps “Birobidschan” des 1987 in Haifa geborenen Tomer Dotan-Dreyfuß, der seit zehn Jahren in Berlin lebt, beschäftigt sich mit der in den Neunzehndreißigerjahren von Stalin gegründeten jüdisch sozialistischen Kolonie an der sibirischen Grenze zu China und Tomer Dotan-Dreyfuß verlegt das Städtchen in die Neunzehnneunziger und auch frühen zweitausenderjahre und erzählt hier die Geschichten von Alex und Rachel, Boris, Gregory, Sascha, etcetera und tut das, wie am Klappentext steht in einer Mischung aus jüdischer Tradition und phantastischen Realismus.

In einundachtig Kapitel wird das beginnend mit den Neunzehndreißigerjahre, wo eine Runde Waisenkinder auftaucht und in dem Schtetl untergebracht werden, bis zu den Alltagserlebnissen der Dorfbewohner erzählt und dann tauchen auf einmal zwei geheimnisvolle Männer auf, die Bären suchen, fünfhundert Rubel Scheine verschenken, die dann versenkt werden, ein Bewohner wird tot aufgefunden und ein geheimnisvolles stummes Mädchen bringt die Ereignisse auch durcheinander.

“Absurd, märchenhaft und radikal”, schreibt Sandra Gugic auf den Buchrücken und Ira Peter meint: “Ein Spiel mit der Zeit, mit Lust, Gewalt und Grenzen, dessen größtes Opfer am Ende der Autor selbst wird. Fesselnd, überraschend und sprachlich herausragend”.

Ein interessantes Buch, füge ich hinzu, das in Zeiten,, wie diesen, besondere Bedeutung bekommt, obwohl es nicht auf die Sortlist gekommen, aber trotzdem empfehlenswert zu lesen ist.

Auf Stephan Teichgräbers letzten “Literarischen Lenz” wurde übrigens ein Buch, das sich mit einem ähnlichen Sujet beschäftigt, vorgestellt.

Wiener Familien und Firmengeschichte

Wer sich jetzt wundert und wem diese Veranstaltung für das Literaturhaus zu wenig literarisch ist, den verweise auf die Feiern und die Ausstellung zu “Dreißig Jahre Exilbibliothek”. Da gab es heute einen Erinnerungsabend mit den Titel “Von Grünfeld zu Grenville” und als ich etwas verspätet den Veranstaltungssaal erreichte, hat gerade eine Dame auf Englisch gesprochen.

Dann kam Dalidah Hindler vom Verein “Steine der Erinnerung”. Danach trat die Leiter in der Exilbibliothek an den Vortragstisch und erzählte etwas über Bernhard Grünfeld, der 1885 geboren, in die Rauchrequisitenfirma von Adolf Lichtblau ein und heiratet dessen Tochter Flora.

Das war sehr erfolgreich und Veronika Zwerger projezierte die Häuser und den Firmensitz. Dann kamen aber die Nazis, Adolf Lichtblau mußte seine Firma verkaufen oder übergeben und wurde in Auschwitz oder Theresienstadt mit seiner Frau ermordet. Ihre Kinder Edith und Arthur gelang die Flucht nach England und deren Sohn Anthony, der sich inzwischen Grenville nennt, 1944 geboren, studierte Germanistik und beschäftigte sich mit der Exilfamiliengeschichte und schenkte 2010 den Nachlaß der Exilbibliothek.

Dann kam der Enkel oder alte Herr, bedankte sich für die Einladung und erzählte etwas über seine Eltern. Morgen werden Gedenksteine für Flora und Bernhard Grünfeld eröffnet.

Es gab einen Büchertisch, Wein und Brötchen. Astrid Nischkauer und Evelyn Adunka habe ich gesehen und es war sehr interessant, auch wenn nicht besonders literarisch ist. Man kann aber darüber schreiben.

Eja Augustin lässt sich coachen

Es knarrte ein bißchen als sich Eja Augustin, auf den braunen Stuhl des sogeannten Pfarrcafes setzte, und Fritzi Jelinek erwartungsvoll anblickte.

Was erwartete sie sich eigentlich von der Schreibtrainerin, die sie vor kurzem bei einer Veranstaltung kennengelernt hatte?

Sie wußte es, um korrekt und genau zu sein, gar nicht. Die andere, eine etwa Dreißigjährige mit einem dunklen Pagenkopf, die schwarze Leggins, ein schwarzes T-Shirt und eine grüne Leinenjacke darüber gezogen trug, hatte ihr erzählt, daß sie eine Schreibtrainerausbildung absolviert hatte und angehende Autoren und ihre Werken coachen würde und da hatte sie für sich vollig überraschend gesagt “Das können auch bei mir tun!”

Die Frage sofort zurücknehmen und mit “Unsinn! War nur ein Scherz!”, kommentierten wollen.

Die andere hatte aber erfreut geschaut.

“Sehr gern!”, gesagt und ihr das Pfarrcafe vorgeschlagen, in dem sie einmal in der Woche eine Schreibgruppe abhalten würde.

“Wenn Sie Lust haben, kommen Sie doch dorthin!”, gesagt. Und für Eja wieder völlig überraschend, hatte sie das, obwohl sie das ja eigentlich gar nicht wollte, getan. Eineinhalb Stunden zwischen einer handvoll älterer Damen gesessen, die die neue österreichische Buchpreisliste durchgekaut und als “Wenig überraschend!”, bezeichnet hatten.

“Dann treffen wir uns am besten nachher im Cafe und Sie sagen mir, wo der Schuh drückt!”, hatte die Schreibtrainerin zu ihr gesagt, nachdem sie sie begrüßt und ihr versichert hatte, wie sehr sie sie freue, Eja in ihrer Schreibgruppe zu sehen.

“Vielleicht haben Sie Lust regelmäßig teilzunehmen!”, gehofft. Eja hatte den Kopf geschüttelt und tat das jetzt noch einmal. Denn eigentlich hatte sie keine Ahnung, was sie von der mindestens dreißig Jahre jüngeren junge Frau wollte. Was wollte sie bei ihr coachen? Oder ja, doch natürlich und selbstverständlich. Wurden ihre Texte doch immer kürzer. Die letzten Romane, die sie geschrieben hatte, waren nicht länger als zwanzig bis fünfundzwanzigtausend Worte geworden und wenn sie im November wieder am “Nanowrimo” am nationalen writing month, der von Amerika auch nach Österreich hinübergeschgewappt war, teilnehmen wollte, mußte sie fünfzigtausend Worte zusammenbringen. Das hatte sie in den letzten Jahren schon mehrmals getan und die erforderte Wortzahl, für die man sich dann eine Winner-Urkunde und einen Tusch abholen konnte, auch zusammengebracht. Gut, da hatte sie auch öfter zusammengestückelt und jetzt war sie nicht ganz sicher, da ihre Texte immer kürzer wurden und sie, die erfolglose Autorin, die sehr darunter litt, daß es ihr nicht und nicht gelang in den Literaturbetrieb hineinzukommen, ein wenig den Verdacht hatte, vielleicht schon ausgeschrieben zu sein.

“Wo drückt der Schuh? Wo kann ich Ihnen helfen!”, fragte sie schwarzhaarige und schwarzgekleidete Trainerin, nachdem sie ihren Kaffee ausgetrunken hatten, auch jetzt und Eja Augustin schüttelte wieder nachdenklich den Kopf.

“Damit länger und erfolgreicher zu werden! Endlich einmal aufzufallen und positives Feedback zu bekommen!”, war natürlich die Antwort.

Aber ob ihr da die junge Frau, die eigentlich auch nur ein Phantasieprodukt und in ihren Texten zu finden war, ihr helfen konnte, war die Frage? Wahrscheinlich würde sie, wenn sie die Taktik der konstuktiven Kritik, die ihr früher sehr gefehlt hatte, beherrschte, sie loben und ihr dann auch raten, sich Zeit zu lassen, auf ihre Schwächen, die natürlich vorhanden waren, zu schauen und sich nicht unter Druck zu setzen.

“In der Kürze liegt die Würze!”, würde sie vielleicht ein bekanntes Sprichwort zitieren und dann hinzufügen, daß man in der Kürze auch die Dichte sehen könne

“Vielleicht sind Sie einfach dichter und lyrischer geworden!”

Und das wurde auch von den Literaturprofis gefordert und ihr dann zu ihrer Beharrlichkeit gratulieren und ihr empfehlen sich nicht irriteren zu lassen, sondern einfach weiterschreiben.

Dreißig Jahre Podium-Sommerlesereihe

Die Podium Sommerlesereihe im Cafe Prückl von Claudia Erdheim offenbar 1993 eingeführt geht ins dreißigste Jahr. Da gab es immer eine Auftaktveranstaltung in der “Alte Schmiede” und eine Schlußveranstaltung und ich bin, da man dort ja konsumieren muß, eher zögerlich hingegangen. In den letzten Jahren immer öfter und nach Claudia Erdheim hat Christa Nebenführ die Organisation übernommen und einmal auch in den GAV-Nachrichten dazu aufgerufen sich zu melden, wenn man dort lesen will. Das habe ich und bin ihr offenbar nicht gut genug gewesen.

Jetzt organisiert Birgit Schwaner die Veranstaltung, vor drei Jahren in Corona Zeiten war ich ziemlich regelmäßig da. Vor zwei Jahren gabs dann die drei G-Verordnung im letzten Jahr habe ich die Juli- Veranstaltungen offenbar versäumt, wir waren auch in Kroatien und gestern habe ich nachgegooglet und erfahren, daß das Thema “30” heißt und schon vor einer Woche Claudia Erdheim und Christa Nebenführ gelesen haben und heute Petra Ganglbauer und Friedrich Hahn und als ich das Cafe Prückl erreichte, war der Lesesaal leer. Der Kellner, den ich danach fragte, wußte es auch nicht und hat nur gemeint, daß der Saal reserviert wäre, Friedrich Hahn, den ich im Schanigarten traf, wies mich daraufhin, daß ich eine Stunde zu früh dran war, halb acht statt halb sieben.

Hansjörg Liebscher habe ich, als ich zurückgegangen bin, schon im Saal sitzen sehen. Birigt Schwaner ist auch bald erschienen und hat mir die Programmkarte gegeben. Anmelden wie im “Falter” angegeben war, musste man sich auch nicht, Gerhard Jaschke und Christian Katt und einige Damen sind auch erschienen und um halb acht wurde dann das Mikrophon ausprobert.

Das hat wie auch in den vorigen Jahren gestreikt. Birigt Schwaner hat die Lebensläufe der beiden Lesenden vorgestellt und Petra Ganglbauer hat zuerst aus ihren Prosaband “Die Tiefe der Zeit geht”, wo es um ein kleines Mädchen und seine Großmutter geht und offenbar die Zeit vor dreißig Jahren beschreibt, dann ging es zu dem Gedichtband “Aschengeheimnis” und da ist das Zuhören schwierig geworden, denn aus dem Cafe drang der Donauwalzer woran sich offenbar eine amerikanische Touristengruppe vergnügte. Die Klimaanlage war auch sehr stark eingeschaltet, so daß es sehr kalt war und die Akustik schlecht, so daß Petra Ganglbauer mehrmals ihren Standpunkt wechselte und einige Gedichte wiederholte.

Der 1952 geborene Friedrich Hahn , der schon fünfzig Bücher geschrieben hat und mit Siebzehn damit angefangen hat, hatte schon seine erste Veröffentlichung im ersten “Podium” und hat, wie er erzählte experimentell zu schreiben begonnen. Dann einige konventionelle Romane geschrieben und ist jetzt mit dem plotlosen Roman “Leergut” wieder dorthin zurückgekommen. Ein Text ohneHandlung, wo er jeden Tag einfach vor sich hingeschrieben hat und die Zahl dreißig ist erst spät vorgekommen und aus diesem Prosatext hat er auch ein Gedicht gemacht, das erebenfalls noch vorgelesen hat und dann hat er sein Buch und sein Podium-Portrait zu einem Sonderpreis von zwanzig Euro verkauft, andere Broschüren sind auch noch aufgelegen und seine Tochter hat er noch erzählt, hat heute auch ihren dreißigsten Geburtstag gefeiert.

Leipziger Buchmesse mit dem Gastland Österreich

Da der Alfred Freunde hat, bei denen wir schlafen können, sind wir seit den späten Neunzigneunzehnhunderterjahre ziemlich regelmäßig zur Buchmesse nach Leipzig gefahren.

Gastland-Motto: MEA OIS WIA MIA

In Frankfurt waren wir nur zweimal 2000 und 2002, aber in Leipzig ziemlich regemäßig und seit 2009 blogge ich darüber Wir waren meistens dort. Einmal oder zweimal, habe ich die Veranstaltung so weit man konnte gestreamt, weil der Alfred mit dem Karli unterwegs war oder arbeiten mußte.

Seit 2015 lasse ich mich akkreditieren und das war ich schon 2019, als ich mir den Knöchel gebrochen habe und 2020 war alles auch bereit und geplant, als Corona kam und die Messe abgesagt wurde. Zwar nicht so ganz.

“Leipzig liest”, hat es glaube ich immer gegeben und die Verleihung des Leipziger Buchpreises, den ich auch seit 2020 lese und seltsamerweise gab es seither keine richtige Messe, obwohl das in Frankfurt immer möglich war.

Nur ein “Leipzig liest trotzdem”, obwohl die Messe auf später verlegt worden war, wo man schon einiges in Freien machen konnte.

So auch heuer. Keine Messe im März, wie früher üblich, sondern Ende April. Im nächsten Jahr soll es wieder im März stattfinden und heuer alles wieder normal. Keine Masken, keine Tests, denn Corona ist ja jetzt vorbei.

IG Autorinnen und Autoren

Es gibt nur wenigstens in Österreich noch Aufarbeitungsschwierigkeiten, weil der Kanzler lieber stattdessen Autotage veranstaltet oder nach Afrika reist und außerdem gibt es noch etwas Besonderes, nämlich den Schwerpunkt Österreich, denn Österreich ist Gastland. Das hätte, soviel ich weiß, schon früher sein sollen, Corona hat es, glaube ich, verschoben.

Aber Katja Gasser, die Programmleiterin, arbeitet schon mindestens ein Jahr am Gastlandauftritt. Da gab es schon im Vorjahr Pressekonferenzen. Das Motto, das von Thomas Stangl kreiert wurde, heißt “mehr ois wia mia”.

Ein Motto mit dem ich Anfangs Schwierigkeiten habe, weil ich es eher für Chinesisch, als für Österreichisch halte und eine Zeitlang auch nicht richtig verstanden habe.

Der Sinn ist wahrscheinlich aufzufallen und die Sachsen und die Berliner, etcetera, fragen zu lassen “Was heißt denn das?” und die Aufmerksamkeit ist da, weil es ja im Unterschied zu den meisten anderen Gastländer keine Übersetzungen gibt, weil ja die gleiche Sprache, aber “mea ois wia mia” und da wurden eine Reihe von Autoren einzuladen.

Eröffnung

Die Größeren, mich natürlich nicht. Aber der GAV-Vorstand ist nach Leipzig gefahren und steht jetzt am IG-Stand, um jeden, der es hören will, zu erklären, was die GAV, ist und daß sie nächsten Woche in Wien ihr fünfzigjähriges Jubiläum feiert und wir sind wieder am Mittwoch losgefahren, wo es am Vormittag eine Pressekonferenz gab, die ich versäumte. Die Eröffnung im Gewandhaus auch, weil wir erst nach vier am Schmetterlinsweg angekommen sind und ich auch keine Einladung dazu hatte, aber am Donnerstagmorgen losgefahren, um rechtzeitig zu der Eröffnung, um zwlf zurechtzukommen.

Die Straßenbahnen waren voll wie immer. Am Hauptbahnhof stand einer mit einem Mikrophon und erklärte den Besuchern, wie sie zur Messe kommen und irgendwo haben wir die Ruth, die Erika Kronabitter, die Ilse Kilic, den Jopa, etc stehen, aber nicht eisteigen sehen und ich bin schon nach zehn in der Halle vier angekommen, wo der Österreichstand ein neues Design hatte. Sonst hat es ja das berühmte Österreich Cafe gegeben, jetzt einen von Architketen designten Pavillon. Am IG-Stand gab es eine PEN und eine GAV-Ecke und bei der GAV liefen die Portraits der GAV-Mitglieder, die man einmal an Jörg Piringer schicken konnte.

Meines hat die Erika Kronabitter aufgenommen und ich habe es zum ersten Mal gesehen.

Als ich den ÖsterreichBereich erreichte, hat gerade Robert Prosser performte, den ich, weil so viele Leute, gar nicht gesehen habe. Erst beim Robert Seethaler habe ich mich langsam angenähert. Vorher ein paar Leute begrüßt. Manfred Müller zum Beispiel. Die Cordula Simon ist an mir vorbeigerast. Dann kam die Anna Marwan und dann war es schon dreiviertel zwölf und die Leute mußten die ersten zwei Reihen für die VIPs frei machen.

Ich habe dann den letzten Freien in der dritten bekommen und wurde von einer Dame angesprochen, die mich sonst immer auf der Buch-Wien gesehen hat. Am Nachmittag passierte mir das bei einer Andere noch einmal, interessant. Aber erst trat der Bundespräsident auf und winkte in das Publikum. Die Staatssekretärin Mayer und Doron Rabinovici ,der die Eröffnungsrede hielt. Benedikt Föger, der Hauptverbandspräsident eröffnete, freute sich und erklärte dem Messedirektor, daß Österreich ohnehin immer Gastland ist und auch im nächsten Jahr wieder kommen wird.

Nachher gab es Wein, leider nur Weißen und Brezeln, die es hier bei den Preisverleihungen gibt.

Dort wo das Cafe war, wurde abgeriegelt und VIPs konnten, glaube ich, auch Brötchen essen. Die anderen sich das die “Manuskripte”, die ich jetzt nicht mehr bekomme und die “Lichtungen”, als Gastlandgeschenk mitnehmen.

Ich habe zwei Brezeln gegessen und dann noch eine Crepe mit Banane, Nutella und Eierkikör und habe den Kaffee auf einer anderen Bühne getrunken, wo Margret Kreidl ihr neues Buch präsentierte, Anna Silber, die ich einmal im Literaturhaus versäumt habe, folgte. Ihr Buch heißt “Das Meer von unten”, ist bei “Picus” erschienen und die Frau, die moderierte, forderte alle auf, den Stand zu besuchen.

“Der Bundespräsident hat das schon getan!”, erklärte sie stolz und ich fragte “Hat er das Buch gekauft?”, was sie verneinte.

Vielleicht hat das Gastland es ihm geschenkt oder er hat keine Zeit zu lesen und ich keine mehr darüber nachzudenken, denn ich mußte hinunter in die Glashalle, wo ja der “Leipziger-Buchpreis” vergeben wurde und da fange ich demnächst das siebente Buch, das ich mir auch nach Leihzig mitgenommen habe, zu lesen an und habe erstaunlicherweise einen Platz in der zweiten Reihe bekommen. Gleich hiner den VIPs, also alles sehr gut gesehen und war dann auch sehr gespannt, wer gewinnen wird? Es gibt da ja die Abteilung Sachbuch, Übersetzung und Belletristik.

Nicht alle Hallen waren voll.

Die Bücher und die Jury wurden kurz vorgestellt und dann fing es gleich mit dem Übersetzerbuch an, das Johanna Schwering mit den “Cousinen” gewonnen hat. Das Buch liegt bei mir noch im Badezimmer, werde es also lesen. Bei der Sachbuchschiene wird mir das wahrscheinlich nicht gelingen. Denn ich habe “Regina Scheers buch über Hertha Gordon-Walcher nicht bekommen. Es aber nach der Vorstellung sehr interessant gefunden und der Belletristik-Sieger ist das Buch, das ich als Erstes als E-pub gelesen habe, nämlich Dincer Gücyeters “Deutschlandsmärchen “, der sich sehr darüber freute. Zuerst seine Frau oder Freundin und dann die vier anderen Belletristik-Mitbewerber auf die Bühne rief, die ihn alle gratuieren mußten.

Dann gab es Sekt und Brezeln und ich wußte nicht recht, wie das jetzt mit dem üblichen Österreich Empfang um fünf ist? Ob es den jetzt gab oder nicht? Habe mich aber auf jedenfall dort mit dem Alfred verabredet. Er war nicht, aber Tanja Malajartschuk hat zuerst gelesen. Später Karin Peschka. Da waren Plätze zu bekommen und der erste Messetag ist vorüber und ich habe außer der Glashalle und dem Österreichstand nicht viel gesehen. Aber viele Bekannte getroffen und mich mit ihnen unterhalten, was auch sehr erfreulich ist.

Den Freitag habe ich dann zum größten Teil in der Halle fünf verbracht und da zuerst den “Arco-Verleger” Christoph Haacker getroffen, den ich das letzte Mal kurz vor den Maßnahmen im Literaturhaus traf und dort auf die neuen Ulrich Becher Bücher aufmerksam machte.

Bei den “Unabhängigen Verlagen” hat zuerst Karin Peschka gelesen, die ich aber schon gehört habe, so daß ich weiter durch die Halle schlenderte und erst zum Gespräch mit Andrej Blatnik über seinen “Platz der Befreiung” wieder zu den “Unabhängigen” kam.

Nach dem Mittagessen bei einem Fischstand im Freien, Knoblauchgarnelen, gings zu der Verleihung des “Kurt Wolff-Preises” an den “Alexander-” und an den “ELIF-Verlag”es”, das ist der, von Dincer Gücyeter, der am Donnerstag den “Leipziger Buchpreis” gewonnen hat und sich wieder sehr darüber freute.

Es gab Sekt und Orangensaft und dann gings gleich zum “Wagenbach-Verlag”, der auf seinen relativ kleinen Stand ein kleines Bloggertreffen, mit Soletti, Apfel- und Traubensaft veranstaltete. Katharina Mevissen hat aus “Mutters Stimmbruch” gelesen und man konnte sich aussuchen, ob man dieses Buch, das die Meisten aber schon gelesen hatten oder ein anderes wollte und da habe ich mir endlich Milena Michiko Flasars “Ich nannte ihn Krawatte” ausgesucht, weil sie mich damals, als sie ihn gewonnen hat, beim “Alpha” nicht hineingelassen haben.

Lukas Cejpek, Markus Köhle und Mieze Medusa ,habe ich in dieser Halle, die auch einige Österreich-Stände hatte gesehen und mir ist überhaupt aufgefallen, daß sich die Messe verkleinert hat und auch die großen Verlage relativ kleine Stände hatten. Die Blogger-Lounge und das Literatur-Cafe habe ich nicht gefunden, aber vielleicht sind die in andere Hallen gewechselt und das blaue Sofa scheint es auch nicht mehr zu geben oder es hat jetzt einen anderen Namen und es gibt auch kein gedrucktes Programm, so daß ich davon noch nichts mitbekommen habe.

Um fünf habe ich dann den Alfred wieder im Österreich-Cafe getroffen, der sich über den Außenminister ärgerte, der mit den Hauptverbandmenschen am Nebentisch saß und später herumgeführt wurde und ich habe mich zu der Ruth und dem Jopa in die GAV-Ecke gesetzt. Der ging dann zu einer Abendveranstaltung wo die Ilse Kilic als Nichte der Wiener Gruppe fungierte und wir haben Klaus Kastberger beim Hauptbahnhof gesehen und hatten dann Schwierigkeiten mit der Rückfahrt, weil alles voll und die Bahn wegen eines Konzertes auch nicht weitergekommen ist.

Am Samstag bin ich wieder allein auf die Buchmesse gefahren und mich gleich dorthin gesetzt, wo früher das blaue Sofa war. Jetzt ist es grau und heißt anders und um elf ist Arno Geiger “mit seinem süßen”glücklichen Geheimnis” oder seiner Papiermüllsammelleidenschaft aufgetreten.

Vorher habe ich mit einer Dame aus Linz unterhalten, die ich schon am Donnerstag am Österreichstand getroffen habe. Danach kam Eugen Ruge, der nach dem “Metropol” und der DDR-Aufarbeitung, jetzt einen Roman über den Untergang von Pompej geschrieben hat.

Dann wollte ich etwas essen und bin bei der Kärnten-Fremdenverkehrwerbung gelandet, die Kasnudeln angeboten haben.

Christian Buckard im Ariowitschhaus über Egon Erwin Kisch

Danach Halle fünf und habe mich am Schweizer Stand wieder mit einer anderen Dame lange unterhalten, während wir auf Peter Stamm gewartet haben. Dann kam Sascha Filipenko dessen “Kremulator” ich ja schon gelesen hatte. Interessant war, daß Shelly Kupferberg moderierte, die ich schon auf der “Buch Wien” mit ihrem “Isidor” hörte.

Dann war es halb vier und ich bin zum Österreich-Pavillon gegangen, wo die Ruth “Dienst” hatte, um ihr zu sagen, daß es nichts mit der geplanten Veranstaltung in der “Deutschen Bibliothek” wird, weil alles ausgebucht.

Dafür haben wir eine Ersatzerstaltung über Egon Erich Kishs Biografie gefunden, die allerdings schon um sechs begann.

Also wurde nichts mit dem Treffen. Ich habe mir vorher beim Österreich Cafe noch ein Glas Wein und einen Kaffee gekauft, dafür sehr lange gewartet und acht Euro fünfhzig für das Glas Zweigelt bezahlt. Dann den Alfred und die Ute bei der Station Leibnitzstraße getroffen und die Veranstaltung war sehr interessant, denn ich habe schon sehr viel über den rasenden Reporter gelesen und danach hat der Alfred eine versteckte Bierstube gefunden, weil die Ruth eigentlich mit der Ute ein Glas Wein trinken hatte wollen. Dann war es ihr aber zu weit. Dafür ist der Andreas gekommen und wir haben uns auch sehr angeregt mit einem Musiker, der das Meer seiner dänischen Heitmat vermißte und einem Architekten unterhalten.

Am Sonntag bin ich dann an den Cosplayers vorbei mit ihren Reifröcken und Totenköpfen wieder zu den “Unabhängigen” gegangen.

Da war zuersst Anna Bolava aus Prag mit ihren Kräutersammelroman “Der Duft der Dunkelheit” daran, der im “Mitteldeutschen Verlag” erschienen ist. Dann folgte Sebastian Guggolz, erklärte die Verlagsstategie und stellte dann den dritten Roman vonTarjei Vesaas, “Der Keim” vor und betonte, was das für ein großartiger Autor war, den er wiederentdeckt hat.

Cliff’s Brauwerk Leipzig

Dann kam der “Arco-Verleger” Christoph Haacker mit dem Roman “Das Lügenlabrinth” des 1938 in den Niederlanden geborenen Paul Binnerts, der damit seine Familiengeschichte aufarbeitete und sich wunderte, daß ich in dem Buch eine Widmung “Fürs Literaturgeflüster” haben wollte, das hat einmal die FALKNER so gemacht und dann habe ich das beigehalten, obwohl ich mir ja eigentlich keine Bücher signieren lasse.

Chava Rosenfarbs “Durch die Kontinente” habe ich schon gestern im jüdischen Zentrum gesehen, das die Ute dann kaufte.

Dann wars halb eins, also etwas essen und richtig, Espresso hat bei der Bar der “Unabhängigen” gegen eine Spende gegeben und ich hatte die Qual der Wahl, einen Wurstsalat im Österreich-Cafe mit einem Glas Weinoder wieder in den Hof zu den Knoblauchschrimps. Dann hatte ich aber schon am Donnerstag einen Pommes frites- Stand gesehen und habe mich in der langen Schlange angestellt. Als ich schon fast vorn war, habe ich gesehen, daß die meisten Leute leere Tüten in den Händen hielten und sah dann auch das Schild “Bitte an der Kassa vorher zahlen!”

Also zuerst einHotdog, wie ich das früher öfter machte, dann einen frischgepressten Orangensaft und wieder zweimal angestellt. Die Babytüte um fünf Euro habe ich dann auf den Faulletauls verzert, wo am Donnerstag der Preis vergeben wurde.

Jetzt lagen die Bücher zur Ansicht auf, die meisten Leute haben aber eher was gegessen oder Kaffee getrunken. Dann Halle zwei, wo ich eigentlich noch nicht wirklich war und ein bißchen durchgeschlendert. In der “Bücherbar” einen Kaffee gekauft, den ich aber dort nicht trinken konnte, wenn ich mich nicht auf den Boden setzen wollte. Also zu einem “Fachbuch-Forum”, wo ein Herr gerade den Kalender erklärte, dann ein bißchen herumgeschlendert.

Es gab viel Werbung fürs Organspenden, das ist in Deutschland etwas anders, als in Österreich, wo du ja wiederrufen mußt, wenn du das nicht willst und dann wieder nach Österreich.

Die Ruth war aber nicht mehr da, der GAV-Stand schon abgeräumt, nur der Gerhard Ruiss stand noch am Infostand, also habe ich mir vorher die Lesung am Ukraine-Stand von Sofia Andruchowytsch angehört, die ein bißchen was erzählte, wie es den Frauen in der Ukraine geht und dann zur “Österreich-Bühne”, wo gerade Carolina Schuitti dran war.

Franzobel folgte mit “Einsteins Hirn”, das Buch werde ich, wenn es auf die “BuchpreisListen” kommt lesen. Thomas Sautner “Alte Männer” habe ich schon in Göttweig gehört. Er hat das Gleiche gelesen und Erika Fischer folgte mit Suzie Wong, die ich von der Wien Biblilthek kenne und mich über ihren chinesischen Namen wunderte.

Jetzt wurde des Geheimnis gelüftet. Sie hatte einen koreanischen Großvater, der sogar ein Held war, dann aber in Nordkorea verschwunden ist und dann war es aus.

Leipzig 2023 ist gone. Im nächsten Jahr wird Holland das Gastland sein. Da gab es schon Infomaterial und ich bin dann ein bichen herumgeschlendert um zu schauen, ob die Verlage was zurückgelassen haben, was sie nicht mitnehmen wollten.

Diesen Tip hat mir einmal Andrea Stift auf der “Buch-Wien” gegeben und ich bin auch fündig geworden und habe wieder einen schweren Sack in den Schmeetterlingsweg geschleppt und morgen am ersten Mai, gehts dann statt zur Parade zurück nach Wien und es war wieder sehr schön. Ich habe interessante Gespräche geführt und viele bekannte Autoren getroffen und jetzt bin ich sehr erschöpft.

Gekränkte Freiheit

Das zweite und wahrscheinlich letzte Buch der Sachbuchreihe der für den “Leipziger Buchpreis” nominierten Bücher “Gekränkte Freiheit – Aspekte des libertären Autoritismus von Carolin Amlinger und Oliver Nachtway ist sehr interessiert, interessiere ich mich ja sehr für das politische Geschehen dieser Welt und unserer Gesellschaft und habe auch einmal als Nebenfach Soziologie studiert, bevor ich zur Humanbiologie gewechselt habe und dann ist es natürlich in Zeiten, wie diesen noch einmal und ganz besonders interessiert, hat sich in den letzten Jahren das gesellschaftliche Bewusstsein sehr geändert.

Das Linke ist rechts geworden und das Rechte links, könnte man so sagen, so sind die Freiheitlichen nicht nur gegen die Ausländer und den Fremdenhaß, sondern vertraten bezüglich Corona eine Meinung, die sich mit meiner deckte, während die Linken plötzlich was für mich immer noch ziemlich unverständlichen ist, mit der ein Einschränkung der Freiheit und den totalitären Maßnahmen, die da verfügt wurden, “Wenn du dich auf eine Parkbank setzt, mußt du fünfhundert Euro Strafe zahlen!”, kein Problem hatten und nicht glaubten, daß die Gesundheit auch mit Eigenverantwortlichkeit schützen kann, trugen auf ihren Demos Masken und kämpften gegen die “Nazis” die da auf den “Schwurblerdemos” waren.

Also das Buch der Stunde um mehr über den totalitären Autoritismus zu erfahren, haben die Autoren Carolin Amlinger und Oliver Nachtwey von der Universität Basel haben ihr Buch auf Interviews basiert, die sie mit den sogenannten Querdenkern und sogar mit AfD-Mitglieder führten, die untersuchten warum diese Menschen plötzlich für ihre Freiheit auf die Straße gingen und gekränkt waren wieso sie die plötzlich nicht mehr ausleben durften.

Nach der Einleitung wird dann der Begriff der Freiheit philosophisch analysiert und die Theorien von Hegel, Adorno, Fromm etcetera erläutert.

In der Praxis heißt das, daß es Freiheit und Gleichheit auch in unserer aufgeklärten Gesellschaft nie gegeben hat, denn Bildung war vom sozialen Stand, siehe den alten ÖVP-Streit gegen die Gesamtschule, abhängig, wenn man Geld hatte, konnte man Reisen machen, ins Museum gehen und hat sich wahrscheinlich mehr für Kultur und Kultur interessiert, wenn man studiert hat, als wenn man ein einfacher Arbeiter war.

In den siebziger Jahren als ich studierte, gab es das freie Schulbuch, die Freifahrt, die Frauen gingen für die Chancengleichheit auf die Straße. ich habe aus einer Art Arbeiterfamilie kommend, studiert und strotzdem die gläserne Decke bald gestört und gedacht, das kommt vielleicht daher, weil ich sehr schüchtern war und auch nicht die richtigen Beziehungen zur Förderung hatte und jetzt geht es wieder zurück.

Die antiautoritäre Erziehung durch die, die Anna beispielsweise gegangen ist, ist, wie ich höre out und nach Corona höre ich, daß man in den Spitälern die Besuchszeiten begrenzen will, weil die Angehörigen die Ärzte und die Schwestern wahrscheinlich stören.

Der Fall der DDR hat in Deutschland wahrscheinlich auch einiges durcheinandergebracht. Die Ostländer fühlen sich noch immer diskrimiert, die AfD hat sich gegründet, die sich zuerst gegen die Massenmigration richtete, weil sie ihre Chancen dadurch bedroht sahen.

Dann kam Corona und die Autoren wollen, glaube ich, erklären, warum sich da so viele gegen einen “imaginären Freiheitsentzug” wandten.

Da habe ich meine Schwierigkeiten, denn ich denke daß da ja wirklich sehr in die Freiheit eingegriffen wurde und wir inzwischen in einer Gesellschaft mit sehr sehr vielen Verboten und Einschränkungen leben und, wie gecrieben, ich verstehe nicht, daß die Linken damals freiwillig ihren Paß zeigten, wenn sie ihren Schuhe kaufen wollten und nicht aufschrieen, weil man ja alles freiwillig machen kann.

Die Autoren zeigen die gesellschaftlichen Veränderungen auf, früher blieb man Bauer, wenn man aus einer Bauernfamilie stammte. Dann zog man in die Städte, es kam zum Traum vom Eigenheim und von den ein und zwei Autos pro Familie und dieses Bild wird ja derzeit durch die Klimawandel sehr bedroht und da gibt es ja Forderungen von Grünpolitiker, die den Deutschen das Eigenheim und das Auto “madig” machen wollen und durch die hohe Inflation und Teuerung wird ja der Mittelstand zerstört bzw. Angst gemacht, daß das passieren könnte und man sich das Essen und das Heizen nicht mehr leisten kann und zu sozialen Bittstellern degradiert wird und wenn ich höre, daß das Bargeld abgeschafft werden soll, man bis 2030 sein Haus sanieren und sich ein neues E-Auto anschaffen muß, was man sich durch die Teuerung vielleicht nicht leisten kann, kann ich die sozialen Kränkung, die dann vielleicht zu Aggressionen führt, verstehen.

Theodor Adorno hat ja den “Autoritären Charakter” beschrieben. Die Autoren beziehen sich auf das Buch und kommen dann natürlich zur narzistischen Wut, die sie den sogenannten Querdenkern unterstellen und untersuchen, wieso die sich von den Corona-Maßnahmen so beeinträchtigt fühlten?

Ich denke und habe da auch von einer Studie gelesen, daß manche Leute vor dem Virus Angst hatten und die anderen eher ihre Freiheit bedroht fühlten und die Maßnahmen beziehungwweise, das was man über dieses Virus hörte, war ja sehr sehr widersprüchig war und von Anfang an hieß es ja, die Meisten werden es nicht spüren und nur die Alten sind gefährdet und dann wurde trotzdem sehr massiv darübergefahren.

Da haben sich eben manche bedroht gefühlt und was steht dahinter gefragt? Das frage ich mich immer noch und ich denke es waren wahrscheinlich, die Impfabsprachen und bin da auch nicht so sicher, ob das unbedingt eine Verschwörungstheorie ist?

Denn das Meiste hat sich jetzt ja als richtig herausgestellt, wie die Autoren aber nicht so zu sehen scheinen, die ja öfter von einer “imaginierten Bedrohung” schreiben. Aber das Buch wurde ja wahrscheinlich schon 2020/ 2021 geschrieben und erforscht und da war die Sicht vielleicht noch anders.

Interessant finde ich, daß die Autoren viele ehemalige Linke in der Querdenkerszene, die sie interviewten sahen. Bei uns hört man ja immer, das sind die unwissenschaftlichen Dummen, die Rechten und ein paar Esoteriker, während die Autoren angehende und praktizierte Pädagogen interviewten, die keine Rechten sind und sich sogar entschuldigten, daß sie nicht vollständig genderten.

Die Namen Bodo Schiffmann, Ulrike Guerot, Suchharit Bhakdi, Wolfgang Wodag werden erwähnten bei Suchharit Bhakdi allerdings beklagt, daß der das Virus für eine harmlose Grippe hält.

Bei Omikron trifft das wahrscheinlich auch in etwa zu und vorher wurde, denke ich, aus Berührungsangst und Unwissenheit auch falsch behandelt. Die Leute allein gelassen und dann kam die Polzei statt der Mediziner, zu früh beatmet, etc…

Es ist also nicht so leicht und wahrscheinlich auch nicht vollständig möglich, die Theorien aus den vorigen Achtzigerjahren auf die Kritikerszene zu stülpen. So fand ich diese “Alles dichtmachen Aktion” von April 2021 als eigentlich total richtig, wenn da eine Mutter von ihren braven Töchter sprach, die sich total an die Massnahmen halten und dann erschrocken draufkam, daß sie sie schon zwei Tage nicht gesehen hat und sie ihr Essen auch nicht anrührten. Aber das wurde damals nicht gesehen und nur als nicht zutreffende Kritik gesehen, was einigen Darstellern auch den Job kostete.

Die Interviewpartner werden dann als “Regressive Rebellen” und “Autoritäre Innovatoren” klassifiziert. Das sind die, die sich so vor den Zugewanderten fürchten, daß sie nicht mehr das Haus verlassen und sich von der Politik verraten fühlen. Sorgen, die man glaube ich, ernst nehmen müsste und nicht mit der Nazikeule darüberfahren würde, was ja in der Pandemie noch zusätzlich übertrieben wurde, was ich nicht für ungefährlich halte.

Trotzdem sehen die Autoren in den Befragten meistens keine faschistoide Tendenzen, eben nur die schon erwähnte Frustration und die Enttäuschung und wissen keine Lösung für die Situation, weil sie ja Wissensfhaftler und keine Politiker sind.

Lösung wäre und das ist das, was ich wahrscheinlich auch in den Autoren vermisse, einander zuzuhören und nicht die anderen gleich einzuordnen und dann die Ohren zu verschließen, wie es es derzeit ja meistens passiert.

Außer dem Lesen habe ich mir noch zwei Interviews mit Oliver Nachtwey angehört. Eines davon hat sogar im “Kreisky Forum” von Robert Misik, moderiert stattgefunden und ich denke der “Leipziger Buchpreis” hat mich auf ein interesantes, wenn auch etwas einseitig interpretiertes Buch gebracht.

Wer eine andere Meinung dazu wissen will, dem würde ich meine Corona Bücher und Artikel empfehlen und jetzt würde mich noch interessieren, in welche Gruppe mich die Autoren, die ich mich eigentlich nicht für autoriär halte, sondern mich die autritäre Vorgangsweise störte, einordnen würden? Frustration, Resignation und Enttäuschung ist aber auch was mein Schreiben betrifft sicher da.