Der Verklärte

Ehe ich mit dem Buchpreis lesen anfange und da kommt heuer zuerst die Öst daran, weil diese Bücher früher als die Deutschen auf der Netgalley erhältlich waren, kommt ein österreichisches Schmankerl, hat mir doch der liebe Dietmar Füssel von dem ich viel aber nicht alles gelesen habe, sein neuestes Werk geschickt.

Der “Verklärte” heißt es. Am blauen Cover ist ein weiß gekleideter Füssel mit Flügel zu sehen und das ganze im “Lilium-Verlag” erschienene Büchlein ist nur zweiundsechzig Seiten dick, also auch nicht länger, als mein “Ukraine-Blues” der sich derzeit in der Druckerei befindet, vielleicht sogar kürzer und der 1958 in Wels geborene Dietmar Füssel ist bekannt für seine skurillen Texte.

“Ein schräger Autor!”, hat es, glaube ich, einmal eine Kommentiererin genannt und am Buchrücken nicht am Klappentext, den gibt es in dem Buch ohne Schutzumschlag nicht, steht “Gibt es ein Leben nach dem Tod?”

Eine Frage, die Dietmar Füssel oder Didi F. der erfolglose Schriftsteller, höchstwahrscheinlich nicht beantworten kann, aber ein guter Grund seine Fantasie damit zu beschäftigen und ein (kurzes) Buch darüber zu schreiben.

Da ist also Didi F. ,der erfolglose Schriftsteller, während des Lesens dachte ich noch, welch ein unprägnanter Name, als ich dann die Bibiografie ergooglet habe, leider gibt es die nicht in dem Buch, habe ich kapiert, daß das die Abkürzung von Dietmar Füssel ist und der geht spazieren. Dabei malt er sich, wie ich das auch manchmal zum Leidwesen meiner Kritiker tue, aus, daß er den Nobelpreis bekommt.

Dann würden sich die Verlage, um seine Bücher reißen und er ihnen schreiben, daß er ihnen absagen würde “weil meine Texte nicht in das stinklangweilige Programm Ihres ignoraten Scheißverlags…” weiter kommt er mit seiner Schimpferei nicht, denn er schaut nicht nach links und rechts in seiner Wut und wird von einem Auto durch die Luft geschleudert. Der Fahrer ein Politiker begeht Fahrerflucht, man sieht wieder Füssels Ironie und Didi steht plötzlich neben sich und hat seinen Schutzengel an seiner Seite, der sich als ziemlich unfreundlich und ruppig erweist und Didi drängt sich auf den Weg in den Himmel zu machen, weil er endlich wieder Wolkenbillard spielen will und der scheint irgendwie ähnlich wie das soziale Kreditsystem in China zu funktionieren.

Man muß endlos Schlange stehen, bis man endlich einem Petrus ähnlichen Portier gegenübersteht und dann muß man sich für seine Gerichtsverhandlung wappnen. Denn alle Sünden müssen aufgearbeitet werden und die waren zahlreich.

Hat man doch in seinem Leben unzählige Spinnen, Insekten und vielleicht sogar Mäuse getötet. Bei Didi F. war es eine Maus, die er in keine Lebendfalle steckte. also wird er als Maus, um zu sühnen wieder auf die Welt geschickt und dann soll, er das als Steckmücke gleich 2 317 Mal tun.

Da begehrt er auf und fragt den Richter, was das soll? Denn er hat einen getroffen, der als Mamut büssen soll. Nur leider gibt es keine solchen mehr und eine Sexarbeiterin, die von einem <kunden erwürgt wurde, muß sich als Spinne bewähren.

“Gibt es keine Gerechtigkeit?”, will er vom Richter wissen und dann endet das Buch, wieder typisch für Dietmar Füssel, in einem philosophischen Diskurs, das alles ohnehin sinnlos ist, beziehungsweise mit einem Selbstgeprächs des lieben Gotts, das “Nächster Fall”, lautet.

Ein interessantes dünnes Büchlein ,des Vielschreibers, der wahrscheinlich ähnlich wie ich, schon sechzig oder mehr Pulikationen aufzuweisen hat und so erfolglos würde ich vermuten, ist er gar nicht, sondern sehr fleißig und auch politisch sehr aktiv und ähnlich, wie ich, auch Corona kritisch eingestellt, wofür er leider beim letzten “Tag der Freiheit des Wortes” ausgebuht wurde, denn auch das hat sich in der letzten Zeit leider geändert, daß man seine Meinung nicht mehr überall frei äußern kann.

Kalmann und der schlafende Berg

Jetzt kommt ein Buch an dem man sehen kann, wie ein Krimi auch funktionieren könnte, eine Krimisatire vielleicht, die mich sehr beeindruckt hat, des 1981 in der Schweiz geborenen Joachim B Schmidt von dem ich schon “Tell” gelesen habe,der mit seiner Familie in Island lebt und schon ein Buch mit dem Helden “Kalmann” geschrieben hat.

Bei “Amazon” wird geraten, den ersten Teil zu lesen, um sich auszukennen. Aber Schmidt hat sich, glaube ich, ohnehin viel Zeit genommen, das Bisherige zu erklären und Kalmann ist ein interessanter Held, nämlich ein Behinderter, ein Mensch mit Lernschwierigkeiten, “Downie” steht an einer Stelle wird aber sofort dementiert und auch sonst riskiert Schmidt einiges, spielt das Buch nämlich während der Pandemie, im dem berühmten Jänner 2021, wo der Sturm auf das Kapitol stattfand und man eigentlich nicht in die USA reisen konnte.

Der Held Kalmann tut es aber, denn, wenn das Buch beginnt, wurde er vom FBI festgenommen und von einer schwarzen Agentin verhört. Der erzählt er, was bisher geschah. Nämlich, daß er bei seiner Mutter und seinem Großvater aufgewachsen ist. Der Großvater hat ihn das Fischen und Jagen beigebracht und im ersten Teil hat der Sheriff von Raufarhöfn, wie er genannt wird, weil er immer mit einen Sheriffhut und einem Stern herumläuft, einen Eisbären erjagt.

Der Großvater, inzwischen dement geworden, ist gestorben. Kalmann hat ihn noch im Pflegeheim besucht und seine letzten Worte hat der Großvater auf Russisch gesprochen. Das erzählt Kalmann seinem Freund Noi und der bringt ihn auf die Idee, daß der Groüßvater ermordet wurde.

Eine dumme Idee. Aber Kalmann jagt ihr nach. Zuerst kommt aber ein Mail von seinem amerikanschen Vater, der ihn einlädt ihn zu besuchen. Die Mutter hält das für eine hervorragende Idee und organisiert die Reise, so daß Kalmann mit Maske, etcerta, dorthin fliegen kann. Der Vater und seine Familie sind offenbar Trump Anhängern, sie ballern herum und brechen dann mit Kalmann nach Washington auf, um den Präsdienten zu unterstützen, bzw. an der Demo teilzunehmen.

Dort wir Kalmann dann vom FBi eingefangen und die Agentin erzählt ihm, daß der Großvater auf der schwarzen Liste steht, weil er Kommunist war und wird dann nach Island zurückgeschickt.

Die Mutter holt ihn in Reykjavik ab und die Beiden müssen jetzt in ein Hotel in Quaratäne.

“Scheiß Pandemie!”, formuliert Kalmann da und kommt dann irgendwann doch nach Raufarhöfn zurück und kann die Spur aufnehmen.

Eine Tante Telma gibt es auch, die er erst beim Begräbnis kennengelernt hat und einen anderen alten Kommunisten, den er aber, als er ihn besuchten will, erschossen auffindet.

Jetzt überstürzen sich die Ereignisse und es geht zum “schlafenden Berg “, den die Amerikaner im World War II als Radarstation beziehungsweise Munitionlager benutzen. Jetzt ist der Berg verschmutzt und ein alter, ebenfalls schon kranker CIA-Agent taucht auf, schleppt mit einer Pistole bewaffnet, Kalmann auf den Berg, der dann in die Luft fliegt und Kalmann hat wieder alles aufgeklrt und wird von hundert Fernsehanstalten interwievt. Wirklich interessant einen Menschen mit mentalen Schwierigkeiten zum Helden zu machen, der mit Witz und Naivität alles aufklrt und, wie, ich glaube, brillant beschrieben wird.

Erkenne ich ihn doch in den “Ohrenschmaus Texten” wieder und ich denke, daß da über Corona wahrscheinlich genauso gedacht wurde “Das Scheiß Corona Virus” die Fernsehwirklichkeit mit der Wirklichkeit vermengt wird. Denn Kalmann lebt ja in einer Fernsehwelt, fabuliert naiv vor sich hin und wird deshalb zum Helden.

So können Krimis sein, denke ich und so mag ich sie auch lesen. Also bin auch ich, wie die “Amazon Rezensenten” auf eine Fortsetzung sehr gespannt.

Der Bauch des Wals

“Zwei Essays über Kunst und Politik”, sind in dem eher dünnen “Diogens-Büchlein” enthalten, das ich im Postkasten vorgefunden habe, als ich von Frankreich zurückgekommen bin und interessant sind da vor allem die Autoren, die die Essays geschrieben haben.

Oder hauptsächlich einer davon, nämlich der 1903 geborene George Orwell, dessen “1984” ja in den letzten Jahren besondere Berühmtheit bekommen hat und ich mich ja bekanntlich auch damit beschäftigt habe.

Der zweite Ator ist der 1948 in Hamphire geborene Ian Mc Ewan, der 2021 eine “Orwell memorial lecture” gehalten hat und sich da mit dessen 1940 erschienen Essay “Im Inneren des Wals” mit dem Titel “George Orwell außerhalb des Wals” beschäftigte.

“Diogenes” hat jetzt beide Texte abgedruckt, die sich, wie schon geschrieben, mit der Kunst und der Politik beschäftigt und da hat George Orwell mit dem 1935 erscheinen Roman “Wendekreis des Krebes” von Henry Miller beschäftigt.

Dann kommt er auf den Lyriker A. Houseman, der ihn in seiner Jugend sehr beeindruckt hat, worauf er auf die Dichter der Neunzehnhundertzwanzigerjahre kommt und sie denen der Neunzeh dreißiger gegenüberstellt, die in England offenbar alle kommunistisch waren, worauf er zu dem Schluß kommt, daß ein Dichter nicht politisch sein darf, weil er dann nicht mehr ehrlich seine Meinung äußern kann.

Dann kommt er wieder zu Henry Miller beziehungsweise zu Jonas und dem Wal zurück, was offenbar als Metapher zu verstehen ist, daß man sich als Schriftsteller nicht politisch äußern, sondern sich lieber in den Bauch des Wales zurückziehen kann, wo er vom “Lärm der Zeit” nichts mitbekommt.

Der Unterschied zwischen den Schriftstellern, die vor oder nach den ersten Weltkrieg schrieben wird erklärt und auch, daß Henry Miller, als er ihn auf seinen Weg nach Spanien in Paris traf, nicht verstehen konnte, wie man sich am spanischen Bürgerkrieg beteiligen kann, weil er ein aufrechter nach vorne schauender Pazifist war, der seine Meinung aber niemanden aufdrängen wollte.

Mc Ewan erwähnt dann in seinem Essay den Besuch Millers auf Orwells Weg nach Spanien und betont, daß die Beiden sehr unterschiedlich gewesen wäre. Miller war freiwillig im Exil in Paris und daher so etwas wie im Inneren des Wals, während sich Orwell politisch betätigte.

1957 hat Albert Camus, der mit Geoge Orwell, das Schicksal der Tuberkuose teilte und ein ebenso starker Raucher war, die sich aber nie getroffen haben, den Nobelpreis bekommen und in seiner Rede über “Den Künstler in seiner Zeit” erwähnt. McEWan kommt dann zudem englischen Schriftsteller Henry James und seinem Text”Die Kunst der Dichtung” und meint, daß Prinziipen erwähnt, die auch Orwell anerkennt “Eine Kunst, die es unternimmt, das Leben so unmittelbar nachzuschaffen, kann sich nur entfalten, wenn sie vollkommen frei ist.”

Da sind wir schon bei der Fantasie, die frei bleiben muß und “1984” das Ausdrücken wie Gedankenpolizei” und “Doppeldeck” prägte, die inzwischen im allgemeinen Sprachgebrauch sind, ein Roman der Salman Rushdie nicht gefallen hat, weil er den Eindruck macht, daß “Kampf zwecklos sei” und kommt dann zu dem berühmten Wal zurück und der Tatsache, daß es der heutige Schriftsteller schwer hat, drinnen zu bleiben. Das Internet, das Handy etcetera holt ihn ständig heraus und mit der Einsamkeit in der sich die Fantasie frei entfalten kann, ist es vorbei oder sehr schwierig geworden und wenn sich der Künstler politisch äußern soll, sich also für die Freiheit der Unterdrückten einsetzen, muß er den Wal auch verlassen und da gibt es ja so brandheisse Themen, wie den Klimawandel, den Brexit, Corona und die Unterdrückung der Meinungsfreiheit, die ja abgeschafft werden soll, füge ich hinzu und in dem chinesischen Sozialsystem kann Orwells “1984” auf höchstmoderne Art und Weise forgeführt werden und wie kann sich der moderne Schriftsteller innerhalb des Wales am besten mit solchen Themen auseinandersetzen?

Da zitiert Mc Ewan einen Haiku aus dem siebzehnten Jahrhunderts “Der alte Teich Ein Frosch springt hinein Vom Wasser ein Geräusch”

Während George Orwell in seinem Essay nur eine einzige Frau zitiert, kommen die bei Mc Ewan öfter vor. Denn Margaret Atwood, Barbara Winterson, Hilary Mantel etc beschäftigen sich ja mit politischen Themen und haben den Walspeck solcherart verlassen.

Aber die Froscharten sind inzwischen ausgestorben. Es gibt inzwischen viel weniger als im siebzehnten Jahrhundert und daran kann man den Stand der Natur ablesen und so haben sich laut Mc Ewan die Bedingungen Walinneren inzwischen sehr geändert.

Ein sehr interessantes Buch und ein interessanter Versuch die beiden Texte hintereinander zu lesen. Denn die Meinungsfreiheit ist, in Zeiten, wie diesen, wo überall die soziale Überwachung droht, sehr wichtig und der oder die Schriftstellerin höchstwahscheinlich besonders gefordert sich politisch zu oäußern, als die innere Bequemlichkeit zu verlassen.

Wir brauche mehr Covidromane würde ich fordern, die sich mit dieser Zeit kritisch außereinadersetzen. Die, die sich mit dem Umweltschutz beschäftigen, sind, glaube ich, schon da.

Die Nachbarn

Jetzt kommt das zweite bei “Wagenbach” erschienene Buch des 2008 verstorbenen niederländschen Johannes Jocabus Voskuil der mit seinem Mehrteiler das “Büro” berühmt geworden ist.

“Die Mutter von Nicolien” habe ich gelesen und das Ehepaar Nicolien und Marten kommt auch in den “Nachbarn” vor. Der Beschreibung nach geht es um das Eheleben der Beiden, das und deren Streitigkeiten in allen Details ausgeschlachtet werden und ich habe mir beim Lesen, wie wahrscheinlich auch bei der “Mutter” sehr schwer getan. Wahrscheinlich ein Autor der mir nicht so liegt, habe ich doch mit dem allzu Satirischen meinen Schwierigkeiten.

Im Vorwort steht, daß der Roman schon früher geschrieben wurde, aber erst jetzt veröffentlicht wurde, da erst jetzt einer der Nachbar der sich in seinen Gefühlen verletzt gefühlt haben könnte, gestorben ist. Weil es aber trotzdem ein gutes Buch ist, hat es die Witwe erst jetzt veröffentlichen lassen und J. J. Voskuil, wie er sich nennt, scheint einen sehr speziellen Stil zu haben, der mir ,wie schon geschrieben, nicht so sehr liegt.

Es begnnt ganz langsam. In das Asterdamer Haus in dem Nicolien und Maarten wohnen, zieht ein neuer Nachbar ein, ein Petrus Stalinga, wie sich später herausstellt, denn am Anfang meidet er jeden Kontakt und weicht den Nachbarn aus. Dann zieht zu dem Sechzigjährigen, der in inzwischen in Pension gegangen ist, der etwa vierzigjähriger Peer ein und ein reger Kontakt mit dem Ehepaar beginnt.

Sie laden sich zum Tee ein, trinken miteinander Whisky, bringen sich Geschenke, geben einander Ratschläge und das Ehepaar passt, wenn die beiden auf Urlaub sind, auf deren Vogel auf, ein solcher ist auch am Cover zu sehen ist, die sollten das auch bei den Katzen von Maarten und Nicolien tun, das klappt aber nicht so ganz und zwischen dem Ehepaar kommt es zum Streit, weil Maarten von den beiden nicht so begeistert, wie Nicolien ist, die sie die Jungs nennt und ihm dann vorwirft, daß er etwas gegen Homosexeuletät hat.

Am Schluß kommt es zum Streit und Peer beschimpft die beiden und es gibt noch andere Skurirlitäten, wie die Krankheit von Petrus, der sich einen OP- Tisch in sein zimmer stellt, es werden Briefe geschrieben und nicht abgeschickt und für meinen Geschmack ist das Buch auch zu lang, nicht ganz zusammenhängend undk vielleicht auch zu wenig dicht geschrieben.

Alles haben

Jetzt kommt ein Buch, das ich eigentlich für die Italien Durchfahrt unserer Frankreichreise mitnehmen hätte können oder vielleicht schon Marco Missirolls zweiten Roman früher lesen, denn ich habe es von “Wagenbach” als E- Pub bekommen. Das ist sich aber nicht mehr ausgegangen. Also ein <Nachtrag und eine Rückschau auf die Zeit, als wir durch Italien gefahren sind, die Leute von auf die Strände gehen sahen und zuerst keinen Campingplatz gefunden haben.

Von dem 1981 in Rimini geborenen Marco Missiroli habe ich schon “Treue” gelesen und dieses in drei Kapitel geschrieben Buch ist sehr interessant und hat auch überraschende Spannungsbögen.

Es beginnt im Juni i n Rimini, wo sich die Leute gerade erst auf den Touristenstrom vorbereitet. Dahin kommt Sandro, der in Mailand Werbetexter und auch spielsüchtig ist, zu seinem Vater nach Hause, mit dem es Spannungen gibt. Seine Mutter Caterina ist schon gestorben. Der Vater Nando, ein Eisenbahner, der ihn Sandrino nennt, war früher Tänzer. Sandro besucht seine Freunde undam Schluß des Kapitels sagt der Vater nebenbei, daß er nur mehr kurz zu leben hat. Das hätten ihm die Ärzte gesagt.

Dann geht es im Herbst weiter. Sandro ist offenbar in Rimini geblieben und pflegt den krebskranken Vater. Es gibt immer wieder Rückblenden in die Vergangenheit. Sandros Spielsucht wird aufgehüllt. Er hat die Eltern beklaut, Schulden gemacht und am Schluß des Kapitels stirbt der Vater.

Im November ist das Begräbnis vorbei. Der Vater hat dem Sohn einiges hinterlassen. Dabei auch einen Sparbrief, den er nur unterschreiben muß. Sandro nimmt aber das Geld und macht sich einen Termin für einen privaten Spielsalon aus. Da geht er, von einem Freund gewarnt, auch hin. Nachdem er aber zweitausend Euro verloren hat, steigt er aus und beschließt nie wieder zu spielen.

Ob das wirklich realistisch ist, weiß oder glaube ich nicht. Das Buch ist aber sehr eindrucksvoll. Vor allem weil man einen guten Eindruck bekommt, was in Italien außer dem, was man als durchfahrender Tourist mitbekommt, passiert.

Als schöne Metapher taucht immer wieder die Frage auf, was man mit einer Million Euro auf den Konto tun würde ? Und das “Alles haben” oder “Avere tutto” wird als Wunsch auch erwähnt.

Madame Curie und die Kraft des Träumes

Als mir auf der Rückfahrt unserer Frankreisreise die deutschsprachigen Bücher französischer Autoren fehlten, habe ich mich auf Bregenz und den dortigen Bücherschrank gefreut. Ich suche ja in fremden Städten diese regelmäßig auf und bin da auch sehr fündig geworden und mit dem vollgefüllten Fahrradkorb auf den Campingplatz zurückgefahren. Die Erika Kronabitter

haben wir ja leider an diesem Abend nicht getroffen. Dafür lag Arnos Geiger “Es geht uns gut”, der neu in der “Ohrenschmaus-Jury” ist und ihn als jungen Autor 1996 in Klagenfurt lesen hörte und das den ersten deutschen Buchpreis gewonnen hat in dem Kasten an der Seepromenade und Reinhard Bilgeris “Der Atem des Himmels” dort und letzteres hätte ich eigentlich auf der Rückfahrt nach Wien lesen können, weil ich den Buchpreis-Roman schon gelesen habe, als ich das letzte Mal von Bregenz zurückgekommen bin oder weil ja die Vorarlberg Literatur passend.

Leider habe ich am letzten Donnerstagmorgen nicht daran gedacht. Die Bücher lagen in der Tasche die mir der Alfred vor einigen Jahren aus der USA zurückgebracht hat und die Pluhar war gerade ausgelesen.

“Was lese ich jetzt?”, habe ich stattdessen gedacht und dann zu dem “Curie-Roman von Susanne Leonard gegriffen und das passt, weil die Curie ja lang in Paris gelebt hat und Susanne Leonhard wie in der Lebensbeschreibung steht das “savoire vire” liebt, ja zu Frankreich und über die Nobelpreisträgerin, die das Radium entdeckte und daran selbst zugrunde ging, habe ich ja, ich glaube, schon als Hauptschülerin Oskar Jan Tauschinskis Jugendbuch, das wahrscheinlich über die Kinderfreunde zu mir gekommen ist “Wer ist diese Frau?, gelesen, das mich sehr beeindruckt hat.

Also noch einmal darüber lesen. Noch ein biografischer Roman, der allerdings recht dick war, so daß ich einige Tage brauchte, bis er ausgelesen war, dabei warten ja noch eine Reihe Bücher auf mich, bevor es an das Buchpreislesen geht.

Es war aber eine leichte Lektüre und sehr interessant, mir das Leben der berühmten Frau in Erinnerung zu rufen, die als Maria Sklodowska 1867 in dem von Russen besetzen Warschau zur Welt gekommen ist. Die Mutter war krank, der Vater Lehrer und da er die Mutter nach Nizza zur Kur schickte, war das Geld knapp. So daß er Privatschüler unterrichten mußte. Trotzdem besuchte Mania, wie sie genannt wurde, eine polnische Privatschule und mußte da den russischen Inspektoren, weil sie die Klassenbeste war, immer das “Vater unser” und die Namen der Zaren auf Russisch aufsagen.

Denn Polnisch war damals verboten. Mania, deren Mutter und eine Schwester bald an der Tuberkulose stirbt, macht dann bald die Matura am russischen Gymnasium und arbeitet als Gouvernante, um die ältere Schwester Bronia, nach Paris zum Studium schicken zu kännen. Denn das war damals in Polen den Frauen verboten.

Sie kommt später nach. Zuerst hat sie sich aber in einen Gutbesitzersohn verliebt, der sie leider, leider nicht heiraten kann und die Studienjahre an der Sorbonne warenvon tiefster Armut geprägt. Die ehrgeizige Studentin vergißt oft aufs Essen und forscht an verschiedenen Elementen, wo sie da Polonium und das Radium entdeckt.

Da hat sie schon ihren Pierre Curie kennengelernt, in den sie sich verliebt, aber zögert ihn zu heiraten. Die Armut und die Frauendiskrimnierung hält noch einige Zeit an, bevor sie ihr Labor und das erste Kind Irene bekommt.

In dem Buch wird das in einigen Teilen erzählt. Es beginnt 1926 am Vorarbend von Irenes Hochzeit. Da steht Marie am Grab ihres Perre. Er ist viel früher als sie gestorben und denkt über ihr Leben nach, beziehungsweise erzählt sie das einigen Frauen, darunter ihrer zweiten Tochter Eve, die, glaube ich, auch ein Buch über ihre Mutter geschrieben hat.

1903 bekommt sie mit Pierre und Henri Becquerel den Nobelpreis für Physik reist aber nicht nach Stockholm. Da sind sie und Pierre schon krank. Denn sie hat ja mit ihren Händen in das Radium gegriffen, mit diesen Körperversuche gemacht oder sich solches in ihr Zimmer gestellt, weil es so schön leuchtet und es gibt auch Differenzen mit Bequerel.

Es wird dann die zweite Tochter geboren und 1911 wird ihr dann allein der Nobelpreis für Chemie zugesprochen. Da fährt sie dann nach Stockholm und darf wahrscheinlich auch die Rede halten und sich vom König die Hände küssen lassen, die von der vielen Forschung rot und rissig sind.

Ein interessantes Buch, wo man viel über die ungewöhnliche Forscherin und Nobelpreisträgerin erfahren kann, die sehr intelligent und ehrgeizig war und in allem die beste sein wollte.

Ob das mit der Kraft des Träumen wirklich richtig ist, glaube ich nicht, denn vom Träumen bekommt man nicht den Nobelpreis und das Radium hat ähnlich, wie das Dynamit auch viel Schaden über die Menschheit gebracht.

Aus Tagebüchern

Jetzt kommt ein skurriles Leseerlebnis, nämlich Erika Pluhar “Aus Tagebüchern” aus der Reihe “Neue Frau”, in den Siebzigerjahren erschienen und die 1939 in Wien geborene Erika Pluhar, die Burgschauspielerin, hat, glaube ich, nach Ende ihrer Karriere zu schreiben begonnen oder hat das früher schon getan. Die Tagebücher mit den schönen Zeichnungen sicher. Sonst bin ich auf die Autorin aufmerksam geworden, als es eines Tages an der Türe läutete oder ich im Postkästchen ihr “Spätes Tagebuch” gefunden habe. Da habe ich an einem Gewinnspiel teilgenommen und es längst vergessen und später noch das “Ende des Garten” im Schrank gefunden, wo es auch um das autofiktione Schreiben geht, das die Schauspielerin, die in den Siebziger-Achtzigerjahren, um Peter Vogel, Andre Heller, etcetera auch skandalumwittert war, wahrscheinlich mit der letzten Nobelpreisträgerin gemein hat, obwohl es auch erzählende Texte und Romane von ihr gibt, wo ich auch schon einiges gefunden habe und die Reihe “Neue Frau” an die ich damals unser Arbeitskreis-Manuskript “Spuren sichern Gewalt an Frauen- Frauen gegen Gewalt” schickte und von Angela Praesent, der Herausgeberin zu hören bekam, daß ein Expose etwas anderes ist.

Trotzdem habe ich mir die Reihe als frauenbewegte feministischte Frau gekauft, so auch Erika Pluhars “Aus Tagebücher” aber höchst wahrscheinlich nicht gelesen und so habe ich vor einer Woche aufgejauchzt, als in Saint Denis d´ Oleron vor dem kleinen offenen Bücherkästchen stand und da zwei deutschprachige Bücher fand.

“Hast du sie hineingestellt?”, habe ich die Doris gefragt, die den Kopf schüttelte, aber in dem gegenüberliegenden Bücherflohmarkt hat es auch einige deutsche Bücher aus den Siebzigerjahren gegeben und keine Ahnung, daß ich das Buch schon hatte. Ich habe es aber auf der Rückfahrt als ich mit den drei französischen Büchern, wo zwei davon auch noch sehr dünn waren, fertig war, damit begonnen, weil ich mich doch nicht an das Französische trauen wollte und das Buch ist auch sehr interessant. Es gibt schöne Zeichnungen und handschriftliche Notizen und am Buchrücken steht, daß die Autorin “Ihre Tagebücher zur Selbstbewahrung in einem Beruf, der fordert sich den Menschen auszuliefern”, schreibt und das Buch enthält Texte von 1969 und 1980, also eine Zeit, wo ich von der Straßergasse auf die Uni wechselte, Psychologie studierte und im Jänner 1980 promovierte und auch schon Mitglied im “Arbeitskreis schreibender Frauen” war.

In dieser Zeit bin ich auch manchmal ins Burgtheater gegangen und habe da wahrscheinlich auch die Pluhar, wie im Fernsehen gesehen, die sich auch als Sängerin betätigte und sich politisch engagierte.

irgendwo in dem Buch steht etwas von einer “hatscherten bürgerlichen Sozialistin”. Die Angst vor dem Alter kommt vor, damals war die Pluhar dreißig, die Neurosen und die Angst, um ihre Tochter Anna, die inzwischen, glaube ich, gestorben ist. Das “Späte Tagebuch” thematisiert diesen Thema. In dem Ersten geht die Tochter in der Schweiz in die Schule und wenn man an dem Buch etwas kritisieren kann, ist, daß die Anmerkungen fehlen. So wird erzählt, daß sie da und dort mit dem und dem unterwegs war und man weiß nicht recht ist der H. jetzt der Heller und der Franz ist das wahrscheinlich auch.

Also eine sehr intensive Einsichtsnahme in das Gefühlsleben einer ungewöhnlichen Frau, die wahrscheinlich ehrlicher und authentischer sind, als dasm was jetzt wahrscheinlich lektoriert werden würde. Schwer zu verstehen ist es wahrscheinlich für einen, der nicht in Wien lebt und sich daher bei einigen nicht ganz auskennen wird. Aber trotzdem interessant und auch das Leseerlebnis, das Buch 2023 auf der Rückfahrt von Frankreich zu lesen.

Als ich in meinen Buchkatalog sah, daß ich das Buch schon hatte, habe ich von der Doris den Kommentar bekommen, daß es wahrscheinlich nach Österreich zurückwollte.

Jetzt werde ich es also in Wien in den Kasten stellen, wo sich die Finder wahrscheinlich nicht freuen werden, denn Erstens unterstreiche ich ja alles und Zweitens ist das Buch schon sehr alt und daher beim Lesen etwas zerfallen.

Das andere werde ich bei meinen Bücherbergen aber nicht mehr finden. Aber trotzdem interessant, den Werdegang des Buches nachzuvollziehen und jetzt würde ich noch gerne wissen wollen, wer es in Frankreich in den Schrank stellte?

Gebete der Einsamkeit

Ich tausche ja mit der lieben Doris Kloimstein seit einiger Zeit, wenn ich sie am Markt von St. Pölten treffe, immer wieder Bücher aus. Ich bringe ihr die, die ich in den offenen Schränken finde und ich für interessant halte und sie hat mir schon einiges sehr Interessantes gegeben, wo ich mit dem Lesen inzwischen gar nicht mehr nachkomme.

Clermont-Ferrand

Da die Doris ihre Ferien seit Jahren aber in Frankreich verbringt, haben sich auch einige von französischen Autoren auf meiner Leseliste angesammelt und die habe ich mir herausgesucht, als ich die Leseplanung für die Frankreichreise machte. Die hat dann erst im August statt im Juli stattgefunden und da hatte ich noch eine Reihe von Rezensionsexemplare zu lesen, so daß ich gar nicht mehr alle mitnehmen konnte. Für den “Zopf” ist es sich noch ausgegangen. Dann war ein dünnes Büchlein der letzten Nobelpreisträgerin dabei und als ich zum “Fetzen” greifen wollte, ist mir ein noch dünneres Büchlein von Antoine de Saint-Exüperi in die Hände gefallen, daß mir die Doris vor einigen Jahren, glaube ich, gegeben hat. Jedenfalls vorher, als ich Jörg H Trauboths “Bonjour St. Ex” gelesen habe. Denn da habe ich mich an das Büchlein erinnert und der Autor hat mich darauf aufmerksam gemacht, was ohnehin in dem Buch steht, daß die meisten Texte darin aus “Der Stadt der Wüste” stammen, die Antoine de Saint-Exupery neben dem berühmten “Kleinen Prinzen” noch geschrieben hat.

Das stimmt nicht ganz, denn der erste Text “Für Antoine” stammt von seiner Frau Consuelo. Die Anderen sind aus dem Buch und der Verleger merkt an, daß die Reihenfolge geändert wurde, beziehungsweise gibt es unter jeden Text, die Seitenangabe, wo man das Gedicht oder Gebet in “Der Stadt der Wüste” finden kann.

Camping Huttopia Royat

Es sind mehr poetische Texte als Gebete, wird noch angefügt und Antoine de Saint Exupuery wurde 1900 in Lyon geboren. An dieser Stadt sind wir auf der Rückfahrt auch vorbeigekommen. Es gibt dort auch einen Flugplatz, der seinen Namen trägt und der Flieger ist ja 1944 bei einem Aufklärungsflug über Südfrankreich abgeschossen worden.

Also durch die Gebete, was auf dem Campingplatz bei Clermont Ferrand sehr schnell geschehen ist, denn das Buch hat ja nur einundsechzig Seiten und dreiundzwanzig Texte und da gibt es das “Gebet der Einsamkeit”, die “Hymne auf die Stille”, die “Hymne auf die Nacht”, “Gott in der Wüste”, die “Stille des Friedens”, etcetera.

Und jetzt durch das Buch, was für eine Frau, die weder gläubig noch katholisch ist, sehr interessant war, ein bißchen über Antoine de Saint Exuperys Gedankenwelt zu erfahren.

So schreibt er in der “Hymne auf die Stille”: “Stille du Musikantin der Früchte!- Stille der inneren Worte, denn es ist gut, wenn du Gott wiederfindest”.

In “Stille, Hafen der Schiffe” klagt er “Oh du Schwätzer! Wie sehr haben sie die Menschen verdorben”, an.

In “Der Friede ist ein Baum” schreibt er “Erleuchte mich, Herr. Lass mich an Weisheit zunehmen, damit ich versöhne.”

“Es lügen alle” finde ich auch sehr interessant, wo er schreibt:

“Es lügt der Liebende, der dir vorgibt, dass Tag und Nacht das Bild seiner Geliebten in ihm wohne. Ein Floh lenkt ihn davon ab, denn der Floh sticht. Oder auch nur die Langeweile, denn dann gähnt er”.

Das finde ich sehr originell und wird sich bei mir einprägen und hängen bleiben.

Es ist also ein sehr interessantes Buch und es war sicher sehr eindrucksvoll sich auf der Rückreise nach Wien ein wenig in die gläubige Gedankenwelt des Autors des “Kleinen Prinzen” einzulesen, von dem meine Französischlehrerin in der Straßergasse immer leidenschaftlich schwärmte und den Hut des Napoelons auf der Tafel aufzeichnete.

Das andere Mädchen

Ende Juli hat der Alfred ein Grillfest gemacht und dazu all die Bekannten eingeladen, die von Corona übergeblieben sind und da ist auch die liebe Doris Kloimstein gekommen, die neben der Ruth in den ärgsten Lockdown- und 2G-Zeiten, eigentlich die einzige war, mit der ich damals Kontakt hatte und die hat mir ein kleines dünnes Büchlei, der letzten Nobelpreisträgerin, der 1940 geborenen Annie Ernaux “Das andere Mädchen” mitgebracht und da bin ich daraufgekommen, daß ich das Buch nach Frankreich mitnehmen könnte und außerdem ist mir noch eingefallen, daß ich ja ein anderes Ernaux Buch im Bücherschrank von Lohr gefunden habe.

“Erinnerungen eines Mädchen” heißt es und einen Augenblick lang habe ich geglaubt, daß es sich um das selbe Buch handelt, ist es aber nicht und auf die “Erinnerungen” habe ich vergessen, als ich im Juli mir die französische Reiselektüre zusammengestellt habe, obwohl wir damals ja nicht dorthin fahren wollten und von Annie Ernaux war in den letzten Jahren viel zu hören und ihre Bücher, sie ist auch eine, die ihr eigenes Leben beschreibt, was jetzt ja als Autofiktion sehr modern ist, sehr gelobt.

Gelesen hatte ich noch nichts von ihr. Also vielen Dank für das Geschenk und das vierundsiebzig Seiten “Suhrkamp-Buch” habe ich gelesen, als wir schon auf der Rückfahrt waren.

Es gibt einige Fotos auf dem Cover und in dem Buch. Am Cover ist Annie Ernaux Vater mit einer Verwandten und der verstorbenen Schwester Ginette zu sehen, die Annie Ernaux nie gekannt hat, weil sie schon vor ihrer Geburt an Diphterie verstarb. Daran knüpfen sich nun einige Fragen, darunter berühmte, mußte sie sterben damit Annie geboren werden durfte und muß sie sie ersetzen?

Fragen die ich eigentlich für unnötig finde, ob wohl sich damit ja Bücher schreiben lassen, denn die Antwort heißt natürlich nein! Aber an solche Ereignisse knüpfen sich natürlich die berühmten Familiengeheimnisse und Annie Ernaux hat von ihrer Schwester auch durch ein zufälliges Gespräch ihrer Mutter mit einer Nachbarin oder einer Kundin erfahren und da hat diese eine wenig sensible Außerung gemacht, die sich bei der kleinen Annie eingeprägt hat.

“Sie war viel lieber, als die da!”, hat sie gesagt und das hat Annie Ernaux wahrscheinlich veranlasst Jahre später einen Brief an die nie gekannte Schwester zu schreiben. Einen Brief, den diese, wie sie ebenfalls schreibt, nie lesen wird.

“Selbstverständlich ist dieser Brief nicht an dich gerichtet, und du wirst ihn nicht lesen. Andere Menschen, Leserinnen und Leser, die beim Schreiben für mich genauso unsichtbar sind wie du, werden ihn in den Händen halten.”

Es gibt zwei Fotos in dem Buch von dem Haus in dem Annie Ernaux als kleines Mädchen mit ihren Eltern lebte, die dort ein Geschäft oder eine Kneipe hatten und die Sprache, die von Sonja Finck übersetzt wurde, ist sehr schön und eindrucksvoll und macht Lust mehr von Annie Ernaux und ihrem Leben zu lesen. Bei den Erinnerungen”, die ein wenig dicker sind, hätte ich Gelegenheit dazu und da gibt es auch ein Foto von der jungen Frau am Cover zu sehen.

Der Zopf

Jetzt kommt das erste “Frankreich-Buch”, das ich, als wir schon auf der Il d´ Oleron waren, zu lesen begonnen habe.

Ein Geschenk, der lieben Doris Kloimstein und die Autorin Laetitia Columbani wurde auch 1976 in Bordeaux geboren, wo wir auf unserer Reise auch einen Tag waren und der Bestseller-Roman hat eigentlich nicht sehr viel mit Frankreich zu tun, handelt er doch von drei Frauen, wo eine in Indien, eine in Sizilien und eine in Montreal lebt und die drei Handlungsstränge, werden, wie in der Beschreibung steht, kunstvoll miteinader verknüpft.

Da ist also Smita, eine Unberührbare, die vom Kloputzen lebt, Ratten ißt und sich nichts anderes wünscht, als, daß ihre Tochter in die Schule gehen kann, damit ihr dieses Schicksal erspart bleibt. So wird gespart und gespart und als es so weit ist, kommt die kleine Tochter weinend zurück, weil der Lehrer sie aufgefordert hat, den Klassenraum zu kehren. Smita holt sich das Geld zurück und flüchtet mit ihrer Tochter zu einem Verwandten, wo sie bessere Möglichkeiten hat. Die Reise wird auf einen Wallfahrtsort, der gläubigen Smita unterbrochen, wo sich die Beiden die Zöpfe abschneiden lassen und auf eine bessere Zukunft hoffen.

Der zweite Handlungssgtrang, Zöpfe sind ja drei ineinanderverbunden Haarstränge, wie am Buchanfang steht, führt nach Sizilien. Da gib t es die zwanzigjährige Giulia, deren Vater eine Perückenmanifaktur aufgebaut hat. Der hat jetzt einen Unfall und Guilia erkennt, daß er hoch verschuldet ist. Die Manufaktor also aufgegeben werden oder Guilia einen reichen Mann heiraten muß. Sie hat aber schon einen Sikhs als Geliebten und der macht sie auf die schönen indischen Haare aufmerksam, die die Manufaktur retten können und dann geht es nach Montreal zu Sarah, die ist etwa vierzig und erfolgreiche Anwältin. Sie hat zwei Kinder und ist so etwas wie eine Workoholic, als bei ihr ein Krebs diagnostiziert wird. Das versucht sie solange zu verbergen, bis sie von ihrer Kanzlei hinausgemobbt wird und am Ende schöpft sie durch eine Perücke, die in Sizilen erzeugt wurde und in der sich wahrscheinlich Smitas und Lalitas Haare befinden, neue Kraft und geht in ein neues Leben.

Ein wenig plakativ geschrieben, aber ein Versuch sich für die Kraft der Frauen einzusetzen. So gibt es auch ein Motto von Simone de Beauvoir in dem Buch zu finden, das den “mutigen Frauen” gewidmet ist.

“Eine freie Frau ist das genaue Gegenteil eines leichten Mädchens”.

Wie wahr und jetzt müßte ich noch “Das Haus der Frauen” lesen, das sich auch schon auf meinen Bücherstapeln befindet.