Das Lügenlabyrinth

Jetzt kommt das im “Arco-Verlag” erschienene Buch von Paul Binnerts, das ich mir aus Leipzig mitgebracht habe und das, obwohl ich ja unlängst geschrieben habe, daß ich nicht mehr so viele Holocaust-Bücher lesen möchte, sehr interessant ist.

Paul Binnerts wurde 1938 in Den Haag geboren und schreibt in seinem Buch, daß sein Vater den Judenstern seiner Mutter in einem Blechkästchen hatte und als er ihn darauf angesprochen hatte, das bestritt und von seinen Bruder hat er eine Mappe mit Unterlagen aus dieser Zeit bekommen. Aber niemand in der Familie hat über den Holocaust gesprochen, so hat er darüber zu recherchieren angefangen.

Seine früh verstorbene Mutter war Jüdin und es gab auch noch einen Onkel Arnold, den er nie gesehen hat, über den er auch Unterlagen bekommen hat.

So hat er sich, was ich sehr interessant finde, seine Familiengeschichte ausgedacht und fiktionalisiert und noch interessanter finde ich, daß er in den Text immer wieder eingreift und quasi in Bezug zu seinen Figuren tritt und Passagen, wo er dann schreibt, wie es wirklich in seiner Familie war, gibt es auch

Dazu hat er viel recherchiert und Tagebücher aus dieser Zeit gelesen, so führt auch seine Emmeke, das Vorbild seiner Mutter, Tagebuch und Bert, der den Arnold vertritt, kauf sich am Beginn des Buches ein Motorrad.

Emmeke und Bert sind Geschwister, die sich bisher nicht für Juden hielten und beide auch gemischte Partner haben. Josef hat sich Joost gennt und Emmecke hieß eigentlich Maria und das “Jesuskind” der beiden, der kleine Bobbie ist wohl der kleine Paul.

Das Buch beginnt 1940, wo die Deutschen Holland gerade überfielen. Da kaufte sich der Geschäftsmann Bert gerade sein Motorrad und baut dann das “Lügenlabyrinth” auf, in dem er Beziehungen zu den Deutschen aufbaut, sich von ihnen Begünstigungen holt und gleichzeitig die Kunstschätze der geflohenen Juden versteckt.

Seine Freundin und spätere Frau Lien ist Verkäuferin in einem jüdischen Kaufhaus und der selbstbewußte Bert klärt sie nicht über seine Aktionen auf.

Dann verschlimmert sich die Situation. Die Juden müssen sich registrieren lassen. Joost verliert seinen Job und Emmeke muß den Stern tragen. Sie tut das nur ungern und Bert überhaupt nicht. Er fährt mit seinen Motorrad herum und zeigt ständig seine Begünstigungen her, wenn er kontrolliert wird.

Bella, die Mutter der Beiden wird deportiert, Emecke verhaftet und auch Bert kommt in einem Lager, wo er vieler Verbrechen, darunter des Nichttragen des Sternes, angeklagt wird, um.

Und das ist auch Paul Bnnerts Eltern passiert. Seine Mutter war verhaftet und ist dann sehr bald an Krebs verstorben und der Vater und der Bruder haben, wie das oft so war, nie über die Vergangenheit gesprochen.

Jetzt hat Paul Binnerts, das Buch, das ich für sehr interessant halte, weil ich bisher nur über Anne Frank von der hollänidschen Situation hörte, seinen Eltern gewidmet.

Am Fenster klebt noch eine Feder

Jetzt kommt, schnell ausgelesen, ein interessantes Buch von einer Autorin, die man eigentlich als Malerin kennt, nämlich, die 2014 verstorbene Maria Lassnig, eine, wie am Klappentext steht Freundin von Peter Handke und Ingeborg Bachmann. Deshalb wurde der bei “Wieser” erschienene Band, den er auch in Leipzig besonders präsentierte, von Peter Handke, Barbara Maier und Lojze Wieser herausgegeben .

Ein kleines dünnes Bändchen mit meist sehr kurzen lyrischen Texten und Gedanken der Malerin. Im Anhang gibt es einen Textnachweis und jetzt Hinein in das Schaffen der großen Künstlerin, an die ich meist erinnert werdn, wenn ich im Rathaus im Stadtsenatsitzungsaall bin und das Portrait von Helmut Zilk bewundern kann.

Hinein in das Buch, das auf den ersten Seiten Sätze wie “Weil mir die Worte nicht so leicht zukamen und noch weniger aus dem Mund flossen- traute ich mir als 20-Jährige sowas wie “Schreiben als Dichter” überhaupt nicht zu. Nur bei Lektüre von Tagebuchaufzeichnungen von den Größen oder von jungen Zeitgenossen dachte ich oft: “Das habe ich genauso auch gedacht, nur nicht aufgeschrieben.”

Dann gibt es Texte über “Komplementärfarben” und den “Ursprungswerkzeuge wie Bleistift und Pinsel.”

Es gibt einen Satz, den ich meinen schlaflosen Klienten sagen könnte: “Selig sind die, die nicht schlafen können, denn sie schauen ins Zwischenreich.”

Der Buchtitel stammt von einem Weihnachtserlebnis auf der Turracherhöhe, also offensichtlich eine Tagebuchaufzeichnung aus dem Jahr 1983 und eine andere Weihnachtsnotiz , wo sie sich offenbar einsam fühlte, finde ich sehr berührend.

“Eine Fliege summt und stößt metallisch gegen den Plafond, sommerlich, und die Mäuse sind ja auch da.”

“Nur ein Lesender kann auch ein Schreibender sein oder werden”, schreibt sie einmal, wie wahr und an anderer Stelle erinnert sie sich an ihre Klagenfurter Kindheit, wo sie Sonntags in Sonntagskleidern von ihrer Familie in das Nobelhotel Sandwirt geführt wurde und dort Rindfleisch aß, sowie Musik hörte.

“Ist die Literatur die Zwillingsschwester der Malerei?”, fragt sie einmal und man sieht, daß sie die Literatur offenbar sehr beschäftigte und eine “Lebensgeschichte”, wo die Geburt eines Kindes beschrieben wird, gibt es auch, aber auch Zitate, die sich auf Erlebnisse, mit den schon erwähnten Großen bezieht.

Paul Celan hat sie gut gekannt und spannend finde ich das Zitat “Man kann hier in Wien so ernsthaft arbeiten, weil das Leben da so traurig ist.”

Spannend und interessant und bei mir auch viele Fragen aufwerfend, die neugierig auf die Malerin machen und ihre Gedanken und Notizen finde ich wirklich sehr beeindruckend.

Ein sehr interessantes Buch, wenn man mehr über die 1919 in Kärnten geborene und ihre Gedanken und nicht nur über ihre Bilder erfahren will, denn “Maria Lassnig war nicht nur eine Mal-Persönlichkeit, sondern auch eine Schreib-Persönlichkeit”, wie Peter Handke am Buchrücken schreibt.

Wer hat Bambi getötet?

Jetzt kommt das letzte Buch der heuer für den Leipziger Buchpreis Nominierten und das fünfte der Übersetzungen, die ich bekommen habe und das Buch der 1961 in Helsingör geborenen Monika Fagerholm “Wer hat Bambi getötet?”, das von Antje Ravic Strubel übersetzt wurde, wurde auch während der “Buch Wien” im Literaturhaus vorgestellt, da habe ich, weil ich da wegen der Wiener Corona Maßnahmen zu Fuß gehen mußte, das Hingehen nicht geschafft.

Jetzt also das Leseerlebnis, des und das ist auch interessant bei “Residenz” erschienene Buch, also Deutschland Österreich und Skandinavien und das Buch ist bezüglich des Themas und der fetzigen Sprache auch sehr spannend, obwoh es, um das, was da auf dem Klappentext steht, nur im Hintergrund geht, beziehungsweise wird die Tatsache, daß das in einem Nobelviertel bei Helsinki in einem Keller vier Jugendliche ein Mädchen vergewaltigt und festgehalten haben, immer wieder wiederholt und in der Zeit auch wild hin und hergesprungen, so daß das Verstehen nicht so einfach ist.

Es beginnt mit einer Emmy, die eigentlich gar nichts damit zu tun hat. Sie arbeitet in einer Tierhandlung und wird im Laufe des Geschehens schwanger.

Sie war, glaube ich, mal mit Gusten Grippen liiert und der ist einer der vier und wurde bei dem Prozeß auch freigesprochen, ist aber nachher in die “Klapse” gekommen, denn er hat das Geschehen angezeigt und die vergewaltigte Sascha ins Krankenhaus gebracht, was der gar nicht so recht war und die auch nur aussagte, daß sie sich an das Ganze, weil zugedröhnt, nicht wirklich erinnern kann.

Später stellt sich heraus es gab Schweigegeldzahlungen, die Gusten offenbar unterbrochen hat und zu Beginn des Buchen ist Gusten siebenundzwanzig und Immobilienmakler. Er kehrt an den Ort des Geschehens zurück, begegnet Emmy und das Gedankenkreisen beginnt.

Gusten und der Hauptvrgewaltiger Nathan waren Freunde beziehuingsweise deren Mütter waren das. Gustens Mutter ist Opernsängerin und gastierte auch in Wien, die von Nathan schon sehr jung eine erfolgreiche Wirtschaftswissenschaftlerin ,die nach Davos, etcetera eingeladen wird.

Da gibt sie ein nterview in einen Pelzmantel, glaube ich oder hat sie den erst später an, als die Ereinisse schon aufgeflogen sind?

Im Interview präsentiert sie sich jedenfalls siegessicher. Nachher verliert sie die Nerven. Sie verliert auch ihre Jobs und stirbt irgendwann an Krebs und Sascha, die auch eine erfolgreiche Schwimmerin ist wird eine erstklassige Schwimmausbildung in Hawai angeboten.

So weit so what. Einen Filmemacher gibt es auch, der Emmy mit einem Kaninchen fotografiert und den Film “Wer hat Bambi getötet?” drehen will und Gusten gewinnt auch ein paar Literaturpreise und Thomas Bernhard , “Ein österreichischer Schriftsteller”, wird auch erwähnt, von dem sich “keine Bücher finden lassen”.

Ein bißchen verrwirrend könnte man sagen und es passiert außer der Vergewaltigung eigentlich sehr viel.

Die Sprache ist fetzig und das Ganze offenbar als Anklage gegen die bessere Gesellschaft zu verstehen und ich habe mir beim Lesen etwas schwer getan, beziehungsweise nicht wirklich das Neue und noch nie da gewesene, was die gute Literatur ja angeblich haben muß, nicht so ganz oder wieder nur als “gekünstlelt” gefunden.

Empusion

Und nun zum neuen Buch der Nobelpreisträgerin von 2018, der 1962 geborenen Olga Tokarczuk,, von der ich glaube ich, das erste Mal etwas hörte, als 2000 Polen das Gastland in Frankfurt war und wir dort waren.

Irgendwann hat ein Buch von ihr in der Abverkaufkiste beim “Morawa” gelegen, da es aber, glaube ich ,mehr als drei Euro kostete, habe ich es liegen gelassen.

Später habe ich ein paar Bücher von ihr im Schrank gefunden und den “Gesang der Fledermäuse” gelesen, nachdem sie den “Nobelpreis” bekommen hatte. Das war dann 2019, denn da gab es ja zwei Preisträger, die verkündet wurden und da waren wir auch bei der Buch-Basel, wo sie lesen hätte sollen, aber wie Herta Müller, die in Basel war, nicht gekommen ist.

Jetzt das neue Buch und da war ich wegen des unverständliceh Titel ein wenig abgeschreckt und habe erst beim Lesen erfahren, daß es eine Antwort auf Thomas Manns “Zauberberg” ist oder auch nicht, denn es ist, wie als Unterttitel steht “eine natur (un)heilkundliche Schauergeschichte” und schlägt man den dreihundertsechzig Seiten Roman auf, sieht man zuerst schöne Bilder von dem schlesischen Kurort Görbersdorf, der heute Sokolowsko heißt. Briefmarken aus dem Jahr 2013 oder so, wo das Buch spielt, gibt es auch zu sehen, denn da wird der Student Mieczyslaw Wojnicz aus Lemberg geschickt, weil er an Tuberkulose leidet und steigt dort, weil er wenig Geld hat, in einem Gästehaus ab, das von einem Herrn Opitz geführt wird. Dort lernt er drei Herren kennen, den schwer kranken Thilo aus Berlin, den Herrn Frommer, den Herrn August und den Herrn Lukas, das sind Thelogen, Atheisten, Schriftsteller, etceterta, mit denen am Abend bei einem Gäschen Schwärmerei philosophiert wird.

Am Tag geht es ins Kurhaus zu Dr. Semperweiß, das ist seltsamerweise ein Psychoanlytiker und kein Lungenspezialist und der mokiert sich, daß sich Mieczyslaw nicht ausziehen will.

Also ein seltsam schamhaftes Bürchchen, das auch von der Frau Opitz oder ihren Unterröcken irritiert wird, denn am nächsten tag findet er sie tot auf dem Küchentisch liegen. Sie hat sich erhängt, sagt Herr Opitz und die anderen munkeln, er hätte sie schlecht behandelt oder gar umgebracht.

Vom Dachboden her klingen seltsame Geräusche, das Gurren von Tauben oder anderen Getier und es wird ihm auch erzählt, daß in dem Örtchen jeden November Leute in Stücke gerissen werden.

Sonst rät Dr. Semperweiß zu Spaziergängen und guten Essen. Das macht Herr Optz auch mit seinen Schäfchen. Hr gibt es offenbar einen Rechenfehler der Autorin oder gehört das zu der Schauergeschichte?

Die Herren philosophieren jedenfalls sehr oft und viel von der “Minderwertigkeit des Weibes” und bei den “Notizen der Autorin” findet man den Herrn Weininger zitert. Se besuchen die “Tuntschis”, das sind gebastelte Figuren an denen sich die Köhler und Hrten offenbar befriedigen und Wieszyslaw zieht sich immer öfter in das Zimmer der Toten am Dachboden zurück.

Am Schluß stellt sich heraus, er ist als das nächste Opfer auserkoren oder eigentlich nicht, denn das hätte Thilo sein sollen. Er stirbt nur vorher und so kommt es zu einem wahren Horrorszenario, Mieszyslaw, dessen Mutter früh gestorben ist und dessen Vater und Onkel ihn zum Frauenhasser erzogen und von Arzt zu Arzt schleppen, entkommt und erkennt seine Nonbinärität. So geht er, nachdem er einen Schuh verloren hat und am Bein verletzt wurde, schließlich noch einmal in das Zimmer der toten Klara Opitz, zieht ihre Keider an, entnimmt ihren Paß und entschwindet als sie, in die Zukunft, die, wie wir wissen, keine allzu rosige sein wird.

Ich habe den “Zauberberg” wie ich schon geschrieben habe, als Studentin gelesen und kann mich da nur mehr an den Herrn Settembrini, dem Schriftsteller erinnern, dessen Roman in seinen Zimmer lag, das von der Haushälterin, verächtlich “interessant” genannt wurde und der Hans Castorp hat sich, glaube ich, deshalb nach Davos zurückgeogen, um den ersten Weltkrieg zu entgehen. Zumindest bleibt er sieben Jhre dort.

Hier ist es anders und ich muß gleich sagen, das Buch hat mir sehr gefallen, obwohl ich Anfangs nicht ganz sicher war, ob es für eine Nobelpreisträgerin nicht vielleicht zu flach oder sogar zu kitschig wäre?

Ist es wahrscheinlich nicht, sondern eine hintergründige Abarbeitung mit den Krisen unserer Zeit mit der Klimakatastrophe oder ob man köstliches Gulasch essen soll, wenn man erfährt, daß die Kaninchen mit einem Schuß vorher so erschreckt wurden, daß sie an einem Herzinfark starben, so daß ihr Herz besonders blutig wurde und die jetzt so aktuelle Genderfrage oder die wieviel Geschlechter es nun gibt, wurde in eine Schauergeschichte gepackt, sehr listig und hintergründig verarbeitet.

Was der Herr Weininer und seine seltsame Ansichten über die Frauen des neunzehnten Jahrhunderts damit zu tun hat, habe ich nicht verstanden, denn es ist, obwohl es in einem schlesischen Kurort des Jahres 1913 spielt ein sehr aktuelles Buch.

Und um nicht zu vergessen, das Buch hat mich zweimal an Raphaela Edelbauer erinnert. Erstens an ihr “Flüssiges Land” und dann auch an die “Imkommensurablen”, das ja auch einen eher unverständlichen Titel hat und sich auf die vor erste Weltkriegzeit bezieht.

Schneewittchen und der kopflose Kurator

Als wir während wir auf unserer Main-Radreise in Schweinsfurth waren, habe ich mir beim “Hugendubel” fünf Bücher aus einer Ein-Euro-Abverkaufkiste gezogen.

Eines war Christian Saehrendts “Schneewittchen und der kopflose Kurator”, das ich mir kaufte, weil ich auf die Schneewittchen-Stadt Löhr, auf die mich der Andreas H. in Leipzig aufmerksam machte, neugierig war.

Inzwischen waren wir in Löhr und in Hanau. Ich habe über die Grimmsche Märchenstraße ein bißchen gegoogelt und die “Verwandelten” ausgelesen, dann mir das PDF der “Zwei und vierzigjährigen Äffin” vorgenommen und gedacht “Jetzt brauche ich was, das ich auf der Bahnfahrt von Mainz nach Wien lesen kann!” und habe mich für den “Reisefühhrer für Documenta-Besucher, Romantiker und Horrorfans” entschieden, denn in dem Buch geht es um die “vierzehnte Documenta”, die prominente Kunstmesse, die 2017 in Kassel stattfand und der 1968 dort geborene Kunsthistoriker Christian Saehrendt hat dafür sein 2016 erschienenes “Ist das Kunst oder kann das weg?” neue überarbeitet, was bei mir einige Fragen aufwarf, die auch nach dem Lesen nicht ganz beantwortet wurden, obwohl das Buch interessante Aufschlüße gab und ich ja mehr an den Grimmschen-Märchen, als an der “Documenta”, auf der ich noch nie war, interessiert bin.

Daß Kassel in Hessen, wie Frankfurt und Hanau, liegt, habe ich mitbekommen und Christian Saehrendt versucht, wenn ich es recht verstanden habe, die Grimmsche Märchenwelt in die “Documenta” zu integrieren, was sicher ein interessanter Ansatz ist, wenn ich mich als “Documenta-Besucherin” in das Buch einlese und denke “Aha, das “Schneewittchen” gibt es auch!”

Bei mir ist es umgekehrt. Es gibt die Grimmschen Märchen, die von den in Hanau geborenen Brüder Grimm gesammelt wurden und dann noch die “Documenta”, die offenbar seit den Fünfzigerjahren alle fünf Jahre stattfindet und vielleicht komme ich mal hin, das wäre interessant.

Und nun zu den einzelnen Kapiteln, die mit dem “Hessenland, Märchenland, Heimatland des Horrors” beginnen.

Da bestätigt Christian Saehrendt etwas, was ich mir in Lohr auch dachte, als ich den Touristenführer las, daß sich da einige Orte, die Märchen an sich gerissen haben und sich als den Entstehungsort betrachten. Da gibt es beim “Schneewittchen”, die kleinwüchsigen Bergarbeiter, also Knder, die zur Bergarbeit gezwungen wurden und sich nicht recht entwickeln konnten und dann macht es Christian Saehrendt noch besonders makaber und kommt auf den Horror, denn in Hessen gibt es offenbar viele Orte mit seltsamen Namen wie “Machtlos,” “Starklos”, Sterbfrtz”, “Eiterhagen”, “Eiterfeld”, “Wüstenfeld”, etcetera und dann kommt er zu den Leichen oder den Totenköpfen, die in dieser Gegen schon gefunden wurden und macht den Rückschluß auf die Sagen und Märchen der Gegend.

Es gibt den “Kannibalen von Rotenburg” und die Nazis, die die Autobahn bauten, auf der man nach Kassel kommt. Da sind wir schon beim zweiten Kapitel “Auf der deutschen Märchenstrasse in die Documenta-Stadt”.

Das dritte und viertel Kapitel geben einen kleinen Abriss in die Geschichte von Kassel aus der der Autor ja stammt und dann kommt das umfangreichste Kapitel, das eine Einführung in die schon stattgefundenen “Documentas” gibt, die nach dem Krieg in die kriegszerstörte Kleinstadt, eine der größten experimentellen Kunstmessen brachte, wo Joseph Beuys, Keith Haring und so weiter, ihre Werke ausstellten.

Dazu kommen die Geschichten von den Putzfrauen, die, die Werke für Müll hielten und entsorgten oder die, der Besucher die riefen “Mein kleiner Fritz kann das auch!” und Bilder von Wehrwölfen, einem Schneewittchen und vielen Ausstellungsstücken, sowie einen Anhang gibt es ebenfalls.

Ein interessantes Buch und ein interessanter Rundumschlag von der Märchenstraße zu der zeitgenössischen Kunstmesse in einer offenbar eher kleinen Stadt und ich bin, kann ich anmerken, mit dem “Reiseführer” gut nach Hause gekommen. Kann damit meine Main-Reise abrunden und wieder zu meiner üblichen Leseliste zurückkehren.

Wie das mit dem “Kopflosen Kurator” gemeint ist, habe ich zwar nicht verstanden, aber Christian Saehrendt wird sich schon was dazu gedacht haben.

Die zwei und vierzig jährige Äffin oder das vermaladeiteste Märchen unter der Sonne

Jetzt kommt am Ende unser Main-Radfahrt eine Rarität und ein weiterer Fund und Neuauflage aus dem Verlag “Das kulturelle Gedächtnis”, der mir ja seit einiger Zeit, sowohl als Print, als auch Digital seine Werke schickt, von denen ich einige gelesen habe.

Kurz vor Leipzig ,habe ich wieder zwei PDFs bekommen, die ich weil mein Computer ja kaputt wurde, gar nicht so richtig speichern konnte.

In Leipzig habe ich den Stand besucht und mit einem Herrn dort kurz gesprochen, der mich auf dieses oder war es das andere Buch auch aufmerksam machte. Kurz bevor wir nach Bamberg fuhren, habe ich mir die beiden Bücher angeschaut ,und mich jetzt, da ich die “Verwandelten” ausgelesen habe, für das Buch des 1773 in Pleß geborenen und 1844 in Breslau verstorbenen Michael Kosmeli entschieden, der vierzehn Bücher geschrieben hat, viele Reisen machte und dann auch den erotischen Roman mit dem skurillen Titel, dem man jetzt auch politische Inkorrektness unterstellen könnte, aber 1800, als das Buch anonym erschienen ist, war das vielleicht anders oder auch nicht, da das Buch verboten wurde und jetzt von Dirk Sangmeister, der auch das Nachwort geschrieben hat, herausgegeben wurde.

Vielleicht habe ich mich für das Buch engtschieden, weil es das kürzeste ist, vielleicht auch wegen dem Untertitel Märchen, weil ich mich ja in Lohr und in Hanau auf der deutschen Märchenstraße befunden habe, obwohl das auch ein Fake ist, denn ein Märchen ist der Lebensbericht der femme fatale aus Äthiopien eigentlich nichg oder doch?

Im achtzehnten Jahrhundert war der fiktive Lebenbericht einer farbigen Schönen, die die Männer verachtete und ausnahm, in den Selbstmord trieb und sich mit ihrer Kammerjungfer vergnügte, was sie auch in fünfzig Kapitel einen Grafen schilder, ein wenig märchenhaft. Deshalb gibt es auch den Fake einer arabischen Übersetzung und diese femme fatale ist auch sehr gebildet, reist in der Welt herum. Kommt nach Wien, Berlin und auch nach Schlesien oder auch wieder nicht. Denn dort sprechen die Leute, wie das femme launig anmerkt, “sowohl schlecht Deutsch als auch Polnisch.”

Sie geht in die Oper und ins Burgtheater, gibt Soireen und andere Essen in denen sie sich mit den Größten un Mächtigsten vergnügt und am Schluß zieht sie sich mit ihren zwei Kindern und dem ererbten Vermögen nach Dresden zurück, um ihre Memoiren zu schreiben.

Ein interessanter Fund könnte man so sagen oder auch, was es alles gibt und uns der Verlag “Des kulturelles Gedächtnis” ins Bewußtsein ruft.

Die Verwandelten

Beim dritten Belletristik-Buch der Leipziger Nominierungen, das ich in Leipzig begonnen habe, habe ich ein bis zwei Wochen gebraucht. Beim vierten, Ulrike Draesners “Die Verwandelten”, am Hauptbahnhof begonnen, in Hanau ,beendet fast vierzehn Tage und in dem Buch ist es auch um eine Reise in die Vergangenheit in einen anderen Teils Deutschland ,das bis nach Polen führt oder auch dort beginnt, gegangen.

Ein Jahrhundertroman und wieder einer, der den Krieg und seine Verwirrungen aufarbeitet. Dem sechshundert Seiten Buch ist ein kleines Heftchen mit einem Interview mit der 1962 in München Geborenen, die schon mehrere solche Bücher geschrieben hat, beigelegt, wo die Autorin sagt, daß sie mit dem Buch, an dem sie wahrscheinlich auch sehr lang gearbeitet hat, den Verstummten eine Stimme geben wollte und ich habe schon sehr viele Bücher über den Holocaust, den Krieg, Lebensborn und und und gelesen.

Habe die Vergangenheit begierig in mch aufgesaugt, als der Alfred schon sagte, daß er nichts mehr davon hören will.

Damals habe ich das nicht verstanden, jetzt denke ich, daß man sich auch mit der Gegenwart, die in die Zukunft führt, beschäftigen sollte, also die Fragen beantworten, wieso durch Corona, plötzlich alle als rechts gelten, die die Maßnahmen kritisierten sind und, daß ich wissen will, wieso es dazu gekommen ist, als mich wieder mit einem Lebensborn-Schicksal zu beschäftigen.

Aber darum geht es nicht wirklich oder auf eine andere Art, denn Ulrike Draesner hat sich zwei Familien vorgenommen, eine schlesische und eine stramme Deutsche und da haben zwei Frauen durch den Krieg eine neue Identität und andere Namen bekommen und weil es schon so viele Bücher zu diesem Thema gibt, hat es Ulrike Draesner wahrscheinlich auch so kompliziert gemacht, daß die Amazon-Rezenenten wissen wollten, wer das Buch wohl zu Ende gelesen hat?

Ulrike Draesner springt chronologisch durcheinander. Von vorn nach hinten und wieder zurück. Schreibt eigentlich mehrere Romane in einen und fügt damit man das Ganze vielleicht doch verstehen kann, ein Personenverzeichnis und eines der schlesischen Ausdrücke an.

Es gibt auch immer wieder “Gesänge der gezwungenen Kinder”, wo Wörter durchgestrichen sind. Wortschöpfungen und eine sehr kunstvolle Sprache gibt es auch und sehr schöne Kapitelüberschriften wie “Das 21. Jahrhundert schaaut aus der Wäsche” mit denen die zwei Familiengeschichten beschrieben werden, gibt es auch.

Es beginnt mit Kinga, die hat kein Geburtsdatum angegeben, dürfte aber, wie Ulrike Dreasner in den Sechzigern geboren sein, Ulrike Draesner nennt ihre Generation “Nebelkinder”, weil die Eltern ihren Kindern nicht viel von ihren Kriegserlebnissen erzählten, die ist Anwältin, geschieden und hat ein dunkelhäutiges Adoptivkind namens Flummy. Ihre Mutter Allissa oder Gerhild ist vor kurzem gestorben und hat ihr eine Wohnung in Brelau vererbt. So reist sie dorthin, um auch einen Vortrag über den Lebensborn zu halten, lernt dort ihre Cousine Doro kennen und die Geschichte beginnt.

Denn da gibt es zwei Familien, die Valerius und die Schücking. Else Valerius ,1902 geboren ,ist in Breslau mit dem dortigen Theaterdirektor und Shakespearre-Fan Marolf verheiratet. Der hat aber ein Verhältnis mit der Köchin Adele, 1911 geboren, die eigentlich Seefahrerin werden wollte und bekommt das Kind Alissa von ihm, das sie im “Lebensborn” zur Welt bringt, dann aber mit ihm wieder nach Brelau zurückkehrt und Else und Marulf haben auch ein Kind, Reni, das sich später Walla nennt und als es Else reicht, bringt sie die kleine Lissi wieder zum “Lebensborn” zurück, wo sie von dem Anwalt Gerd Schücking und seiner Frau Gerda, die schon ein Kind verloren haben, adoptiert wird. Sie nennen die kleine Alissa Gerhild und Gerda ist eine Art Johanna Haarer und reist “Mit der deutschen Mutter und ihrem ersten Kind” durch Deutschland und hält Vorträge darüber. Das passierte in den Vierzigerjahren.

Als der Krieg vorbei ist, werden Else und Marolf nach Deutschland deportiert. Reni soll mitkommen, weigert sich aber, nimmt unter den Namen Walla eine polnische Identität an, wird Krankenschwester, verheiratet sich zweimal und hat vier Kinder. Eines ist die schon erwähnte Doro, Kingas Cousine also, die in Hamburg Logopädin ist.

Kompliziert genug? Ich habe versucht die sechshundert Seiten zusammenzufassen und habe Ulrike Draesner ja schon in Wien gemeinsam mit Clemens J. Setz ,der ja auch auf der BelletristikListe stand, gehört und wieder einmal ein Jahrhundert durchstreift, das ich zur Hälte auch, wenn auch in Wien, erlebte.

Die Cousinen

Jetzt kommt das Siegerbuch der Übersetzungssparte des “Leipziger Buchpreises”, Aurora Venturinis “Die Cousinen”, das für mich genauso eine Überraschung war, wie “Die Vögel” und der “Saal von Alastano”.

Das heißt, den Preis hat natürlich die 1981 geborene Johanna Schwiering bekmmen und da finde ich es auch schwierig zu unterscheiden, ob die Qualität des Buches, der Übersetzerin oder der 2015 verstorbenen argentinischen Schriftstellerin zu verdanken ist?

Denn das Buch, das in den Neunzehnhundertvierzigerjahren spielt, überraschte mich durch seine frische Sprache und seine Themenwahl.

Da wird von “Minderbemittelungen” und Behinderungen gesprochen und das ist ein Sprachschatz, der wahrscheinlich eher dem einundzwanzigsten Jahrhundert zuzuordnen ist.

Vielleicht hat es Aurora Venturini also anders genannt, das Buch bleibt trotzdem eine Überrascchung und das Beste, das ich bisher von dieser Liste gelesen habe, denn es führt in das Leben von Frauen in der argentinischen Unterschicht und da kann man dem Buch verschiede Lesarten geben und am Anfang hatte ich fast den Eindruck, es wäre ein Jugendbuch, aber das ist es wahrscheinlich nicht.

Da ist also Yuna Lopez, die am Anfang dreizehn oder vierzehn ist. Sie hat eine behindert Schwester namens Betina, die im Rollstuhl sitzt, gewaschen und gewickelt werden muß. die Mutter ist Lehrerin mit dem Rohrstaberl. Der Vater ist verschwunden und Yuna selbst ist oder hält sich für minderbemittelt. Besucht auch eine solche Schule und hat Sprachschwierigkeiten, so daß sie sich alle Wörter zusammensuchen muß.

Sie hat aber ein Talent, das sie aus dem Elend heraushebt, nämlich das Malen und da gibt es einen Professor, der sie fördert und auf die Kunsthochschule bringt. Er lädt sich aber auch zu ihr nach Hause ein und hilft der Haushälterin beim Kochen.

Dann gibt es die Großmutter, die Tante Nene, die Tante Ingrazia und die hat zwei Töchter Carina und Petra, das sind also die Cousinen. Und die kleinwüchsige Cousie Petra, die später dem ältesten Gewerbe der Welt nachgeht, führt die naive Yuna, die alles im Wörterbuch nachschlägt, auch in das Leben ein.

Da gibt es das Wort “Oralex”, das sie dort nicht findet und Petra erklärt ihr, das hieße “Oralsex” und ist die Methode, daß die armen Mädchen nicht schwanger werden können und später ihr Leben durch eine Abrtreibung verlieren.

Denn genau das ist ihrer Schwester Carina passiert. Deshalb mußte auch der Gemüsehändler, der sie verführte, sein Leben lassen und dann wächst, während der Professor viel im Haus ist und auch mit Betina spazieren fährt, plötzlich deren Bauch und die beiden Cousinen zwingen ihm Betina zu heiraten, deren Kind dann während der Geburt verstirbt.

Die Großmutter, die Mutter, die inzwischen in Pensiongegangen ist und die Tante Nene sind auch verstorben. Das ist fast so, wie bei Nele Pollatschek und Yuna wird mit ihren Bilder berühmter und berühmter. Verschafft sich eine eigene Wohnung in die sie dann mit Petra zieht. Wird sogar des Professors Nachfolgerin an der Akademie, ißt immer auswärts und läßt so ihr Elternhaus mit den ungüstigen Faktoren hinter sich.

Wie geschrieben in einer sehr frischen ungewöhnlichen Sprache ist das geschrieben und ich fragte mich anfangs nach der Lesart und, wie der Roman zu interpretieren ist? Denn sehr realistisch ist es ja nicht, daß ein behindertes Unterschichtmädchen zu einer großen Künstlerin wird.

Aber ein sehr tolles Buch, mit dem die Autorin offenbar erst mit Achtzig Erfolg hatte und das jetzt auf Deutsch erschienen ist und ich wirklich sehr empfehlen kann.

Die grässliche Bescherung in der Via Merulana

Jetzt kommt eine Art Krimi aus den “Wagenbach-Verlag”.

“Die grässliche Bescherung in der Via Merulana” des Carlo Emilio Gadda, der 1893 in Mailand geboren wurde und 1973 in Rom verstorben ist.

Ein Buch, das in den Fünfzigerjahren von Toni Kienlechner übersetzt wurde, in den Sechzigerjahren auf Deutsch erschien und jetzt und das finde ich gut, in der gleichen Übersetzung wiederaufgelegt wurde.

Ein interessantes Buch, das in das faschistische Mussolini Rom der Neunzehnzwanzigerjahre führt und kein klassischer Krimi mit Plot und Spannungsstufen, sondern eher eine Schilderung Roms, seiner Menschen und gesellschaftlichen Zustände dieser Zeit, schildert, die in einer drastischen Sprache geschrieben nicht immer leicht zu lesen und zu verstehen ist und politisch korrekt ist da wahrscheinlich auch nicht sehr viel, aber so war es damals und ist es vielleicht auch noch heute.

Alberto Moravia hat dieses Rom auch beschrieben und ein paar seiner Bücher habe ich auch gelesen und jetzt hinein in die Via Merulana, wo an einem Tag in zwei Häusern Entsetzliches geschieht.

In dem einen wird Schmuck gestohlen in dem anderen die Signora Liliana, die mit einer Nichte dort lebt, ermordet und die, da kommen wir gleich hinein in die Gesellschaftskritik oder das persönliche Unglück, ist kinderlos.

Deshalb holt sie sich immer Nichten mit denen sie das Kinderglück nachvollziehen kann, einen verdächtigen Doktor, der die Leiche, die drastisch beschrieben ist, findet, gibt es auch und einen Kommissar und dann wird nach den Tätern gesucht.

Die Nichten und Näherinnen werden verhört, junge Mädchen, die von ihren Verlobten Schmuck geschekt bekommen und in Kassetten versteckt haben, die sie aus Kästen holen, wo es verdächtig stinkt.

Denn damals war die Unterschicht sehr arm und ungebildet. Die Mädchen wurden ausgebeutet, die Burschen haben sich ihr Glück vielleicht zusammengestohlen und die Mittelschichtfrauen waren vielleicht auch nicht so glücklich und das faschistische Rom, das man, wie in der Einleitung von Anna Vollmer lernen kann, vielleicht noch wiederfinden kann, war auch nicht so ohne und daher lesenswert sich in das Buch einzulesen, wenn es wahrscheinlich auch kein wirklicher Krimi ist, sondern derb und brutal die gesellschaftlichen Zustände schildert.

“Ein reiches Gesellschaftsbild der Stadt Rom zur Zeit Mussolinis, ein intellektuelles und sprachliches Feuerwerk – üppig, barock, ausschweifend. Mit diesem Buch hat sich Carlo Emilio Gadda in die Reihe der grossen modernen Romanautoren von Weltrang geschrieben. In der Übersetzung von Toni Kienlechner, die kongenial zu nennen keine Übertreibung ist.”, steht am Buchrücken.

Aufklärung

Jetzt kommt Buch drei der Belletristikliste des Leipziger Buchpreises, ein Buch das nicht gewonnen hat, obwohl es, weil es in der Stadt Leipzig spielt, eigentlich gut gepasst hatte.

“Aufklärung” von Angela Steidele, die sich mit Luise Gottsched, der Gattin von Johann Christoph Gottsched, des großen Sprachforschers beschäftigt. Ein Buch, das im achtzehnten Jahrhundert spielt, also gut zu dem ersten Sachbuch “Christoph Martin Wieland” passt und das historische Verständnis vertiefen kann.

Erzählt wird das ganze von Dorothea Bach, der ältesten Tochter von Johann Sebastian, dem Thomaskantor und beginnt damit, daß die sich ärgert, daß Johann Christoph Gottsched, die Biografie seiner Frau falsch beschrieben hat.

Also erzählt sie selbst, auf sechshundert Seiten tut sie das und das, wie ist ein bißchen schwer zu verstehen, denn Dorothea Bach springt direkt in ihren Alltag.

Es beginnt im Zimmermannschen Cafe, wo sie die “Gottschedin” kennenlernte und die berühmte “Kaffeekantate” aufgeführt wird und da werden die Liedtexte zitiert und spannend ist auch der heutie Ton mit dem Angela Steidele ins achtzehnte Jahrhundert springt, werden da doch die Frauen Mme Gottschedin oder Jungfer Bachin genannt.

Man sieht, so geht es auch mit dem Gendern und offenbar war man schon im achtzehnten Jahrhundert so weit und spannend finde ich auch, daß es dabei einen Herrn Gugl gibt.

Bachs erste Frau ist gestorben, er ist mit Anna Magdalena, einer Sängerin, die nicht viel älter als Dorothea ist, die unverheiratet blieb, verheiratet und Dorothea ist eine Allroundfrau. Sie kocht, singt, macht Pfefferkuchen, pflanzt Kartoffeln. Kümmert sich um ihre jüngere Geschwister, ist auch bei Geburten dabei und dient der Mme Gottschedin, die offenbar einige Werke ihres Gatten mitgeschrieben hat, als Sekretärin und auf diese Art und Weise erzählt sie sich durch den Alltag des achtzehnten Jahrhunderts und da geht es auch um die Frage, ob Frauen studieren dürfen?

Es gibt die “vernünftigen Tadlerinnen” und dann den siebenjährigen Krieg und den König Friedrich, der die Leipziger in Bedrängnis bringt.

Vater Bach erblindet zuerst und stirbt später, was die Familie, um ihre Wohnung und ihre Einnahmen bringt und wir begegnen den großen Lessing und dem jungen Goethe, die in einen sehr kritischen Licht gesehen werden.

Wir steigen auch in die Musikwelt Bachs ein und lernen die Romane kennen, die damals geschrieben wurden.

Die Mme Zieglerin und Caroline Neuber, die berühmte Theaterindentantin und wenn man sich in dieser Zeit nicht gut auskennt, tut man sich beim Lesen etwas schwer oder läßt sich einfach in die Erzählung hineinfallen. Liest sich durch die damalige Speisekarte und durch die Aufklärer dieser Zeit, staunt über die gelehrten, emanzipierten Frauen, die es damals gab, obwohl das wahrscheinlich nur einer bestimmten Schicht vorbehalten war. Waren die meisten Frauen damals doch eher analphabetische Dienstmädchen oder Ehegattinnen, die im Kindbett starben.

Ich finde es aber spannend nach dem Wieland-Buch mich in die Welt Bachs, Gottscheds, Lessings, etcetera, einzulesen und fand den modernen Ton, den Angela Steidele, die schon öfter Biografien geschrieben hat, verwendet hat, spannend, obwohl höchstwahrscheinlich nicht alles genauso war, weil Angela Steidele ja den Blick des einundzwanzigsten Jahrhunderts in ihre Erzählung mischt.

Weil ich das Buch in Leipzig zu lesen angefangen habe, hätte ich es mir als Gewinnerbuch gewünscht und bin gespannt, was ich noch alles über diese Zeit lesen werde, während ich derzeit mit meiner Bücherliste weitermache und da stehen jetzt einige dicke Bücher auf der Liste und weil die Zeit in der ich es gelesen habe, veranstaltungstechnisch recht intensiv war, habe ich eineinhalb Wochen zum Lesen gebraucht.