Begabte Bäume

Buch vier der Öst die ich ja heuer größtenteils vor der dBp lese, ist wahrscheinlich das künstlerisch anspruchsvolle Außerseiterbuch. Auf der Öst gibt es ja zum Gegensatz zum deutschen Buchpreis nicht nur Romane, sondern auch Essays, Lyrik, etcetera und heuer pünktlich oder besser etwas verspätet zum achtzigsten Geburtstag Bodo Hells “Begabte Bäume” aus dem kleinen aber feinen “Droschl-Verlag” und der im März 1943 in Salzburg geborene und in Wien bzw. auf einer Alm in Dachsteinnäche lebende Bodo Hell ist sicher ein Doyen der österreichichen experimentellen Gegenwartsliteratur. Ein Weggefährte Friederike Mayröckers könnte man so sagen, aktiv in der “Schule für Dichtung und der “Hochschule für Sprachkunst”, wo es, glaube ich, eigene Dachstein-Klassen gab.

Gelesen habe ich noch nichts von ihm, habe ihn aber, der sogar beim “Bachmann-Preis” gewonnen hat, bei verschiedenen Veranstaltungen gesehen, der mit seinem Käppchen und seiner Maultrommel nicht zu übersehen ist und jetzt hinein in das “Baumalphabet” zu dem Linda Wolfsgruber schöne Illustrationen geliefert hat.

So beginnt es mit dem “Ahorn”, mit dessen Saft man sich ja sein Müsli süßen und es als Zuckerersatz nützen kann. In Dachsteinähe gibt es wahrscheinlich einen Ahornkar und einen Ahornsee und da sind wir während wir uns mit Bodo Hell auf eine Bergtour machen, auch schon bei den Sagen über die er uns Auskunft gibt.

Dann gehts zum “Baum der Erkenntnis” , der nach jüdischer Auffassung ein Weinstock war. Hier werden Adam und Eva und auch Noah zitiert, sowie aus der Bibel “Ich bin der Weinstock ihr seid die Reben” und Mystikerinnen, wie Mechthild von Magdeburg, Teresa von Avila und die berühmte Hildegard von Bingen werden auch zitiert. Aber auch der griechische Gott Dionysos und der Winzer Ikarios haben sich mit dem Weinstock und den Reben beschäftigt, so daß man nur “Prost, wohl bekomms!”, sagen kann, bevor es mit der “Berberitze” weitergeht, die sowohl für den usbekischen Pilaw als auch für iranische Reisgerichte verwendet wird.

Dann kommen wir schon zur “Birke”:, Hänge-Zwerg-Sumpf und niedrige schwarze vor allem aber weiße Birke” und ein “Bretterzeilengedicht” in der berühmten Hellschen Tonart gibt es auch:” (der Wald) sehr warm kühl kalt, Sumpfwald, Jungwald, Gemeindewald, Hegewald”, etcetera, wo sich Hell in verschiedenen graphischen Ausformungen mit diesem Thema beschäftigt und dann kommen wir über die “Rotbuche” für mich natürlich besonders interessant, zum “Von Bäumen zerissenen Corona”: “Donna Belladonna Madonna Primadonna Corona, die hl. Corona ist traditionell die fürs Geld und für den Lottogewinn zuständige Fürbittergestalt”, das haben wir in den Pandemiezeiten zwar anders serviert bekommen, es ist aber sicher heilsam mit der Hellschen Diktion in die Poesie abzugleiten.

Von der “Eibe” und der “Eiche” geht es dann zum Erzherzog Johann, der ja auch in der Dachsteinregion residierte und seine Nannerl heiratete, sicher auch ein wichtiger Punkt in der Naturbetrachtung und im historischen Geschehen.

Das (weibliche) “Hollerauge” gibt es auch und da kommen wir ins Pielachtal und an die Traisen, wo ich ja fast zu Hause bin, beziehungsweise radfahre und dann zum Holz, zum Holzfällen, aber nicht zu Thomas Bernhard, sondern zu den Unfällen vor denen mn sich schützen muß, um nicht verletzt zu werden und dann natürlich zur “Holzverarbeitung”.

Dann beschäftigt Hell sich mit der “Huderpfanne Badewanne” beziehungsweise mit der “Auerhahnbalz”, die Ende April in der Weststeiermark stattfindet und wir kommen schon zu einer anderen Weggefährtin, nämlich der 2016 verstorbenen Ilse Aichinger, die mit ihrem Mann Günther und Sohn Clemens und Tochter Miriam jahrelang in der Villa Cioppi-Puhr in Großmain lebte. Da gibt es den vier Seiten langen Text “In das Land Salzburg ziehen” und andere Veröffentlichungen, die Hell zitiert und sicher lesenswert sind und dann kann man sich mit den Wortschöpfungen, die von der Natur zu der Kultur hinüberziehen bechäftigen: PFERDENATUR, AUSNAHMENATUR, FROSCHNATUR, etcetera bis zur REPARATUR, ABITUR, GARNITUR und von der SPRECHKULTUR zur REINKUTUR und UNKULTUR. Man sieht wie auch in früheren Texten Bode Hell ist ein wahrer Wortsammler und Sprachaktrobat.

Dann gehts zur “Kaiserbuche” am “Haunsberg”, wo es den “Wilden Mann” gab und zu den “Kastienrezepten” von Hildegard von Bingen, die bis ins Tessins reichen.

Aber auch den “Waldkauz in Warteposition” gibt es: “Schutz,Schmutz, Nichtsnutz, Aufputz, Liegestütz” bis wir dann zur “Kiefer” kommen.

Aber auch den “Kümmernis-Kommentar” gibt es bei den K-Worten und das “Kümmernis-Lied”: “o hl. Frau Kümmernis wie schön gewandet stehtst du da/ samt deinen güldnen Schuhen/ die Hände flach ans Holz gespießt/ hast keine Zeit zum ruhen”, wird da gereimt.

Dann gehts über die “Lärche” aus deren Holz es in der evangelischen Gemeinde Ramsau, einen “lärchernen Brunnentrog” gibt, den schon Martin Luther gesehen hätte können, zur “Latsche” durch die ich mich ja immer kämpfe, wenn ich mit dem Alfred auf den Göller gehe, die auch als Brennholz in diversen Hütten genützt wird und da gibt es Schilder, die die Wanderer bitten, das Holz hinaufzutragen: “BITT KNÜTT HÜTT” steht da besipielsweise geschrieben, ob da vielleicht Ernst Jandl unterwegs war, will Bodo Hell wissen.

Die “Linde” gibt es auch. Sprich Gerlinde, Herlinde, Sieglinde, aber auch die Linde Waber eine Künstlerin aus Zwettl, die glaube ich auch GAV-Mitglied ist und natürlich auch die, unter der Franz Schubert vielleicht einmal “Am Brunnen vor dem Tore” komponierte. “Linde tröstet Schubert” schreibt dazu Bodo Hell.

“Mammutbäume” gibt es in Göttweig und im Innviertel den “Sauwald”. Da gibts die “Sauwald-Erdäpfel”, das “Inntönefestival” und die “Sauwald-Bilder”.

Dann gehts zum “Tannenbaum” wo sich Hell fragt, woher die “Blätter” stammen, der auch ein “Vierundzwanzig Gräben-Räsel” anzubieten hat.

Es gibt die “Ulme” und das “Walcholder-Zweiglein”, die Weide” und dann, bevor wir zum Zirbenschnaps und dessen Rezeptur kommen, natürlich den “Wienerwald” beziehungsweise aus den “Geschichten” daraus. Das Sozialdrama von Ödon von Horvath aus den Neunzehndreißigerjahren und sein Autor kann ich oder Bodo Hell noch anmerken, von einem Ast auf der Champ d`Elysse erschlagen wurde.

Und so sind wir durch durch das Alphabet der “Begabten Bäume”, ein interessantes Buch in dem man in der Hellschen schönen Sprache viel über die Natur und die wahrscheinlich ebenfalls begabten experimentellen Dichter und Dichterinnen dieses Landes erfährt.

Bin gespannt, ob es auf die Shortlist kommt. Wäre sicher zu empfehlen, den Doyen der experimentellen Gegenwartliteratur ein bißchen in den Mainstream zu bringen.

Wovon wir leben

Jetzt kommt schon Buch drei der österreichischen Longlist, wobei das schon etwas übertrieben ist, denn ich bin zu meinen neunten deutschen Buchpreislesen, da wir ja bis Ende August in Frankreich war, nicht gekommen. Auch da drei Bücher schon vorher gelesen und seither nur den Olah begonnen, denn es waren noch ein paar andere Bücher zu lesen und die österreichische Longlist wurde schon ein paar Tage später bekanntgegeben und diese Bücher früher als die deutschen auf der Netgalley, wo man ja die Bücher im PDF haben kann, zu bekommen.

Also diesmal etwas anderes, diesmal zuerst die Öst und dann erst die deutsche dBp lesen und da gleich, weil mir Susanne Rössler das PDF schickte mit Birgit Birnbachers “Wovon wir leben” begonnen und das ist ein Buch von dem ich schon gehört habe.

Nämlich bei “Buch und Wein” und bei den “O-Tönen” und die 1985 in Schwarzach im Pongau geborene Birigit Birnbacher habe ich durch ihr “Wir ohne Wal”,, ein Erzählband oder Roman der mich durch seine wechselnden Perspektiven überfordert hat, kennengelernt.

2019 hat sie mit der Erzählung “Der Schrank” gewonnen, da wurde dann auch darüber gesprochen, daß die Erzählerin Soziloogin und Sozialarbeiterin ist oder war und in der Corona -Zeit ist der zweite Roman “Ich an meiner Seite”, wo es um einen straffällig gewordenen Jugendlichen geht, erschienen, den habe ich auch bei den “O-Tönen ” hinten stehen oder sitzend gehört und auf der Longlist ist er auch gestanden.

Also von dem Buch und der etwas schnippischen Art , wie Birgit Birnbacher im MQ Klaus Kastberger konterte, voreingenommen und jetzt bin ich etwas ratlos, denn es passiert in dem eigentlich eher schmalen Buch sehr viel, aber da ist jetzt nicht die kunstvolle Sprache, wie meistens, wenn ich das schreibe, gemeint, sondern der Inhalt, der ein sehr sehr realistischer, wenn auch sehr widersprüchiger ist und dann auch wieder surrealistische Elemente hat.

Das Ganze spielt im Innergebirg, wo Thomas Bernhard, glaube ich, auch eine Anspielung seinen “Frost” geschrieben hat oder davon inspiriert wurde und die Heldin ist Julia Noch, eine Krankenschwester, achtunddreißig Jahre alt, die aus dem Innergebirg geflohen und, als Krankenschwester in die Stadt gegangen ist, ein Beruf, den sie vielleicht auch nicht ganz freiwillig wählte, weil das Pflegen ja die Profession der Frau ist und jetzt wurde sie entlassen und fährt wieder in das Heimatdorf, um sich von der Familie pflegen zu lassen, weil ihr ein Kunstfehler passierte und wieder widersprüchig oder zu dick aufgetragen, sie ist selbst krank.

Leidet an Asthma, hat Atmnot und in den Dorf ist auch nichts in Ordnung. Der Vater in Frühpension, ein Hypochonder, die Mutter hat ihn verlassen und ist nach Sizilien geflüchtet, der Bruder ist durch einen Kunstfehler des betrunkenen Betriebsartzes schon lang ein Pflegfall und die zwei Fabriken haben auch schon zugesperrt, so daß alle Männer entlassen worden und schon des Morgens im Wirtshaus sitzen. Der Wirt ist ein tyrannischer Typ und hat eine Ziege verspielt, die Elise heißt und nun bei einem Anitquar haust und ständig schreit, so daß sich Julia, die kranke Krankenschwester auch um sie kümmern soll?

Man sieht die Metaphernvielfalt, das ist vielleicht auch eine Kritik an dem Buch, daß es zu “perfekt konstruiert wurde” und dann lernt Julia noch den Städter kennen. Der ist auch krank, hatte einen Herzinfrakt und soll sich nun erholen. Er hat für ein Jahr ein Grundgehalt gewonnen, wofür ihn Julia neidisch ist, denn sie weiß nicht, was sie jetzt machen und wie sie weiterleben soll?

Die Freundin Bea, eine Architektin, rät ihr, sich als technische Zeichnerin ausbilden zu lassen und der tyrannische Wirt, der auch aussteigen will, zwingt den Städter um sein Wirtshaus zu spielen und läßt ihm offenbar bewußt gewinnen. Der revnoviert nun das baufällige Haus mit den arbeitslosen Männern. Sie finden dabei ein totes Pferd, der Grund des Schreien der Ziege und der Vater versucht zu verhindern, daß ihm Julia wieder verläßt, in dem er sich am Bein verletzt.

Ein offenes Ende? Wird sie bleiben, wird sie gehen? Die Mutter ist auch zurckgekommen und das Buch bietet auch wirklich Grund über den Sinn des Lebens oder “Wovon wir leben”, ein Titel, den ich anfangs als zu nichtssagend empfand, zu spekulieren oder eigentlich sollten wir es “wofür? nennen.

Denn man kann sich in der Stadt als Krankenschwester, wo man alles dokumentieren muß und zuwenig Zeit hat überfordern, selbst krank werden und Kunstfehler begehen. Man kann auch in das Heimatdorf zurückkehren und seine Erfüllung in der Carearbeit finden. Den Vater pflegen, der Bruder blüht dabei offenbar auch auf und mit dem Städter das Wirtshaus neu aufbauen und alles selbst bestimmen. Geht auch nicht, weil das heute ja als kitschig und als sozial nicht erwünscht gilt und da sind auch noch die Traumen der Kindheit, die eine daran hindern können?

Interessant, interessant, was man alles und dann auch noch in einer sehr realistischen Sprache, was mir ja sehr gefällt, ausdrücken und sich vielleicht auch noch darüber lustig machen kann?

Man kann natürlich auch fragen, wieviel Autobiografisches dabei zu finden ist? Birigit Birnbacher deutet in den Interviews, die ich mir während des Lesens angeschaut habe, einiges an. Sehr widerspüchig, sehr viel Inhalt und eigentlich ein beeindruckendes Buch. Mal sehen, ob es auf die Shortlist kommt? Nachdem was ich bei den Kritikern finde, würde ich es fast vermuten und wäre auch damit einverstanden, obwohl ich ja noch sieben andere Östlist Bücher zu lesen habe.

Die deutsche Shortlist

Es ist soweit, die heurige deutsche kurze Liste wird bekanntgeben und wenn mich jetzt wer gefragt hätte, was steht darauf?, hätte ich noch kurz vorher sagen müßen, ich weiß es nicht, denn ich habe erst drei Bücher der LL ganz gelesen und bin jett gerade bieim Thomas Olah, der auch auf der ÖSt Debut steht und die drei hatte ich schon gelesen, als ich vor vier Wochen mich mit dem Alfred in Bordeaux, als wir dort das Auto in der Victor Hugo Parkarage abgestellt und die berühmte Brücke überquert hatte, in ein Straßencafe setzen, wo wir uns den Cafe allerdings holen hätte müßen und mir die Liste auf Alfreds Handy zeigen ließ. Dann waren wir noch eineinhalb Wochen in Frankreich, so daß ich erst am nächsten Freitag, die Bücher anfragte, da noch etwas zu lesen hatte und am Dienstag darauf wurde schon die österreichische lange Liste bekanntgegeben und die war diesmal überraschend bei der Netgalley, wo man ja digital lesen kann, früher zu bekommen und obwohl mir die Post zwei Sendungen zurückgeschickt hatte, zum Glück waren da auch die “Wagenbachbücher” dabei, die ich schon gelesen habe, war noch einiges zu lesen und da geht es diesmal zuerst durch die Öst, so daß ich zu deren Shortlistverkündiung wahrscheinlich mehr gelesen habe.

Zwei Bücher, die auf beiden Listen stehen, habe ich aber auch im Print bekommen und so werde ich nach dem Olah auch die Teresa Präauer lesen und weil nach der Reise einiges zu erledigen war, bin ich auch verspätet zu den Blogger-Buchpreisempfehlungen gekommen. Die kleinen Filmchen, die die zwanzig Bücher vorstellen, hat es diesmal auf der deutschen Listenseite auch nicht gegeben, aber Sarah von “Uralte Morla” hat dann doch ihre Schätzung abgegeben und den “Papierstau Podcast” gibt es auch.

Was könnte also auf die Shortlist kommen?

Die Terezia Mora vielleicht, die hat zwar schon einmal gewonnen, dann vielleicht der Setz der schon in Leipzig nominiert war, Negazi Öziris “Vatermal” wird oft erwähnt, die Teresa Präauer vielleicht auch oder der Tonio Schachinger wo ich mich schon auf das Lesen freue und und und…

Seien wir gespannt und dann vielleicht auch überrascht, wie das ja meistens so ist.

Und jetzt ist sie da, hurrah, hurrah und gar nicht so schlecht geschätzt_

  1. Terezia Mora “Muna”

2. Negati Öziri “Vatermal”

3. Anne Rabe “Die Möglichkeiten des Glücks”

4. Tonio Schachinger “Endzeitalter”

5. Sylvie Schenk “Maman”

6.Ulrike Sterblich “Drifter”

Und jetzt heißt es lesen, lesen. lesen. Wer macht noch mit und diskutiert mit mir über die Bücher?

Die neue österreichische Longlist

Während die auf die ersten deutschen Longlistbücher” warte, wurde heute die Longlist des “Österreichischen Buchpreises,”, den es seit 2016 gibt, bekannt gegeben und da habe ich mir ausgerechnet, daß die Chance schon vieles gelesen habe, hoch ist, stehen doch schon sechs Österreicher auf der deutschen Liste. Also habe ich gedacht, daß

  1. Birgit Birnbacher “Wovon wir leben”, wo wir bei den O-Tönen waren
  2. Milena Michiko Flasars “Oben Erde, unten Himmel”
  3. Teresa Präauer “Kochen im falschen Jahrhundert”
  4. Clemens J. Setz “Monde vor der Landung”
  5. Raphaela Edelbauer “Die Inkommensurablen”
  6. Marlene Streeruwitz “Tage im Mai”
  7. Sabine Gruber “Die Dauer der Liebe”
  8. Thomas Olah “Doppler”
  9. Tonio Schachinger “Echtzeitalter”
  10. Luca Kieser “Weil da war etwas im Wasser”

stehen könnte und das hätte ich schon gelesen.

Die drei Debuts wären auch noch dabei. Aber da würde mir außer Olah und Kieser nichts einfallen und dann nach meiner ersten Stunde und dem Antrag, den ich geschrieben habe, nachgesehen, was wirklich daraufsteht.

Die Jury besteht heuer aus: Verena Brunner-Loss, Imogena Doderer, Joachim Leitner, Katrin Schumacher, Norbert Christian Wolf und die haben sich für

1.Birgit Birnbacher “Wovon wir leben”

2. Milena Michiko Flasar “Oben Erde,unten Himmel”

3. Susanne Gregor “Wir werden fliegen”

4. Wolf Haas “Eigentum”

5. Maja Haderlap “Nachtfrauen”

6. Bodo Hell “begabte Bäume”

7. Karin Peschka “Dschomba”

8. Teresa Präauer “Kochen im falschen Jahrhundert”

9. Clemens J. Setz “Monde vor der Landung”

10. Christina Walker “Kleine Schule des Fliegens”

Und bei den Debuts:

  1. Arad Dabiri “Drama”
  2. Rhomas Olah “Doppler”
  3. Eva Reisinger “Männer töten”

Sehr schön würde ich sagen und bin eigentlich, wie auch bei der deutschen Liste sehr zufrieden und jetzt auf das Lesen gespannt und neugierig und freue mich auf das Lesen, was, da noch einige andere Rezensionsexemplare auf mich warten, etwas dauern wird. Den Bodo Hell und die Birgit Birnbacher habe ich aber schon als PDFs bekommen und mir das deutsche Lesebüchlein hochgeladen.

Paradise Garden

Jetzt kommt, oh Überraschung, das dritte heurige Longlistbuch, das mir “Diogenes” als Leseexemplar schon vor einiger Zeit zuschickte, aber nicht vor dem dreiundzwanzigsten Achten besprochen werden sollte.

Es vor unserer Frankreichreise zu lesen, ist sich dann nicht ausgeangen. So habe ich es auf unsere Reise mitgenommen und als wir am Freitag, den elften, in Richtung Italien aufgebrochen sind, mitgenommen, was sehr praktisch war, denn in dem Debut, der 1987 geborenen Elena Fischer ist es auch um eine Frankreichreise der vierzehnjährigen Billie gegangen.

Die ist allerdings nie dorthin gekommen, sondern nur an die Nordsee und ich habe eigentlich nicht daran gedacht, daß es auf die Longlist kommen könnte. Auch am zwanzigsten August nicht, als ich gerade den “Frühling in den Bäumen” gelesen habe und überlegte, daß das vielleicht draufstehen konnte, war aber nicht so und “Paradise Garden” ist vielleicht auch diesbezüglich spannend, daß es eigentlich eher ein Jugendbuch ist.

Zumindest ist die Heldin Billie oder Erzsebeth, wie sie eigentlich heißt, vierzehn und noch etwas ist interessant, denn am Tag vor unserer Abreise, waren wir ja bei den “O-Tönen” und da hat Tonio Schachinger sein zweites Buch “Echtzeitalter” vorgestellt, das auch auf der LL steht und da geht es auch um Jugendliche und zwar um solche, die das elitäre Theresianum besuchen. Also Ober- oder Mittelschichtkinder sind. Billie und ihre Mutter gehören eher den sozial schwächeren Schichten an. Zumindest wohnen sie in einer Wohnbausiedlung in schlechten Zustand und schlechten Ruf.

Billie hat aber eine ungewöhnliche Mutter, die eigentlich aus Ungarn stammt. Nicht viel von ihrer Vergangenheit spricht und mit Billie bei einem Quizz im Rundfunk anruft, wo sie einen Geldbetrag gewinnen, worauf sie die Urlaubsreise beschließen.

Denn sie haben ein altes Auto, das eigentlich auch defekt ist, die Beifahrertür klemmt oder muß beim Fahren festgehalten werden. Die Reise wird aber geplant. Eigentlich wollen sie nach Florida. aber dazu reicht das Geld nicht. Velleicht die Nordsee rät der Nachbar Ahmed. Aber das will die Mutter nicht. Billie schon. also nach Frankreich. Es wird alles in das Auto gepackt. Vorher gehen sie noch den teuersten Eisbecher namens “Paradise Garden” essen und Billies Freundin Lea, die von ihrer priveligierten Schule geflogen ist, obwohl sie aus besseren Kreisen stammt, schenkt ihr eine Schwimmflosse.

Dann wird ab er alles anders. Die ungarische Großmutter mit der die Mutter denKontakt abgebrochen hat, taucht plötzlich auf. Behauptet krank zu sein, so daß sie sich untersuchen lassen muß.

Also wird die Reise abgebrochen und die Großmutter zieht in Billies Zimmer ein, die noch ein Problem hat. Sie hat nämich keine Ahnung, wer ihr Vater ist. Die Mutter erzählt auch davon nichts und bei den Untersuchungen kommt nicht sehr viel heraus. Dafür überwirft Billie sich mit Lea, deren <mutter sehr kariativ unterwegs ist. Lea beschwer sich aber über den Gestank in Billies Wohnung, als die Großmutter sie zum Essen eigeladen hat. Billie belauscht das Gespräch und ist empört und zwischen der Großmutter und der Mutter kommt es auch zu einem Streit, weil Billie gesehen hat, daß die Großmutter ihre Tabletten nicht schluckt, sondern weggeworfen hat.

Die greift daraufhin Billie an. Die Mutter verteidigt sie. Rutsch unglücklich aus und stirbt dabei. Das erfährt man gleich am Anfang. Billie kommt vorübergehend in eine Jugendwohngemeinschaft, weil sie nicht zu Lea ziehen will.

Die Großmutter wird aber aus der Untersuchungshaft entlassen, so daß sie sich um Billie weiter kümmert wird. Es kommt zu einer vorsichtigen Annäherung zwischen den Beiden. Als aber die Schule wieder beginnt und sie Billie nach Ungarn mitnehmen will, rückt die aus. Denn sie hat inzwischen ein Foto ihres Vaters in den Sachen der Mutter gefunden und einen Hinweis auf die Nordssee, worüber die Mutter nicht sprechen wollte, gibt es auch. So rückt sie aus und fährt mit dem kaputten Auto dorthin. Zwischendurch klaut sie einen Schlafsack, damit sie in der Nacht, wenn sie im Auto schläft, nicht so friert.

Das finde ich ein wenig unglaubwürdig und überzogen, daß die Polizei nicht auf die Vierzehnjähbrige mit dem kaputten Auto aufmerksam wird. Dagegen fand ich die Stellen mit dem Jugendamt sehr realistisch erzählt.

Billie findet dann einen Mann, der ihr Vater sein könnte oder mit dem die Mutter, als sie an der Nordsee Deutsch lernte, zwei Jahre zusammenlebte, bevor sie ihn verlassen hat.

Erist aber, um die Spannung noch einmal zu steigern nicht. Billie hat sich aber mit ihm an angefreundet und hilft ihm bei den Pferden und eine ate Lehrerin, wahrscheinlich damit das Jugendamt nicht auftaucht, freundet sich mit dem naturliebenden Nichtvater, bei dem Billie wahrscheinlich bleiben wird, an.

Interessant, spannend ud etwas ungewöhnlich. Auch, daß es gleich auf die Longlist gekommen ist und ich es auf unserer Reise vorwiegend in Österreich und Italien gelesen habe und jetzt können wir noch raten, ob es auch auf die Shortlist kommen wird. Leser wird es, da leicht zu lesen und spannend geschrieben, wahrscheinlich finden.

Die neuen deutschen Buchpreisbücher

Ich habe mich ja eigentlich immer für den deutschen Buchpreis interessiert. Das heißt, die ersten Jahren ist er irgendwie an mir vorbeigegangen und ich habe eigentlich nur das mitbekommen, was ich in den Medien davon gehört habe. Dann habe ich aber zu bloggen angefangen. 2009 versucht an das Buchpreisprobenbüchlein heranzukommen, was in Österreich unmöglich war.

Dann habe ich mit dem Blog von Buzzaldrin darüber diskutiert und 2015, als die zum Buchpreis bloggen begonnen habe, auch mit dem Buchpreislesen angefangen und tue das seither regelmäßig und sehr enthusiastisch und 2016 ist dann noch der österreichische Buchpreis dazubekommen und den Schweizer lese ich seit einigen Jahren auch.

2014 habe ich als wir vom Elsaß azurückgekommen in einer Buchhandlung in Ansbach nach der Liste gefragt und als wir 2018 in der Schweiz waren, bin ich in Bern auf die Liste gekommen und in der Weltbuchhandlung auch Arno Geigers Buchpreisbucho um ein paar Franken bekmmen und heuer waren wir in Frankreich als die Longlist veröffentlicht wurden, wo ich in Bordeaux daraufgekommen bin, daß ich schon drei Büchekr davon gelesen habe.

Raphaelas Edelbauers “Inkommensurablen”, Clemens J Setz “Monde vor der Landung”, weil das auch für den “Leipziger Buchpreis” nominiert war und als wir am elften August losgefahren sind, habe ich gerade Elena Fischers “Paradise Garden” zu lesen angefangen.

Hurrah, hurrah, daß ToniSchachinger “Echtzeitalter” den ich bei den O-Tönen daraus lesen gehört habe, hat mich gefreut und eigentlich hätte ich es auf der Öst erwartet. Dann habe ich noch Teresa Präauers “Kochen im falschen Jahrhundert” bei zwei Lesungen gehört und könnte mich da ein bißchen wundern, daß das als Roman gehandelt wird. Ich hätte es eher als erzählendes Sachbuch eingeschätzt.

Luca Kieser hat mit “Weil da war etwas im Wasser” auf den O-Tönen gelesen, als wir schon in Frankreich waren. Ein Buch, was mich sehr interessiert und dann stehen wieder bekannte Namen, wie Terezia Mora mit ihrem “Munna oder die Hälfte des Lebens” oder Angelika Küssendorf “Risse”, sowie Angelika Overath “Unschärfen der Liebe” darauf.

Sechs Österreicher auf der Liste. Außer den schon erwähnten, kommt noch Kathrin Rögglas “Laufendes Verfahren ” und Thomas Olah “Doppler” dazu, ob Sepp Mall ein Österreicher ist, weiß ich jetzt gar nicht, denn dann würde die Zahl nicht stimmen. Ein Türke ist mit “Vatermal” dabei. Tomer Dotan-Dreyfuß mit einem Buch das den schönen Namen “Birobidschan ” trägt und dann auch noch einiges unbekanntes.

Spannend, spannend, schreibe ich jetzt wieder. Habe die Bücher inzwischen angefragt und besonders spannend, daß ich in Frankreich, als ich mich über die Liste freute, mir wünschte, daß ich vielleicht eines der Bücher auf einen der Campingplätze oder Bücherschränke finden könnte, weill es vielleicht einer der Juruoren oder andererKritiker auf seiner Urlaubsreise dort hineinlegte.

War natürlich nicht so. Aber drei Bücher sind schon eine schöne Zahl und jetzt fängt wieder das große Lesen an und das ist eigentlich etwas was sehr schön ist und man durch Buchpreislesen einen guten Eindruck über das Geschehen im Literaturbetrieb bekommt.

Wieder mal ein Buchpreisgeflüster?

Es ist Anfang August und am zweiundzwanzigsten werden die für den “Deutschen Buchpreis” nominierten zwanzig Bücher bekanntgegeben, am fünften September werden dann die des Öst bekanntgegeben und da lese ich ja seit einigen Jahren begeistert mit, denn wenn auch mein Leseprogramm ab August bis Ende des Jahres festgelegt ist, lernt man sehr viel dabei und zum “Deutschen Buchpreis” bin ich ja durch “Buzzaldrins-Blog” gestoßen, wo einige Blogger 2013 die zwanzig deutschen Bücher gelesen und darüber diskutiert haben. Damals habe ich mich noch nicht getraut, das auch zu machen, 2014 konnte man sich dann melden und ein Buch besprechen, das habe ich bei Charles Lewinsky getan, 2015 gab es dann die offiziellen Buchpreisblogger und dann habe ich mich getraut, die Bücher anzufragen und 2016 kam dann noch der Öst dazu den den Schweizer Buchpreis lese ich seit einigen Jahren auch.

Das regt natürlich zu Spekutlationen an, was auf den Listen stehen könnte und wenn die Bücher bekanntgegeben werden, freut man sich, wenn man schon ein oder zwei davon gelesen hat

Mehr habe ich bisher noch nicht geschafft und natürlicherweise sind die meisten der zwanzig Bücher auch unbekannt, weil ja erst vor kurzem erschienen und in letzter Zeit stehen auch viele Debutanten, Autoren mit Migrations-oder Transerfahrungen darauf.

Oft kennt man die Autoren, weil sie vorher beim “Bachmann-Preis” gelesen haben und so spekuliere ich seit einigen Jahren auch sehr eifrig mit, was diesmal etwas schwierig ist, weil wir erstens zum Zeitüpunkt der Bekanntgabe in Frankreich und da wahrschreinlich ohne Computer sein werden und ich erst Anfang September die Bücher anfragen kann und dann habe ich zwar ein paar österreichische und deutsche Neuerscheinungen gelesen, da ich in letzter Zeit aber weniger Blogs lese und wegen der angekündigten Zwangsgebühr oder eigentlich schon seit den Corona-Zeiten weniger ö1 höre, weil 0e24 TV mehr oder kritischer berichtete, habe ich da vielleicht weniger Ahnung, also lasse ich mich im September überraschen. Kann meinen Lesern aber trotzdem mitteilen, was ich heuer schon an Neuerscheinungen gelesen habe, da wären also

Milena Michiko Flasars “Oben Erde unten Himmel”

Marlene Streeruwitz “Tage im Mai”

Sabine Grubers “Die Dauer der Liebe” habe ich gelesen und richtig, die Ö Töne geben auch einen guten Eindruck, was da auf den beiden Listen zu erwarten ist, da wäre also

Ana Marwans “Verpuppt”, habe ich leider nicht bekommen, also wäre die “Netgalley”, die Gelegenheit das nachzuholen

Theresa Präauers “Kochen im falschen Jahrhundert”

Birgit Birnbachers “Wovon wir leben”, etcetera ein guter Tip, ich habe aber in diesem Jahr noch

Raphaela Edelbauers “Die Inkommensurablen” gelesen

Clemens J. Setzs “Monde vor der Landung” könnte noch draufstehen

Angela Steidels “Aufklärung”

Ulrike Draesners “Die Verwandelten”

Margit Schreiners “Mobilmachung”

Ulrich Woelks “Mittsommertage

Hans Pleschinski “Das Flakon” oder

Eugen Ruges “Pompeji”

Susanne Gregors “Wir werden fliegen”

Norbert Gstreins “Mehr als nur ein Fremder”

Helga Schuberts “Der heutige Tag” etcetera draufstehen.

Mal sehen, wie gut meine subjektive Schätzung den Jurygeschmack trifft und bis es soweit ist, daß ich mich mit den Buchpreisbücher beschäftigen kann, habe ich noch einiges zu lesen. Zum Beispiel Krimis die auf meiner Leseliste stehen, so daß ich fast fürchte, daß ich zu den vorgenommenen französischen Büchern gar nicht kommen werde.

Wer hat Bambi getötet?

Jetzt kommt das letzte Buch der heuer für den Leipziger Buchpreis Nominierten und das fünfte der Übersetzungen, die ich bekommen habe und das Buch der 1961 in Helsingör geborenen Monika Fagerholm “Wer hat Bambi getötet?”, das von Antje Ravic Strubel übersetzt wurde, wurde auch während der “Buch Wien” im Literaturhaus vorgestellt, da habe ich, weil ich da wegen der Wiener Corona Maßnahmen zu Fuß gehen mußte, das Hingehen nicht geschafft.

Jetzt also das Leseerlebnis, des und das ist auch interessant bei “Residenz” erschienene Buch, also Deutschland Österreich und Skandinavien und das Buch ist bezüglich des Themas und der fetzigen Sprache auch sehr spannend, obwoh es, um das, was da auf dem Klappentext steht, nur im Hintergrund geht, beziehungsweise wird die Tatsache, daß das in einem Nobelviertel bei Helsinki in einem Keller vier Jugendliche ein Mädchen vergewaltigt und festgehalten haben, immer wieder wiederholt und in der Zeit auch wild hin und hergesprungen, so daß das Verstehen nicht so einfach ist.

Es beginnt mit einer Emmy, die eigentlich gar nichts damit zu tun hat. Sie arbeitet in einer Tierhandlung und wird im Laufe des Geschehens schwanger.

Sie war, glaube ich, mal mit Gusten Grippen liiert und der ist einer der vier und wurde bei dem Prozeß auch freigesprochen, ist aber nachher in die “Klapse” gekommen, denn er hat das Geschehen angezeigt und die vergewaltigte Sascha ins Krankenhaus gebracht, was der gar nicht so recht war und die auch nur aussagte, daß sie sich an das Ganze, weil zugedröhnt, nicht wirklich erinnern kann.

Später stellt sich heraus es gab Schweigegeldzahlungen, die Gusten offenbar unterbrochen hat und zu Beginn des Buchen ist Gusten siebenundzwanzig und Immobilienmakler. Er kehrt an den Ort des Geschehens zurück, begegnet Emmy und das Gedankenkreisen beginnt.

Gusten und der Hauptvrgewaltiger Nathan waren Freunde beziehuingsweise deren Mütter waren das. Gustens Mutter ist Opernsängerin und gastierte auch in Wien, die von Nathan schon sehr jung eine erfolgreiche Wirtschaftswissenschaftlerin ,die nach Davos, etcetera eingeladen wird.

Da gibt sie ein nterview in einen Pelzmantel, glaube ich oder hat sie den erst später an, als die Ereinisse schon aufgeflogen sind?

Im Interview präsentiert sie sich jedenfalls siegessicher. Nachher verliert sie die Nerven. Sie verliert auch ihre Jobs und stirbt irgendwann an Krebs und Sascha, die auch eine erfolgreiche Schwimmerin ist wird eine erstklassige Schwimmausbildung in Hawai angeboten.

So weit so what. Einen Filmemacher gibt es auch, der Emmy mit einem Kaninchen fotografiert und den Film “Wer hat Bambi getötet?” drehen will und Gusten gewinnt auch ein paar Literaturpreise und Thomas Bernhard , “Ein österreichischer Schriftsteller”, wird auch erwähnt, von dem sich “keine Bücher finden lassen”.

Ein bißchen verrwirrend könnte man sagen und es passiert außer der Vergewaltigung eigentlich sehr viel.

Die Sprache ist fetzig und das Ganze offenbar als Anklage gegen die bessere Gesellschaft zu verstehen und ich habe mir beim Lesen etwas schwer getan, beziehungsweise nicht wirklich das Neue und noch nie da gewesene, was die gute Literatur ja angeblich haben muß, nicht so ganz oder wieder nur als “gekünstlelt” gefunden.

Das Bett mit dem goldenen Bein

Buch vier der Abteilung Übersetzung des Leipziger Buchpreises, da habe ich alle fünf bekommen und muß das letzte noch lesen und erlebe wieder, wie in den letzten Jahren eine Überraschung.

Also merken wir an der “Leipziger Buchpreis” stellt und immer wieder bisher unbekannte Autoren vor und hier haben mir schon die “Cousinen” sehr gut gefallen.

Zigmudns Skujins “Das Bett mit dem goldenen Beinen” aus dem “Mare-Verlag” kann man wahrscheinlich mit Volter Kilpi und Tarjei Vesaas vergleichen und der 1926 in Riga geborene und 2022 verstorene Lette war mir bisher unbekannt.

Der Titel, ich muß es bekennen, hat mich auch eher abgeschreckt. Aber das Cover ist sehr schön und liebevoll gestaltet mit einem Exgtraeinband und es ist wieder ein Jahrhundertroman, aber ein ganz anderer als die “Verwandelten” von Ulrike Draesner. Weniger künstlich kunstvoll gestaltet, würde ich meinen, aber immer mit leichten Schelm begleitet und am Beginn des Buches kann man die Stammtafel der Familie verfolgen, die hier beschrieben wird.

Geht es hier ja um die Vejagals, die in der fiktiven Stadt Zunte zu Hause ist. Da gibt es den Kapitän Noass und seinen Bruder Augusts, der das lettische Feld bestellt und das Ganze, das bis in die Gegenwart hinaufgeht oder besser in die Achtzigerjahre, wo Skujins den sechshundert Seiten Roman mit fünfzig Seiten Anhang, geschrieben hat, gliedert sich in verschiedene Erzählstränge oder Geschichten und im Nachwort, das von Judith Leister geschrieben wurde, kann man erfahren, daß Zigismud Skulijns eigentlich eine kurze Geschichte schreiben wollte, die dann länger und länger geworden ist.

Dieser Noass fährt also zur See und wird mit seinen Kapitänsuniformen mit den goldenen Knöpfen reich dabe, läßt seine Frau Elizabeth in Obhut seines Bruders zurück und die beiden schauen sich an und an und der Sohn Jekabs Ernest sieht seinen Onkel seltsam ähnlich.

Der Vater zwingt ihn dann zur See zu fahren. Sie kommen in ein Unglück hinein. Noass übersteht es, der Sohn bleibt traumatisiert zurück und wird später in den Kriegsfehden, die das Buch begleiten, erschossen.

Es gibt noch zwei Kinder, die aufmüpfige Leontine die fast hundert wird und Eduards, der Revolutionär, der nach Amerika auswandert und als der alte Noass stirbt, vermutet seine Tochter, daß er sein Vermögen in den Bettbeinen versteckt oder sonstwo vergraben hat und läßt jahrelang danach suchen.

Das Vermögen spoilere ich gleich besteht aus den goldenen Knöpfen der Seemannsuniform und Leontine, die jung nach Russland verheiratet wird, kommt später mit ihren Sohn zurück, macht einen Laden auf und fährt sehr alt dann noch nach London um dort zu Beatles zu hören und ihren Sohn in einer Leiche zurückzubringen. Da gibt es übrigens eine Stelle, wo die Großmutter die Enkel fragt, warum sie nur Englisch und nicht nicht Lettisch sprechen und die ihr dann stolz erklären, daß sie diese Sprache nicht brauchen..

Das ist ein sehr interessanter Strang, ein anderer handelt von Vilma, der Bibliothekarin, die im zweiten Weltkrieg den deutschen Willi versteckt und nicht von ihm loskommt und sonst wird geliebt und betrogen, abgetrieben und gestorben, wie das im Leben so ist. Die Stadt wird zuerst von den Russen und dann von den Deutschen überfallen. Später wird das Land in eine <kolchose verwandelt und die fünfhundertfünfzig Seiten schließen im zwanzigsten Kapitel mit dem Satz “Es reicht, wenn man in einem Bett mit goldenem Bein zur Welt kommt.”

Denn das Leben geht weiter, in diesem Fall mit der Geburt des kleinen Kristaps und Nicole Nau , das muß ich noch erwähnen, wurde für ihre Übersetzung aus dem Lettischen für den “Preis der Leipziger Buchmesse” nominiert.

Die Verwandelten

Beim dritten Belletristik-Buch der Leipziger Nominierungen, das ich in Leipzig begonnen habe, habe ich ein bis zwei Wochen gebraucht. Beim vierten, Ulrike Draesners “Die Verwandelten”, am Hauptbahnhof begonnen, in Hanau ,beendet fast vierzehn Tage und in dem Buch ist es auch um eine Reise in die Vergangenheit in einen anderen Teils Deutschland ,das bis nach Polen führt oder auch dort beginnt, gegangen.

Ein Jahrhundertroman und wieder einer, der den Krieg und seine Verwirrungen aufarbeitet. Dem sechshundert Seiten Buch ist ein kleines Heftchen mit einem Interview mit der 1962 in München Geborenen, die schon mehrere solche Bücher geschrieben hat, beigelegt, wo die Autorin sagt, daß sie mit dem Buch, an dem sie wahrscheinlich auch sehr lang gearbeitet hat, den Verstummten eine Stimme geben wollte und ich habe schon sehr viele Bücher über den Holocaust, den Krieg, Lebensborn und und und gelesen.

Habe die Vergangenheit begierig in mch aufgesaugt, als der Alfred schon sagte, daß er nichts mehr davon hören will.

Damals habe ich das nicht verstanden, jetzt denke ich, daß man sich auch mit der Gegenwart, die in die Zukunft führt, beschäftigen sollte, also die Fragen beantworten, wieso durch Corona, plötzlich alle als rechts gelten, die die Maßnahmen kritisierten sind und, daß ich wissen will, wieso es dazu gekommen ist, als mich wieder mit einem Lebensborn-Schicksal zu beschäftigen.

Aber darum geht es nicht wirklich oder auf eine andere Art, denn Ulrike Draesner hat sich zwei Familien vorgenommen, eine schlesische und eine stramme Deutsche und da haben zwei Frauen durch den Krieg eine neue Identität und andere Namen bekommen und weil es schon so viele Bücher zu diesem Thema gibt, hat es Ulrike Draesner wahrscheinlich auch so kompliziert gemacht, daß die Amazon-Rezenenten wissen wollten, wer das Buch wohl zu Ende gelesen hat?

Ulrike Draesner springt chronologisch durcheinander. Von vorn nach hinten und wieder zurück. Schreibt eigentlich mehrere Romane in einen und fügt damit man das Ganze vielleicht doch verstehen kann, ein Personenverzeichnis und eines der schlesischen Ausdrücke an.

Es gibt auch immer wieder “Gesänge der gezwungenen Kinder”, wo Wörter durchgestrichen sind. Wortschöpfungen und eine sehr kunstvolle Sprache gibt es auch und sehr schöne Kapitelüberschriften wie “Das 21. Jahrhundert schaaut aus der Wäsche” mit denen die zwei Familiengeschichten beschrieben werden, gibt es auch.

Es beginnt mit Kinga, die hat kein Geburtsdatum angegeben, dürfte aber, wie Ulrike Dreasner in den Sechzigern geboren sein, Ulrike Draesner nennt ihre Generation “Nebelkinder”, weil die Eltern ihren Kindern nicht viel von ihren Kriegserlebnissen erzählten, die ist Anwältin, geschieden und hat ein dunkelhäutiges Adoptivkind namens Flummy. Ihre Mutter Allissa oder Gerhild ist vor kurzem gestorben und hat ihr eine Wohnung in Brelau vererbt. So reist sie dorthin, um auch einen Vortrag über den Lebensborn zu halten, lernt dort ihre Cousine Doro kennen und die Geschichte beginnt.

Denn da gibt es zwei Familien, die Valerius und die Schücking. Else Valerius ,1902 geboren ,ist in Breslau mit dem dortigen Theaterdirektor und Shakespearre-Fan Marolf verheiratet. Der hat aber ein Verhältnis mit der Köchin Adele, 1911 geboren, die eigentlich Seefahrerin werden wollte und bekommt das Kind Alissa von ihm, das sie im “Lebensborn” zur Welt bringt, dann aber mit ihm wieder nach Brelau zurückkehrt und Else und Marulf haben auch ein Kind, Reni, das sich später Walla nennt und als es Else reicht, bringt sie die kleine Lissi wieder zum “Lebensborn” zurück, wo sie von dem Anwalt Gerd Schücking und seiner Frau Gerda, die schon ein Kind verloren haben, adoptiert wird. Sie nennen die kleine Alissa Gerhild und Gerda ist eine Art Johanna Haarer und reist “Mit der deutschen Mutter und ihrem ersten Kind” durch Deutschland und hält Vorträge darüber. Das passierte in den Vierzigerjahren.

Als der Krieg vorbei ist, werden Else und Marolf nach Deutschland deportiert. Reni soll mitkommen, weigert sich aber, nimmt unter den Namen Walla eine polnische Identität an, wird Krankenschwester, verheiratet sich zweimal und hat vier Kinder. Eines ist die schon erwähnte Doro, Kingas Cousine also, die in Hamburg Logopädin ist.

Kompliziert genug? Ich habe versucht die sechshundert Seiten zusammenzufassen und habe Ulrike Draesner ja schon in Wien gemeinsam mit Clemens J. Setz ,der ja auch auf der BelletristikListe stand, gehört und wieder einmal ein Jahrhundert durchstreift, das ich zur Hälte auch, wenn auch in Wien, erlebte.