Der letzte Abend der Sommerlesetheaterreihe im Weinhaus Sittl war den von H. C. Artmann, übersetzten Villon Balladen gewidmet und interessanterweise hörte ich das am Morgen bei den Kulturhinweisen in Ö1 und als ich den Garten erreichte war es sehr voll und wieder einmal schwierig einen Platz zu finden.
Aber diesmal andere Leute als sonst im Publikum, außer Ottwald John und Thomas Northoff eigentlich keine Leute, die sonst zu den Veranstaltern kommen.
Dafür sind wir an einem Tisch mit einem Schauspieler und einem Kunsthistoriker gesessen, mit denen wir dann später sehr angeregt diskutierten, ob Josef Weinheber ein nationalsozialistischer Dichter war.
Conny Hannes Meyer war da und der 1951 in St. Pölten geborene Schauspieler Erwin Leder, der den Abend alleine mit Heinz Jiras an der “Kwetschn” gestaltete , gab zuerst einen Einblick über das Leben des 1431 in Paris geborenen Francois Villon, den als einen der bedeutensten Dichter des französischen Mittelalters bezeichnete, der ein sehr bewegtes Leben hatte, oft im Gefängnis saß und auch in verschiedene Raufhandel verwickelt war, aber auch viele satirische Gedichte und einige Testamente schrieb, also vielleicht ganz gut als Abschluß zu unserer Frankreichreise und meinen Frankreichleseschwerpunkt passt.
Der 1921 in Wien-Breitensee geborene H. C. Artmann hat diese Balladen 1968 übersetzt beziehungsweise in eine Wienerische Sprache übertragen. Es gibt achtundzwanzig Balladen, die von Erwin Leder von Musik begleitet, gesungen wurden und das Publikum, es war auch ein Kamermann da, sehr begeisterte.
Das betrifft nicht die Tatsache, daß ich wieder nicht beim linken Wort gelesen habe, sondern ist das Thema der heurigen Literatur am Volksstimmefest und die linke Wort Lesung wurde von Arthur West 1975, glaube ich, eingeführt, um die kritische Literatur unter das Volk zu bringen.
1989, als das sozialistische System zusammengebrochen ist und wir gerade von unserer Amerikareise zurückgekommen sind, habe ich dann als Einzelperson aus meinen “Hierarchien”, glaube ich, gelesen und ich kann mich erinnern, daß mich Peter Turrini interessiert fragte, ob das ein Roman wäre?, während Arthur West tapfer versichert hat, daß der Sozialismus nicht gestorben wäre.
“Gern!”, habe ich geantwortet, aber ohne G-Test und Maskenpflicht und ich bin auch im Programm gestanden. Alex Hartl wollte den Text vorher sehen und ich überlegte, was schicke ich hin? Daß die Kickl-Demo vielleicht nicht ganz passend wäre, habe ich schon geahnt und eigentlich wollte ich aus dem “Frühlingserwachen” lesen, habe aber dann im August 2021 gefunden, daß das nicht mehr aktuell ist. Damals habe ich gerade die “Hundert Seiten Depression” korrigiert und eine Szene hingeschickt und ein paar Tage später die Antwort bekommen, daß ich verstehen müße, daß ich das nicht da lesen kann.
“Warum oder drei Fragezeichen!”, habe ich hingemailt und dann noch ein längeres Mail geschrieben und mich auch mit Alex Hartl getroffen, der meinte, die Szene aus dem “Frühlingserwachen” könnte ich lesen, aber es gibt jetzt zwei G. also nicht.
Ich bin aber am Sonntag trotzdem hingegangen und gesehen, daß die Lesung anders geworden ist. Weniger und andere Lesung, nicht mehr die vielen, die in den letzten Jahren aufgetreten sind.
Aber vielleicht im nächsten Jahr habe ich gedacht, denn die Lesung auf dem Fest war mir ja sehr wichtig und eigentlich mein größter öffentlicher Auftritt.
Ist aber nichts daraus geworden, wieder wenige und andere Lesende und im Jänner dieses Jahres habe ich überraschenderweise ein Mail von Alex Hartl erhalten, der mich eingeladen hat, an einer Veranstaltung über Erika Danneberg mitzumachen. Da habe ich ihm dann noch einmal gesagt, daß ich gerne lesen würde und er hat geantwortet, er hätte es verstanden, aber leider leider wieder nichts.
Macht ja nichts oder schon, denn wir waren jetzt ja drei Wochen in Frankreich und sind extra so zurückgekommen, daß es sich mit dem Fest, das auch dem Alfred sehr wichtig ist, ausgeht und als ich kurz vor vier die Sigi Maron-Bühne erreichte, hat mich Alex Hartl freundlich begrüßt und mir den Programmfolder übergeben. Denn der neue Organisator, der sich die Moderation mit Barbara Urbanic teilte, macht es sehr genau. Es gibt ein Motto. Diesmal war es die “Tragik” und an Christa Wolfs Kassandra, die es jetzt vierzig Jahre gibt, wurde auch erinnert, sowie an Erwin Riess, auch ein Stammleser, der ja diesen Frühling gestorben ist.
Gelesen haben am Samstag sieben Autoren und zwei, die aus der “Kassandra” gelesen und die zeitgeschichtlichen Zusammenhänge kommentiert haben.
Begonnen hat es mit Petra Piuk, die, glaube ich, früher schon gelesen hat und die hat, glaub ich, aus “Wenn rot kommt” gelesen.
Der 1979 in NÖ geborene und in Bratislava lebende Martin Just folgte mit einer spannenden Geschichte von einer Physikerin, die plötzlich alle Katzen grün und blau sieht. Eine Melodie aus dem “Schwanensee” spielt dabei auch eine Rolle.
Die 1989 in Wen geborene Mercedes Konrberger war mir bisher auch unbekannt. Sie organisiert Lesungen und brachte einen sehr spannendes Text über eine Frau, die zu einer AMS-Maßnahme verdonnert wurde.
Richard Schuberth war mir dagegen bekannt und hat auch schon früher mit mir gelesen und er brachte einen Text, der mir etwas zu brutal war, nämlich eine Szene aus einem Theaterstück, das sich sehr kritisch mit der Flüchtlingsproblematik auseinandersetzte.
Kurto Wendt hat auch schon am Volksstimmefest gelesen und sein Text war ebenfalls sehr kritisch und beschäftigte sich mit einer Art Dystopie, nämlich mit einer Wahrsagerin, die voraussagte, daß die Welt in viereinhalb Jahren untergeht und was macht man bis dahin?
Wird man sein Leben ändern oder so weitermachen, wie bisher?, war die Frage und ob, die 1983 in Klagenfurt geborgen Elena Messner schon beim “Linken Wort” gelesen hat, weiß ich jetzt gar nicht. Ich habe sie aber vor kurzem bei dieser Literaturhausveranstaltung getroffen und sie hat aus ihren Roman “Schmerzambulanz” gelesen.
Da hat es kurz zu schütten angefangen, aber bald wieder aufgehört, so daß ich mit dem Afred den Rest des Abends beim Kuba-Stand verbracht habe, viele Bekannte darunter auch Robert Misik traf, den der Alfred auf seine 0e24TV-Diskussionen angesprochen hat und wissen wollte, was er damit erreichen will? Er will die Rechten überzeugen und zum Sozialismus führen, war in etwa seine Antwort, etwas was in Zeiten, wo sehr über den Kommunismus geschimpft und vor ihm gewarnt wird, sehr wichtig wäre und morgen geht es dann wieder mit dem Fest weiter.
Am Sonntag ist es dann beim linken Wort mit der 1985 in Wien geborenen Barbara J. Krammer weitergegangen, die mit starker Sprache einen sehr frauenbewegten Text von einer Frau, die keine Kinder will und bis vierzig braucht bis sie endlich die gewünschte Gebärmutteroperation bekommt, vortrug. Ein Text über den man sicher sehr diskutieren kann, von Erika Pavlovsky, die von mir wissen wollte, warum ich nicht gelesen habe, begeistert beurteilt wurde.
Die nächste Leserin war Barbara Eder, die auch schon am Fest gelesen hat und die jetzt in Berlin lebt und ihr Text behandelt das Radio und die Veränderungen, die es dort gegeben hat.
Dann folgte der in Berlin geborene Alexander Keppel, der den Traum eines Mannes beschreibt, der seiner Hochzeit entfliehen will, dann aber doch vom Schwiegervater aufgeweckt, sich dort hinbewegen wird.
Katharina Pressl, die 1992 in Wolfsberg geboren wurden las einen Text mit dem Titel “Tanzende Tiere”, der für das Fest geschrieben wurde und von einer Hanne mit einer Schuppenflechte handelt, die sich in Pension begibt.
Dann kam der mir bisher ebenfalls unbekannte Historiker Anton Tantler, der die Wüsten im Marchfeld beschrieb und die historischen Zusammenhänge erläuterte.
Die 1991 geborene und ebenfalls in Berlin lebende Anna Gien, die beim letzten “Bachmann-Preis” gelesen hat, beschäftigt sich in ihren Texten mit dem weiblichen Körper, las einen Ausschnitt aus ihrem Roman “Paris in Rom”, der mich der an die junge Valerie Fritsch erinnerte.
Simon Angerers Text “Die Kotmaschine” beschäftigte sich auf sehr experimenteller Weise mit den menschlichen Ausscheidungen und Maria Hofer deren zweiter Roman “Arsen” im Oktober in der Hauptbücherei vorgestellt wird, brachte, wie sie sagte, einen Nonsensenstext mit dem spannenden Namen “Wozu braucht man eine Weltraumpolizei?”
Das weiß ich eigentlich auch nicht. Das Thema für das nächste Jahr steht aber auch schon fest und wird “Farce” heißen. Ich bin gespannt und könnte schon einen diesbezüglichen Text schreiben. Jetzt wurden aber die bisherigen Anthologien verschenkt und wir sind auf die Arbeitsweltbühne zur Tina Trampler gegangen, die politische Lieder sang und wir die Ilse Kilic, den Fritz Widhalm, den Andi Pianka und die Eva Schörkhuber getroffen haben.
Dann gab es noch ein Abschlußkonzert auf der Volksstimmefestbühne mit den “Attwengers”, das die Leute sehr begeisterte und am Heimweg haben wir in der Straßenbahn Ljuba Arnautovic getroffen, die von mir wissen wollte, wann die österreichische Buchpreisliste bekanntgegeben wird?
Am Dienstag ist es so weit und jetzt hinein in den literarischen Herbst und das Fest war wieder sehr schön.
Jetzt kommt ein skurriles Leseerlebnis, nämlich Erika Pluhar “Aus Tagebüchern” aus der Reihe “Neue Frau”, in den Siebzigerjahren erschienen und die 1939 in Wien geborene Erika Pluhar, die Burgschauspielerin, hat, glaube ich, nach Ende ihrer Karriere zu schreiben begonnen oder hat das früher schon getan. Die Tagebücher mit den schönen Zeichnungen sicher. Sonst bin ich auf die Autorin aufmerksam geworden, als es eines Tages an der Türe läutete oder ich im Postkästchen ihr “Spätes Tagebuch” gefunden habe. Da habe ich an einem Gewinnspiel teilgenommen und es längst vergessen und später noch das “Ende des Garten” im Schrank gefunden, wo es auch um das autofiktione Schreiben geht, das die Schauspielerin, die in den Siebziger-Achtzigerjahren, um Peter Vogel, Andre Heller, etcetera auch skandalumwittert war, wahrscheinlich mit der letzten Nobelpreisträgerin gemein hat, obwohl es auch erzählende Texte und Romane von ihr gibt, wo ich auch schon einiges gefunden habe und die Reihe “Neue Frau” an die ich damals unser Arbeitskreis-Manuskript “Spuren sichern Gewalt an Frauen- Frauen gegen Gewalt” schickte und von Angela Praesent, der Herausgeberin zu hören bekam, daß ein Expose etwas anderes ist.
Trotzdem habe ich mir die Reihe als frauenbewegte feministischte Frau gekauft, so auch Erika Pluhars “Aus Tagebücher” aber höchst wahrscheinlich nicht gelesen und so habe ich vor einer Woche aufgejauchzt, als in Saint Denis d´ Oleron vor dem kleinen offenen Bücherkästchen stand und da zwei deutschprachige Bücher fand.
“Hast du sie hineingestellt?”, habe ich die Doris gefragt, die den Kopf schüttelte, aber in dem gegenüberliegenden Bücherflohmarkt hat es auch einige deutsche Bücher aus den Siebzigerjahren gegeben und keine Ahnung, daß ich das Buch schon hatte. Ich habe es aber auf der Rückfahrt als ich mit den drei französischen Büchern, wo zwei davon auch noch sehr dünn waren, fertig war, damit begonnen, weil ich mich doch nicht an das Französische trauen wollte und das Buch ist auch sehr interessant. Es gibt schöne Zeichnungen und handschriftliche Notizen und am Buchrücken steht, daß die Autorin “Ihre Tagebücher zur Selbstbewahrung in einem Beruf, der fordert sich den Menschen auszuliefern”, schreibt und das Buch enthält Texte von 1969 und 1980, also eine Zeit, wo ich von der Straßergasse auf die Uni wechselte, Psychologie studierte und im Jänner 1980 promovierte und auch schon Mitglied im “Arbeitskreis schreibender Frauen” war.
In dieser Zeit bin ich auch manchmal ins Burgtheater gegangen und habe da wahrscheinlich auch die Pluhar, wie im Fernsehen gesehen, die sich auch als Sängerin betätigte und sich politisch engagierte.
irgendwo in dem Buch steht etwas von einer “hatscherten bürgerlichen Sozialistin”. Die Angst vor dem Alter kommt vor, damals war die Pluhar dreißig, die Neurosen und die Angst, um ihre Tochter Anna, die inzwischen, glaube ich, gestorben ist. Das “Späte Tagebuch” thematisiert diesen Thema. In dem Ersten geht die Tochter in der Schweiz in die Schule und wenn man an dem Buch etwas kritisieren kann, ist, daß die Anmerkungen fehlen. So wird erzählt, daß sie da und dort mit dem und dem unterwegs war und man weiß nicht recht ist der H. jetzt der Heller und der Franz ist das wahrscheinlich auch.
Also eine sehr intensive Einsichtsnahme in das Gefühlsleben einer ungewöhnlichen Frau, die wahrscheinlich ehrlicher und authentischer sind, als dasm was jetzt wahrscheinlich lektoriert werden würde. Schwer zu verstehen ist es wahrscheinlich für einen, der nicht in Wien lebt und sich daher bei einigen nicht ganz auskennen wird. Aber trotzdem interessant und auch das Leseerlebnis, das Buch 2023 auf der Rückfahrt von Frankreich zu lesen.
Als ich in meinen Buchkatalog sah, daß ich das Buch schon hatte, habe ich von der Doris den Kommentar bekommen, daß es wahrscheinlich nach Österreich zurückwollte.
Jetzt werde ich es also in Wien in den Kasten stellen, wo sich die Finder wahrscheinlich nicht freuen werden, denn Erstens unterstreiche ich ja alles und Zweitens ist das Buch schon sehr alt und daher beim Lesen etwas zerfallen.
Das andere werde ich bei meinen Bücherbergen aber nicht mehr finden. Aber trotzdem interessant, den Werdegang des Buches nachzuvollziehen und jetzt würde ich noch gerne wissen wollen, wer es in Frankreich in den Schrank stellte?
Wieder einmal “Theodor Kramer Preis für das Schreiben im Widerstand und Exil”, den Konstantin Kaiser im Jahr 2001, glaube ich, gegründet hat und der seither Jahr für Jahr vergeben wird. Zuerst haben ihn die im zweiten Weltkrieg vertriebenen Autoren bekommen. Inzwischen werden die Preisträger jünger und seit einigen Jahren findet die Veranstaltung im Pfarrsaal in Niederhollabrunn statt, das ist die Marktgemeinde, wo Theodor Kramer geboren wurde.
Da gab es früher Führungen durch das Geburtshaus, die wurden, weil die Teilnehmer, das wahrscheinlich schon kennen, inzwischen abgeschafft und einen Shuttlebus der die meist Wiener Teilnehmer hinbringt, gibt es auch.
Wir sind heuer mit dem Auto von Harland gekommen und die 1983 in Iwano-Frankiwsk geborene Tanja Maljartschuk. die 2011, der Liebe wegen nach Österreich gekommeen ist, kenne ich schon lang, habe ich doch ihr zweites bei “Residenz” erschienenes Buch “Biografie eines zufälligen Wunders”, gelesen, das sie, glaube ich, auch bei “Buch und Wein” vorstellte.
20018 hat sie den “Bachmann-Preis” bekommen. Ihr Roman über einen ukrainischen Widerstandskämpfer “Blauwal der Erinnerung” habe ich gelesen und heuer hat sie die “Klagenfurter Rede zur Literatur” gehalten und der Ukraine Krieg hat sie, glaube ich, sehr getroffen und scheint sie in ihrem Schreiben zu behindern, wie sie in Klagenfurt thematisierte.
Peter Roessler hat diesmal moderiert. Der Bürgermeister eine kurze Begrüßngsrede gehalten. Musikeinlagen gab es auch und die Laudatio auf Tanja Maljartschuk hat Annemarie Türk gehalten von der Peter Roessler behauptete, daß sie die Autorin am längste kenne.
Ich kenne sie seit 2013, also auch schon ziemlich lang und die Autorin hat sich in ihrer Rede beim Publikum und bei der Jury für den Preis bedankt und am Schluß, was ich sehr spannend fand, das sehr berührende Kramer Gedicht “Wer läutet draußen an der Tür” auf Ukrainisch gelesen.
Es war wieder sehr voll in dem Pfarrsaal, Speck und Schinkenbrote, Topfenstrudel, Weintrauben, Wein und anderes hat es gegeben und ich habe einige bekannte Gesichter gesehen. Darunter Julia Danielczyk, die mir versicherte, daß sich durch die Auflösung der Literaturabteilung der Stad Wien nichts an der Stipendkienvergabe, etcetera ändern wird.
Was die Autoren wahrscheinlich beruhigen wird und mir egal sein kann, habe ich ohnehin nie eines bekommen und reiche auch nicht mehr ein.
Es sagt aber wahrscheinlich schon einiges über den Stellungswert der Literatur in der Gesellschaft aus, wenn die jetzt in die Abteilung für Mode, Kunst und Sport eingegliedert wird.
Der “Theodor Kramer Preis” war aber diesmal sehr beeindruckend. Man konnte auch Bücher der Gesellschaft kaufen und für die Ukraine spenden und mein “Ukraine Blues” wird ja jetzt auch bald erscheinen.
Ich habe es ja schon gebloggt, daß wir eigentlich gleich, als wir von der Main-Radfahrt zurückgekommen sind, nach Frankreich fahren wollen. Der Alfred, der sich ja seit 2020 in Pension befindet, ist sehr reiselustig. Ich bin das weniger und weil ich auch noch das Gstöttmeier-Buch lektorieren mßte, ist sich das für den Juli nicht ausgegangen.
Arles, Camping City
Aber für den August gleich nach Alfreds Geburtstag sind wir losgefahren. Für mich völlig ungeplant, weil ich mich auf eine Reise eigentlich nicht besonders vorbereitet. Das heißt am letzte Tag die Reisetasche packe, eine für die Kleider, eine andere für die Bücher und da hatte ich ja eigentlich eine schöne Zusammenstellung französischer Bücher. Aber Anfang August noch Rezensionsexemplare, die ich lesen sollte. Darunter vier Krimis, einen Andrej Kurkow und oh Überraschung, das dritte Buch der heurigen deutschen Buchpreisliste. Dann habe ich noch ein paar französische Bücher dazugepackt.
Arles
Aber nicht zu viele, weil ich ja bei der Radreise nur ein oder zwei Bücher gelesen habe, aber wenn man zweimal drei Tage nur im Auto sitzt, liest man eben mehr.
Ich hätte mich doch besser vorbereiten sollen, wohin die reise geht. Habe ich aber nicht. Also war das ganze eine große Überraschung und der Alfred hatte in seinem Reiseplan auch einige Lücken. Nur, daß es nach Südwestfrankreich gehen sollte und da auch die liebe Doris Kloimstein treffen wollte, war fix und auf der Rückreise in Bregenz vielleicht die Erika Kronabitter, damit es ein bißchen literarisch wird, was mir ja immer sehr wichtig ist.
Oloron-Sainte-Marie
Also ist es am Freitag den elften August über Italien losgegangen. Als wir gerade am Wörthersee vorüberfuhren hat mich die Ruth Aspöck angerufen und wissen wollen, wie das Gespräch mit der Julia Danielczyk am Vortag bei den O-Tönen war und hat sich sehr gewundert, daß wir schon unterwegs sind, dabei habe ich ihr das am Mittwoch bei Afreds Geburtstagsessen im Waldviertlerhof und auch schon vorher ganz genau erklärt.
Also bis nach Gemona, dort den Trailer aufgebaut, in den Ort gegangen und ein nettes Gespräch mit der jungen Wirtin in einem Gasthaus gehabt, die uns schöne Ferien wünschte.
Dann ist es noch einmal durch Italien gegangen, am am nächsten Tag, weil sehr voll, schon geglaubt, keinen Campingplatz zu finden, hat dann aber doch geklappt, so daß wir nicht, wie schon befürchtet, im Auto schlafen mußten und dann ist es nach Frankreich und zwar nach Arles gegangen.
Einen schönen Campingplatz gefunden und ein bißchen in der Stadt herumspaziett, das Amphietheater angesehen und dann der erste längere Aufenhaltsort war Oloron St. Marie. Eine schöne kleine Stadt in den Pyrenäen oder im Baskenland. Deshalb hat sich der Alfred auch eine solche Mütze gekauft. Wir haben uns die Stadt angeschaut, in einem Restauratn eine berühmte Suppe und einen baskischen Kuchen gegessen. In der Touristeninformation ein paar Werbefilme in einer Art Kino angesehen und einen Ausflug nach Lourdes haben wir am Marienfeiertag auch gemacht.
Drei Tage sind wir auf den Camp geblieben, wo wir die einzigen Österreicher waren. Dann ist es weiter ans Meer bis an die spanische Grenze gegangen. Ein bißchen sind wir auch darüber gefahren, haben Paella gegessen und uns schöne kleine orte angesehen. In Biarritz waren wir auch. Haben in der Markthalle einen Cremant getrunken und Sardellenfilets gegessen und als wir an das Cap Ferret gekommen sind, wo es sogar einen Campingplatz mit lauter Deutschen, wo wir aber keinen Platz bekommen haben, gegeben hat, habe ich einmal sehr gute und sehr teure Muscheln in einer Knoblauchsauce gegessen und dazu viel Rotwein getrunken. Da waren wir auch in Bordeaux. Dort habe ich mich dann auch über die neue deutsche Buchpreisliste informiert und befriedigt festgestellt, daß ich schon drei Bücher gelesen habe und in dem Weingut Smith Havt Lafitte, das ich oder dessen Weine, ich schon vom Herrn Fischer kannte, waren wir auch.
Bordeaux
Am Abend auf den Campingplätze also viel Rotwein getrunken und ein bißchen Radfahren waren wir auch.
Die Campingplätze sehr schön und in Naturschutzgebieten gelegen und dann ist es bis an die Landessptize oder an die Il d’Oleron nach Saint Denis gegangen, wo die Doris Kloimstein schon seit vielen Jahren Urlaub macht und sich dort ein Häuschen mietet und das war natürlich spannend. Denn wenn man von einem Campingplatz zum anderen fährt und zu Mittag in ein in den Führern empfohlenen Restaurants essen geht, bekommt man nicht viel mit von dem Land und der Umgebung und das kleine Städtchen St. Denis in das uns die Doris herumführte, war auch sehr interessant. Den Markt haben wir genau besichtigt und an den Stränden Muscheln gesucht und den Leuchtturm bewundert.
Saint-Denis-d’Oléron
Ein verlängertes Wochenende sind wir dort geblieben, von der Doris liebevoll bekocht und auch den Bücherschrank besucht und mich ein bißchen in der französischen Literatur umgeschaut. Denn ich habe ja in der Straßergasse fünf Jahre Französisch gelernt. Leider ist nicht sehr viel hängen geblieben.
Also ein wenig aufgefrischt und dann ist es wieder vier Tage lang zurückgegangen, weil der Alfred keine zu langen Strecken fahren wollte. Also noch ein bißchen Land gesehen. Einen sehr schönen Campingplatz haben wir in der Nähe von Clermont-Ferrand gefunden, wo man schön Frühstücken konnte und es auch viele Freizeitangebote gegeben hat.
Aber wir waren nur eine Nacht dort und sind dann weiter nach Annecy gefahren, wo wir an der Seepromenade entlangspaziert sind, in dem schönen Städtchen am Fluß Crepes gegessen. Dann ging es über die Schweiz nach Bregenz, wo wir zwar die Erika Korabitter nicht getroffen haben, aber an der Seepromenade entlanggeradelt sind. Zuerst den Bücherschrank suchten, wo ich ein Buch von Reihard Bilgeri gefunden habe und dann in der Sunset Bar auch einen “Hugo” getrunken haben und jetzt wieder zurück.
“Urlaub aus!”, wie der Alfred so schön sagt. Mein Französisch habe ich ein ein bißchen aufgefrischt und jetzt gleich hinein in den Veranstaltungsreigen. Denn am Wochenende gibt es wieder das Volksstimmefest, wo ich zwar wieder nicht lesen werde, aber der Alfred nicht versäumen wollte. Sonst wären wir wahrscheinlich eine Woche länger geblieben. Mir aber sehr recht ist, denn jetzt beginnt ja das große Buchpreislesen und da bin ich ohnehin im Rückstand und muß mich beeilen, alles aufzuholen. Dafür habe ich aber alle meine mitgenommen Bücher und noch ein paar mehr aufgelesen, denn im Auto auf der Autobahn und am Abend auf den Campingplätzen hat man genügend Zeit dazu.
Wir sind ja vier Tage lang von Saint Denis d`Oleron nach Harland zurückgefahren, weil der Alfred zu lange Strecken vermeiden wollte, so daß wir am letzten Mittwoch schon am frühen Nachmittag in Annency angekommen sind und da unser Zelt auf einen kleinen Campingplatzt dich am See aufstellten. Ein sehr kleiner, der siebzehn Euro für Zelt und zwei Personen angeschrieben hatte, Dusche einen Euro extra und dann standen zwanzig bis dreißig Campingwägen auf einer kleinen Wiese, wo sich auch ein Häuschen befand. Daneben befanden sich die Klos und die Waschbecken und bei dem Häuschen standen die die Preise für den Kaffee und das Bier angeschrieben und auch, daß man einen Tagesteller haben konnte.
Also hat der Alfred Kaffee für den nächsten Morgen um acht bestellt. Die Kipferl müßten wir uns dazu mitnehmen, was wir auch getan haben, weil wir anschließend die Seepromenade in die Stadt hineinspaziert sind. Dort habe ich eine Crepe mit Schokolade gegessen, lange vor dem Klo gewartet und bei der Rückkehr haben wir noch in einem Restaurant am See Halt gemacht, wo die gedeckten Tische zwar ziemlich leer waren, sich die Leute ihre Drinks und Schinkenteller auf die Stehtische holten und an den Waschbecken am Camp war ein Zettel angeschlagen, daß man Frühstück um acht Euro haben konnte.
“Ist schon gedeckt!”, erklärte mir der Alfred am nächsten Morgen, während er das Zelt abbaute und als wir zu den Tischen vor dem Häuschen gingen, sahen wir auf dem grünen Tisch in der Mitte war schon das Frühstück für zwei Personen gedeckt. Brotstücke, Käse, Marmelade, zwei Stück Kuchen, Tassen, aber kein Kaffee.
“Uje, uje!”, denn wir hatten schon die Kipferln, die wir verzehrten, während wir auf den Kaffee warteten, denn der alte Mann, der dem Alfred vorher zugewinkt hatte, war verschwunden. Auf den Balkon erschien dann eine Frau mit einem Hund, aber die schien nicht zu den Campbetreiber zu gehören. So packten wir unser Zeug zur Gänze zusammen und als ich wegfahren wollte, sagte der Alfred “Probieren wir es noch einmal!”
Jetzt war ein Mann vor dem Häuschen, dem ich sehr energisch erklärte, daß wir “Seulment cafe!” und kein Frühstück wollte.
Der räumte stoisch das Frühstück wieder ab, stellte die Tassen auf den Nebentisch, auf den wir inzwischen Platz genommen hatten, das Milchkännchen holte ich mir selber, schenkte die Kuchenstückchen einem jungen Mann, der inzwischen aufgetaucht war und als dann noch einer mit einem Hund auftauchte, unterhielt er sich mit ihm, nahm ihm den Hund ab und räumte von diesen begleitet, die Frühstücksachen samt neuen Kuchenstückchen wieder auf den Tisch, an dem dann der Mann, die Frau vom Balkon und der auch der Hund Platz nahmen und wir haben den Kaffee ohne Croissants ausgetrunken und sind dann in Richtung Schweiz gefahren. Später nach Bregenz wo wir auf einen schönen Campingplatz übernachteten, auf dem wir schon einmal waren, später den Bücherschrank am See plünderten und dort auch einen Aperitiv und ein Bier nahmen.
Ich tausche ja mit der lieben Doris Kloimstein seit einiger Zeit, wenn ich sie am Markt von St. Pölten treffe, immer wieder Bücher aus. Ich bringe ihr die, die ich in den offenen Schränken finde und ich für interessant halte und sie hat mir schon einigessehrInteressantesgegeben, wo ich mit dem Lesen inzwischen gar nicht mehr nachkomme.
Clermont-Ferrand
Da die Doris ihre Ferien seit Jahren aber in Frankreich verbringt, haben sich auch einige von französischen Autoren auf meiner Leseliste angesammelt und die habe ich mir herausgesucht, als ich die Leseplanung für die Frankreichreise machte. Die hat dann erst im August statt im Juli stattgefunden und da hatte ich nocheine Reihevon Rezensionsexemplarezulesen, so daß ich gar nicht mehr alle mitnehmen konnte. Für den “Zopf” ist es sich noch ausgegangen. Dann war ein dünnes Büchlein der letzten Nobelpreisträgerin dabei und als ich zum “Fetzen” greifen wollte, ist mir ein noch dünneres Büchlein von Antoine de Saint-Exüperi in die Hände gefallen, daß mir die Doris vor einigen Jahren, glaube ich, gegeben hat. Jedenfalls vorher, als ich Jörg H Trauboths “Bonjour St. Ex” gelesen habe. Denn da habe ich mich an das Büchlein erinnert und der Autor hat mich darauf aufmerksam gemacht, was ohnehin in dem Buch steht, daß die meisten Texte darin aus “Der Stadt der Wüste” stammen, die Antoine de Saint-Exupery neben dem berühmten “Kleinen Prinzen” noch geschrieben hat.
Das stimmt nicht ganz, denn der erste Text “Für Antoine” stammt von seiner Frau Consuelo. Die Anderen sind aus dem Buch und der Verleger merkt an, daß die Reihenfolge geändert wurde, beziehungsweise gibt es unter jeden Text, die Seitenangabe, wo man das Gedicht oder Gebet in “Der Stadt der Wüste” finden kann.
Camping Huttopia Royat
Es sind mehr poetische Texte als Gebete, wird noch angefügt und Antoine de Saint Exupuery wurde 1900 in Lyon geboren. An dieser Stadt sind wir auf der Rückfahrt auch vorbeigekommen. Es gibt dort auch einen Flugplatz, der seinen Namen trägt und der Flieger ist ja 1944 bei einem Aufklärungsflug über Südfrankreich abgeschossen worden.
Also durch die Gebete, was auf dem Campingplatz bei Clermont Ferrand sehr schnell geschehen ist, denn das Buch hat ja nur einundsechzig Seiten und dreiundzwanzig Texte und da gibt es das “Gebet der Einsamkeit”, die “Hymne auf die Stille”, die “Hymne auf die Nacht”, “Gott in der Wüste”, die “Stille des Friedens”, etcetera.
Und jetzt durch das Buch, was für eine Frau, die weder gläubig noch katholisch ist, sehr interessant war, ein bißchen über Antoine de Saint Exuperys Gedankenwelt zu erfahren.
So schreibt er in der “Hymne auf die Stille”: “Stille du Musikantin der Früchte!- Stille der inneren Worte, denn es ist gut, wenn du Gott wiederfindest”.
In “Stille, Hafen der Schiffe” klagt er “Oh du Schwätzer! Wie sehr haben sie die Menschen verdorben”, an.
In “Der Friede ist ein Baum” schreibt er “Erleuchte mich, Herr. Lass mich an Weisheit zunehmen, damit ich versöhne.”
“Es lügen alle” finde ich auch sehr interessant, wo er schreibt:
“Es lügt der Liebende, der dir vorgibt, dass Tag und Nacht das Bild seiner Geliebten in ihm wohne. Ein Floh lenkt ihn davon ab, denn der Floh sticht. Oder auch nur die Langeweile, denn dann gähnt er”.
Das finde ich sehr originell und wird sich bei mir einprägen und hängen bleiben.
Es ist also ein sehr interessantes Buch und es war sicher sehr eindrucksvoll sich auf der Rückreise nach Wien ein wenig in die gläubige Gedankenwelt des Autors des “Kleinen Prinzen” einzulesen, von dem meine Französischlehrerin in der Straßergasse immer leidenschaftlich schwärmte und den Hut des Napoelons auf der Tafel aufzeichnete.
Ende Juli hat der Alfred ein Grillfest gemacht und dazu all die Bekannten eingeladen, die von Corona übergeblieben sind und da ist auch die liebe Doris Kloimstein gekommen, die neben der Ruth in den ärgsten Lockdown- und 2G-Zeiten, eigentlich die einzige war, mit der ich damals Kontakt hatte und die hat mir ein kleines dünnes Büchlei, der letzten Nobelpreisträgerin, der 1940 geborenen Annie Ernaux “Das andere Mädchen” mitgebracht und da bin ich daraufgekommen, daß ich das Buch nach Frankreich mitnehmen könnte und außerdem ist mir noch eingefallen, daß ich ja ein anderes Ernaux Buch im Bücherschrank von Lohr gefunden habe.
“Erinnerungen eines Mädchen” heißt es und einen Augenblick lang habe ich geglaubt, daß es sich um das selbe Buch handelt, ist es aber nicht und auf die “Erinnerungen” habe ich vergessen, als ich im Juli mir die französische Reiselektüre zusammengestellt habe, obwohl wir damals ja nicht dorthin fahren wollten und von Annie Ernaux war in den letzten Jahren viel zu hören und ihre Bücher, sie ist auch eine, die ihr eigenes Leben beschreibt, was jetzt ja als Autofiktion sehr modern ist, sehr gelobt.
Gelesen hatte ich noch nichts von ihr. Also vielen Dank für das Geschenk und das vierundsiebzig Seiten “Suhrkamp-Buch” habe ich gelesen, als wir schon auf der Rückfahrt waren.
Es gibt einige Fotos auf dem Cover und in dem Buch. Am Cover ist Annie Ernaux Vater mit einer Verwandten und der verstorbenen Schwester Ginette zu sehen, die Annie Ernaux nie gekannt hat, weil sie schon vor ihrer Geburt an Diphterie verstarb. Daran knüpfen sich nun einige Fragen, darunter berühmte, mußte sie sterben damit Annie geboren werden durfte und muß sie sie ersetzen?
Fragen die ich eigentlich für unnötig finde, ob wohl sich damit ja Bücher schreiben lassen, denn die Antwort heißt natürlich nein! Aber an solche Ereignisse knüpfen sich natürlich die berühmten Familiengeheimnisse und Annie Ernaux hat von ihrer Schwester auch durch ein zufälliges Gespräch ihrer Mutter mit einer Nachbarin oder einer Kundin erfahren und da hat diese eine wenig sensible Außerung gemacht, die sich bei der kleinen Annie eingeprägt hat.
“Sie war viel lieber, als die da!”, hat sie gesagt und das hat Annie Ernaux wahrscheinlich veranlasst Jahre später einen Brief an die nie gekannte Schwester zu schreiben. Einen Brief, den diese, wie sie ebenfalls schreibt, nie lesen wird.
“Selbstverständlich ist dieser Brief nicht an dich gerichtet, und du wirst ihn nicht lesen. Andere Menschen, Leserinnen und Leser, die beim Schreiben für mich genauso unsichtbar sind wie du, werden ihn in den Händen halten.”
Es gibt zwei Fotos in dem Buch von dem Haus in dem Annie Ernaux als kleines Mädchen mit ihren Eltern lebte, die dort ein Geschäft oder eine Kneipe hatten und die Sprache, die von Sonja Finck übersetzt wurde, ist sehr schön und eindrucksvoll und macht Lust mehr von Annie Ernaux und ihrem Leben zu lesen. Bei den Erinnerungen”, die ein wenig dicker sind, hätte ich Gelegenheit dazu und da gibt es auch ein Foto von der jungen Frau am Cover zu sehen.
Ein Geschenk, der lieben Doris Kloimstein und die Autorin Laetitia Columbani wurde auch 1976 in Bordeaux geboren, wo wir auf unserer Reise auch einen Tag waren und der Bestseller-Roman hat eigentlich nicht sehr viel mit Frankreich zu tun, handelt er doch von drei Frauen, wo eine in Indien, eine in Sizilien und eine in Montreal lebt und die drei Handlungsstränge, werden, wie in der Beschreibung steht, kunstvoll miteinader verknüpft.
Da ist also Smita, eine Unberührbare, die vom Kloputzen lebt, Ratten ißt und sich nichts anderes wünscht, als, daß ihre Tochter in die Schule gehen kann, damit ihr dieses Schicksal erspart bleibt. So wird gespart und gespart und als es so weit ist, kommt die kleine Tochter weinend zurück, weil der Lehrer sie aufgefordert hat, den Klassenraum zu kehren. Smita holt sich das Geld zurück und flüchtet mit ihrer Tochter zu einem Verwandten, wo sie bessere Möglichkeiten hat. Die Reise wird auf einen Wallfahrtsort, der gläubigen Smita unterbrochen, wo sich die Beiden die Zöpfe abschneiden lassen und auf eine bessere Zukunft hoffen.
Der zweite Handlungssgtrang, Zöpfe sind ja drei ineinanderverbunden Haarstränge, wie am Buchanfang steht, führt nach Sizilien. Da gib t es die zwanzigjährige Giulia, deren Vater eine Perückenmanifaktur aufgebaut hat. Der hat jetzt einen Unfall und Guilia erkennt, daß er hoch verschuldet ist. Die Manufaktor also aufgegeben werden oder Guilia einen reichen Mann heiraten muß. Sie hat aber schon einen Sikhs als Geliebten und der macht sie auf die schönen indischen Haare aufmerksam, die die Manufaktur retten können und dann geht es nach Montreal zu Sarah, die ist etwa vierzig und erfolgreiche Anwältin. Sie hat zwei Kinder und ist so etwas wie eine Workoholic, als bei ihr ein Krebs diagnostiziert wird. Das versucht sie solange zu verbergen, bis sie von ihrer Kanzlei hinausgemobbt wird und am Ende schöpft sie durch eine Perücke, die in Sizilen erzeugt wurde und in der sich wahrscheinlich Smitas und Lalitas Haare befinden, neue Kraft und geht in ein neues Leben.
Ein wenig plakativ geschrieben, aber ein Versuch sich für die Kraft der Frauen einzusetzen. So gibt es auch ein Motto von Simone de Beauvoir in dem Buch zu finden, das den “mutigen Frauen” gewidmet ist.
“Eine freie Frau ist das genaue Gegenteil eines leichten Mädchens”.
Wie wahr und jetzt müßte ich noch “Das Haus der Frauen” lesen, das sich auch schon auf meinen Bücherstapeln befindet.
Ich bin ja, wie ich immer schreibe, nicht besonders reiselustig, sondern eine schreibende Frau für die, die Literatur sehr wichtig ist und ihre Ferien eigentlich eher für das Schreiben nützen will. Statt von einem Ort zum anderen zu fahren, im Hotel oder auf dem Campingplatz zu übernachten, zu Mittag in ein vom Führer empfohlenes Roman essen zu gehen und von Land und Leute eigentlich nicht viel mitzubekommen.
Das kann man, wie die Kloimsteins, die ja, glaube ich, schon seit zwanzig Jahren jedes Jahr auf die Il d`Oleron auf Urlaub fähren und sich dort ein Häuschen gemietet haben. Die Doris mit dem Rad auf ihren Schreibeplatz am Meer fährt, die dort gelebt habende Autorin Anne-Marie Mechain übersetzt und uns, wenn wir sie am Markt von St Pölten treffen, davon erzählt und die Doris Kloimstein, die im Dezember 1959 in Linz geboren wurde, kenne ich schon lang.
In der Zeit, wo wir von St. Pölten nach Wien pendelten, habe ich sie, glaube ich bei einer Regionalversammlung der IG Autoren in NÖ kennengelernt. Sie hat, glaube ich, Theaterwissenschaft studiert, am Theater von St. Pölten gearbeitet. War auch die Obfrau der LitGes und hat das Etcetera herausgegeben und auch einige Buchveröffentlichungen, von denen ich auch einiges gelesen habe.
Vom Cap Ferret sind wir sozusagen als letzte Frankreichetappe dorthin gefahren und sie und ihr Mann Lothar haben uns dort gut bekocht. Denn das Häuschen, das sie von einem Freund gemietet haben, liegt ziemlich dicht am Markt, der jeden Tag offen hat, wo man Muscheln, Austern, etcetera kaufen und auch gleich in dem kleinen Cafe an der Ecke verzehren kann und die Doris hat von einer Madame, wie sie mir stolz erzählte, französisch kochen gelernt. Französisch spreichen auch. Alles original und so haben wir Huhn mit Kartoffeln und Karotten nach einem Originalrezpt bei ihr gegessen. Muscheln und auch Kabeljau in Weißweinsauce mit Kartoffelpürre und sind mit ihr an den Nachmittagen mit dem Rad zum Leuchtturm gefahren und an die verschiedenen Stränden, wo man Muscheln, Schnecken und auch die Surfer beobachten konnte.
Am Abend ein Bier oder einen Aperol Spritz in dem Cafe. Am Morgen haben wir uns dorthin die Croissants mitgenommen und den Cappuccino dazu bestellt. Die Croissants konnte man in der Boulangerie kaufen. Beziehungsweise relativ lange Schlange davor zu stehen, um an die Baguettes und die Croissants zu kommen.
Durch das idyllische Städtchen sind wir spaziert. Die Doris hat uns den Garten ihres Vermieters gezeigt. Durch den Friedhof sind wir geschlendert und das Haus in dem Anne-Marie Mechain gelebt hat, hat uns die Doris auch gezeigt.
Vier idyllische Tage auf der insel also. Am donnerstag sind wir angekommen, habeen unser Zelt auf den Campingplatz gestellt und die Festungen aus dem zweiten Weltkrieg, die es dort gibt, angesehen und sehr viel von dem savoir vivre, das es in Frankreich gibt, mitbekommen und vor allem der Alfred war sehr begeistert von dem Markt und schwärmt wahrscheinlich davon sich dort einzumieten und vierzehn Tage oder auch vier Woche über den Markt zu schlendern, dort Fische, Gemüse und Wein einzukaufen und das dann zu kochen.
Einen kleinen Bücherschrank aus dem ich für die kleine Lia einen französischen Astrix gezogen habe, hat es auch gegeben.
Ich habe mir ein kleines Schundheftchen und Erika Pluhars frühe Tagebücher ,von dort mitgenommen und mir den Bücherflohmarkt den es dort zu sozialen Zwcken gibt, auch angesehen. Neben einem Sandler auf einer Bank im kleinen Park bei dem Veranstaltungshaus bin ich gesessen, habe auf den Alfred gewartet und das savoir vivre studiert. Es war sehr schön und sehr interessant, kann ich sagen und das Reisen lohnt sich vielleicht doch.