Lesen in Frankreich

Ich habe mir vor einigen Jahren angewöhnt, wenn ich auf Urlaub bin, immer etwas aus dem jeweiligen Land zu lesen. Also französische Bücher in Frankreich, Schweizer Literatur in der Schweiz, Kroatisches in Kroatien, etcetera.

Alles in deutscher Sprache natürlich, obwohl ich in der Straßergasse ja fünf ahre Französisch gelernt habe. Hängengeblieben ist leider gerade soviel, daß ich mir einen “Cafe au lait!”, bestellen kann, fragt der Kellner dann nach, ob ich warme oder kalte will?, verstehe ich ihn dann schon nicht und der Alfred hat ja eigentlich schon im Juli nach Frankreich reisen wollen. Also habe ich in meinen Regalen und Stößen nachgesehen, was ich da von französischen Autoren haben und bin fündig geworden, denn die liebe Doris Kloimstein, die ja schon seit Jahren immer einige Wochen nach Frankreich fährt, hat mir da einiges gegeben.

“Den Fetzen”, den “Zopf”, etcetera, einen Beigbeder habe ich in Wien gefunden, also alles aufgeschrieben und dann ist es sich für den Juli nicht ausgegangen, weil ich ja noch den Peter Gstöttmeier lektorieren mußte.

“Aber im August!”, haben wir dann entschieden und als es soweit war, die Reisetaschen zu packen, hatte ich sieben Rezensionsexemplare, die ich alle noch lesen sollte. Alles von nicht französischen Autoren, aber viele Krimis und dabei war mir ein französisches Buch angekündigt, das bis zum zehnten August nicht gekommen ist. Jetzt ist es vielleicht gekommen, wurde aber von der Post wahrscheinlich zurückgeschickt.

Also diese sieben Bücher und das französische ade? Denn ich lese jetzt eher langsam. Dann habe ich aber doch noch auf den französischen Stapel gegriffen, mir den “Zopf” mitgenommen und dann die Annie Ernaux, die mir die liebe Doris mitgebracht hat, als sie der Alfred zum Grillen eingeladen hat und als ich zum “Fetzen”, ein eher dickes Buch greifen wollte, ist mir ein kleines dünnes Büchlein mit “Gebeten der Einsamkeit”, auch ein Geschenk von der Doris in die Hand gefallen, von Antoine de Saint- Exupery in die Hand gefallen und der war ja ein Franzose.

Also damit losgefahren. Zehn Bücher für drei Wochen wäre eigentlich genug, wenn ich in den letzten Wochen höchsten zwei gelesen habe. Aber dann sind wir drei Tage Autobahn gefahren, bis wir an den ersten Zielpunkt gekommen sind und ich habe mir gedacht, hätte ich doch mehr mitgenommen und was mache ich, wenn mir auf der Fahrt der Lesestoff ausgeht?

“Kein Problem könnte man so sagen!”, denn es gibt ja inzwischen die offenen Bücherschränke, in Frankreich gibt es die auch und so hatte ich bald ein Kinderbuch von einem Bär, der tanzen lernen wollte, in der Hand, das ich mir mit meinen “Larousse” sehr gut übersetzen konnte und das jetzt die kleine Lia anschauen kann.

Also was gibt es in den Bücherschränken, was vielleicht leicht zu lesen ist, wenn wir dann die drei Tage wieder zurürckfahren?

Da gab es die “Breaking News” einer Sabrina Peru, die sogar eine persönliche Widmung in das Buch geschrieben hat und das “24 nouvelles baroques”, also meistens nur ein paar Seiten lange Texte enthält, was eigentlich ideal für die Französisch Auffrischung ist. Dann kam noch “Le Scaphandre et le Papillon”, also der “Taucher und der Schmetterling” hinzu. Müßte mit dem “Larousse” eigentlich auch gehen.

Bei Ernest Hemmingways “Paris est une feete” wäre das sicher schwieriger. Aber da habe ich zum Glück das Buch auf Deutsch in Wien und in dem kleinen bunten Kästchen in St. Denis gab es noch ein paar dünne Groschenbüchlein.

“La derniere nuit”, “Die letzte Nacht”, habe ich mir da herausgenommen, dann aber auf der Rückfahrt, doch lieber Erika Pluhars “Tagebücher” aus der “Edition neue Frau” hinausgenommen, was ich, wie ich in meinem Katalog dann feststellte, auch schon hatte, aber nicht gelesen habe.

In St. Denis auf der Insel, wo sich die liebe Doris immer ein paar Wochen einmietet, gibt es, vis a vis des kleinen Schränkchen, wo sich der Markt und auch das Kulturhaus befindet, ein Geschäft mit der Aufschrift “Jedes Buch um einen Euro” und das war ein ganzes Lager oder Flohmarkt.

Das meiste Französisch, aber auch einiges Deutsches von der Luise Rinser, der Christa Wolf und auch noch andere alte DDR-Ausgaben, gab es da, die ich aber liegenließ und dann gibt es noch die französischen Autoren vor Ort und da bin ich schon in einem kleinen Örtchen, wo es außer einer Touristeninfo nicht viel gab, auf einen Pierre Loti-Platz gestoßen, einem berühmten Dichter , der jetzt vergessen ist, aber viele Bestseller geschrieben hat, die es inzwischen nur mehr auf Französisch gibt, und der angeblich 1904 den NB bekommen hat oder dafür nominiert war, denn da habe ich einen Frederic Mistral, auch ein Franzose, auf der Liste gefunden.

In der Touristeninformation in Saint Denis gab es aber eine Broschüre über den Dichter, der von 1850 bis 1923 gelebt hat und es in St. Pierre auf der Insel auch ein Wohnhaus oder ein Museum von ihm gibt und die Doris erzählt mir auch immer von einer Anne-Marie Mechain, die in St. Denis gelebt hat und die sie nun nach und nach übersetzt.

In Saint Denis habe ich den “Zopf “zu lesen angefangen und dann sehr schnell die Annie Ernaux und den Antoine de Exupery ausgelesen und mich dann, wie schon beschrieben, entschlossen auf der Rückfahrt die Pluhar zulesen und in Bregenz gab es dann auch einen Bücherschrank mit vielen Funden. Da ist sogar Arno Geigers “Uns geht es gut” darin gelesen, was ich aber schon gelesen habe, als wir von unserer Bodenseerundfahrt nach Wien zurückgefahren sind.

Den Reinhard Bilgeri hätte ich von Bregenz nach St. Pölten lesen können. Aber daran habe ich erst gedacht, als wir schon fast in Harland war und diese Frankreichreise war also eine intensive Lesereise und die neuen Buchpreisbücher wurden da ja auch bekanntgegeben, die ich im September lesen kann.

Samson und das gestohlene Herz

Jetzt das letzte Rezensionsexemplar, das ich mir auf die Frankreich-Reise mitgenommen habe, ein höchst aktuelles und wenn man will, der Rest von dem, was von dem Ukraine-Schwerpunkt, das ich mir in diesem Jahr zum Lesen vorgenommen habe, übergeblieben ist.

Andrej Kurkows zweiter Teil seiner Samson und Nadjeschda Geschichte und ich habe den 1962 in St. Petersburg geborenen, glaube ich, durch sein “Picknick auf dem Eis” kennengelernt, das ich mir beim “Thalia” um einen Gutschein eingelöst habe, weil ich damals eifrig Leserrezensionen geschrieben habe. Ich habe ihn auch mehrmals persönlich gesehen, da er öfter auf der “Buch-Wien” und auch bei anderen Gelegenheiten auftritt und ich ihn auch einmal fast zu meinem literarischen Geburtstagsfest eingeladen hätte. Da gab es in den Neunzigerjahren wahrscheinlich einen Ukraine-Schwerpunkt in der Kunsthalle, wo ich mit ihm gesprochen habe, mich das dann aber doch nicht traute.

Einiges von ihm gelesen, auch den ersten Teil der Samson-Geschichte, wo der das Kiew, um 1920, glaube ich, beschreibt und dabei, was wahrscheinlich die Spezialität Kurkokws ist, surrealistische Elemente verwendet.

So hat Samson ja im ersten Teil sein Ohr verloren und kann jetzt Sachen hören, die den anderen verborgen bleiben. Er ist der Polizei beigetreten, hat Nadjeschda kennengelernt, die bei einer Art statistischen Zentralamt arbeitet und dabei Eisenbahner zählen muß und er muß er in einem Fleischskandal recherchieren oder diesen auflösen. Denn der private Handel mit Fleisch ist inzwischen in dem jungen kommunistischen Staat verboten und so muß Samson am jüdischen Markt bei den Marktleuten recherchieren, was sie in ihre Piroggen mischen?

“Herz, Leber?”, sagen sie und beteuern, daß es sich dabei um kein Fleisch handelt.

Einer der Händler wird gefangengenommen. Samson muß ihn verhören, läßt ihm aber durch seine Tochter Eier bringen und als Nadjeschda etwas Süßen essen will, schleicht er sich des Nachts auf den jüdischen Markt, um für sie, wahrscheinlich auch illegale Bonbons einzukaufen.

Er heiratet Nadjeschda in diesem Band auch, wo schon die Fortsetzung angekündigt ist, seine Nadjeschda, einer seiner Kollegen ist ja ein ehemaliger Priester. Nadjeschda wurde vorher von den streikenden Eisenbahnern entführt. Ein chinesischer Rotarmist hilft ihm sie wiederzufinden und es ist wirklich spannend zu lesen mit welcher Skurillität Andrej Kurkow, die Ereignisse in Kiew in den Neunzehnhundertzwanzigerjahren schildert.

Paradise Garden

Jetzt kommt, oh Überraschung, das dritte heurige Longlistbuch, das mir “Diogenes” als Leseexemplar schon vor einiger Zeit zuschickte, aber nicht vor dem dreiundzwanzigsten Achten besprochen werden sollte.

Es vor unserer Frankreichreise zu lesen, ist sich dann nicht ausgeangen. So habe ich es auf unsere Reise mitgenommen und als wir am Freitag, den elften, in Richtung Italien aufgebrochen sind, mitgenommen, was sehr praktisch war, denn in dem Debut, der 1987 geborenen Elena Fischer ist es auch um eine Frankreichreise der vierzehnjährigen Billie gegangen.

Die ist allerdings nie dorthin gekommen, sondern nur an die Nordsee und ich habe eigentlich nicht daran gedacht, daß es auf die Longlist kommen könnte. Auch am zwanzigsten August nicht, als ich gerade den “Frühling in den Bäumen” gelesen habe und überlegte, daß das vielleicht draufstehen konnte, war aber nicht so und “Paradise Garden” ist vielleicht auch diesbezüglich spannend, daß es eigentlich eher ein Jugendbuch ist.

Zumindest ist die Heldin Billie oder Erzsebeth, wie sie eigentlich heißt, vierzehn und noch etwas ist interessant, denn am Tag vor unserer Abreise, waren wir ja bei den “O-Tönen” und da hat Tonio Schachinger sein zweites Buch “Echtzeitalter” vorgestellt, das auch auf der LL steht und da geht es auch um Jugendliche und zwar um solche, die das elitäre Theresianum besuchen. Also Ober- oder Mittelschichtkinder sind. Billie und ihre Mutter gehören eher den sozial schwächeren Schichten an. Zumindest wohnen sie in einer Wohnbausiedlung in schlechten Zustand und schlechten Ruf.

Billie hat aber eine ungewöhnliche Mutter, die eigentlich aus Ungarn stammt. Nicht viel von ihrer Vergangenheit spricht und mit Billie bei einem Quizz im Rundfunk anruft, wo sie einen Geldbetrag gewinnen, worauf sie die Urlaubsreise beschließen.

Denn sie haben ein altes Auto, das eigentlich auch defekt ist, die Beifahrertür klemmt oder muß beim Fahren festgehalten werden. Die Reise wird aber geplant. Eigentlich wollen sie nach Florida. aber dazu reicht das Geld nicht. Velleicht die Nordsee rät der Nachbar Ahmed. Aber das will die Mutter nicht. Billie schon. also nach Frankreich. Es wird alles in das Auto gepackt. Vorher gehen sie noch den teuersten Eisbecher namens “Paradise Garden” essen und Billies Freundin Lea, die von ihrer priveligierten Schule geflogen ist, obwohl sie aus besseren Kreisen stammt, schenkt ihr eine Schwimmflosse.

Dann wird ab er alles anders. Die ungarische Großmutter mit der die Mutter denKontakt abgebrochen hat, taucht plötzlich auf. Behauptet krank zu sein, so daß sie sich untersuchen lassen muß.

Also wird die Reise abgebrochen und die Großmutter zieht in Billies Zimmer ein, die noch ein Problem hat. Sie hat nämich keine Ahnung, wer ihr Vater ist. Die Mutter erzählt auch davon nichts und bei den Untersuchungen kommt nicht sehr viel heraus. Dafür überwirft Billie sich mit Lea, deren <mutter sehr kariativ unterwegs ist. Lea beschwer sich aber über den Gestank in Billies Wohnung, als die Großmutter sie zum Essen eigeladen hat. Billie belauscht das Gespräch und ist empört und zwischen der Großmutter und der Mutter kommt es auch zu einem Streit, weil Billie gesehen hat, daß die Großmutter ihre Tabletten nicht schluckt, sondern weggeworfen hat.

Die greift daraufhin Billie an. Die Mutter verteidigt sie. Rutsch unglücklich aus und stirbt dabei. Das erfährt man gleich am Anfang. Billie kommt vorübergehend in eine Jugendwohngemeinschaft, weil sie nicht zu Lea ziehen will.

Die Großmutter wird aber aus der Untersuchungshaft entlassen, so daß sie sich um Billie weiter kümmert wird. Es kommt zu einer vorsichtigen Annäherung zwischen den Beiden. Als aber die Schule wieder beginnt und sie Billie nach Ungarn mitnehmen will, rückt die aus. Denn sie hat inzwischen ein Foto ihres Vaters in den Sachen der Mutter gefunden und einen Hinweis auf die Nordssee, worüber die Mutter nicht sprechen wollte, gibt es auch. So rückt sie aus und fährt mit dem kaputten Auto dorthin. Zwischendurch klaut sie einen Schlafsack, damit sie in der Nacht, wenn sie im Auto schläft, nicht so friert.

Das finde ich ein wenig unglaubwürdig und überzogen, daß die Polizei nicht auf die Vierzehnjähbrige mit dem kaputten Auto aufmerksam wird. Dagegen fand ich die Stellen mit dem Jugendamt sehr realistisch erzählt.

Billie findet dann einen Mann, der ihr Vater sein könnte oder mit dem die Mutter, als sie an der Nordsee Deutsch lernte, zwei Jahre zusammenlebte, bevor sie ihn verlassen hat.

Erist aber, um die Spannung noch einmal zu steigern nicht. Billie hat sich aber mit ihm an angefreundet und hilft ihm bei den Pferden und eine ate Lehrerin, wahrscheinlich damit das Jugendamt nicht auftaucht, freundet sich mit dem naturliebenden Nichtvater, bei dem Billie wahrscheinlich bleiben wird, an.

Interessant, spannend ud etwas ungewöhnlich. Auch, daß es gleich auf die Longlist gekommen ist und ich es auf unserer Reise vorwiegend in Österreich und Italien gelesen habe und jetzt können wir noch raten, ob es auch auf die Shortlist kommen wird. Leser wird es, da leicht zu lesen und spannend geschrieben, wahrscheinlich finden.

Die neuen deutschen Buchpreisbücher

Ich habe mich ja eigentlich immer für den deutschen Buchpreis interessiert. Das heißt, die ersten Jahren ist er irgendwie an mir vorbeigegangen und ich habe eigentlich nur das mitbekommen, was ich in den Medien davon gehört habe. Dann habe ich aber zu bloggen angefangen. 2009 versucht an das Buchpreisprobenbüchlein heranzukommen, was in Österreich unmöglich war.

Dann habe ich mit dem Blog von Buzzaldrin darüber diskutiert und 2015, als die zum Buchpreis bloggen begonnen habe, auch mit dem Buchpreislesen angefangen und tue das seither regelmäßig und sehr enthusiastisch und 2016 ist dann noch der österreichische Buchpreis dazubekommen und den Schweizer lese ich seit einigen Jahren auch.

2014 habe ich als wir vom Elsaß azurückgekommen in einer Buchhandlung in Ansbach nach der Liste gefragt und als wir 2018 in der Schweiz waren, bin ich in Bern auf die Liste gekommen und in der Weltbuchhandlung auch Arno Geigers Buchpreisbucho um ein paar Franken bekmmen und heuer waren wir in Frankreich als die Longlist veröffentlicht wurden, wo ich in Bordeaux daraufgekommen bin, daß ich schon drei Büchekr davon gelesen habe.

Raphaelas Edelbauers “Inkommensurablen”, Clemens J Setz “Monde vor der Landung”, weil das auch für den “Leipziger Buchpreis” nominiert war und als wir am elften August losgefahren sind, habe ich gerade Elena Fischers “Paradise Garden” zu lesen angefangen.

Hurrah, hurrah, daß ToniSchachinger “Echtzeitalter” den ich bei den O-Tönen daraus lesen gehört habe, hat mich gefreut und eigentlich hätte ich es auf der Öst erwartet. Dann habe ich noch Teresa Präauers “Kochen im falschen Jahrhundert” bei zwei Lesungen gehört und könnte mich da ein bißchen wundern, daß das als Roman gehandelt wird. Ich hätte es eher als erzählendes Sachbuch eingeschätzt.

Luca Kieser hat mit “Weil da war etwas im Wasser” auf den O-Tönen gelesen, als wir schon in Frankreich waren. Ein Buch, was mich sehr interessiert und dann stehen wieder bekannte Namen, wie Terezia Mora mit ihrem “Munna oder die Hälfte des Lebens” oder Angelika Küssendorf “Risse”, sowie Angelika Overath “Unschärfen der Liebe” darauf.

Sechs Österreicher auf der Liste. Außer den schon erwähnten, kommt noch Kathrin Rögglas “Laufendes Verfahren ” und Thomas Olah “Doppler” dazu, ob Sepp Mall ein Österreicher ist, weiß ich jetzt gar nicht, denn dann würde die Zahl nicht stimmen. Ein Türke ist mit “Vatermal” dabei. Tomer Dotan-Dreyfuß mit einem Buch das den schönen Namen “Birobidschan ” trägt und dann auch noch einiges unbekanntes.

Spannend, spannend, schreibe ich jetzt wieder. Habe die Bücher inzwischen angefragt und besonders spannend, daß ich in Frankreich, als ich mich über die Liste freute, mir wünschte, daß ich vielleicht eines der Bücher auf einen der Campingplätze oder Bücherschränke finden könnte, weill es vielleicht einer der Juruoren oder andererKritiker auf seiner Urlaubsreise dort hineinlegte.

War natürlich nicht so. Aber drei Bücher sind schon eine schöne Zahl und jetzt fängt wieder das große Lesen an und das ist eigentlich etwas was sehr schön ist und man durch Buchpreislesen einen guten Eindruck über das Geschehen im Literaturbetrieb bekommt.

Der Frühling ist in den Bäumen

So jetzt ist es Schluß mit dem Krimireigen, der mich diesen Sommer durch Österreich, Italien und Frankreich begleitete und ich in den vier Büchern höchstwahrscheinlich die Variantenvielfalt dieses Genres hautnah beobachten konnte.

Denn Annemarie Mitterhofers “Magnolienmord” zitiert sich höchst aktuell durch die bräsanten Themen unserer Zeit und läßt Corona dabei aus, Erich Weidinger macht uns das schöne Salzkammergut schmackhaft und ist dabei sehr soft, was das Thema Gewalt betrifft, während Beppo Bayerl in einen realen Mordfall aus dem Wien des Jahres 1928 zurückführt und mir Philpp Gravenbach so richtig klarmachte was ein Thriller ist ,obwohl ich nicht alles verstanden habe.

Und das alles im schönen Frankreich, statt, wie geplant französische Bücher zu lesen, obwohl zu diesem Zeitpunkt sich meine Büchertasche schon mit einigen Originalsprachlichen gefüllt hat. Das wollte ich und habe ich nicht auf der Rückreise lesen und habe ich mich während unserer Reise mit Jana Revedins “Frühling in den Bäumen” etwas früher auf den Bodensee begeben, als wir in Wirklichkeit dort waren. Das Buch spielt aber ohnehin nicht im österreichischen Teil und außerdem hauptsächlich am ersten Mai 1953 zu einem Zeitpunkt also, als meine Mutter schon mit mir schwanger war und wer jetzt an den Maiaufmarschlich denkt, auf den sich damals höchstwahrschein mein Vater mit meiner damals elfjährigen inzwischen verstorbenen Schwester befand, irrt.

Denn davon ist überhaupt keine Rede, da die 1965 in Konstanz geborene Architektin Jana Revedin in dem Roman das Schicksal ihrer Mutter beschreibt, die, wie man am Klappentext und am Buchrücken lesen kann, die jüngste Assistentin Martin Heideggers war. Da Renina Dietrich aber erst vierundzwanzig ist, wird sie wahrscheinlich eher seine Dissertantin gewesen sein, denn 1953 ist sie schon von der Uni weg, sondern arbeitet im Verlag ihres Vaters und träumt davon, die erste deutsche Frauenzeitung namens “Lady” aufzubauen, denn sie will nach dem Krieg ein neues modernes Frauenbild aufbauen, also weg vom Mutterkreuz und der Küche.

Sie hat aber sehr gegen den Rat ihrer Eltern den Neffen Marlene Dietrichs geheiratet und der ist Doktor der Atomphysik. Man sieht also in welchen Kreisen das Buch spielt und es beginnt in einem Hotel am Bodensee. Denn da erwacht die junge Renina und merkt mit Entsetzen, daß sich im Bett zwar nicht ihr Mann, sondern zwei seiner Freunde befinden und der erklärt ihr dann, daß er sie aufwecken wollte und sie deshalb unter Drogen setzte, so daß er mit seinen Freunden mit ihr Gruppensex betreiben konnte.

Renina ist entsetzt und eröffnet ihn, daß sie ihn verlassen wird. Er droht ihr aber mit Gewalt. Sie hat aber das Glück, daß sich der Verlag ihrer Eltern auch am Bodensee befindet. So geht sie zu ihnen. Trifft vorher aber eine berühmte Frau, die aus der Emigration zurückgekehrt ist, ihr Vorbild, die sie ermuntert, sich zu wehren und mit ihrem Verlag weiterzumachen.

So geht es durch den Tag. Am Nachmittag reiten. Da trifft sie einen Freund, der vielleicht später der Vater der Autorin werden kännte geworden ist und am Abend gibt es einen Empfang in dem Hotel, wo ein kleines japanisches Wunderkind auftritt, sich die höchste Prominenz befindet, der gewalttätige Ehemann Renina aber zusammenschlägt, als sie ihm eröffnet, daß sie schon eine junge Anwältin gefunden hat, die sie unterstützen wird, so daß sie erst ein Monat später in einem Krankenhaus aus dem Koma aufwacht und dieses Ereignis gleich mit Champagner feiert, obwohl noch einige Untersuchungen anstehen.

Ein bißchen zu schön gefärbt, aber leicht zu lesen für die moderne oder auch noch konservative Frau, könnte man über das “Aufbau-Buch” unken. Es wird sicher seine Leser finden. Auf die deutsche Buchpreisliste, wie mir am Cap Ferret einfiel, ist es aber nicht gekommen.

Der achte Kreis

Der vierte Krimi ist ein Thriller, also etwas härtere Urlaubskost. Eine Buchagentur hat mir, glaube ich, das Ullstein-Buch” angeboten und da Philipp Gravenbach 1978 in St. Pölten geboren wurde, bin ich neugierig auf den Autor geboren, der bei “Morawa” im September, glaube ich, auch mehrere Krimis moderieren wird.

Der Autor ist Jurist, hat in Berlin gelebt und jetzt wieder in NÖ. Das Buch ist, wie ich dem Text entnehme, ein Debut, obwohl der Einstieg wieder ziemlich schwierig war und ich länger brauchte herauszufinden, worum es in dem Thriller geht.

Dafür ist es ziemlich gewalttätig. Die Toten fliegen um, wie die Schnecken könnte man in etwa sagen und es geht um eine junge Türkin, die der Mafia-Gewalt ihres Onkels abstören will. Dazu muß sie aber einige Gewalttaten und Anschläge ausführen und der Vatikan spielt in dem Buch auch eine gewaltige Rolle. Da gibt es einen Kardinal und einen anderen höheren Geistlichen, die im Namen Gottes, die Welt retten wie sie sagen oder eigentlich zerstören wollen.

Denn Ostern naht und da ist der Petersplatz und der Dom immer voll mit Gläubigen und so muß sich Ishikli wie die Heldin heißt, sehr anstrengen ihre Bomben so zu werfen, damit niemand verletzt wird.

Es gibt auch einen ehemaligen Journalisten, der in die Sache verwecikelt ist. Eine Polizeibeamtin, die irgendwann entlassen wurde und jetzt wieder einsteigt namens Julia Freudensprung und noch einige Polizisten, die in dem Fall mitmischen und am Ende des Buches rät Philiph Gravenbach den Lesern doch nach Rom zu reisen und sich die Orte des Geschehens persönlich anzusehen.

“Das ist grundsätzlich immer zu empfehlen!”, schreibt er in der Danksagung, der inzwischen an der Fortsetzung arbeitet und andeutet, daß der nächste Teil in Paris spielen wird, wohin man natürlich auch reisen kann.

Aber ich bin ja gerade erst von Frankreich zurückgekommen und eigentlich kein besonderer Thriller Fan.

Der Titel ist übrigens eine Anspielung auf die “Göttliche Komödie”, die auf Seite 239 zitiert wird.

Mord im Lainzer Tiergarten

Krimi drei, die mich diesen Sommer begleitet haben, ist eigentlich keiner, sondern die Beschreibung eines realen Mordes, den es in Wien im Jahr 1928 gegeben hat und den der 1955 in Wien geborene Beppo Beyerl fiktional aufgearbeitet hat. Dabei gleichzeitig die zeitgeschichtlichen Hintergründe erläutert und auf das “Gmeiner-Buch” bin ich bei der Sommerlesereihe im Cafe Prückl aufmerksam geworden, als dort Beppo Bepperl und Erika Kronabitter gelesen haben und ich weiß gar nicht genau woher ich Beppo Bayerl kenne und wo ich ihn kennengelernt habe?

Inzwischen ist er GAV-Mitglied. Er war aber auch, glaube ich, beim PEN un d ist sicher ein vielseitiges literarisches Talent, der das Klo und die Wege nach Triest beschrieben hat und als ich im Cafe Prückl erfahren habe, daß er einen Gmeiner-Krimi hat, war ich erstaunt und wollte ihn unbedingt lesen, weil ich ihm das eigentlich nicht zugetraut habe. Es ist aber, wie schon geschrieben, keiner. Aber doch eine gut recherchierte erzählende Geschichte und das übliche Gmeiner-Sätzchen, daß Personen und Handlung freierfunden oder zufällig sind, stimmt also gar nicht, wie der Autor im Nachwort auch genau beschreibt.

Denn den Mordfall hat es gegeben. Alles andere dürfte er erfunden oder zusammengestellt haben, wie er im Nachwort beschreibt. Die Namen der Personen hat er geändert oder erfunden und in die Handlung auch in seine Lieblingsstädte Triest, Wien und Südböhmen darin einbezogen.

Da wird also eine Frauenleiche im Lainzer Tiergarten gefunden und man weiß lange nicht. um wem es sich handelt. Erst der Zahnarzt kann Auskunft geben, daß es sich um eine Luzzy Pelzer handelt könnte und den ermittelnden Kriminalbeamten hat Beyerl, glaube ich, überhaupt erfunden. Es war aber auch wirklich eine Dreiecksgeschichte. Die Stelle, die Beyerl im Cafe Prückl gelesen hat, wo der Kaufmann Franzl Berger mit einer Alice Decker in den Lainzer Tiergarten essen geht. Passt vielleicht nicht ganz in die Handlung, denn die Leiche heißt ja Luzzy Pelzer und die ist aus einfachen Wiener Verhältnissen nach Triest gekommen, wo sie sich reich verheiratet hat. Nun aber Witwe ist und sich auch im Glücksspiel verschuldet hat. Dann lernt sie einen angeblichen Grafen kennen, den sie später heiratet und ein Pelz- und Schmuckschmuggel beginnt.

Was da dahinter steckt, habe ich auch nicht ganz verstanden. Die Drei leben aber gut davon. Dann wird Luzzy ermordet und der Inspektor ermittelt. Zuerst wird, wie offenbar in diesen Fällen üblich, der Ehemann verdächigt. Aber der hat ein Alibi, war nämlich mit einer anderen Frau im Bett. Also kommt der Kaufmann dran. Der wird angeklagt und schließlich freigesprochen. Verkraftet das alles aber nicht, sondern erhängt sich ein paar Tage später, was auch in der Realität geschah und weil der Kaufmann Jude war, haben die Nazi das Ganze auch noch entsprechend ausgeschlachtet. Das war aber ungefähr zehn Jahre später. Vorher fand der Generalstreik und der Mord von Schattendorf statt.

Spannend, spannend und auch, wie unterschiedlich Krimis sein können. Das hier ist eher die Dearstellung eines realen Falles und keine Serie, wie bei Erich Weidinger und Annemarie Mitterhofer und ich habe festsellen können, wie vielseitig Beppo Beyerl ist, dem ich einen so langen erzählenden Text eigentlich nicht zugetraut habe.

Schwarzlicht

Jetzt kommt ein etwas ungewöhnlicher Roman der argentinischen Autorin und Kunstkriterin Maria Gainza, den mir der “Wagenbach-Verlag” als Quartbuch schickte.

Ungewöhnlich weil es eigentlich keine wirkliche Handlung und Spannungsplot gibt. Da begibt sich die Ich-Erzählerin zu Beginn des Buches in ein Hotel ,um ihre Geschichte zu erzählen.

Sie hat sehr jung nach ihrem Studium in einer Bank in der Fälschungsabteilung zu arbeiten begonnen und ist dabei selbst in Fälscherkreise gekommen, beziehungsweise hat sie Enriequeta Macedo, die dort arbeitete, sie in diese Arbeit eingeführt, beziehungsweise ihr bekannt, daß sie selbst von Fälschungen lebt.

Die ist dann gestorben und die Erzähler begann in einer Zeitung als Kunstkritierin zu arbeiten, ist aber dann entlassen oder von einem jungen Kritiker verdrängt worden.

Inzwischen gab es Begegnungen mit einer Fälscherbande in einem Hotel und dann begann die Suche nach der Negra, der berühmten Fälscherin, die aber keiner kannte und von deren Werke es eigentlich auch keine Beweise gibt.

Das alles erzählt sie in dem Hotel, während der Concierge immer wieder kommt und sie drängt das Zimmer rechtzeitig zu verlassen. Die Zeitung zahlt nicht mehr und die Minibarkosten muß sie auch selber übernehmen.

So verläßt sie das Hotel ohne eigentlich fündig und der berühmten Frau auf die Spur gekommen zu sein und geht wieder zu ihrer Zeitung zurück, obwohl die Zeiten der Kunstkritiker längst vorbei sind.

Eine Parodie auf oder Kritkik an den Kunstbetrieb wahrscheinlich und sicherlich interessant eine neue Stimme der argentinischen Gegenwartsliteratur kennengelernt zu haben

Maria Gainza wurde 1975 in Buenons Aires geboren und hat auch den Roman “Lidschlag” herausgegeben.

Der Schlafwagendiener

Nun kommt wieder ein Buch aus dem “Wagenbach-Verlag”, das von Anette Wassermann bei dem Bloggertreff in Leipzig sehr empfohlen wurde.

“Der Schlafwagendiener” der 1967 geborenen kanadischen Autorin Suzette Mayr, die damit ein sehr ungewöhnliches Buch geschrieben hat, das eher als eine literarische Reportage zu bezeichnen ist, da die Romanhandlung fehlt.

Denn der schwarze Baxter, der gern Zahnarzt werden will, muß sich sein Studium erst als Schlafwagendiener verdienen. So reist er 1929, also vor fast hundert Jahren mit den reichen Weißen, die sich das leisten können, von Montreal nach Vancouver.

Hat die strengen Schlafwagengesellschaftsregel einzuhalten, putzt Schuhe, serviert Frühstücke und Drinks und kann sich selber mit seinen Kollegen nur die billigsten Speisen leisten und wenn er fünfzig Strafpunkte bekommen hat, weil sich die Passagieren über ihn beschweren, wird er entlassen und so gehen die Tage dahin.

Er bekommt unsittliche Angebote, tröstet ein kleines Mädchen dessen Mutter verstorben ist und von der Großmutter zu seinem Vater gebracht wird. Bekommt von einem berühmten Doktor einen Geldschein und ebenfalls ein unsittliches Angebot, darf sich aber nach den Schlafwagengesellschaftsregeln von ihm zu keinen Drink einladen lassen, dafür schenkt er dem kleinen Mädchen sein Lieblingsbuch und repitiert im Kopf die Zahnreihen, damit das Studium später besser geht. Einen blinden Passagier, der nichts ißt hat er auch im Zug und eine berühmte Schriftstellerin oder eine Passagierin, die gerne Seancen legt.

Interessant an dem Buch ist, daß hier die Geschichte von unten aufgerollt wird, Held ist der schwarze Baxter und die Passagiere, die er betreut eigentlich nur das Beiwerk, während das in anderen Büchern eher umgekehrt ist und äußerst spannend eine fiktionale Reportage aus dem Neunzehntenjahrhundert zu lesen und damit in die damaligen sozialen Umstände einzutauchen und mit Baxter mitzuleiden.

Seelensturm

Jetzt kommt der zweite “Gmeiner-Krimi”, den ich jetzt schon in Frankreich gelesen habe.

“Seelensgturm” des am Attersee aufgewachsenen Erich Weidinger, der im schönen Salzkammergut spielt. Wieder ein spannender Kontrast, das während eines Frankreich Urlaubs zu lesen und wieder, was vielleicht ein bißchen schlmmer ist, Teil X einer Serie und wenn man von dem Autor noch nie etwas gelesen hat, fällt es etwas schwer sich in die Handlung einzulassen.

Es geht um einen Polizisten namens Werner Adler, der irgendwie anders heißt oder seinen Namen geändert hat und der hat offenbar ein Trauma Leichen zu sehen. So fallen sie ihm immer vor die Füße, obwohl er zu Beginn des Buches, das in zwei Tagen spielt, eigentlich noch Urlaub hat und den oder den Rest davon, verbringt er mit einer Tante, einem Hund, dem Sohn seiner Freundin, die noch in Griechenland ist und einer anderen jungen Dame in Bad Ischl. Schauen sich da ein Sisi-Museum an, während an einem anderen Ort im schönen Salzkammergut, ein Rudi, das Lager eines Postbeamten durchsucht, weil ihm ist ein Poststück verloren gegangen und er verdächtigt nun den Briefträger, es einbehalten zu haben.

Was er im Keller findet ist ein fein aufgegliedertes Archiv aller entwendeten Poststücke. Pech nur, daß ihn der Briefträger entdeckt und ihn gleich zu erschlagen glaubt. Er glaubt es und schleppt die vermeintliche Leiche zum See ,um sie zu entsorgen.

Sehr sorgfältig macht er das. Pech nur dabei, daß er dabei einen Schuh verliert und selbst ins Wasser fällt. Der Polizist findet den echten und den vermeintliche n Toten und am nächsten Tag, einem Sonntag muß er auch noch das traditionelle Attersee-Schwimmen überwachen und da kommt auch ein Schwimmer um und es stellt sich heraus, es war wieder Mord. Der Neffe, ein Apotheker, wollte ihm heimdrehen und dabei auch noch die Tante mitnehmen, weil die das Grundstück was er haben wollte, nicht verkaufte und Detail am Rande, in der Konditorei am See trifft der Sohn der Freundin dann noch Heinz Janisch, der Recherchen für sein neues Buch macht, dem Kleines einer seiner Bücher schenkt und ihm auch noch erklärt, daß seine Krimis ohne Tote auskommen.

So ganz hat das Erich Weidinger nicht geschafft. Ich würde das Buch aber als Soft-Krimi bezeichnen, das wahrscheinlich eher auf das schöne Salzkammergut neugierig machen und das Österreich-Klischee aufrechterhalten will, statt Morde aufzuklären.

Beim übernächsten Krimi oder Thriller, den ich gelesen habe, wird das anders sein und ein bißchen verrückt ist es wahrscheinlich das Buch im Auto auf der Fahrt durch das schöne Frankreich oder auf einer Bank mit Meeresblck zu lesen. Aber so ist das nun mal im Leben einer Literaturbesessen. C ´est la vie, um das französisch zu formulieren.