Begabte Bäume

Buch vier der Öst die ich ja heuer größtenteils vor der dBp lese, ist wahrscheinlich das künstlerisch anspruchsvolle Außerseiterbuch. Auf der Öst gibt es ja zum Gegensatz zum deutschen Buchpreis nicht nur Romane, sondern auch Essays, Lyrik, etcetera und heuer pünktlich oder besser etwas verspätet zum achtzigsten Geburtstag Bodo Hells “Begabte Bäume” aus dem kleinen aber feinen “Droschl-Verlag” und der im März 1943 in Salzburg geborene und in Wien bzw. auf einer Alm in Dachsteinnäche lebende Bodo Hell ist sicher ein Doyen der österreichichen experimentellen Gegenwartsliteratur. Ein Weggefährte Friederike Mayröckers könnte man so sagen, aktiv in der “Schule für Dichtung und der “Hochschule für Sprachkunst”, wo es, glaube ich, eigene Dachstein-Klassen gab.

Gelesen habe ich noch nichts von ihm, habe ihn aber, der sogar beim “Bachmann-Preis” gewonnen hat, bei verschiedenen Veranstaltungen gesehen, der mit seinem Käppchen und seiner Maultrommel nicht zu übersehen ist und jetzt hinein in das “Baumalphabet” zu dem Linda Wolfsgruber schöne Illustrationen geliefert hat.

So beginnt es mit dem “Ahorn”, mit dessen Saft man sich ja sein Müsli süßen und es als Zuckerersatz nützen kann. In Dachsteinähe gibt es wahrscheinlich einen Ahornkar und einen Ahornsee und da sind wir während wir uns mit Bodo Hell auf eine Bergtour machen, auch schon bei den Sagen über die er uns Auskunft gibt.

Dann gehts zum “Baum der Erkenntnis” , der nach jüdischer Auffassung ein Weinstock war. Hier werden Adam und Eva und auch Noah zitiert, sowie aus der Bibel “Ich bin der Weinstock ihr seid die Reben” und Mystikerinnen, wie Mechthild von Magdeburg, Teresa von Avila und die berühmte Hildegard von Bingen werden auch zitiert. Aber auch der griechische Gott Dionysos und der Winzer Ikarios haben sich mit dem Weinstock und den Reben beschäftigt, so daß man nur “Prost, wohl bekomms!”, sagen kann, bevor es mit der “Berberitze” weitergeht, die sowohl für den usbekischen Pilaw als auch für iranische Reisgerichte verwendet wird.

Dann kommen wir schon zur “Birke”:, Hänge-Zwerg-Sumpf und niedrige schwarze vor allem aber weiße Birke” und ein “Bretterzeilengedicht” in der berühmten Hellschen Tonart gibt es auch:” (der Wald) sehr warm kühl kalt, Sumpfwald, Jungwald, Gemeindewald, Hegewald”, etcetera, wo sich Hell in verschiedenen graphischen Ausformungen mit diesem Thema beschäftigt und dann kommen wir über die “Rotbuche” für mich natürlich besonders interessant, zum “Von Bäumen zerissenen Corona”: “Donna Belladonna Madonna Primadonna Corona, die hl. Corona ist traditionell die fürs Geld und für den Lottogewinn zuständige Fürbittergestalt”, das haben wir in den Pandemiezeiten zwar anders serviert bekommen, es ist aber sicher heilsam mit der Hellschen Diktion in die Poesie abzugleiten.

Von der “Eibe” und der “Eiche” geht es dann zum Erzherzog Johann, der ja auch in der Dachsteinregion residierte und seine Nannerl heiratete, sicher auch ein wichtiger Punkt in der Naturbetrachtung und im historischen Geschehen.

Das (weibliche) “Hollerauge” gibt es auch und da kommen wir ins Pielachtal und an die Traisen, wo ich ja fast zu Hause bin, beziehungsweise radfahre und dann zum Holz, zum Holzfällen, aber nicht zu Thomas Bernhard, sondern zu den Unfällen vor denen mn sich schützen muß, um nicht verletzt zu werden und dann natürlich zur “Holzverarbeitung”.

Dann beschäftigt Hell sich mit der “Huderpfanne Badewanne” beziehungsweise mit der “Auerhahnbalz”, die Ende April in der Weststeiermark stattfindet und wir kommen schon zu einer anderen Weggefährtin, nämlich der 2016 verstorbenen Ilse Aichinger, die mit ihrem Mann Günther und Sohn Clemens und Tochter Miriam jahrelang in der Villa Cioppi-Puhr in Großmain lebte. Da gibt es den vier Seiten langen Text “In das Land Salzburg ziehen” und andere Veröffentlichungen, die Hell zitiert und sicher lesenswert sind und dann kann man sich mit den Wortschöpfungen, die von der Natur zu der Kultur hinüberziehen bechäftigen: PFERDENATUR, AUSNAHMENATUR, FROSCHNATUR, etcetera bis zur REPARATUR, ABITUR, GARNITUR und von der SPRECHKULTUR zur REINKUTUR und UNKULTUR. Man sieht wie auch in früheren Texten Bode Hell ist ein wahrer Wortsammler und Sprachaktrobat.

Dann gehts zur “Kaiserbuche” am “Haunsberg”, wo es den “Wilden Mann” gab und zu den “Kastienrezepten” von Hildegard von Bingen, die bis ins Tessins reichen.

Aber auch den “Waldkauz in Warteposition” gibt es: “Schutz,Schmutz, Nichtsnutz, Aufputz, Liegestütz” bis wir dann zur “Kiefer” kommen.

Aber auch den “Kümmernis-Kommentar” gibt es bei den K-Worten und das “Kümmernis-Lied”: “o hl. Frau Kümmernis wie schön gewandet stehtst du da/ samt deinen güldnen Schuhen/ die Hände flach ans Holz gespießt/ hast keine Zeit zum ruhen”, wird da gereimt.

Dann gehts über die “Lärche” aus deren Holz es in der evangelischen Gemeinde Ramsau, einen “lärchernen Brunnentrog” gibt, den schon Martin Luther gesehen hätte können, zur “Latsche” durch die ich mich ja immer kämpfe, wenn ich mit dem Alfred auf den Göller gehe, die auch als Brennholz in diversen Hütten genützt wird und da gibt es Schilder, die die Wanderer bitten, das Holz hinaufzutragen: “BITT KNÜTT HÜTT” steht da besipielsweise geschrieben, ob da vielleicht Ernst Jandl unterwegs war, will Bodo Hell wissen.

Die “Linde” gibt es auch. Sprich Gerlinde, Herlinde, Sieglinde, aber auch die Linde Waber eine Künstlerin aus Zwettl, die glaube ich auch GAV-Mitglied ist und natürlich auch die, unter der Franz Schubert vielleicht einmal “Am Brunnen vor dem Tore” komponierte. “Linde tröstet Schubert” schreibt dazu Bodo Hell.

“Mammutbäume” gibt es in Göttweig und im Innviertel den “Sauwald”. Da gibts die “Sauwald-Erdäpfel”, das “Inntönefestival” und die “Sauwald-Bilder”.

Dann gehts zum “Tannenbaum” wo sich Hell fragt, woher die “Blätter” stammen, der auch ein “Vierundzwanzig Gräben-Räsel” anzubieten hat.

Es gibt die “Ulme” und das “Walcholder-Zweiglein”, die Weide” und dann, bevor wir zum Zirbenschnaps und dessen Rezeptur kommen, natürlich den “Wienerwald” beziehungsweise aus den “Geschichten” daraus. Das Sozialdrama von Ödon von Horvath aus den Neunzehndreißigerjahren und sein Autor kann ich oder Bodo Hell noch anmerken, von einem Ast auf der Champ d`Elysse erschlagen wurde.

Und so sind wir durch durch das Alphabet der “Begabten Bäume”, ein interessantes Buch in dem man in der Hellschen schönen Sprache viel über die Natur und die wahrscheinlich ebenfalls begabten experimentellen Dichter und Dichterinnen dieses Landes erfährt.

Bin gespannt, ob es auf die Shortlist kommt. Wäre sicher zu empfehlen, den Doyen der experimentellen Gegenwartliteratur ein bißchen in den Mainstream zu bringen.

Ermordet oder vertrieben

Irgendwann, wahrscheinich in der “Gesellschaft für Literatur” habe ich eine Karte mit dreiundzwanzig Autorenportraits gefunden, die auf eine Ausstellungseröffnung in der VHS Hietzing hinwies, die auf die im zweiten Weltkrieg ermordeten oder vertriebene Schriftsteller hinwies.

Und zu sehen waren bekannte Namen wie Hermann Broch, Elias Canetti, Hans Flesch-Brunningen, Alma Johanna Koenig, Theodor Kramer, Joe Lederer, Robert Musil, Hertha Pauli, Friedrich Torberg, Paul Zsolnay, Bertha Zuckerkandl und Stefan Zweig.

Das klang natürlich interessant, die VHS-Hietzing ist aber etwas weit, seit Corona und der Straßenbahnmaskenpflichtre habe ich ja die entfernten Lokalitäten eher gemieden und außerdem wollte ich heute eigentlich in eine Info Veranstaltung der Grünen um mit Sigrid Maurer zu diskutieren. Dann war es dort schon ausgebucht und ich hatte auch noch eine fünf Uhr Stunden und die grünen Veranstaltung wäre um sechs gewesen. Also doch in die Hofwiesengasse, aber auf der Karte stand etwas von Hetzinger Kai 131. Ist die VHS umgezogen? Nachgegooglet und ein Gebäude gesehen, daß ich von unserer Harland nach Wien Fahrten kannte, zwischen Ober und Unter St. Veit gelegen. Also dort hinausmarschiert. Bis Hietzing, die letzten zwei Stationen gefahren und dann die Nummer 131 nicht gefunden.

Bis ich es endlich hatte, war es schon halb acht und dann war ich auf einen Gang, wo zwar ein paar Leute standen, ein paar Plakate hingen und ein paar Weinflaschen herumstanden. Die Erfönung war offenbar schon aus und auf den Plakaten las ich außer Alma Johanna Koenig lauter unbekannte Namen. Von einer Rose Silberer zwar vielleicht schon etwas gehört, von einem Alfred Grünwald vielleicht auch, bei Josef Hupka und Erwin Weill muß ich aber passen und dann waren es nur etwa sieben Tafeln, wo blieben die anderen?

Das zuerst Evelyn Adunka gefragt, dann Robert Streibel den Kurator, die mir erklärten, daß die Sieben nur die von den Nazi ermordeten wären. Eine etwas mickrige Ausstellung könnte man also sagen und die VHS ist auf den Hietzinger Kai übersiedelt weil das alte Haus renoviert wird und außer zwei Mappen, wo man Informationen über die Ausgestellten finden konnte, gab es noch ein paar offene Bücherregale und da lese und staune den Clemens J. Setz “Monde vor der Landung”, dem doppelten Buchpreisnomierten.

Das Buch habe ich zwar schon gelesen, aber von “Suhrkamp” nur als E -Pub bekommen. Also ein kleines Trostpflaster und jetzt kann ich auf eigene Faust über die Vertriebenen recherschieren, von denen ich schon einiges gelesen habe. Von neunundvierzig Exilautoren ist etwas auf einen der Plakate gestanden und mir fielen noch einige andere wie Oskar Jan Tauschinski, Hilde Spiel und einige andere ein.

Und noch etwas habe ich Robert Streibel gefragt, als ich mir die paar Ausstellungsbilder noch einmal angeschaut habe, wo Else Feldmann fehlte und die wurde auch in Sobibor ermordet, war aber wahrscheinlich, wie Evelyn Adunka mir erkärte, wahrscheinlich kein PEN-Mitglied, weil ja eine Sozialistin, aber trotzdem wichtig sich an sie zu erinnern.

Ich schlage sie ja immer Julia Danielcyck für die Autorinnen feiern Autorinnen-Reihe vor und wer jetzt neugierig geworden ist, die kleine Ausstellung ist noch bis fünfzehnten Dezember in der VHS zu sehen und der Eingang füge ich für die Suchenden an, befindet sich gleich neben dem Diagnosezentrum und ist nicht sehr deutlich angeschrieben.

Wovon wir leben

Jetzt kommt schon Buch drei der österreichischen Longlist, wobei das schon etwas übertrieben ist, denn ich bin zu meinen neunten deutschen Buchpreislesen, da wir ja bis Ende August in Frankreich war, nicht gekommen. Auch da drei Bücher schon vorher gelesen und seither nur den Olah begonnen, denn es waren noch ein paar andere Bücher zu lesen und die österreichische Longlist wurde schon ein paar Tage später bekanntgegeben und diese Bücher früher als die deutschen auf der Netgalley, wo man ja die Bücher im PDF haben kann, zu bekommen.

Also diesmal etwas anderes, diesmal zuerst die Öst und dann erst die deutsche dBp lesen und da gleich, weil mir Susanne Rössler das PDF schickte mit Birgit Birnbachers “Wovon wir leben” begonnen und das ist ein Buch von dem ich schon gehört habe.

Nämlich bei “Buch und Wein” und bei den “O-Tönen” und die 1985 in Schwarzach im Pongau geborene Birigit Birnbacher habe ich durch ihr “Wir ohne Wal”,, ein Erzählband oder Roman der mich durch seine wechselnden Perspektiven überfordert hat, kennengelernt.

2019 hat sie mit der Erzählung “Der Schrank” gewonnen, da wurde dann auch darüber gesprochen, daß die Erzählerin Soziloogin und Sozialarbeiterin ist oder war und in der Corona -Zeit ist der zweite Roman “Ich an meiner Seite”, wo es um einen straffällig gewordenen Jugendlichen geht, erschienen, den habe ich auch bei den “O-Tönen ” hinten stehen oder sitzend gehört und auf der Longlist ist er auch gestanden.

Also von dem Buch und der etwas schnippischen Art , wie Birgit Birnbacher im MQ Klaus Kastberger konterte, voreingenommen und jetzt bin ich etwas ratlos, denn es passiert in dem eigentlich eher schmalen Buch sehr viel, aber da ist jetzt nicht die kunstvolle Sprache, wie meistens, wenn ich das schreibe, gemeint, sondern der Inhalt, der ein sehr sehr realistischer, wenn auch sehr widersprüchiger ist und dann auch wieder surrealistische Elemente hat.

Das Ganze spielt im Innergebirg, wo Thomas Bernhard, glaube ich, auch eine Anspielung seinen “Frost” geschrieben hat oder davon inspiriert wurde und die Heldin ist Julia Noch, eine Krankenschwester, achtunddreißig Jahre alt, die aus dem Innergebirg geflohen und, als Krankenschwester in die Stadt gegangen ist, ein Beruf, den sie vielleicht auch nicht ganz freiwillig wählte, weil das Pflegen ja die Profession der Frau ist und jetzt wurde sie entlassen und fährt wieder in das Heimatdorf, um sich von der Familie pflegen zu lassen, weil ihr ein Kunstfehler passierte und wieder widersprüchig oder zu dick aufgetragen, sie ist selbst krank.

Leidet an Asthma, hat Atmnot und in den Dorf ist auch nichts in Ordnung. Der Vater in Frühpension, ein Hypochonder, die Mutter hat ihn verlassen und ist nach Sizilien geflüchtet, der Bruder ist durch einen Kunstfehler des betrunkenen Betriebsartzes schon lang ein Pflegfall und die zwei Fabriken haben auch schon zugesperrt, so daß alle Männer entlassen worden und schon des Morgens im Wirtshaus sitzen. Der Wirt ist ein tyrannischer Typ und hat eine Ziege verspielt, die Elise heißt und nun bei einem Anitquar haust und ständig schreit, so daß sich Julia, die kranke Krankenschwester auch um sie kümmern soll?

Man sieht die Metaphernvielfalt, das ist vielleicht auch eine Kritik an dem Buch, daß es zu “perfekt konstruiert wurde” und dann lernt Julia noch den Städter kennen. Der ist auch krank, hatte einen Herzinfrakt und soll sich nun erholen. Er hat für ein Jahr ein Grundgehalt gewonnen, wofür ihn Julia neidisch ist, denn sie weiß nicht, was sie jetzt machen und wie sie weiterleben soll?

Die Freundin Bea, eine Architektin, rät ihr, sich als technische Zeichnerin ausbilden zu lassen und der tyrannische Wirt, der auch aussteigen will, zwingt den Städter um sein Wirtshaus zu spielen und läßt ihm offenbar bewußt gewinnen. Der revnoviert nun das baufällige Haus mit den arbeitslosen Männern. Sie finden dabei ein totes Pferd, der Grund des Schreien der Ziege und der Vater versucht zu verhindern, daß ihm Julia wieder verläßt, in dem er sich am Bein verletzt.

Ein offenes Ende? Wird sie bleiben, wird sie gehen? Die Mutter ist auch zurckgekommen und das Buch bietet auch wirklich Grund über den Sinn des Lebens oder “Wovon wir leben”, ein Titel, den ich anfangs als zu nichtssagend empfand, zu spekulieren oder eigentlich sollten wir es “wofür? nennen.

Denn man kann sich in der Stadt als Krankenschwester, wo man alles dokumentieren muß und zuwenig Zeit hat überfordern, selbst krank werden und Kunstfehler begehen. Man kann auch in das Heimatdorf zurückkehren und seine Erfüllung in der Carearbeit finden. Den Vater pflegen, der Bruder blüht dabei offenbar auch auf und mit dem Städter das Wirtshaus neu aufbauen und alles selbst bestimmen. Geht auch nicht, weil das heute ja als kitschig und als sozial nicht erwünscht gilt und da sind auch noch die Traumen der Kindheit, die eine daran hindern können?

Interessant, interessant, was man alles und dann auch noch in einer sehr realistischen Sprache, was mir ja sehr gefällt, ausdrücken und sich vielleicht auch noch darüber lustig machen kann?

Man kann natürlich auch fragen, wieviel Autobiografisches dabei zu finden ist? Birigit Birnbacher deutet in den Interviews, die ich mir während des Lesens angeschaut habe, einiges an. Sehr widerspüchig, sehr viel Inhalt und eigentlich ein beeindruckendes Buch. Mal sehen, ob es auf die Shortlist kommt? Nachdem was ich bei den Kritikern finde, würde ich es fast vermuten und wäre auch damit einverstanden, obwohl ich ja noch sieben andere Östlist Bücher zu lesen habe.

Kleine Vorschau auf Frankfurt

Heute kam eine Einladung zur Pressekonferenz der Frankfurter Buchmesse, die Anfang Oktober stattfinden wird und Slowenien als Gastland hat und da gab es in der “Alten Schmiede” einen slowenischen Abend, haben doch der 1963 in Ljubiana geborene Andrej Blatnik und der 1980 ebendort geborene Goran Vojnovic, den ich, glaube ich schon in der “Gesellschaft” gestreamt habe, ihre neuen Bücher vorgestellt.

Walter Famler hat moderiert und die Texte auf Deutsch gelesen, Marjeta Wakounig hat gedolmetscht und die beiden Romane klingen interessant und haben einen politischen Aspekt. Zumindest, der von Andrej Blatnik “Platz der Befreiung”, der auch Platz der Revolution” und Konressplatz hieß, sich Ljubiana befindet und da hat der namenlose Protagonist an einer Demonstration teilgenommen und da werden nun die Veränderungen beschrieben, die es seither gegeben hat.

Andrej Blatnik, der gut Deutsch zu verstehen und wahrscheinlich auch zu sprechen scheint, hat ein Stück auf Slowenisch gelesen, dann wie schon erwähnt Walter Famler ,den deutschen Text, beide Bücher sind bei “Folio” erschienen und beeindruckt hat mich der Satz, daß da ein Mächtiger eine Fabrik besucht, den Arbeiter fragt, wieviel Stücke er erzeugen kann und mit der Antwort nicht zufrieden ist, denn er würde es schneller können. Ja, sagt der Arbeiter, Sie sind auch Schlosser, ich Professor der Politikwissenschaft.

Das zweite Buch “18 Kilometer bis Ljubana” ist wahrscheinlich auch sehr politisch und da ist der Held Marko schon aus dem Vorläuferbuch “Tschefuren raus! Oder warum ich wiedermal zu Fuß in den zehnten Stock mußte” bekannt. Denn der kehrt jetzt von der bosnischen Provinz in seine slowenische Heimat zurck, wo er merkt, daß die Wände den Aufzügen inzwischen nicht mehr so verschmiert, wie sie es waren, sind und der Titel dürfte sich darauf beziehen, daß er die Rückkehr auf mehr oder weniger legaler Weise mit einen LKW macht und da nicht weiß ob er vielleicht Afghanen schmuggelt und am Ende war es wahrscheinlich nur Schweinefleisch.

Goran Vojnovic schildert das in einen sehr drastischen Ton, was das slowenisch sprechende Publikum zum Lachen brachte und in der Diskussion erklärte Goran Volnovic seine Ähnlichkeiten und Unterschiede zu seinem Helden, denn der Autor ist ja bekanntlich nicht seine Hauptfigur. Über die politische Correktness und ob man die jetzt in den Romanen unbedingt haben muß, wurde auch diskutiert, die Antwort war natürlich nein, obwohl Walter Famler vermutete, daß sich die slowenischen Feministinnen wahrscheinlich schwer mit dem Buch tun würden.

Nachher gab es ein Gläschen slowenischen Weißwein, der von irgendwem gespendet wurde. Annemarie Türk habe ich im Publikum gesehen, von den anderen habe ich niemanden gekannt.

Trotzdem war es ein interessanter Abend und eine Vorschau auf Frankfurt, wohin ich ja nicht fahre, aber einen kleinen Einblick in die slowenische Literatur und ihre Neuerscheinungen zu bekommen, kann nicht schaden, obwohl ich mit meinen dreifachen Buchpreislesen derzeit so beschäftigt bin, daß ich die höchstwahrscheinlich gar nicht lesen kann.

Der Verklärte

Ehe ich mit dem Buchpreis lesen anfange und da kommt heuer zuerst die Öst daran, weil diese Bücher früher als die Deutschen auf der Netgalley erhältlich waren, kommt ein österreichisches Schmankerl, hat mir doch der liebe Dietmar Füssel von dem ich viel aber nicht alles gelesen habe, sein neuestes Werk geschickt.

Der “Verklärte” heißt es. Am blauen Cover ist ein weiß gekleideter Füssel mit Flügel zu sehen und das ganze im “Lilium-Verlag” erschienene Büchlein ist nur zweiundsechzig Seiten dick, also auch nicht länger, als mein “Ukraine-Blues” der sich derzeit in der Druckerei befindet, vielleicht sogar kürzer und der 1958 in Wels geborene Dietmar Füssel ist bekannt für seine skurillen Texte.

“Ein schräger Autor!”, hat es, glaube ich, einmal eine Kommentiererin genannt und am Buchrücken nicht am Klappentext, den gibt es in dem Buch ohne Schutzumschlag nicht, steht “Gibt es ein Leben nach dem Tod?”

Eine Frage, die Dietmar Füssel oder Didi F. der erfolglose Schriftsteller, höchstwahrscheinlich nicht beantworten kann, aber ein guter Grund seine Fantasie damit zu beschäftigen und ein (kurzes) Buch darüber zu schreiben.

Da ist also Didi F. ,der erfolglose Schriftsteller, während des Lesens dachte ich noch, welch ein unprägnanter Name, als ich dann die Bibiografie ergooglet habe, leider gibt es die nicht in dem Buch, habe ich kapiert, daß das die Abkürzung von Dietmar Füssel ist und der geht spazieren. Dabei malt er sich, wie ich das auch manchmal zum Leidwesen meiner Kritiker tue, aus, daß er den Nobelpreis bekommt.

Dann würden sich die Verlage, um seine Bücher reißen und er ihnen schreiben, daß er ihnen absagen würde “weil meine Texte nicht in das stinklangweilige Programm Ihres ignoraten Scheißverlags…” weiter kommt er mit seiner Schimpferei nicht, denn er schaut nicht nach links und rechts in seiner Wut und wird von einem Auto durch die Luft geschleudert. Der Fahrer ein Politiker begeht Fahrerflucht, man sieht wieder Füssels Ironie und Didi steht plötzlich neben sich und hat seinen Schutzengel an seiner Seite, der sich als ziemlich unfreundlich und ruppig erweist und Didi drängt sich auf den Weg in den Himmel zu machen, weil er endlich wieder Wolkenbillard spielen will und der scheint irgendwie ähnlich wie das soziale Kreditsystem in China zu funktionieren.

Man muß endlos Schlange stehen, bis man endlich einem Petrus ähnlichen Portier gegenübersteht und dann muß man sich für seine Gerichtsverhandlung wappnen. Denn alle Sünden müssen aufgearbeitet werden und die waren zahlreich.

Hat man doch in seinem Leben unzählige Spinnen, Insekten und vielleicht sogar Mäuse getötet. Bei Didi F. war es eine Maus, die er in keine Lebendfalle steckte. also wird er als Maus, um zu sühnen wieder auf die Welt geschickt und dann soll, er das als Steckmücke gleich 2 317 Mal tun.

Da begehrt er auf und fragt den Richter, was das soll? Denn er hat einen getroffen, der als Mamut büssen soll. Nur leider gibt es keine solchen mehr und eine Sexarbeiterin, die von einem <kunden erwürgt wurde, muß sich als Spinne bewähren.

“Gibt es keine Gerechtigkeit?”, will er vom Richter wissen und dann endet das Buch, wieder typisch für Dietmar Füssel, in einem philosophischen Diskurs, das alles ohnehin sinnlos ist, beziehungsweise mit einem Selbstgeprächs des lieben Gotts, das “Nächster Fall”, lautet.

Ein interessantes dünnes Büchlein ,des Vielschreibers, der wahrscheinlich ähnlich wie ich, schon sechzig oder mehr Pulikationen aufzuweisen hat und so erfolglos würde ich vermuten, ist er gar nicht, sondern sehr fleißig und auch politisch sehr aktiv und ähnlich, wie ich, auch Corona kritisch eingestellt, wofür er leider beim letzten “Tag der Freiheit des Wortes” ausgebuht wurde, denn auch das hat sich in der letzten Zeit leider geändert, daß man seine Meinung nicht mehr überall frei äußern kann.

Ins Open House

Ich kenne das “Writersstudio”, das jetzt schon sein einundzwanzigjähriges Bestehen, feiert, schon sehr lang. Ich glaube daß Judith Wolfgruber die damals vielleicht noch Huber hieß ihr “Freischreiben-Buch”, wo sie die Schreibblokaden von Studenten lösen wollte, in der SFU vorstellte und ich war dann, weil mich das Thema “Schreiben lernen”, das man als ich zu schreiben begann, ja noch nicht so konnte, zweimal im Studio in der Kaiserstraße und dann bei der großen Eröffnung im neunten Bezirk.

Da gab es die ersten Gratisworkshops mit damals noch drei Trainerinnen und ich bin regelmäßig Jahr für Jahr hingegangen und habe auch irgendwann angefangen, Szenen für meine jeweiligen Work on Progess in den Miniworkshops zu schreiben.

2019 habe ich, glaube ich, ausgelassen, weil wir in Harland und da wie ich mich erinnern kann mit der Schwiegergmuter und der Betreuerin auf der Rudolfshöhe essen waren, dann kam Corona und das Writersstudio hat seine Veranstaltungen per Zoom angebotenund ist inzwischen auch in den fünften Bezirk gewechselt. Da gab es im Vorjahr ein großes Eröffnungsfest und heuer wieder an zwei Tagen Gratisworkshop und man kann staunen, daß sich das “Writersstudio”, wie auch Jurenka Jurk mit ihrer Romanschule weiterentwickelt und inzwischen viele Trainerinnen hat die Workshops leiten.

Früher ging es ja um das “Freischreiben” und Ana Znidar hat einen Shortstory -Kurs angehobten. Jetzt wird zwischen “Text know how für Angesellte und Selbständige” und den Lehrgängen “Passion Writing” und Memoir Book” unterschieden, die in den zwei Räumen, die es in dem neuen Studio gibt, parallel angeboten und per “Zoom” kann man auch daran teilnehmen, was sozusagen das Corona Erbe ist.

Ich habe mich weil ich ja offenbar eine “Passion Writerin” bin für das literarische Schreiben entschieden und da begann es am Freitag wieder mit dem “Feministischen Schreiben” was das ist, habe ich noch immer nicht ganz verstanden, aber, wie, ich glaube, ein recht perfektes “Freewriting” hinbekommen, das mit den Sätzen “Als Feministin geht es mir in Zeiten wie diesen gar nicht gut”, begann, wo ich mich mit den Veränderungen des Feminismus, seit Ruth Aspöck die Auf gründete und der Wiener Frauenverlag” inzwischen “Milena” heißt und auch Männer verlegt, beschäftigte.

Dann ging des mit der “Flash Fiction” weiter und da wurde dieselbe Geschichte ausgeteilt, die man kürzen sollte. Da habe ich es ja schon im Vorjahr auf vierzehn Wörter, glaube ich, gebracht und durfte den Text vorlesen. Diesmal habe ich ihn, glaube ich, etwas abgeändert, hatte nun neun Worte und ihn auf “Mißverständis: Max findet Danas Handy und alles wird gut”, gekürzt und einer fragte mich, damit gemeint wäre, während Daniela Reiter, die Feminismus Workshopleiterin, die bei den anderen Webinaren teilnahm, die Überschrift gutfand.

Dann kam Marcus Fischer, der ja sein Debut im Vorjahr bei den “O-Tönen” ,vorstellte und, glaube ich, einmal den Fm4 Wettbewerb gewonnen hat und der jetzt einen literarischen Romanworkshop anbietet. Da habe ich dann schon an meiner “Stalking Geschichte” geschrieben und meine Laura den Serverin wieder in der U-Bahn treffen lassen und dann kam Johanna Vredal, bei der ich auch schon geschnuppert habe, die es diesmal erotisch haben wollte, in die “Zona rosa” bat, wo aber nur Frauen teilnehmen durften und begeistert vom erotischen Schreiben sprach. Da hatte ich schon meine Zweifel, ob ich es wirklich so erotisch haben will und das “Erotik-Alphabet”, das man aufstellen sollte, enthielt bei mir auch ziemlich Negative Ausdrücke, wie “Gewalt” und “Traumatisierung”. Dann sollte man sich drei Worte aussuchen und einen Katlogeintrag darüber schreiben. Ich wählte den “Busen”, den “Penis” und die “Pornographie”, tat mir etwas schwer dabei, bis mir eingefallen ist, daß der Lebensgefährte von Lauras Mutter, der diese in den Lockdown-Zeiten immer begehrlich ansieht und mit seinen Händen an ihr herumgrapscht, sie zur Mitarbeit an diesem Lexikon auffordern kännte. Da war mein Text dann auch noch ziemlich wirr, so daß ich ihn nicht vorlesen wollte, was ich sonst immer gern tue, das aber auch bei der Laura Geschichte verweigerte und nur darüber erzählte, weil ich nicht sicher war, ob ich, weil ich ja sehr schnell und viel schrieb, das alles auch ohne stottern lesen könnte und dann gings vom der “Fantasy zum Liebesroman” und zu Michaela Muschitz, die das Schreiben von Unterhaltungsromanen anbietet und per “Zoom” zugeschaltet war.

Da wurde dann, was mich auch interessiert, gefragt, was den literarischen Roman, den ich ja immer schreiben will, vom Genre unterscheidet, was die Jurenka Jurk anbietet, die Antwort war, daß die Sprache bei der Literatur besser ist.

Ob das wirklich so stimmt, bin ich nicht ganz sicher, habe aber wieder in meiner Laura gewerkelt, beziehungsweise mir als Ort für meine Geschichte, die Stadt Wien ausgesucht, also ein Großstadtroman, während die anderen, glaube ich, auch an Höhlen und Wüsten dachten und dann als Ort, den man beschreiben sollte, wieder die U- Bahn ausgedacht, mit der Laura, nachdem sie von ihrem Vorstellungsgespräch kommt, fährt.

Das wars dann für den Freitag und am Samstag ist es um neun gleich mit fünf neuen literarischen Workshops weitergegangen und da hat Judith Wolfsberger, die Gründerin des Studios, die sich jetzt Direktorin nennt und das Studio “Institut für Schreibkompetenz” und “Neue Schule des Schreibens” wieder mit dem “Personal Essay”, der ihr ja sehr am Herzen liegt, begonnern.

“So heiß sind Essays!”, hat sie den Workshop genannt und mit Melisa Erkurt, die im “Falter” Kolumnen schreibt begonnen, bwz. mit der Corona-Zeit, die viel verändert hat.

Das “Writersstudio” ist online gegangen und ich habe in meinen Essay versucht meine Corona-Gedankenn zu orden. Da ließe sich trotz meiner vielen Bücher ,die ich schon darüber habe, sicher noch einen ausführlichen Essay schreiben und dann kam Ana Znidnar, gleich zweimal und führte zuerst wieder in ihre “Short Story” ein und da habe ich natürlich an meiner Stalking Geschichte weitergeschrieben. Eigentlich immer die erste Szene wo die Laura vom Vorstellungsgespräch kommt, in der U-Bahn von Severin fast angesprochen wird, aussteigt und kotzt, weil sie sich an Mutters Freund erinnert, der mit ihr im Lockdown eine Sexual und sich dann mit ihrer Freundin Sandra trifft, die gerade ihr Praktikum bei der “Aktiven Zeitung” macht und mit Laura einen Corona-Comic produzieren will, weil sie sich in Clinch mit ihrem Chef Edgar Hillinger befindet, der auf der anderen Seiten mit Olga Tocarck Bridge spielt. Bei der lernt Severin Klavierspielen und die ist auch die Nachbarin von Laura, die ja inzwischen mit ihrer Schwester Maja zusammenlebt. So könnte es beginnen. Es gibt drei Handlungsstränge und, daß mir noch die nötigen Auf und abs und Konflikte fehlen, habe ich schon beim Online-Schreibseminar am Sonntag festgestellt.

Man sieht der September ist immer reich an Schreibseminaren. Den Anfang der Geschichte hätte ich jetzt und Ana Znidar ist dann in das “Memoir” schreiben eingestiegen. Da gibt es jetzt schon richtige Lehrgänge und in der Mini übung ging es um das “Show not tell”. Man sieht, es kochen alle gleich und, was mich interessierte oder wo ich ein wenig Bauchweh habe, ist ja das mit dem “Schlimmsten”, was man erlebt hat und worüber man schreiben soll.

Was passiert aber, wenn man psychisch nicht so stabil ist, die Gefühle auszuhalten, hat die Psychologin gefragt. Ana Znidar tat zuversichtlich. Jurenka Jurk hütet sich aber aus diesen Grund vor dem autobiografischen Schreiben, das ja jetzt sehr modern ist und dann wurde es wieder feministisch und das noch ein Stückchen stärker, als bei Daniela Reiter. Viel stärker, denn Ba Ossege, die aus Berlin ankam, machte einen äußerst engagierten Eindruck, den Frauen ihren weibliche Stimme zu geben. Interessant, es war ein junger Mann im Raum, sonst zu neunzig Prozent Frauen, die sich für die Webinare interessieren und Ba Ossege, die Soziologin, beschäftigt sich in ihrem Seminar mit Amanda Gorman und nennt das “Empowerment”, was mir auch viel besser als “Kulturelle Aneignung” gefällt. Nur als ich mir die Krone der “Nofretete” aufsetzen sollte, spürte ich Wiederstand. Das war die Suche nach den “Ahninnen”, den starken Frauen, die es in den Museen höchstens als Köchinnen gibt. Aber auch die Nofretete hat wahrscheinlich ihre Diener gehabt und vielleicht sogar Männer in den Krieg geschickt. An der Krone klebt Blut würde ich befürchten und das will ich nicht, habe, ich eingewendet. Bin dann zur Maria Theresia gekommen, die wahrcheinlich auch keine so besonders sympathische Frau war, dann Berta von Suttner und Marie von Ebner Eschenbach, starke Frauen, ja, aber Adelige und daher sicher priveligiert und mit Bildungschancen ausgestattet, die die Zeitgenossinnen nicht hatten, die in den Dienst geschickt und von ihren Dienstherren vergewaltigt wurden. Da ging es mir mit Else Feldmann schon besser, Rosa Luxemburg ist mir noch eingefallen,ohne über deren Charakter viel zu wissen und war bei Marlene Streeruwitz angelangt, als die Schreibübung aus war. Elfriede Jelinek könnte ich noch hinzufügen und Empowerment ist sicherlich wichtig und feminstisches Schreiben, in Zeiten, wo man sein Geschlecht jedes Jahr ändern kann, sicher auch.

Zulerzt kam noch Anna Ladurner mit dem “Ich schreiben”, wie es jetzt heißt, bei der ich schon einige Workshops machte und die immer liebevoll Zettel und Schreibübungen austeilte. Diesmal war es besonders interessant: Man sollte drei Sachen von sich erzählen von denen zwei stimmen. Da sagten die Meisten “Ich liebe Bücher, bin das und das und mag kein Reisfleisch!” Das war dann falsch und ich dachte, sage ich, ich liebe schreiben, bin Psychologin und in zwei Jurien und alle sagen dann, das dritte ist falsch. Nur leider habe ich das Falsche vergessen. Ich hätte mir einen Hund zudichten sollen und am Schluß habe ich dann noch aus einem Detail über mein leben, nämlich über die “Kickl-Demo” vor zweieinhalb Jahren geschrieben und wenn ich da ein Detail entfremde, dann wäre ich nicht über die Brücke gekommen, sondern wahrscheinlich auch auf der Suche nach dem Klo in das Versicherungsgebäude, das ja angeblich gestürmt wurde, hineingerannt.

Das wars dann. Ein Fest hat es heuer nicht gegeben. Ich muß aber sagen, die Seminare waren wirklich intensiv und werden immer intensiver. Das liegt wahrscheinlich an der Professionaltät der Trainerinnen aber auch, daß ich jetzt viel lockerer bin und ich habe mir wirklich viele Ideen für meinen neuen Roman mitgenommen, den ich jetzt noch schreiben muß, wenn ich mit dem “Tod “und dem “Utopischen Roman” fertig bin. Mal sehen ob ich damit zufrieden sein werde? Aber mir fehlt ja die Aufmerksamkeit und das Feedback, obwohl ich mich sicher immer noch um die starken Gefühle und die Konflikte herumdrücke und immer schneller fertig bin und sechzig Seiten sind halt kein Roman. Aber ich will die “Stalking Story” ohnehin im November schreiben und im nächsten Jahr höchstwahrscheinlich wieder an den Gratiswebinaren, war ja meine Schreibfortbildung ist, teilnehmen und da freue ich mich über den Beerentee und die Schokokekse, die es dort gibt, was vielleicht auch den besonderen Reiz der “Studios für Schreibkompetenz”, ausmacht.

SELBST/e

Im Literaturhaus gab es wieder eine GAV-Veranstaltung, nämlich eine Kombination der .aufzeichnungssysteme mit Jörg Piringer und die .aufzeichnungsysteme, die ich immer noch mit elffriede verbinden, werden offenbar von Hanne Römer betrieben, die einige Bücher bei “Ritter” hat. Weil ich ja von den Open house Workshops des Writersstudio gekommen bin, habe ich das Lithaus erst erreicht, als die Einleitung schon voll im Gange war und war erstaunt, daß es auf der Bühne keine Lesetische gegeben hat, sondern an der Rampe Hanne Römer und Hannes P. Wurm, der auch im Programm stand, mit einem Kind gesessen sind, das herumlief, mit einer Feder spielte, etcetera und ich lange nicht wußte, gehört das jetzt zur Performance oder nicht?

Nun habe ich nichts gegen Kinder, bin inzwischen aber ziemlich lärmempfindlich, fühle mich von Nebengeräuschen oft gestört und kann mich auch erinnern, daß sich einmal sogar die Christine Nöstinger über herumlaufende Kinder aufregte und die Anna haben sie einmal mit mir aus einer Literaturveranstaltung hinausgeschmissen.

Diesmal aaber nicht, obwohl Jörg Piringer an sein Pult gegangen ist und da an diversen Geräten hantierte, Zeichnungen zeigte und es während das Kind immer noch mit der Feder spielte, es Tonaufnahmen über die “Zeit” und das “Warten” gab.

Das Thema “Funke” wurde auch öfter erwähnt und im Programm konnte ich lesen “Wieviele selbst/e kann ein Ich entfalten, resonant, hoch empfänglich, ohne in Selbtlosigkeit zu entschwinden?”

“Aha!”, habe ich gedacht und dann waren Ton und Zeichnungen plötzlich weg und das Knd, das offenbar Kiki hieß, spielte mit Seifenblasen und einem Mkrofon, sagte öfter etwas zu seinen Papa und man konnte spekulieren, wie das nun zu den “SELBSTen” passt”,

Was ist Literatur, kann man auch fragen und wie unterscheidet sich die von der Performance?

Dann verschwand das Kind mit seinem Vater und Jörg Piringer kündete die zweite Perfomance an, die “Selbstportrait” hieß, wo er sich von einer KI zeichnen ließ, was dann nicht ganz glückte.

Hanne Römer erschien auch in der zweiten Performance und las zuerst aus ihren “Ritter-Büchern”, später aus ihrem Handy vor, aber nur, weil sie den Text noch nicht gespeichert hatte und dann hieß es plötzlich “Schluß!”.

Die Zuhörer klatschten und ich sagte Jörg Piringer dann beim Getränketisch, das ich nicht alles verstanden hätte.

“Braucht man auch nicht!”, sagte der relativ forsch und ließ mich solcherart im Regen stehen und darüber nachgrübeln welche Literatur nun im Literaturhaus auftreten darf und welche nicht, weil sie offenbar niemanden interessiert?

Und wer noch etwas von den “SELBSTen” hören will, den kann ich beruhigen, daß es davon Fortssetzungen geben wird..

D- oder Doderer day

Das ist offenbar eine Veranstaltung die “Wien live” deren Magazin ich regelmäßig lese und die jetzt auch “Rund um die Burg” organisieren schon zum dritten Mal veranstalten. Die ersten beiden Male sind an mir vorbei gegangen, obwohl ich schon fast ein Doderer Fan bin. Zuminderstens habe ich 1977, glaube ich, als ich gerade in die Otto Bauer Gasse eingezogen war und mit dem Willi am Freitag in den Volksgarten tanzen ging, im Stadtpark begeistert die “Dämonen” gelesen. Zwar keine Ahnung von der Zeigeschichte, aber vor allem die Figur der des Leonard Kakabsa hat mich sehr beeindruckt. Die “Strudelhofstiege” noch immer nicht gelesen, dafür aber die “Merowinger” und als ich “Nicht berühren” beschrieben habe, habe ich mich mit dem Doyen der österreichischen Literatur 1896-1966 intensiv beschäftigt, dann gab es auch das Doderer-Buch von Klaus Nüchtern ein Doderer-Symposium in der “Gesellschaft”und jetzt der D-Day, der diesmal im Justizpalast stattfand, denn der wurde ja am 15. Juli 1927 in Brand gesetzt und darüber und von den Ereignissen von Schattendorf hat der konservative Heimito von Doderer, der ja auch NSDAP-Mitglied war in den “Dämonen”, die eigentlich “Dämonen der Ostmark” heißen hätte sollen, auch geschrieben.

Also in den Justizpalast an den ich immer vorübergehe, wenn ich beispielsweise vom Rathausplatz kommen. Um 18 30 hat die Veranstaltung mit Alfred Pfoser und Chris Pichler, moderiert von Helmut Schneider begonnen. Das habe ich mir schon lang in meinen Kalender geschrieben, dann gab es gestern aber eine Terminkollission und heute eine sechs Uhr Stunde, ich bin aber trotzdem hingegangen. Um viertel acht, wo ich vorher von einem Radfahrer fast überfahren worden wäre, angekommen und da zuerst durch eine Sicherheitsschleuse, was ich ja heiß liebe, aber eine freundliche Beamtin und ein tolles Haus mit einer tollen Holzdecke. Die Frau erklärte mir in den zweiten Stock um die Ecke zu Zimmer B3. Ob ich das finde?, habe ich sie skeptisch gefragt.

“Aber ja!”, war die optimistische Antwort.

Gefunden habe ich dann einen Büchertisch mit einem Herrn, der mir erklärte, B3 wäre hier. Aber verschlossen. Dann ist es aber wunderbarerweise aufgegangen, weil einer hinausgekommen. Ich hinein und statt Helmut Schneider saß eine Dame am Richterpult, die offenbar gerade die Schlußrunde einleitete. Dann wärs schon ausgewesen, wenn nicht Chris Pichler, die ich ja vom “Ohrenschmaus” kenne, gefragt hätte, wieso der Monsterroman “Dämonen” heiße und eine Dame dann entsetzt nach der Ostmark fragte und ein Herr wissen wollte, ob Canetti den “Nobelpreis” verhindert hätte?

“Hilde Spiel!”, habe ich, glaube ich, bei dem Symposium gehört. Ein Herr widersprach, denn die hättedie “Strudelhofstiege” sehr gelobt und die “Nobelpreis-Akten” noch verschlossen. Wir wissen es also nicht und die schöne Holzdecke konnte man sich auch an schauen. Ein paar tausend Akten wurden, glaube ich, damals vernichtet und ein Haufen Demonstranten im Palast. Das habe ich versäumt und ein Buch wäre mir auch noch beinahe auf den Fuß gefallen und dann habe ich mir auch noch am umfangreichen Büchertisch umgesehen und jetzt bin ich nur gespannt auf den viertel D-Day, der eigentlich in der Historie eine andere Bedeutung hat.

Literarisches aus Belarus

Kontrast zu gestern Abend,” als ich heute um viertel acht, ich hatte wieder eine sechs Uhr Stunde, die Gesellschaft für Literatur” betrat, war die Tür verschlossen und im ersten Stock sehr laut, da fand offenbar eine Party statt und in der “Gesellschaft” vielleicht zehn Leute.

Ines Scholz eröffnete gerade und stellte die Damen am Podium vor und da war Annemarie Türk von “Traduki”, Aylin Rieger von der “S. Fischer Stiftung” und die Schauspielerin Cornelia Köndgen. Annemarie Türk, die sich inzwischen, glaube ich, auch schon in Pension befindet, erzählte daß man von der Belarusischen Literatur oder der Situation dort, nur wenig weiß und ich dachte, ha? ist Sasha Filipenko, von dem ich ja vier Bücher gelesen habe nicht auch von dort?

Natürlich ja, aber bei der “S. Fischer Stiftung” geht es um etwas anderes und an diesem Abend um belarusische Frauen und da gibt es dort einen “Pflaumbaum-Verlag”, der von der Nobelpreisträgerin Swetlana Alexijewitsch, glaube ich, gestiftet wurde, um die dortigen Autorinnen zu fördern, genannt nach einer Jahuinjenija Pflaumenbaum, die in den neunzehnhundertzwanziger bis dreißiger Jahren literarische aktiv war und dann nach ihrer Heirat mit einem belarustischen Dichter literarisch verstummte.

Dieser Verlag hat nun eine Anthologie herausgegeben “Anthologie der Dichterinnen”, die diese “S. Fischer Stiftung” nun, glaube ich, in Europa bekanntmachen will.

Dann hat Cornelia Köndgen einige Gedichte aus dieser Anthologie gelesen und ich dachte, uje die Namen, da habe ich sicher Schwierigkeiten, sie richtig zu schreiben.

Das Original wahrscheinlich in russischer Sprache war auch zu sehen, sechzig Dichterinnen sind darin, glaube ich, enthalten und eine davon ist die 1969 in Smarhon geborene Tania Sarkynkina, deren Gedicht “Frühstück aus nichts” der Veranstaltung den Namen gab und sie schreibt ähnlich, wie Maja Haderlap ihre Gedichte auf russisch, Haderlap schreibt die auf Slowenisch und die Prosa zum Beispiel “Engel des Vergessens” oder das neue Buch auf Deutsch und Tani Skarkynkina ihre Prosa auf Smarhonisch”, eine Mischung aus Polnisch und Russisch, glaube ich, und da wurden Auszüge aus der Erzählung “Nach dem Klassentreffen” gelesen und das ist ein sehr politischer Text, der in die Vergangenheit zurückgeht. Da hat Annemarie Türk nachgehackt und wissen wollen, ob da die Schriftsteller schneller als die Historiker sind?, was die Autorin, die von Margarita Höckner gedolmetscht wurde, glaube ich,etwas überforderte.

Dann kamen auch die sieben Gedichte, die in der Anthologie enthalten sind und vorher wurden noch einige andere belarusische Autorinnen vorgestellt, deren Bücher auch auf Deutsch erschienen sind, da gibt es ja Volja Hapejeva, die ich, glaube ich, schon in der “Alten Schmiede” oder in pandemischen Zeiten über den Livestream hörte und Eva Vieznaviec Roman “Was suchst du Wolf?”, ist bei “Zsolnay” erschienen. Eine andere in Wien lebende Autorin war auch da und nacher gab es wieder Wein. Vielleicht den der gestern über geblieben ist, würde ich vorlaut unken und ich habe mich nett mit den jungen Damen der “Gesellschaft” unterhalten, ihnen von meinen Buchpreis-Leseeindrücken erzählt und Annemarie Türk dann um das Leseprobenheftchen angeschnorrt, das des beim “23 poesiefestival berlin” gegeben hat, woraus die deutschen Übersetzhungen gelesen wurde, damit ich die Namen richtig schreiben kann, aber um die habe ich mich jetzt gedrückt.

Zu Thomas Bernhards Wien

“Retrogranden aufgefrischt” hieß es in der “Gesellschaft für Literatur” weiter und während ich gestern in der “Alten Schmiede” August Bisinger zehn vor sieben erstaunt fragte, wieso da so wenig Leute wären, war es diesmal in der “Gesellschaft” nach viertel acht ganz voll.

Auch im zweiten Raum Sessel aufgestellt, aber als ich mich nach vorne drängte, bekam ich noch einen Platz in der ersten Reihe und vor mir saßen der Bernhard Schauspieler Martin Schwab 1937 geboren und die Literaturwissenschaftler Martin Huber und Wolfgang Straub und zeigten auf einer Karte die Wiener Orte in denen der 1939 geborene und 1989 verstorbene Thomas Bernhard präsent gewesen war..

Viele Orte gibt es nicht mehr, erklärte Martin Huber und sagte dann, daß Thomas Bernhard in zweiundzwanzig Wiener Bezirken präsent gewesen wäre.

“In welchen nicht?,” wollte er dann vom Puplikum wissen und höe und staune, es war der zehnte Hhiab, während der soziale aufsteigen Wollende bevorzugt im ersten Bezirk verkehrte.

Und dann ging es gleich an einen literarischen Ort, wo der alte Meister präsent gewesen ist, nämlich die “Gesellschaft für Literatur”, die damals noch im Palais Palfy befunden hat und literarische Jausen für die Literaten veranstaltet hat. Das war in den Sechzigerjahren, bis 1968 ist er glaube ich dort aufgetreten, dann gab es ja diesen Eklat mit der Preisverleihung, wo er den Unterrichtsminister mit den Worten, daß “anesichts des Todes alles lächerlei sei” erbost vertrieb.

Es gab dann einen Lesungsausschnitt bzw. eine Diskussion mit Wolfgang Kraus, dem damaligen “Gesellschafts-Leiter”, wo die junge Frau Schmidt-Dengler, die damals vielleicht noch nicht so geheißen hat, zu sehen war, die auch, wahrscheinlich mit ihrem Enkelsohn zu sehen war und dann gab es Lesungspassagen mit den Burgschauspieler.

Aus den “Billigessern”, denn höre und staune, der gut Bernhard, der ja eigentlich nur mit den Granden verkehrte, hat öfter in der WÖk diesen sozialen Speiselokal, wo man um sieben Schilling fünfzig gut essen konnte, das es auch nicht mehr gibt, verkehrt und vorher war er im Krapfenwaldlbad und noch früher hat er seinen “Frost” geschrieben. Im heißen Sommer 1962, wo es noch keine Klimakrise gegeben hat und ich wahrscheinlich meinen Sommer in einem Ferienlager der Wiener Kinderfreunde verbrachte.

Und die “Untergeher gibt es auch. Da rennt ein Aristrokrat in alten Kleidern durch ganz Wien, weil er die bessere Gesellschaft hasst und Thomas Bernhard, der von Salzburg nach Wien gekommen ist, hasste es auch und liebte es dann wieder, wie in “Holzfällen” wo es ja um das literarische Abendessen bei der Jeannie Billroth gehtbeschrieben wird.

Alexandra Millner, die glaube, ich eine Disser- oder Habilitation darüber geschrieben hat, war im Publikum und als ich sie nachher beim Wein fragte, ob das nicht ein “Unsiympather” war?, schluckte sie und sagte was von “ironisch”.

Also ein ironischer Unsympathler und immer noch ist das literarische Wien von diesem Oberschimpfer, der sich eigentlich sehr ungut gegen Jeannie Ebner verhalten hat, begeistert. Schade eigentlich, aber ein interessanter Abend und ich habe gleich die Gelegenheit genützt, Manfred Müller nach Thomas Olahs “Doppler” ,das ich gerade lese zu fragen, der sich ja offenbar auch ein bißchen in Thomas Bernhard Spuren begeben hat.

Er hat es noch nicht gelesen. Das Buch wurde aber, glaube ich, in der “Gesellschaft”, bzw. im Cafe Central vorgestellt und ich habe ,wer es wissen will, das präsentierte Buch nicht gekauft.

Natürlich nicht, warten ja noch etwa dreißig Buchpreisbücher auf mich und da habe ich ja wirklich genug zu tun und interessant vielleicht, daß ich während ich meinen Wein getrunken habe, offenbar neben einen jungen Literaturwissenschafter gestanden bin, der von dem großen Thomas Bernhard begeistert seiner Begleiterin erzählte.