Ein gemütlicher Abend

Hier wieder ein Eja Augustin Artikel, ein Versuch mein literarisches Leben in literarischer Form mit einem literarischen Alter Ego aufzuarbeiten und damit Gedankensplitter, Ideen und Alltagsereignisse wiederzugeben. Einen davon, der ein bißchen von den O-Tönen inspiriert war, gibt es ja schon, ein paar weitere was das die Buchpreise, die Buchmessen oder was immer betrifft, kann es vielleicht noch geben.

“Es war für einen achten August ziemlich kalt, als Eja Augustin ihre Wohnung verließ, denn es hatte am Wochenende ziemlich geregnet. In der Steiermark und in Kärnten hatte es katastrophale Überschwemmungen und Überflutungen gegeben. Sie war auf ihren Sonntagssapziergang auf die Rudulfshöhe und beim Radfahren auf den Markt sehr naß geworden. Jetzt war sie auf den Weg zu einer literarischen Veranstaltung und freute sich darauf, denn sie war als erfolgsfrei Schreibende eine literarisch interessierte Person.

Bevor sie aber das Gasthaus, in dem die Lesung stattfinden würde, kam sie an einem der offenen Bücherschränke voerbei, für den sie immer einen Plastiksack in ihrer Handtasche trug, da sie, obwohl in ihren Regalen schon mehrere tausend Bücher warteten, immer alles Interessante und es interessierte sie sehr viel, einzupacken pflegte.

Der Bücherschrank war, als sie ihn erreichte, erstaunlich belebt. Eine Frau räumte gerade einen Stoß in den ohnehin sehr vollen Schrank hinein. Auf der anderen Seite sortierte ein Paar den Inhalt und Eja bemerkte einen Stoß Kinderbücher, die von einem Drachen, aber auch, was sie besonders lustig fand von einer Petrolllea Apfelmus handelte. Ein Fund also für sie oder besser geschrieben, für die kleine Enkeltochter, für die, sie ihren Sack von dem Vorrat, der größer war, als sie einpacken konnte, füllte.

“Nicht so viel den Kindern auf einmal geben, damit werden sie nur verwöhnt!”, sollte ein Stammlesetheaterbesucher später zu ihr sagen und die Psychologin in ihr konnte nur antworten, daß das auch die Konzentration verringerte. Aber Loslassen war ja etwas, das sehr schwierig ist und die Mutter konnte ja aussortieren und das nicht gebrauchte, wieder zu den Bücherzellen zurücktragen, die es auch in ihrer Umgebung gab und ein Buch über eine Petrolella Apfelmus klang sehr lieb und etwas Zweisprachiges in ungarischer Übrsetzung gab es aucn.

Also eingepackt und später am Gasthaustisch Platz genommen. Einen gespritzten Ribelwein bestellt. Eine Spezialität, die es wahrscheinlich nur in dem etwas altmodischen Gasthaus gab und das Buch, das sie in ihrem Rucksack hatte, herausgenommen, um bis zum Beginn der Veranstaltung darin zu lesen. Die schon anwesenden Veranstalter begrüßen und einer eleganten alten Dame zu nicken, die wissen wollte, ob sie an ihrem Tisch Platz nehmen dürfe?

“Natürlich, selbstverständlich!”

Drei Pätze waren ja noch frei oder doch nur zwei, denn auf einen hatte ein, wie sich später herausstellen sollte, Musik- und Mathematikstudent mit lockigen brauen Haaren schon sein Limonadeglas abgestellt.

“Vielen Dank!”, bedankte sich die ältere Dame und erklärte den Studenten, daß es ihr trotz ihrer fünfundsiebzig Jahre sehr gut gehe und sie ihr Leben genießen würde. Das Leben genießen und deshalb nichts von Tod und Krankheiten, die eine in diesen Alter betreffen könne, nichts wissen wollen. Stattdessen umarmen, küssen und den Bekannten zunicken, denn der Veranstaltungssaal hatte sich inzwischen gefüllt.

Ein Schmalzbrot bestellen, obwohl sie eigentlich am Abend nicht viel aß, aber ihr Nachbar hatte ihren Gusta darauf geweckt und dann ging es schon los mit der Veranstaltung mit den “Katertotenlieder”, der “Unmöglichkeiten zu telefonieren” und den “Theorien der Subkultur”, denn damit hatte sich der inzwischen vor zehn Jahre verstorbeneä, dem die Veranstaltung gewidmet war, beschftigt und sie hatte ihn auch sehr gut gekannt. Hatte mit ihm mehrmals auf den Volksstimmefest gelesen, bei den “Poet-Nächten” oder war mit ihm am Ostermontag durch Wien spazieren gegangen um an literarischen Orten Lesungen zu veranstalten und den dort gelebt habenden zu gedenken. Er hatte auch für kurze Zeit eine inoffizielle Gedenktafel am Donaukanal gehabt.

Jetzt lasen die Veranstaltungen im Chor seine Texte vor. Eja biß in ihr Schmalzbrot und nickte der alten Damit zu, die ihr guten Appetit und gute Unterhaltung wünschte.”

Die Metamorphosen der Eja Augustin

Lauter Applaus drang aus dem Haupthof des Museumsquartiers, die “O-Töne”, das sehr beliebte Literaturfestival, daß sich Eja Augustin gern und regelmäßig anzuhören pflegte, war zu Ende und sie konnte nach Hause gehen.

So stand sie also auf, packte ihre Handtasche und schüttelte den Kopf. Denn eigentlich hatten ihr die die Aussagen der Autorin nicht gefallen. Letzte Woche war es ähnlich gewesen. Da hatte die Autorin den Moderator kritisiert und statt auf seine Frage zu antworten auf seine roten Schuhe hingewiesen und mehrmals betont, daß er vor kurzem “Staatspreisträger” geworden war. Gut, sie hatte sich über seine vielleicht zu anmaßenden Kritikerfragen geärgert und zurückgeschossen. Das war okay und voll in Ordnung und das würde sie, wenn sie in diese Situation kommen würde, genauso tun, denn sie war ebenfalls eine schreibende Frau. Zwar keine berühmte, sondern nur eine sich in Außenseitersituation befindende Selfpublisherin. Aber eine, die sich sehr für Literatur interessierte, viel las und daher auch das Gratisangebot der Stadt Wien, beziehungsweise der Literaturabteilung gern annahm.

Also durfte die Autorin, den sie interviewenden Moderator gerne kritisieren, die diesmalige Autorin hatte aber eigentlich nichts anderes getan, als die Literatur für sinnlos und unwichtig zu erklären. Etwas, was sie überhaupt nicht so sah, denn sie nahm ihr Schreiben sehr ernst, auch wenn sie, wie sie immer hören konnte, es längst nicht so gut beherrschte, wie die ehemaligen “Bachmann-Preisträgerin”, die jetzt sogar eine der wichtigsten Literaturzeitschriften Österreichs herausgab, obwohl sie wahrscheinlich halb so alt, wie Eja Augustin war.

Vielleicht war ihr ihr Ruhm zu Kopf gestiegen oder hatte es sie überfordert, plötzlich von einer Lesung, von einem Interview zum anderen herumgereicht zu werden? Das wäre verständlich und da könnte Eja ihr keinen Vorwurf machen. Schließlich hatte sie ja einmal Psychologie studiert. Trotzdem war es aber unbefriedigt von der Autorin nichts anderes gehört zu haben, als, daß das Leben und das Schreiben sinnlos war und das schien jetzt modern zu sein.

Hatte sie doch in letzter Zeit öfter Romane gelesen, wo die Autoren erklärten, daß sie ihren Text selbst nicht erklären können, oder den Inhalt vollends auf den Kopf stellten und da hatte Eja sich gedacht, daß das wohl deshalb war, weil schon so viele Bücher geschrieben worden waren und wollte man da auffallen, musste man da vielleicht schlapsige Antworten geben. Das wäre eine Erklärung, mit der sie etwas anfangen konnte, aber eine, die ihr nicht so besonders gefiel, denn sie nahm ihr Schreiben ernst, wurde aber zu solchen Veranstaltungen nicht eingeladen,

“Da sind Sie nicht gut genug! Haben Sie doch keinen Verlag! Wer will Sie lesen? Wenn wir Sie einladen haben wir lauter leere Stühle und das wollen wir nicht! Das können wir uns nicht leisten!”

Und es stimmte. Der Hof des Museumsquartiers war sehr voll. Das Publikum hatte begeistert geklatscht und drängte sich jetzt auch um den Bücher- beziehungsweise, um den Signiertisch, um sich ein Autorgramm von der Autorin zu holen und das war vielleicht ein weiteres Problem über das man sich ärgern konnte. Die Leute lasen immer wieder und schrieben dafür mehr. Fünfundzwanzig Prozent der Schulabgänger konnten, wie sie neulich gehört hatte, nicht mehr sinnerfassend lesen, wenn sie die Schule verließen und die die es noch konnten, lasen vielleicht lieber Comics, Chick Lits oder gingen vielleicht gleich ins Internet, um dort zu chatten.

Sie las sehr viel und würde sich jetzt auch die Buchpreisbücher wieder holen. Die zwanzig Bücher, die für den “Deutschen Buchpreis” nominiert würden und die zehn von der “Österreichischen Buchpreisliste”, während ihre selbstgemachten Bücher niemand lesen wollte.

“Das interessiert uns nicht, wir sind lieber für Qualität!”, war eine Antwort, die sie öfter hören konnte und jetzt drängten sich tatsächlich einige Leute, um den Büchertisch oder stellten sie sich am Signiertisch an, um ein Autogramm von der ehemaligen “Bachmann-Preisträgerin” zu bekommen.

“Ob die alle gelesen werden?”, fragte sich Eja Augustin kritisch, die jetzt selbst um den Büchertisch herumstrich, sich aber keines kaufen würde, weil sie ihr ganz ehrlich zu teuer waren und hatte auch ihre Zweifel daran, weil sie öfter die sehr gehypten Bücher von den Buchpreislisten in den offenen Bücherschränken oft noch originalverpackt fand.

“Da hat wieder eine Schwiegermutter ein Buch von Reinhard Jirgl oder Ulrich Petzer zu Weihnachten bekommen und fängt nicht viel damit an, weil sie lieber Kimis oder vielleicht auch gar nichts liest”, dachte sie kritisch und dann wieder an ihre sechzig selbstgemachten Bücher, die sie im Laufe ihres Lebens schon geschrieben hatte. Und das Thema schreiben, war auch eines, daß sie sehr interessierte.

Gab es da ja schon “Den verrückten Traum der Thea Leitner”, wo eine erfolglose Autorin in dem berühmten “Star-Verlag” eingesperrt wird und sich dann in den Verleger verliebt, sowie “Das literarische Leben der Dora Faust”, wo eine erfolglose Autorin einen Roman schreiben will und da über sehr viele Geschichten stolpert. Eine literarische Agentur an die sie das Buch geschickt hatte, hatte nicht viel damit anfangen können und eine Schriftstellerkollegin hatte sich über den sprechenden Namen sehr mokiert. Denn eine Thea Leitner gab es ja. Gut, das waren vielleicht Anfangsfehler und wahrscheinlich würde es jeden Namen, den man einem Protagonisten verlieh, im wirklichen Leben schon geben und neben dem ” Literarischen Leben” und dem “Verrückten Traum” könnte sie auch Metamorphosen stellen.

“Die Metamorphosen der Eja Augustin” und unter diesen Titel ihre Schreibgedanken in ihren Blog stellen oder als einundsechzigstes selbstgemachtes Buch herausgeben.

“Eine interessante Idee!”, dachte Eja Augustin.

“Habe ich heuer ja ein Jubiläumsjahr, schreibe ich nun schon fünfzig Jahre, habe seit fünfzehn Jahren einen literarischen Blog in dem ich meinen Senf über den Literaturbetrieb verspritze und feiere im November meinen siebzigsten Geburtstag. Da könnte ich ein literarisches Geburtstagsfest machen und siebzig Minuten aus meinen sechzig Büchern oder aus meinen “Metamorphosen” lesen!”, dachte sie und lächelte der Autorin, die jetzt vom Signiertisch aufschaute aufmunternd zu.

“Es ist doch nicht alles so sinnlos, wenn man erfolgreich ist und das Schreiben und das Lesen ist schön und wenn sich Ihre Leser über Ihre Bücher freuen, sollten Sie das vielleicht auch tun!”

Die Toten lassen grüssen

Gleich nach dem “Bachmannpreis”, Christiane Zintzen hat das ja einmal “Bachmannpreis-Kolloquium” genannt und mitten drin in meinen “Fünfzehn Jahre Literaturgeflüsterfeiern” wieder ein aktueller Bericht über mein Schreiben.

Bin ich da ja sehr fleißig, obwohl der Erfolg ausbleibt und wenn ich mir so die “Bachmannpreis- Diskussionenen” an und Klaus Kastberger beispielsweise sagen höre, daß er von Thomas Bernhard schwärme und er viele der vorgetragenen Texte für zu konventionell halte, bin ich nicht sehr ermutigt, obwohl in diesem Jahr schon sehr viel passierte. Zwei zugegeben nicht besonders lange Texte sind entstanden, die aufs Fertigwerden warten.

“Die drei Frauen” haben shon ein Cover, so daß es bald eine “Vorschau” geben kann.

Der eher kurze “Ukraine-Blues” liegt beim Alfred” und während ich den “Bachmann-Preis” nur sehr entfernt aus der Publikumssicht betracht, habe ich mir in diesem Jahr schon einige Gratis-Webinare der Jurenka Jurk gegeben und muß schreiben, sie haben mich sehr motiviert.

Haben die “Fünf Tage Workshops” doch die “Drei Frauen” hervorgebracht und der Ukraine Workshopü ist aus dem “Heldenreise-Webinar” oder dem Webinar über die drei Fehler, die den Roman nicht spannend machen, entstanden. Ob da mein Ziel stark genug war, bin ich mir nicht ganz sicher und vor ein paar Wochen hat es wieder ein Webinar gegeben und daraus hat sich dann die Idee zu “Die Toten lassen grüßen” geformt.

Das heißt, das stimmt nicht ganz. die erste Idee ist mir schon im April gekommen. Da habe ich “Als wir Vögel wären”, gelesen wo es ja um ein paar Tote geht, die miteinander kommunzieren. Da habe ich ein bißchen mitgeleckt. Mir etwas aufgeschrieben und dann darauf vergessen. Bin ich doch gleich darauf zur “Literatur und Wein” gefahren und dann nach Leipzig. Dann war es bei mir sowieso sehr intensiv. Fünfzig Jahre GAV wurde gefeiert und fünfzig Jahre schreiben. Ich habe beim “Tag der Freiheit des Wortes “gelesen und völlig ungeplant bei der Krit Lit. Dann sind wir von Bamberg nach Mainz geradelt und dann war das Gstöttmeier-Buch zu lektorieren. Mein erstes Lektorat, lieber Uli, höre und staune, das ist jetzt abgegeben.

Der “Ukraine Blues” wurde fertig korrigiert und dann nach dem vier Stunden Webinar war wieder Zeit mich mit dem Romanprojekt zu beschäftigen und da habe ich schon einen vorläufigen Szenenplan und einen Roman im Roman, wo ich noch nicht so sicher bin, wie ich den, da gibt es ja schon zwei UtopieGeschichten im Blog. “Literaturgeflüsterfeierschmankerl zum fünfzehnten Geburtstag habe ich sie genannt, in den Roman integrieren werde oder ob man den nur im Blog finden wird?

Eine interessante Frage, die ich lösen muß und nun zu dem Roman, wo ich schon vier Szenen, fünftausendzweiunddreißig Worte und elfeinhalb Seiten habe und die zwei schon erwähnten Roman-Szenen.

Da geht es ja um die Volksschullehrerin Julia, deren Zwiillingsbruder Julian vor zwei Jahren einen Schlaganfall hatte. Das Trauma wurde noch noch bewältigt und zu Beginn trifft Julia auf der Geburtstagsparty ihrer Freundin Mila auf Fabian, dem Germanisten und Literaturwissenschaften, der gerade den utopischen Roman “2035” schreibt, von dem es schon die bewussten zwei Szenen gibt.

Julia lebt bei ihrer dementen Großmutter Emilie, die sie betreut und die lässt sich nicht überzeugen, daß Fabian, der Julian zum Verwechseln ähnlich sieht, nicht der Zwillingsbruder ist. Julia verliebt sich in Fabian oder hat damit wegen der Ähnlichkeit Schwierigkeiten. Fabian schreibt seinen Roman und die demente Großmutter, digitaler Demenzroman, ist der Untertitel, spielt auch ihre Rolle. Dann gibt es noch den obdachlosen Soziologen Juri Steiner, der mit Mila eine Beziehung aufbaut und ich hätte schon Stoff für drei oder vier Romane.

Mal sehen, wie lang es wird? Wie lange ich durchhalte und ob mir damit endlich der Durchbruch gelingt oder ich wenigstens ein bisschen Beachtung bekomme. Ich werde darüber berichten und bin auch sehr gespannt.

Die zweite Utopie

“Dann hatte sich die Situation verschärft. Ärger und ärger war sie geworden und Lisa hatte auch ein Mail von ihrer Betreuerin bekommen, die sie zu sich bestellt und ihr mitgeteilt hatte, was sie schon in den Nachrichten gehört hatte, daß sie, wie die meisten arbeitslos gewordenen in das “15/15 Grundprogramm” überstellt würde und die Betreuerin hatte sehr erfreut getan.

“Das ist doch großartig, Frau Schneider, freuen Sie sich über die gute Nachricht!”, hatte sie geschwärmt und Lisa hatte die Schultern gezuckt und das überhaupt nicht so gesehen.

“Das AMS wird umstruktuiert und und zum größten Teil von den KIs übernommen, so daß sie sich nicht mehr herbemühen müßen!”, hatte sie geflötet und Lisa hatte kurz daran gedacht, daß das wohl auch die Betreuerin um den Arbeitslatz bringen würde.

“Ab November brauchen Sie sich nicht mehr zu mir bemühen! Sie kommen ins Grundprogramm, bekommen ihre 1500 Euro pünktlich, über die sie, wenn das andere stimmt, nach Belieben verfügen könnten!”, hatte sie geschwärmt und als Lisa sich erkundigte, was das “15/15!”, bedeutete, hatte sie ihr, wie Erhart erläutert, daß sie, wenn sie sich wohl verhielt, jeden Tag fünfzehn Minuten lang spazieren oder einkaufen konnte und ihren Wohnraum nicht um mehr, als fünfzehn Kilometer überschreiten dürfe. Als ob man das in fünfzehn Minuten schaffen könne?”, hatte Lisa entsetzt gedacht.

“Und sonst bin ich eingesperrt?”, gefragt, was ein Verdacht war, den Helga Pfleger auch nicht entkräften konnte, obwohl sie sich bemühte ihre Bedenken zu zerstreuen.

“So weit der C02-Gehalt das erlaubt, Frau Schneider! Sie wissen ja, wir müssen unsere Klimaziele erreichen und wenn wir alle uns unbegrenzt auf den Straßen bewegen, kann das nicht funktionieren! So hat sich die Regierung, die WHO und auch die europäische Union dieses Programm ausgedacht und da Sie ja einen Computer haben und über Skype und Zoom kommunizieren können, werden Sie die Einschränkungen gar nicht bemerken! Ist es doch im Gegenteil sehr schön, daß Sie nicht mehr in der Hitze auf die Straße müssen! Sie können in ihrer klimatisierten Wohnung bleiben und wenn Ihr Punktekonto stimmt, können Sie auch jeden Tag fünfzehn Minuten hinaus! Sie können einkaufen und eine Runde, um den Wohnblock laufen! Sie werden sehen, damit kommen Sie schon recht!”, bekräftigte Frau Pfleger und sah jetzt auch ein wenig bekümmert aus, als würde sie sich Sorgen machen, daß ihr das auch passieren könnte, wenn sie das AMS ausgelagert hatte. Sie gab das aber nicht zu, sondern strahlte sie betont freundlich an und Lisa kam nicht umhin entsetzt zu denken, daß sie dann mit Erhart den ganzen Tag eingesperrt wäre.

“Was soll ich da nur anfangen?”, dachte sie entsetzt und dachte es immer noch, als sie das AMS, das letzte Mal, wie es schien, verlassen hatte, in den Supermarkt ging und sich bemühte, so schnell wie möglich Brot, Joghurt und ein paar Gemüsesorten, die in den Regalen zu finden waren, zusammenzupacken.

“Und das in Zukunft nur noch fünfzehn Minuten lang! Was soll ich da den ganzen Tag anderes tun, als fernzuschauen und mit Erhart zu streiten, der auch gelangweilt und unterfordert ist, denn ihm, das habe ich schon herausgefunden, tut dieses Grundprogramm auch nicht gut und ich bin von ganzen Herzen Krankenschwester und soll jetzt den ganzen Tal lang unbeschäftigt zu Hause sitzen und den KIs meine Arbeit überlassen! Das kann es doch nicht sein?”, dachte sie verzweifelt und stieg mit ihren Einkaufskorb, die Stufen ihres Wohnhauses hinauf.

“Ab jetzt hier eingesperrt! Nur fünfzehn Minuten täglichen Ausgang und das auch nur bei Wohlverhalten! Das kann es doch nicht sein!”, dachte sie und überlegte, ob es nicht besser wäre, sich vielleicht die Pulsadern aufzuschlitzen oder die Tabletten, die sich zu Hause befanden, auf einmal einzunehmen, als sie von oben Schritte hörte und eine Bewohnerin vom dritten Stock auf sie zukommen sah.

“Guten Tag, Frau Hermann!”, begrüßte sie die alte Frau.

“Wo wollen Sie denn hin!” fragte sie auf deren Morgenrock und Hausschuhe schauend und überlegte, wie die das mit ihren fünfzehn Minuten Kontigent, den sie, als Pensionistin sicher ebenfalls hatte, hielt und als sie den ratlosen Blick der alten Frau sah, die die Antwort nicht zu wissen schien, fiel ihr ein, daß sie von Erhart von ihrer Demenzdiagnose gehört hatte.

Wo war nur die Robot-KI , die sich um die alte Frau kümmern sollte, während die diplomierte Krankenschwester beschäftigungslos zu Hause saß? Das konnte doch nicht sein und durfte es nicht geben.

“Soll ich Sie nicht wieder hinaufbegleiten? Es ist vielleicht zu heiß um spazieren zu gehen!”, sagte sie und hängte sich in die alte Frau ein, die sich widerspruchslos in den dritten Stock hinaufführen los, wo die Wohnungstüre offenstand und sich die Zimmer, wie sie sah, in ziemlicher Unordnung befanden.

“Kommen Sie, ich räume Ihnen ein wenig auf!”, sagte Lisa erleichtert und überlegte, ob sie sich vielleicht, statt beschäftigungslos zu Haus zu sitzen, um Frau Hermann kümmern sollte, wenn deren KI das nicht tat, denn offenbar schien das “15//15 Grundprogramm” doch nicht so problemlos zu funktionieren.”

So da ist es gleich weiter mit dem Roman in dem Roman gegangen, von dem wir schon eine Szene kennen. Morgen gibt es dann einen Schreibbericht über mein derzeitiges Work on Progress “Die Toten lassen grüßen”, in dem die beiden Szenen vorkommen könnten oder werden, denn da schreibt ja Fabian Kratky einen utopischen Roman.

Eine erfreuliche Überraschung?

Nun ein angekündigtes Schmankerl zum Blogjubiläum, damit das “Fünfzehn Jahre “Literaturgeflüster” feiern”, so richtig durchgehen kann, ein Probekapitel aus meinen neuen Romanprojekt “Die Toten lassen grüßen”.

Da habe ich ja schon einen ungefähren Szenenplan. Also Julia und Julian waren Zwillinge, sie Volksschullehrerin, er studierte noch Philosophie, als er vor zwei Jahren einen Schlaganfall hatte. Jetzt ist Julia achtundzwanzig und noch immer traumatisiert. Ist sie doch am Morgen nach einer Party, wo Julian sich etwas gespritzt und getrunken hatte, am Morgen aufgewacht und hat ihn tot neben sich im Bett gefunden. Jetzt hat sie ihre Freundin Mila zu ihren Geburtstagsfest eingeladen und da erlebt sie einen neuerlichen Schock, kommt da doch ein Freund der Schreibtrainerin in das Zimmer und der sieht Julian zum Verwechseln ähnlich. Das ist Fabian Richter, 32, Literaturwissenschaftler und angehender Autor und der schreibt gerade an einem dystopischen Roman dem Arbeitstitel “2035” und daraus nun eine Probe”.

“Lisa stand in ihrer Küche und war dabei Zwiebel für das Mittagessen zu schneiden. Dazu Kartoffeln, ein bisschen Käse und zwei Eier in die Pfanne geben. Ein bisschen Salat war auch noch da. Musste sie doch, seit die Pflegestation in der sie seit ihrer Ausbildung gearbeitet hatte, voll rationalisiert und mit Robotern bestückt worden war, sie entlassen hatte, sehr sparen, um über die Runde zu kommen, da ein neuer Job, weil sich auch die anderen Spitäler aus Kostengründen größtenteils mit KIs begnügen, kaum zu bekommen war. Sie seuftze also auf und zuckte zusammen, als sie an der Wohnungstür Sperrgeräusche hörte.

Das war ihr Lebenspartner, der Programmierer, Erhart, dem vor einem Jahr das gleiche Schicksal passiert war, daß er von seiner Firma entlassen wurde, weil die, seit die KIs Überhand genommen hatten, keine Programmierer mehr brauchte, was Lisa zwar immer noch nicht erstand, aber offenbar so war und Erhart kam gerade vom AMS-Termin, die ihn regelmäßig bestellten, um ihn die ohnehin nur sehr geringe Unterstützung, da die Inflation immer noch sehr hoch war, auszubezahlen. Also würde auch er sehr frustriert sein, dachte Lisa aus Erfahrung und hätte sich aus dieser Stimmung heraus fast in den Finger geschnitten. Ihre Augen glitzerten ängstlich und sie zitterte auch ein bisschen, als sie Erhart eintreten sah.

“Wie war es es?”, erkundigte sie sich zaghaft und wunderte sich, als er sie strahlend anlächelte und offenbar erfreut in die Arme nahm, um ihr ein Begrüssungsküßche n auf die Stirn zu drücken. Offensichtlich waren ihre Befürchtungen übertrieben und es war gar nicht so arg.

“Haben sie dir eine neue Stelle gefunden?”, fragte sie also schon wieder ein bisschen hoffnungsvoll und sah ihm den Kopf schütteln.

“Das nicht Lis! Aber ich bin in das neue Grundsicherungsprogramm aufgenommen worden! Das ist doch ein Grund zur Freude und du solltest mit deiner Betreuerin sprechen und sie fragen, ob das auch etwas für dich wäre und sie dir das ebenfalls anbieten können?”

“Das neue Grundsicherungsprogramm?”, wiederholte Lisa und sah Erhart fragend an..

“Da war doch etwas in den Nachrichten! Da hat der Sozialminister davon gesprochen und das Programm mit dem er die Arbeitslosigkeit, der durch die KI Entlassenen absichern will! Aber ich weiß nicht, ob das etwas für uns ist und wir uns das wünschen sollen? Hat doch der Minister gesagt, daß das neue Programm auch “Zweimal fünfzehn” genannt wird! Fünfzehn Minuten Bewegungsradius und fünfzehn Minuten Ausgehzeit! Dafür bekommst du monatlich eintausendfünfhundert digitale Euros angewiesen und wenn dein soziales Konto in Ordnung ist, kannst du in den dir zugestandenen fünfzehn Minuten zum nächsten Supermarkt einkaufen gehen, damit das C02-Konto nicht belastet wird! Wenn du aber vielleicht nicht so brav warst und zu viel Strom verbraucht und zulang geduscht hast, darfst du dir von deinen zugewiesenen tausenfünfhundert Punkten nur die absoluten Grundnahrungsmittel eintauschen und das Gleiche gilt, wenn wieder einmal Virenwarnung oder Grippewelle herrscht und du nicht geimpft bist! Ich weiß nicht, ob das gut ist und ich das will und du hast da zugestimmt?”, fragte sie und sah Erhart schon wieder besorgt an, der den Kopf schüttelte und sie nochmals in den Arm nahm, um über ihre Stirn zu streichen.

“Sei doch nicht so pessimistisch! Das bist du immer, meine kleine Warnerin, die auch oft genug recht behalten hat! Frau Heidenreich hat mir das ein bisschen anders dargestellt und mir erklärt, daß ich ein absoluter Glückspilz bin, daß die Kommission entschieden hat, mich in das Programm aufzunehmen! Dann bin ich “Fünfzehn Prozent- Grundgehaltempfänger” und brauche mir um meine Zukunft keine Sorgen machen und wenn ich einen Job finde, kann ich auch jederzeit wieder austreten, hat mir Frau Heidenreich versichert! Und ja, ich habe zugestimmt und unterschrieben! Bleibt mir doch keine Wahl und, daß es immer wieder Klima- und Virenlockdowns gibt, ist in den letzten Jahren ohnehin schon selbstverständlich geworden! Die müssten wir auch einhalten, wenn du noch deine Station und ich den Job in der Firma hätte! Da könnten wir zwar zur Arbeit, aber nicht ins Kino und wenn das Wasser knapp wird, wird es sowieso rationiert! Also habe ich unterschrieben und du solltest das vielleicht auch tun! Bleibt dir wahrscheinlich ohnehin nichts anderers über! Aber jetzt schau nicht so entsetzt und freu dich über die Nachricht, die ich für gut halte! Sprechen wir über etwas anderes! Es riecht köstlich aus der Küche und ich bin hungrig! Laß uns essen und an etwas anderes denken! Und schau, was ich dir mitgebracht habe? Eine Flasche Rotwein, damit wir etwas zu feiern haben! Die gab es im Supermarkt im Sonderangebot! Also war ich leichtsinnig und habe zugegriffen und der Kassa-Robot hat sich auch nicht geweigert, die zwei Euro fünfzig von meinem Konto abzubuchen und mir sogar einen schönen Tag gewünscht!”

Morgentalk am Hauptbahnhof

Andreas Steiner, war wie meist nicht ausgeschlafen, als er kurz nach neun, die Wartezone des Hauptbahnhofs erreichte und sich suchend umblickte, um festzustellen, wie das mit den Securities war.

“Ob die Bekannten mit denen er sich regelmäßig in der Wartezone traf, da die Notschlafstellen, die er regelmäßig benützte, um neun ihre Pforten schlossen und sie erst am Abend wieder eröffnenten schon anwesend waren, um den Tag dort zu verbringen oder totzuschlagen?”, fragte er sich und schüttelte verärgert den Kopf.

Ärgerlich das war es. Er war verärgert und unzufrieden mit sich, hatte er in seinem zweiundvierzigjährigen Leben doch nicht mehr geschafft, als an der Flasche zu hängen, die Nächte in einer Notschlafstelle zu verbringen und die Tage meistens am Hauptbahnhof, wenn er dort von der Security nicht wegeschaucht wurde.

Das stimmte nicht so ganz. Denn eigentlich hatte sein Leben recht erwartungsvoll begonnen. War er doch ein guter Schüler gewesen, der das Gymnasium mit links geschafft hatte. Danach hatte er Soziologie und nicht Medizin, Jus oder an der Wirtschaftsuni, wie die Aufsteiger studiert, denn er war ein gesellschaftspolitisch engagierter Mensch, der die Welt verändert wollte, was ihm aber, weil ihm früh ein Kind passiert war, nicht gelungen war. Denn die Frau mit der einige Zeit zusammengelebt hatte, war sehr anspruchsvoll gewesen und hatte für sich und das das Kind hohe Forderungen gestellt, die er mit den befristeten Anstellungsverhältnissen, die als Soziloge zu bekommen waren, nicht schaffen konnte. So hatte er, bis die Frau ihm hinausgeschmissen hatte, seine Abend öfter mit Kollegen und Freunden in Beiseln verbracht, bis er zum Alkoholiker geworden war und Ingrids und des Jugendamts Unterhaltsforderungen erst recht nicht erfüllen konnte.

Corona hatte ihm dann den Rest gegeben. Da hatte er seine Wohnung verloren. Von Jobs war schon lange keine Rede mehr und so verbrachte er seine Tage regelmäßig in den Wartezonnen am Hauptbahnhof, unterhielt sich mit anderen Sandlern über die Beschissenheit des Lebens und versuchte sich von den Securities, die ihn wegscheuchen wollte, nicht erwischen zu lassen.

“Hallo, Andi! Auch wieder da, hörte er die Stimme des übergewichtigen Robert, der sich schon um halb zehn an seine Bierflasche klammerte und ihm zuwinkte.

Da ging es ihm etwas besser, denn es gelang ihm meistens sich noch ein paar Stunden zurückhzuhalten und in den Notschlafstellen galt ohnehin striktes Alkoholverbot.

“Auch wieder da? Der Erwin kommt auch und der Memet und mit ihm wollen wir vielleicht, damit sich die Securities, die sich immer aufregen und uns nach unseren Tickets fragen, nach Bratislava fahren! Kommst du mit? Machen wir eine kleine Spritztour? Da ist das Bier billiger und die Odnungshüter lassen uns auch in Ruhe?”, fragte der dicke Robert ihn und er schüttelte unentschlossen den Kopf.

“Weiß noch nicht! Keine Ahnung!”, antwortete er zögernd und war fast froh, daß er den schon erwähnten Erwin auftauchen sah, der ebenfalls eine Bierdose in der Hand hielt und sie mit “Hallo, Freunde!”, begrüßte.

“So sieht man sich wieder! Das ist eine Idee! Verbringen wir den heutigen Sonntag in Bratislava und saufen uns ein wenig an! Denn heute ist ein Feiertag, denn ihr habt gestern sicherlich den Parteitag der SPÖ verfolgt, wo sie ihren neuen Vorsitzenden wählten! Was meinst du dazu, Andi? Du bist doch ein Studierter, ein Obersoziologe und kennst dich da sicher aus! Was sagst du zu der SPÖ, die einen neuen Vorsitzenden wählten und dabei eine Frau verscheuchten, weil sie die nächste blau-schwarze Regierung verhindern wollen!”, fragte er ihn und Andreas Steiner schüttelte erneut den Kopf.

“Doch!”, korrigierte er sich dann.

“Den Parteitag habe ich im Fernsehen verfolgt, natürlich, klar und bei der Mitgliederversammlung habe ich auch gewählt, bin ich doch ein Parteimitglied! Bin immer noch, ein aufrechter Sozialist, der immer noch an das Gute glaubt, auch wenn mir, wie auch euch, sehr viel schief gelaufen ist, deshalb bin ich auch verärgert und glaube nicht, daß das billige Bier in Bratislava meinen Frust vertreiben kann! Deshalb bleibe ich, auch lieber hier und lasse euch allein verreisen!”

“Was hast du Andi?”, mischte sich der dicke Robert jetzt wieder ein.

“Warum bist du verärgert? Weil der Doskozil, der scharfe Polizist und nicht der linke Babler gewonnen hat? Mich hat das gefreut, denn einen Linken will ich nicht als Parteivorsitzenden, obwohl ich ohnehin nicht mehr wählen geh! Aber jetzt habe ich jetzt vergessen, du bist ein Studierter und daher ein Marxist und daher enttäuscht, daß der Rechte und nicht der Linke gewonnen hat!”

“Aber der wird die nächste schwarz-blaue Regierung verhindern, hat er geschworen, wenn er Bunderskanhzler wird!”, mischte sich jetzt wieder Erwin ein, der sein Bier ausgetrunken und die Dose in den Mistkübel geschmissen hatte.

Aber lassen wir das Politisieren und vertschüßen und zum Fahrscheinautomat! Sehe ich doch die Security anmarschieren, die sicher unsere Fahrkarten sehen will! Die wollen wir nicht enttäuschen! Wir können sie aber, wenn euch das freut, ihrer Meinung zum Parteitag und dem neuen Vorsitzenden fragen! Das wird ein Spaß ihre Meinung zu hören und wenn ihnen dazu noch ein gewesener Sohziologe seine erklärt, wird das besonders lustig!”, sagte er Andreas Steiner herausfordernd ansehend, der wieder den Kopf schüttelte und sitzen blieb, während sich der dicke Robert und der glatzköpfige Erwin zu den Fahrscheinautomaten entfernten, denn es hatte ihn wirklich sehr verärgert, daß sich wieder der konservative Kanditat und nicht der, der versprochen hatte, sich für alle einzusetzen und dafür zu sorgen, daß alle armen Kinder, ihr tägliches Mittagessen bekamen, die Wahl gewonnen hatten, was vielleicht für ihn und das Kind, um das er sich, obwohl er ihm nicht viel helfen konnte, gut gewesen wäre, obwohl es anders rum besser gewesen wäre, aber vielleicht kann sich das noch ändern….

So das ist ein Text, den ich Sonntagabend aus Impressionen die ich am Beginn unserer Main-Radreise am Hauptbahnhof und den Ergebnissen der SPÖ-Vorsitzenden-Wahl am 3. Juni zusammengestellt habe. Dann ist am Montag den fünften überraschend ein Fehler der Auszählung bekanntgegeben worden, so daß es inzwischen einen anderen Vorsitzenden gibt, worüber ich vielleicht bei Gelegenheit einen satirischen Text schreiben kann.

Die Brüder Grimm bekommen Besuch

Es war kurz vor Mitternacht am Hanauer Marktplatz vor dem Naustädterrathaus, als die beiden Herren auf dem berühmten Denkmal sich zu regen begannen und aus einem tiefen Schlaf zu erwachen schienen.

“Hallo Wilhelm!”, sagte der Stehende zu dem neben ihm Sitzenden.

“Was meinst du? Wollen wir wieder unsere Plätze tauschen, um die Touristen, die uns suchen kommen, zu verwirren?”

“Aber nein, Jacob!”, sagte der und schüttelte den Kopf.

“Laß doch diese kindischen Spiele, die sie irgendwo in ihren Führern eingetragen haben, um die Suchenden anzulocken! Laß das doch, das ist genauso Unsinn, wie die roten Schals, die sie uns vor kurzem umgehängt haben! Hast du eine Ahnung, was das bedeuten soll?”

“Nein, Wilhelm!”, sagte Jacob Grimm und hob sich seine Hand suchend vor die Augen.

“Schau einmal! Merkst du was? Wir haben um die Mitternacht besuch bekommen! Schau einmal ,was da angeschlichen kommt!”, fragte er und Wilhelm schob ebenfalls seine Hand vor seine Augen.

“Keine Ahnung, Jacob!”, antworte er dann .

“Oder doch! Ich sehe einen Esel, der einen Hund auf sich sitzen hat, darauf thront eine Katze und das Ganze wird von einen Hahn abgerundet! Natürlich, Jacob! Das sind die Stadtmusikanten, die wir in unserer Märchensammlung beschrieben haben! Aber was wollen sie in unseren Geburtsstädtchen Hanaus, sind sie doch in Bremen zu Hause, weil sie dort ins Ausgedinge wollten! Was meinst du? Sollen wir sie danach fragen?”, wolltee er wissen und sah den Esel energisch nicken.

“Jahwohl! Scharf erkannt, wir sind die Stadtmusikanten! Haben aber Bremen verlassen und wollen in den “Hanauer Märchenpfad” aufgenommen werden! Da gibt es elf Attraktionen! Das Rotkäppchen , den gestiefelten Kater, den König Drosselbart, das Dornröschen und sogar das Schneewittchen, obwohl sich das die Lohrer geknallt und zur Touristenattraktion gemacht haben! Nur wir fehlen, obwohl wir doch auch berühmt sind, genauso bekannt, wie die anderen, das ist doch ungerecht! Und da haben wir gedacht, verlassen wir das schöne Bremen und gehen noch einmal auf Wanderschaft, um uns zu beschweren! Und das tuen wir hiermit!”

“Jahwohl!”, krähte der Hahn.

“”Die Katze und das Hündchen sind auch dieser Meinung! Wir sind in unsere Geburtsstadt Hanau zurückgegkommen und wollen auch hier und nicht nur in Bremen unser Denkmal haben!”

Wilhelm Grimm schüttelte den Kopf und schaute seinen Bruder etwas ratlos an

“Was meinst du, Jacob? Ist das ungerecht? Wahrscheinlich! Ich fürchte aber, wir können da nicht viel machen und euch nichts helfen! Sind wir ja selber stumm und steif auf dieses Denkmal gesetzt und können uns nicht wehren, daß sie uns einen roten Schal umgebunden haben, obwohl wir diese Farbe hassen und keine Sohzialisten sind! Aber seid nicht so unbescheiden! Gibt es doch die Hanauer “Grimm-Spiele” und da werdet ihr regelmäßig aufgeführt und in Bremen habt ihr euer Denkmal und euren Ruhm! Was wollt ihr allso mehr?”

“Unsere Meinung sagen und uns nicht alles gefallen lassen!”, sagte jetzt die Katze.

“Habt ihr Meisterforscher denn keine Ahnung, daß das heute noch viel nötiger ist, als damals, als sie uns ins Ausgedinge schicken wollten? Das war ungerecht! Wir haben uns gewehrt! Sind berühmt geworden und kommen jetzt zurück, um unsere Stimme zu erheben und wenn wir auch ein Denkmal in Bremen haben, spricht nichts dagegen, uns auch hier ein Bildnis zu geben! Deshalb sind wir da! Unser Denkmal in Bremen ist leer und die Bremer und die Touristen werden Augen machen, wenn sie morgen hinkommen, um uns zu fotografieren und uns nicht mehr finden werden! Und jetzt, Hündchen, was meinst du? Jetzt stellen wir uns hier einfach auf! Der Marktplatz ist ja groß genug! Wir suchen uns ein schönes Plätzchen und werden die Touristen, die morgen euch Sprachforscher besuchen kommen, verwirren! Ich freue mich schon zu erfahre, was die dann sagen oder schreiben werden! Die Stadtmusikanten aus Bremen verschwunden und in Hanu wiederentdeckt! Hey, das wird eine Aufregung geben und ein Spaß! Und jetzt gute Nacht, verehrte Sprachschöpfer! Wir sind von der lagen Reise ein wenig müde und wollen ein Nickerchen machen! Sind auf die morgendliche Entdekcung gespannt und jetzt, Esel los! Such uns ein schönes Plätzchen und euch werte Herren, eine gute Nacht!”

Drei frauenlose Herren

Es war Mittag, als die drei Herren, alle um die Siebzig, Fahrradhosen, entsprechende Jacken, ein schickes Stirnband oder Kopftuch, um die weißen Haare gestülpt, den Marktplatz erreichten und sich auf einen der dort aufgestellten Restauranttische setzten. Die Räder auf denen die Helme baumelten hatten sie schon abgestellt. Platz genommen und nach der Speisekarte gegriffen.

“Die Atomsphöre verlangt Ruhe!”, sagte der am extrovertierten Wirkende mit dem braunen Stirnband.

“Wenn ich das gewußt hätte, daß du so auf Eile drängst, Alex, hätte ich meine Unterlagen für die Steuererklärung, die ich auf unserer Reise machen wollte, nicht mitgenommen!”

“Brauchst du nicht, Werner! Ich dränge auch gar nicht und du kannst deine Erklärung, wenn wir im Hotel angekommen sind, auch erledigen! Weiß ich doch, daß du, obwohl schon Pensionist noch immer freiberuflich tätig bist!”, sagte der mit Alex angesprochen, der ein Kopftuch, um seine Haare gebunden hatte und einen intellektuellen Eindruck machte.

“Ich komme ja von der Semper Oper und war dort in der Regie tätig!”, sagte er zu dem Dritten in der Runde, der das gerade festgestellt hatte.

“Jetzt bin ich, wie wir alle in Pension und geniesse unere E-Bike Main Tour! Drei Tage sind wir drei Herren schon unterwegs und werden uns noch drei weitere gönnen, bis es wieder nach Hause geht! Aber jetzt schauen, was wir uns Schönes bestellen können? Was meinst du, Werner? Du bist ja als Gourmet bekannt, was würstest du empfehlen?”, fragte er den am extrovertiertest Wirkenden, der seine Radhandschuhe vor sich abgelegt hatte.

Die Speisekarte hatte er schon in der Hand. Blickte hinein und sagte nach einer Weile “Den Schinken mit Brotteig, würde ich euch empfehlen! Und dazu einen gepflegten Silvaner! Aber ihr seid Biertrinker, wie ich in den letzten Tagen bemerken konnte!” und nickte dem Fragenden zu.

“Du hast recht, Peter genießen wir unsere frauenlose Auszeit! Sechs Tage am Main entlangradeln ohne die holde Gattin, die, weil sie, obwohl ebenfalls schon in Pension, etwas zu erledigen hat und daher nicht mitkommen konnte!! Das muß sich lohnen und das wollen wir geniessen! Aber verzeih, Peter, ich weiß, du bist betroffen, denn du hast deine Hannelore erst vor zwei Monaten durch einen schlimmen Krebs verloren und trauerst, wie ich mir vorstellen kann, noch sehr um sie! Der Alex ist und war ja immer Junggeselle und kann meine frauenlose Freude und kurze Strohwitwerzeit nicht so recht verstehen!”, sagte er launig und nickte der blonden Kellnerin in der rotgestreiften Bluse, die an den Tisch getreten war und “Haben die herrenschon gewählt!”, wissen wollen, zu.

“Haben wir, liebes Fräulein, nicht wahr, Peter und Alex? ich nehme jedenfalls den Schinken im Brotteig und ein Viertel Silvaner und die beiden Herren hier wählen sicher Bier, wenn ich mich nicht irre?”

“Tust du nicht!”, antwortete, der Alex genannte und sagte zu der Kellnerin “Ich nehme den Matjesherig dazu!” und Peter hatte sich ebenfalls für den Schinken entschieden.

“Eine gute Wahl! Geht in Ordnung! Wird gleich bestellt und serviert!”, sagte die Kellnerin in der hier üblichen Freundlichkeit und der extrovertierte Werner, der inzwischen in sein Handy geblickt hatte, schaute auf und wollte “Was sagt ihr dazu?”, von seinen Freunden wissen.

“Was meinst du? Du liest sicher die Nachrichten! Erzähl uns, was es Neues gibt auf der Welt? Gibt es Nachrichten von den Grünen? Wollen die uns wieder, die Freude auf unser Eigenheim und unser Auto nehmen? Aber damit treffen sie uns nicht! Sind wir doch E-Bikefahrer und das ist, denke ich, erlaubt und freut die Regierung, obwohl der Schinken könnte den Veganern madig aufstoßen! Vielleicht kommen sie auch in diese schöne Schneewittchenstadt, die wir uns, bevor wir weiterradeln, noch ansehen sollten und wollen dem Werner und dem Peter den Schinken ausreden! Aber wenn ich mich so auf den anderen Tischen umsehen, wo die Schaufele und die Bratwürste dominieren, kann ich euch Entwarnung geben! Da hätten sie sicher mehr zu meckern, als bei uns und können, da wir ja brav den Mainz hinunterradeln, mit uns zufrieden sein.

“Beruhie dich, Alex!”, sagte nun der extrovertierte Werner.

Und entspann dich auch, denn militante Veggganer sind keine da! Ich sehe nur an dem Tisch hinten, drei munterte Damen, die sich an einer Flasche Sext erfreuen und dabei viel zu lachen haben und einige Familien, die Käsespätzle essen! Da kommt aber schon die Kellnerin mit meinen Wein und euren Bieren! Also Prost! Geniessen wir unsere neue Herrenfreiheit, die Radfahrt und den Silvaner! Er schmeckt wirklich ausgezeichnet! Den könnte ich euch Biertränker sehr empfehlen!”, sagte er, strich sich mit der Zunge, über seine Lppen und den Bart und nickte den anderen, so wie der freundlichen Kellnern, die ebenfalls “Wohl bekomms den Herren!”, sagte, zufrieden zu.

Einstimmigkeit in der Aufarbeitungskommission

Da saßen sie nun die Experten um den runden Tisch. einberufen von Kanzler Nehammer, um die wirklichen und auch sogenannten Corona-Schäden restlos aufzuklären, um herauszufinden, was da in den letzten drei Jahren gut oder falsch gemacht wurde, um dieselben Fehler nicht noch einmal zu machen, die Gräben, die in dieser Zeit entstanden waren, zuzuschütten und die Bevölkerung zu versöhnen.

“Moment einmal!”, sagte in diesem Augenblick Ministerialrat Auensteiner und ballte seine Hand zur Faust, um gleichzeitig mit seinen runden Brillengläsern und seinen weißen Bart, der ihn ein bißchen wie ein Weihnachtsmann aussehen ließ, väterlich freundlich in die Runde zu blicken.

“Moment einmal, Kollegen, um etwas klar zu stellen und in kein Mißverständnis hineinzulaufen! Meiner Meinung nach bräuchte es diese Kommission gar nicht, denn seien wir uns ehrlich, wir haben alles richtig gemacht und Millionen Menschenleben gerettet! Was hätten wir auch tun sollen als die Nachrichtenen aus Wuhan kam und die Bilder von Bergamo, als Impfdosen einkaufen, was, wie wir wissen, ohnehin nicht so einfach war, die Bevölkerung vor sich selbst schützen und den Notfallsplan ausrufen? Alles richtig und meinetwegen bräuchten wir gar nicht darüber diskutieren, was nur unnötiges Geld kostet, die Bevölkerung weiter berunruhigt und die Opposition, diese Rechten und Schwurbler, dazu anstachelt, weiter Öl ins Feuer, wie man an der blauschwarzen Regierung in St.Pölten sieht, zu schütten! Vollkommen unnötig, da einen Entschädigungsfond einzurichten, um den Menschen, die die Gesetze und den geforderten Meter Abstand nicht eingehalten haben, die gerechte Strafe, auch wenn sie sich jetzt als verfassungswidrig herausgestellt hat, zurückzuzahlen! Wie kommen denn die anderen dazu, die sich brav an die Vorschriften, auch wenn sie ihnen vielleicht unsinnig erschienen, gehalten haben? Die müssen sich durch eine solche Aktion doch verarscht und verhöhnt vorkommen! Also sollten wir das in unseren Protokoll vermerken!”, sagte er energisch und blickte das blonde Fräulein Stögermüller, das eifrig nickend vor ihren Laptip saß und dieses führen sollte, energisch an.

“Sehr richtig!”, war nun eine Stimme zu hören, die einer mittelalten dauergewllten Dame mit Brille und und einer zweireihigen Perlenkette, gehörte. Frau Professor Sieglinde Mayerhoff, die schon den früheren Kommissionen angehört hatte und außerdem noch den Vorsitz in einigen Pharmafirmen hatte.

“Sehr richtig, auch wenn der Kanzler sicher damit recht hat, daß man der unzufriedenen Bevölkerung, die sich, wie man immer hört, durch den Angriffskrieg in der Ukraine, den darauffolgenden Sanktionen und den Teuerungen, das Essen und die Heizkosten nicht mehr leisten kann, ein paar Brocken zu Beruhigung hinwerfen müssen, denn wenn die dann aufgehetzt, von den Blauen,, in ihren Frust, diese wählen und wir im nächsten Jahr, wenn die Wahlen kommen, vielleicht einen blauen Bundeskanzler haben, der uns schon einen Untersuchungsausschuß angedroht hat, wäre das auch nicht gut, nicht wahr!”, sagte auch sie energisch und blickte in dieser Art den Ministerialrat an, der nun seinerseits “Sehr richtig, Frau Kollegin!”, sagte, sich die Lippen leckte und nach dem bereitstehenden Wasserglas griff.

“Sehr richtig und was haben wir denn eigentlich aufzuarbeiten, wenn doch alles, wie eben festgestellt und hundertfach erwiesen, richtig war! Es gibt dringendere Probleme! Da bin ich Hunderpro ihrer Meinung, geschätzte Kollegin! Die Kinderarmut, die Teuerung, die Klimakrise und den Verlust der Werte der Sitten, wie man an den Schulen und ihren Lernergebnissen sehen kann! Die Kinder können nicht mehr richtig lesen! Haben alle Disziplin verloren, schlurfen in Jogginghosen herum, werfen mit Schimpfwörtern und vielleicht sogar mit Messern und Fäusten herum und die Lehrer können sie nicht mehr bändigen! Da waren doch die Lockdowns und die Schulschließungen ganz gut! Die Kinder sind zu Hause vor ihren Laptops gesessen, haben von ihren im Homeoffice werkenden Müttern überwacht, brav ihre Aufgaben gemacht! Die Straßen waren leer! CO2 wurde eingespart! Es hat Ruhe und Ordnung geherrscht, während es jetzt nichts als Ärger und Unruhe gibt! Klimakleber, die auf den Straßen sitzen und den Verkehr lahmlegen! Streikende Menschen vor den Sozialläden, weil sie sich das Essen nicht mehr leisten können, obwohl mit einiger Unterstüzung, die der Bundeskanzler in seinen Armutverhinderungskommisskionen anbietet, alles in wunderschönster Ordnung ist! Die Menschen sind geschützt und gesund! Die Pandemie haben wir durch unsere Maßnahmen hervorrangend in den Griff bekommen und wir haben sogar noch überzählige Impfdosen lagernd, die wir gar nicht brauchen können, obwohl-!”, sagte er jetzt, einen kurzen Moment ratlos wirkend und fuhr sich mit der Zunge über die Lippen.

“Obwohl das vielleicht ein Punkt wäre, den Sie in Ihrem Aufarbeitunsprotokollh vermerken können, liebes Fräulein Stögermüller! Die Impffreudigkeit der Bevölkerung läßt nach! Sie will sich einfach, durch die negative Propaganda wahrscheinlich aufgehetzt, nicht mehr freiwillig impfen lassen! Die Impfpflicht, die ich unter uns, für eine hervorragende Initiative hielt, um die Durchimpfungsrate zu erhöhen, ist ja leider durch die Demonstrationen derSchwurbler gescheitert, nicht mehr immunisieren lassen, so daß die vorsorglich bestellten Impfdosen überblieben, was bei der Opposition wieder Widerstand erregte und einige kritische Zeitungsartikel zur Folge hatte, daß sie weggeweorfen werden müßen, was auch nicht gut ist und schlechte Stimmung erzeugen könnte! Dagegen müßte wir etwas machen und in unseren Protokoll vermerken, Fräulein Stögermüller, daß es gut und wichtig wäre, die Impfbereitschaft zu erhöhen und vielleicht wieder eine diesbezügliche Kampagne starten, damit die Bevölkerung gut geschützt, satt und zufrieden nach dem Sommer in den Winter gehen kann und dann vielleicht auch die erhöhten Bezin und Heizungskosten geduldiger hinnimmt! Denn die Gesundheit, da wird mir die Frau Professor zustimmen, ist das Wichtigste! ist die Bevölkerung gut geschützt, wird sie vielleicht auch zufriedener! Die restlichen impfdosen werden ordnungsgemäß verwendet und aufgebraucht! Da kann sich dann kein aufmüpfiger Zeitungsfritze dagegen aufregen und wir haben unsere Pflicht und Schudigkeit getan, wenn Sie das so in ihrem Protokoll vermerken, Fräulein Stögermüller, können wir das dem Bundeskanzler als gewünschtes Resultat weitergeben und wir können essen gehen!Denn ich muß gestehen, geschätzte Kollegen und Kolleginnen, ich bin ein wenig hungrig und mein Magen knurrt! Die anstrengde Sitzung hat mich dazu gemacht! Aber jetzt ist alles geordnet und aufgearbeitet! Wir haben unsere Pflicht getan und alles gut unter Dach und Fach gebracht! Nicht wahr, geschätzte Kollegen, das meinen Sie doch auch!”, wiederholte er nochmals zufrieden. Sah in die Expertenrunde, die zustimmend nickten und schon ihre Unterlagen zusammenklappten und strich sich nochmals über seinen weißen Bart.

Die Verbesserung von ganz Österreich

Jetzt kommt ein kleiner Nachtrag, eine Mißerfolgsmeldung oder auch ein Lückenfüller. Denn die “Schule für Dichtung” deren Newsletter ich beziehe, seit ich einmal eine diesbezügliche Veranstaltung besucht habe, hat zu Jahresbeginn zu einen Literaturwettbewerb aufgerufen, wo der Siegertext beim Österreich-Schwerpunkt in Leipzig auf der berühmten Schaubühne Lindenfels, wo ich nicht war, weil ich den Preis nicht gewonnen habe, präsentiert werden sollte.

Und obwohl ich mich eigentlich nicht mehr an Ausschreibungen beteilige, früher habe ich das sehr viel und sehr oft getan, habe ich mich hingesetztfr, den Text geschrieben und natürich nicht gewonnen, ganz klar und eindeutig. Weil wahrscheinlich sprachlich nicht gut genug, zu wenig experimentell und das Corona-Thema, kommt auch noch vor und jetzt brauche ich, weil ich inzwischen täglich blogge, einen Artikel, daher liebe Leser und Kritiker wieder ein Textbeispiel, wo ihr mir, wenn ihr wollt, Feedback geben könnt. Ihr könnt meinetwegen auch die Wörter nachzählen, es waren ohnehin nur dreitausend Zeichen erlaubt. Besser wäre es aber, wenn ihr euch auf den Inhalt konzentriert und wir darüber diskutieren können.

Leider habe ich keine Ahnung, wer den Preis gewonnen hat und wieviele Autoren sich daran beteiligten. Die Doris Kloimstein hat es, glaube ich, also voila, das ist mir dazu eingefallen:

“Die Verbesserung von ganz Österreich”

“Österreich muß besser werden, das ist einfach, kurz und bündig, knapp und klar. Ganz Österreich oder zuerst mit einem Viertel, einem Neuntel, etcetera, beginnen, was höchstwahrscheinlich leichter erreichbar ist.

In diesen angstgeschüttelten, manipulativen Zeiten, ist das überhaupt sehr wichtig, ganz einfach, richtig und sehr klar.

Österreich verbessern, aber wie machen wir das? Schöner soll es werden. Das ist klar und gar nicht zu bestreiten. Aber wie oder was? Das weiß der stinknormale Durchschnittsösterreicher, die Durchschnittsösterreicherin, um ordnungsgemäß zu gendern nicht. Das lernen wir nicht in den Schulen. In Zeiten, wie diesen, wo der Literaturunterricht gesundgeschrumpft wurde, sowieso nicht. Orientieren wir uns also an der Literatur und nehmen wir uns ein Beispiel an ihren Helden.

Was haben wir da in Sachen Freundlichkeit? Den großen Thomas Bernhard und sein Herumgeschimpfe natürlich. Denn der ist das große Vorbild der österreichischen Gegenwartsliteratur. Das klingt logisch, damit werde ich bestimmt den großen Preis gewinnen und eine Musterösterreicherin werden.

Also, Österreich ist ein fürchterliches Land. Das Fürchterlichste vom Fürchterlichsten und wenn es erst fürchterlich genug ist, ist die Verbesserung erreicht. Wir haben schon gewonnen und uns über unsere deutsche Geschwister erhoben.

Oder nein, in Zeiten, wie diesen, ist es das Geschimpfe nicht. Zumindest wünscht sich das die Hobbyliteratin. Damit will sie es nicht machen und es geht auch um die Sicherheit.

Österreich wird besser, wenn es sicherer ist und dafür haben wir den Datenschutz und die digitale Überwachungsindustrie. Gesünder muß es ebenfalls werden und deshalb muß die allgemeine Impfpflicht her. Wieder halt und abgebrochen, Hobbydichterin oder bist du eine Schwurblerin? Dann bist du schon disqualifiziert und von allen Diskussionen ausgeschlossen. Also halten wir uns an die Freiheit und die ist eine Tochter der Kunst, hat schon der hehre Friedrich Schiller gesagt. Aufgepasst, eine Tochter hat er geschrieben und kein Sohn. Das ist nur seine Ode, die, die Menschheit zu Brüdern machen will. Also wieder gendergleich und wenn ich eine Ehrenösterreicherin werde, werde ich die Bundeshymne mit den Töchtern singen, weil ich eine solche bin.

Also hoffen wir bezüglich der Österreichverbesserung, daß bei der nächsten Wahl kein Freiheitlicher gewinnt, der Österreich zur Festung macht.

Freiheit schöner Gottesfunke, Töchter des Elysiums und wir feiern freudentrunken all die schöne Verbesserung.

Österreich besser machen, toleranter werden, wieder miteinander reden und nicht nur nach schärferen Gesetzen rufen, sondern auf Eigenverantwortung vertrauen.

Und um den guten alten Oswald Wiener nicht zu vergessen, denken wir am Schluß, als aufrechte EU-Menschen, auch wenn wir in Niederösterreich oder Vorarlberg leben, an Mitteleuropaund machen auch dieses ein bisschen besser.”