Lebenszeichen gut und schön

Hurrah es ist da das zweite Gstöttmaier-Buch, der ständige “Ohrenschmaus-Gewinner”, der ja das vierte “Stipendium” in Anspruch nahm, damit ein Buch daraus entstehen kann, das ich ein bißchen lektorieren durfte.

Eines hat der 1963 in Waldhausen in OÖ geborene Peter Gstöttmaier, dessen Geburt schwer verlaufen ist, schon und 2011 hat er das erste Mal mit einem handgeschriebenen Text “Söständi ist: allas sölba mocha” eingereicht und gleich nicht nur gewonnen, sondern große Begeisterung auslöste.

Seither ist fast kein Jahr vergangen, in dem er nicht unter den Preisprägern war, auf der Ehrenliste stand oder den Schokoladepreis bekam, denn Peter Gstöttmaier der in Mundart denkt und spricht und für den die Freiheit und das Bewegen sehr wichtig ist, hat eine eigene Sprache und jetzt ist es da, das eigentlich dünne in blau gehaltene Büchlein, das die schönsten Texte der letzten dreizehn Jahre enthält, bei dem für mich schon Bekanntes aber auch sehr viel Neues enthalten ist, die von der Schwester Heidi Pölzguter, die sich liebevoll, um ihren Bruder kümmert, ausgewählt und zusammengestellt wurde.

Es gibt auch Zeichnungen von Peters Gstöttmaier, die, wie seine Schwester bei der Buchvorstellung auf der “Buch Wien” betonte, aber schon für frühere Wettbewerbe angefertigt wurden und Fotos, wo man den Autor in seiner schönen neuen Wohnung sieht, für die er sich vom ersten Preisgeld auch ein Sofa kaufte, was ihn, wie die Schwester verriet, dazu brachte, regelmäßig einzureichen, um sich damit ein Extrageld zu verdienen, was wie man sieht, hervorragend funktioniert, obwohl ich, die mehrere Laudatios für ihn gehalten habe, regelmäßig bremse, um auch die anderen zu Wort kommen zu lassen, um kein anderes Talent zu übersehen.

Also durch das Buch, durch das man sehr gut durch seine Schwester Heidi geführt wird, die immer wieder die Texte erklärte und auf die Selbständigkeit des Bruders hinweist.

Die “Geschichten, Gedichte und Gedanken” beginnen also mit einem Selbstportrait und dann mit dem ersten Preistext “söbständi” mit dem, glaube ich, inzwischen schon einige Hilfsorganisationen Werbung machen.

Dann geht es gleich weiter mit den Preisträgen, denn mit den Gedichten über die Beziehung zu seiner Mutter “Is net banond mama ist net banond augn san triab kopf tuat weh haut is grau tuat net locha is net bainond die mama”, hat er auch schon beim Ohrenschmaus gewonnen, wie auch mit dem Text “Dössöbi”.

Dann geht es ans Kochen oder an die “Fleischloabaln”, die die Mama bei den sonntäglichen Besuchen immer in großen Mengen kochte, so daß der Peter Montag, Denstag, Mittwoch, Donnerstag immer eines zu essen hatte und am Sonntag sogar zwei. Es gibt aber auch die Stosuppn” und die “Blunzn”, die Peter Gstöttmaier literarisch zu beschreiben wußte.

Peter Gstöttmaier geht aber auch gern ins Kaffeehaus und läßt sich dann, wenn es regnet, auch recht gern von der Polizei nach Hause bringen und köstlich der Text “Oans-drei-drei-Polizei”, der sehr schön zeigt, wie das soziale Zusammenleben in kleinen Orten funktionieren kann, wenn sich alle kennen und sich umeinander kümmern.

Der Bewegungsdrang und die Selbständigkeit wird immer wieder beschrieben, denn Peter Gstöttmaer ist stolz auf seine Außengruppe, die er mit einem Betreuer eigentlich selbst eingerichtet hat, wie auch auf seine Wohnung, wo er mit betreuter Hilfe alles selber und sogar selber kochen kann.

Die Corona-Zeit, wo man keinen Sozialkontakt haben durfte, hat Peter Gstöttmaier, wie auch viele andere “Ohrenschmaus-Einreichende”, sehr bekümmert und beeinträchtigt.

“Nix geht mehr ois steht” heißt es da in der “Rückschau auf den ersten Lockdown.” Und in “Wonn hört des auf” screibt er etwas ungeduldig “corona corona oiweu corona”.

Es gibt auch ein paar Flirtversuche, die sehr schön den leisen Humor des Autors zeigen, wie sie beispielsweise in “So a schene Bluman” beschrieben wird und der Abschied von einem Betreuer wird in “ih sog zum obschied leise servus” auch sehr eindringlich geschildert.

Ein interessantes Buch in dem man viel über die Gedankenwelt eines Menschen mit sogenannten Lernschwierigkeiten mit denen man sonst vielleicht nicht so viel in Berührung kommt, erfährt, so daß ich mich wirklich freuen würde, wenn es einmal auch in der “Alten Schmiede”vorgestellt werden kann und bin auch schon auf die nächste Jurysitzung, bis dreißigsten November kann man für den “Ohrenschmaus” noch einreichen, gespannt, ob wir da wieder einen Peter Gstöttmaier als Preisträger mit neuen Gedichten oder Prosatexten haben werden und das hat Peter Gstöttmaier bei der Präsentation der Moderatorin auch versprochen, daß er weitermachen wird, so daß es auch ein drittes, viertes oder was auch immer Buch geben kann.

Wieder literarisches Geburtstagsfest

Mein literarisches Geburtstagsfest gibt es schon seit den Achztigerjahren. Zuerst in der Gumpendorferstraße, dann in der Reinprechtsdorferstraße und jetzt in der Krongasse.

Drei Mal habe ich vor Coronaa keines gemacht, einmal so, dann weil ich stattdessen ein Praxiseröffnungsfest mchte und 2019 weil wir nach Basel zur Buch-Basel gefahren sind.

Dann kam Corona mit den Besuchsbeschränkungen, also zwei Jahre kein Fest und im Vorjahr wieder ein vorsichtiges, wo Ruth Aspöck, Doris Kloimstein und ich gelesen haben.

Ich habe ja immer drei bis fünf Leute eingeladen, die mit mir gelesen haben. 2013 zu meinen

sechzigsten Geburtstag habe ich allein gelesen und jetzt zum siebzigsten wieder.

Aber seit Corona habe ich meine Einladungsliste etwas reduziert, bisher habe ich an die fünfzig Leute eingeladen. Zwanzig bis fünfundzwanzig Leute sind dann gekommen, dann war es schon sehr voll. Diesmal habe ich etwa zehn Leute eingeladen, Angela, Josef, Andi Pianka, Doris Kloimstein, die Brigitte W-N, die Christa Kern, die Iris, meine Hauptschulfreundin Christa U., den Karli und die Anna.

Der Alfred hat während ich auf der Buch-Wien war, das Buffet vorbereitet, das macht er jetzt sehr teuer und genau. Bei meinen ersten Festen habe ich ein paar Salzstangerln und ein paar Käsewürfel vorbereitet und gelesen habe ich ein paar Szenen aus dem utopischen Roman, die in den “Toten” enthalten sind und dann die ersten zwei Szenen aus der “Stalking Story”.

Geschenke habe ich auch bekommen, Bücher und Broschüren von der Iris, dem Andi und der Doris. Wein, Blumen, und Süßigkeiten. Nachher gab es noch eine intensive politische Situation, ob wir zuviele Ausländer haben oder nicht? Eine Meinung, die ich eigentlich nicht habe und vor einem Antiislamismus der sich jetzt auszubreiten scheint, warnen würde.

Eja Augustin auf der Buch-Wien

“Da bin ich wieder, werde mir jetzt viereinhalb Tage lang einen literarischen Urlaub in der Welt der Bücher geben und dabei auch meinen siebzigsten Geburtstag feiern! Was gibt es besseres für das Jubiläumsjahr mit fünfzig Jahre schreiben, fünfzehn Jahre bloggen und fünfzig Jahre GAV?”, dachte Eja Augustin und atmete tief durch.

Es gibt wahrscheinlich nichts, denn sie hatte ja ein Superplus Festival Ticket und konnte sich daher in Ruhe umsehen und alles ansehen, bei der “Buch-Wien”, die es jetzt ja auch schon fünfzehn Jahre gibt. Da konnte Eja Augustin sich erinnern, daß damals vom Hauptverband sehr viel Werbung gemacht wurde, so daß sie sich etwas ähnliches wie Frankfurt oder Leipzig erwartete und dann ein paar Schritte in die eine Rchtung, ein paar in die andere machte und als sie das viermal getan hatte, enttäuscht dachte, war es das jetzt?

“Was soll ich da vier Tage?”

Dann wurde doch etwas daraus, auch die nächsten fünfzehn Jahre lang. Das heißt, nicht ganz, denn 2020 im Corona-Jahr gab es ja keine Messe. 2021 hätte sie sich zwar akkreditieren können, hätte aber 2G und höchstwahrscheinlich auch eine Maske gebraucht und einmal ist sie nach dem ersten Tag mit den Nachtzug nach Basel zur “Buch-Basel” gefahren. Aber jetzt das Ticket in der Tasche und als Eja Augustin kurz vor halb fünf die Halle D betrat, sah sie schon eine lange Schlange vor den Eingangsschalter, denn Einlaß war erst um halb. Also anstellen, uje uje, dann war es nicht so arg. Zwei Drittel der Plätze der ORF-Bühne, wo die Eröffnung stattfand, aber reserviert und sie wußte nicht recht, ob da auch einer für sie dabei war?

Sich also wieder ein wenig isoliert und einsam fühlen, während die Autoren, denen es besser als ihr ging, die Verlagsmenschen etcetera an ihr vorbeimarschierten.

Die Eröffnungrede wurde von der schottischen Autorin E. J. Kennedy gehalten und dann ging es los mit der langen Nacht der Bücher, die diesmal nur bis neun dauerte und die Eröffnungsrede auch für alle möglich war, was ja sehr fein war.

Also zum Wein in die VIP-Lounge strömen, die sich langsam füllten. Junge Mädchen mit den “Buch-Wien-Shirts” kontrollierten die Berechtigung. Dann gab es Wein und später auch einen Korb mit Semmeln und Brezeln und viele Küßchen, Umarmungen, Begrüßungsschreie und sie stand wieder mal daneben. Grüßte aber tapfer nach allen Seiten, denn das hatte sie sich vorgenommen und wurde von Gustav Ernst prompt darauf angesprochen, daß sie immer und überall die Erste wäre”

Diesmal schon, aber sonst nicht. Denn was nützte es, eine halbe Stunde vorher zu kommen, wenn die guten Plätze schon ausreserviert waren und nur die zwei vorletzten überblieben und was nützte es, wenn sie, weil sich ja selbst verlegend, nie auf einer Buchpreisliste stehen würde?

Sich davon aber doch nicht entmutigen lassen, nahm sie sich tapfer durch und atmete durch. Sprach Anton Thuswaldner auf seinen “Gegenkanon” an, begrüßte die Frau M. die ihr sogar ihr Rotweinglas anbot und natürlich auch die Literaturreferentin, die ja immer sehr freundlich war und zum siebzigsten Geburtstag gratulierte und bei der “Donau Lounge” gab es sogar einen Goodiebag, obwohl sie die heilige Gisela mit der Kaiserin Ssi verwechselt hatte. Die Hertha Müller ,zwar gewußt, aber da nicht die erste war. Dann den Büchergutschein der Tochter eingelöst um sich ein bißchen mit dem Frankfurt Gastland Slowenien zu beschäftigen und dann nach Hause fahren, weil ja die lange Nach um neun endete.

Da gab es weil drei Jahre lang Straßenbahnabstinenz auch Probleme mit der U-Bahn, die lötzlich nur bis zum Schottenring und dann wieder zurückfuhr und das jetzt vier Tage?

Vier Tage lang in die Bücherwelten eintauchen.

“Da werden Sie Bücher finden, von denen Sie gar nicht wußten, daß Sie sie gesucht haben?”, hatte die Staatssekretärin in ihrer Eröffnungsrede behauptet und am Donnerstag, Freitag, etcetera, dann weniger VIPS, nur das gewöhnliche Publikum, das sich dann die Bücher kaufen und sie lesen durfte. Aber sie würde tapfer dabei bleiben und ihren Geburtstagsurlaub genießen, auch wenn sie nur im Publikum und nicht auf den Bühnen sitzen würde. Was aber nicht ganz stimmte, weil sie den lieben Conny, als der sie am Donnerstag fragte, ob sie auch auftreten würde”Ja!”, sagen konnte.

Sie selbst zwar natürlich nicht, aber das Buch, das sie lektorieren durfte, wurde um fünf auf der “Standard-Bühne” vorgestellt und außerdem hatte sie sich auch vorgenommen, ein ganz kleines bißchen unbotmäßig sein und ihre Bücher einfach bei den IG-Autoren oder sonstwo zur freien Entnahme aufzulegen. Denn das müßte eigentlich gehen. Dürfte nicht verboten sein und vielleicht würde sich jemand sogar darüber freuen….

Gittersee

Jetzt kommt Buch dreizehn der deutschen Longlist und das dritte der vier die sich mit der DDR beschäftigen. Ein wichtiges Thema, obwohl ich in den letzten Jahren öfter hörte, daß das niemanden mehr interessiert, mich eigentlich schon und das Debut der 1992 in Ludwigsburg geborenen Charlotte Gneuss hat auch großes Aufsehen erregt.

Sie hat den “Aspekte Literaturpreis” damit bekommen und es wurde, was ein bißchen fraglich ist, darüber diskutiert, ob eine im Westen geborene über die DDR schreiben kann? Wie heißt das von dem Schnitzel in der Bratpfanne?

Gneuss Eltern kommen aus der DDR, warum also nicht und klar, daß sie sich für das Schicksal ihrer Eltern interessiert. Der Verlag hat Ingo Schulze, habe ich gehört, das Buch übergeben, damit er es auf eventuelle Fehler überprüfen kann. Er hat einige gefunden beispielsweise, daß man in den Siebzigerjahren nicht in der Elbe schwimmen konnte, weil die zu schmutzig war.

Diese Liste wurde der Jury zu gespielt und bei “Amazon” kann man reiheweise Rezensionen lesen, daß das Ostleben falsch beschrieben wurde.

So what, Daniel Kehlmann hat W. G. Papst, glaube ich, auch nicht ganz realitätsgetreu beschrieben und sich auf seine künstlerische Freiheit bezogen,Literatur ist Lüge oder Fiktion, sagte er, glaube ich, über “F” . aAber hier das große Geschrei und wenn man das weiter ausdehnt, dann darf man über überhaupt nichts mehr schreiben und wir können unseren Horizont auch nicht mehr durch das Lesen erweitern.

Aber nun zum Buch. Gittersee ist ein Vorort von Dresden, ein sehr ländlicher offenbar, weil es dort Kühe gibt. Das Buch spielt in den Siebzigerjahren. Karin ist sechzehn, muß die kleine Schwester hüten, die Großmutter ist eine strenge Frau mit NS- Verganenheit und die Ehe der Eltern ist nicht sehr gut. Da kommt Freund Paul daher und fragt “Hast du Lust auf ein Abenteuer?”

Sie soll mit ihm und einem Freund übers Wochenende in die Tschechei fahren und ertappt ihn dabei, daß er viel mehr Geld, als erlaubt, dabei einpackt. Sie hat keine Lust, denn die Eltern würden es nicht erlauben. Sie will sie auch nicht fragen und ein paar Tage später steht die Stasi vor der Tür und eruriert auf Verdacht wegen Republikflucht.

So weit so what und nun wird der sozialistische Alltag der Sechszehnjährigen beschrieben. Die Mutter trennt sich, die beste Freundin wendet sich einer anderen zu und der Stasimann Wickwalz verhört und verhört, erzählt ihr etwas über die Mondscheinsonate und bietet ihr Bier und Zigaretten an.

Karin erfährt von ihrer Freundin Marie, daß Paul in Düsseldorf ist und verrät nach und nach alles und es wird vielleicht so gewesen sein, in der DDR. Vielleicht war es auch anders. Es wird auch nicht alles überall gleich gewesen sein und jeder hat wahrscheinlich anders reagiert und jetzt wartet noch das Buch der Anne Rabe auf mich, das auf der Shortlist gestanden ist und das wurde überall sehr gelobt, ich bin gespannt.

Schock in der U-Bahn

Und jetzt eine Kostprobe aus meinem heurigen “Nichtnanowrimo”, der “Stalkingstory”, die ich in diesem Monat korrigieren und eventuell erweitern werde und die derzeit aus 36.690 Worten, einundvierzig Szenen und über dreiundsiebzig Seiten besteht.

“Laura Hofgarten atmete tief durch, als sie die Werbeagentur verließ, bei der sie ab Montag Praktikantin sein würde.

“Geschafft, geschafft!”

Sie könnte sich freuen und erleichtert sein, dachte sie und schüttelte den Kopf. Denn das war sie nicht. War sie undankbar, daß sie sich nicht freuen konnte, daß das Leben weiterging und die Pandemie und die Schrecken der letzten Jahre vorüber waren und sie alles vergessen konnte, wie ihr ihre Schwester Barbara, die besorgte Sozialarbeiterin, immer predigte? Wenn das nur so einfach wäre, dachte Laura seufzend und schlug den Weg zur U-Bahnstation ein, um nach Hause zu fahren, wo sie Barbara von ihrem Erfolg berichten konnte. Das war es auch. Das wußte sie schon. Da hatte die Schwester recht, daß sie sich freuen und das Andere vergessen sollte. Denn jetzt war sie zu Barbara gezogen und konnte die Lockdowns vergessen, die sie mit Walter dem damaligen Lebensgefährten der Mutter, die als systemrelevante Krankenschwester in ihrer Klinik gebraucht wurde, in der Wohnung verbracht und dort mehr oder weniger verzweifelt versucht hatte, ihr Graphikdesignstudium im Distancelearning zu beenden. Das war jetzt geschehen, dachte Laura, atmete erleichtert auf und versuchte sich zu freuen. Natürlich war es schön, daß ihr das gelungen und die Lockdowns und die Pandemie vorüber waren. Sie würde am Montag mit einem Praktikum bei “Allfritz” beginnen und die Idee Comics zu zeichnen, hatte sie auch nicht aufgegeben. Alles bestens also und in schönster Ordnung, auch wenn sie noch ein bißchen brauchte, um sich zu freuen, würde sie es versuchen und am Abend mit Barbara ein Gläschen Wein trinken. Die Mutter würde sie auch anrufen und ihr berichten, daß es mit dem Praktikum geklappt hatte und sie sich keine Sorgen machen mußte. Eigentlich machte Laura sich Sorgen, um die Mutter, an der die letzten Jahre auch nicht spurlos vorübergegangen waren. Die sie in Verdacht hatte, depressiv zu sein und die höchstwahrscheinlich öfter, als ihr gut tat, nach einem Gläschen griff. Vielleicht hatte sie all das auch noch nicht verkraftet, obwohl es gut war, daß sie sich von Walter getrennt hatte. Für sie war es gut. Für die Mutter vielleicht weniger, dachte Laura, als sie die U-Bahnstation erreicht hatte und die Stufen zum Bahnsteig hinunterging. Obwohl es ihr egal sein könnte, wie Barbara immer predigte. Natürlich war es so. Da hatte die Schwester schon recht. Die Pandemie war vorbei und als die Lockdowns vorüber waren und sie wieder normal die Wohnung verlassen konnte, hatte sie ihre Koffer gepackt und war zu der Schwester gezogen.

“Das wird dir gut tun!”, hatte die behauptet und nur die Mutter hatte traurig geschaut, wie sie sich erinnern konnte, obwohl sie nichts dagegen gesagt hatte. So war sie ausgezogen und hatte die Mutter mit Walter zurückgelassen, den diese, wie sie ihr vor vier Wochen mitgeteilt hatte, hinausgeschmissen hatte.

“Ich habe mich von Walter getrennt, Laura! Jetzt kannst du mich wieder besuchen kommen!”

Laura hatte es ihr versprochen und nur die vernünftige Barbara hatte sich eingemischt und “Du mußt nicht, Laura! Nur wenn du es willst!”, gesagt. Und das wußte sie ganz ehrlich nicht, obwohl sie es der Mutter versprochen hatte. Inzwischen war der U-Bahnzug eingefahren. Laura hatte sich hineingedrängt, einen Platz gefunden und dachte erleichtert, daß man nun auch in Wien schon seit einem halben Jahr keine Maske mehr in den Öffis tragen mußte, obwohl für den nahenden Herbst wieder gefordert wurde, um sich und die vulnerablen Gruppen zu schützen, eine solche freiwillig zu tragen. Laura wusste auch hier nicht recht, ob sie das wollte oder nicht? Das heißt, sie wollte es natürlich nicht. Hatte auch keine solche aufgesetzt. Andererseits konnte sie nicht verhehlen, daß sie etwas ängstlich war und nicht krank werden wollte. Aber jetzt war keine Gefahr, denn der Zug war nicht so voll, so daß der Babyelefantenabstand gewahrt werden konnte, obwohl der auch nicht mehr vorgeschrieben war. Laura atmete noch einmal auf und sah in das maskenlosen Gesicht des jungen Mannes, der ihr gegenüber saß. Ein attraktiver junger Mann mit einem braunen Wuschelkopf und einer runden Brille, der sie anzustarren schien, so daß sie, als gebranntes Kind den Kopf, erschrocken den Kopf schüttelte und abwehrend dreinschaute. Sie wollte ihre Ruhe haben, sich über ihren Erfolg freuen, nicht angequatscht und dadurch an Walter erinnert werden, dachte sie und versuchte noch abwehrender zu schauen, als sie hörte, daß er jetzt etwas herausstotterte, daß wie “Haben Sie etwas Zeit? Wollen Sie ein Cola oder einen Kaffee mit mir trinken?”, klang. Das heißt, soviel hatte er, der etwas schüchtern schien, gar nicht herausgebracht. Denn da hatte sie wieder Walters Grinsen und seine grapschende Hand vor ihrem Gesicht gesehen, mit der er ihr über ihren Schenkel gefahren war und sie an sich gedrückt hatte, so daß sie gar nichts weiter hören, sondern schleunigst aussteigen sollte, um nicht den U-Bahnzug vollzukotzen und dann vielleicht Strafe zahlen mußte, obwohl sie nichts dafür konnte, daß Walter grapschende Hand und sein schleimiges Gesicht nicht aus dem Kopf zu bekommen war und sie das Geschehene nicht vergessen konnte.

“Stop, halt!”, verzweifelt denken. Dann war sie schon aufgesprungen und aus dem Zug gestürzt, der gerade in die Station eingefahren war. Nicht auf den Perron kotzen und Strafe für etwas zahlen, für das sie nichts konnte. Das nicht ihre Schuld war, wie ihr Barbara ständig predigte, dachte Laura, die die Toilette gerade noch rechtzeitig erreicht hatte.

“Alles gut, Laura!”, murmelte sie mit hochroten Kopf vor sich hin, hielt den dann über das Waschbecken, um sich den <mund mit kalten Wasser auszuspülen.

“Alles gut, Laura! Du kannst dich beruhigen! Es ist nichts geschehen und es ist auch nichts dabei, wenn dich ein schüchtener junger Mann ansprechen will!”

Barbara würde das sogar gefallen, die ihr immer einredete, daß sie sich nicht so einigeln, sondern ihr Leben genießen sollte, da die Pandemie vorbei, Walter Krieger und sie ausgezogen und eigentlich nichts geschehen war.

“Gar nichts war geschehen!”, dachte sie, als sie vorsichtig die Toilettentür öffnete, um nachzusehen, ob ihr der Wuschelkopf vielleicht nachgeschlichen war, um dann sogar ein wenig enttäuscht zu sein, daß er nicht zu sehen war und höchstwahrscheinlich über die flüchetende Laura den Kopf schüttelnd, weitergefahren war, während sie auf den nächsten Zug warten musste.

“Stell dich nicht so an, Laura!”, schimpfte sie mit sich.

“Es ist nichts passiert und das Leben ist schön! Du kannst nach Hause fahren und mit Barbara ein Gläschen Wein trinken” Ihr erzählen, daß es mit dem Praktikum geklappt hatte und sie am Montag in der Agentur anfangen konnte!”

Der Mutter würde sie das Gleiche erzählen. Konnte es aber nicht. Zumindestens nicht gleich. Denn jetzt meldete sich ihr Handy. Es war ihre Freundin Sandra, die wissen wollte, wie es mit dem Praktikum stand?

“Hast du Zeit, Laura? Können wir uns im “Phil” auf einen Cafe latte treffen? Ich habe dir etwas zu erzählen, denn ich habe, da wir jetzt beide mit unseren Studium fertig sind, einen tollen Plan!”

And the winner is….

Wer wird heuer den österreichischen Buchpreis und den für das Debutt gewinnen? Eine interessante Frage, die ich nicht beanworten konnte, obwohl ich diesmal zum ersten Mal seit 2016 alle Bücher gelesen habe und auch eine Schätzung hätte.

Es ist aber schon passiert, daß der gewinnt, dem ich das am wenigsten zugetraut hätte. Das wäre diesmal Maja Haderlap gewesen, deren Buch mir nicht so gefallen hat und dann Teresa Präauer, da sagte mir ja Robert Huez auf meine Frage letzte Woche, Teresa Präauer.,

Die wird sehr gehypt, ist aber kein Roman. Aso ich hätte mich zwischen den beiden Herren Haas und Setz zu entscheiden und da Clemens J Setz ja auf allen Listen gestanden ist, wäre er ein geeigneter Kanditat, obwohl das Buch eigentlich gar nicht so surreal war, wie man Clemens j. Setz zugetraut hätte. Da bliebe noch Milena Michicko Flasar, die eher stille literarische Stimme, die irgendwie am Literaturrand steht und das japanische Leben beschreibt..

Bei den Debuts hätte ich auf Reisinger oder Daribi getippt, weil mir Olah wvon dem ich eigentlich erwartete, daß er der Gewinner ist, zusher an Bernhard und Winkler erinnerte.

Also spannend und der heutige Tag war auch schon “Buch-Wien” orientiert, hat mir ja DTV ein Blogger- Kit zugeschickt, damit ich die “Buch-Wien” gut überstehe. Werde ich wahrscheinlich und dann auf ins Casino am Schwarzenbergplatz und war früh daran, so daß ich den Einzug der Prominenz, die mich ja alle wieder mal übersehen hat, beobachten konnte.

Thomas Olah hat eine der Jurorinnen nach derJurysitzung gefragt, die heute um elf stattfand.

“War eigentlich schnell entschieden!”,, sagte die und ich dachte “Aha, da haben wir den Gewinner!” und Maja Haderlap ist auch an mir vorbeimarschiert und hat ihr Rotweinglas auf meinen Stehtisch abgestellt und ich konnte die Vertreterin von “Mury Salzmann” endlich nach dem “Gegenkanon”, fragen. Dann ging es los und diesmal war es ein bißchen anders als in den letzten Jahren , obwohl Philpp Heuss und Dorothee Hartinger wieder die Moderatoren waren.

Die Musik stammte von “Sarah Bernhardt”, bei der auch Sigrid Horn tätig ist und dann begann es diesmal mit den Debuts.

Schauspielschüler haben mit den Moderatoren Textstellen gelesen. Dann wurden die Jurymitlieder und die Preisstifter vorgestellt und dann “The winner ist Arad Dabiri!”

Der sprang mit seinem Kapperl in die Höhe und umarmte die Leute hinter mir und vor mir sind Maja Haderlap, Teresa Präauer, Clemens J. Setz und Milena Michoko Flasar gesessen.

“Da beobachte ich, wie sie reagieren, bevor Andrea Mayer die Juryentscheidung verkündet!”, habe ich gedacht und das nach den Buchvorstellungen fast versäumt. Es hieß jedenfalls, nachdem Andrea Mayer, um es besonders spannend zu machen, dankte und “The winner is Cemens j. Setz!” und ich dachte “Aha, klar!”

Wolf Haas hatte ich vorher nicht gesehen. Erwar aber anwesend, erhielt ein Buch und einen Blumenstrauß und dann gab es Brötchen und was Süßes und ich habe mich mit einer Dame, die Auslandskultur organisert unterhalten, habe einige Bekannte gesehen und ihnen zugewinkt und jetzt gibt es noch zwei Tage Praxis und dann auf in die “Buch-Wien”.

Laufendes Verfahren

Buch zwölf der deutschen Liste und das fünfte Österreichbuch sozusagen, obwohl die 1971 in Salzburg geborene Kathrin Röggla seit 1992 in Berlin und jetzt in Köln lebt. Ich habe sie, glaube ich, kennengelernt, als ich 1996 in der Jury des Nachwuchsstipendiums war. Dann habe ich mit ihr bei dem von Christine Haidegger organisiertes Symposium “Sichten und Vernichten” gelesen, Thomas Rothschild hat sie, glaube ich, nach Klagenfurt eingeladen oder ihre Lesung dort vermittelt und Kathrin Röggla , die 1995 den “Priessnitz-” und 2008 den “Wildgans-Preis” bekommen hat und beim “Fried- Preis”, 2013 die Jurorin war und die ich auch schon bei Symposien hörte, ist sicher eine sehr analytische Autorin, die politische Themen in einer schönen Sprache, vielleicht etwas unverständlich, wie man unken könnte, beschreibt. “Wir schlafen nicht” habe ich einmal bei einem “Thalia-Abverkauf” bekommen und “Nachtsendung” ist auf der “Öst” gestanden.

Jetzt “Laufendes Verfahren”, der Bericht über den NSU-Prozeß, dem Strafverfahren gegen einerechtsextremen Terrorgruppe, die neun Morde an Migranten und einem Polizisten beging. Das Urteil wurde 2018, also vor fünf Jahren in München verkündet und Kathrin Röggla geht es in ihrem Buch wieder sehr theoretisch an.

Roman steht darauf und der dBp ist eigentlich auch ein Romanpreis, es ist aber keiner, sondern ein literarischer Prozeßbericht und interessant wäre das Lesen des Buches wahrscheinlich, wenn man über diesen Prozeß mehr erfahren will. Das hat es zumindestens bei mir nicht gebracht. Wußte ich vorher nicht viel darüber und weiß jetzt auch nicht mehr. Denn das Buch hat keinen Plot und keine Handlung, berichtet in der “Wir”Form in sehr schöner Sprache, ich wiederhole es, das Gerichtsgeschehen. Da gibt es die “Omagegenrechts” den “Bloggerklaus”, den “Gerichtsopa”, den “O-Ton-Jurist”, die “Frau von der türkischen Botschaft” und dann vor allem in wechselden Variationen die “Vornamenyildiz”, die zur “Nachamenyildiz”, zur “Grundsatzyildiz” und was auch immer wird und so geht es hin auf den zweihundert Seiten. Es wird der Gerichtsprozeß erlebt oder durchschwafelt und hat am Ende sicher ein sehr interessantes Buch gelesen, an dem Kathrin Röggla möglichdrweise fünfJahre recherchiert und gearbeitet hat, so daß es jetzt erst erschien, aber zumindestens ich nicht viel verstanden habe.

Dem “Papierstaupodcast”, die ja den dBp genau beobachten, ist es, glaube ich, ähnlich gegangen und mir, die ich mich ja momentan wieder sehr intensiv mit den Corona-Maßnahmenf beschäftige, ist aufgeallen, daß da an mehren Stellen jemand gerügt wird, weil er keine Maske, trug, aber 2018 oder vorher als die Verbrechen geschahen, gab es noch keine Maskenpflicht.

Auf die Shortlist ist das Buch nicht gekommen und ich habe mich wieder einmal durch ein ein Stück österreichischer Gegewartsliteratur abseits vom , der ja am Montag vergeben wird, gelesen.

Ein Hund kam in die Küche

Buch elf der deutschen Longlist ist sehr interessant, denn eine sehr leise, scheinbar leicht geschriebene Geschichte über den Holocaust oder das dritte Reich mit interessanten phantastischen Einschüben, des 1955 in Südtirol geborenen Sepp Mall, der der in Meran lebt und auch Mitglied der GAV und der IG-Autoren ist und als ich Robert Huez, ebenfalls ein Südtiroler und Literaturhausleiter, vor einiger Zeit nach der deutschen Liste fragte, sagte er mir acht Österreicher stehen darauf. Acht oder sechs? Also Clemens J. Setz, Teresa Präauer, Thomas Olah, Raphaela Edelbauer,Kathrin Röggler, Tonio Schachinger und dann noch den Südtiroler Sepp Mall und den deutschen Luca Kieser, der, glaube ich, in Wien lebt oder jedenfalls das “Institut für Sprachkunst” besuchte und “Ein Hund kam in die Küche” ist ein Buch, das ohne des Buchpreislesens wahrscheinlich an mir vorbeigegangen wäre, was schade gewesen wäre, obwohl ich inzwischen glaube schon genug dritte Reich Romane gelesen zu haben und mich lieber an die Corona-Aufarbeitung machen will.

Aber “Ein Hund kam in die Küche” ist ein interessantes Buch, erzählt von dem kleinen Ludi, der 1942 elf ist und mit seinen Eltern und dem behinderten kleinen Bruder Hanno, der eigentlich Anton heißt, aber das nicht aussprechen kann, in dem Südtiroler Dorf oder Städtchen Mariendorf lebt und die jetzt heim ins Reich geholt werden.

Da nimmt Ludi Abschied von Katharina, der Metzgertochter, die mit ihrer Familie auch auswandert, Nein “auswandern” nicht, denn sie gehen ja als Volksdeutsche ins Reich zurück, also “wandern “und das ist schon eine der feinen Sprachspielerein, die das eigentlich im Kindermund geschriebene Buch zur Literatur machen, denn Katharina erzählt Ludi, das sie nach Vor-Adelberg gehen, wo die Kinder dann die Wortspielereien machen, ob es auch ein Hinter-Adelberg gibt.

Die Familie des Ludi geht aber zuerst nach Innsbruck und da werden sie gleich aufgefordert, den kleinen Hanno untersuchen zu lassen. Der wird dann in das St. Josef Heim gebracht, wo er angeblich gefördert wird, wird dann nach Kaufbeuren überstellt und stirbt schließlich an einer “Lungenentzündung”.

Nur das wird thematisiert, nicht mehr. Höchstens die Reaktion der Mutter, die sich dann einige Tage lang nicht mehr aus dem Bett erhebt und unbedingt von Donauobergau wieder zurück nach Südtirol will.

Das geht aber nicht so einfach und so schnell. Denn der Vater ist schon eingezogen, wurde zuerst nach Frankreich und dann nach Russland geschickt und Hanno erscheint nun Ludi in seinen Träumen, wo er sich mit ihm unterhält.

Die Mutter geht mit Ludi dann nach Flatz, einem Ort in der Nähe von Landeck, wo es zu dem berühmten Hundezitat und auch zu weiteren scheinbar naiven Wortspielereien kommt, nämlich, die Schweden oder Sudetendeutsche, denen der Hund, der in die <küche kam und schließlich begraben wird, gehört, den “Volks- oder Scheißdeutschen” und als der <krieg verloren ist, haben Ludi und seine Mutter auch keine Staatsbürgerschaft mehr. Italien haben sie verlassen, Österreich will sie nicht, das deutsche Reich gibt es nicht mehr. Die Mutter kehrt aber trotzdem nach Meran zu ihrer

Schwester und später auch in das Dorf zurück und irgenwann erscheint auch der Vater aus der Russlandgefangenschaft, erzählt von den Lagern, wo er von den deutschen Kapos schlechter, als von den Russen behandelt wird, betrinkt sich in den Wirtshäusern, weigert sich mit der Mutter im selben Zimmer zu leben und verwirrt, den inzwischen fast erwachsenen Ludi damit, daß er Hannos Tod als soziale Gerechtigkeit dafür sieht, daß er in einem russischen Dorf ein Kind erschossen hat.

Darüber kann man in Zeiten, wie diesen, wo diskutiert wird, wie weit die Israeli das Recht haben, die Palästinenser oder die Hamas zu vernichten, sehr nachdenken und weitere Symbole in dem Buch sind auch das italienische Buch. Das einzige, was der kleine Ludi besitzt, daß er vor seinem Weggang zuerst in der Schule lassen will, später aber der schwedendeutschen Indgrid mit der Narbe an der Wange schenkt und sich dann auf der Flucht zurück mit Hannos Sandalen, die sie von dem Pflegeheim zurückbekommen haben, beschwert.

Ganz leise und still, wie Sepp Mall von diesen Krieg, seinen Grausamkeiten und Traumatisierungen erzählt und dabei Naturbeschreibungen und Wortneuschöpfungen und vor allem den Kindermund bemüht.

Schade, daß das Buch nicht auf die Shortlist, gekommen ist, würde ich meinen, denn ich würde ihm, vor allem in Zeiten, wie diesen mehr, Aufmerksamkeit wünschen.

Unschärfen der Liebe

Buch zehn des dBps, jetzt ist schon Halbzeit, Angelika Overaths Unschärfen der Liebe” ist ein Roadmovie mit einem verwirrenden Ende, obwohl das Buch eigentlich sehr ruhig ist, die Reise von Baran Anatol Chronas von Chur nach Istanbul geht, die viele Stationen hat und einige Tage dauert.

Baran Anatol Chronas ist der Sohn von griechisch türkischen Eltern , als Gastarbeiter in Deutschland aufgewachsen. Jetzt lebt er schon einige Jahre mit seinen Freund Cla, einem Schweizer, in Istanbul und hat mit ihm dessen Ex-Frau Alva besucht. Cla ist früher zurückgeflogen und Baran kommt nun mit dem Zug nach.

Alva und die kleine Tochter Florinda begleiten ihn zum Zug und während der Fahrt hat Baras viel zu denken, denn nichts ist mehr wie es war. So beginnt, glaube ich, das Buch “Als Baras Anatol Chronas an einem Herbstmorgen in Chur einen Zweitklassewagen der schweizerischen Bundesbahnen bestieg, wußte er, daß ihm keine gute Ankunft bevorstand”

Die Beziehung zu Cla ist brüchig. Er hat ihn betrogen. Jetzt hat Baras ein Verhältnis zu Alva angefangen und während der Fahrt, denkt er viel vor sich hin. Man kann das Buch, ein Roadmovie nennen. Es gibt Landschaftsbeschreibungen, die Reisegefährten werden beschrieben. Baras geht in den Speisewagen, trinkt ein Bier, stiegt um, schläft zweimal in den Zügen , einmal im Hotel. Hat auch eine längere Unterbrechung in Sofia, denn die Reise geht von “Chur nach Sargans”, von “Sargans nach Landeck”, von “Landeck nach Graz” und so weiter uns so fort, von Kroatien, nach Belgrad, nach Sofia, wie schon beschrieben und die einzelnen Kapitel tragen auch diese Überschriften.Am Beginn des Buches kann kann auch den Fahrplan sehen.

Als er schon in Istanbul angekommen ist, von Cla auch ein SMS bekommt, daß er ihn mit dem Abendessen erwartet, wird es dann spannend, denn während er noch resumiert in die Schweiz zurückzukehren, als Kellner oder Übersetzter, denn der Gastarbeitersohn scheint auch eine Art Minderwertigkeitskomplex zu haben, bei Alva zu leben, gerät er in ein Erdbeben. Dann hat er eine Vision, wo er Cla tot in seinem Zmmer findet und der Koffer des Großvaters, den er immer mit sich führt, spielt in dem Buch auch eine Rolle, denn “Mit einem Ton, wie wenn man Metall reißt, kam der Zug zum Stehen. Baran griff nach seinem Koffer. Die automatischen Türen standen offen, und er war gerade dabei auszusteigen, als das große Beben begann.”

So endet das Buch, das mir eigentlich gefallen hat, obwohl ich auch kritische Rezensionen darüber gehört habe. Ein Roadmovie, wo Baras, der Gastarbeitersohn über sein Leben, die Kultur, die Gesellschaft, etcetera, nachdenkt. Bei drei Tagen unterwegs, eine Reise die eigentlich dreißig Stunden dauert, wie an anderer Stelle steht, hat man wohl Zeit dazu. Am Schluß wird es etwas unrealistisch, während ich das Buch bis dahin eher ruhig und refektierend empfunden habe.

Angelika Overath wurde 1957 in Karlsruhe geboren, lebt in Graubünden und hat, glaube ich, in “Ein Winter in Istanbul” schon ein Buch über Baras und Cla geschrieben.

Der große Wunsch

Buch neun des dBp “Der große Wunsch” des 1964 in Ost Berlin geborenen Sherko Fatah der irakisch syrische Wurzel hat und es ist sehr interessant, das Buch in einer Zeit zu lesen, wo fast überall gegen die syrischen afghanischen etcetra Asylwerber gehetzt und von einer gescheiterten Intergration gesprochen wird, weil man hier die Türken, Syrier, Kurden einmal von einer anderen Seite erlebt.

Da ist Murad an der türkisch srischen Grenzne nur “Alaman” genannt, denn er, der Intellektuelle, Sozialarbeiter, Filmemacher kommt aus Berlin, um nach seiner Tocher Naima zu suchen, die mit einem Glaubenskrieger nach Syrien aufgebrochen ist und das ist nicht ganz zu einfach.

Selber kann er offenbar nicht über die syrischen Grenze. So vertraut er sich Schleppern an, die ihm nach und nach Bilder und Tonaufnahmen einer verschleierten Frau bringen und man weiß nicht recht, ob das und Naima ist oder nicht.

Er geht indessen spazieren, läßt sich von einem Fahrer herumkutschieren und gibt das Geld aus, daß eigentlich seinen Freund gehört und es heißt warten, warten, warten, so reflektiert er seine Beziehung zu seiner Tochter, der er offenbar entfremdet ist. Er ist von ihrer Mutter Dorothee getrennt, die ruft aber immer wieder an und einen geheimnisvollen Freund namens Aziz gibt es auch.

So fängt das ganze ziemlich langsam an und ich, die ich ja auchviel Erfahrung mit dem Schreiben habe, habe gedacht, da schleicht sich einer herum, weil er nicht recht weiß, wie er zu seiner Handlung kommt, so würde es mir gehen, denn warum fährt er nicht nach Syrien und holt die Tochter, sondern vertrödelt Zeit, in dem er Leute beobachtet, in eine Hütte zieht und fast verwahrlost, aber vielleicht wollte es Sherko Fatah, der sicher die Gegend kennt, nur besonders spannend machen.

Es ist zu gefährlich, nun ja nun gut. Dann kommen aber die Boten und bieten ihm an hinüberzufahren und die Tochter zu holen. Das scheint aber nicht zu klappen.

Der Chef genannte Teehausbesitzer bestellt ihn zu sich un weiß sehr viel über das Geschehen und dann kommt noch Aziz von Istanbul und nimmt das ganze in die Hand, diese Schleife haben ich nicht ganz verstanden.

Erfindet aber seine Tochter, holt sie vom Flüchtlingslager ab und ich habe ein interessantes Buch gelesen, das nicht auf die Shortlist gekommen ist, obwohl Sherko Fatah 2008 noch mit seinem bei “Jung und Jung” erschienenen “Das dunkle Schiff” darauf gestanden ist.

Ich habe auch einige seiner Bücher in meinen Regalen, gelesen, glaube ich, aber noch nichts und kann das Lesen des neuen Buchs trotz der erwähnten Schwächen sehr empfehlen, weil man damit einen anderen Eindruck von der angeblich mißglückten Integration und das Leben von Syriern,Türken, Kurden etcetera in der zweiten oder dritten Gerneration bekommen kann, die in Deutschland oder Österreich “Ausländer” und in ihren Herkunftsländern “Deutsche” genannt werden und im nächsten Buch wird es um eine Zugreise nach Istanbul gehen…