Nicht nur mit geliehener Zunge

Ein interessanter Abend in der “Alte Schmiede” von Dante aufwärts und wieder zurück könnte man so schreiben.

Begonnen hat es mit dem 1952 geborenenen Franz Josef Czernin und seinem bei “Hanser” erschienenen Gedichtband “geliehene zungen”.

Der Literaturprofessor Thomas Eder hat eingeleitet und Franz Josef Czernin hat sich durch seinen Gedichtband gelesen, wo es zu Dante zurückgeht und den Zirkus Krone beschreibt, etcetera und nach einer Pause ging es mit einem Essay von Theresia Prammer weiter, die sich mit den sogenannten “Wie- Metaphern” oder den “Similitudini” bei Dante beschäftigte und das sehr enthusiastisch tat.

Danach kam ein mir schon Bekannter auf den Lesetisch nämlich der 1982 in Boston geborene Paul-Henri Campell, den ich mit seinen “Körpergedichten” schon einmal bei “Dichterloh” hörte mit seinem neuen Gedichtband “Schnee ist das Blut der Geister”.

Er las sich aber auch durch seine zwei anderen Gedichtbände zum Beispiel durch die “Litanei über die Nieren”.

Anschließend gab es noch eine Diskussion, wie wichtig, die Sprache bei Dantes Metaphern ist und Sprache ist, wie Franz Josef Czernin betonte natürlich wichtig.

Die “Alte Schmiede” war sehr gut besucht. Herbert j. Wimmer habe ich gesehen, Ferdinand Schmatz und noch viele andere.

Wieder was gelernt. Auch, wie wichtig Dante für die heutigen Dichter ist und mit welchen Sprachmetaphern sie sich beschäftigen.

Die Möglichkeit von Glück

Jetzt kommt Buch fünfzehn des dBp, das dritte das auf der Shortlist stand und das vierte das sich mit der DDR beschäftigt.

“Die Möglichkeit des Glücks, der 1986 geborenen Anne Rabe, die sich viele als Preisträgerin wünschten und die mit ihrem Debut das Leben in der DDR und der Holocaustaufarbeitung beschäftigt und wenn man das Buch mit den drei anderen DDR-Bücher vergleicht, so denke ich, daß Angelikas Klüssendorfs Kindheitsgeschichten wohl literarischer als Anne Rabe ist. Charlotte Gneuss, die in ihrem Debut beschrieb, wie man in der DDR zur Stasi kam, wurde ja vorgeworfen, daß sie das Schnitzel nicht hautnah in der Pfanne erlebte und Terezia Mora beschreibt in ihrer “Muna”, wie die DDR ihre Heldin geschädigt hat und Anne Rabe hat ihre Heldin Stine wohl so alt wie sie sein lassen, nämlich 1986 geboren.

Also kann auch diesen Buch eine gewissen Autofiktion nicht ableugnen und diese Stine, Kind von zwei aufrechten DDR-Bürgern, kann sich wohl nicht mehr richtig an die DDR erinnern.

Jetzt ist sie erwachsen, lebt, glaube ich in Berlin, hat zwei Kinder und ihren Hans und erinnert sich an die straffen Erziehungsmaßnahmen ihrer Eltern.

Vor allem mit der Mutter, einer Erzieherin, hatte sie ihre Schwierigkeiten, denn die ließ ihre Kinder schreien und hatte wohl auch “Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind” von ihrer Mutter übernommen. Sie steckt Stine und den kleineren Bruder Tim auch in die zu heiße Badewanne und ließ sich nicht rühren, nachzuschauen.

Erst der Vater zog die Kinder heraus und die erwachsene Stine beschäftigt sich mit ihrem Großvater, Paul Bahrlow und arbeitet die Lebensgeschichte des 1923 Geborenen auf.

Der kam als Kind nach Berlin. Da gibt es ein Bild von ihm auf einem Fahrrad, der Bruder Wilhelm wurde zu einer jüdischen Knderärztin in Pflege gegeben, die mit den Kindern in die Schweiz emigrierte, als die Nazis kamen. Leider holten die Eltern ihn zurück und Paul kam nach Stalingrad, wurde später Lehrer, sogar Schuldirektor und bekam eine Johannes R. Becher-Medaille, von der er seiner Enkeltochter nichts erzählte und wurde nach dem Fall der Mauer, als zu systemrelevant eingestuft, was ihn sehr schmerzte.

Ein interessantes Buch könnte man sagen, obwohl Anne Rabe nichts wirklich neues erzählt und man die Holocaustfamlienaufarbeitung wohl schon öfter gelesen hat.

Erich Fried- und Schweizer Buchpreis

In Basel wurde heute um elf der “Schweizer Buchpreis” an Christian Hallers “Sich lichtende Nebel” vergeben, ein Buch das ich wie, die vier anderen Nominierten noch lesen muß, aber da bin ich ja immer noch beim deutschen Buchpreis, habe da am Morgen Luca Kiesers “Weil da war etwas im Wasser” begonnen und dann für meinen Weg ins Literaturhaus das Buchpreisbuch Tonio Schachingers “Echtzeitalter” eingepackt und in Basel beim der “Buch Basel” und der Schweizer Buchpreisverkündung waren wir 2019, weil ich mir das einmal ansehen wollte.

Heuer nicht, heuer sind wir in Wien geblieben, weil ich an sich beim “Werkl im Goethehof” beim “Open Mike “und da aus meinen noch nicht veröffentlichen die “Toten lassen grüßen”, den Dystopie-Roman “2035” lesen wollen. Das wurde abgesagt. Aber da stand schon am Sonntag um elf die Verleihung des “Fried-Preses” an den ostdeutschen Thomas Kunst auf meinen Kalender. Also bin ich hinmarschiert, denn der “Fried-Preis” wird ja jedes Jahr von der einzigen Lektorin oder Lektor, der von der “Fried Gesellschaft” ausgewählt wird, vorgeschlagen und verliehen.

Heuer also Thomas Kunst, vorgeschlagen von der Jurorin Monika Helfer und da war ich schon ein wenig erstaunt, denn der 1965 in Stralsund geborene Lyriker, der mit seinen “Zandschower Klinken” 2021 auf der Shortlist des dBp gestanden ist, gilt, glaube ich, als sehr experimentell und Monika Helfer von der ich einigesgelesen habe, ist das wahrscheinlich weniger, scheint aber mit dem Autor befreundet zu sein.

Also losmarschiert ins Literaturhaus. Im Foyer an der Prominent vorbei und gleich einen Platz befunden, weil nur wenige Zuhörer. Das literarische Stammpublikum fehlte zum größten Teil. Aber die ehemalige Ministerin Hilde Hawlicek war da, der Otto, den ich von der “Augee” kenne, der Sasha und noch einige andere.

Früher ist ja immer die Friederike Mayröcker hingekommen und in der ersten Seitenreihe gesessen. Das Portrait von Heide Heide, um das es, glaube ich, einige Diskussionen gab, thronte wieder über dem Lesetisch und Robert Huez eröffnete oder leitete ein. Die Grußworte hat die Vizezpräsidentin Teresa Präauer, für den erkrankten Josef Haslinger” gesprochen und der konnte man gleich zum “Bremer Literaturpreis für ihr “Essen im falschen Jahrhundert” gratulieren.

Vom Ministerium hat die Sektionsleiterin Theresia Niedermüller im schwarzen Hosenanzug die einleitenden Worte gesprochen und da von der Verantwortung gesprochen, die der alleinige Juror, die alleinige Jurorin hat. Er kann allein entscheiden, muß sich dann aber allein auch den Widerspruch gefallen lassen.

Bei der Vorarlbergerin Monika Helfer, die von Angelika Reitzer, auch ein Mitglied der “Fried- Gesellschaft” vorgestellt wurde, wird das wohl nicht sein, denn ihre Laudatio in der sie Thomas Kunsts Preiswürigkeit begründete, war sehr literarisch.

Dann kams zur Preisübergabe. Der Preisträger strahlte und zeigze seine Urkunde her. Dann gings zur Preisrede und da bekannte der Autor, das er nicht sehr viele Berührungspunkte mit Erich Fried hat. Denn in Stralsund wurde der kleine Thomas von seinem Vater in die Musikschule zum Geigenunterricht gebracht. Der wollte dann Lyriker werden und wählte sich da Paul Celan als Vorbild aus. Inzwischen hat er außer den “Fried-Preis” auch noch den “Kleist-Preis” bekommen und anschließend gab es Sekt zum Anstoßen. Michael Hammerschmied lhabe ich getroffen, Daniela Strigl, Rhea Krcmarova, Karin Invancsics, die auch Mitglied der “Gesellschaft” ist und viele andere. Die Bücher konnte man am Büchertisch kaufen und ich habe mich bei Gustav Ernst erkundigt, daß es seine Kolik-Lounge im Schauspielhaus ,wo am Mittwoch Luca Kiesers “Da ist doch was im Wasser” vorgestellt wird noch gibt. Robert Huez hat mich dann über den Schweizer Bucbpreisträger informiert. Christoph Hein offenbar ein Freund des Preisträgers war auch anwesend und die Musik ist auf Wunsch von Thomas Kunst vom Gitarrist Bernhard Eder, den er im Internet kennenlernte, gekommen.

Birobidschan

Buch vierzehn des dBps “Birobidschan” des 1987 in Haifa geborenen Tomer Dotan-Dreyfuß, der seit zehn Jahren in Berlin lebt, beschäftigt sich mit der in den Neunzehndreißigerjahren von Stalin gegründeten jüdisch sozialistischen Kolonie an der sibirischen Grenze zu China und Tomer Dotan-Dreyfuß verlegt das Städtchen in die Neunzehnneunziger und auch frühen zweitausenderjahre und erzählt hier die Geschichten von Alex und Rachel, Boris, Gregory, Sascha, etcetera und tut das, wie am Klappentext steht in einer Mischung aus jüdischer Tradition und phantastischen Realismus.

In einundachtig Kapitel wird das beginnend mit den Neunzehndreißigerjahre, wo eine Runde Waisenkinder auftaucht und in dem Schtetl untergebracht werden, bis zu den Alltagserlebnissen der Dorfbewohner erzählt und dann tauchen auf einmal zwei geheimnisvolle Männer auf, die Bären suchen, fünfhundert Rubel Scheine verschenken, die dann versenkt werden, ein Bewohner wird tot aufgefunden und ein geheimnisvolles stummes Mädchen bringt die Ereignisse auch durcheinander.

“Absurd, märchenhaft und radikal”, schreibt Sandra Gugic auf den Buchrücken und Ira Peter meint: “Ein Spiel mit der Zeit, mit Lust, Gewalt und Grenzen, dessen größtes Opfer am Ende der Autor selbst wird. Fesselnd, überraschend und sprachlich herausragend”.

Ein interessantes Buch, füge ich hinzu, das in Zeiten,, wie diesen, besondere Bedeutung bekommt, obwohl es nicht auf die Sortlist gekommen, aber trotzdem empfehlenswert zu lesen ist.

Auf Stephan Teichgräbers letzten “Literarischen Lenz” wurde übrigens ein Buch, das sich mit einem ähnlichen Sujet beschäftigt, vorgestellt.

Alte Schmiede musikalisch

Die “Alte Schmiede” hat ja ein Musikprogramm, das meistens am Mittwoch und am Freitag stattfindet und ich nur selten hingehe. Eigentlich nur in den Osterferien, wenn es sonst nichts anderes gib t oder wenn das Programm einen literarischen Anstrich hat, wenn Lavant -Lieder gesungen werden, etcetera, denn ich bin ja ein literarischer Typ, der das Crossover ziemlich eingestellt hat.

Was gibt es aber am Freitag, wenn wir uns Wien befinden und das tun wir diese Woche, weil ich eigentlich am Samstag im “Werkl “beim Open Mike” lesen wollte und am Sonntag wird ja der “Fried-Preis” an Thomas Kunst vergeben.

Also wo geht ich hin? Und fand da gleich in der “Alten Schmiede” das Frauenvokalensemble “equilibirium”, das sich “Deutschsprachigen Dichterinnen verschiedener Epochen” widmete.

Also schon etwas gefunden, dann fand ich in der Hauptbücherei noch “ein Veranstaltungen “Stimmen behinderer Menschen” und das Lesetheater führte auch noch Schnitzlers “Liebelei” auf. Also schwankte ich zur Hauptbücherei, denn das Behindertenthema interessiert mich ja und dann wieder in die “AS” zurück, weil ich mir die vertonte Lyrik geben und mich damit verwöhnen wollte.

Und das hat sich, schreibe ich gleich, gelohnt. Denn acht Damen in Abendkleidern oder Hosenanzügen traten, moderiert von Margareth Tumler, die gleicheine Entspannungseinführung gab, traten auf und lasen zuerst die Texte, der vertonten Dichterinnen und da waren sie zum Teil auch auf Komponisten angewiesen.

Es begann mit Ola Gjeilo oder Hildegard von Bingen. Ging dann zu dem 194 geborenen Jürgen Golle über, der fünf Texte von Hildegard Jahn-Reinke, die von 1906-1995 lebte, vertont hat. Von beiden noch nie etwas gehört. Die Gedichte gingen aber über die “Winteranderung” im “November” zum “Sommer-Regen” über und dann kam Gottfried von Einem, der offenbar mit Christine Busta befreundet war und aus ihren Briefen ein Votivliederpotpurri machte.

Die 1959 in Dresden geborene und dort lebende Sylke Zimbel vertonte sowohl Friederike Mayröcker als auch Sarah Kirsch und dann kams zu einer Uraufführung, denn der 1989 geborene Luca Sutto, der anwesend war und sich, wie er sagte sehr für Leben und Schicksal der Hertha Kräftner interessiert und machte sechs oder sieben Gedichte von ihr zu einem Musikstück.

Eine Zugabe gab es auch und es war nach einer literarischen Woche mit zweimal “Alte Schmiede”, einmal Literaturhaus” und einmal “Gesellschaft”, eine schöne musikalische Umrahmung, was mich zu dem Schluß bringt, daß ich mir veilleicht öfter das Musikproramm geben soll, aber Ostern kommt ja wieder, bis dahin bin ich gespannt.

Ilse Helbich zum hundersten Geburtstag

Die 1923 in Wien geborene Ilse Helbich ist, glaube ich, spät als Schriftstellerin herausgekommen. 2009 beim “Droschl-Verlag” und da hat sie jetzt inzwischen zehn Bücher herausgebracht und heute ihr letzter Band drei Erzählungen “Wie das Leben so spielt”.

Ich war schon einmal, glaube ich, bei einer Ilse Helbich Veranstaltung in der “Gesellschaft”, wo es so voll war, daß ich nur im Vorraum gesessen bin, habe deshalb, weil wieder eine sechs Uhr Stunde, wo die Klientin aber schon früher kam, den Alfred vorgeschickt, damit er mir einen Platz reservieren konnte. Aber die Sitze im Leseraum waren wohl alle reserviert, so daß ich wieder hinten gesessen bin, aber ganz gut gesehen habe.

Franz Schuh hielt die Einleitung und ich wundere mich ein bißchen weil die Texte ja eher konventionell angesiedelt sind und mir Anette Knoch, als ich einmal bei dem Poetry Slam im Cafe Stein lesen wollte, daß meine Texte zu konventionell sind. Nun ja, nun ja, vielleicht muß ich auch erst hundert werden, dann klappt es vielleicht mit der “Einladung zum Tee”, die ja dem Gerhard K., dem späteren Psychologieprofessor und der Monika J , der ewigen Psychologiestudentin nicht gefallen haben.

Nach der Einleitung hat die Schauspielerin Dörte Lyssewski, die Geschichte “Einfach so” gelesen, wo sich eine Frau und ein Mann zusammenfinden, der Mann das Haus renoviert und einem Kind Trompete spielen beibringt, dann kommt die Tochter und sagt, der Mann saß zwei Jahre im Gefängnis, aber alles geht gut aus.

Nachher gab es Wein und Brötchen vom “Schwarzen Kameel”, wo ich die guten mit dem Schinken und den Kren oder Zwiebel, gegessen habe.

Eine lange Autogrammschlange, der Alfred hat das Büchlein auch gekauft und signieren lassen, jetzt muß ich nur noch die zwei anderen Geschichten lesen.

Joseph Roths Gesamtausgabe

Es gibt ja eine Joseph Roth-Gesellschaft dessen Präsident der ehemalige Literaturhausleiter Heinz Lunzer ist und so finden jährlich, glaube ich, im Literaturhaus Joseph Roth Veranstaltungen statt, wo sich die Mitglieder der Gesellschaft versammeln und austauschen.

Ein paar davon habe ich besucht und ich kann mich auch, als ich die “Radiosonate” geschhrieben hat, es im Literaturhaus eine große Ausstellung gab, die mich auch ein bißchen inspiriert hat und von Joseph Roth auch einiges gelesen. Da kann ich mich erinnern, daß es einmal ein Jubläumsjahr gab und da habe ich mir nach einigen Zögern, drei TBs gekauft.

Das “Hotel Sayoy ” war, glaube ich, dabei und das “Spinnennetz”.Den “Radeztkymarsch habe ich aus der Bibliothek meiner Eltern mitgenommen und gelesen und jetzt liegt ein Buch auf meinen Badezimmetstapel Lea Singers “Die Heilige des Trinkers” über, wie am Cover steht Roseph Roths vergessene Liebe und das war offenbar eine Andrea Manga Bell. Joseph Roth scheint aber außer seiner Frau einige Lieben gehabt zu haben und die Erste des 1894 in Brody Geborenen war offenbar eine Sylvia Zappler, eine Zahnärztin, die von Wien über Frankreich nach New York emigirierte und 1968 in Genf starb.

Leonore Handl hat einen Vortrag im Literaturhaus über sie und ihre Famiiengeschichte gehalten und daß mit der Liebe und Geliebten war eigentlich nur herauszuhören, obwohl Leonore Handl sie in einigen seiner Romanfiguren erkannte, hat aber nicht verraten in welchen.

Dann kam der 1948 geborene Heinz Lunzer mit den Werkausgaben, denn die “Gesellschaft” gibt das Werk des Meisters offenbar Jahr fürJahr heraus und ist jetzt bei 1923 bis 1924 gelandet.

Die Bände konnten sich die Mitglieder mitnehmen und in dieser Zeit ist, glaube ich, auch das “Hotel Savoy entstanden, das dann in den Neunzehndreißgerjahen in einem Wiener Verlag noch einmal herauskam.

Joseph Roth und der Film war auch ein Thema, da war ich auch einmal bei einer Veranstaltung und Heinz Lunzer erklärte genau den Unterschied zwischen dem Journalisten und dem Schriftsteller oder eigentlich gibt es da keinen, denn der heilige Trinker, der in Paris 1939 elediglich gestorben ist, war offenbar beides und jetzt muß ich noch das Buch über die vergessene Liebe lesen, bis es im nächsten Jahr zu der nächsten Joseph Roth Veranstaltung kommt.

Writers in Prison, Writers at Risk

Der fünfzehnte November ist seit einiger Zeit der Tag wo der PEN Writers in Prisons gedenkt und seit einigen Jahren findet um diesen Tag eine Veranstaltung in der “Alten Schmiede” statt. Die hatte ich in Corona-Zeiten gestreamt und hatte dann Schwierigkeiten mit den Namen. So habe ich am nächsten Tag den PEN angeschrieben und um Informationen ersucht und ein Mail zurückgekommen, was man mit der skurillen Anfrage machen soll?

Ich habe die Namen dann doch bekommen und heuer war die Veranstaltung von einem Mark Kenk und einer Marion Wiesinger perfekt organisiert. Es lag ein eigenes Programmblatt auf und die Veranstaltung stand unter dem Bachmann-Motto: “Mit meiner verbrannten Hand” und drei Autorinnen wurden eingeladen, die Texte drei verfolgter Autorinnen zu lesen.

Die Erste war Cornelia Travnicek, die sich der 1953 geborenen im Iran inhaftierten Lyrikerin Mahvash Sabet annahm und erzählte, daß sie 2018 im Ian war. Da war die Autorin frei und sie hat drei oder vier Gedichte über sie oder andere verfolgten Frauen geschrieben.

Katharina Tiwald hätte sich der Autorin und Politikwissenschaftlerin Trifonia Melibea Obono annehmen sollen, die zwar nicht inhaftiert, aber doch verfolgt wird. Ist aber erkrankt, so ist die 1988 in Bratislava geborene Didi Drobna, die ihre Karriere bei den Exil-Preisen startete für sie eingesprungen und hat ihre Würdigung und Ausschnitte aus dem ebenfalls bei der “Edition Pen” erschienen Buch gelesen.

Die dritte Autorin war dann die 1994 in Südtirol geborene Lorena Pircher, die sich der perunanischen Investigativ-Journalistin Paola Ugaz, die nach dem sie einen Korruptionsskandal aufdeckte Verleumdungsklagen ausgesetzt ist und Mark Klenk forderte die Anwesenden aus, sich für die verfolgten Autoren einzusetzen. Mails an den PEN oder die Regierungen zu schreiben, weil das helfen würde.

Zwei Schweizer Nominierte

Der “Schweizer Buchpreis” wird ja am Sonntag vergeben. Christian Haller, Demian Lienhard, Sarah Elena Müller, Adam Schwarz und Matthias Zschokke stehen darauf. Ich habe diesmal alle Bücher, aber noch keines gelesen, denn ich lese ja seit 2019, wo wir bei der “Buch Basel” waren, auch die Schweizer Bücher mit.

Auf der “Buch Wien”, wurden glaube ich, drei der nominierten Männer vorgestellt. Da bin ich aber während des Zschokke-Buchs gegangen und heute waren zwei Schweizerinnen in der “AS”, die beide auf der Liste standen.

Die 1981 geborene Tabea Steiner 2019 mit “Balg”, die1990 geborenene Sarah Elena Müller mit ihrer heurigen Nominierung “Bild ohne Mädchen” und interessant, daß Johanna Öttl, die Moderatorin, das mit keinem Wort erwähnte, obwohl das bei meinen gestrigen Gespräch mit ihr bezüglich des Gstöttmaier-Buchs, das ich ihr heute gegeben habe, beprochen wurde.

Zwei junge Frauen mit interessanten, modernen, realistischen Themen. Es geht um Familie, um Außenseitertum und sexuellen Mßbrauch, obwohl der nie thematisiert wird und bei Tabea Steiners “Balg” ist es auch darum gegangen.

Die startete mit ihren “immer zwei und zwei” und da geht es um eine religiöse Sekte in einem Schweizer Dorf und um eine Natalie, verheiratet, zwei Kinder, die sich in die Pfarrerin verliebt und deshalb aus der Dorfgemeinschaft verstoßen wird, obwohl auch das nicht direkt angesprochen wurde und das Schweigen in der Diskussion thematisiert wurde.

Und im “Bild ohne Mädchen” geht es um ein Kind, das in dem Schweizer Dorf in dem es aufwächst, Außenseiterin ist. Es gehört in der Schule und im Kindergarten zu keiner Gruppe. Der Vater, ein Naturforscher und auch die Mutter kümmern sich nicht sehr um sie. So geht es zu dem Nachbarn bei dem es fernsehen darf und da geschieht dann der nicht thematisierte Mißbrauch und Sarah Elena Müller erwähnte in der Diskussion, wie sehr sie die Lektoren beraten hatten, damit das Buch nicht Fantasy wird und der Mißbrauch wurde, glaube ich, deshalb nicht erwähnt, weil man das in der poetischen Sprache, die Sarah Elena Müller verwendete, nicht ausdrücken kann.

Ich bin also sehr gespannt auf das Lesen. Ein bißchen wird es noch dauern , weil ich ja noch sechs deutsche Bücher habe und mich gerade durch “Birobidschan ” lese und da in der vorigen Woche natürlich nicht weit gekommen bin und interessant ist auch, daß sich die beiden Autorinnen gut kannten, weil sie in der gleichen feministischen Lteraturgruppe sind, wo sie einen weiblichen Literaturkannon bilden wollen.

Da bin ich auf den Sonntag sehr gespannt und würde ohne es gelesen haben, auf Matthias Zschokke tippen und andere Frauen stehen nicht auf der Liste. Tabea Steiner hat damals auch nicht gewonnen weil da Sybille Berg die Favoritin war.

Zur Buch Wien

Jetzt also zur “Buch-Wien”, der Vergleich zu Frankfurt und Leipzig viel kleinere Messe, die der Hauptverband des Buchhandelns seit 2008 mit großen Engagement ausrichtet.Ich war immer dabei, 2021 in den hehren Covid-Zeiten nicht, aber sonst wieder akkredidiert und am Montag mit der österreichischen Buchpreisvverleihung begonnen und am Mittwoch hat es schon um fünf mit der Eröffnungsrede von E. J. Kennedy begonnen, wozu offenbar jeder kommen konnte. Bisher gab es die Eröffnung extra und dann seit einigen Jahren die “Lange Nacht der Bücher” und die Vips haben sich dann den Wein und Brötchen etcetera gegeben.

Benedikt Föger hat eröffnet und natürlich eine Brandtrede gegen den Antiseminitsmus gehalten. Es war alles reserviert und ich bin wieder ziemlich hinten gesessen.

E. J. Kennedy, die schottische Autorin hat eröffnet und dann ging ich einmal in den Vip-Bereich. Das Eintrittsticket plus herzeigen und dann hinein in den speziellen Bereich. Die Andrea Stift habe ich gesehen, den Anton Thuswalder wegen dem “Gegenkanon-Aurufer” angesprochen und dann zur Donau-Louge, Da gab es eine Eröffnung mit der Kuturhauptstadt Temeswar, Bad Ischl und Balaton und ich habe mich eifrig gemeldet.

Falsche Aussagen getätigt, dann doch den Goodie Bag bekommen und von der Anna habe ich einen sechzig Euro Gutschein bezüglich meines morgendlichen siebzigsten Geburtstag bekommen.

Was löse ich a beim “Thalia” ein? Den Drago Jancar natürlich und die “123 Kilometer bis Ljubijna” natürlich, aber das hatten sie nicht. Die jungen Mäfchen dort haben mir eifrig die Bücher gesucht und ich habe dann, was ich ohnehin schon wollte zur Johanna Sebauer gegriffen. Die Annemarie Türk hat mir das Buch am Sonntag versprochen und jetzt hinein in den Traumurlaub. Vier Tage “Buch Wien” mit dem literarischen Geburtstagfest und das Buch des Peter Gstöttmaiers, das ich ja lektorieren durfte, wird am Donnerstag auf der “Standard Bühne” präsentiert.

Das ging mit einem Spaziergang durch die Innenstadt, durch den Prater und durch die WU los. Eigentlich ein schöner Weg zum Munterwerden und dann habe ich auf der ORF Bühne noch einen Teil über August Schmölzers neues Buch, das er zu seinem Film geschrieben hat, gehört. Dann folgte der 1939 in Wien geborene ehemalige Profilredakteur Peter Michael Lingens, der ein Buch über sein “Jahrhundert ” geschrieben hat. Denn er hat ja Größenm wie Hannes Androsch und einen palästinensischen Minister gekannt.

Das wird wahrscheinlich sein letztes politisches Buch sein, während er vielleicht noch ein kleines Gedichtbändchen herausgeben wird. Dann habe ich mir Maja Haderlap zu ihrem neuen Buch angehört und gedacht, daß ich danach vielleicht noch meine Meinung über “Nachtfrauen” ändere? Habe ich eher nicht. Dann kam Amir Gudarzi, dessen Buch ich noch lesen muß. Ich bin aber zur Kinderbühne gegangen, weil da Michael Hammerschmid, den Kindern einen Gedichtband, glaube ich, vorlas. Was aber etwas schweirig war, weil die Schulkinder, die am Vormittag die Messe füllten, nicht richtig zuhörten. Ich wollte ihn auf die Gstöttmeier-Veranstaltung aufmerksam machen. Er war dann noch ein bißchen auf den verschiedenen Ständen zu sehen, aber wahrscheinlich nicht bis fünf, also bringe ich ihm das Buch am Montag wahrscheinlich in die “Alte Schmiede”.

Dann habe ich mich ins Cafe gesetzt, mir zuerst einen Hamburger, Pommes frites und dann ein Glas Zweigelt geholt und dafür über zwanzig Euro bezahlt. Den Kaffee gabs beim ORF- Bus. Da habe ich eine Stammbesucherin und möglicherweise Christl Greller getroffen, die aber mit Maske schwer zu erkenne war. Dann kam ich in ein Mittagstief und dachte wieder “Was soll ich da vier Tage lang? Das kenne ich doch schon alles und interessiert mich auch nicht so besonders!”

Bin aber herumggeschlendert, habe mir die Stände angeschaut, die mir eher klein und unbekannt vorgekommen sind, den Conny getroffen, mit ihm ein Buch getauscht und auf der Donau Lounge wurden zwei neue Bücher der ukrainischen Österreichbibliothek vorgestellt, die man sich dann beim Auslandkulturstand holen konnte. So wurde es langsam fünf und da trat Peter Gstöttmeier, bzw. seine Schwester auf der “Standard-Bühne” auf und stellten das neue Buch “Lebenszeichen gut und schön” vor, das ich ja lektorieren durfte und bin dann ins Theatermuseum gefahren, wo Heinz Bachmann, das Buch über seine Schwester Inge, die ja vor fünfzig Jahre umgekommen ist, vorstellte.

Am Freitag gabs dann vor der ORF Bühne viele Kinder und darauf Thomas Brezina, der sie zu kleinen Detektiven machten und Plakate verteilte, die er dann signierte. So geht es also das junge Publikum zu bewegen und wenn sie dann noch Bücher lesen, ist das sehr schön.

Martina Parker präsentierte sehr enthusiastisch ihren neuen Gartenkrimi und bei Jo Nesbö bin ich dann zur “Donaulounge” gegangen, wo die derzeitige MQ- Stipendiatin Sasha Salzmann mit Daniela Strigl ihr zweites Buch präsentierte. Mittagessen Sacher- oder Gerstlwürstl und dann noch Kaffee und Kuchen und Hans Rauscher erklärte auf einer sehr vollen Bühne, was von einem Kanzler Kickls zu halten wäre. Der “Schweizer Buchpreis” wurde vorgestellt und auch das Ö1 Buch des Monats und am Schluß wurde es wieder kriminalistisch, als Philipp Gravenbach seinen ersten Thriller vorstellte. Dann wäre nochKlaus Amann mit seinem Lavant-Buch, gekommen, da bin ich aber schon gegangen um nicht zu spät zu meinen literarischen Geburtstagsfest zu kommen.

Am Samstag ist es wieder losgegangen. Da ist zwar beim Wegräumen kurz der Strom ausgegangen und auch kein Internet und habe den Messetag mit der Präsentation des Erzählbandes der slowenischen Autorin Mojca Kumerdej “Unter der Oberfläche ” auf der “Donau-Lounge” begonnen. Dann bin ich zur ORF-Bühne geswitscht, weil dort Marlene Streeruwitz ihre “Tage im Mai”” präsentierte und bin dort auch nicht lang geblieben, denn auf der “Standard-Bühne” gab es einen Podcast über amerikanische Bücher aus den Neunzehndreißigerjahren, die jetzt wieder entdeckt wurden. Dann habe ich mir bei der Bude beim Literaturcafe eine Backhendlbox geholt, den Spritzer habe ich mir diesmal mitgenommen, um vier Euro neunzig einzusparen. Dafür Melange und Kuchen, die auch acht Euro dreißig kosteten.

Die Diskussion mit Ingrid Brodnig und Liz Hirn zur künstlichen KI habe ich versäumt, weil zu voll, dafür aber Luca Kiesers Diskussion über sein Buchpreisbuch,, das ich noch lesen muß gehört und um drei habe ich dann auf Johanna Gradl vom DTV Verlag gewartet, die mir und zwei anderen Buchbloggern ihr Frühlingsprogramm im Literaturcafe vorstellte. Dann wieder “Donau-Lounge”, Stefan Teichgräber getroffen und mit ihm über “Birobidschan” diskutiert, das ja ein ähnliche Thema hat, wie das Buch das er bei seinem “Lenz” präsentierte und dann gings wieder zur ORF-Bühne bzw. zur Frage “Was aus den Grünen wurde”

Lena Schilling, Sigi Mauer und die zwei Wablers haben mit Petra Stoiber darüber diskutiert, die abwehrte, als sich eine Frau aus dem Publikum in die Diskussion einmischten wollte. Denn das durfte man offenbar nicht. Bei der “Donau-Lounge, wo ich den Rest des Messetages verbrachte, schon. Da hat sich Cornelius Hell erkundigt, ob das Publikum Fragen hat und anschließend ging es ins Collegium Hungarium, wo wieder diese ungarische Zeitschrift, die auf Englisch in Amerika erscheint, präsentiert wurde und Franzobel, Michal Hvorecky und Anita Moscat ihre Texte lasen, die zum Teil um Tere zum anderen um die Zukunft der Kultur gingen. Dann gabs einen guten Rose zu trinken und jetzt auf in den vierten und letzten Messetag, der für mich auf der ORF-Bühne mit einem Gespräch und einer Lesung aus Eva Rossmanns zweiundzwanzigsten Mira Vanlensky-Krimi “Flying Dinner” begann und da kann ich mich erinnern, daß sie ihren ersten gemeinsam mit meinen “Wiener Verhältnissen” auf dem Festival von Richard Pils vorstellte.

Vorher auf dem Klo habe ich Susanne Ayoub zugenickt, die ihren Krimi “Rondo Veneziano” auf der “Standard-Bühne” vorstellte. Auf der “Radio Wien-Bühne” ging es in Oliver Scheibers Buch um die”Krise der Volkspartei”.

Ja, die “Buch-Wien” war sehr politisch und so diskutierten auf der “ORF-Bühne” Natascha Strobl mit Robert Menasse und einem kritischen SPÖ-Mitglied über das “Prinzip Hoffnung”. Nach der Käsekrainer- Box gings dann zur “Donau Lounge”, wo das Außenministerium zwei ihrer Kulturprogramme vorstellte. Da gab es einmal die literarischen Dialoge “Wot da Future” und dann den vierten Band der Kulturkontakte. Andreas Unterweger und Marie Gamilscheg haben ihre Texte gelesen und die Bände konnte man sich beim Außenministeriumkulturstand mitnehmen.

Da habe ich den Ö1 Qiiz versäumt, zu dem ich mich angemeldet, aber nicht genommen wurde. Macht ja nichts. Gabs ja bis fünf noch genug Programm auf den fünf Bühnen. Zum Beispiel hat Gabriele Kögl, das bemühte GAV-Mitglied, aus ihren “Brief vom Vater” gelesen, um nicht nur politisch zu sein und der Journalist Gerhard Jelinek, glaube ich, hat ein Buch über das Jahr 1924 geschrieben und da war interessant, das damals, als mein Vater zwölf war und meine Mutter neun, der Schilling eingeführt wurde und das Radio. Dann gings wieder in die Gegenwart, nämlich zum Rechtsruck in Deutschland und in Österreich oder zu der Frage was die FPÖ mit der AfD verbindet?

Dann wars schon fünf und die Messe schloß ihre Toren und ich habe noch ein paar Goodie-Bücher, nämlich Goran Vojnovics “18 Kilometer bis Ljubjana” gespendet von der lieben Annemarie Türk. Dann Roland Innershofers Studie über Hugo von Hofmannsthal, das gemeinsam mit den literarischen Dialogen, in der Außenministeriumskiste lag und der liebe Conny, der zwar nicht zu meinen Geburtstagsfest kam, hat mir ein Buch, das er wahrscheinlich von einem der Bibel-Stände hatte, überreicht, so daß ich mich über die “Wege zur Gesundheit” informieren kann, was gut sein kann, da mich die fünf Tage Messe obwohl ich diesmal immer zurück mit der U-Bahn gefahren bin, sehr erschöpften.

Spannend, spannend die fünfzehnte Buch-Wien. Wie Benedikt Föger sie empfand, kann man wahrscheinlich auf der Hauptverbandseite lesen. Ich habe ein paar Bücher mitgebracht, ein paar interessante Begegnungen gehabt und cirka achtzig bis hundert Euro für das Essen ausgegeben und nun geht es weiter mit dem Lesen. Stehen da ja noch einige deutsche Buchpreisbücher und die ganzen schweizer, wo der Preis nächsten Sonntag vergeben wird, auf meiner Liste.