Risse

Jetzt kommt schon oder erst Buch sechs der heurigen deutschen Buchpreisliste, habe aber inzwischen fast die ganze österreichische gelesen und bin jetzt endlich, könnte man so sagen, in das deutsche Lesen, weg von Österreich gekommen und da habe ich inzwischen erfahren, spielen einige Bücher in der EX-DDR und das erste sozusagen ist das der 1958 in Ahrensburg geborenen Angelika Klüssendorf, die mit ihrer “Mädchen oder April- Trilogie” schon öfter auf der dBp stand. Den dritten Teil der Trilogie “Jahre später” habe ich gelesen und bin da nicht recht hineingekommen, fehlen mir da ja die Kinderheitserinnerungen der Autorin, auch eine Meisterin des autofiktionalen Schreibens ist.

Das läßt sich mit den “Rissen” nachholen und da kann ich gleich wieder anfügen, was ich ja öfter schreibe und mich auch stört, es ist wieder kein Roman, sondern ein Erzählband und der dBp ist doch ein Romanpreis, allerdings ein besonderer, denn alle zehn Geschichten, handeln von dem namenlosen Mädchen, das später, wenn ich mich nicht irre “April” heißt und noch etwas besonderes gibt es dabei, das auch vom “Papierstaupodcast” kritisiert wurde, scheint es sich bei dem Buch doch, um eine Neubearbeitung einer früheren Erzähling zu handeln und in der beschäftigt sich Angelika Klüssendorf damit, was in der ersten Erzählung anders war und was sie davon ausgelassen hat.

Die Sprache, muß ich klein erwähnen, ist sehr kunst-und eindrucksvoll und ansonsten springt die Autorin von einem Erzählstil zum anderen, vom Mädchen zu der jungen Frau, die ihre Mutter ist und es beginnt mit der “Großmutter im Kirschbaum”, die das Mädchen in seinen ersten Lebensjahren offenbar betreute oder eigentlich beginnt es in einer Art von Vorwort mit dem Tod der Mutter und da erinnert sich die Autorin, daß die “Aus allen Himmeln” gelesen und das Buch als “voller Lügen” bezeichnete, was sie zur Rchtigstellung veranlaßte.

Es werden also die Erinnerungen des Kindes aus den Sechzig und Siebzigerjahren erzählt, den Streit zwischen der Mutter und dem Vater, der ziemlich gewalttätig war, den Schmuck, den die Großmutter hinterließ, nahm und damit ein paar schöne Tage am Meer verbrachte, wo er sich als Landschaftsmaler ausgab. Dann kehrte er zurück weil er das “Fitzelchen Gold”, was auch noch da sein sollte, haben wollte. Das trug die Mutter aber in ihren Mund. Dann brach er noch den Schrank auf, in dem die Mutter, die gelegentlich kellnerte, ihre “Schätze” verbarg.

“In Samstag, zwanzig vor zwölf”, schickt die Mutter, das Mädchen zum Fleischer Leberstreichwurst holen, nach dem sie drei Tage und zwei Nächte nicht nach Hause gekommen ist. Es ist aber zu spät. Das Geschäft schon zu und in der Richtigungsstellung, die es nach jeder Geschichte gibt, berichtet Angelika Klüssendorf von den Ritualen, die sie bei diesen “Leberwursttagen”, einen Schritt vor, einen zurück, durchführte, um das Ganze zu bewältigen.

In “Jui, Juli, August” wird das Mädchen im Sommer aus Leipzig abgeholt und vom Jugendamt zu seinem Vater und dessen neuer Frau nach Usedum gebracht, wo sie einmal vor Freude am Meer tanzt. Der Vater und die Stiefmutter führen dort eine Gaststätte und das Mädchen muß am Nachmittag mit der taubstummen Köchin die Fische verarbeiten. Sehr poetisch wird das beschrieben. Der Vater erzählt dem Mädchen von der Scheinschwangerschaft der Stiefmutter und scheint dann auch die Freundin Evi sowie die Köchin zu vergewaltigen, während das Mädchen ihre Basteleien am Strand zu verkaufen versucht, sich ins Weizenfeld in die Sonne legt und sich in seine Höhle flüchtet.

In “Alles hat seine Zeit”, geht es um die Armut, die das Mädchen diesmal in “Ich-Form” erlebt und das wird wieder sehr stimmungsvoll beschrieben. Das Mädchen geht Brot kaufen und sieht, wie sein Vater eine Geldbörse aufhebt, die ein Junge aus ihrer Klasse verliert. Darin sind zwei Mark dreiundachtzig, die der Vater bei der Polizei abgibt. Dann schickt er das Kind mit einem Goldring in den Konsum, um dafür Zigaretten, Brand und auch Eis einzutauschen. In der Geschichte holen die Verkäuferinnen die Polizei, während die das, wie Angelika Klüssendorf anmerkt, ihr den Brand und die Zigaretten gaben, das Eis hat sie zu verlangen vergessen.

In “Yvette intim”, ist die Mutter stolz auf die Tochter, als sie beim Stehlen erwischt wird, fragte sie darüber aus und schickt sie später auch auf Diebstour”. Dann geht es in “Gespenster” zu einem verpatzten Weihnachtsfest, die Mutter kommt betrunken heim, der Christbaum wird später aufgeputzt, dann schickt die Mutter das Mädchen in die Apotheke um Tabletten für ihr Kopfweh zu holen. Sie klaut ihr fünfzig Pfennige, die die Mutter später sucht und die kleine Schwester mit dem unbehandelten Leistenbruch so lange quält, bis sie den Diebstahl zugibt. Später quält sich das Mädchen selbst, daß sie den Diebstahl nicht zugegen hat und in “Hölle oder Himmel” startet der Vater jeden Karfreitag einen Selbstmordversuch und macht das Mädchen dabei zu seinen Zeugen. Der Letzte gelingt, die Tochter wacht mit einer Gasvergiftung auf und schreibt nach des Vaters Tod diese Geschichte.

In “Eine Krankheit” werden die Perspektiven gewechselt. Da erzählt eine Erzieherin, die ein Praktikum in einem Kinderheim, von der kleinen Nelly, die vierzehnjährig und spideldürr zu ihnen gekommt. Die ist brav und eifrig, weiß alles, hilft allen, so daß sie vom Heimleiter zu den “guten Kindern” gezählt wird. Dann ist sie aber auf einmal weg. Die Polizei bringt sie zurück, sie ist aus Sehnsucht nach ihrer Schwester nach Hause gelaufen oder ein Stück schwarzgefahren. DerJeimleiter stuft sie nun als schon mittelschwierig ein und das Weglaufen und von der Polizei zurückgebracht werden, wiederholt sich, so daß der Heimleiter, der für psychischen Befindlichkeiten kein Verständnis hat, sie als extra schwierig einteilt und im Nachsatz schreibt Angelika Klüssendorf von einem Fräulein Eulitz, das sie verstanden hat.

Dann geht es mit dem Ausreißen und dem Aufgegriffenwerden von der Polizei weiter. Das Mädchen gibt alles emotionslos zu Protokoll und wird dann von einem Polizisten ins Nebenzimmer geführt, der seine Hand auf ihre Schenkel legt, was zu Erinnerungen in ein Kinderheim und die Rituale, die die Mädchen dort hatten, führt. Trotzdem bleibt das Mädchen, spindeldürr und immer Hosen tragend, Jungfrau, was zu der letzten Geschichte “Sommer” genannt, führt. Da ist ein Polizist, der Erzähler und der erinnert sich an seine Sommer, wo er das Mädchen zuerst für einen Jungen hielt. Jahre später, schon in der Polizeiausbildung, kommt sie wieder und erzählt von einer Vergewaltigung.

Sehr eindrucksvoll, die zehn Geschichten, ein Paradebeispiel, wie man aus Geschichten einen Roman machen kann, mit verschiedenen Perspektiven, verschiedenen Erzählern immer wieder dasselbe erzählt.

“Das schlimmste was einem im Leben passiert!”, wie es Ana Znidar vom “Writersseminar” immer nennt, was mich immer zu der Frage führt, ob das gut für eine sein kann? Aber Angelika Klüssendorf gehört wohl zu denen. die immer wieder um ihre Erfahrungen und Erlebnissen kreist und Literatur daraus macht.

Die Frage, wie sehr das alles stimmt und ob das gut die Autoirn sein kann?, stellt sich natürlich auch und ich kann im Gegenteil zu “Jahre später” anfügen, daß mich hier die Sprache sehr beeindruckte. Wie geschrieben, ich habe “Das Mädchen” und “April”, die ja auch schon auf den deutschen Buchpreislisten standen, nicht gelesen und weiß daher nicht, wie sehr sich die Inhalte darin wiederholen oder verschieden sind. Würde Angelika Klüssendorf aber zutrauen, daß sie sehr gekonnt damit umzugehen weiß.

Wie geht es mit dem Canceln?

Im der Hauptbücherei wurde heute in Zusammenarbeit mit dem Literaturhaus die Anthologie “Canceln: Ein notwendiger Streit”, die von Tobias Heyl, Florian Kessler, und Jo Lendle im “Hanser Verlag” mit Beiträgen von zwölf anderen Autoren herausgegeben wurde, vorgestellt.

Jana Volkmann moderierte und diskutierte mit Daniela Strigl und Mithu Sanyal, die Texte in dem Buch hatten und interessant, daß Mithu Sanyal, die mit ihren “Identiti” vor zwei Jahren auf der deutschen Shortlist gestanden ist und derzeit auch Jurorin beim Bachmannpreis ist, zugeschaltet und nicht persönlich anwesend war. Interessant, was es heute alles gibt und deshalb fand die Veranstaltung wahrscheinlich in der Hauptbücherei statt, weil die vielleicht bessere technische Möglichkeiten haben. und das Thema Canceln ist auch sehr interessant und wurde auch schon auf den Messen und bei den GAV-Arbeitskreisen diskutiert.

Was darf man heute noch sagen und was darf man schreiben? Darf eine weiße Frau Amanda Gorman übersetzen und muß das Wort “Negerkönig” aus der “Pippi Langstrumpf weggestrichen werden und darf man in eine Autorenversammlung, wenn man ein Buch geschrieben hat, das “Mohr im Hemd” heißt?

Vor zehn Jahren hat man damit, glaube ich, noch Stipendien bekommen. Heute habe ich gehört, darf man das nicht mehr so nennen und als ich “Paul und Paula”, geschrieben habe, hat Chris Bader auch gemeint, daß ich weil ja nicht trans, sowas nicht schreiben darf und auch nicht über einen Joint, weil ich noch nie einen ggeraucht habe, wie mir die Doris Nussbaumer einmal sagte.

Aber dann darf man bald überhaupt nichts mehr schreiben. Norbert Kröll nicht eine Frau als Hauptperson nehmen und auch nicht über den dreißigjährigen Krieg, denn den haben wir auch nicht mehr erlebt und dann wird es eng in der Literatur, die sich ja damit rühmt, Geschichten zu erzählen, die wir dringend brauchen.

“Kein vernüftiger <mensch will Literatur verbieten oder doch?”, heißt es in der Buchbeschreibung und Jurenka Jurk zitiert gern ein Zitat von Maxim Gorki, “daß man nicht einer Bratpfanne gelegen haben muß, um über ein Schnitzel zu schreiben.

Es wird aber eng, denn in Frankfurt wurde ja Adania Schibli ausgeladen oder ihre Preisverleihung verschoben, weil sie Palästinenserin ist und das ist ja derzeit ein heikles Thema.

Und jetzt kann man ja Texte zensurieren, verändern oder zurückziehen, wie es beispielsweise auch in der Antohologie “O boy” über die neue Männlichkeit passierte. Aber was ist mit den Texten, die schon erschienen sind?

Also den “Negerkänig” raus aus der “Pippi Langstrumpf” und “Von Wiinde verweht” neu übersetzen, um die “rassistischen Wörter” hinauszustreichen und das führt zu einem interessanten Thema über das ich mich schon länger wundere, daß immer wieder neue und, jetzt die “Wahren Übersetzungen”, herauskommen und, daß “Schuld und Sühne” auf einmal plötzlich “Verbrechen und Strafe” heißt, was ich nicht verstehe.

Also jetzt ein Buch mit Beiträgen über Bücher, die einen prägten und die heute nicht mehr als korrekt gelten und da hat sich die 1971 geborene Mithu Sanyal Enid Blyton und ihre Jugendbücher ausgesucht, die sie als Kind geliebt und viel gelesen hat, obwohl die sehr rassistisch waren und da war auch interessant zu hören, daß da die Übersetzer viel verändert haben, so daß “Hanni und Nanni” im Original ganz anders heißen. Da bin ich dagegen über das Verändern und eigentlich auch über das Hinausstreichen des “N-Wortes”, weil das ja der damalige Sprachgebrauch war und solange sich nicht die Einstellung verändert, wird man die Worte immer umändern müßen, was wie ich hörte, jetzt schon dem Wort “schwarz” passiert.

Ich muß gestehen, daß ich Enid Blyton nicht sehr gelesen habe und die “Pippi Langstrumpf” eigentlich nur der anna, aber nicht selber als Kind und weiter interessant ist Daniela Strigls Beitrag, die sich mit Amanda Gorman beschäftigte bzw, den Wirbel, den es wegen der niederländischen Übersetzung gegeben hat.

Ein weiße Frau darf das nicht, wo kommen wir da hin? Obwohl es natürlich stimmt, daß der frühere Kanon weiß und alt war, während höchstens die adeligen Frauen schreiben durften und dann nur einige erfolgreich wurden. Aber wenn man das jetzt den Weißen verbietet, kommt man auch nicht weiter. Auf der Uni hat sich bezüglich Gendern und politischer Korrektness in den letzten Jahren einiges verändert, so daß die Studenten jetzt mehr auf ihre Gefühle achten und nicht darin verletzt werden wollten. So gibt es immer wieder Triggerwarunungen und manchmal wird dabei sehr übertrieben, wenn sich zum Beispiel, wie diskutiert wurde, Studenten weigern, James Baldwin zu lesen, weil er das Neger-Wort verwendete. Da denke ich, muß man differenzieren, wenn das junge Schwarze tun und sagen, der war konservativ, dann ist es wahrscheinlich verständlich. Tut das eine weiße Studentin, dann finde ich das eher dumm, aber vielleicht will die überhaupt und nicht lesen und drückt sich nur darum und da habe ich auch einmal gehört, daß der Ausdruck “Onkel Toms Hütte” verbobten wurde, weil der ja kein rebellischer Sklave war, aber hätte Harriet Beecher Stowe, das Buch nicht geschrieben, hätte sich da vielleicht nichts verändert.

Interessant, schreibe ich wieder und finde die derzeitigen Diskussionen sehr überhitzt, wenn man beispielsweise, wie auch Daniela Strigl meinte, jeden der anderen Meinung ist, gleich als Nazi oder faschistisch beschimpft und das Gespräch abbricht, wie das derzeit geschieht, gibt es keine Diskussionen mehr und das ist eigentlich sehr schade.

Also weiter schreiben was und wie man es will und sich nicht abschrecken lassen und die Diskussion war sehr interessant, auch weil wir ja das das Beispiel Thomas Bernhard haben, der sich in “Holzfällen” und beim “Heldenplatz” auch kein Blatt vor dem Mund nahm und da kann man auch zu Daniel Kehlmann und sein “Lichtspiel” überblenden, wo er über G. W. Papst geschrieben hat und dabei auch sehr viel erfunden hat, worüber sich, glaube ich, die Papst-Enkel empörten.

Fünfundsiebzigste Frankfurter Buchmesse

Es geht wieder los in Frankfurt und wieder ganz normal, denn 2020 und 2021 war es ja ziemlich virteell, aber ich streame mich seit 2008 ohnehin nur immer hin. 2000 und 2002 waren wie live anwesend und begonnen hat es am Montag mit der Verleihung des deutschen Buchpreises.

Gastland ist diesmal Slowenien, mit dem Motto “Waben der Worte, da habe ich schon ein bißchen in Wien hineingeschnuppert fund bei der Pressekonferenz habe ich erfahren, daß da in Frankfurt fünundsiebzig Sessel und fünfundsiebzig offene Bücherschränke aufgestellt wurden um auf das Ganze aufmerksam zu machen.

Die Eröffnung konnte man streamen und hören, was die Politiker, die Vorsteherin des Börsevereins und der Messedirektor zur politischen Situation zu sagen hatten.

Sie lobten die Wichtigkeit von Bildung und des Lesens, dann kam slowenische Musik und die slowenischen Eröffnungsredner , die Lyrikerin Miljana Cunta und den Philosophen Slavoj Zizek, der eine sehr provozierende Rede hielt, in dem er daruf hinwies, daß man bei dem Hamas-Angriff beide Seiten beachten müsse und das mit Beispielen bewegte, was Widerspruch erregte und Jürgen Boos beruhigen und auf die “Freiheit des Wortes”, es wurde aber auch die Preisverleihung an Adania Shibli für ihren Roman “Eine Nebensache” verschoben, obwohl bedeutende Schriftsteller wie Olga Tokarczuk, Eva Menasse und Annie Ernaux dagegen waren.

“Waben der Worte” ist das Motto des Gastlandes, so hängen in dem Pavillon gehäkelte Waben hinunter und präsentiert werden die neuen Bücher von Dragan Jancar, Goran Vojnovic und Nastasa Kramberger und die Kärntner Slovenin Katja Gasser erklärte die Grundlagen der Sprache, betonte, daß die Slowenen ein belesenes Volk wären und dreihundert Gedichtbände pro Jahr erscheinen würden. Über Ivan Cankar dem großen Dichter habe ich schon einen Film gesehen und in Ljubljana, der Hauptstadt Sloweniens steht das Denkmal von France Preseren, dessen Gedichte alle kennen, am Hauptplatz statt eines Kriegshelden.

Das “Blaue Sofa” scheint es wie in Leipzig nicht mehr zu geben, es gibt aber livestreams von der gemeinsamen Lesebühne von den ARD- ZDF und 3 SAt, wo ich am Mittwoch gleich die Vorarlbergerin Doris Knecht mit ihrem autofiktionalen Roman “Eine vollständige Liste aller Dinge, die ich vergessen habe”, hörte, die von Philip Oemke der seinen Bestseller “Schönwald” vorstellte, gefolgt wurde, wo es um einen queren Buchladen geht.

Dann kam der 1988 geborene Shortlistautor Necati Öziri und erzählte was es mit seinen Protagonisten und seinem “Vatermal” auf sich hat. Dann wurde ein Buch über Hannah Arendt vorgestellt und Elke Heidenreich hat ein Kinderbuch oder ein Buch für Kinder geschrieben, in dem es um eine grantige Nachbarin ging. Nach einer Pause habe ich mich dann zum Buchpreisträger von 2015 Frank Witzel gestreamt der über sein neues Buch “Der ferne Ort des Versagens” referiert, das aus dreizehn Geschichten besteht.

Und den “Falter-Bücherherbst”, wo sechsundsiebzig Bücher auf achtundvierzig Seiten vorgestellt werden kann und der sicher auch in Frankfurt aufliegt, habe ich inzwischen auch bekommen, so daß ich darin auf meinen virtuellen Messetrip auch ganz real blättern kann.

Dann wurde es spannend, den Jagoda Marinic von der ich schon was gelesen und sie auch beim “Bachmannpreis” erlebt habe, beschäftigte sich mit einem aktuellen Thema und stellt da zwei verschiedlich Autorinnen vor. So hat Nastasha Kelly ihr siebentes Buch, glaube ich, geschrieben und unter dem Titel “Schwarz deutsch weiblich” einige Frauen interviewt, um herauszufinden, wie es ihnen geht und in welchen Schwierigkeiten sie leben und über Zana Ramadanis “Woke wie eine moralische Minderheit unsere Demokratie bedroht” kann und soll man sicher diskutieren, was bei der Diskussion geschah und sich die beiden Autorinnen auch nicht ganz einig waren, was jetzt rassistisch ist oder nicht.

Dann kam in der “Sheeroes-Reihe” der Eröffnungsredner Savoj Zizek auf das Podium um mit Jagoda Marinic über sein neues Buch “Die Paradoxien der Mehrlust” zu diskutieren, was auch nicht so konfliktfrei war, und nicht so einfach nicht aneinander vorbeizureden, da die Eröffnungsrede natürlich polarisierte und auch Doron Rabinovici seine Meinung dazu sagte.

Dann gibt es einen Film “Geist, Geschäft und Party”, der auf ARTE gezeigt wird, wo die fünfundsiebzig Jahre durchgegangen werden. Da gab es ja früher die DDR und dann verschiedene Skandale mit den Friedenspreisträgern und ihren Reden, wo nicht alle einverstanden waren. Es gab und gibt wahrscheinlich noch die wilden Parties, wo sich die Eingeladenen besaufen, die anderen die Parties stürmen und im Naturkundemuseum die Skelette erklettern wollten, wie der ehemalige “Hanser-Verleger” Michael Krüger launig erzählte. Hute würde da die Polizei kommen und da gab es auch die Aufregung mit den rechten Verlagen, ein Thema, das, glaube ich, heute erledigt ist, weil ja alles nach rechts gerückt ist. Ein Film, der zeigte, wie sehr Frankfurt immer polarisierte und, daß der Messedirektor schon sehr viel Erfahrung mit Eingreifen, Schlichten, etcetera hat.

Als ich dann wieder auf die Messebühne streamte war gerade Charlotte Gneuß mit ihrem auf der Longlist stehenden Debut “Gittersee”, für das sie auch den “Aspekte-Literaturpreis” bekommen hat,

auf der Bühne, was auch ein gewisses Aufsehen erregte und zu der Frage führte, darf eine nicht DDR-Autorin über die DDR schreiben und es gibt da glaube ich auch eine Liste mit den Wörtern, die in dem Buch falsch verwendet wurde, weil man das in der DDR nicht so sagte, die Autorin hat aber wie sie auf der Bühne sagte, Eltern, die von dort kamen.

Nach der Mittagspause war Denis Scheck mit seinem “Druckfrisch” auf der Bühne, begann mit den Hitler-Gedichten der Ina Seidl und ging dann zu seinen Lieblingsbüchern über, die da beispielsweise “Muna oder die Hälfte des Lebens” waren. Mit dem Buchpreisträger Schachinger konnte er weniger anfangen. Dafür lobte er Ilija Trojanows Zeitreiseroman “Tausend und ein Morgen”, das er anschließend vorstellte. Denn Trojanow ist ein großer Optimist, der meint das Lesen die Welt verändern kann und so zie ht er in seinem neuen Buch in die Vergangenheit zum Beispiel in das Petersburg oder Leningrad von 1917/1918 wo der Dichter Majakovski von Revolutionscafe auf die Straße geht, um den Arbeitern die Literatur beizubringen.

Das kann die Literatur war seine Antwort, aber die französische Revolution ist sehr blutig gewesen, die russische auch und die Klaviere auf denen dann die Arbeiter spielten, wurden vorher aus den Bürger- und Adeligenwohnungen entfernt.

Und die Broschüe zum Ehrengast Italien 2024 habe ich mir auch schon ausgedruckt und dann zu einer Diskussion zu “Generation Book”, wie man die Jugendlichen zum Lesen bringen kann, hinübergeschwenkt, sowie zu der wie die Literaturberichterstattung der Zukunft aussehen wird.

Dann gabs auf der Gemeinschaftsbühne eine Diskussion über Barrierfreiheit bzw. Behinderungen, was man ja heute nicht mehr so nennen kann.

Jagoda Marinic diskutierte am Nachmittag in der “Sheroes-Reihe” mit Liz Hirn und andere Frauen über die künstliche Intelligenz und die Rolle, die die Philosophie darin hat.

Danach ging es um den zweiten Teil der “Heimkehr-Trilogie-Zwischen den Sommern”, von Alexa Henning von Lange, wo es um die nationalsozialistische Vergangenheit einer fiktiven Großmutter geht, da die Autorin im Nachlaß ihrer Großmutter einen Karton mit Tonbandkassetten fand, die sie zu diesem Buch veranlasste. Und dann folgte am Donnerstag noch ein Poetry-Slam mit dem aus der Ukraine stammenden Artem Zolotarov, der auch Ausschnitte aus seinem zweiten noch nicht veröffentlichten Roman brachte.

Der Freitag begann auf der Lesebühne mit Florian Illies Buch über Caspar David Friedrich, der Goethe sehr verehrte und ihm kistenweise seine Bücher schickte, die er aber ablehnte.

“Schade!”, sagte Florian Illies.

“Denn sonst hätte Weimar jetzt ein “Caspar David Friedrich-Museum”.

Dann kam Terezia Mora auf die Bühne und erzählte was zu ihrem Shortlistbuch “Muna oder die Hälfte des Lebens”, das ich gerade lese und danachdas Buch für die Großeltern oder besser Mütter, denn die 1958 in Marburg geborene Theologin Margot Käßmann ist eine solche und erklärt in ihrem Buch, wie wichtig solche sind und interessant, auch daß sie von denen erzählten, die in Corona-Zeiten trotz des Besuchsverbot, “Weil du sonst deine Großeltern tötest!”, den Laden schupften, weil die Eltern sonst im Homeoffice überfordert gewesen wären.

Dann kam der 1977 geborene Fernsehmoderator und Notfallssanitäter Tobias Schlegl, der mit “Strom” ein Buch über die Pflegesituation, dem Leben mit Demenzen und den überforderten Pflegern, die dann vielleicht zur Spritze greifen, geschrieben hat.

Goran Vojnovics “18 Kilometer bis Ljubljana” habe ich schon in der “AS” kennengelernt.

Danach kam wieder Denis Scheck und erklärte warum er lesen würde?

“Aus Mangel!”, behauptete er, weil ihm sein Leben nicht reiche. Da würde ich eher das Reisen empfehlen, denn dann hätte er es aus erster Hand und es ist ohnehin sehr schwierig, die fünfundachtzigtausen Neuerscheinungen, die jedes Jahr erscheinen, alle zu lesen.

“Muß man nicht!”, tröstete Denis Scheck, denn manche Bücher sind nur Attrappen und zitiert dann das Buch eines Rappers, das man seiner Meinung nach, nicht zu lesen braucht. Ich habe ja, glaube ich, ein einen anderen Literaturgeschmack als Denis Scheck, der beispielsweise Daniel Kehlmanns Buch über G. W. Papst sehr lobte. Das müßte ich also noch lesen, um zu erfahren, ob ich mit ihm überein stimme.

Danach stellte Denis Scheck das neue Buch des 1940 geborenen Uwe Timm, von dem ich “Ikarien”, gelesen habe, das ich mir neulich doppelt holte “Alle meine Geister” vor, der eine Kürschnerlehre machte und darüber mit dem Moderator redete.

Die 1941 geborene umstrittene Autorin Monika Maron folgte, die jetzt ein Buch über ein “Haus” geschrieben hat, in dem alte Menschen eine Wohngemeinschaft bilden und im “Bücherherbst des Deutschlandfunk Kultur” sollte eigentlich Navid Kermani mit Nele Pollatschek diskutieren, die aber absagte, so sie von dem 1956 in Paris geborenen Mchel Friedmann vertreten wurde und sich das Gespräch um die politische Situation drehte, die ja ziemlich krisengeschüttelt ist.

Danach kam der von Denis Scheck sehr gelobte Daniel Kehlmann auf die Bühne und stellte mit Thea Dorn seinen G. W. Papst-Roman “Lichtspiel” vor und erklärte sehr genau, was er davon aus der Biografie entnommen und was er erfunden hat, weil ja Daniel Kehlmann einer ist, der da einen sehr weiten Wahrheitsbegriff hat.

Dann kams zum “ARTE-Talk” wo “100 Jahre Ottfried Preußler”, der Autor vom “Räuber Hotzenplotz”, “Krabat” und vielen anderen, gefeiert wurde. Dann waren wieder die “Streierinnen für die Zukunft” dran, wo es diesmal um die Transgenderdebatte ging und diskutiert wurde, daß Veränderungen Angst machen kann. Man aber vielleicht auch sagen darf, daß man eine Frau bleiben will, ohne gleich als transphob beschimpft zu werden. Danach kam sehr laut und euphorisch, Sophie Passmann mit ihrem “Pick me girls” auf die Bühne und wunderte sich einmal, daß Publikum zuhören durfte. Dann wurde diskutiert, ob sich eine Frau ausprobieren und mit geschminkten Lippen und kurzen Röckchen flirten darf, was ein schöner Gegensatz zur vorigen Veranstaltung war.

Das Buch des Journalisten Kai Dieckmann “Ich war Bild” wurde auch vorgestellt, bis es zum “ZDF-Zuschauerquartett” kam, wo man sichm glaube ichm bewerben konnte, mit Thea Dorn über Charlotte Gneuß “Gittersee”, Thomas Hettche “Sinkende Sterne” und Deniz Utlus “Vaters Meer” zu diskutieren.

Der Samstag begann mit dem sehr selbstbewußten Modeschöpfer Guido M. Kretschmer, der gut gelaunt Lebenstips abgab. Dann flashte ich über die Messe, erfuhr, daß da TicToc der neue Trend ist um die Jugend wieder zum lesen zu bringen, bis die israelische Autorin Lizzie Dorn auf der Messebühne Platz nahm.

Der in England lebende australische Historiker Christopher Clark hat ein Buch über die Revolutionen im neunzehnten Jahrhunderts geschrieben und diskutierte mit der Moderatorin Vivian Perkovic die Bezüge zur Gegenwart.

Dann erschien wieder der druckfrische Denis Schick und erklärte die Aufgaben der Literaturkritik. Damit die Leute aus der Vielzahl der Bücher das Richtige lesen. Denn da gabs vor vierzig Jahren einen Bestsellerautor namens Heinz G. Konsalik. Heute wurdeder durch Sebastian Fitzek ersetzt, meine der Literaturkritiker, da sind wahrscheinlich nicht alle Messebesucher seiner Meinung, auch wenn er das Buch in seiner nächsten Sendung in den Mülleimer kippen wird.

Dann stellte er eines seiner Liebingsneuerscheinungen nämlich Thomas Hettches “Sinkende Sterne” vor, das vom Zuschauerquartett am Freitag ja verissen wurde.

Von der 1986 in New York geborenen Deborah Feldman habe ich mir ja einmal ihr “Unorthodox”, schenken lassen, aber noch nicht gelesen. Also sollte ich das bevor ich ihr neues Buch “Judenfetisch” schenken lassen, tun, habe mir aber als die Anna vorhin von mir wissen wollte, was ich mir zum Geburtstag wünsche “Lichtspiel” geantwort. Das muß ich dann auch lesen, denn zu meinen letzten Geburtstagsbüchern bin ich wegen meiner überlangen Leseliste nicht wirklich gekommen.

Dann folgte ein Gastlandauftritt oder ein Kulturzeit Talk mit Katja Gasser, die mit Drago Jancar, Ales Steger und Mojca Kumerdej über ihre neue Bücher sprach. Das Buch des 1948 in Maribor geborenen Drago Jancar heißt, als die Welt entstand. Der 1973 geborene les Steger hat sowohl eine “Gebrauchsanweisung für Slowenien” als auch den Erzählband “Das Lachen der Götter”.

Auch die 1964 in Ljubana geborene Mojca Kumerdej hat mit “Unter der Oberfläche” einen Erzählband geschrieben und seltsamerweise habe ich von ihr auch einen “Blauen Sofa- Auftritt” gefunden. Also scheint es das auch zu geben, wenn auch nicht so leicht zu entdecken.

Aus dem Roman “Eine Nebensache” von Adania Shibli, die auf der Messe einen Preis bekommen sollte, was dann aber verschoben wurde, wurde dann vom PEN-Berlin organisiert, doch gelesen. Eva Menasse, Deborah Feldman, Sasha Salzmann und andere Autoren haben das getan. Die Autorin hat eine Grußbotschaft geschickt.

Auf der Messebühne ging es mit Andrej Kurkows “Samson und das gestohlene Herz”, das ich im Sommer gelesen habe.

Danach ging es mit einem Gespräch über “Russlands schlechtes Gewissen” oder auch über die Situation in Israel mit der in Moskau geborenen Friedensnobelpreisträgerin von 2022 Irina Scherbakowa weiter.

Otto Waa lkes kam noch auf die Bühne und der für den Schweizer Buchpreis nominierten Matthias Zschokkes mit seinen “Grauen Peter”, wo ich schon gespannt bin, wie mir das Buch gefallen wird? Dann kam die berühmte Kinder- und Fantasyautorin, der “Tintenwelt”, Cornelia Funke, von der ich eigentlich nichts gelesen habe, die ich schon vorher über ihre Lieblingsbücher referieren hörte und diskutierte mit Bärbl Schäfer über die politische Lage und ihre Lebenseinstellung.

Die Sieger des deutschen Jungendbuchpreises wurde auch vorgestellt und auf der Geemeinschaftsabend wurde der Samstag wieder mit einem Poetryslam und da mit Leah Weigand, die auch Medizin studiert, beendet und über das Pflegen slamte.

Am Sonntag begann es dann auf der Fernsehbühne mit Sebastian Fitzeks neuen Roman “Elternabend”, der der Moderatorin erklärte, daß auch er durch das Lesen zum Schreiben gekommen ist.

Um elf wurde dann in der Paulskirche der “Friedenspreis” an Salman Rushdie vergeben, da habe ich die Übertragung nicht gesehen, weil ich zu Ruths vorletzten Privatissimum gegangen bin und als ich dann vom Mittagessen im Cafe Frey zurückgekommen bin, hat gerade ein Gernot Rücker erklärt, daß Alkohol sehr gefährlich sei und reglementiert werden müße.

Dann gabs noch einige Diskussion, die mit Ahmed Masour, ob die Integrationsbemühungen, anläßlich der palästinischen Proteste in Berlins und auch Wiens Straßen, gescheitert sind und wieder eine mit Jadoga Marinic in der “Sheroes-Streiterinnen für die Zukunft-Reihe”, wo es um das Klimakleben ging.

Rufus Beck, die Stimme, Harry Potters wurde vorgestellt und gefragt, ob Joanne K. Rowling transphob ist, weil sie, glaube ich, sagte, daß es (nur )zwei Geschlechter gibt, was ich eigentlich auch glaube und deshalb viele Fans verloren hat.

Das war es dann von Frankfurt 2023. Auf Facebook habe ich gelesen, daß es sehr voll gewesen ist. Es gab einige Konflikte oder brissante Themen, die angesprochen oder offengelassen wurden.

Ein gutes Geschäft war es wahrscheinlich auch und ich habe wieder, obwohl ich nur ein kleines Teilchen mitbekommen habe, wieder viel Neues erfahren.

2008 war das Rafael Chirbes, der inzwischen gestorben ist, den ich dort oder sein “Krematorium” kennenlernte. Diesmal hat mich Denis Scheck auf Daniel Kehlmanns “Lichtspiel” aufmerksam gemacht, das ich mir gleich zum Geburtstag wünschte.

Das war mein Resume, für die Leser, die das wissen wollen und jetzt gehts bald weiter auf der “Buch-Wien” wo unter anderen das Gstöttmaier-Buch präsentiert wird. Also seinen wir gespannt und lesen wir inzwischen weiter. Meine Leseliste ist ja, wie manche vielleicht wissen sehr voll und da habe ich noch an die fünfunddreißig Neuerscheinungen, die ich in diesem Jahr noch lesen soll.

Privatissimum zu “Die Waffen nieder”

In Zeiten der Pandemie, wo man, höchstwahrscheinlich ziemlich unnötig, gar nichts durfte und jedes Treffen schon als Versammlung anmelden mußte, hat sich die Ruth, meine liebe literarische Freundin hinausgetraut und Privatissimen für ihre Freundinnen und Freunde veranstaltet.

So sind wir im Frühling 2021 in den Volksgarten zum Grillparzer-Denkmal gegangen und haben uns über seine Reisen unterhalten. Im Herbst gings dann in den Donaupark, anschließend habe ich mit dem Alfred die Empanadas auf einer Parkbank gegessen, den Ungeimpfte durften ja in kein Restaurant und als es wieder normal war, ist es einmal in den ersten Bezirk und dann auch zum Theater an der Wien gegangen, um Paul Abrahams Lieder zu hören und jetzt zum vorletzten Mal, wie sie schreibt, in den vierten Bezirk zum Bertha von Suttner Hof, wo es von der Friedensnobelpreistrgerin ein Denkmal von Siegried Charaux gibt, das dort 1959 aufgestellt wurde.

Und die ist in Zeiten wie diesen, wo überall Waffenlieferungen gefordert und “Wir sind Krieg” geschrieen wird, besonders aktuell, obwohl sie und ihr berühmter Roman, schon 2014 sehr gefeiert wurde.

Da gab es ja eine Lesetheateraufführung und Ottwald John hat auch am “Anti-Kriegstag” zu ihren Spuren geführt. Mein leider verstorbener Psychologiekollege Wolfram Huber, der in der Nähe von Schloß Harmmansdorf, ein Sommerhaus hatte, hat über sie forschen und ein Buch schreiben wollen und ich habe sie und ihr großes Werk auch im “Ukraine-Blues” ein bißchen gedacht, so daß ich eigentlich heute auf der Favoritenstraße ein Stückchen daraus lesen hätte können.

Dreizehn Personen waren wir, die zu dieser frühen Stunde zum Bertha von Suttner-Hof aufgebrochen sind. Vor die Skulptur hatte die Ruth schon das Buch aufgestellt und aus dem Leben der Friedensforscherin und Feministin, die eine verarmte geborene Gräfin Kinsky war, dann als Gouvernante beim Baron Suttner arbeitete, den jüngeren Sohn Arthur heiratete, mit dem nach Georgien gegangen ist und sich sehr für den Frieden einsetzte, 2005, die erste Friedensnobelpreisträgerin war und wahrscheinlich zu ihrem Glück ein paar Tage vor Ausbruch des ersten Weltkrieges gestorben ist.

In meinem “Schutzengelchen”, 2014 geschrieben, habe ich auch an sie gedacht und die Ruth, hat ein paar Stellen aus dem Roman der damals als “Tendenzbuch” herabgewürdigt wurde, gelesen und eine Dame hat von einem Film erzählt, der schon zu ihren Lebenszeiten gedreht wurde, wo man sie auch sehen kann.

Danach ging ins Cafe Frey, wo ich schon einmal bei dem Osterspaziergang des Lesetheaters durch den vierten Bezirk war und meine “Erinnerungen an Helmut Eisendle ” gelesen habe, zum Mittagessen. Gebackene Leber, Marillenspritzer und Cappuccino und jetzt bin ich schon auf das letzte Privatisssimum gespannt. Die Ruth wird aber vorher auf einen Schreibaufenhalt nach Bad Hall fahren.

Poet-Night am neuen Ort

Die “Poet-Night”, diese Veranstaltung des ersten Wiener Lesetheaters, das, glaube ich, 2000 von Rolf Schwendter eingeführt wurde, wo sich die schreibende Mitglieder präsentieren konnten, hat lange im “Siebenstern” stattgefunden, ursprünglich hat das um drei Uhr Nachmittag begonnen und bis in den frühen Morgen gedauert und es wurden im sieben Minuten Rhythmus gelesen. Nach dem Tod von Rolf Schwendter haben das Hahnrei Wolf Käfer und Andrea Pauli die Organisation übernommen. Ich habe mit Ausnahmen der Corona-Zeiten immer dort gelesen. Das letzte Mal 2019 im “Siebenstern” Im Vorjahr war es dann im Weinhaus Sittl und jetzt im Repubikanischen Club, der auch einen neuen Ort hat und ich habe entweder aus meinen Bücher oder aus neuen Texten gelesen und meistens auch, weil ich ja sehr interessiert am Schreiben der Anderen sehr interessiet bin, die ganze Zeit dort geblieben.

So auch am Freitag um halb sechs bin ich zur Fischerstiege hinmarschiert, denn jetzt fängt es erst um sechs an. Es gab vier Leseblöcke. Ich war am Letzten angekündigt und in der Aussendung hat es geheißen, daß man sich Essen und Getränke mitnehmen soll, weil keine Gastronomie, was mich gewundert hat, weil ich ja öfter hingehe und weiß, daß es dort Wein, Kekse und Soletti gab, aber wenn da fünfunddreißig Leute lesen, reichen vielleicht zwei Weinflaschen nicht aus, habe ich gedacht und mir eine Minieralwasserflasche zur Hälfte mit Roten angefüllt und war auch wenig verwundert, ob der neue Raum, der ja eher klein ist, ausreicht für die fünfunddreißig Leser und deren etwaigen Bekannten und im Gegensatz zum Sittl war auch die Veranstaltung om Programm angekündigt.

Andrea Pauli hat aber viele Sessel aufgestellt und es gab auch genügend Getränke und was zum Knabbern und so ist es mit den Bekannten und Unbekannten losgegangen, die Lustiges, Heiteres, Sketches, Lyrik, Romanauszüge, etcetera, vortrugen.

“Es lebe die Vielfalt!”, sagte Andrea Pauli mehrmals und dann begann es mit dem mir unbekannten Heinz Achtsnit, der einen eher lustigen Text vorgetragen hat.

Mit Andrea Gayer habe ich schon öfter gelesen, sie brachte Gedichte und Heidi Hagl las eine sehr amüsante Balkongeschichte von Susanne Schneider, die sich krankheitsbedingt entschuldigen ließ.

Anka Mairose Pavlovski ist auch eine Stamm leserin und beschäftigte sich in ihren sieben Minuten mit dem Älterwerden und dann kam der 1955 in Kärntnen geborene Axel Karner mit dem ich auch schon öfter gelesen habe und der mir seine Gedichtbände schickte, beziehungsweise mir zwei bei “Wieser” erschienene Bändchen übergeben, so daß ich mich nach meinen Buchpreislesen, der Lyrik widmen kann. Bei der Poet-Night lesen auch immer ein paar Prominente.

Bettina Balaka brachte Auszüge aus ihrem “Zauberer von Cobenzl”, Robert Schindel zum Teil sehr lustige Gedichte und Lydia Mischkulnig war diesmal sehr politisch oder utopisch, hat sie sich doch mit der Ernährungsumstellung beschäftigt.

Im zweiten Block las Susanne Ayoub eine Flüchtlingsgeschichte, Anita Schaub poetische Texte, die offenbar aus einem Film stammen und Sascha Wittmannr war auch sehr politisch in ihrem Text, der dem Alfred der am Freitag mit dem Karli nach Italien gefahren ist, sehr gefallen würde. Nur die Unterschrift “Die Grünen” fehlten in dem Text, wo es um das Verbieten des Rauchens, des Zucker und Fett, alles nur zum Wohlbefinden, ging. Birgit Schwaner beschäftigte sich mit dem “Wartezimmer”.

Bei Richard Weihs kam es wie Andrea Pauli launig betonte, zu einem Genrewechsel, brachte er doch seine Gstanzln. Dann kam es zu einem Wiedersehen mit Peter Campa, der wieder seine tiefgründigen Wien-Beobachtungen brachte.

Dann wurde es kabaretistisch denn Renate Woltron und Manuel Gierisch bringen immer Ausschnitte aus ihrem Kabarettprogramm.

Den dritten Block begann Christl Greller mit einigen Gedichten und Christa Kern las wieder ihren aktuellen Text aus den “Entladungen”. Mit Christa Messner und Gabriela Schwaiger wurde es wieder lustig. Christa Messner sang und reimte von der Schönheit des Lebens und Gabriela Schweigers Schlangengeschichte nach einem realen Vorbild, war sehr berührend.2

Dann folgte schon Block vier, den begann Judith Gruber-Rizy, die ich, glaube ich, bei der letzten Poet Night” das letzte Mal gesehen habe und sie brachte einen Text über die Schön-und Scheußlichkeiten des Salzkammerguts, wo man laut dem Liedtext ja angeblich so gut kann…

Dann folgte ich mit zwei Szenen aus meinen “2035- eine Utopie”, die ja den “Toten”, die jetzt beim Alfred auf das Fertigwerden warten, angefügt sind.

Eva Jansenberger, die ich auch schon von den “Poet-Nächten”, kenne, wurde, glaube ich, vor einer Woche in die GAV aufgenommen. Waltraud Zechmeister, die eine berührende Geschichte von einer Bettlerin brachte, ist auch dort Mitglied und die Karbaretistinnen Ingrid Jantzen und Monika Schmatzberger die meistens als Letze nach ihren Vorstellungen lesen, machten es wieder lustig, während sich Hahnrei Wolf Käfer sehr poetisch mit dem Körper beschäftige.

Das war die lange Nacht des Lesetheaters oder der österreichischen Literatur, während wahrscheinlich gleichzeitig in Frankfurt auch solche stattfanden und am Wochenende geht es mit dem Frankfurt-Surfing weiter.

Eigentum

Im Buch neun der österreichschen Longlist und das fünfte das auf der Shortlist steht, geht es um die Aufarbeitung des Todes der Mutter.

Der 1960 in Maria Alm geborene Wolf Haas ist für seine “Brenner-Romanen berühmt geworden. Da habe ich mal gehört, daß er die zuerst konventionell verfaßte, bis er zu seinem eigenen Brenner-Ton kam, über den es schon Bücher gibt. Dann gibt es noch ein paar andere Romane. Das “Wetter von fünfzehn Jahren”, das, glaube ich, auf dem dBp stand, hat mir sehr gefallen und jetzt bin ich ein bisschen verwirrt, obwohl ich mich noch immer frage ob er oder Clemens J. Setz den Buchpreis gewinnen wird oder vielleicht doch eine der Frauen?

Aber bei einem Begräbnis am Land singt bei Frauen der Frauenchor bei Männern spielt die Blasmusik. So ist das eben und konnte auch vom Wolf Haas nicht verändert werden, der auf die Idee kam, ein Buch über den Tod seiner Mutter “Eigentum” zu nennen.

Am Cover steht auch “Eigentum “von Wolf Haas” und da kann man oder wurde spekuliert, ob ein Roman das Eigentum des Autors ist? Das Geistige natürlich selbstverständlich, aber ich kann das Buch zerreißen oder verbrennen, wenn ich es mir gekauft habe und ich kann es auch verstehen, wie ich es will, dann vielleicht aber mit dem Autor oder Kommentierer darüber diskutieren.

Es geht also um die 1923 geborene Mutter Marianne, die mit fünfundneuzig Jahren, glaube ich, in einem Altersheim gestorben ist. Vorher wurde sie von ihrem Sohn besucht, dem sie den Auftrag gab, ihren Vater anzurufen, um sich zu erkundigen, wie es da, wo sie hinkommen wird, so ist? Später geht es, um die Frage ob und wie sie ihm Brennesseltee mitbringen soll und der Sohn lügt sie an und erzählt ihr etwas von dem Großvaters und wird dann verlegen, als sie nicht locker läßt.

Irgendwo habe ich auch gelesen, daß das Buch auf sehr sanfte Art und Weise das vorige Jahrhundert beschreibt. Denn die Mutter, die aus einer armen Familie stammt, der Großvater hat bei der Inflation nach Wordwar eins, sein ganzes Geld verloren, so wurde sie mit zehn einer Bauernfamilie übergeben, wo sie den Söhnen die Socken stopfen mußte. Dann kam sie auf die Hauptschule und später in die Hotelfachschule oder einen Servierkurs. Der erste Tag dort fand vor Beginn des zweites Weltkrieges statt, dann wurde der Lehrer aber eingezogen und die Fortsetzung fand erst nach dem <krieg statt.

Die Mutter, die auch verschiedene Kriegseinsätze hatte, ist dann als Serviererin in die Schweiz gegangen und hat ihrer Familie ihren Lohn geschickt, damit sei ein Haus bauen konnte. Später war dann nur ein Zimmer für sie, bis sie in eine Mietwohnung zog, denn das Geld, das sie für die Eigentumswohnung ansparte, war dann, als sie es hatte, nur mehr die Hälfte wert. So zog sie mit ihren Söhnen in eine Mietwohnung, wo sie auf den Friedhof schauen konnte. Fünf Jahre vor ihrem Tod wurde sie von dort aber auch hinausgeschmissen und mußte ins Altersheim ziehen. Hatte aber ihr eigenes Grab, wo schon ihr Name stand. Endlich also ihr Eigentum, der Patz, der ihr gehörte und der Sohn wurde auch für eine Poetikvorlesung eingeladen, wo er, über “Kann man über das Leben schreiben will?”, referieren will.

So geht es dahin. Die Mutter war, wie die Nachbarin, dem Sohn sagte, eine schwierige Person, die oft in Streit geriet und zwar Französisch und auch mit dem Zehnfingersystem Maschinschreiben, aber nicht mit Menschen umgehen konnte. So ging sie in ihren spätenJahren nicht mehr aus dem Haus, die Bauernkinder denen sie Nachhilfe geben sollte, kamen aber zu ihr.

Und dann ist sie mit Fünfundneunzig, drei Tage nachdem sie den Sohn nach dem Jenseits fragte, gestorben und der Sohn schreibt über das Eigentum, das sie nie hatte, hat sie ihm doch schon als Kind das Wesen der Inflation erklärt und das “Sparen, sparen, sparen!”, beigebracht und so haben wir ein Memoir das sich auf eine sehr ungewöhnliche Art und Weise der Mutter annähert, an die ich mich erst gewöhnen musste, denn ich bin ja eine eher humorlose Person, die nicht viel Spaß versteht und alles wörtlich nimmt, aber Wolf Haas ist ein guter Schreiber, der höchstwahrscheinlich auch davon leben kann und jetzt müssen wir nur abwarten, ob er die zwanzigtausend Euro oder doch nur zweitausendfünfhundert bekommt?

In den Fußspuren der Bachmann

Eja Augustin rauchte der Kopf, als sie das Kino verließ, in dem pünktlich zu ihrem fünfzigsten Todestag ein Film über Ingeborg Bachmann gezeigt wurde, die ja am siebzehnten Oktober 1973 an den Verbrennungen oder den Folgen einer Medikamentenabhängigkeit, wie man heute weiß, in einem Spital in Rom gestorben war.

Damals war sie fast zwanzig gewesen, hatte im ersten Semester studiert und auch ihre erste Erzählung verfasst gehabt, denn sie hatte im Mai des Jahres die sogenannte Knödelakademie in der Straßergasse sehr euphorisch mit dem Wunsch Psychologie zu studieren und zu schreiben, verlassen und beides auch getan.

In den Spuren der Bachmann, dachte Eja Augustin und schüttelte den Kopf, konnte sie sich doch vorstellen, daß ihre Kritiker in den weltweiten Netzen, aber auch die, die sie auf literarischen Veranstaltungen traf, jetzt aufschrieen und “Überschätz dich doch nicht so, die Bachmann hat den “Büchner-Preis” bekommen bei der Gruppe 47 gewonnen und wäre vielleicht, wenn sie länger gelebt hätte “Nobelpreisträgerin” geworden!”

Außerdem hatte sie im Oktober 1973, als sie noch bei ihren Eltern und ihrer Schwester in der Wattgasse gewohnt hatte, nicht viel von der Bachmann gekannt, die in ihrem Deutschunterricht bei der Frau Prof Friedl keine große Rolle gespielt hatte. Oder doch natürlich, den Haneke Film “3 Wege zum See” hatte sie sicher noch in den Siebzigerjahren im elterlichen Wohnzimmer im Schwarzweißfernseher gesehen und sich viele Jahre später, als den “Radetzkymarsch” , ein Fundstück aus dem elterlichen Bücherkasten gelesen hatte, über den Namen “Trotta” gewundert, der in beiden Texten eine Rolle spielte. Die Todesnachricht hatte sie höchstwahrscheinlich auch gehört und damals im Sommer 1973, als die Grazer Autorenversammlung gegründet wurde, auch viel gelesen.

Von Michael Scharangs “Charly Traktor” und Andreas Okopenko “Lexikonroman” hatte sie im Radio gehört und sich in den Buchhandlungen “Der Mann ohne Eigenschaften” und eine Rilke-Gesamtausgabe besorgt und eifrig gelesen. Die Bachmann erst ein paar Jahre später, als sie sich von ihren Eltern die vierbändige Gesamtausgabe schenken hatte lassen. Den “Fall Franza” im Türkenschanzpark zwischen ihren Psychologieskripten gelesen und selbst geschrieben oder es zumindestens versucht, weil das ja in Zeiten, wo es noch keine Schreibschulen gab und man das Schreiben höchstens in Leipzig studieren hätte können, nicht so einfach war.

Die erste Erzählung, im Sommer 1973 geschrieben und nicht richtig korrigiert, war unveröffentlicht geblieben. Spätere Schreibversuche scheiterten. erst 1977 war ihr wieder eine Erzählung “Die Einladung zun Tee” gelungen, die von zwei Freunden, denen sie sie zeigte, als schlecht bezeichnet wurden.

Später war sie Mitglied im “Arbeitskreis schreibender Frauen” geworden und dadurch in Kontakt zu Schriftstellerinnen, wie Marie Therese Kerschbaumer, Elfriede Haslehner, Christa Stippinger, etcetera gekommen.

In die Spuren der Bachmann natürlich nicht, dachte sie also, als sie fünfzig Jahre später kurz vor ihrem siebzigsten Geburtstag vom Kino nach Hause ging. Denn so berühmt, wie die Bachmann war sie selbstverständlich nicht geworden, war es ihrdoch nicht einmal gelungen einen richtigen Verlag zu finden. Nur einmal hatte Jack Unterweger, der umstrittene Autor und Kleinverleger ihre “Hierarchien” herausgebracht, bevor er aus der Strafanstalt Stein auf Initative der kritischen Autorenschaft entlassen wurde und sich Jahre später, als er nach weiteren Frauenmorden verurteilt wurde, in einer anderen Haftanstalt erhängte, das ebenfalls stark kritisiert wurde.

Dann hatte es nur zwei Sach- und Ratgeberbücher gegeben, die sie in ihrer Rolle als Psychologin, denn das Studium hatte sie problemlos geschafft, über das “”Stottern” in großen Verlagen gegeben, während sie nun schon seit über zwanzig Jahre ihre Bücher selber, ohne ISBN-Nummer drucken ließ und es dadurch erst recht nicht in den Literaturbetrieb hineinschaffte, obwohl sie seit 1987 Mitglied bei den “Grazer Autoren-Autorinnen”, wie das jetzt heißt,war.

Über sechzig selbstgemachte Bücher reihen sich in ihren Regalen, die sich alle sehr gesellschaftspolitisch und realistisch waren, sich mit dem Älterwerden, dem Tod und dem Sterben aber auch mit den Schreiben beschäftigten und in den letzten Jahren hatte sie das Thema Corona sehr beschäftigt, mit dem sie, weil sie das sehr kritisch betrachtete, wahrscheinlich noch einen Stückchen weiter an den Rand gerückt war.

Links oder rechts war hier die Frage und eigentlich betrachtete sie sich schon länger als eine Borderlinegängerin, allerdings im nicht kinischen Sinn, sondern eine, die immer, wenn sie sich zu nahe an der Mitte befand, erschreckt einen Schritt zur Seite machte und jetzt den Spuren der Bachmann folgen?

Ja, natürlich, obwohl, wie festgestellt lange nicht so berühmt oder eigentlich das gar nicht. Da keine wirklichen ernstzunehmenden Preise und nicht einmal ein Stipendium bekommen, obwohl sie sich seit Jahren in einigen literarischen Juries befand und zu dem berühmten “Bachmannpreis-Lesen” war sie, obwohl sie das ganz gern wäre, nicht eingeladen worden.

Trotzdem schrieb sie tapfer weiter und hatte angesichts der fünfzig Jahre, die sie nun schon länger, als die Bachmann lebte, höchstwahrscheinlich mehr als sie geschrieben und weil sie nicht so berühmt geworden war, waren ihr vielleicht auch ihre Krisen erspart geblieben.

Denn ihr Leben war sicher nicht so turbulent. Zwar trank sie ganz gern ein Gläschen Wein, rauchte aber nicht und hatte auch nie Drogen und Beruhigungsmittel konsumiert. Deshalb war ihr ihr tragischer Tod erspart geblieben, litt zwar unter ihrer Erfolglosigkeit war aber nie unter einen solchen Druck gestanden, der die Bachmann, wie sie psychologisieren würde, überfordert hatte, so daß sie zu Alkohol, Medikamente und Zigaretten gegriffen hatte.

Kein schöner Tod und wahrscheinlich trotz ihrer Berühmtheit sicher auch kein sehr schönes Leben, würde sie vermuten und trotzdem weitermachen. Weiterschreiben, ob in- oder außerhalb der Bachmannschen Fußspuren war eigentlich egal. Denn höchstwahrscheinlich schrieb sie ganz anders, war sie ja keine Lyrikerin, sondern eine sehr bemühte, unentwegt schreibende Frau, die ihr Leben der Literatur gewidmet hatte, aber auf der anderen Seite stand.

Auf der des Publikums, der Literaturveranstaltungsbesucherin, der Buchpreis-Leserin und daher auch andere Erfahrungen als die Bachmann hatte, den Literaturbetrieb von der anderen Seite sah, daher höchstwahrscheinlich auch gesünder lebte, obwohl die ständige Erfolglosigkeit auch depressiv machen konnte, dachte Eja Augustin, hatte ihre Wohnung erreicht, die Jacke abgelegt und war zu ihrem Bücherregal gegangen, um sich die Gesamtausgabe herauszuholen und darin zu blättern .

Drei Frauen ins Eingemachte

Anna Katharina Laggner
Mieze Medusa MODERATION

“texte.teilen” in der “Alten Schmiede” wo Mieze Medusa ,drei Autorinnen mit ihren neuen Büchern vorstellte. Als ich den “Schmiede-Saal” erreichte war die Einleitung gerade beendet, so daß die mir bisher unbekannte 1977 geborene Anna Katharina Laggner, die als Radiomacherin tätig ist, ihr neues Buch “Fremdlinge” vorstellte, daß zum größten Teil autobiografisch sein dürfte, denn da geht es um die Schwangerschaft von Zwillingen und Anna Katharina Laggner hat solche und beschreibt in ihren Roman frech und spritzig, welche Schwierigkeiten Frau heute hat, wenn sie ein Kind oder hier gleich zwei bekommt und das vierte Buch der 1985 geborenen und in Kirchstetten lebende Simone Hirth “Malus” ist heute mit zwei anderen “K&S” Neuererscheinungen zu mir gekommen und das schon im Frühjahr erschienene Buch der Gertraud Klemm, um das ich ziemlich kämpfte, vor ein paar Tagen auch.

“Malus” ist sehr interessant und scheint an das Laggner Buch anzuknüpfen, geht es hier auch um eine Schwangerschaft. Aber um eine ganze Besondere, nämlich die von Eva, die nachdem sie in den Apfel gebissen hat, vom Himmel hinausgeschmissen in der städtischen Bücherei im Bahnhof Meidling gelandet ist und mit ihrem Adam, um das Sorgerecht kämpft. Spannend, spannend. Wegen meiner elendslangen Bücherliste, werde ich zwar so bald nicht an Lesen kommen.

Die dritte starke Frau, die 1982 geborene Eva Schörkhuber war mir ebenfalls sehr bekannt, weil ich mit ihr schon am Volksstimmefest gelesen habe und sie auch letzte Woche bei der GAV-Neuaufnahmeleserung gehört.

Jetzt stellte sie ihren neuen Essayband “Die wunderbare Insel vor”, wo es um den Tod und das Trauern geht, wo sie eigene Verlusterfahrungen bearbeitete. Daß sie anschließend ein Bier im “Alt Wien” trinken wollte, hat sie mir schon am letzten Samstag, als wir vor der “Alten Schmiede” darauf warteten, daß wir zum Abendessen gehen konnte, mitgeteilt. So ist der Alfred mitgekommen und so habe ich noch zwei Rhabarbaspritzer getrunken, sozusagen ein Buchmessenpartyersatz Abendveranstaltung mit der ich mein heutiges Buchmessensurfing beendete.

Eva Schörkhuber
Simone Hirth

Wieder Shortlistdebutlesung in der AK-Bibliothek

Vom Frankfurtstreaming zum österreichischen Buchpreis und da zu der Debutpreislesung, wo ja am sechsten November die Preise bekanntgegeben werden.

Eva Reisinger, Männer töten

Von Frankfurt also nach Wien und da habe ich , glaube ich, zum ersten Mal seit 2016, seit es den ÖSt gibt, schon alles gelesen. Also Arad Daribis “Drama”, Thomas Olahs “Doppler” und Eva Reisingers “Männer töten”, wo ich mir ja ettweder das Buch des jungen Austro- Iraners wünsche und diesmal bin ich mit dem Alfred in die Ak-Bibliothek gegangen, wo ja der Karli bis zu seiner Pensionierung tätig war.

Arad Dabiri, Drama

Rote AK-Taschen mit dem Leseprobenbüchlein lagen auf den Sitzen. Kristina Pfoser hat moderiert und dann hinein in die Literatur der Debutanten und da hat es mit der 1992 geborenen Eva Reisinger und ihrem “Männer töten” begonnen. Ein Buch, das sehr berechtigt ist, sich mit starker Stimme gegen die Femizine zu wehren. Aber muß man deswegen Männer töten? Natürlich nicht, obwohl das Publikum lachte, als das zur Sprache kam.

Dann folgte Thomas Olah mit seinem “Doppler” und da ist ja der 1966 in Wien geborene auch auf der DBp -Liste geestanden. Das war mir ja im Gegensatz zur Birgit Birnbacher zu sehr an Josef Winkler und Thomas Bernhard orientiert. Der Kostümdesigner scheint aber ein sehr freundlicher Mann zu sein und ich hätte mich gerne mit seinem Verlag unterhalten.Aber, leider leider, derzeit alle in Frankfurt. Nur die Martina Schmidt hat sich neben den Autor gestellt, denn da hat mich ja Montag ein Dr., dessen Name ich leider vergessen habe aufgerufen und mich meine “Gegenkanon-Rezension “ angesprochen und wollte da ein Register haben.

Thomas Oláh, Doppler

“Melden Sie sich an den Verlag oder den Autor habe ich ihn geraten und war am Montag sehr erstaunt, daß das zum Jahresanfang erschienene Buch ptlözlich im “Leporello” besprochen worden.

Der letzte Debutant war der 1997 geborene Arad Dabiridessen Buch, glaube ich, besser als seine Lesekünste sind. Dann gab es Brot und Wein oder andere Getränke und jetzt könnten wir raten, wer den Debutüreis gewinnt und da ich mich da ja immer irre, wird es wahrscheinlich doch Thomas Olah sein, seinen wir gespannt, am sechsten November werden die Preisträger bekanntgeben und dann geht es gleich auf die “Buch-Wien”, wo die Preisträger vorgestellt werden.

Zum fünfzigsten Todestag von Ingeborg Bachmann

Die 1926 in Klagenfurt geborene Ingeborg Bachmann, nach der ja die “Tage der deutschsprachingen Literatur” benannt sind, erlitt in der Nacht von fünfundzwanzigsten zum sechsundzwanzigsten September in ihrer römischen Wohnung durch eine Zigarette ausgelöste Verletzungen, an denen sie am siebzehnten Oktober 1973 verstorben ist. Heute oder vielleicht schon damals wußte man, daß es nicht die Verbrennungen, sondern die vielen Medikamente waren, die sie nahm, an denen sie gestorben ist, bzw. am Entzug derselben, der bei ihr epileptische Anfälle auslöste und die Ärzte wussten den Namen des Medikamentes nicht, weil ihn die Familie oder die Freunde aus Angst vor der Verfolgung oder dem schlechten Ruf, nicht preisgeben wollten.

Im Oktober 1973 habe ich gerade mein Psychologiestudium begonnen und auch meine erste literarische Geschichte geschrieben und den 1976 entstandenen Haneke Film ” “Drei Wege zum See” habe ich in der elterlichen Wohnung in der Wattgasse, in der ich damals noch lebte, auch gesehen.

Ingeborg Bachmann, die rätselhafte Frau, eine vierbändige Werkausgabe habe ich mir von meinen Eltern auch einmal schenken lassen und darin gelesen, obwohl ich keine wirkliche Bachmann-Expertin bin, aber an die grande dame der Literatur, die 1953 ihr Cover am “Spiegel” hatte, bei der Gruppe 47 iergewonnen hat, kommt man als literrisch Interessierte, ob man will oder nicht vorbei und ich will das auch.

2006 wahrscheinlich zum achtzigsten Geburtstag gab es in Wien ein großes Symposium mit einem Stadtspaziergang in den dritten Bezirk, wo die Bachmann ja als sie noch studierte und beim Radio arbeitete, wohnte und dann zum Cafe Raimund, wo Hans Weigel, mit dem sie ja einige Zeit eine Beziehung hatte, seinen literarischen Stammtisch betrieb.

Ingeborg Bachmann und die Männer, da gab es ja eine unglückliche Beziehung zu Paul Celan, später eine zu Max Frisch, dann zu Hans Werner Henze für den sie ja Libretti schrieb und vielleicht auch eine zu dem 1935 geborenen und 2018 verstorbenen Adolf Opel, den ich öfter bei Lesungen und Veranstaltungen traf. Jedenfalls ist er mit der Bachmann nach Ägypten gefahren und hat darüber ein Buch geschrieben, das mir die Trude K. einmal zum Geburtstag schenkte und jetzt hat die Filmemacherin Margarethe von Trotta einen Film darüber gemacht und Ludwig Wüst, von der K&K Werkstatt hat sich auch einmal in einem Film mit dieser Reise oder dem “Fall Franza”, der daraus entstanden ist, beschäftigt.

“Reise in die Wüste ” heißt er und er beginnt nach der Trennung von Paul Celan. Da ging es ihr schlecht, sie reiste aber nach Paris zur Premiere von einem Max Frisch-Stück und eine unglückliche Beziehung begann, aus der sie sich durch die Reise mit Opel nach Ägypten retten konnte.

“Wo mir das Lachen zurückgekommen ist” heißt das Buch, das bei “Amazon ” eine schlechte Rezension hat und Margarethe von Trotta hat sich offenbar an diesem Buch orientiert und das hat Lydia Mischkulnig, die nach der Vorstellung im Filmcasino mit Günter Kaindlsdorfer am Sonntag darüber diskuterte, kritisiert und auch, daß der Film nicht chronolgisch angeordnet ist, sondern lustig hin und herspringt und ich hatte auch Schwierigkeiten mit den Personen und wußte oft nicht, wer ist jetzt wer?

Die Bachmann war sicher eine interessante Frau, da gibt es ja den Mythos und die Klischees, daß sie ihre Taschentücher fallen ließ, damit die Männer sie aufhoben. Ob sie wirklich mit drei Männern gleichzeitig schlafen wollte und daher Adolf Opel zwei Ägypter in ihr Zimmer ließ, weiß ich nicht? Vielleicht hat es Adolf Opel so beschrieben. Da müßte ich das Buch das in Harland ist, finden und nachlesen. Ist aber eine Stelle, die mit nicht gefiel. So würde ich den Film auch süßlich und klischeehaft finden.

Susanne Ayoub hat aber unter den Titel “Die Verbrennung – Mutmaßungen zum Tod von Ingeborg Bachmann”, denn da hat die Schriftstellerin Christine Koschel, die mit ihr in Rom befreundet war, ein Buch darüber geschrieben, ein Feature gemacht, das man am Sonntag und auch Dienstag in Ö1 hören kann und dann gab es im Literaturmuseum, am Dienstag, dem Todestag eine Veranstaltung, wo Maja Haderlap sich mit der 1972 erschienen Erzählung “Drei Wege zum See” beschäftigt und die Schauspielerin Friederike Tiefenbacher, die im Volkstheater gerade in “Malina” spielt und man anschließend den Film im Metrokino sehen konnte. De Sonderausstellung im Museum, die ich im Vorjahr besuchte und die es noch bis fünften November gibt, habe ich auch noch besucht und mir diesmal zu Ende angehört, was Elfriede Jelinek über die Bachmann zu sagen hatte, was sehr modern wirkte, obwohl das Gespräch schon 1990 aufgenommen wurde.

Ich habe meine Hauptschulfreundin Christa U. getroffen und bin mit ihr anschließend ins Kino gegangen, um Guido Wieland als den alten Herr Matrei und einen Film zu sehen, in dem es noch keine Handies gab und man das Ferngespräche anmelden mußte, wenn sich die Elisabeth ein Telegramm schicken lassen wollte, um ihrer Heimatidylle zu entgehen, denn zum See ist sie auf den drei Wegen nicht gekommen, hat aber ständig in den Lokalen rauchen dürfen und Axel Corti hat den Text gelesen, deshalb war auch seine Frau Cecily im Publikum, wie die Frau Schmidt-Dengler, und Dine Petrik. Ruth Aspöck, die auch kommen wollte, wurde nur von der Christa gesehen.