Trojanow trifft Deniz Utlu

Das ist ja eine Reihe in der “Alten Schmiede”, wo Ilija Trojanow ein Gespräch mit einem Autor führt und der oder die aus dem jeweiligen Buch liest.

Jetzt in der letzten Veranstaltung in diesem Jahr war der 1983 in Hannover geborene Deniz Utlu, der Gesprächspartner und der hat, glaube ich, heuer in Klagenfurt einen Ausschnitt aus seinem Buch “Vater Meers” gelesen und das ist ja interessant, denn da gibt es einen anderen in Deutschland geborenen jungen Türken, der 2021, glaube ich, in Klagenfurt gelesen hat und mit “Vatermal” auf der deutschen Shortlist gestanden ist.

Interessant denn bei Necati Öziri liegt der Sohn im Krankenhaus und denkt an seinen ihm unbekannten Vater, bei Deniz Utlu besucht der Sohn den Vater und der ist dreizehn Jahre alt, als sein Vater nach zwei Schlaganfällen in ein Koma fällt und bis zu seinem Tod zehn Jahre später ist die Kommunuikation nur durch Augenbewegungen möglich und so muß sich der Sohn das Vaterbild erfinden oder neu erschaffen.

Die erste Stelle die Deniz Utlu gelesen hat, handelt von Schwimmen, da springt der Sohn auf eine Aufforderung des Vaters ins Wasser und der sagt “Mach mir nie wieder solche Angst!”

Das Gespräch zwischen den beiden Autoren war sehr interessant und Deniz Utlu hat wahrscheinlich eine kunstvollere Sprache als Necati Öziri, der eigentlich dicht an der Realität bleibt.

Darüber drehte sich das Gespräch und am Ende wies Iijia Trojanow auf das neue Programm hin und lobte die “AS”, “wo die Literatur noch nicht so ausgedünnt wo anderswo ist!”

Seien wir also gespannt, ob es so bleibt und im Februar gibts, glaube ich, die nächste “Trojanow trifft…- Veranstaltung.

Brust

Jetzt kommt ein Sachbuch beziehungsweise die “Geschichte eines politschen Körperteils” der 1968 geborenen Kunsthistorikerin Anja Zimmermann.

“Endlich ein Buch über das irritierende und sogar irritierende Potential der weiblichen Brust” hat Mithu Sanyal in der Beschreibung gejubelt.

Und dann geht es in der Einleitung des “Wagenbach-Buches”, das ich als Pub geschickt bekommen habe, los mit der Aufregung in Berlin 2021, als sich eine Architektin in einem Park die Brust entblößte und der Polizei übergeben wurde. Die hat geklagt und dann wurde das Brustentblößen erlaubt und Anja Zimmermann stellt sich die Frage, was an der weiblichen Brust so aufregend ist?

Nur erotisierend oder zum Stillen gebraucht? Das ist zu einfach findet sie und zeigt dann ein Bildchen, wo ein Mann mit kurzer Hose und nackter Brust einer gleichaussehnden Frau vorwirft, daß es obzön ist, wenn sie sich so zeigt.

Gibt man im Netz das Wort Busen ein, sieht man lauter erotische junge Brüste, während die alten Brüste, die bis zum Nabel hinunterhängen verschämt verborgen werden und in Frankreich hat man versucht den Frauen den Burkini zu verbieten, weil sie als Zeichen der Freiheit ihren Busen herzeigen müßen. Das passiert in Form des Bikini oder des Monokinis, der die Brust mit zwei Strreifen durchkreuzt, aber auch als obzön angesehen wird.

“Anziehen-Ausziehen” heißt dann das erste Kapitel und da geht es um das Korsett, das den Frauen früher aufgezwungen wurde. Das Reformkleid wurde dagegen erfunden und damit hatten die Frauen auch ihre Schwierigkeiten mit der Polizei, wie der “Simplizissimus” zeigte.

Aber vorher geht es durch die kirchlichen Darstellung der weiblichen Brust. Lust oder Laster ist da die Frage und kein anderer als Rousseau hat sich dafür eingesetzt, daß die Frauen ihre Kinder selber stillen sollen und nicht den Ammen übergeben. Dann wird die Frage der Erotik der afrikanischen Brust aufgeworfen. Josephine Baker, die mit einer Perlenkette ihren nackten Busen zierte, wird da angeführt.

Gehen wir noch weiter in die Geschichte hinauf, kommen wir zu den Busengrapschern, zu me too und zu den Migranten, die sich an dem weiblichen Busen vergreifen.

“Frauen klagen an” schreibt da der “Fokus” auf sein Titelblatt und der “Spiegel” hat das schon vorher mit “Der belästigten Frau” getan, wo da die Nippel begrapscht werden.

Und als Carola Rackete ohne BH zur Gerichtsverhandlung erschien, war das ein Skandal, wie auch von den Lehrerinnen gefordert wird, einen solchen zu tragen, damit die pubertären Knaben dadurch verwirrt nicht am Aufpassen gehindert werden.

Im nächsten Kapitel geht es um die Venus, das heißt um ihre verschiedene Darstellung von der von Willendorf bis zu der von Botticelli mit der Muschel, die schamhaft mit der Hand eine ihrer Brüste bedeckt. Es gibt die Hottentottenvenus, also die rassistische Darstellung von schwarzen Frauen. Da wird wieder Jjosephine Baker erwähnt, die ja auch schwarze Venus genannt wurde.

Über die Pornographie geht es zu den feministischen Darstellungen der Neunzehnsechzigerjahre. Da wird Valie Export mit ihren Tapp- und Tastkino als Beispiel genannt und interessant dabei, daß die Reporter darauf hinwiesen, daß Waltraud Höllinger, wie die Künstlerin wirklich hieß, Mutter ist, während sich bei Peter Weibel, der sie begleitete, niemand erkundigte, ob er Vater ist?

Und weil es ein modernes Buch ist, wird auch die Brust als sekundäres oder sogar als primäres Geschlechtsorgan in Frage gestellt und auf Reisebeschreibungen hingewiesen, die von stillenden Männern berichteten.

Dann kommen wir wieder zum Stillen, da hat ja Rousseau oder die französische Revolution die Frauen aufgefordert ihre Kinder selbst zu stellen und sie dadurch vielleicht von der Öffentlichkeit verdrängt und es werden auch die Beispiele von den stillenden Ziegen erwähnt und und dann kommen wir zu dem Protest der Frauenbewegung der Neunzehnsiebzigerjahre. Da haben sich ja Frauen entblößt um bei Gerichtsverhandlungen zu protestieren und Mama Merkl ist einmal zu tief dekolletiert bei einem Staatsauftritt aufgefallen, was großen Protest auslöste.

Es gibt die Brustvergrößerungen und Verkleinerungen, auch die bei Transpersonen und dann kommen wir zur Fragen, ob man Fußballspielende und sich für Mathematik interessierende Mädchen gleich eine Geschlechtstansformation schmackhaft machen soll.? Alice Schwarzer, die berühmte “Emma”, hat dagegen protestiert, aber den Fußballspielenden Frauen hat man ja lange den Busen hochgebunden oder überhaupt gemeint, daß Frauen nicht fußbll spielen dürfen. Die Abhilfe ist der Sport-BH, den es inzwischen gibt.

Das wars dann der Parcour durch den weiblichen Busen, den Anja Zimmermann in ihren Buch auch ein wenig in Frage stellte und am Schluß gibt es noch eine Darstellung von einem Busen, der von zwei Büchern gehalten wird.

Radiophones Klimastück

Ich bin ja nicht so unbedingt ein Hörspielfan, gehe aber regelmäßig zu langen Nacht oder zum Hörspielfestival, wie das jetzt heißt und manchmal auch in die “Alte Schmiede” wenn Andreas Jungwirth dort seine Radiophone Werkstatt vorstellt.

So war ich dort Anfang März 2020 bevor der Corona- Schock ausgebrochen ist und jetzt geht es ja um das Klima und um den Klimalockdown, der überall und auch in meinen dystopischen Szenen, befürchtet wird.

So hat die Drehbuchautorin oder Regisseurin Kerstin Schütze, die am Reinhardt-Seminar ein Drehbuchseminar für die dortigen Studenten hat, dort den writing room ausprobiert. Das heißt, die Drehbuchautoren schreiben ja gemeinsam an ihren Stücken und das hat Kerstin Schütze auch getan oder nein, sie ist zu der 2005 geborenen Klimaaktivistin und Poetry Slamerin Paula Dorten gegangen, die gerade ihre Matura machte, aber schon einen Prosatext in Ö1 hatte und hat sie um einen Text gebeten und so ist das Hörstück “Der Ernstfall” entstanden, das dreiundzwanzig Minuten dauert und von Paul Kraker als Nachrichtensprecher eingespielt wurde.

Der erklärt den Klimanotstand, das Wasser wird rationiert, man darf nicht mehr baden und nicht mehr schwimmen und die umweltbewußte Mutter bietet ihren Kind im Supermarkt Wassermelone und Gurken statt Scholokade an. Ein Autorin verdurstet dabei und einer probt den Aufstand beziehungsweise flüchtet auf Land, was, wie offenbar auch bei Corona streng verboten war. Interessant, daß die Polizei dann mit Wasserwerfern auf die Demonstraten losgeht und der Widerständige erschossen wird, während alle andere baden gehen und man sich fragen kann, ob das jetzt ein Traum war oder eine Dystopie?

Das Material ist wohl von den Corona-Maßnahmen inspiriert und, daß man keine Pool mehr füllen darf, wurde schon im Sommer diskutiert.

Es gab dann eine Diskussion über die Entstehungsweise und Paula Dörten scheint sprachlich sehr begabt zu sein und hat sehr poetischen Wendungen, obwohl da ja die Studenten mitgeschrieben haben und am Schluß präsentierte dann die junge Autorin ihre Lebensbiografie als Bobokind, was mich sehr an die Anna erinnerte, denn die war auch in einer freien Schule, aß Konrspitze und wenig Schokolade. Aber die wird jetzt schon vierzig und die Corona-Zeit hat in Paula Dortens Biografie auch gefeht, denn das sie sechzehn war, gab es ja die Lockdowns und wahrscheinlich keine verrauchten Zmmer, wo Marx gelesen wurde.

Interessant für eine ,die sich ja seit drei Jahren mit der Corona-Aufarbeitung beschäftigt und sehr viel, wenn vielleicht auch in einer weniger poetischen Sprache darüber geschrieben hat.

Ein Abend über Gerhard Kofler

Gerhard Kofler ein Namensvetter des berühmteren Werner, nicht verwandt oder verschwägert, denn Kofler gehört zu den vierthäufigsten Namen in Südtirol, war nach Josef Haslinger Generalsekretär der GAV und er war ein sehr beschwichtigender überall vermittelnder Mann, so habe ich als er die “Freiheit des Wortes” abschaffen wollte, sie übernehmen können und 2001 und dann von 2003-2009 organisiert. Er hat mir, glaube ich, auch andere Lesungen vermittelt, vor allem, die in NÖ, weil wir ja in den Neunzigerjahren von St. Pölten nach Wien pendelten und als die Anna in der Rahlgasse von der Praktikantin ihrer Deutschlehrerin Alexandra Millner unterrichtet wurde, hatte die ein Textteilchen von Werner Kofler für die Kinder.

“Da gibt es auch einen Gerhard!”, hat die Anna gesagt und die Frau Millner hat sich gewundert, woher sie den Namen kennt und mich dann zu einer Lesung in die Rahlgasse eingeladen.

Dann kann ich mich noch an einen Aufenthalt in Mürzzuschlag ein Fest für Gerhard Rühm oder Friederike Mayröcker wird das gewesen sein, wo ich mit ihm und der Marie Therese Kerschbaumer in einem Cafe gesessen bin. Bei seinem Begräbnis bin ich gewesen. Da war am Ottakringer Friedhof, wo auch meine Großmutter liegt, Robert Schindel hat das Kaddisch gesprochen und andere Religionen waren auch da und nachher gab es eine Veranstaltung mit Karl Markus Gauss und seine zweisprachigen Lesungen habe ich bei der Lyrik im März hören können und da glaube ich irgendwoher ein “Herbstpresse-Bändchen” gefunden, das ich, als wir mit der Anna im Lesachtal schifahren waren, mitgenommen haben, als ich in Bruneck war und dort gelesen.

So weit meine Gerhard Kofler erinnerungen. Ene Gedichtpräsentation in der “AS” hat es seit seinem Tod 2005 auch gegeben und heute hat sich Markus Köhle in seiner “Retrogranden aufgefrischtReihe” dem Südtiroler GAV- Generalsekretär angenommen und vorher gab es einen Film von Astrid Kofler, auch nicht verwandt und verschwägert, denn im Februar würde er fünfundsiebzig werden, der in Bozen geboren und in Brixen aufgewachsen ist, weil seine Eltern dort eine Radiohandlung hatten und da gibt es in beiden Städten eine Ausstellung und der Film ist interessant, denn man sieht Gerhard Kofler im Schneegestöber 2005 wahrscheinlich mit Regenschirm herumstapfen und seine Gedichte zitieren. Man hört ihm im Cafe Central über den Wiener Kaffee schimpfen. Das wird sich inzwischen geändert haben, denn in jeden Cafe stehen heute wahrscheinlich italienische Kaffeemaschinen. Bis halb zehn ist er dort gesessen, hat gedichtet und dann noch den Peter Altenberg, der auch dort sitzt, über die Glatze gegriffen und dann kann man auch in die Ausstellung schauen und hören und staunen, daß es in Wien in der “AS” eine Veranstaltung im Rahmen der “Retrogranden” über ihn gab, aber die fand erst eine Stunde später statt.

Annemarie Türk war wieder da, denn sie hat ihn in Salzburg, wo er offenbar auch eine Zeitlang lebte kennengelernt. Sein Frau Hannelore und auch sonst sehr viele Fans und Bekannte und man konnte hören, daß Gerhard Kofler ein reiner Lyriker war. Das heißt zwei Notizbücher hat es schon gegeben und er hat seine Gedichte zuerst auf Italiensich, dann auf Deutsch geschrieben und das zweite Notizbuch wurde überhauüt erst posthum von Leopolld Federmair übersetzt, herausgegeben.

Dann ist es in den Keller oder in den Souterrain gegangen, wie Annalena Stabauer sagte und Markus Köhle hat sich darüber belustigt, daß seine Veranstaltung schon stattgefunden haben soll.

Macht aber nichts, war eine doppelte oder halbe Premiere und Markus Köhle hat wieder sein Einleitungsreferat gehalten bevor Siljarosa Schletterer aus Tirol und 1991 geboren bedauerte, daß sie den großen Poeta nicht persönlich kennenlernen konnte.

Dann kam Sabine Gruber auch aus Südtirol und Sekretärin in der GAV als Gerhard Kofler dort Generalsekretär war und hat aus den Notizbüchern gelesen oder sie kommentiert und der 1990 in Südtirol aufgewachsene Matthias Vieida präsentierte das “Radio Kofler”, was sehr lustig war und am Schluß gab Markus Köhle noch einige Anekdoten über Gerhard Kofler von sich, denn er er sucht immer solche über die Autoren, die er vorstellt und der nächste wird der Kärntner Werner Kofler sein und da hätte ich schon etwas anzubieten. Bin ich ja einmal, als es den Südbahnhof noch gab, zum “Tag der Freiheit der Wortes” nach Klagenfurt gefahren und dort Werner Koflers Koffer im Abteil gehabt, der ihn in Wien abstellte und dann offenbar sofort im Speisewagen verschwunden ist.

Drittes Adventwochenende

Weihnachten naht mit Riesenschritten und obwohl ich nicht katholisch bin, ist der Advent für mich immer eine besondere Zeit und seit ich blogge, gibt es auch immer ein Adventspezial. Es gibt die Weihnachtsbücher, da lese ich heuer wieder einen Adventkalender, wo es jeden Tag ein Gedicht und eine Weihnachtsgeschichte gibt, wo man sehen kann, wie es früher war, als es noch geschneit hat.

Einige der Weihnachtlichen Aktionen, wie das Adventwandern durch Neubau oder das xxx-small im Amerlinghaus gibt es, glaube ich, nicht mehr. Die “Ohrenschmaus-Preisverleihung” findet seit Corona auch nicht mehr im Dezember statt. Dafür gibt es aber das Punschtrinken und die Weihnachtsmärkte. Jetzt kann man ja wieder dorthin gehen, vor zwei Jahren während des Ni-Lockdowns war das ja streng verboten und die “Lese.Auslese mit Punsch und Keksen” gibt es auch in der “Gesellschaft” und auf meinen Schlafzimmertisch häufen sich die weihnachtlichen Gaben. Da baue ich mir ja immer eine Art Bücheradventkalender auf und hoch oben liegt der “Ispa-Adventkalender”, den mir der Alfred gebracht hat, als ich im “El Speta” gelesen habe. Das ist eine viereckige Schachtel, wo man sich jeden Tag eine kleines Schokotäfelchen herausholen kann.

Dann gibt es auch meinen Adventkalender, meine “Nika-Weihnachtsfrau”, von der ich heuer wieder drei neue Fenster geöffnet habe.

Da verlinke ich unten das schon Vorhandene und Punschtrinken waren wir mit der Iris vor zwei Wochen auf dem Karlsplatz und wollten da eigentlich letzten Mittwoch mit der kleinen Lia hingehen. Die war aber krank, so haben wir das gestern nachgeholt.

Da gibt es ja ein Ringelspiel, das man selber durch Radfahren antreiben muß. Es gibt den Punsch und für die Kinder zeichnen, Kerzen ziehen oder basteln und am Sonntag hat uns die liebe Ruth eingeladen, die ja den Monat November auf einen Schreibaufenthalt in Bad Hall verbracht hat und daher nicht bei meinen literarschen Geburtstagsfest war. Die hat sich ja im Sommer den Arm gebrochen und da hat ihr der Physiotherapeut gesagt “Finger viel bewegen!” Also ist sie auf die Idee mir zu Weihnachten eine Jacke zu stricken gekommen und die wollte sie mir heute übergeben.

Der Tisch war schön mit einer Kerze und einem Nuß- und Mandarinenteller geschmückt. Es gab sehr schöne Servietten und einen Weihnachtskuchen und dann gibt es auch ihr neues Buch, das sie mir übergeben hat.

“Begona, la Trigena”, heißt der Roman, der in Nikolaus Scheibners “Edition” herausgekommen ist. Angesichts meiner immer noch sehr langen Leseliste, werde ich vor Februar höchstwahrscheinlich nicht kommen. Was aber vielleicht auch ganz passend ist, denn am siebenten Februar feiert die Ruth ja ihren siebenundsiebzigsten Geburtstag und da gibt es eine von einem Schauspieler gelesene Präsentation . Im Linzer “Stifterhaus” stellt sie das Buch auch vor und vielleicht auch in der kubanischen Gesellschaft, denn es geht in dem Buch auch um Kuba oder Havanna und jetzt schreibt die Ruthschon an dem nächsten Buch.

Fleißig fleißig, aber ich bin das auch, korrigierte ich ja immer noch an meiner “Stalkingstory” und dann gibts schon Ideen für ein oder zwei Projekte und Anfang nächstes Jahr gibt es wieder Jurenka Jurks “Romanplanjahr”, wo ich wieder mitmachen werden, obwohl ich inzwischen schon weiß warum ich schreibe und wahrscheinlich auch wo meine Stärken und Schwächen sind.

So jetzt kommt noch eine Arbeitswoche und dann geht es am Freitag wahrscheilich nach Harland, wo wir über Weihnachten bis Silvester bleiben werden und jetzt, wenn meine Leser wollen, wieder ins Jahr 2015 zurück, wo die Flüchtlingskrise ihren Höhenpunkt hatte und die Einstellung dazu noch ganz anders war.

1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 ein paar Lücken gibt es noch, mal sehen, wann sie sich füllen und interessant ist wahrscheinlich auch, die Vortexte dazu zu lesen, wo man verfolgen kann, wie ich die jeweiligen Tage von 2015 bis jetzt verbracht habe.

Das Ende ist nah

Amir Gudarzis Debutroman, hätte ich eigentlich schon im Sommer lesen können. Wurde es mir da doch zum Lesen angeboten. Dann sind wir aber nach Frankreich gefahren und als wir zurückkamen, hatte mir die Post das Buch mit einem anderen zurückgeschickt. Ich habe es dann zwar wieder bekommen, da standen aber schon die österreichischen und deutschen Longlistbücher auf meiner Leselistem und ich habe den 1986 in Teheran geborenen Theaterautor, der 2009 nach Österreich gekommen ist, schon einmal in der “AS” erlebt.

Er hat das Buch dann zeitgleich mit dem “Wildgans-Preis” in der “AS” vorgestellt und auf der “Buch-Wien” hat er den Roman auch vorgestellt. Da habe ich ihn am Donnerstag Vormittag gesehen, wollte aber Michael Hammerschmid der auf der Kinderbuchbühne gelesen hat auf das Gstöttmaier-Buch ansprechen.

Also wieder versäumt und jetzt nach dem ich mit dem deutschen und den österreichischen Buchpreislesen fertig bin, das Buch gelesen und ich muß sagen, es ist in Zeiten, wie diesen, wo man ständig und überall hört, daß die Integration gescheitert ist und man alle Syrer, Afghanen etcetera zurückschicken soll, weil sie Frauen vergewaltigen, das Sozialsystem ausnzen und in der Schule nicht Deutsch lernen wollen, so daß die PISA Ergebnisse dadurch beeinträchtigt wuren, ein wichtiges Buch, weil man da hautnah aus dem Leben eines sehr erfolgreich Integrierten erfahren und sich eine Vorstellung davon machen kann, wie es den Asylwerbern geht, wie sie leben, was sie denken und welche Schwierigkeiten sie haben.

Ganz ausgereift würde ich den Erfahrungsbericht, das autofiktionale Memoir des Theatermachers nicht empfinden, ist das Buch doch sehr vielschichtig und es beginnt im oder vor den Jahr 2009, wo sich A. , der in Teheran eine Theaterschule besuchte, an Demonstrationen beteiligte.

Er hat eine Freundin namens Ava. Aber da ist der Kontakt schwierig, muß er sich doch einen Tschador anziehenm wenn er sie besuchen will, damit die Nachbarn ihn nicht sehen. Sie läßt ihn auch nicht wirklich an sich heran, sondern fordert ihn, von ihrer Mutter beeinflußt auf, ihn zu heiraten, da muß er aber viele Versprechen machen, sich verschulden, etcetera.

Er flieht dann nach Österreich. Eigentlich will er, glaube ich, nach Kanada, sucht aber dann hier um Asyl an. Er ist aber mit dem Flugzeug gekommen und hat auch eine Menge Geld mit sich, das er einem Taxifahrer übergibt, bevor er sich nach Traiskirchen aufmacht.

Dort wird er vorwiegend von den Iranern angegriffen, weil er nicht fromm ist und nicht betet, wird von ihnen für einen Spion gehalten und bestohlen. Es kommt auch zu Übergriffen und Schlägereien. Ein Polizist, der Farsi spricht, ist freundlich zu ihm. Er spricht recht gut Englisch, kommt damit aber nicht weiter. Schließlich kommt er in ein Flüchtlingsheim nach Plankenstein, wo der Chef täglich eine Lebensmittelration ausgibt, sich aber sonst um seine Schutzlinge nicht kümmert. Ein Deutschkurs wird ihm auch verweigert und als er im Supermarkt mit einem fünfhunderteuroschein zahlen will, wird die Polizei geholt, auch wenn er sich Äpfel vom Boden aufklaubt.

Er lernt dann eine Sarah kennen, die an sich sehr hilfreich ist und ihn unterstüzen will. Er aber Schwierigkeiten hat, sich in eine Beziehung mit ihr einzulassen. Er findet einen Platz in einer WG in Wien, sein Asylantrag wird mehrmals abgelehnt. Er arbeitet schwarz als Pizzabote oder als Mädchen für alles in der Pizzeria, wird von seinem Chef ausgenützt, bis er endlich Asyl bekommt und Deutsch gelernt hat.

Das Ganze geht natürlich nicht ohne psychische Schwierigkeiten und am Ende bringt sich Sarah, die ihn lange Briefe schreibt und psychoanalytische Theorien findet, warum es mit der Beziehung nicht klappt, um, was ihn erst recht zu entwurzeln scheint. Spricht er doch, als er die Mutter anruft mit einem persischen Akzent und kann sich an sein Leben nicht erinnern, dann endet aber das Buch mit den Zeilen:

“Das Ende ist nah. Sie hat meinen Körper hat mich übernom…

Nein, das stimmt nicht. Ich habe nur einen Albtraum gehabt. Alles, was ich bis jetzt geschrieben habe, ist eine Lüge. Ab jetzt will ich die Wahrheit offenlegen. Ab jetzt gibt es die wahre Geschichte.”

Seien wir gespannt darauf. Bis dahin können wir über das Buch nachdenken, von dem Julia Franck am Buchrücken schreibt “Ein seltener Einblick in das, was Menschen auf sich nehmen, wenn sie flüchten. Und ein kostbares, tief bewegendes literarisches Dokument”

Was man vor allem auch den FPÖ-Wählern empfehlen könnte. Deshalb mein Vorschlag, das Buch für die nächste “Eine Stadt- ein Buch-Aktion” auszuwählen, aber das fürchte ich, wird nicht passieren.

Auf meine 2023-Bestenliste wird es aber kommen.

Der siebenundzwanzigste Exil-Literaturpreis

Den EXil-Literaturpreis initiiert von Christa Stippinger gibt es seit 1998, für Menschen mit nicht deutscher Muttersprache und daraus sind schon einige Talente hervorgegangen. Der erste war glaube ich Dimitre Dinev, dann natürlich Julja Rabinowich mit ihren “Spaltkopf”, Susanne Gregor könnte man dazurechnen, und und und…

Die Anthologie mit den Preistexten gibt es auch und am Anfang haben die Veranstaltung im Amerlinghaus stattgefunden, später auf der “Buch-Wien” und seit einigen Jahren im Literaturhaus.

Jessica Beer moderierte. Es gab Musik von Milos Todorovski und Maciej Golebiowski und in der Jury waren heuer Jessica Beer, Robert Huez und Grzegorz Kielawski, der auch einmal da gewonnen hat.

Wie immer wurden auch die Geldgeber besonders vorgestellt. Es gab Videosportraits der Preisträger, dann eine Lesung mit Textausschnitten, bevor die Preise vergeben wurden.

Den ersten Preis hat die 1997 in Lemberg geborene Anastasya Savran mit ihrem Text “platz für enge” gewonnen, die mit einer folklorischen Bluse und, wie ich glaube, einer ukrainichen Schärpe auftrat.

Dann kam “Insonne. Berichte aus einer anderen Landschaft”, der 1988 in der Schweiz geborenen Wania Laila Castronova, die in Sizilien aufgewachsen ist.

Der dritte Preis ging an die 2000 in Prag geborenen Sara Köhnlein mit “Das Ungleichgewicht der Grenzen”.

Dann gibt es immer einen Preis für Autoren mit deutscher Muttersprache, den diesmal Lisa-Viktoria Niederberger mit ihren Text “Gittka”, wo es um eine demente Großmutter geht, gewann.

Den Lyrikpreis hat die Südtirolerin Lorena Pircher mit dem Langgedicht “neujahr” gewonnen.

Dann gibt es noch einen Jugendliteraturpreis, der an die in Moldawien geborene Estera Calin für ihren Text “Vom Vergessen. Vom Kritzeln” gegangen ist.

Dann gibts noch einen Preis für Schulklassen und interessant ist dabei, daß heuer nur Frauen gewonnen haben. Ob es bei den hundertzehn Einreichungen keine Männer gab?

Die Preise wurden von der Stadt Wien, dem Bundesministerium und dem Bezirk Neubau gestiftet und ein Buffet vom Amerlinghaus gab es auch. Ich habe einige Bekannte getroffen und der Alfred hat sich wieder intensiv mit einer Grünen unterhalten hat, die, glaube ich, nicht wirklich verstanden hat, warum ich sie nicht mehr wählen werde.

Peter Pessls Gasthaus der Wilderness

Den 1963 in Frankfurt geborenen, in Wien und im Burgenland lebenden Peter Pessl kenne ich schon lang. Er ist GAV-Mitglied, hat bei mir bei der “Freiheit des Wortes” regelmäßig gelesen und ist ein sehr experimenteller Autor.

Er ist, glaube ich, auch ein großer Reisender und ich war schon bei mehreren seiner Lesungen, wo meistens seine bei “Ritter erschienenen” Werke vorgestellt wurden und heute ging es um das “Gasthaus der Wilderness” das Folgebuch von “Der Schwerkönig und die Biene”.

Da war ich glaube ich auch bei der Vorstellung in der “AS”.

Nur sehr wenig Publikum und Annalena Stabauer erklärte, daß das Buch vierzig Prosagedichte enthält, wo jedes Gedicht oder Prosastück aus mehreren Teilen besteht, ergänzte dann Peter Pessl, der aus jeden Teil ein paar Beispiele gab. Es gibt in den Texten immer wieder Ztate von Sarah Kirsch, Charles Baudelaire und Friederike Mayröcker, die im Februar wieder ein eigenes Symposium hat, bei dem auch Peter Pessl auch auftreten wird.

Aber jetzt zu dem Buch dem “Gasthaus der Willderness”, die man nicht mit der Wildnis übersetzen kann. Die Stadt Wien und ihre Terroranschläge kommen vor und Peter Pessel erwähnte im Gespräch, daß man, wenn man in Wien lebt über Leichen geht und auch die Flüsse, wie die Donau, vieles davon transportieren.

Ein sehr politischer Text trotz aller Experimente. Der Kurzkanzler kommt vor und auch das KZ Mauthausen, das dann mit “Mauthausen ein deutsches Glück” zitiert wird.

Sehr politisch, sehr experimentell und auch wieder ein wenig unverständlich. Aber irgendetwas zieht mich ja immer zu den Experimentellen hin, obwohl ich selbst nicht so schreibe und wurde auch vom Autor persönlich begrüßt.

Kein Weihnachtsmarkt am Karlsplatz aber Punsch und Kekse bei der Lese.Auslese

Eigentlich wollten wir ja heute mit der kleinen Lia auf den Christkindlmarkt am Karlsplatz und sie dort in ein Ringelspiel setzen. Sie ist aber krank geworden, so hat die Anna abgesagt und am Abend ging es wieder zur “Lese.Auslese” in die “Gesellschaft” zum traditionellen Saisonabschluß, wie Manfred Müller erklärte und erzählte, daß es die “Lese.Auslese”, wo immer die besten Bücher der Saison vergestellt werden, schon seit 2009 gibt. Bei einigen war ich , ich glaube bei der im Sommer 2010 das erste Mal, bei Corona habe ich gestreamt und mir den Punsch oder die Bowle nur vorgestellt und diesen Sommer, war ich, glaube ich, bei Lias Kindergartenfest in Harland und habe auch gestreamt.

Neun Bücher wurden von Katja Gasser und Cornelius Hell vorgestellt und die Bücherauswahl war sehr interessant, obwohl ich keines davon gelesen habe.

Begonnen hat es mit Klaus Amanns Christine Lavant-Buch, denn die feierte ja heuer, wie Manfred Müller sagte, ihren fünzigsten Todestag. Sie selbst wahrscheinlich nicht, aber die Nachfahren bzw. der Literaturbetrieb und dann ging es mit Gabriele Kögls “Brief vom Vater”, die ich später im Foyer gesehen habe, weiter. Auch ein Buch von unten, wie Katja Gasser euphorisch bemerkte.

Marica Bodrozic, die aus Dalmatien stammt, hat einen Essay über die “Mystische Fauna”, also das Verhältnis zwischen Mensch und Tier beschrieben, was, wie Ktj Gasser feststelle, wahrscheinlich wegen der Klimakrise derzeit sehr modern ist.

Drago Jancars “Als die Welt entstand”, habe ich mir ja auf der “Buch-Wien” vom Geburtstagsgutschein der Anna gekauft und muß es noch lesen und Julian Schutting, der ja als Jutta 1937 in Amstetten geboren wurde und ein begeisterte Fußgänger ist, hat “Auf vertrauten Umwegen”, datierte Blätter herausgebracht und dann blieb es bei Jan Wagner mit seinen “Steinen und Erden” lyrisch, beziehungsweise war das auch so bei der “Poesie” von Xaver Bayer, dem öst Buchpreisträger von 2020, von dem Katja Gasser in voller Begeisterung schwärmte und ihn sich als künftigen Buchpreisträger vorstellte.

Mal sehen, ob es soweit kommt und Laura Freudenthaler mit ihrem gattungslosen “Arson”, auch ein Umweltschutzbuch, wäre, wie Manfred Müller meinte, auch eine Anwärterin für diesen Preis und das beste Buch des Jahres und jetzt habe ich Sofia Andruchowytsch, die Tochter des Juri mit ihren “Geschichte von Uljana”, dem zweiten Teil einer Trilogie, wo man die heutige Ukraine gut verstehen kann, wie Manfred Müllerr meinte, vergessen.

Das war es dann und auf zu den Keksen und den Punsch, der von Manfred Müller schon wortreich angekündigt wurde und da war es im Foyer sehr voll. Annemarie Türk war da, Henrike Blum, Bruno Pisek, Gabriele Kögl, wie schon erwähnt, die sich selbst versäumte, Ljuba Arnautowic, Rhea Krcmarova die ich auch noch lesen muß und ich bin nach einem Becher Punsch und drei Keksen diesmal schnell gegangen, weil ich wegen meiner mangelnden Kondition diese Woche mit einer Zucker- und Alkohldiät begonnen habe, um wieder in Schwung und Form zu kommen.

Und jetzt der Einstieg in meinen Adventkalender, wo man bis zum Zwölften alle Fenster aus dem Jahr 2015 finden kann, der Dreizehnte kommt dann wahrscheinlich in den nächsten Jahren und das nächste offene Fenster wird, glaube ich, morgen sein.

Das zwölfte Nika-Fenster

Es geht rasant weiter mit den geöffneten Adventerkalenderfenstern aus der “Nika-Weihnachtsfrau”, die ich im Jahr 2015 nach einigen Anläufen geschrieben habe, so daß bald das ganze Buch, das den ganzen Dezember umfasst hier enthalten sein wird:

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“Samstag zwölfter Dezember

Am Samstag war eine kleine bunte Kindertrompete hinter dem Adventkalenderfenster verborgen und Nika dachte, daß sie zu “Pippi Langstrumpf-Jessica” passen würde, die sie heute sicher sehen würde, als sie in die Küche hetzte, schnell eine Portion Fertigmüsli in eine Glasschale schüttelte, Milch dazu gab und Kaffee trank. Sie mußte sich beeilen, auf die Mariahilferstraße zu kommen, denn heute war der dritte Einkaufssamstag und sicherlich viel los, so daß sie ihren Sack besonders gut füllen würde müssen. Mit “Naps” und “Stollwercks” höchstwahrscheinich. Der Krampus war schon vorbei. Nur in der Lade lagen noch zwei der übergebliebenen Figuren, eine davon steckte sie in den Mund, als würde sie sich damit auf den Arbeitstag vorbereiten.

“Pfui, Frau Magister, wie können Sie nur?”, würde Herr Widerling bestimmt unken.

“Die Krampusse waren für die Kinder unserer Kunden und nicht für Sie bestimmt! Jetzt verstehe ich, warum die sich beschwert haben, daß sie letzte Woche keine bekommen haben, wenn Sie sie nach Hause nehmen!”, würde Mister Widerling schimpfen, wenn er sie sehen könnte. Konnte er aber nicht, denn sie ließ ihn nicht in ihre Wohnung und selbst wenn, war bald nichts mehr zu entdecken, dachte Nka schelmisch und steckte das ausgewickelte Schokoladestück in den Mund. Das dazugehörige Staniolpapier warf sie in den Abfalleimer. Der letzte Krampus kam in die Dose mit den übergebliebenen Weihnachtskeksen. Aus den Augen aus dem Sinn. Aber wahrscheinlich war ihre Angst unbegründet und Herr Widerling hatte Besseres zu tun, als sich um die Krampusse der vergangenen Woche zu kümmern und heute wahrscheinlich ohnehin nicht anwesend. Aber sie mußte pünktlich sein und hatte sich zu beeilen, da er sicher seine Spione aufgestellt hatte, die es ihm berichten würden, wenn sie zwei Minuten zu spät auf der Mariahilferstraße erschien.

“Wie können Sie nur Frau Magister? Habe ich Ihnen nicht eingeprägt, daß Pünktlichkeit zu den höchsten Tugenden einer Weihnachtsfrau zählt, noch dazu, wo ich Sie aus vierundneunzig hochqualifizierten Bewerberinnen ausgewählt habe?”

Das wußte sie schon! War sie doch nicht von gestern! Also hastig die leere Schale in den Geschirrspüler räumen, in die Jeans und den Pullovet schlüpfen, die Tasche nehmen, die Tür versperren und zur U-Bahn hetzen. Laura Augustin ihre pensionierte Nachbarin kam gerade die Stufen hochgestiegen. Sie war schon einkaufen gewesen, steckte doch ein Milchpaket und ein Baguette in ihren Korb und wie bei ihr nicht anders zu erwarten, waren auch Bücher dabei.

“Waren Sie beim Bücherschrank?”, fragte Nika fröhlich und winkte ihr zu. Die Nachbarin nickte ein wenig schuldbewußt.

“Ich kann es nicht lassen, obwohl ich schon einen ganzen Stapel ungelesener Bücher in meinem Schlafzimmer habe! Aber man findet so interessante Sachen in den Schränken, schauen Sie nur!”, sagte sie und nahm die Bücher hinaus.

“Michael Köhlmeiers “Zwei Herren am Strand”. Das hat letztes Jahr auf der “Deutschen Buchpreisliste” gestanden und Mirko Bonnes “Nie mehr Nacht”, stand dort vor zwei Jahren. Da muß ein Buchhändler seine Leseexemplare hineingelegt haben und ich freue mich darüber!”

Dann hatte sie gefragt, ob sie wieder auf die Mariahilferstraße fahre?

“So ist es, Frau Augustin, ich muß mich auch beeilen, damit nich nicht zu spät komme und mein Chef nicht schimpft! Bis später also, lesen Sie schön und einen guten Tag!”, hatte sie hastig ausgerufen und war die Stufen hinuntergehetzt. In der U-Bahn gab es dagegen nicht so viel zu lesen. Gab es am Samstag keine Gratiszeitung und sie wußte auch nicht, ob Harald Schwabeneder immer noch über den Toten in Veras Klo schrieb. Seit der Enthüllung von Andrea Herbst war es um den Fall still geworden. Schien doch bewiesen, daß Klaus Kronauer an einem Schlaganfall gestorben war und es hatte sich auch noch Andrea Herbst Therapeutin gemeldet, die betonte, daß es für ihre Klientin sehr wichtig gewesen war, den Leuchter zu entsorgen, beziehungsweise den Toten damit zu konfrontieren, damit sie ihr Trauma überwinden könne! So weit, so klar! Vera hatte das auch gemeint, versuchte zu neuen Klienten zu kommen und Ruth hatte sich mit der Jugendamtstante unterhalten und wiederholt, daß sie weder Alimente von Joe Prohaska, noch ein Besuchsrecht für ihr ungeborenes Kind wünsche und ihr hatte sie mitgeteilt, daß sie sich dafür bedanke, in seine “Faiust- Vorstellung” zu gehen. Von ihr aus könne er auch den “Mephistopheles” spielen!

“Das ist ohnehin die bessere Rolle für ihn und er soll mich in Ruhe lassen!”, hatte sie empört gerufen und Nika verließ den U-Bahnzug. Lief den Ausgang in Richtung Stiftgasse hinauf und in die Personalgarderobe, wo sie in ihr Kostüm schlüpfte, die Mütze aufsetzte, den Sack im Magazineursbüro, wo kein Rade Jovanovic zu sehen war, füllte und zum Ausgang hetzte. Da kam sie an der Handschuhabteilung vorbei und noch ehe sie nach Jessicas Mutter Auschhau halten konnte, kam eine aschblonde Frau auf sie zu, sah sie unsicher an und fragte, ob sie fünf Minuten stören dürfe? Dabei sah sie sich ängstlich um, wie um sich zu vergewissern, daß ihr Chef sie nicht bei Privatgesprächen ertappte und flüsterte ihr zu, daß sie Dragana Nikolic sei.

“Jessi hat mir erzählt, daß sie sich mit Ihnen angefreundet hat! Ich hoffe sie stört Sie nicht! Aber wissen Sie, sie ist soviel allein, da ich geschieden bin, mein Ex-Mann sich nicht um sie kümmert, ihre Oma in Zagreb lebt und sie auch keine Geschwister hat! Sie sollte nicht so oft herkommen! Die Vorgesetzten sehen das nicht gern und ich predige ihr das auch jeden Tag! Aber was soll ich machen? ich kann sie nicht zu Hause einsperren und wenn sie sagt, daß sie sich alleine fürchtet, habe ich ein schlechtes Gewissen!”

Sie stört nicht, keine Sorge!”, antwortete Nika fröhlich und schüttelte den Kopf, als Dragana Nikolic nach Max Schröder fragte und wissen wollte, ob sie den alten Mann, von dem Jessica so viel erzähle, kenne und glaube, daß er gefährlich für sie sei?

“Sie sagt sie sei sein Weihnachtswichtel und müsse ihm beim Einkaufen helfen, damit die Religionslehrerin zufrieden ist! Aber glauben Sie nicht, daß es gefährlich ist, wenn sie zu dem Mann in seine Wohnung geht?”, fragte sie besorgt. Nika schüttelte wieder den Kopf und meinte, daß ihr der alte Mann vertrauenswürdig vorkomme.

“Überzeugen Sie sich selbst!”, schlug sie vor.

“Ich muß jetzt auf die Straße, Sie wissen schon, der Chef und die Pünktlichkeit, aber wenn sie kommt, schicke ich sie zu Ihnen und vielleicht können Sie in der Mittagspause mit ihr zu Herrn Schröder gehen! Ich glaube, er wohnt im Haus gegenüber, um sich zu überzeugen, daß er harmlos ist! Er ist ein pensionierter Lehrer! Verwitwet, hat “Parkinson” und kommt mit dem Einkaufen und dem Haushalt nicht mehr so zurecht!”, sagte sie. Jessicas Mutter nickte zuerst erleichtert, dann zuckte sie zusammen, als eine ältere Verkäuferin scharf “Frau Nikolic, Kundschaft!”, rief.

“Ich komme gleich, Frau Meisel!”, rief sie ängstlich und flüsterte Nika “Vielen Dank!”, zu, die wieder fröhlich nickte und “Keine Ursache, ich muß auch auf die Straße, denn ich bin schon viel zu spät daran!” antwortete.

So und das nächste geöffnete Fenster wird es am vierzehnten Dezember geben.